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mein kind, ein fiesling? ::: 140 zeichen für mütterverständigung

Ich schrieb ja letzte Woche ausführlich über meinen Lieblingsbub und über sein Kerl-Sein. Vor allem darüber, wie fremd mir manchmal das Universum ist, das er sich gerade eröffnet. Und darüber, dass ich mit diesem fremden Gefühl manchmal schlecht umgehen kann.

Gestern habe ich in meiner geliebten Twitter-Timeline mit gelesen, wie sich zwei von mir sehr geschätzte Frauen über einen ähnlichen Effekt austauschten, den sie beide gleichermaßen schockierend, traurig und schwierig finden, nämlich darüber wie es sich anfühlt, wenn man ab und zu oder auch für längere Phasen sein eigenes Kind nicht leiden kann.

Eins der Tabuthemen unter Eltern und dennoch eins, das ich heute unbedingt aufgreifen möchte, weil ich es so sehr kenne und eigentlich mit jedem meiner Kinder immer wieder erlebe: die Situationen, in denen man vor seinem eigenen Kind steht, das man mehr liebt, als man in Worte fassen kann und es eigentlich in dem Augenblick einfach nur blöd findet. Oder schlimmer noch: nicht nur blöd, sondern richtig Scheiße.

Ich weiß, das sagt man nicht. Nicht über seine Kinder und schon gar nicht zu seinen Kindern. Aber ehrlich gesagt ist das manchmal ganz schön schwer. Denn es muss mal gesagt werden: es ist nicht immer alles schön und leicht und selbstverständlich! Voller Liebe ist es schon, das ist die Basis, der Subtext unter allem, was meine Beziehungen zu meinen drei Kindern angeht. Aber darüber liegt eben nicht ständig das Vogelgezwitscher und die Morgensonne aus der Toffiefee-Werbung. Ganz oft hat es eher was von einem Rammstein-Konzert. Mit Feuer auf der Bühne und unkontrollierbarem Ausgang.

Zum Beispiel gestern morgen, als der Lieblingsbub und das Goldkind beim Zähneputzen um 7:45 das Zanken anfingen und der Bub im Verlauf des Gezänks in eine ekelhafte Offensive ging, die damit endete, dass er seiner kleinen Schwester das ganze Zahnputz-Mundausspülwasser mit voller Absicht über den Ärmel gespuckt hat. Als sie dann anfing zu weinen und sich bei mir zu beschweren, beschimpfte er sie als „olle Petze und blöde Kackwurst“, die es selber Schuld sei, weil sie ihm keinen Platz gemacht, ihn geschubst und überhaupt nur doof gewesen sei. Natürlich hatte sie ihn vorher gepiesackt, ich hatte ja jedes Wort der Zankerei mit angehört, dennoch fand ich diese Spucknummer sowas von blöd und unnötig, zumal ich jetzt natürlich das Goldkind noch mal umziehen musste: Ärmel klatschnass und siffig bis fast zum Ellenbogen rauf.

Ich war auf 180 und der Bub hatte keinerlei Unrechtsbewusstsein sondern wollte auch noch mit mir eine Diskussion darüber anfangen, ob und wie seine Aktion gerechtfertigt gewesen sei. Da stand er vor mir, immer noch Nutellaschnute, vor lauter Gezänk seine Zähne nicht fertig geputzt, nach der zehnten Ermahnung immer noch nicht die Schuhe an, randalierte und war einfach unerträglich uneinsichtig, frech und permanent grenzüberschreitend. Gegenüber seiner kleinen Schwester, aber auch mir gegenüber. Das Ganze gipfelte in einem neuen Empörungshöhepunkt seinerseits, als er feststellte, dass das Goldkind ein T-Shirt unter ihrer (jetzt bespuckten) Strickjacke trug, während ihm seinerseits nicht gestattet worden war, das kurzärmelige Fußballtrikot anzuziehen, obwohl er ja schließlich der Ältere sei! Das Ganze sei ein Komplott, eine hinterhältige Verschwörung gegen ihn und seine Rechte. Mehr oder weniger sowas. Alles gebrüllt. Gespickt mit gemeinen Beschimpfungen an meine Adresse, die des Vaters und die der kleinen Schwester. „Ihr Pferdeäpfel, ihr Pipitrinker!“ Ein Riesentheater.

Ich war kurz davor, ihm zu sagen, er würde sich benehmen wie ein kleines Arschloch und hätte ich es gesagt, hätte ich es in dem Moment auch so gemeint. Wir haben es dann auch heute morgen nicht mehr hingekriegt, das aus der Welt zu schaffen, denn es war inzwischen 8:02, der Bus stand vor der Tür und meine Kinder waren wieder die, auf die gewartet werden musste. Wegen Kinderrandale am frühen Morgen.

Mit solchen Geschichten könnte ich dieses Blog regelmäßig füllen, darüber schreiben, wie fies, gemein, aggressiv oder ausfallend eins meiner Kinder sich mal wieder verhalten hat, und ich tue das in erster Linie deshalb nicht, weil es das Bild verfälschen würde, was für Kinder ich hier groß ziehe. Ja, all das sind sie ab und zu, aber sie sind natürlich darüber hinaus noch so viel mehr. Heute ist mir aber mal wieder aufgefallen, dass das Verhältnis schief ist: ich schreibe viel öfter darüber, wie lustig, einmalig, wunderbar, fantasievoll und einfühlsam sie sind, als über ihre Aussetzer. Warum tue ich das?

Weil man diese anderen Dinge ungern hört. Weil man sie, ehrlich gesagt, natürlich auch ungern erlebt und froh ist, wenn diese Momente vorbei gehen. Weil es nicht zu den Plauderthemen gehört, die Mütter miteinander gerne so haben. Weil jede Mutter ihr Kind gefälligst immer im besten Licht sehen, es verstehen und es auch so darstellen soll. Für sich. Für alle anderen. Die genau das gleiche mit ihren Kindern und ihrem Mutterdasein tun.

Ich will gar nicht darauf hinaus, dass Mütter andere Mütter ständig so harsch kritisieren, statt sich gegenseitig zu unterstützen. Heute nicht. Nein, ich will darauf hinaus, dass es durchaus normal ist, dass wir Mütter unsere Kinder nicht immer nur liebevoll anschauen. Dass wir sie manchmal nicht leiden können (sie uns im übrigen ja auch oft nicht) sondern blöd finden. Dass wir uns irre schlecht fühlen hinterher. Und dass wir es nicht besser machen, wenn wir das verschweigen oder so tun, als sei das ein Gefühl, das wir nicht kennen. Wir doch nicht! Tun wir aber doch. Alle. Wir sollten das sagen dürfen, ohne dieses ungute Gefühl, dafür schief angesehen oder verurteilt zu werden.

Als der Lieblingsbub das Haus wutschnaubend und maulend verlassen hatte, immer noch Lichtjahre von einer Einsicht entfernt, und ich, ebenso aufgebracht und immer noch an dem Satz „Du benimmst dich wie ein kleines Arschloch!“ kauend die Tür geschlossen hatte, um mich der frühstücksverwüsteten Küche zu widmen, verrauchte meine Wut Stück für Stück. Übrig blieb ein ganz einsames und schlimmes Gefühl: ich habe vor meinem Kind gestanden, wie vor einem Fremden. Ich fand es blöd, gemein und aggressiv. Ich fand, es war eine Kackwurst, ein Pferdeapfel und ein Pipitrinker und ich hätte das auch gerne gesagt. Und dann war er weg und es tat mir leid und ich musste bis 15h warten, bis ich ihm das sagen konnte. Vor allem aber fühlte ich mich schlecht, weil ich schlecht von ihm gedacht hatte.

Ich würde gerne sagen: das ist ok. Es ist normal. Das kennen wir alle, es geht vorbei und es ändert nichts an dieser tiefen Liebe. Es ist nur ein Moment, schlimmstenfalls eine Phase, aber es ist vorübergehend. Aber obwohl das stimmt und ein Teil von mir das genau so sieht, ist das nur ein Aspekt dabei. Der andere, der mir oft das Herz schwer macht ist dieser: ich bin innerlich kilometerweit weg von meinem geliebten Kind, wir sind uns fremd, wir mögen uns gerade nicht mal. Und das ist ein Gefühl, das ich HASSE. Nichtsdestotrotz: kein exklusives Gefühl, nicht mal ein seltenes, sondern eins, das ich mit vielen anderen Müttern teile. Auch wenn darüber nicht (gerne) gesprochen wird.

Liebe Twitter-Moms, mit denen ich gestern morgen kurz darüber sprach: ich danke euch dafür, dass ihr diese schwarzen Momente eurer Mutterexistenz mit (mir) geteilt habt. Das hat mich darauf gebracht, dass ich das auch tun will. Nicht nur in Gesprächen mit Freundinnen, mit denen ich mich darüber austausche, wie nervig, schlimm oder anstrengend wir unsere Kinder in bestimmten Phasen vielleicht finden, sondern hier auf meinem Blog.

Es ist kein schönes Gefühl, über das ich gerade schreibe, aber es ist auch kein seltenes Phänomen oder eine Exklusiverfahrung, sondern wahrscheinlich viel eher eine ziemlich verbreitete Alltagssituation, die ich mit vielen von euch Müttern teile. Wenn nicht mit allen. Es ist kein Unterscheidungsmerkmal, das die guten von den vermeintlich schlechten Müttern trennt oder die coolen, entspannten von den verkrampften und ungeduldigen. Ich bin überzeugt davon, dass es uns allen mal so geht.

Nur sagen wir es nicht. Wir gestehen es uns selbst nicht ein und wir gestehen es erst recht voreinander nicht ein: vor den anderen Müttern und Vätern, den eigenen Müttern und Schwiegermüttern, den wohlmeinenden Freundinnen und den besserwissenden Kitamoms. Aber wir sollten es. Wir sollten es aussprechen und dann leichter damit leben. Genau dann nämlich, wenn eine andere Mutter antwortet: „Kenn ich. Geht mir oft genauso.“

Diese Erleichterung, die jede von uns empfindet, wenn sie diesen Satz hört, ist riesig! Wir sollten ihn viel öfter zueinander sagen. Und zwar vor allem dann, wenn die Belastung groß und das Thema vielleicht ungemütlich oder gar richtig schmerzhaft ist. Ich versuche das eigentlich immer, aber mir ist klar, dass es mir längst nicht in jeder Situation gelingt, in der es wichtig und richtig wäre. Twitter hat mich gestern diesbezüglich wieder mal das Staunen gelehrt (nicht zum ersten Mal übrigens), denn in mehreren 140 Zeichen gingen erst der Zweifel, dann dieser Zuspruch und schließlich die Erleichterung zwischen zwei meiner Timelinemütter hin und her. Und das war berührend und großartig mit zu lesen.

Ich könnte jetzt sagen, dass es auch im Sinne unserer Kinder ist, wenn wir uns gegenseitig zunicken und uns im Alltag mit unserem gegenseitigen Verständnis das Leben leichter machen. Schließlich profitieren die Kinder als Erste davon, wenn wir uns wieder besser fühlen nach einer gefühlten erzieherischen Grenzerfahrung. Das ist sicherlich so. Aber auch darum geht es mir heute nicht.

Es geht mir um euch. Um mich. Um uns Mütter. Wir sind zusammen besser als jede für sich allein. Wir sind stärker, wenn wir uns gegenseitig die Hand reichen und uns Verständnis signalisieren. Für mich macht es konkret die aktuelle Situation mit meinem wilden Kerlchen leichter: zu wissen, dass es uns allen so geht und manche sogar darüber sprechen, entlastet und erleichtert mich. Jemand, der seinen momentanen Frust, seine Wut, sein Unverständnis über sein eigenes Kind mitteilt, öffnet die Tür für andere, denen es ähnlich geht. Die Last halbiert sich sofort für alle am Gespräch Beteiligten.

Manchmal reichen dafür 140 Zeichen.

 

(Dedicated to Frau Blümel und Antiidiotikum. Thank you for the inspiration.)

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29 Kommentare

  1. Stephie sagt

    Danke! Genau so isses!! Als Mutter von zwei Jungs, danke für Deine Ehrlichkeit und den Mut, dieses Thema anzusprechen. Ich war schon begeistert von deinem Lieblingsbub-post und der Gedanke sich „zu verankern“ ist wundervoll, aber es gibt eben auch diese andere Seite und es tut wirklich gut, dass auch von mal zu hören.

  2. Genau. Und kenn ich, und halte ich mittlerweile für normal – ein Mal ist mir sogar der „Arschlochsatz“ schon herausgerutscht. Besonders gut leiden konnte ich mich dafür nicht, aber ich bin fest davon überzeugt, dass viele Mütter, ich auch, sich selbst unheimlich kritisch sehen. Es hat ganz viel mit Bewertung zu tun: Warum sollte ich als Mutter nicht auch fehlbar sein? Ich darf Fehler machen, ich bin ein Mensch. Was nicht bedeutet, dass ich stolz darauf bin, wenn ich mich nicht so verhalte, wie ich das idealilter, in meinen Augen, tun sollte. Oder geht’s um die Augen der anderen? Manchmal ist das gar nicht so einfach auseinanderzuhalten…

    Herzlichen Gruss, Christine

    • Liebe Christine,

      ich bin da völlig deiner Meinung: wir SIND fehlbar!

      Denn dass wir Mütter sind macht uns ja nicht automatisch zu besseren Menschen, moralisch gesehen. Das zu denken oder diesen Anspruch zu haben ist eigentlich komplett lächerlich. Und es stimmt wahrscheinlich, was du sagst: die eigene Sicht aufs eigene Muttersein ist immer sehr kritisch – zum Glück! Aber ich glaube eben auch, dass die eigene Sicht die der anderen (mit) bestimmt. Wenn ich offen lege, wie es mir wirklich manchmal mit dem Muttersein geht, bin ich gefühlt wieder mehr ich selbst. Und wenn ich einer anderen Mutter (im echten Leben oder in 140 Zeichen) sage, dass ich ihre Erfahrungen teile und sie nicht psychopathische Verhaltensmerkmale aufweist, sondern im Gegenteil diese Gefühle und Reaktionen mit vielen anderen Müttern gemein hat, ist die Mütterwelt ein kleines Stückchen besser.

      Und die eigenen „Verfehlungen“ oder schlechten Gefühle gegenüber den eigenen Kindern wiegen nicht mehr so schwer.

      Irgendwie so. Oder?

      Liebe Grüße!

      • Liebe Anna,

        ja, irgendwie so. Und es sind zwei Seiten einer Medaille, womit ich gedanklich wieder bei der Selbst- und Fremdwahrnehmung bin, was mich schon länger beschäftigt (und auch zu dem Dove-Werbespot-Blogeintrag führte). Ich habe auf dem Weg in die Kita nochmal darüber nachgedacht, und denke, welcher Aspekt überwiegt, ist Typ-abhängig. Bei mir ist ein Hang zu „Fremdwarnehmung überlagert Selbstwahrnehmung“ festzustellen.

        Analytische Grüsse 🙂

      • Hallo Anna, hallo Christine,

        ja, ja, ja – ich nicke ab und betone nochmal: ja! Ich habe mich schon mal hinreißen lassen und dem Tochterkind gesagt, dass sie eine blöde Kuh, weil zickig und unmöglich, ist. Große Kinderaugen inklusive. Tja, das kann ich auch 🙂 Und: es tut mal gut, dem Kind das Gleiche zuzumuten [natürlich im sozialverträglichen Rahmen] – das nächste mal stampfe ich auch demonstartiv die Holztreppe in den 1.OG und lasse die Tür zurumsen – mal schauen, wie meine 2 das dann finden 🙂

        Grüße von Susann

  3. Pingback: Mütter. Unter sich. | Harmonie Nest

  4. Yvonne Leisten sagt

    Ich halte das auch für völlig normal, denn der Satz “ jetzt ist er wieder so“ kommt mir ja auch das ein oder andere Mal beim Gatten in die Denkbahn. Und sogar auch schon beim Sohn. Als er kürzlich die Phase hatte, alle zu hauen und dabei Aua zu sagen, die Tagesmutter ( sonst die Ruhe selbst) vom Spielplatz erzählte, dass sie bei einem weinenden Kind sofort an unseres als Verursacher dachte, hatte ich schon ein seltsames Gefühl. Gemischt mit Scham auch das Gefühl von “ nee, das ist nicht dein Sohn, vorsätzlich und bösartig kann der nicht, das zeigen wir ihm nicht.“ Ich merkte da ganz deutlich, dass wir doch unterschiedliche Persönlichkeiten sind und ich nicht alles toll und niedlich und hach finden kann. Mir hilft ja immer das Gespräch mit meiner lieben Freundin, die 3 von der Sorte hat, eins davon mein Patenkind. Da kommen auch schon mal Klopper zu Tage, zum Haareraufen. Da tut Distanz gut und der Austausch über das, was in einem vorgeht. Eins unser 140 Zeichen: ohje, du Arme, starke Nerven und Kaffee später irgendwo? Meist hilft das zum Dampf ablassen! In diesem Sinne auch Dir starke Nerven und Kaffee nachher irgendwo!!! Daumendrück aus Köln! LG Yvonne

  5. Ich hab meinem Sohn auch schon gesagt „Bastian, ich liebe dich über alles. Ich kann dich nur jetzt gerade gar nicht leiden.“ Find ich das gut? Nicht unbedingt. Aber keine Mutter besteht nur aus Sternstunden, wie Christine schon sagt. Man muss auch zugeben dürfen, dass es eben nicht immer nur Bullerbü zuhause ist, sondern gerne mal auch Lönneberga. Und ganz ehrlich: Ich glaube nur noch Müttern, die das auch tun. Die auch mal sagen, dass das Mutterdasein zwar unbezahlbar, aber auch anstrengend ist, und dass Kinder nun mal Menschen mit allem Drum und Dran sind – und das bedeutet auch, dass sie manchmal das kleine Arschloch raushängen machen.

    Gehört alles zur Entwicklung, klar.

    Aber ich muss darüber nicht fröhlich lachen, ich darf auch mal mit den Zähnen knirschen. Natürlich berichten wir alle online immer lieber über die niedlichen Sachen, die unsere Sprösslinge so von sich geben („Ich bin ein Paket! Und jetzt verkleide ich mich! Als … anderes Paket!“), einerseits, weil’s halt einfach in unseren Augen lustig ist und andererseits, weil es uns gut dastehen lässt, keine Frage. Aber für die Mutter, die gerade nicht weiter weiß, sind es die anderen Beiträge, die ebenso, wenn nicht noch eher hilfreich sind, die Texte, die über den Aaaargh-Alltag sprechen. Also: Pro mehr Ehrlichkeit in Mutterblogs! 😉

    (Ach ja, mein Sohnemann hat ja neulich im Supermarkt an der Kasse geningelt wie blöde. Irgendwann wurde es mir dann zu bunt und ich meinte: „Ach komm, Bastian. Leg dich einfach auf den Boden und schrei.“ Hat er dann auch gemacht. Zehn Sekunden, dann fand er’s total doof, stand auf und benahm sich. Har har har.)

    • …raushängen lassen, natürlich. Argh. Frau Springhart, tippen Sie nix ins Internet, wenn sie ihren Morgenkaffee noch nicht getrunken haben. 😉

      • …was zu beweisen war. Sie Ihren Morgenkaffee. Ich gebe auf. Und trinke Kaffee.

    • Liebe Natalie,

      Respekt. Denn wenn ich meinen Sohn (oder die trotzende Jüngste) scheisse finde, dann sage ich nicht „XY, ich liebe dich, finde dich aber gerade blöd.“ Nein, dann schnaube ich vor Wut und verkneife mir den Arschlochsatz – öfter, als mir lieb ist. Allerdings sage ich den Kindern oft und unverkrampft, dass ich sie lieb habe und zauberhaft finde, wenn mir danach ist. Das kann ich mir zugute halten, und authentisch bin ich auch. Wenn ich Jesper Juul richtig verstehe, dann mache ich meine Sache also halbwegs gut. Uff.

      • Och, es kommt durchaus auch vor, dass ich einfach kurz das Zimmer verlasse und mich außer Hörweite begebe. Und dann drück ich mich nicht so gewählt aus…
        Ich hab halt kindheitsbedingt eine gewisse Panik, dass der Sohn sich nicht bedingungslos geliebt fühlen könnte. Daher der Bedarf, das gerade auch in schwierigen Momenten auszudrücken. Wobei mein Hirn mir da dann wieder sagt, dass einem „Ich liebe dich“ nie ein „aber folgen sollte. Kurz: Es. Ist. Schwierig.

  6. Hihi… Danke, liebe Natalie, für deine Meinung und den Einblick in dein Mutterleben. Ich find’s auch unglaubwürdig, wenn manche Mütter immer nur die Sonnenseiten (mit)teilen. Wobei das ja auch oft einfach ein Ausdruck der Persönlichkeit sein kann: mach es wie die Sonnenuhr, zähl die heitren Stunden nur – oder so. Es gibt ja diese Leute, die Schwierigkeiten immer mit „privat“ labeln und auch in ihrem persönlichen Umfeld immer nur Friede, Freude, Eierkuchen machen, weil sie nicht gelernt haben, dass die schwarzen Momente auch zum Leben gehören und genauso wichtig sind.
    Und leider werden sie dann auch nie erfahren, wie erleichternd es sein kann, die schwarzen Momente zu teilen und dann zu erleben, wie sie sich aufhellen, wenn jemand anders sagt: „Ach, wie ich das kenne!“
    Ich glaube übrigens auch, dass die Kinder verstehen, wenn man an seinen Grenzen ist und sich nicht so benimmt, wie man gerne würde. Das macht mich schließlich zu der Person, die ich bin. Und dann bin ich eben mit allen meinen „flaws & defects“ ihre Mama. Die Mama von „Conny“ war grad aus, als meinen Kids ihre zugeteilt wurde. 😉

    Liebe Grüße und fröhliches Kaffeetrinken!

  7. Sabine sagt

    D A N K E !!!

    für diesen Artikel! Er kommt genau zur rechten Zeit. Ich bin für 3 Monate Strohwitwe und mit meinen 2 Damen (6 und 2 und voll berufstätig und schwanger mit Nummer drei) allein. Das klaptt IM GRUNDE gut. Wenn es nicht ständig Situationen wie Deine Zahnputz-Geschichte gäbe. Meine Große bringt mich manchmal an den Rand der Verzwiflung mit ihrem Verhalten und ihren Sprüchen und ihrem Gezänk und um meine Nerven (sonst ganz gut und recht strapazierbar) sind gerade echt zum Reißen gespannt. Und dieses Gefühl, sich wie fremd gegenüber zu stehen, das kenne ich so gut und es tut so weh, im Nachhineien, wenn die Situation vorbei ist. ich fühle mich immer so fies! ich glaube für mich ist am schwersten zu akzeptieren, dass ich das verhältnis so verändert hat. Eigentlich ist es ja erst 3 Jahre her, da war sie irgendwie nur süß und niedlich und über ihre Albernheiten konnte man eher lachen als schimpfen. Auch schwer zu akzeptieren, dass die Kleine vermuitlich auch mal diese Seite entwickeln wird )und sie ist schon auf einem erfolgversprechenden Weg ;-)).
    Aber es tut echt gut zu hören, dass man nicht alleine damit ist. Und dass auch andere diese widerstreitenden Gefühle aus Liebe und Aggression empfinden und damit ringen….

    LG
    Sabine

  8. Mir kamen die Tränen, als ich gelesen habe, wie es dir ging, als dein Sohn aus dem Haus gegangen war, denn genau dieses Gefühl kenne ich soooo gut. Sie verhalten sich wie Stinkstiefel, und man ist froh, wenn sie die Tür von außen zugeknallt haben, um in die Schule zu fahren – aber wenn sie weg sind, dann tut es einem leid, dass man jetzt so eine Distanz zu ihnen hat, und man wünscht sich, dass man anders hätte reagieren können.

    Liebe Grüße
    Michaela

  9. nadine sagt

    Genau diese Szenen erleben wir hier oft beim Zähneputzen, seit Jahren kommt es in unserem Minibad zu Rangeleien vorm Waschbecken.
    Heilsam, dass es dir ebenso geht und du so ehrlich darüber schreibst. Solche Artikel sind mir fast lieber als diese „everywhere sunshine“ Texte.
    schön authentisch!

  10. Guten Morgen die Damen!
    schön immer mal wieder aufmunternde Dinge zu lesen, die sich die Vorzeige-Mütter nicht mal ansatzweise anmerken lassen!
    Ich lärme und schnauze auch mal rum, finde mich hinterher aber doof und unfähig! Aber das der Zwerg genauso doof und blöd ist, weil er ja angefangen hat…gnhihihi……und gerade irgendwo im …Tschuldigung…Arschlochuniversum gefangen gehalten wird….das weiß ich ja eigentlich, und eigentlich bin ich ja die Erwachsene und die vernünftige und, die hier zu erziehen hat…..oh Mann! Und wenn mir dann noch eine geschniegelte Mama über den Weg läuft, die aussieht wie der Tot auf Latschen, und mir dann erzählen will, das ihr rotzfreches Gör, das mich gerade geschlagen hat, ein süßes kleines immer helfendes und zuvorkommendes Kind ist…..tja…dann…gerade dann…weiß ich nicht, wie ich unfähige Mutter so ein Balg am Hals haben kann, das so gar nicht der „Norm“ entspricht!!! Und dann nagt so ein kleines böses Wesen an mir und sagt mir immer wieder : Du machst alles falsch, Du bist unfähig, Du bist eine Niete als Mutter…..
    Was ja garnicht so ist, weiß ich ja auch, aber so kommt es mir vor! Und so fühle ich mich…..Verrückt oder? Bloß weil keiner zugeben will, das er selber auch einen oder zwei Satansbraten hat, die auch mal ins Universum der Blödheit, der Pipitrinkertums und so weiter abrutschen….
    Was mich auf die Frage bringt, warum ist das so????
    Ehrlich gespannt, wie es weitergeht…
    Liebe Grüße

  11. Heike Ritter-Hintz sagt

    Liebe Anna – oh wie wahr das alles ist …deine Kinder sind noch sehr klein, meine schon ein bisschen größer – wäge dich nicht in Sicherheit, dass es besser wird. Das wird es nicht – es wird anders. Das von dir geschilderte Gefühl wird sicherlich immer so bleiben …. manchmal findet man andere halt Sch…… – auch wenn es die eigenen Kinder, die Eltern oder der Ehemann ist. Das gehört dazu und das ist auch gut so. Denn es kommen auch wieder die anderen Momente, in denen alles voller Gänseblümchen ist, der Tag ohne große Probleme vor sich hinplätschert und alle sich lieb haben. Diese Tage stärken die Neven dann wieder für einige Zeit, oder ? Hauptsache es bleibt ein gewisses gutes Grundgefühl, dass in einem meiner Lieblingssprichwörtern so geht: „Wenn die Familie beisammen ist, ist die Seele an ihrem Platz“.
    Auch wenn sie manchmal dort erst wieder hingerückt werden muss.
    In diesem Sinne – take care ! Heike !

  12. Oh Gott, was bin ich froh, dass das mal jemand schreibt. Es ist leider so, dass man in der Blogosphäre fast nur von Friede, Freude, Eierkuchen liest. Bei uns tobt täglich irgend ein Orkan, mein Mann ist kurz vorm Durchdrehen, wir haben ein richtig grosses Problem mit unserem Dreijährigen (er gehorcht nicht, er schubst seine Schwester, er quengelt und bockt in einem Fort… Ich fühle mich machtlos, als Totalversager in Punkto Erziehung und weiss manchmal echt nicht, ob ich dieses Kind wirklich (noch) liebe(n kann) so wie es sich viel zu oft benimmt…) und ich habe vor längerem auch aufgehört, konkret und nonstop die täglichen Tiefpunkte zu verbloggen, denn es wird nicht gern gelesen, zumindest vom eigenen Umfeld kommt dann schnell mal die Kritik, dass man das doch nicht schreiben könne blablabla… nur: Wo werde ich es denn sonst los? Und ich MUSS darüber sprechen, nur so erfahre ich, dass es vlt anderen auch nicht immer rosig geht… bekomme vlt Tipps… oder wenigstens ein offenes Ohr oder einen Klaps auf die Schulter „wird schon wieder…“ Ob es je wieder wird, weiss ich nicht aber die Hoffnung stirbt zuletzt.

    • Es ist doch dein Blog: da solltest du schreiben, was DIR gefällt und was dir gut tut. Ist natürlich beim Bloggen immer schwierig die Waage zu halten zwischen „noch okay“ und „zu privat“ aber das gilt auch für die Werbespot-Themen und die glücklichen Momente, nicht nur für die schwierigen Phasen. Lass dich davon nicht irre machen, es ist doch deine Plattform. Und ich finde es persönlich immer wieder unglaublich, wie erleichternd die Wirkung ist, wenn jemand einem dann zu spricht und man sich verstanden fühlt. Schreib weiter und schreib über das, was DU willst! Liebe Grüße!

  13. Ich finde das wirklich unendlich grausam, dass diese anstrengende, negative Seite vom Kinderhaben oft so tabuisiert wird. Das baut einen derartigen Druck auf, dass man sich eigentlich nur noch als Versagerin fühlen kann und das Gefühl bekommt, nur die eigene Familie sei völlig daneben.

  14. 2fach Mama sagt

    Danke an ALLE und vorallem ein riesiges Dankeschön an Dich, liebe Anna Luz de León!

    Ich war bisher noch nie so ehrlich mit mir selber, dass ich mir diese Gefühle zugestehen wollte/ konnte. Ich habe mir bisher immer wieder Selbstvorwürfe gemacht und ein absoltes Versagen in meiner Mutterrolle empfunden… aber nein… ich bin ja auch nur ein Mensch und ich lebe in keinem Werbe-Spot!

    Ihr seit echt klasse… und wie ne gute Therapie 😉

    • Sehr gerne und lieben Dank für das tolle Feedback: ich freue mich immer so sehr, wenn meine Artikel auf Gegenliebe und Verständnis stoßen und vielleicht ein bisschen dazu beitragen, dass sich die ein oder andere entspannt. In diesem Sinne: relax. 😉 Liebe Grüße!

  15. Das ist ein sososososooooo toller Artikel, so klasse geschrieben, so ehrlich – toll! – Danke dafür!
    Genau dieses Thema habe ich, immer mal wieder. Und immer mal wieder dachte ich darüber nach dieses Thema im Blog aufzugreifen. Doch wie findet man die richtigen Worte um deutlich zu machen, dass man das Kind liebt, es aber in dem Moment ein Verhalten an den Tag legt, welches nicht akzeptiert wird?! Wie formuliert man aus, was man meint, ohne dass Andere es missverstehen?! – Ich brauche dafür meist ewig lange, bis es dann halbwegs klappt und dann hab ich mich an dem Text sattgelesen und lösche wieder. Hmpf.

    Egal, Dein Text ist ganz toll geschrieben und bringt das Ganze einfach auf den Punkt. UND es ist schön zu lesen, dass es auch Anderen mal so geht. Denn, auch wenn meine Tochter schon 8 ist, ich habe noch NIE von jemandem so ehrlich gesagt bekommen, dass er/sie sein Kind auch mal ARSCHLOCH findet. Noch nie. Und jedes Mal, wenn mich dieser Gedanke ergriff, hatte ich ein ganz schlimmes schlechtes Gewissen. Letztens erst, da sagte ich es dem Tochterkind auch. Hinterher, da habe ich es ihr dann auch erklärt. Dass ein Verhalten manchmal einfach so pfui ist, dass man den Menschen in dem Moment ganz blöd findet. Konnte sie verstehen. Mamas schlechtes Gewissen bleibt dennoch *seufz*
    Gesellschaftlich bekommt man nämlich suggeriert, dass immer alles „Super“ ist, oder zumindest zu sein hat. Probleme sind privat und werden auch so gehandhabt. Dabei würde es eher helfen, wenn man sich offen austauschte.

    Danke! ♥

  16. Ich hab es vorhin beim (nicht) Mittagsschlaf erst gesagt: Gehst du mir gerade auf den Sack. Nicht schön und es tat mir dann auch leid, aber ich bin eben auch nur ein Mensch. 🙂

    Ich finds super, dass du darüber schreibst. 🙂

    Liebe Grüße
    Isa

  17. Pingback: Inspirierendes und Schönes {lovely links} « Engelenchen

  18. katinka sagt

    DANKE!! Was hatte ich unlängst für ein schlechtes Gewissen…hat doch das Kindchen (8 Jahre alt) so unfassbar glaubhaft BauchKopfHalsweh am Montag Morgen gehabt, so dass es auf jeden Fall wieder ins Bettchen und nicht auf den Schulweg geschickt wurde…um dann ca 45 min später, ich zuppelte gerade meine Haare zurecht und schaute zufällig aus dem Fenster, in Schlafanzug und Gummistiefeln Experimente mit Wasser, Backpulver und einer Plastikflasche auf dem Rasen machend gesichtet wurde!! …und meine darauffolgende Ansprache klang glaube ich alles andere als pädagogisch wertvoll…irgendwas mit „verarschen“ habe ich da noch im Kopf und eine Tür hat auch ziemlich laut geknallt…au weia..das Kindchen wurde dann geradewegs erst in die Jeans und dann ins Auto gesteckt und zur ersten großen Pause in die Schule gefahren. Und mir gings fürchterlich dabei. Ganz, ganz schrecklich und fürchterlich.

    Abends sagte sie dann, dass ihr der Kopf wirklich ein bisschen wehtat weil sie so überlegt hat, wie der Versuch mit der Plastikflasche geht, bei dem das Wasser explodiert. Aha.

  19. Anna sagt

    Hallo, ich bin durch Zufall hier gelandet ( Suche: ich finde meinen Sohn blöd.). DANKE! möchte ich hiermit sagen. Mir geht es gleich wieder besser, das schlechte Gewissen nagt nicht mehr so doll, denn ich bin damit offensichtlich nicht alleine. Herzliche Grüße Anna

  20. Mittlerweile schreiben wir das Jahr 2017 – und dieses Thema wird niemeals alt!!!

    Als ich  hanfing zu lesen, war ich sehr sehr traurig. Ich schämte mich übe rmich selber.

    Nun kugele ich mich vor Lachen…..na ja nicht gerade soooo sehr. Aber ich lache wieder!!

    Schuldgefühle habe ich auch (mein wunderbares tolles Kind – und nun dieses Etwas, das ich nicht kenne…nicht leiden kann…)

    Der Göttergatte der scheinheilig so tut, als ob das ja ok sei, aber dennoch findet, ich hätte da doch etwas übertrieben, aber na ja, ist doch nicht schlimm. Sich aber dennoch ins Fäustchen freut….

    Die ganzen Jahre, die ganzen anderen "Freundinnen", die es freut, das es einer selber dreckig geht, da sie ja von mir nur die eine Seite kennen. Aber nicht mal auf den Trichter kommen wollen, damit das alles bei mir anscheinend so wunderbar funktioniert, ich (und nicht nur ich …sondern all ihr anderen Amzonen…) ganz schön viel schaufeln muss und möchte.

    DANKE und habt eine wunderbare Zeit…wir sind alle nicht alleine…sind immer irgendwie miteinander verbunden:))) ES IST IMMER NUR EINE PHASE…..:))

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