reisebericht aus israel II ::: jerusalem mit kindern
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reisebericht aus israel II ::: jerusalem mit kindern

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Die Schule hat angefangen, alle Kinder sind zurück in ihren Alltagsroutinen, die Urlaubswäsche ist gewaschen und die Koffer sind zurück auf dem Schrank, aber unsere Reise nach Israel spukt mir immer noch durch den Kopf, durchs Herz und durch meine Träume.

Ein bisschen ist es so, als hätten wir uns alle in dieses bis vor kurzen unbekannte Land, Israel, verliebt, und ich muss sagen, dass wir in Jerusalem und Umgebung in der einen kurzen Woche so viel Beeindruckendes gesehen und erlebt haben, dass es uns alle nicht mehr loslässt. Was läge also für mich näher, als darüber zu bloggen? Nach meinem ersten Post mit ein paar Eindrücken unserer Reise, kommt also hier der zweite: über das, was man als Familie in Jerusalem alles machen kann, wo es schöne Dinge für Kinder zu sehen und zu erleben gibt und was uns am besten gefallen hat.

Jerusalem ist in jeder Hinsicht wahnsinnig vielseitig. Es gibt so viel zu sehen, zu erleben und zu tun, und wir hatten das Glück, die Stadt durch die Augen unserer israelischen Freunde zu sehen, die uns natürlich jede Menge Tipps gaben, was wir mit den Kindern gut machen könnten und was wir besser lassen sollten. Wir hatten vier volle Tage dort und einiges auf dem Programm. Wie sich herausstellte, war es gar nicht so schwer, wie wir zuerst dachten, die Bedürfnisse der Erwachsenen und die der Kinder zusammen zu bringen.

Was wir außerdem erlebten, war eine Stadt voller Familien, voller Kinder. Kinder sind überall und sie sind selbstverständlich vollwertige Teilnehmer des urbanen Lebens und Bewohner des öffentlichen Raums. Es gibt Spielplätze in jedem Stadtteil, das wir besuchten, Parks mit Rasenflächen zum Bolzen und Picknicken, Toiletten mit Wickeltischen (in sowohl Damen- als auch Herrentoiletten!), Kinderstühle in Restaurants und Cafés und Platz für Kinderwagen überall. Wir sahen täglich Menschen, die ihre Kinder in Tragetüchern und Bauchtragen umgebunden hatten, Menschen mit Kinderwägen und rechts und links einem Kleinkind, das sich daran festhielt, große Geschwister, die mit den Kleinen ihre Wege zurücklegten, Kindergartengruppen bei Ausflügen und Schulklassen beim Lernen im Park. Und uns gefiel, was wir sahen und erfuhren. Dieses Erleben lässt sich auch auf alle Orte übertragen, die wir außerhalb Jerusalems besucht haben: Israel ist ein Land voller Kinder und voller Familien. Das machte es für uns zusätzlich angenehm, mit unseren Dreien dort zu reisen. Jerusalem mit Kindern zu bereisen ist also in jedem Wortsinn Jerusalem mit Kindern erleben – nicht nur mit den eigenen!

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Walking the Old City of Jerusalem

Getting there and around

Unsere Freunde hatten uns schon im Vorfeld dazu geraten, einen Mietwagen zu nehmen. Das hat sich in mehrerlei Hinsicht als guter Tipp erwiesen: grundsätzlich ist der öffentliche Nahverkehr (Busverkehr) in Jerusalem nicht die einfachste Variante, wenn man die Stadt möglichst umfassend erkunden will und auch noch Kinder dabei hat. Abgesehen davon, dass der Fahrplan recht willkürlich eingehalten wird, ist es außerdem so, dass nicht alle Orte gleich gut angeschlossen sind und es zu manchen Zielen am Rande der Stadt keine guten Verbindungen gibt. In der Altstadt ist man ohnehin zu Fuß besser unterwegs. Eine gute Alternative scheint die relativ neue Stadtbahn zu sein, die aber bisher erst 23 Haltestellen hat und einige Gebiete gar nicht berücksichtigt – unter anderem den Stadtteil, in dem wir planten zu wohnen. Ein Ausbau ist wohl geplant.

Wir entschieden uns also für einen Mietwagen. Vorteile: wir waren unabhängig, auch was unsere An- und Abreise zum Flughafen in Tel Aviv betraf. Wir hatten eine Klimaanlage, was für unsere Ausflüge ein Segen war. Und wir konnten jederzeit spontan einen unserer Day-Trips abbrechen und nach Hause fahren, wenn eins der Kinder nicht mehr konnte/wollte. Parken war übrigens kein Problem: es gibt überall legale Parkplätze, im Zentrum außerdem (zum Teil klimatisierte) Parkhäuser, die günstig liegen und nicht zu teuer sind. Es empfiehlt sich, nach Parkuhren und -automaten Ausschau zu halten, wenn man außerhalb eines Parkhauses den Wagen abstellt: auch in Jerusalem gibt’s Kontrolettis.

 

Wohnen, Essen & Trinken

Wir hatten das Glück, die Wohnung von Bekannten nutzen zu können, die zu der Zeit nicht in Jerusalem waren und kamen somit in den Genuss, in einem ruhigen, sehr schönen Jerusalemer Wohnviertel, Katamon, ein bisschen das echte Leben dort zu sehen und zu spüren, fernab von Hotelroutinen. Wir gingen einkaufen und kochten, wir machten Spaziergänge rund um „unser Viertel“ und erkundeten Spielplätze und Parks. Für uns ist das vor allem als Familie mit drei Kindern immer die angenehmere Variante verglichen zum Hotelleben, ist man doch auch hier unabhängiger was Mahlzeiten und Schlafgewohnheiten angeht. Außerdem hat man nie das Gefühl, die Kinder könnten irgend jemanden „stören“. Und uns stört umgekehrt auch niemand! Hätten wir nicht diese Möglichkeit gehabt, hätten wir uns eine (Ferien)Wohnung via Airbnb gesucht. Katamon, Talbiya und die angrenzenden Stadtteile wären als ruhigere Wohngegenden dabei unsere Suchgegend gewesen. In der quirligen Altstadt zu wohnen würde ich persönlich Familien mit Kindern nicht empfehlen. Jerusalem ist voller Eindrücke und auch dadurch eine anstrengende Stadt. Abends die Sinne sich erholen lassen zu können macht sehr viel Sinn – im Auge des Sturms ist das sicher schwer möglich.

Es gibt allerdings zahlreiche kinderfreundliche Hotels in Jerusalem, z.B. in Mamilla, einem Stadtteil vor dem Jaffa-Gate, das einen hervorragenden Ausgangspunkt für Touren durch die Altstadt bietet und von wo aus wir unseren Erkundungsgang gestartet haben. Wer sich über Hotels, Standorte und Preise informieren und unkompliziert buchen möchte, den schicke ich gerne hier entlang zu Holidaycheck.

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Erkundungsgang durch Katamon

Einkaufen in Supermärkten ist ein Abenteuer, zumindest für alle, die des Hebräischen nicht mächtig sind, denn alles ist natürlich auf hebräisch ausgezeichnet, so dass man einige Dinge über die Lebensmittel nicht weiß, die man kauft. Die Preise kann man aber lesen und die haben sich zum Teil gewaschen. Es macht Sinn, die lokalen Produkte zu kaufen, die wesentlich günstiger sind als alle Importware, auch wenn es verlockend ist, nach den vertrauten Dingen zu greifen. Frische Produkte aus der Region wie Obst und Gemüse sind allerdings vollkommen ok vom Preis. Und lecker! Restaurants und Cafés findet man in großer Zahl und überall. Es lohnt sich, auszuprobieren, was es alles gibt, auch auf Märkten und an Verkaufsständen. Unsere Kinder konnten nicht genug kriegen von all dem frischen Obst überall und von den leckeren gefüllten Pitas, die es in allen Varianten gibt. Dass ein „Burger“ mit orientalisch gewürztem Lammhack gefüllt sein kann und eigentlich eine Pita ist, garniert mit dem leckersten Salat der Welt, war ihnen auch neu. Und sie mochten es!

Eine Besonderheit sind übrigens die Trinkbrunnen, die es überall gibt. Wir haben tatsächlich nur zwei Mal Wasserflaschen gekauft, danach haben wir sie überall wieder aufgefüllt, was offenbar sehr üblich ist. Bei der Hitze ist es wichtig, wirklich immer eine Wasserflasche pro Person dabei zu haben und sie immer sofort aufzufüllen, sobald es eine Gelegenheit, sprich: einen Brunnen gibt. Das war in Jerusalem überhaupt kein Problem.

Kinderkram & Sehenswürdigkeiten

Eigentlich ist alles sehenswert in dieser wunderschönen Stadt, also taten wir, was wir immer auf unseren Reisen tun: wir haben uns die Stadt erlaufen. An unserem ersten Jerusalemer Morgen fingen wir mit der nahen Nachbarschaft an und gingen mit unseren Freunden und den Kindern in ein Café zum Frühstück. Und danach machten wir uns auf, um die Jerusalemer Altstadt zu erkunden.

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Jaffa Gate

 

Jerusalemer Altstadt: Weltreligionen, Souvenirs und spannende Geschichte

Wir gingen nach einer unserer Reise-Grundregeln vor, nach der wir immer mit den Kindern gemeinsam beim Frühstück besprechen, was wir mit dem vor uns liegenden Tag anfangen wollen. An diesem Tag machten wir die große Runde durch die Altstadt: wir starteten am Jaffa-Tor im Westen und machten uns im Christlichen Viertel auf den Weg zur Grabeskirche, einem erklärten Ziel unseres Sohnes, der sich für alles, was mit Jesus zu tun hat, brennend interessiert. (Aus irgendwelchen Gründen sind seine Helden gerade Michael Jackson, Jesus und die Spieler vom FC Bayern München. Was geht da nur in ihm vor? Aber das zu beleuchten wäre wieder einen eigenen Blogartikel wert!) Die eigentlich vielen Kirchen unter einem Dach beeindruckten uns alle, vor allem aber die Kinder, die begeistert immer noch eine Treppe tiefer gehen wollten, einen Gang weiter, um noch eine Ecke, um dort immer wieder eine nächste, eine noch ältere Kirche zu entdecken.

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Grabeskirche

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Im Inneren der Grabeskirche

 

Auf der Via Dolorosa, dem Leidensweg Christi, dem wir von der Kirche aus sozusagen rückwärts folgten, fragten die Kinder viel: Warum beten hier alle? Warum knien die Menschen auf der Straße nieder? Was ist das für ein Gesang (es war ein Muezzin, den wir hörten)? Die allgegenwärtigen Weltreligionen faszinierten sie und es gab viel Gesprächsstoff.

Inzwischen durchquerten wir das Muslimische Viertel mit seinen Suqs, wo man wirklich alles kaufen kann, von Stoffen, Kleidung, religiösen Kultgegenständen und religiösem Kitsch über Gewürze, Süßigkeiten und Haushaltswaren bis hin zu sogenannten Antiquitäten und Kunstgegenständen. Die Kinder waren fasziniert davon, was es alles gibt und es kostete uns an manchem Stand Mühe, sie zum Weitergehen zu überreden, türmten sich doch da auf den Tischen Berge von gezuckertem Ingwer oder Gummitieren, Sesambrotkringel und duftendes Pistaziengebäck, trashiges Spielzeug und bunte, glitzernde, perlenbestickte Tücher. Die Suqs waren andererseits sehr anstrengend: es war wahnsinnig voll und laut, eben eine echte Marktatmosphäre, und wir hatten schnell den Punkt erreicht, an dem wir eine Pause brauchten.

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Muslimisches Viertel

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In den Suqs

Kurz bevor wir den unteren Zugang zum großen Platz vor der Klagemauer erreichten, kehrten wir in einem ziemlich beliebigen Restaurant ein und aßen. Und tranken! Die Kinder entdeckten den Pita-Lamm-Burger mit köstlichem Salat und Joghurt gefüllt, wir kosteten unsere erste Jerusalemer Falafel und genossen ein frisches und minziges Tabouleh. Herrlich.

Um zur Klagemauer zu gelangen, passierten wir die erste Kontrolle (Metalldetektor und Taschenkontrolle) seit der Ankunft in Tel Aviv und zum wiederholten Male erklärten wir den Kindern, was es mit Israel diesbezüglich Besonderes auf sich hat und wieso besonders hier, am heiligsten Ort für die Juden und gleich angrenzend an die Al-Aksa-Moschee und den Felsendom, dessen goldene Kuppel wir schon mehrfach gesehen hatten, so viele bewaffnete Soldaten auf den Mauern zu sehen waren. Kein leichtes Thema, aber man kommt bei einem Israelbesuch nicht drum herum. Jerusalem mit Kindern zu besuchen, dort die religiösen Stätten zu sehen und hautnah zu erleben, wie dort die Weltreligionen längst nicht immer friedlich nebeneinander existieren, hat uns natürlich dazu gebracht, uns damit eingehender zu beschäftigen. Auch die politischen Aspekte mussten wir beleuchten, denn die Kinder fragten viel und wir hatten längst nicht immer die Antworten parat. Also gehörte zu unseren Erkundungsgängen auch das Nachlesen von Zusammenhängen und der Versuch, zu verstehen und zu erklären, was wir da eigentlich gerade sahen und erlebten.

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Western Wall

Auf dem Rückweg, der uns zuerst durchs Jüdische Viertel und dann durchs Armenische Viertel zurück zum Jaffa-Gate führte, fanden wir dann erstens ein leckeres Eis für die Kinder und einen guten Kaffee für uns und besuchten zweitens den freigelegten Teil des Cardo, die ehemalige Hauptstraße durch Jerusalem aus römisch-byzantinischer Zeit. Hier gab’s neben interessanter Geschichte zum Anfassen auch noch Schatten und was zum Beklettern. Alle froh!

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Jüdisches Viertel: Cardo

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Geschichte zum Beklettern

 

Ein Yael, Living Museum: Töpfern, Klettern, Tiere streicheln

An unserem dritten Tag in der Stadt berieten wir beim Frühstück über das Tagesziel und waren uns schnell einig. Ein Museum, aber mit was zu tun, etwas Neues, aber zum Anfassen…. Ein Yael sollte es sein, ein wirklich wunderschöner Ort in den grünen Hügeln von Jerusalem. Hier sind alte Terrassen, Brunnen, Gärten und landwirtschaftliche Anlagen aus der Römerzeit rekonstruiert und freigelegt worden, ebenso römische Straßen, Werkstätten, ein Markt mit Läden und Häusern, Mosaike und archäologische Funde. Wir haben es kaum geschafft, alles zu sehen, weil es außerdem so viel zu tun gibt. Und das war das eigentliche Highlight für die Kinder.

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Eselstreicheln in Ein Yael

Es gab an den entsprechenden Orten die Möglichkeit, Mosaike zu machen, Pita selbst auf einem heißen Stein zu backen (und natürlich zu essen!), sich im Korbflechten zu üben, Tiere zu füttern, Oliven zu pressen, Wein zu „machen“ und zu töpfern. Außerdem ist das ganze Gelände sehr weitläufig, perfekt für die Kinder zum Laufen, Klettern, Sachen entdecken.

Ein Yael ist ganz klar ein Familienort, wenn auch sicherlich ebenso interessant für Menschen ohne Kinder. Aber hier sind Kinder die Hauptpersonen unter den Besuchern, und wir sahen viele Schulklassen, Kitagruppen und natürlich Familien. Überfüllt war es dennoch nirgends, denn Ein Yael ist großzügig angelegt und durch die vielen Stationen, an denen etwas gemacht werden kann, gibt es genügend Alternativen für alle.

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Zaubergärten in Ein Yael

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Erste Versuche mit der Drehscheibe

 

Wir besuchten die Gärten, sahen zum ersten Mal geöffnete Granatäpfel am Baum, fanden unser Lieblingstier und landeten schließlich beim Töpfern, wo die Kinder ein bisschen mitmachen konnten. Wir waren begeistert und würden diesen zauberhaften Ort jedem unbedingt ans Herz legen, der Jerusalem mit Kindern besucht. Einziger Kritikpunkt der Kinder nach unserem Besuch: sie konnten die getöpferten Sachen nicht mitnehmen (Flug! Handgepäck! Böse Eltern!). Und das Wasser aus den Trinkbrunnen hier habe eklig geschmeckt. „Aber sonst war’s wirklich der Knaller, Mama!“

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Living Museum für tätige Händchen

 

Jerusalem Biblical Zoo: Arche Noah, ein Zug und Heerscharen von Kindern

An unserem letzten Tag in Jerusalem entschieden wir uns für einen Besuch im Biblical Zoo. Wir lieben Zoos! Ich glaube, wir haben in jeder Stadt, die wir als Familie bisher besucht haben, den Zoo gesehen, und auch hier in Berlin sind wir regelmäßige Zoogänger. Der Jerusalemer Zoo war also für uns obligatorisch. Und es hat sich wirklich gelohnt!

Der Zoo ist gigantisch, üppig bewachsen, wie so vieles in Jerusalem sehr hügelig bzw. an den Hügeln angelegt und wirklich großartig. Auch als zooerprobte Besucher und eigentlich auch schon mit Lieblingszoos im Kopf (San Francisco! Leipzig!), waren wir gleich hingerissen, kaum hatten wir die ersten Schritte getan. Abgesehen davon, dass er durch seine Lage an den Hängen schon etwas Besonderes ist, hat uns vor allem begeistert, wie groß alles ist. Die Tiere haben wahnsinnig großzügige Gehege, die eigentlich kaum zu erkennenden „Käfigcharakter“ haben: sie sind nämlich an den Hängen abgeteilte Areale, durch die man als Besucher zum Teil hindurch gehen kann – selbst abgetrennt durch relativ nicht zu schmale eingegitterte Gänge oder über Brücken, die ähnlich gesichert sind. Es war also viel eher so, dass wir die Tiere in ihren Bereichen besuchten, als dass wir vor Käfigen standen und hinein gesehen hätten.

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Jerusalem Biblical Zoo

An Tieren gibt es so gut wie alles, denn obwohl der Biblical Zoo sich eigentlich auf Tiere beschränkt, die in der Bibel vorkommen, gibt es ja durch die Geschichte mit der Arche Noah, auf der von jeder Tierart ein Pärchen gewesen sei, Platz für alle Tierarten. Die Arche Noah hat dann auch eine Sonderrolle im Zoo: als Nachbildung beherbergt sie ein Besucherzentrum mit Auditorium für Filmvorführungen und Lesungen, einer Cafeteria, einer Galerie für Ausstellungen und Computer-Stationen, wo man alles über die Tiere im Zoo und über bedrohte Tierarten und ihre Lebensräume nachschauen kann. Der Zoo hat sich der Arterhaltung verschrieben: das spürt man überall.

Mit dem Zoo hatten wir in Jerusalem den Ort erreicht, an dem wir Erwachsenen endgültig in der Unterzahl waren: hier waren ausschließlich Familien unterwegs und falls doch irgendwo vereinzelte Erwachsene oder Paare waren, gingen sie völlig unter in den Heerscharen von Kindern. Wir bestaunten hier auch tatsächlich nicht nur die vielen Tiere, sondern auch die uns jetzt so deutlich vor Augen geführte Tatsache, dass in Israel die Familien groß sind. Richtig groß. Also wirklich: riesig! Wir sind ja in Deutschland mit unseren drei Kindern eine Großfamilie – in Israel ist das definitiv nicht der Fall. In der Regel hatten die Familien 4-5 Kinder, wir sahen aber auch viele mit deutlich mehr Kindern. Das Herzensmädchen zählte im Zoo mehrere Paare mit 8 Kindern. Wir waren beeindruckt.

Die Massen verteilen sich aber auch hier gut und bewegen sich in erster Linie zu Fuß durch den Zoo – allerdings gibt es auch einen kleinen Zug, der bestimmte Stationen ansteuert wie z.B. das Besucherzentrum in der Arche Noah. Unsere Kinder fanden uns doof, aber wir liefen lieber. Da konnte man alle Einzelheiten besser sehen.

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Wie in jedem Zoo endete auch unser Besuch der Jerusalem Biblical Zoo auf dem Spielplatz, ein toll angelegter, großzügiger Ort gleich neben dem Streichelzoo (wieder waren die Tiere die mit dem Heimvorteil, stets behütet durch Tierpfleger und die Menschen waren die Besucher), wo es alles gab, was ein Kind zwischen 2 und 88 zum Toben, Klettern, Spielen, Graben so braucht. Die Eltern fanden ein Schattenplätzchen auf der Bank neben einem kühlen Trinkbrunnen und waren’s zufrieden.

Am selben Abend verließen wir das wunderschöne, hügelige, vielseitige, aufregende Jerusalem und fuhren nach Shoresh in den Hügeln von Judäa, wo wir mit der Hochzeitsgesellschaft untergebracht waren. Wir verbrachten weitere zauberhafte Tage, bevor wir nach Deutschland zurückkehrten, aber Jerusalem mit all seinen Eindrücken und allem, was wir dort erlebt und gesehen haben, haben wir mitgenommen in unseren Herzen.

Ich kann es wirklich aus vollem Herzen empfehlen, Jerusalem mit Kindern zu besuchen. Selbst in der heißen Zeit, in der wir jetzt da waren, ist Jerusalem auf den Hügeln gelegen windig und angenehm und die Hitze ist gut zu ertragen. Trotz aller Widersprüche in dieser Stadt und überhaupt in Israel, sind wir nachhaltig verzaubert und sind alle fünf entschlossen, zurück zu kommen.

Weiterführende Links zum Thema habe ich unten zusammen gefasst, ansonsten empfehle ich als Reiseführer dringend den Lonely Planet „Israel & Palästina“ für konkrete Reisetipps und zur Ergänzung den Vis-a-vis-Reiseführer „Israel, Petra und Sinai“. Zur Nachbereitung werde ich mir wohl noch den „Historisch-politischen Stadtführer Jerusalem“ anschaffen.

Jetzt bin ich gespannt, wie dieser Artikel bei euch ankommt und ob ihr Fragen dazu habt, wie es war, mit Kindern in Israel und Jerusalem unterwegs zu sein. Als nächstes schreibe ich euch dann auf, wie wir es fanden, im Toten Meer zu floaten und ob eine Oase wirklich immer wie eine Oase aussieht… Shalom!

signatur

Linktipps:

Kids Love Israel!

Israel InsideOut : Israel-Tipps je Region mit speziellen Kapiteln für Kinder

Walkable Jerusalem : Blog u.a. mit Spielplatz-Reviews

Fun in Jerusalem: Veranstaltungstipps, Kalender, Museums-Reviews und Family-Action

15 Kommentare

  1. Chris sagt

    Nie hätte ich gedacht, Israel bzw. Jerusalem überhaupt als Reiseziel mit Kindern in Betracht zu ziehen. Aber deine Beschreibung klingt toll…

  2. Stefanie sagt

    Uff. Das war ja echt lang und spannend wie ein Krimi. Hab gerade Lust bekommen Jerusalem zu besuchen.

  3. Wow, ich muss den Artikel nachher noch einmal lesen, glaube ich. So viele Infos… Klingt nach einem super spannenden Urlaub. Mich hätte natürlich das Politische und die Mauer etc. auch noch mehr interessiert, ich verstehe aber, wenn das zu heikel ist, um darüber hier auf dem Blog näher einzugehen.
    Vielen Dank für die Impressionen und die vielen Infos und Verweise, ich muss langsam anfangen, mich vorzubereiten: Welchen der beiden Reiseführer würdest Du eher empfehlen? Ich hab etwas Skrupel, mir gleich 2 anzuschaffen, erfahrungsgemäß lese ich dann doch wieder nur einen…
    Und: Tolle Fotos!
    UND: Lieben Dank für die Vorfreude. 🙂
    LG /inka

    • Oh … ich habe Fernweh. Ich weiß nun, dass wir definitiv einmal nach Jerusalem müssen. Das klingt alles so verzaubernd. Ich bin tief beeindruckt.

      LG und vielen dank für den Herzenswunsch.
      Florentine

  4. Ach und noch was: Hast Du einen Tipp wegen des Mietwagens? Wir müssen langsam buchen… Ich wär Dir sehr dankbar!
    LG /inka

  5. Es ist schön zu hören das es euch gut gefallen hat. Das gibt mir Mut vielleicht noch einmal hinzufahren. Ich war diesen Sommer auch in Tel Aviv mit meinem Mann und 20 Monate alten Sohn um meine Schwägerin zu besuchen. Wir haben es vorwiegend als Stress empfunden. Schade. Doch ich würde gern noch einmal hinfahren um es, etwas besser geplant, noch einmal zu versuchen. Danke 🙂

  6. Und wieder denke ich: WOW! Da möchte ich auch hin. Der Wunsch, nach Jerusalem zu reisen, war bisher immer etwas abstrakt bei mir. Aber nach deinem Bericht, steht das jetzt defintiv unter meinen Top Five „Da-will-ich-hin-Zielen“ 🙂
    Umso mehr, weil das auch mit den Kindern geht (wir haben auch drei). Sonst trenne ich Kultur und Kinder meistens…
    Danke für den spannenden Artikel und liebe Grüße!
    Steffi

  7. Jerusalem steht auch auf der ungeschriebenen (und deswegen laufend erweiterbaren) Liste der Dinge, dich ich tun möchte. Ich hätte nicht gedacht, dass man auch mit Kindern dort erholsame Tage verbringen kann… So kann man sich täuschen!

  8. Pingback: hokkaido-liebe ::: gefüllter kürbis mit couscous und dip

  9. ich bin auf Deinen Blog über Google gekommen weil ich eine gute Parkmöglichkeit in Jerusalem gesucht habe..und hängengeblieben.Ja, Jerusalem lässt einen so schnell nicht wieder los, eine einzigartige Stadt, das geht mir nach 2 Besuchen auch so.Danke fürs mit auf die Reise nehmen 🙂

  10. Pingback: sehnsucht nach jerusalem ::: ein israelisches dinner gegen fernweh

  11. Tonia sagt

    Hallo! Ich habe bei Google „Israel Reise mit Kindern“ eingegeben und auf Deinen Blogeintrag gestossen – wunderbar!! Macht mir mehr und mehr Lust das Abenteuer zu wagen! Könnten wir uns per Mail eventuell austauschen? Ganz lieben Gruss, Tonia aus Luxemburg

  12. Pingback: london mit kindern pt I ::: vom tower bis zum shakespeare's globe

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