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niemand stop the muuuusic ::: mutterhirn in nöten

Heute muss ich berichten, was meine Kinder mir angetan haben. Mal wieder. Ein Wunder, dass ich noch in der Lage bin, all das aufzuschreiben. Aber ich fühle, dass ich eine Dokumentationspflicht ihrer Machenschaften habe. Wer weiß, wann ich dieses Wissen mal brauchen werde…!

Alles fing ganz harmlos an, geradezu harmonisch: Wochenende. Der Samstag war da!
Mit Ausschlafen, Kakao & Kaffee in unserem Bett, beschaulichem Aufwachen unter Geplapper und Gezänk zwischen den ausgeschlafenen Ferienkindern. Dann ein spätes Frühstück, ausführlich, mit allem, was der Kühlschrank hergab. Sogar die Sonne war da und schien durch die Fenster. Alles wunderbar.

Während der Tisch vollgekrümelt und abgegessen da stand, wir gemütlich Zeitung lasen und Einkaufszettel schrieben, fingen die Kinder an, eine ihrer völlig wahnsinnigen Unterhaltungen zu führen, die jedes erwachsene Gehirn komplett überfordern. Ich stelle mir dann immer so ein großes, schwerfälliges Etwas vor, leicht angegraut, dass den kleinen flink-wieseligen Multitasking-Gehirnen der kleinen Menschlein einfach nicht folgen kann. Keine Chance, die sind viel zu wendig.

Lieblingsbub: „Mama, ich hab mir das neue T-Shirt angezogen, obwohl ich weiß, dass das zu kalt ist, deshalb habe ich die Kapuzenjacke an. Das ist doch gut, oder? Oder, Mama? Oder?“ Kurzer Blick auf den Bub, der nicht nur die Kapuze auf dem Kopf und einen Schlauchschal um hat, sondern oben drauf noch sein FCB-Basecap. Seufz! Nun gut. Nicken, cool bleiben.

Goldkind: „Mmmh, jetzt nehm ich…. eine Scheibe Salami! Aber ohne Brot!“ Ein Handgriff, Bedürfnis befriedigend. Noch ist alles ganz smooth.

Herzensmädchen: „Hab ich mein Handy geladen? Mama, hab ich mein Handy geladen? Meine BFF (waaaaah!), du weißt schon, Mama, wir schreiben uns doch jetzt immer über What’s App. Und ich muss un-be-dingt on sein, weil, wegen Twilight, du weißt…“ Vielsagendes Nicken und Augenplinkern in meine Richtung. Bei mir macht sich jetzt die erste leichte Verwirrung breit, die ich aber noch Verständnis heischend überspiele. Nicken, lächeln!

Bub: „Rosanna, heut nacht schlaf ich wieder bei dir, aber du darfst nicht wieder nachts rumschnippeln und deinen Schlafanzug ausmalen, ja? Das lenkt mich immer so ab und dann ist das Schlafen so anstrengend.“

Goldkind, mampfend: „Mmmh, na gut, das versprech ich dir. Der Dalmatiner-Schlafi ist jetzt eh schon pink ausgemalt, der muss sowieso in die Wäsche.“

Jetzt bin ich alarmiert: Schlafanzug ausmalen? Rumschnippeln? Was ist da los? Nur nix anmerken lassen, am meisten erfährt man ja, wenn man sich quasi unsichtbar macht. Das ist der Taxifahrer-Trick: so tun, als wäre man gar nicht da, dann quatschen die Leute sich die Seele aus dem Leib und machen sich quasi nackig.

Goldkind singt: „Niemand stop the music, niemand stop the, niemand stop the, niemand stop music…!“ Bub schlägt dazu rhythmisch mit dem Eierlöffel auf den Tisch und hat sich inzwischen mithilfe seines Schlauchschals vermummt.

Bub: „Guck mal, Mama, ist mein Style noch richtig? Ich bin nämlich ein Ninja, ich geh gleich Kämpfe trainieren. Kann ich mal mit Leo zum Karate? Rosanni, ich wär dein Vater und würd dich beschützen, ja? Wenn du im Dunkeln zum Ballett gehst nämlich.“ Ein Bayern-Ninja. Karate. Im Dunkeln zum Ballett. In meinem Kopf fängt’s kurz an, zu torkeln.

Herzensmädchen: „Mama, die sechs Wochen seit dem Ohrlochstechen sind doch jetzt rum, das hab ich ausgerechnet. Meinst du, ich kann zu Ostern beim Opa die neuen Federohrringe reinmachen? Das wär doch witzig, oder? Federohrringe zu Ostern. Was meinst du, Mama? Mama?“

Goldkind: „Ich hab auch gar nicht heute nacht rumgeschnippelt, Mari. Das ist voll gelogen. Das war schon gestern. Da hab ich das Malbuch zerschnitten. In ganz kleine Fitzel. Kann ich den Rest von deinem Ei, Mama? Mama? Niemand stop the, niemand stop the muuuusic….!“

Mein Gehirn gerät inzwischen ernsthaft ins Trudeln. So schlau es auch manchmal ist und auf der Spur für Müll die unfassbarsten Sachen speichern kann, in manchen Augenblicken fängt es einfach an zu schwanken und in Unordnung zu geraten.

Bub: „Okeee, und wir machen aber nicht wieder mitten in der Nacht diese laaaangweilige Mia-and-me-CD an. Die ist eeeecht nervig und außerdem grusel ich mich vor der fiesen Stimme von Panthea, weißt du, Mama, die ist so böse, wenn die Munkulusse zerpringen wegen dem Trumptus vom Fuddle, dann ist der das ganz egal, die will einfach immer nur mehr Einhornpulver…“

Goldkind: „Jeeeeetz ess ich noch… eine rote Pflaume und ein Stück Stinkekäse und ein Stück Croissant mit Nutella. Weißt du noch, Mari, die Zunge vom Mort ist in seinem Bauch ganz rumgedreht worden, dann kam alles rosa wieder aus dem Mund. Und ganz lang. Kann ich die Pflaume haben, Mama? Mama?“

Herzensmädchen: „Ihr hört nachts CDs? Panthea ist böse, das stimmt, aber Mia und Yuko und Mo, die finden doch die Trumptusteile und setzen sie zusammen, das weißt du doch. Und dann, ganz am Schluss, dann besiegen die die Munkulusse immer. Mama, was ist Omis Lieblingsfarbe? Ich will noch ein Bild malen für ihren Geburtstag? Mama?“

Gehirnstillstand. Fühlt sich an wie unter Strom mit Reizen von allen Seiten, kann aber nix.

Lieblingsbub: „Nein Rosanna, das war doch nicht die Zunge vom Mort, das war das rosa Drinnen, aus der Geburtstagstorte von King Julian. Das sah nur so aus wie die Zunge, der hat in echt gekotzt! Ich will auch noch ne Pflaume… Mama?“

Goldkind: „Mari, darf ich heute nacht denn DEINEN Schlafanzug ausmalen? Wenn du schläfst? Das merkst du dann gar nicht, ich bin auch ganz leise. Und morgen früh bist du dann ganz überrascht. Ich nehm auch kein Pink, ja? Mama, kann ich jetzt die rote Pflaume haben? Mit Zauberwort? Bitte?“

Lieblingsbub: „Ok, kein Pink, meine Lieblingsfarbe ist eh rot. Kannst meine Pflaume haben. Dann hören wir heute nacht aber lieber Frosch und Kröte, das ist lustig. Die Mama merkt das eh nicht. Spielen wir gleich wieder Mädchen-Junge-Kackwurst, Rosanna?“

Herzensmädchen: „Es heißt ‚please don’t stop the music‘, Rosanna. (Ahaaah…!) Mama, hast du früher schon mal davon geträumt, französische Sängerin zu werden? So wie die Fiese mit der zerlaufenen Schminke bei Madagascar 3?“

Mein Gesicht ist nur noch ein einziges Fragezeichen, augenscheinlich wird auch keine Antwort mehr von mir erwartet. Die zwei anderen Flink-Köppe haben aber offensichtlich sofort geschaltet.

Goldkind und Lieblingsbub im Chor: „Nooooonnnn, rchchchchiieng dö rchchchchiieng…..!“

Klingelgeräusche, Herzensmädchen grabscht nach ihrem Handy und versinkt in geheimen Welten, Gekicher und Geschnaufe zwischendurch, dann hektisches Getippe. Zwischendurch, ohne Augenheben: „Ihr Kleinen, seid ihr fertig mit Frühstück? Können die Kinder alle aufstehen, Mama? Mama?“

Irgend ein Reflex in mir funktioniert, ich nicke. Keine Buchstaben mehr übrig im lahmgelegten Hirn, um etwa Worte zu bilden.

Herzensmädchen fängt im Aufstehen an, zu telefonieren und spricht unverständliches Zeug in ihr Handy. Ich schaffe es, trotz meines paralysierten Zustandes, mir vorzunehmen, ihr später eine sms schicken, um sie ans Zähneputzen und Zahnspange-Applizieren zu erinnern.

Lieblingsbub springt auf: „Komm, Rosanna, wir dürfen aufstehen. Schmeiß die Pflaume hin, wir spielen Mädchen-Junge-Kackwurst!“

Goldkind: „Jaaa, Mädchen-Junge-Kackwurst!“ Daraufhin rennen die zwei im Wohnzimmer hin und her, stellen sich einander mit Kackwurst vor und singen Lieder mit rätselhaftem Inhalt, bevor sie sich abwechselnd an die Erde fallen lassen. Unter Gelächter .

Mann, in die Zeitung versenkt und ab und zu freundlich lächelnd, scheint nichts mitbekommen zu haben oder ist inzwischen selbst schon vollkommen ausgeschaltet. Oder hat ein besseres Pokerface als ich. Bei mir jedenfalls: Datenerror.

For the record: das Goldkind hat tatsächlich letzte Nacht ihren schwarz-weißen Schlafanzug mit Dalmatinerflecken auf den Beinen und Hundekopf auf der Brust mit pinkem Filzstift „ausgemalt“. Hundekopf ist jetzt pink, die Hose pink getupft. Außerdem haben die beiden Flitzpiepen ein Spiel erfunden, indem sie so tun, als gingen sie durch den Wald und träfen eine Kackwurst, dargestellt vom jeweils anderen, worauf hin sie in Ohnmacht fallen. CD’s gehört und Sachen zerschnitten haben sie, meiner Kenntnis nach, erst morgens, nicht nachts. Was nicht wirklich einen Unterschied macht. Und „je ne regrette rien“ im besten Edith-Piaf-Style wird tatsächlich in Madagascar 3 von einer monegassischen Tierfängerin vorgetragen. Mit stilechter zerlaufener Wimperntusche. Mort mit der rosa Zunge ist demselben Film entnommen und erbricht eine pinke Torte. Ausführlich. All das habe ich mit detektivischem Scharfsinn herausgefunden. Nachdem ich die Grundfunktionen meines Gehirns wiederbelebt hatte.

Was beim Herzensmädchen und ihrer „BFF“ vorgeht und weshalb da im Moment 5 mal am Tag telefoniert werden muss, bleibt mir schleierhaft. Nur so viel ist klar: „Twilight“ hat die beiden erfasst und erfüllt ihr Universum. (Schauder!)

Inzwischen habe ich mich von meinem Hirnschwurbl ein wenig erholt und die Verwirrtaktiken meiner Kinder für einige Stunden ignoriert, damit sie mich nicht vollends außer Gefecht setzen. Nach so einer Attacke braucht mein armes, altes Gehirn nämlich eine gebührende Pause.

Zum Glück liegt ja noch massig Schnee und wir konnten zum Rodeln gehen. Während die Kinder die Bunkerberge im Volkspark runterheizten und über den Spielplatz turnten, konnte ich harmlos aussehend daneben stehen und einigermaßen verbergen, dass ich quasi noch denk-gelähmt war.

Nur der Mann fragte mich ein paar Mal, warum ich so still sei.

 

13 Kommentare

  1. ann rosa lux sagt

    …. na bitte…. aber !!!! mein gehirn ist so superschlau das ich mittlerweile mehr weiß von diesen „zwielichtigen“ gestallten… und voll den tschek habe…. in echt jetzt!!! happy sonntag… p.s. es geht schon wieder los….. <3

    • Ich weigere mich. Bei Twilight spiel ich nicht mit, ich finde, jetzt isse alt genug, sich da alleine reinzudrehen. Was sie unbedingt loswerden will, erzählt sie mir ohnehin. Obwohl… vielleicht ist das auch eine der letzten Gelegenheiten, sich am Preteen-Kosmos zu beteiligen. Wahrscheinlich bin ich eh bald „raus“. 😮

    • Danke dir. Ja, alles, was nach Ausmalbild aussieht, wird im Moment auch ausgemalt. So leider dann eben das Hundchen auf dem Oberteil und die getupften Hosenbeine. Stöhn. Immer mal was Neues!

  2. 🙂 Herrlich, herrlich. Bei Euch ist ja was los.
    Ick staune wie du Dir den ganzen Diolog merken konntest. Unglaublich. Dagegen hab ich ein Kopf wie ein Sieb.

    Liebe Grüße, Christian

  3. Wundervoll geschrieben!

    ich habe zauberhaft geschmunzelt 🙂 Da geht ja die Party ab!
    Wird der Schlafi denn wieder sauber? Und wozu braucht man EinhornPulver? 😉

    • Danke sehr. 🙂 Ja, hier ist was los, langweilig wird’s uns jedenfalls nicht. Ob der Schlafi wieder sauber wird, werde ich sehen, der steckt nämlich im Moment in der Waschmaschine… Was das Einhornpulver angeht: in der besagten Geschichte mischt sich die Oberbösewichtin aus dem Pulver der Einhornhörner einen Trank, der sie vor dem Altern bewahrt. Eine böse Variante von Madonna also. Nur ohne Kabbalah. 😉

  4. Pingback: EZ ist jetzt DZ | Mamasbusiness

  5. Dein erster Text, den ich nicht zu Ende gelesen habe, nicht weil er nicht gut ist, aber weil ich das selbst habe (allerdings in abgespeckter Form, denn ich habe nur 2) und mein Hirn vor lauter Mama, Mama auch schon Konten machte und zum Stillstand kam.

  6. Pingback: wie ich mal an einer schlimmen krankheit litt und was das mit vivaldi zu tun hat

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