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mitten in den dingen

Es ist soweit: der Tag ist gekommen, an dem mein Sohn mich gefragt hat, wie die Babies in den Bauch ihrer Mamas reinkommen. Wie sie wieder rauskommen, haben wir schon vor einiger Zeit geklärt, aber das Interesse an ihrer Entstehung hat sich jetzt erst geregt. Die Antwort hat ihn nicht sonderlich beeindruckt, ehrlich gesagt. Nachdem wir die Sache mit den Zutaten geklärt hatten, war er schon wieder auf dem Sprung. Aber ein anderes, denkwürdigeres Gespräch zu dieser Thematik mit meiner großen Tochter etwa im selben Alter fiel mir wieder ein.

Schwanger mit der Kleinsten war ich im Auto mit meiner damals 5jährigen Tochter auf dem Rückweg vom Gyn, wo sie im Ultraschall das kleine Schwesterchen gesehen hatte. Über die Frage, wie Babies geboren werden, war sie völlig im Bilde, das hatte sie schon zwei Jahre zuvor abgehandelt, als ihr Bruder geboren wurde. Jetzt interessierte sie etwas anderes. Wir hielten auf dem Parkplatz vom Supermarkt, wo wir schnell noch einkaufen wollten und sie überfiel mich mit der Frage: „Mama, du hast mir schon erklärt, dass die kleinen Kinder aus dem Ei von der Mama und  dem Samen  vom Papa entstehen. Aber wie kommt der Samen denn zum Ei? Das hast du mir noch gar nicht gesagt“ Nein, natürlich nicht! Aus gutem Grund! Erstens weiß jede erfahrene Mutter, dass sie immer nur die Fragen beantworten sollte, die das Kind auch tatsächlich stellt. Alle darüber hinausgehende Information rauscht nur durch und bleibt nicht hängen. Und zweitens war ich schlicht panisch! Das war schließlich mein erstes Kind, das mich sowas fragte und ich war nicht wirklich darauf vorbereitet, wie ich das beantworten sollte.

Wie immer habe ich versucht, ihr die Tatsachen möglichst kindgerecht aber nicht albern zu schildern und vor allem bei der Wahrheit zu bleiben: ich finde nichts blöder, als wenn Erwachsene versuchen, Kinder für blöd zu verkaufen. Also habe ich ihr kurz und etwas reduziert erklärt, wie denn Ei und Samen zusammen kommen. Und wo. Ihre Reaktion war so erstaunlich wie erleichternd für mich: sie brach in schallendes Gelächter aus und kriegte sich kaum noch ein.

 

Tochter: „Mama, DAS habt ihr gemacht? Wart ihr dabei etwa nackt? Das ist ja total verrückt!“

Ich: „Also naja, es geht so… Eigentlich ist das ziemlich normal, wenn man erwachsen ist.“

Tochter: „Also habt ihr das dreimal gemacht: einmal bin ich auf die Welt gekommen, dann der Marius und jetzt das Schwesterchen. Oder?“

(An dieser Stelle habe ich beschlossen, von der Wahrheit abzuweichen. Man kann es vielleicht verstehen, wenn man bedenkt, dass das eigene Sexualleben einem selten als geeigneter Gegenstand für eine Konversation mit der 5jährigen Tochter erscheint. Selbst, wenn sie danach fragt. Außerdem dachte ich, ich bleibe jetzt mal beim Fortpflanzungsaspekt. Das mit dem Vergnügen hebe ich mir für später auf…)

Tochter: „Und wenn ich mal erwachsen bin und Kinder möchte, mach ich das dann auch mit meinem Mann?!“

Ich: „Wenn du mal Kinder haben möchtest ja, dann machst du das auch.“

Tochter (kriegt den nächsten Lachanfall): „Also nee, Mama, das sag ich dir, das mach ich nie. Da lern ich lieber Autofahren!“

 

An der Stelle habe ich dann einen Lachanfall gekriegt und mir gewünscht, ich hätte eine Videoaufzeichnung davon machen können. Um sie ihr später vorzuspielen, wenn sie darüber nachdenken wird, das vielleicht doch zu machen. Weil sie möglicherweise findet, dass es noch andere Privilegien im Erwachsenenleben gibt, als nur Auto zu fahren. Oder auch, weil sie entdeckt haben wird, dass ich sie angelogen habe und das möglicherweise mehr als dreimal mit ihrem Vater gemacht habe. Aus anderen Gründen als Kinder. Nach diesen Gründen hat sie bis heute nicht gefragt, obwohl sie inzwischen weiß, dass man Kinder nicht einfach mal eben so „machen“ kann, sondern dass es manchmal länger dauert, bis es klappt. Ach, ich fühle deutlich, dass ich auch auf diese Frage, die irgendwann kommen wird, ganz und gar nicht vorbereitet bin! Ein leichter Anflug von Panik macht sich breit, wenn ich nur daran denke… Aber ich werde die altbewährte Methode anwenden: knapp, ehrlich, nicht albern. Und hoffen, dass ich damit wieder mal durchkomme.

3 Kommentare

  1. Diana Mantel sagt

    Autofahren! Klasse!
    Als unser Kleinster geboren wurde, fragte der fast 4 jährige Justus auch wie dieser denn entstanden sei. Ich erklärte es ihm kurz aber offen. Er freute sich riesig über sein Brüderchen und sagte ganz fassungslos: „Und ihr habt das alles echt nur für mich gemacht?“ Klar doch!
    Bis zu dem Zeitpunkt ging er in seiner kleinkindlichen Fantasie davon aus, dass der Samen durch den Bauchnabel der Mutter zum Ei gelangt…

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