das wilde leben, leben mit kindern
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barbie goes hooker

Ich kann nicht widerstehen, mich über dieses Thema auszulassen, auch wenn es kein brandneues Phänomen mehr ist: die Monster-High-Puppen aus dem Hause Mattel.
Das Grauen auf zwei anorektischen Beinchen. Barbie, meiner Mutter Sexismus-Alptraum als meine Geschwister und ich Kinder waren, ist dagegen eine Art Märchenfee aus den Zeitenn, als alles noch besser war.

Als ich ein kleines Mädchen war, war mein Lieblingsspielzeug Playmobil.
Damit konnte ich tagelang Szenarien aufbauen, die ich dann wiederum tagelang gegen die Abbau- und Wegräum-Ansagen meiner Eltern verteidigt habe, die Sachen gingen mit in die Wanne, in den Garten, in den Schnee und ins Bett, wenn’s sein musste. Meine feministische Mutter hat mir lange Jahre Barbies untersagt und mir auch damals schon erklärt warum. Ich habe mit 8 Jahren natürlich nicht verstanden, warum großbusige, anatomisch inkorrekte Blondinen mit Miniaturnasen schwierig für meine Entwicklung sein sollten, aber ich durfte sie nunmal nicht haben. Das hat mein Begehren nach Barbies in einem gewissen Alter natürlich nur gesteigert und irgendwann hat meine Mutter nachgegeben und ich bekam sie: die spitzfüßigen, großbusigen, blonden Weiber, die die Beine nicht knicken konnten und deren Arme steif abstanden.
Aber kleine Mädchen sind schlauer als Mattel denkt, und ich hatte sehr schnell raus, dass die Blondies nicht so konnten wie ich wollte und habe stattdessen mit dem brustlosen Teenager-Modell gespielt, Barbies kleiner Schwester Skipper. Die konnte alles, was sie sollte: auf Pferden reiten, (überhaupt: Hosen tragen!) im Garten übernachten, durch die Gemarkung trecken, Zügel halten etc. Ich habe also eigentlich meine Playmobil-Szenarien auf diese Sorte Barbie ausgeweitet und gespielt wie vorher. Soweit so gut.
Jetzt ist meine große Tochter 9 und kam Ende letzten Jahres mit einer von ihrer Freundin ausgeliehenen Monster High Puppe an, die sie wahnsinnig toll fand. Ich war sprachlos. Diese Biester sehen aus wie heroinsüchtige, anorektische, minderjährige Prostituierte und werden den kleinen Mädchen als ästhetische Norm präsentiert. Die Tatsache, dass sie allesamt von Zombies, Vampiren, Werwölfen, Mumien und ähnlichen Fantasiegestalten abstammen und damit ohnehin qua Abstammung unrealistischsind, besänftigt mich dabei keineswegs. Was will Mattel uns damit sagen? Ja, in Zeiten der Vampirschnulzenblüte bedienen sie offenbar das Marktsegment, das noch nicht den unsäglichen Robert-Pattinson-Wahn mitfeiert, weil es noch nicht in der Pubertät ist. Aber das hier finde ich ja noch viel schlimmer!

Anorexia Nervosa trifft Oranienburger Straßen-Schick

Hier wird auf die kleinen Mädchen gezielt, meine ist mit ihren 9 Jahren ja eigentlich schon fast drüber und gerade noch so Zielgruppe. Und was zeigt Mattel hier den kleinen Mädchen? Ein neues ästhetisches Ideal, das nicht nur den Körpermaßen von Size Zero huldigt (oder ist das hier schon im Minusbereich?), sondern außerdem einen modischen Style feiert, der jeder Prostituierten in der Oranienburger Straße dabei helfen könnte, ihr Geschäft anzukurbeln.
Ganz ehrlich: ich könnte kotzen. Ich wünsche mir Barbies Atombusen aus den 80ern zurück. So unrealistisch und penthousemäßig der auch war, er war wenigstens ein urweibliches Attribut. Und bei aller berechtigten Kritik an Barbies Maßen, sie sah immerhin aus wie eine Erwachsene. Das hier sind Kindfrauen: keine Brüste, keine Anzeichen von weiblichen Formen mehr, ganz zu schweigen von den spindeldürren Beinchen in High Heels…  Diese Puppen sehen aus, als würde sie jemand gleich für einen Pädo-Streifen casten wollen.

Die Begeisterung meiner Tochter für die Biester hat sich zum Glück schnell gelegt und sie ist, darin offensichtlich ihrer Mutter sehr ähnlich, nach einem kurzen Intermezzo zu ihren über den ganzen Fußboden ihres Zimmers mäandernden Playmobil-Szenarien zurück gekehrt. Zum Glück.
Fragt sich nur, für wie lange bzw.: what comes next?

Die bescheuerten rosa Ü-Eier findet sie zum Glück „kindisch“. Uff.

5 Kommentare

  1. ha! meine tochter kam genauso auch mit einer leihgabe nach hause und wünscht sich diese püppis nun. zum geburtstag hatten wir sie überredet, doch etwas sinnvolleres auf die wunschliste zu setzen, aber da der wunsch nun immer noch da ist, sind wir am überlegen, ihr doch so ein häßliches ding zu schenken. allerdings stirbt die hoffnung zuletzt, dass sie es sich bis weihnachten doch noch anders überlegt…

    • Ich bin da auch immer unentschlossen: verteufeln und verbannen oder verharmlosen bzw. auch gerne lächerlich machen. Leider sind die Kinder ja dann irgendwann nicht mehr in dem Alter, dass ihnen das was bedeuten würde, was die Eltern finden bzw. noch schlimmer: GERADE das finden sie dann gut, was die Eltern kritisch sehen. Aber so weit sind wir ja noch nicht. Ich sage ihr schon ganz klar, wie ich das finde. Und was ich da sehe, wenn ich die Dinger anschaue. Nagut, das mit den Oranienburgerstraße-Mädchen habe ich ihr so nicht gesagt, aber dafür ist sie halt auch erst neun…

    • Ich hege keinen Hass gegen irgendjemanden, schon gar nicht gegen irgendwelche leblosen Plastikfiguren. Und ich fürchte, du meinst, dass es den Puppen gegenüber respektlos sei, sie mit Kinderprostituierten zu vergleichen…
      Ich meine genau das Gegenteil: ich finde es respektlos gegenüber Menschen, gegenüber kleinen Mädchen, Kindern überhaupt, dass es Spielzeug gibt, das sich auf derartige Zusammenhänge bezieht: sexy Kleidung an Kindfiguren. Anorektische Proportionen, die dann als ästhetische Norm präsentiert werden. Verharmloster Lolitastyle, verkaufsträchtig verpackt als Spielzeug.
      Puppen brauchen keinen Respekt, sie sind tote Materie und allenfalls eine Modeerscheinung. Ein Produkt zwischen vielen anderen.
      Menschen brauchen Respekt. Kinder brauchen Respekt. Und sie verdienen ihn.
      Das ist es, was ich mit meinem Artikel sagen will.

      • Zum Glück werde ich keine Kinder bekommen und werde nicht mit dieser Problematik konfrontiert.
        Ich kann dir nur sagen wie es für mich als Kind war, da war das Geschrei um die falsch proportionierten Barbiepuppen groß. Wenn mir das niemand gesagt hätte, wärs mir nicht aufgefallen und ich hätte mich auch niemals mit so einer kleinen Figur verglichen.
        Wenn du schon die Puppen nicht magst, guck dir bloß nicht die Serie an 😉 Die ist wirklich hart an der Grenze.
        Mit Respekt meinte ich Respekt gegenüber den Menschen die sie gemacht haben. Es wurde mit viel Liebe zum Detail gearbeitet. In den Puppen steckt ziemlich viel künstlerisches Können drin und Arbeit drin. (Und ne ordentliche Prise Marktforschung und Profitdenken, das kann man nicht leugnen.)
        Leugnen will ich auch nicht, dass die Kleidung furchtbar ist („nicht mein Geschmack“)
        Eigentlich wollte ich nur Bastelseiten zu den MH Puppen suchen, gefunden hab ich nur massig bösartige und wütende Beiträge von Eltern/Müttern.
        Danke das du dich mit meinem Kommentar auseinander gesetzt und nicht sofort gelöscht hast.

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