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all eyes on us ::: ferienkinder aus der hölle

Ferienkinder aus der Hölle, all eyes on us

Herbstferien. Nur noch wenige Tage. Aber seit Montag hängen die unterbeschäftigten Ferienkinder hier zu Hause rum, haben zu viel Energie und zu wenige Ideen, die aus meiner Perspektive irgendwie sinnvoll wären.

Heute ist so ein Tag, da würde dieses gemütliche Heim voller Lachen und Liebe locker als Irrenhaus durchgehen. Mit hysterischem Geschrei (meinerseits), dramatischen Auftritten voller Tränen (Lieblingsbub), dramatischen Auftritten voller Anklagen (Goldkind), dramatischen Auftritten voller I’m-so-misunderstood (Herzensmädchen), Gezänk, durchgeballert quiekenden Meerschweinchen und lästig klingelnden Haustüren bzw. Telefonen. Und das geht so.

Erstmal waren der Mann und ich gestern aus. Zu einem herrlichen israelischen Kochkurs im Kochatelier Berlin, wo wir leckeres Essen und schönen Wein genießen durften, während Schwager und Schwesterlein derweil die Kinder mit verschiedenen Köstlichkeiten (aka Pizza & Chips) und lockerer Abendunterhaltung (aka DVDs und Brettspiele bis Ultimo) bespaßten. Es war also spät für uns alle. Während der Mann allerdings lerchenhaft fröhlich und als Sozius auf der Vespa seines Kollegen das Haus verließ, blieb ich mit dumpfem Kopfschmerz, einer To-Do-Liste von der Länge einer Boa Constrictor und drei Kindern hier.

Das Herzensmädchen begann den Tag im vollen Pre-Teen-Modus: erstens gedachte sie, nicht aufstehen, um zweitens ihr verwüstetes Zimmer nicht aufräumen zu wollen, drittens das Meerschweinchengehege nicht saubermachen zu möchten und viertens dieses „kotz-eklige Müsli“ nicht frühstücken zu müssen. Es habe „low energy“ wurde mir noch mitgeteilt, danach versank es in motziges Schweigen. Die zwei Kleinen dagegen waren eifrig. Vor allem dabei, sich darum zu streiten, wer die Puzzles ausschütten, die Stifte von ihren lästigen Kappen befreien und der Austrocknung preisgeben, das Meerschweinchenfutter im ganzen Flur verstreuen und den Stapel CDs runterfallen zu lassen, auf dass er sich in seine Einzelteile zerlege und sich über den Goldkind-Zimmerfußboden ergieße. Es war 8:48.

Ferienkinder aus der Hölle, all eyes on us

Frühstück haben wir dank einer Folge Drei Fragezeichen ??? und in Abwesenheit des Pre-Teens heil überstanden, seitdem überziehen die Katastrophen die Ferienkinder und mich. Meistens abwechselnd, denn was in meinen Augen eine Katastrophe ist, ist für die Kinder mitunter sogar lustig (Minion-Modus) und was die Kinder katastrophal finden… naja, ihr kennt das.

Da gibt es zum Beispiel dieses aus einem Schlauchballon geformtes Schwert. Ich meine, Leute, ein Ballonschwert aus schwarzem Glitzerballonkram, das ist selbstredend der Hit! Findet der Lieblingsbub. Weil er aber ohne zu fragen den Nintendo seiner Schwester in seinen Besitz gebracht und ihn auch nach mehrmaliger Aufforderung („Gib den Nintendo SOFORT wieder her, du diebischer Dummbeutel, sonst platzt hier der Mooooond!“) nicht zurück gegeben hat, hat der Pre-Teen das schwarze Glitzer-Ballonschwert genommen und sich drauf gestellt. Was dann damit passiert ist, kann sich jeder vorstellen, das Ausmaß an Leid, Tränen, emotionalem Zusammenbruch dagegen, kann sich kein Mensch ausdenken – nicht, dass es den Pre-Teen in irgend einer Weise berührt hätte.

Dann aber, nach meiner Intervention („Es ist mir egal, ob es Absicht war oder nicht, du weißt doch genau, dass das doofe Schwert grade sein Heiligtum ist, da musst du dich doch nicht daran vergreifen!“ – Einwurf Bub: „DAS IST KEIN DOOFES SCHWERT! Rabäääähhh!“), wendete sich das Blatt. Während der Bub sich irgendwann über seinen Verlust tröstete und zum Fußballspielen mit dem heimgekehrten Nachbarskerlchen raus ging, stürzte der Pre-Teen in die große-Schwestern-Falle: „IMMER ergreifst du Partei für den Mari! NIE glaubst du mir! IMMER hat er recht, ganz egal, wie er sich vorher benommen hat! NIE hörst du dir meine Seite der Geschichte an, NIE zählt das, was ich sagen und NIE NIE NIE verstehst du mich!“ Bumm, Tür geknallt, Geheule, Sturzbäche von Tränen. Ich bin ja so ungerä-hä-hächt!

Währenddessen im Goldkindzimmer, wo sich zwei weitere zusätzliche Ferienkinder eingefunden hatten: drei kleine Mädchen, bis zur Unkenntlichkeit verkleidet, diverse Barbies in fragwürdigen Arrangements aufgebaut, ein Kochtopf voller Wasser auf dem Fußboden (aka der Barbiepool), Kastanienfunde, Eicheln und Blätter drum herum drapiert und ausgeschüttet, Karnevalsschminke verteilt auf Kuscheltieren, die auf einee Party gehen möchten, dazu lautes Blockflötengetute (aka Partymusik), Gehämmer auf dem Xylophon und atonale Gesänge: „Everybody in the Club: all eyes on us!“

Unnötig zu erwähnen, dass der Meerschweinchenkäfig ungesäubert, die Wäsche unaufgehängt, das Pre-Teen-Zimmer unaufgeräumt und mein Geisteszustand nah an der Grenze zum Wahnsinn ist. Ferienkinder im Haus sind die Hölle!

Und ich hab noch ein paar Ferientage vor mir…  Was bleibt mir da zu sagen? I wanna scream and shout and let it all out?! Wat’n Glück hab ich mein Blog!

 

signatur

15 Kommentare

  1. Carolin sagt

    Ich fühle mit Dir – hier heute genau dasselbe. Nur dass die Große schon richtig pubertiert und GAR NICHT MEHR aus dem Zimmer kommt. Wenn man dann als fürsorgliche Mutter doch mal nachsehen will, dann bekommt man 1. aufgrund von Totalvermüllung des Zimmers die Türe nur noch einen Spalt breit auf und 2. die Frage entgegengewütet „Was ist denn jetzt schon wieder?“. Den mittleren Sohn habe ich aus Verzweiflung über seine unbändige Energie samt Freund in ein Schwimmbad verfrachtet. Blieb nur noch die trotzköpfige Kleine, die heute schon wegen eines falsch gewählten Lieds auf der CD völlig dem Nervenzusammenbruch nahe war. OMMMMMMM – nur noch vier Tage! Und morgen ist ein neuer Tag 😉

  2. Nina sagt

    Vielen Dank für diesen GENIALEN Post! Nach „Everybody in the Club…“ hatte ich Tränen in den Augen!!!

  3. Waaahhhhhh!!!

    Gute Nerven Dir und hoffentlich noch ein paar schöne entspannte Momente miteinander.

    Psssst, in 30 Jahren lachen wir drüber und werden es schmerzlich vermissen 😉

  4. So lieb man sie hat, so ein Ferienoverkill hat mir auch schon den letzten Nerv geraubt. Kinderzimmer voll tollem Spiel-, Mal-und Bastelzeug und Spielen und trotzdem Langeweile und kurz darauf Gezänk. I wanna scream and shout too 😉

  5. Ich lese deinen blog sooooo gerne… er ist richtig echt und aus tiefstem Herzen geschrieben. das freut mich so daran, dass es nicht nur mir so geht und es Leidgenossen gibt. um ehrlich zu sein, bin ich ganz froh, dass 1. in Österreich zur Zeit keine Ferien sind, und 2. ich nur 1 Kind habe. Puh :))) Auf die Teenie Zeit freue ich mich bei Gott auch nicht. aber da hab ich doch gut und gern noch ca. 10 jahre Zeit *gg*
    Lg Manu

  6. Huch, was kommt da auf mich zu? Ich find’s ja mit 2 Kleinkindern schon schlimm genug und hier fällt nur 2x Spielgruppe für den Grossen aus *lach* 😀 Aber irgendwie sind grad alle in den Ferien, es herrscht also Spielkameradenmangel! Und Mama ist derzeit eh einfach nur „blöd“ Muss das denn mit 3,5 schon anfangen!?

  7. Und ich hab jetzt nen Ohrwurm! Vielen Dank für den Schmunzler am Morgen. So distanziert betrachtet hat es ja etwas amüsantes, aber trotzdem leide ich ein kleines bisschen mit Dir.
    Wie gut, dass Du Deinen Blog hast, sonst würde nicht nur Dir etwas fehlen…

    Liebe Grüße
    Katharina

  8. Linda sagt

    „Ich bin ja so ungerä-hä-hächt!“ – Hahaha, danke für diesen rundum tollen Post! Ich habe zwar noch keine Kinder, aber das Gebaren deines Pre-Teens erinnert mich gerade gewaltig an mich selbst früher. Meine arme Mutter!

  9. Grandios. Als große Schwester fühle ich sehr mit Deinem Pre-Teen, mir ging es immer sehr ähnlich: alles ungerecht!

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