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pädagogische evergreens & fails ::: die 10 schlimmsten ermahnungen

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„Mach dein Bett, bevor du gehst.“ „Kau nicht auf deinen Haaren, du bist doch kein Nagetier.“ „Danke zu sagen tut dir nicht weh, auch wenn es erst sieben Uhr morgens ist.“

Die täglichen Ansagen und Ermahnungen für meine Kinder sind schier unerschöpflich. Und alle Eltern kennen sie: die Dinge, die man immer und immer wieder sagt und die dennoch scheinbar nie zur elterlichen Zufriedenheit erfüllt werden. Weshalb man sie ständig wieder aufbringt. Was mir dabei regelmäßig gruselig durch den Kopf schießt (abgesehen davon, dass ich mich selbst im Mecker-Mutti-Modus nicht sonderlich leiden kann), ist aber die glasklare Erkenntnis: „Ich klinge wie meine Mutter!“

Da ich hoffe, dass ich damit nicht alleine bin sondern noch mehr Mamas und Papas unter euch sind, die in diesen Aspekten wie Wiedergeburten ihrer eigenen Erziehungsberechtigten klingen, habe ich heute mal die Hitliste meiner schlimmsten Kinder-Ermahnungen zusammen gestellt, die wie ein Echo aus meiner eigenen Kindheit klingen.

1.Zieh dir die Schuhe vor der Tür aus, du warst gerade im Sand/es hat geregnet/die stehen vor Dreck.“ Gerne kombiniert mit „Ich bin doch nicht eure Putzfrau!“ (Bin ich aber natürlich doch. Und das wissen sie.)

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Schwarzfußindianer

2. Setz dich an den Tisch, wir essen nicht im Stehen/beim Rumlaufen.“ Dazu  wahlweise und je nach Krümeligkeitsfaktor des verzehrten Lebensmittles wieder der Satz von der Putzfrau oder der Hinweis auf die Ess-Gepflogenheiten von Tieren.

3. Nimm deine Sachen endlich mit nach oben, die liegen seit Stunden auf der Treppe und du bist schon fünf mal daran vorbei gegangen.“ Dazu passt je nach Stimmung auch ein Satz, in dem „hinterherräumen“ vorkommt. Oder irgend was mit „Hoheiten“.

4. Nein, du kannst KEINE Schokolade haben. Es gibt gleich Abendbrot.“ Danach folgt der Hinweis auf das Sattessen an Süßigkeiten, eventuell gespickt mit der Zahnputzermahnung oder bei milder Stimmung die Aussicht auf Schokolade nach dem Essen. „Deshalb heißt es Nachtisch!“

5.Du musst etwas frühstücken, sonst kannst du in der Schule nicht aufpassen oder kippst einfach um.“ Das ist meiner Einschätzung nach der Kern des Eltern-Traumas „Das Kind wird nicht satt.“ Ich bin ja nun verbriefter maßen die Königin der Snackboxen und könnte mich streng genommen mal entspannen, weil die Kids nun wirklich immer genug dabei haben. Aber ein ungefrühstücktes Kind aus dem Haus schicken – das bring ich einfach nicht!

6. „Räum endlich dein Zimmer auf, hier sieht’s aus wie im Saustall/bei Hempels unterm Sofa!“ Diese Ermahnung gehört zu den schrillen, die je nach Schweregrad der Verwüstung im jeweiligen Zimmer auch der Auftakt zu einer längeren Tirade sein kann. Unrühmlich, aber eine der häufigsten.

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Saustall.

7. Nimm die Füße vom Stuhl beim Essen, du bist ein Mensch und kein Affe.“ Oh Gott, wie ich diesen Spruch gehasst habe als Kind! Und dennoch kommt er mir hin und wieder selbst ganz unwillkürlich über die Lippen, wenn eins meiner Kinder, namentlich meist der Bub, beim Essen auf dem Stuhl kauert, die Füße auf den Rand gestellt und die Knie quasi unterm Kinn.

8.Putz dir die Zähne ordentlich, das sind deine letzten! Wenn die hin sind, kommen keine neuen mehr!“ Furchtbar. Der Spruch ist im Augenblick hier noch reserviert für das Herzensmädchen, da sie bisher das einzige Kind mit bleibenden Zähnen ist. Und als würde ich gleichzeitig mit dieser (saublöden) Ermahnung eine Art lautlosen Zauberspruch sagen, verhallt sie quasi ohne Konsequenz in Bad und Kinderkopf. Als hätte ich es nie gesagt. Von meinem Munde gepflückt und auf dem Weg ins Tochterhirn geschreddert. Ein ungelöstes Rätsel im Ermahnungsuniversum.

9.Du hast schon wieder die Meerschweinchen nicht gefüttert! Und du wolltest n Hund!“ Die alte Nummer mit der Verantwortung. So was Unfaires! Ich erinnere mich als Kind an diesen faulen Deal: wenn du dich gut um den Vogel kümmerst, können wir über ein größeres Tier sprechen. Es kam nie dazu. Nach dem Vogel, auf den ich allergisch war und der deshalb weggegeben werden musste, gab es irgendwann eine Zufallskatze, die weitere nach sich zog. Sehr zu meinem Glück und meiner Freude! Aber über die Herzenswünsche in Sachen Haustier wurde nie mehr gesprochen. Ich hatte nie eine Chance! Meine Kinder auch nicht.

10. Geht nach draußen zum Spielen! Wenn bald der Herbst und dann der Winter kommen, dann werdet ihr euch danach sehnen, draußen zu sein. Und dann ist es zu nass oder zu kalt!“ Mutti, isses denn wahr? Als ob ein Kind, das grade drinnen spielen will weil z.B. dringend die aktuelle Playmobil-Landschaft neu aufgebaut werden muss, mit dieser Art Erklärung etwas anfangen könnte! Aber heute, wo ICH die Mama bin, find ich: ich hab recht. Kinder an die frische Luft, aber dalli!

Und jetzt sagt mir bitte, dass ihr das kennt! Ihr hört doch auch in euren Köpfen die Stimmen eurer Mütter und Väter oder Großeltern, die euch die immer selben Ermahnungen mit auf den Weg gegeben haben, als ihr noch Kinder wart, richtig? Und ist es nicht gruselig? Ich werde scharf beobachten, wie meine Kinder das später mal mit ihren machen, die sie hoffentlich bekommen.

Dann bin ich BerlinMitteGranny, und während ich den nutzlosen Ermahnungsunterfangen meiner Kinder lausche, lache ich leise. Aber lachen werd ich!

signatur

 

11 Kommentare

  1. Ja, das stimmt wohl. Ich höre meine Mutter. Sogar ihren Tonfall, ihre Melodie bei jedem strengen Satz. Am schlimmsten ist es, wenn meine Kleine mich nachmacht oder ihrerseits mit Puppe und Co. schimpft. Der selbe Nörgelton, die selben Worte. Aber im Endeffekt vermitteln wir halt die Werte, die uns selbst wichtig waren: Höflichkeit, Sauberkeit, Ordnung, etc.
    Bei mir kommt jedoch noch hinzu, dass ich als Kommunikationstrainerin noch einige Sätze optimiere, also in Ich-Form spreche, von meinen Gefühlen rede etc. Das klingt dann so: „Ich möchte, dass du dein Zimmer aufräumst. Das ist mir wichtig! (Verdammt nochmal)“ Erst in Schritt zwei kommt dann meine Mutter durch: „Räum gefälligst dein Zimmer auf! Und zwar sofort, sonst komme ich mit der großen Mülltüte und dann hat es sich!!!“ Denn meine Tochter hatte wohl noch kein Kommunikationstraining. Da fruchtet meist nur die gebrüllte Mama-Variante. 😉
    Liebe Grüße,
    Mareike

  2. nur zu gut – ich könnte die Liste noch ergänzen um

    11. Räum deinen Kram hier weg! Für wen hast Du das hier stehen lassen?

    oder so ähnlich:
    12. Pack Deine Dreckwäsche bitte IN den Wäschkorb – nicht daneben/ das Geschirr IN die Spülmaschine/ die Jacke AN die Garderobe/ Die Schuhe IN das Regal/ …

    13. Mach die Haustür, die Kühlschranktür, den Schrank, die Zahnpastatube, den Klodeckel, die Badezimmertür (…) ZU!

    14. Du musst los – Beeil Dich, Du kommst sonst (schon wieder) zu spät. Noch 20, 15, 10, 5 Minuten…..

    15. Hab ich Dir nicht schon 1000mal gesagt, Du sollst die Sachen dahin packen, wo sie hingehören???? Wo ist eigentlich Dein/e Schwimmzeug, Sportbeutel, Schlüssel, Portemonnaie, Bbliotheksausweis, Mensakarte, Kette, Uhr, Brotdose….

    ach ja ich hör jetzt mal auf

    Hab einen schönen Tag liebe Anna!
    Knutscher!

    • Hahaha, ja, das kann ich alles genauso unterschreiben! Auch dieses „hab ich dir nicht schon 1000 mal gesagt…“ – das lässt sich ja universell einsetzen im Alltag mit Kindern. Bei uns ja auch noch hoch im Kurs: „Was macht deine Zahnspange auf dem Meerschweinchenkäfig/das Matheheft auf dem Klo/das iPad auf der Waschmaschine etc.? Das WOHNT da nicht!“ Ach ja. Hilft ja alles nix, irgendwie braucht Mama auch mal n Ventil, richtig? Liebste Grüße zurück und dir auch einen wunderbaren Tag trotz Regen! :-*

  3. Ahhh…scheiße hab ich gelacht!!! 😀 Und ja, du hast (leider) Recht. Ich kann mich oft selber nicht mehr hören,
    Und dann wird nachmittags die Puppe mit dem gleichen Enthusiasmus „ausgeschimpft“ wie morgens das Tochterkind. Ich finde aber, dass dadurch auch gelegentlich das eigene Fremdschäm- Gen aktiviert wird und durch diesen klaren Spiegel die eigenen Erziehungsfails vor Augen geführt werden. Zum Glück sind wir alle nur Menschen, und die wachsen bekanntlich mit ihre Aufgaben.

    In diesem Sinne: einen schönen Tag!

    Liebe Grüße,
    Mariana

  4. Jetzt muss ich dich grade fast ein bisschen ganz wild küssen, so, fremd.
    Heute morgen habe ich eine Stunde mit meinem Mann darüber gesprochen, ob wir unsere Kinder zu stark reglementieren, ob viele (ständig wiederholte) Ermahnungen nicht vielleicht daraus resultieren, weil wir sie (unsere!) oft zu wenig „machen lassen“ usw. usf. – und dann les ich dich. Und obwohl es bei uns heute Morgen speziell um die Schule ging, war das ganz genau exakt präzise auf den Punkt der richtige Artikel. Für mich persönlich. An diesem Tag. Danke!

  5. Stephie sagt

    Oh Danke! Gerade heute morgen hat sich eine ermahnungsflut (schimpfwelle?) vom Kinderzimmer durch die Küche ins Bad gerollt, vor mir der unwillige, nicht fertigwerdende Sohn u in meinem Ohr meine Mutter samt erhobenem Zeigefinger! Scheinbar ist der Sohn flutsicher, weil völlig unbeeindruckt u ich fand mich irgendwann selber doof

  6. Ich bin immerhin sehr froh und dankbar, dass ich nicht mit dem Argument „Iss deinen Teller leer, sonst ist morgen schlechtes Wetter!“ um die Ecke komme, das definitiv Bestandteil meiner Kindheit war. 😉 Ansonsten krieg ich immer am allermeisten das große Schaudern, wenn ich den Sohn mit seinem vollen Namen anrede, damit er merkt, dass ich es ernst meine – siehe auch Punkt 2 hier: http://www.gemischtwahnlaedchen.de/blog/2013/09/15/die-fuenf-phasen-des-elterndaseins/

    Und natürlich der Ober-Klassiker: „Wenn du geguckt hättest, wo du hinläufst, wärst du jetzt nicht hingefallen!“ Orrrr, genau, das hilft allen Beteiligten total, und der Lerneffekt dabei ist sicherlich extremst hoch. Und trotzdem mach ich’s. Menschmenschmamamenschmensch.

  7. 2fach Mama sagt

    Oh jaaa…. ich fühl mich irgendwie so wohl in dieser Runde…

    Aber was bei mir zur Zeit… hmmm seit Wochen…. hmmm seit Monaten… immer wieder und wieder und wieder wiederholt wird ist: „Trampel doch nicht sooo, du bist doch kein Nilpferd!“ jeder kleine Weg wird hopsend, springend und laut-stampfend zurückgelegt (in der Wohnung!)

    Manchmal kann ich mich schon wirklich selber nicht mehr hören…. und höre dabei so oft meine Mutter zu mir sprechen…

    Liebste, tiefenendspannteste Grüße
    von der
    2fach Mama

  8. Klar, kenne ich natürlich auch, versuch’s aber auch eher anders zu formulieren im Sinne „ich möchte, dass Du am Tisch isst…“ kommt meiner Meinung nach eher an zumindest glaue ich das! 😀 Ist ja auch nicht schlimm sowas, das werden auch unsere Kinder zu ihren Kindern irgendwann mal sagen, handelt sich halt um ganz grundlegende Dinge, die einfach müssen… 😉

  9. Jau, kann ich fast alles unterschreiben. Und obwohl es die letzten 1000 Male – offensichtlich! – nix genützt hat, sagt man es alles doch wieder und wieder. Was soll man auch sonst tun? Alles durchgehen lassen ist ja wohl keine Option. Man muss doch auf das „Soll“ hinweisen.

    Die eigene Kindheit kann einen übrigens auch auf andere Weise einholen: Nicht nur, indem wir womöglich klingen wie unsere eigenen Mütter. Bei Gesprächen mit meiner Mutter habe ich auch schon mehrmals festgestellt, dass die Verhaltensweisen meines Sohnes, die mir am meisten zu schaffen machen, mitunter genau die Sachen sind, mit denen ich früher selber meine Eltern zur Verzweiflung getrieben habe. Meine arme Mama! Und wenn ich ihr mein Leid klage, sagt sie dann mit ruhiger, milder Stimme „Ich weiß, Katja, ich weiß…“

  10. Nee, nee, nee, ich fand die Sprüche schon früher so schlimm, dass ich sie tatsächlich selten benutze.

    Meistens versuche ich es in Ich- Botschaften zu verpacken oder es irgendwie positiv zu formulieren. Ist harte Arbeit, funktioniert aber ganz gut.

    Gute Nerven, allerseits 😉

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