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mein sohn, das unbekannte wesen ::: zu besuch im jungs-universum

Diese Woche habe ich erstmalig mit der lieben Mama Mia telefoniert, mit der ich an einem (noch geheimen!) gemeinsamen Projekt arbeite. Es ist großartig, zu merken, wenn der spontanen virtuellen Sympathie die ganz analoge folgt, und wir haben uns verquatscht und natürlich auch sehr ausführlich über unsere Kinder unterhalten. Richtiger: über unsere Söhne.

Mia ist Mutter eines Sohnes und bald kommt ein zweiter dazu. Ich als bekennende Mädchenmutter nenne den Lieblingsbub mein eigen und stellte heute im Gespräch mit Mia mal wieder fest, was das eigentlich bedeutet.

Mein Bub, mein mittleres Kind, mein einziger Sohn, startete in sein und damit auch in mein Leben als lang ersehntes Baby nach ungewollter Kinderpause und beschenkte mich mit der unkompliziertesten und für mich rundesten Geburt, wie ich nach drei Geburten retrospektiv sagen kann: obwohl er nach 8 Stunden Wehen doch per Kaiserschnitt geholt werden musste, war alles gut und fühlte sich richtig für mich an. Und dann war er da – mein Sohn.

Seltsamerweise kann ich sagen, dass ich in inzwischen knappen sechs Jahren nicht aus dem Staunen über ihn heraus gekommen bin, denn keinem meiner drei Kinder fühle ich mich mitunter so fern – und doch so nah! Denn die Liebe zu ihm ist ja nicht geringer oder weniger intensiv, als die zu meinen Töchtern. Er war und ist oft mein ausführlichster Schmuser von allen Dreien und dennoch habe ich bei keinem der Mädchen so sehr das Gefühl, jeden Moment besonders festhalten zu wollen, ja, zu müssen! Weil ich mir so sehr bewusst bin, wie wenig Zweisamkeit und wie wenig Mutter-Sohn-Gemeinsamkeiten wir eigentlich haben.

Ihm dabei zuzusehen, wie er wächst, groß wird, sich entwickelt, gibt mir immer öfter das Gefühl, dass ich ihn eigentlich dabei begleite, wie er von mir weg geht. Viel eindeutiger und radikaler als meine Mädchen. Woran liegt das? Ich habe mir dazu schon oft Gedanken gemacht und sie eben im Telefonat mit Mia mal ein bisschen genauer formuliert: es ist das Jungs-Universum. Das ist nur seine Welt und ich, die Mama, stehe höchstens mit ihm an der Schwelle dazu und kann ihm ein bisschen zusehen. Noch. Je größer er wird, umso mehr wird meine Rolle die einer Beobachterin sein, die die Welt, in der er lebt, nicht betreten kann. Und falls doch, dann nur in seinem Gefolge.

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Er ist mit Dingen befasst, die mich schlicht nicht interessieren. Oder mich befremden. Und vor denen ich auch oft ratlos stehe. Wieso macht er aus jedem Stock ein Gewehr oder ein Schwert? Wieso ist inzwischen jede Schramme, die ich vor kurzem noch mit Tatütata verarzten musste, eine Art Auszeichnung und jedes blutige Knie in seinen Augen so was wie eine Markierung der Tapferkeit? Wieso hat er diese unzerstörbare Faszination für Fäkalwörter und drückt seine Begeisterung für Dinge und Situationen im Moment gerne mit dem Wort Sch…ße aus? Warum muss er in jeder noch so kleinen Ansammlung von Jungs den Wettbewerb suchen und angeben wie ne Tüte Flöhe, was er angeblich alles kann und sich traut? Weshalb hat er diese unglaubliche Energie, die sich in geschlossenen Räumen oft ungut entlädt und die er inzwischen selbst in körperliche Aktivität umwandelt, weil er merkt, dass ihm das gut tut? Wieso sind Männer auf Pferden und/oder mit Waffen solche Idole für ihn? Ritter? Jedis? Cowboys? Yoda sein Held? Und was hat es damit auf sich, dass er phasenweise wie ein Miniatur-Al Bundy dauernd die Hand in der Hose hat, als müsse er sich versichern, dass das Instrument seiner Männlichkeit unversehrt an Ort und Stelle ist? Wo kommt das her? Was ist das?

Es ist: ein Junge. Gut, das wusste ich schon vor seiner Geburt, aber was das eigentlich für mich als Mutter bedeutet, wird mir vor allem in den letzten zwei, drei Jahren erst so richtig klar. Denn der Bub startete eigentlich als Männlein in die Welt und hat seine Identität als Junge, als „Kerl“ im Vergleich mit anderen mir wohl vertrauten Jungs (Neffen, Patensöhne, Freundinnenkinder) relativ spät erst entdeckt. Dafür jetzt umso ausgeprägter. War er mit zwei noch ein brillentragendes und leicht ängstliches Minimännlein, geprägt von den Spielen der großen Schwester, seiner angebeteten Heldin und stets unter ihren Fittichen, so ist er heute ein tobender, stets quasselnder, fußballspielender und überall-raufkletternder „Remolino“ (spanisch für Wirbel(wind) und ein Ausdruck, den meine Großmutter für meinen Bruder im selben Alter verwendete), der jede Woche mehrere Hosen durchkriegt und dessen körperliche Aktivität aus unbekannten Quellen (Testosteron?) schier endlos gespeist wird.

Seine Welten sind mir, der Mutter, gänzlich unbekannt und auch unverständlich. Und schon jetzt macht das einen Teil unserer Beziehung aus. Wenn ich mich mit den Dingen befasse, die ihm wichtig sind, dann ist oft er es, der mir Sachen erklärt: über die Hunnen und ihre Waffen und wie sie versucht haben, die Chinesische Mauer zu überwinden. Über Meister Yoda und Anakin und was es mit der dunklen Seite der Macht auf sich hat. Über Fußball, über seine Helden vom FC Bayern und wieso er plötzlich mit einem Foto von Mario Gomez zum Frisör gehen will, weil er die Haare genauso haben möchte, wie sein angebeteter Lieblingsspieler. Über Dinos und andere „gefährliche Tiere“ und darüber, wie und wieso der eine stärker war oder besser kämpfen konnte, als der andere. Dass es wichtig und schön ist, nach dem Baden noch ein bisschen nackt Playmobil zu spielen, damit „der Schniedel auch mal an die Luft kommt, Mama“. Weshalb er Züge toll findet. Und Rennautos. Und Bälle. Bälle!

Es ist ein Rätsel und wird eins bleiben. Ja, es gibt auch in den Universen meiner Töchter Dinge, die mir völlig schleierhaft sind und gerne bleiben dürfen, wie beispielsweise Filly-Pferdchen. Oder Twilight. Aber meine Mädchen leben dennoch in Welten, die mir vertraut sind – weil ich selbst mal ein Mädchen war. Die Dinge, die sie interessieren, kenne ich oder ich kenne so ähnliche Sachen. Ihr Bedürfnis, mit mir zu reden, gerade bei meinem großen Herzensmädchen, ist das mir so vertraute Bedürfnis, mit meiner Mutter zu sprechen, das ich mein Leben lang hatte und das immer noch da ist – obwohl meine Mutter es schon seit 20 Monaten nicht mehr ist. Ich vermisse das immer noch. Und ich beobachte an meinen Töchtern einen ähnlich ungebrochenen Mitteilungsdrang, an mich, ihre Mama, adressiert.

Und mein Lieblingsbub? Mein einziger Sohn? Wenn ich ihn frage, wie es in der Kita war, erzählt er mir als Antwort, was es zum Mittagessen gab. Oder sagt maximal: „Schön!“ Ich erfahre erst durch die wöchentlichen Briefe an die Eltern, dass es gigantische Ausflüge auf Abenteuerspielplätze oder einen Museumsbesuch gegeben hat – ich war nie dankbarer als bei diesem Kind, dass diese Donnerstagsbriefe eine feste Einrichtung in unserer Kita sind!

Früher, wenn meine Mutter zu mir sagte, ich solle die Zeit genießen, in der meine Kinder klein seien, sie gehe so schnell vorbei, hatte ich keine Ahnung, was sie von mir wollte. Ich war immer so intensiv im Augenblick, in den täglichen Verrichtungen mit ihnen, dass ich mir kaum vorstellen konnte, es könnte eine Zeit jenseits dieser Existenz geben: verflochten in die kleinen Leben meiner Kinder und sie in das meine. Da gab es kaum Unterschiede in der Intensität, die meine jeweiligen Beziehungen zu den Dreien bestimmte.

Aber das hat sich geändert. Alle drei sind beständig auf dem Weg weg von mir, hinaus aus der Mama-Symbiose und aus der Kleinkindwelt, die mich immer mit eingeschlossen hat. Und plötzlich bemerke ich Unterschiede, signifikante Unterschiede , wie mir scheint, und ich beginne zu verstehen, was meine Mutter gemeint hat. Die Zeit mit meinen kleinen Kindern ist (war!) kostbar und kurz, und bei keinem meiner Kinder spüre ich das so deutlich, wie bei meinem Sohn.

Im Gespräch darüber mit Mia sagte ich, wie ich mich bemühen würde, JETZT Anker in seinem Leben, in seiner Persönlichkeit, in seiner kleinen Welt zu werfen, damit wir die Verbindung, die wir jetzt zueinander haben, wenigstens in Aspekten werde nachspüren können, wenn sie sich eines Tages völlig verändert haben wird. Ich glaube, das wird mit den Mädchen auch passieren, aber sie werden Frauen werden, so wie ich eine bin. Und da wird sich der Kreis zwischen uns wieder schließen.

Er wird mich nicht weniger lieben als seine Schwestern, aber diese Liebe wird sich ganz anders ausdrücken. Er wird mich nicht jeden Tag anrufen und mir erzählen, was in ihm vorgeht. Das tut er ja schon jetzt oft nicht. Er wird nicht in meinem Bett schlafen wollen oder sich wünschen, ich soll seine Nägel lackieren und mit ihm den Beziehungsstatus der besten Freundin durchquatschen. Oder sich wünschen, ich möge ihn mitnehmen zum Bummeln, Klamottenkaufen und Kaffeetrinken. Und das ist keine Frage von geschlechtertypischer Erziehung, es ist eine Frage dessen, in welche Welten hinein sich die Kinder entwickeln. Es mag ja Mädchen geben, die genauso gerne auf den Fußballplatz gehen, wie ihre Brüder. Meine gehören nicht dazu. Und mein Bub ist definitiv keiner, der die Interessen seiner Schwestern teilt. Ob mir das nun gefällt oder nicht, er ist ein Rumbolzer, ein Hosen-Durchwetzer und ein Stehpinkler. (Obwohl das natürlich eine einseitige Sicht seiner Person ist. Er ist nämlich auch der Bub, der Babys liebt und sich mit ihnen befasst, gerne mit mir kocht, stundenlang schreibt und malt und sehr einfühlsam und liebevoll mit seiner kleinen Schwester ist. Nur dass im Moment der Rumbolzer mehr und mehr Raum gewinnt.)

Heute überhäuft er mich mit Zärtlichkeiten und kleinen Komplimenten und nimmt mich ganz für sich ein mit einem einzigen Lächeln. Aber diese Art der körperlichen Nähe wird vergehen, je älter er wird, und ich bemerke jetzt schon an mir eine gewisse Wehmut, wenn ich daran denke, dass es ihm vielleicht in ein paar Jahren peinlich sein wird, mich in der Öffentlichkeit zu umarmen oder zu küssen. Umso mehr genieße ich es jetzt, wenn er seine kleine, feste Jungshand in meine legt und sagt: „Ich geh sowas von gern an deiner Hand, Mama!“

Vielleicht stelle ich mir das alles zu radikal vor und es wird mir viel natürlicher vorkommen, als ich es mir jetzt vorstellen kann. Und vielleicht tue ich gerade meinen Mädchen Unrecht, wenn ich denke, ich hätte viel mehr Zeit, sie zu genießen, als bei meinem Sohn. Irgendwie hoffe ich, ich irre mich und bin einfach nur gerade ein bisschen Lieblingsbub-sentimental.

Aber wenn ich morgens in sein Zimmer komme und er hat sich seinen Schlafanzug ausgezogen und springt nackt und wie von der Tarantel gestochen zu den Klängen von Gangnam Style durch die Bude, dann bin ich mir nicht so sicher.

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  1. Oh wie schön und anrührend du das Gefühl beschreibst. Obwohl ich „nur“ Mädchen habe kann ich irgendwie verstehen was du meinst. Gestern noch sagte ich zu meinem Mann, wenn wir denn ein drittes Kind bekommen sollten und es ein Junge werden würde, könnte ich mir das gar nicht so richtig vorstellen, das fühlt sich so fremd an, ich bin eben geübte Mädchenmama und die Jungswelt scheint wirklich sehr fremd. Mal sehen, sollte es so kommen, werde ich an dich denken! Vielleicht wird mir ja auch irgenwann noch ein Lieblingsbub beschert. Man sagt ja auch, dass die Beziehung zwischen Söhnen und Müttern einfacher ist, irgendwann mal, weniger konfliktgeladen als die Mutter-Tochter Beziehung.
    Liebe sentimentale Grüsse
    Nathalie

  2. Liebe BerlinMitteMom, danke! Danke für diesen treffenden Text. Ich werde ganz „rührig“, wenn ich Deine Worte lese. Du hättest meine Herzbub (bald 6) nicht treffender beschreiben können 🙂
    Unser Tochterkind (bald 9) ist auch das Paradebeispiel eines Mädchens und umso mehr entdecke ich auch diese Unterschiede. Weiter, wie Du es beschrieben hast, habe ich noch gar nicht gewagt zu denken (betreffend der Unterschiede und Entfernung von mir) das ist wahr und umso erschreckender … Schöner Denkenansatz. Grüße aus dem sonnigen BaWü von Susann

  3. Echt superschön geschrieben.
    Ich hab ja einen Sohn (4) und eine Tochter (6) und manchmal macht mir himmelangst wie schnell sie wachsen. Dann genieße ich es unglaublich, dass die große nachts noch so oft zu mir ins bett hüpft und der Junior fast anfängt zu schnurren, wenn man ihm den Kopf krault. Irgendwann wird die Prinzessin ihren Kummer und ihr Kuschelbedürfnis anderweitig ausleben und der Junior zu sehr auf den guten „Sitz“ seiner Frisur bedacht sein.
    Bis dahin hab ich aber hoffentlich noch ein wenig Zeit!

    • Und was die Unterschiede angeht:
      Der Junior ist seit 4 Jahren der einzige Mann im Haushalt. Da war ich regelrecht froh, als er sich letztens mit dem etwa gleichaltriegen Sohn einer Freundin raufte. Es war ein fairer Kampf um den Platz an der Stange vom Klettergerüst. Meine Tochter hätte den Konflikt wohl eher mit Worten oder mit meiner Hilfe lösen wollen.

      Steinigt mich meinetwegen, aber da ich ihn unter Frauen aufwachsen sehe, bin ich immer ganz glücklich darüber, wenn er trotz fehlender männlicher Bezugsperson eben trotzdem recht männliche Verhaltensweisen an den Tag legt. Inklusive „Dieser Stock ist ein Gewehr“ und „Ich zersäge jetztmal dieses schöne Spielzeug“.

  4. Liebe Anna,

    ja. Dreifachja. Mein Sohn (7) ist manchmal auch ein Wesen vom anderen Stern, und Meister Yoda hat ebenfalls Einzug in mein Leben gehalten, ebenso wie Lichtschwerter und Nerf-Pistolen.

    Und doch ist er mir ganz nah. Zum Beispiel, als er vor ein paar Tagen erst abends, vor dem Einschlafen, die These in den Raum stellte, dass ich doch sicher seine beiden Schwestern viel besser verstehe als ihn, den Sohn. „Nein!“, sagte ich, und stellte klar, dass er mir oft viel näher ist in seinem Denken und Fühlen als die beiden taffen Mädchen. Mein Sohn ist ein Zauderer, ein Planer, ein Perfektionist, das war ich als Kind auch. Er war sehr erstaunt und froh, dass ich ihn so gut verstehe. Das war ein richtig schöner Moment, und er schlief lächelnd ein.

    Lieben Gruss, Christine

    • Liebe Christine,

      das erinnert mich daran, dass meine Mutter mir mal erzählt hat, dass sie ein eben solches Gespräch mit meinem Bruder hatte, als er klein war. Der fragte sie nämlich, ob sie meine Schwester und mich viel lieber hätte als ihn, weil sie Mädchen seien und sie ja eine Frau. Krass, dass die Jungs das offensichtlich auch empfinden und dann, wenn man Glück hat, auch ausdrücken! Sie hat ihn ähnlich beruhigt, wie du es mit deinem Sohn gemacht hast.
      Ich weiß gar nicht, was ich meinem Bub sagen würde, wenn er mich das fragen würde: nein, natürlich liebe ich ihn nicht weniger! Aber verstehe ich ihn? Ich weiß es manchmal nicht. Ich bestaune ihn, ich bewundere seine Eigentümlichkeiten, seine Fähigkeiten und seinen Mut. Und ich habe viel Verständnis für seine verschiedenen Gefühle, die er manchmal gar nicht ausdrücken kann. Aber ob ich ihn verstehe? Vielleicht muss ich daran noch ein bisschen arbeiten und mir mehr Mühe geben, in sein Universum hinein zu schauen.

      Danke für deine Geschichte!

  5. martina van Middelaar sagt

    Ich unterschreibe hier ALLES!!!!! bin jetzt auch ein wenig wehmütig und sentimental und versuch jetzt mal meinen Sohn zu küssen, der hier im Pyjama rumturnt, die eine Hand in der Hose (Gummizug ist ja so praktisch) und gerade die ausserirdischen Sprache übt. schöner Blogbeitrag!!

    • Hand in der Hose kenne ich hier auch. Wahnsinn, dieser Schniedel ist offensichtlich so omnipräsent, dass der ständig angefasst werden muss. Zeigt deiner den auch so gerne? Was ich hier alles zu sehen kriege…! 😉

  6. Hm ich hab auch so einen mittleren Herzenssohn, er ist sieben, also auch so in dem Alter und auch ein richtiger Rabauke. Ich merke im Gegensatz zu den Mädchen, daß mich das Teilnehmen an seiner Welt oft anstrengt, langweilt. Ich mag nicht stundenlang Lego spielen, ich mag nicht ewige Ausführungen zu Pokemon oder Star Wars teilen, bemühe mich aber doch öfter, damit er sich ernst genommen fühlt. Die große Tochter ist mir da näher wenn sie mit mir über Musik oder Klamotten oder Nagellack quatscht 🙂 (Und ja wir haben hier durchaus andere Themen, aber das waren jetzt die krassen Gegensätze zwischen beiden)
    Ob er mir früher fremd wird? Das glaube ich nicht. Er ist anders, anders weil er andere Interessen hat als seine Schwester und anders, weil er ein anderer Mensch ist. Aber genau wir die Tochter mir Sachen evtl. nicht mehr erzählt und in ihre vorpubertäre Welt abtaucht, taucht er in seine Welten. Beide kommen aber immer noch regelmäßig zu mir zurück und ich glaube das ist die Kunst, die wir Eltern meistern müssen. Immer wieder Bereitschaft zum Zuhören signalisieren, schweigen, zuhören und teilnehmen ohne werten und einzugreifen soweit möglich. Dann werden wir auch immer ein Teil ihres Lebens sein und Einsichten bekommen. Ich hoffe das war jetzt nicht zu wirr formuliert, als Dreifachmutter hab ich zunehmend Formulierungsschwächen dank Schlafmangel 😉
    Kleine Anekdote am Rande. Letztens wollte der Mann als wir alleman in der Stadt waren alleine los um mir ein Geburtstagsgeschenk zu kaufen. Es gab ein hin- und her wer welches Kind mitnimmt auf seiner Tour. Im Endeffekt nahm er die beiden Töchter und ich den Sohn mit. Der Sohn wollte auch gerne mit „Mama“ gehen, ohne die große und die Babyschwester. Als wir dann so los waren, sagte ich ihm, daß wir jetzt ein bischen Mädchenkram machen, daß er da durch muß. Da antwortet er ganz süß, Mama das macht nichts, ich mach das jetzt mal gerne mit Dir 🙂
    (Er mag das sonst nicht und ist schnell genervt, wenn ich zB nach Stoff oder Nagellack oder Büchern für mich gucken will). Er war eine ganz tolle Begleitung auch wenn er versuchte noch den Legoladen einzuschieben. 🙂

  7. Ach Anna, wir hatten zwar schon dieses echt schöne und auch lustige Telefonat zum Thema, aber Du hast das jetzt nochmal so schön in einen wunderbaren Text gefasst! Du bist mir da ja einige Jahre und Erfahrungen voraus, denn mein Sohn ist noch ein „Männlein“, wie es Deiner mal war. Ich weiß, dass ich das genießen muss und ich tue es auch. Und ich habe eine Ahnung davon, was auf mich zu kommt, aber Deinen Satz, dass wir jetzt, in Kindertagen, versuchen müssen, ein Anker für unsere Söhne zu sein, den werde ich mir ganz, ganz dick hinter die Ohren schreiben.
    Liebste Grüße
    Mia

    • Liebe Mia, ich bin froh, dass ich das alles gleich aufgeschrieben habe, nachdem ich es mit dir im Gespräch zum ersten Mal so genau formuliert habe – was zum hinter-die-Ohren-schreiben auch für mich. Und bis hoffentlich ganz bald am Telefon – mit Neuigkeiten für unser Geheimprojekt! Ich habe da noch so ein paar kleine „Vertiefer“ vom BlogSt-Workshop mitgebracht… Liebste Grüße!

  8. … sende das jetzt mal an die mutter aus köln…… die nun ein 2. „hauptsache gesund“ bekommt… danke liebe anna… und palymobil nur noch nackich… happy day… und ich fande deinen joghurt…. fantastisch… komme… montag wieder…. <3

  9. Doro sagt

    Ich meine, dass das alles kein Grund ist, in vorauseilende Wehmut zu verfallen! Denn es gibt ja noch ein ganz anderes Klischee, das oft zutrifft (sonst wäre es ja kein Klischee): Die Mutter-Söhnchen. Ich meine jetzt nicht 36-jährige Singles, die im Hotel Mama wohnen, sondern ganz normale, gestandene Männer, die aber dennoch sofort die Mama anrufen müssen, wenn sie mal einen Schnupfen haben. Und die keine Kritik an ihrer Mama haben oder zulassen. Ich kenne einige insgesamt sehr nette Männer, die in diese Richtung gehen. „Alles Schlampen außer Mutti!“
    Und die Mamas wirken dem natürlich nicht unbedingt aktiv entgegen! Als ich Au Pair war, hat meine Gastmutter regelmäßig mit ihrem 5-jährigen Sohn kleine Rollenspiele gemacht, in denen der Sohn mit einem Mädchen (gespielt von der Mutter) konfrontiert war, die ihn unbedingt heiraten wollte, und seine Rolle war es, kreischend wegzulaufen und zu rufen: „Nein nein, ich bleibe bei meiner Mama!“
    Und ich kenne auf der anderen Seite wirklich nur ganz ganz wenige Frauen, die ein komplett ungetrübtes Verhältnis zu ihrer Mutter haben. Da gibt es oft unausgesprochene oder ausgesprochene Konflikte, zum Beispiel Mütter, die sich immer eine andere (schönere, elegantere, erfolgreichere, …) Tochter vorgestellt haben – und eben WEIL Mütter und Töchter in derselben Welt leben, wissen die Mütter (oder meinen zu wissen), dass die eigene Tochter sich einfach nicht richtig anstellt. „Willst Du nicht mal eine schickere Frisur?“ und dergleichen.

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  11. Ich unterschreibe dir das alles und dann kannst du das mal drei nehmen!!!! Das Mädchenzeug bitte weg streichen, denn wie du vielleicht weißt lebe ich alleine mit fünf Männern unter einem Dach!!! 

  12. Schnief – ich habe gerade diesen schon älteren Text von Dir entdeckt. Auch ich habe einen Sohn. Er ist dieses Jahr eingeschult worden und macht seitdem eine große Veränderung durch – und unsere Beziehung auch. Und ja, ich denke, bei meinen beiden Mädels werde ich diese Schlucht als nicht ganz so groß empfinden… Sehr schön geschrieben!

  13. Pingback: #Lieblinks der Woche |

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