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nikolaus habits

Er war da!

Heute früh fanden alle Kinder ihre frischgeputzten Stiefel gefüllt mit Nüssen, Mandarinen und ein bisschen Schoki, dazu für jeden ein verpacktes Buch und eine Kleinigkeit. Die Freude war riesig.

Das Goldkind war außer sich über den „lieben, lieben Nikolaus, der wusste genau, was ich mag, Mama: eine Mandarine UND Hello-Kitty Handschuhe!“ und stülpte sich gleich die neuen Handschuhe über (dank sei H&M). Der Lieblingsbub freute sich vor allem über seine Drei Fragezeichen ??? Kids-CD, während sein Buch ihn nur beiläufig interessierte, wohingegen das Herzensmädchen sich gleich in ihr neues Buch: „Goethe für Kinder“ vertiefte. Dazu draußen noch dicke weiße Flocken, die vom Himmel fielen – perfektes Nikolaus-Glück.

Und während ich meine fröhlichen Kinder betrachtete, dachte ich darüber nach, was denn die Nikolaustraditionen in meiner Familie so sind. Bei Nachbars habe ich nämlich die Stiefel vor der Tür stehen sehen mit gigantischen Paketen dran und drum herum. Bei uns ist Nikolaus ein Buch-Schenk-Tag, von jeher. Und genauso, wie es zu Ostern nur etwas gibt, das auch ins Osternest hineinpasst, gibt es zu Nikolaus ein Buch und eine Kleinigkeit.

Früher bei uns war es genauso. Die Nikolaus-Schenk-Gewohnheiten sind exakt so, wie früher bei uns zu Hause: Mandarinen und Orangen, Plätzchen und Nüsse, ein Schokoladennikolaus und ein paar Schokoladenkleinigkeiten, ein Buch pro Kind.

Ich erinnere mich allerdings außerdem an wunderbare und üppige Nikolausfeste bei uns zu Hause: mit den immer selben befreundeten Familien wurde ein großer Nikolaus-Kaffeeklatsch gemacht und einer der Väter (praktischerweise der mit einem echten Nikolausbart) mimte den Nikolaus und beschenkte uns alle. Er kam mit stets durch die Terrassentür, trug als Mütze einen schwarzen Kaffeewärmer mit Rosenmuster, außerdem ein riesiges weißes Lodencape, eine Reisigrute und einen riesigen Jutesack über der Schulter, in dem für jedes Kind ein Mini-Jutesäckchen mit Nüssen, Mandarinen und Schoki war. Wir Kinder flöteten was vor, sangen alle zusammen Nikolaus-Lieder und sagten Gedichte auf. Und sehr zu unser aller Freude, kriegten meist alle anwesenden Papas mit der Rute symbolisch eins auf den Hintern – und der Nikolaus immer einen Schnaps, bevor er wieder in den dunklen Garten verschwand. Und obwohl wir ja irgendwie wussten, dass das der Papa von Leonie und Katrin war, obwohl wir ihn natürlich erkannten, trotz Wattebart, den er über seinen eigenen Bart geklebt hatte, war das für uns der Nikolaus. Der einzig wahre, der echte. Keine Frage.

Nachdem der Nikolaus wieder weg war, wurden Plätzchen gegessen, Kakao getrunken, Mandarinen geschält und noch mehr Lieder gesungen. Wir spielten wie die Irren den Rest des Nachmittags und die Erwachsenen gingen irgendwann vom Kaffee zum Wein, von den süßen Sachen zu überbackenen Brötchen, Kartoffelsalat und Frikadellen über. Ein großes, ausführliches, zauberhaft chaotisches Fest.

Unfassbar, wie unsere Mütter das gewuppt haben: wir waren 5 Familien mit insgesamt 13 Kindern, und diese Nikolausfeier war eine feste Tradition, die meine ganze Kindheit über andauerte und an der ich zuletzt teilnahm, als ich bereits ein 16jähriger Teenager war. Drei der Paare hatten sich inzwischen getrennt, der Nikolaus kam dennoch und die jüngsten Kinder in der Runde erlebten immerhin noch eine abgespeckte Form dieser Feste. Später, als wir alle erwachsen waren, haben wir das mal aufgegriffen: in meiner ersten gemeinsamen Wohnung mit dem Liebsten vor 12 Jahren haben wir ein Raclette am Nikolaustag abgehalten: die Kinder von damals, zum Teil mit Partnern. Wir waren 18 erwachsen gewordene Nikolauskinder und hatten einen wunderbaren Abend zusammen. Da es uns inzwischen über die ganze Republik verstreut hat, haben wir das leider nie wiederholt.
Etwas Ähnliches habe ich für meine Kinder nie gemacht, und ich spüre wie jedes Jahr ein leises Bedauern darüber, dass ich diese Adventstradition aus meiner Familie nicht weiter am Leben erhalten und für meine Kinder eingeführt habe. Mich würde interessieren, ob eins der anderen „Kinder“ von früher je so etwas für die eigenen Kinder gemacht hat…

Bei uns ist Nikolaus für heute eigentlich vorbei. Die Kinder haben Mini-Schokonikoläuse für ihre Freunde und Freundinnen mit in Kita und Schule genommen, das Goldkind versucht sich am Nüsseknacken, ich räume die Stiefel weg, die nicht angezogen wurden.

Wie feiert ihr Nikolaus? Gibt es feste Traditionen? Spielt das überhaupt eine Rolle im Leben eurer Kinder? Und was ist mit den Geschenken? Gibt es nur Kleinigkeiten oder ist Nikolaus auch ein Anlass, größere Wünsche zu erfüllen?
Ich hoffe auf ein paar Antworten, Geschichten und ein bisschen Einblick in eure Nikolausbräuche.

Einen fröhlichen, schneeflockigen Nikolaustag euch allen!

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2 Kommentare

  1. Da habt Ihr früher wirklich riesen Feste zum Nikolaus gefeiert. Richtig schön. Ich liebe so etwas.

    Bei uns viel Nikolaus immer etwas kleiner aus, dafür Weihnachten groß mit Weihnachtsmann.

    Nikolaus war und ist bei uns auch ein Fest der kleinen Geschenke, wie bei Euch. Mit den Büchern bei Euch find ich sehr schön.

    Liebe Grüße, Christian

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