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goldkind-philosophisches ::: von prinzen&drachen. und vom heiraten.

Mein kleinstes Mädchen, mein Goldkind, beschäftigt sich seit Wochen intensiv mit Prinzessinnen. Sehr altersgemäß sind ihre aktuellen Heldinnen Aschenputtel bzw. Cinderella, Dornröschen, Schneewittchen & Co. Wie ich das aus feministischer Sicht beurteile, erspare ich ihr momentan noch. Schließlich ist sie erst drei und ihre rosa Phase (auch in wörtlicher Hinsicht: man könnte meinen, man zöge ein Bonbon groß!) sei ihr gegönnt. Alle relativierenden Aspekte bringt ihr das Leben höchstpersönlich noch früh genug bei. Und dann kann ich ja auch mal meinen Kommentar dazu abgeben. Außerdem weiß ich ja vom Herzensmädchen, dass diese Phase vorbei geht, einfach so. Auch ohne jeden korrigierenden Kommentar von mir.
Jedenfalls sind Goldkindchens Welt und ihre Spiele bevölkert von Prinzessinnen, Einhörnern, Feen und selbstverständlich auch den dazugehörigen Prinzen. Eine wirkliche Rolle bekommen die Herren aber bei ihr nicht: sie retten nicht, sie kämpfen nicht, sie reiten nicht mit auf Abenteuer, sie tanzen nicht mit, sie sind nicht mit magischen Tieren befreundet, kurz: sie kommen überhaupt nicht vor, denn die Damen in den Spielen vom Goldkind erledigen das alles tatkräftig selbst.. Tatsächlich treten die Prinzen erst irgendwann gegen Ende der diversen Spiele in Aktion, wenn es nämlich um Verlieben und Heiraten geht. (Wenn ich das so recht bedenke, ist das gar nicht so klassisch rollenfixiert, wie es zunächst den Anschein hat. Und mir wird gerade klar, warum der Lieblingsbub oft so gar keine Lust hat, mitzuspielen und dann der Prinz zu sein…!)
Verlieben und Heiraten beschäftigen das Goldkind auch sehr, und als wir kürzlich unseren 10. Hochzeitstag feierten, war sie sehr angetan, vor allem von dem Wort „Rosenhochzeit“. Seitdem beobachtet sie den Vater der Kinder und mich viel schärfer in unserem Umgang miteinander. Es kommt mir vor, als würde sie ständig ihre Konzepte von Verliebtsein und Heiraten am lebenden Objekt, ihren Eltern, überprüfen.

Vorhin haben der Mann und ich uns umarmt und geküsst. Das interessiert normalerweise eigentlich keins unserer Kinder wirklich, es sei denn, es hat gerade selbst das Bedürfnis nach liebevollem Körperkontakt. Dann wird sich aktiv rein gedrängelt und mitgeschmust. Aber das Goldkind hat sich eben vor uns aufgepflanzt, uns kopfschüttelnd beobachtet und ein Gespräch angefangen:

Goldkind: „Mama, Papa, wie oft wollt ihr eigentlich noch heiraten?!“
Wir mussten ziemlich lachen und fragten sie, wie sie das meine.
„Na, man kann doch eigentlich nur EINmal heiraten, oder? Also, man soll nur einmal heiraten und nicht dauernd. (Pause) So wie ihr.“
Ich: „Aber Goldkind, wir heiraten doch gar nicht dauernd. Wir haben einmal geheiratet, aber das ist schon 10 Jahre her.“
Goldkind: „Habt ihr euch etwa verlie-hiebt?!“ (Schelmisches Grinsen)
Ich: „Ja, na klar, sind der Papa und ich verliebt. Schon lange. Aber das weißt du doch. (Dachte ich. Und irre wohl gewaltig!) Oder?“
Goldkind: „Nee, nee, Mama, man kann sich nicht dauernd verlieben. Das geht nur EINmal. Und dann heiratet man. So!“
Ich: „Ja, genauso haben wir das gemacht, der Papa und ich. Aber vor zehn Jahren. Da hatten wir euch alle noch nicht. Stell dir mal vor, wie lange das schon her ist…!“ (Oh Mann. Bin.ich.alt.)
Goldkind (sichtlich unbeeindruckt): „Aha. Und wo waren wir? Und wer hat da auf uns aufgepasst?“

….

Ach ja! Diese Konzepte sind ja auch wirklich hochkompliziert! Wieso gibt es eine Zeit vor der eigenen Existenz? Was heißt denn Verliebt-Sein? Was bedeutet heiraten? Und wieso ist es nicht wie in den Büchern und Märchen und Filmen, in denen die Geschichte immer aufhört, wenn Prinz und Prinzessin sich verlieben/küssen/verheiraten? Alles sehr komplex. Und viel einfacher, wenn vom Goldkind durchgespielt:

„Ich wäre jetzt die Prinzessin, die Lilane, die bin ich. Und ich wäre sehr mutig und auch lieblich und mein Haar wäre golden und würde leuchten. So. Und jetzt reite ich da in die Drachenburg und zähme den Drachen und dann gehört das alles uns zusammen und ich bin die Königin von diesem Reich. Und ich heirate den Prinzen und der wird dann König. (Welcher Prinz, fragt sich die aufmerksame Zuhörerin? Wo kommt der her? Was soll er da? Warum wird er denn geheiratet?) Und der Drache und ich sind beste Freunde und dann darf ich auf seinem Rücken reiten und wir fliegen durch die Welt. Und das Einhorn fliegt mit. Und manchmal reite ich auch auf dem Einhorn mit meiner besten Freundin, die Pinke, das bist du Mama….! Ach, wenn ich doch in echt so ein Einhorn mit Flügeln hätte, Mama!“

Was’n Leben. Ich wäre gerne sofort die Pinke und würde auf meinem besten Freund, dem Drachen, durch die Welt fliegen. Und meine lilane Tochter wäre meine beste Freundin. Herrlich. Da gäbe es nur ein Problem: wie sage ich es dem Vater der Kinder? Der käme in diesem Szenario gar nicht vor. Also, nur mal ganz kurz. Zum Heiraten. Und König-werden. Vielleicht mit Küssen, da müsste ich das Goldkind noch mal fragen. Ob ihn das aber überzeugt?

Ich frag ihn gleich mal.

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