herz & seele
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dankbarkeit statt sachen! ::: am 3. tag fällt’s schwerer

Heute ist kein guter Tag. Und eigentlich ist dieser Satz natürlich schon undankbar, denn es ist nichts Schlimmes passiert heute, das diesen Satz rechtfertigen würde. Es war einfach nur ein ganz gewöhnlicher Tag, an dem ich außergewöhnlich müde, außergewöhnlich dünnhäutig und außergewöhnlich nah am Wasser gebaut bin.

Meine Advents-Challenge „Dankbarkeit statt Sachen“ stellt mich heute vor die ernste Herausforderung, an einem Tag wie diesem überhaupt etwas Erträgliches zu finden, geschweige denn etwas, wofür ich dankbar bin. Ich fühle mich nicht gut, und für meine latenten Halsschmerzen, meine Müdigkeit (selber Schuld, ich war wieder zu lange wach) und mein sachtes Erkältungsgefühl, das sich schon wieder anschleicht, bin ich gewiss nicht dankbar. Zusätzlich habe ich heute schon den ganzen Tag fürchterliche Sehnsucht nach einem Gespräch mit meiner Mutter, und ich bin ganz gewiss nicht dankbar dafür, dass ich ihre Stimme nie wieder werde hören können. Ich war heute außerdem so unproduktiv, dass ich mich schäme, es zu sagen, und auch für mein Unmotiviert-Sein und mein Prokrastinieren, das ich heute auf die Spitze getrieben habe, bin ich ganz sicher nicht dankbar.

Dankbarkeit statt Sachen, Adventskalender, Christmas Challenge of Happiness

Wofür dann? Natürlich für die großen Dinge: meine Kinder sind gesund. Das ist ein guter Grund, den ich mir auch mehrfach laut vorsagen musste, denn beim Einkaufen im Supermarkt haben sie sich aufgeführt wie die Bekloppten und es hätte nicht viel gefehlt und ich hätte sie ins Auto gebracht und dort warten lassen. Lautstark schimpfend, versteht sich. Aber sie sind gesund. Schlecht gelaunt und zänkisch, aber gesund.

An einem solchen Tag mit all seinen nervigen kleinen Stolperfallen, mit dem leisen Gefühl von Traurigkeit in mir, braucht es nicht viel, um mich aus der Balance zu bringen. Aber ich habe festgestellt, dass es dennoch kleine Dinge sind, die mich dankbar machen können, selbst an solchen Tagen.

Heute bin ich dankbar für…

1. … die Songs von Cole Porter, die mich beim Abholen der Kinder via Jazz Radio Berlin aufgehellt haben. Ich liebe Jazz, und nachdem ich Radiohören fast immer nervig finde, ist Jazz Radio Berlin (mal abgesehen von den unterirdischen Werbeblocks) mein Kompromiss und mein voreingestellter Radiosender Nummer 1 im Auto. Dass da ausgerechnet Cole Porter lief, als ich losfahren musste, hat mich gefreut, getröstet und besänftigt. Schöne Musik ist immer ein Grund zur Dankbarkeit für mich.

2. … einen Text, den ich heute wieder gefunden habe und dessen erste Zeile mir irgendwie schon beim Aufwachen im Kopf herum ging: „Do not stand at my grave and weep“. Heute habe ich es endlich erfolgreich gegoogelt und den ganzen Text gefunden:

„Do not stand at my grave and weep,
I am not there; I do not sleep.
I am a thousand winds that blow,
I am the diamond glints on snow,
I am the sunlight on ripened grain,
I am the gentle autumn rain.
When you awaken in the morning’s hush
I am the swift uplifting rush
Of quiet birds in circled flight.
I am the soft stars that shine at night.
Do not stand at my grave and cry,
I am not here; I did not die.“ (Mary Elizabeth Frye)

Zuerst Musik und dann ein Text. Ein tröstlicher Text, den ich mir jetzt aufgeschrieben habe, damit ich ihn nicht mehr verliere. An einem anderen Tag erzähle ich euch, was ich rund um den Text noch im Netz gefunden habe, aber für heute ist mir das zu traurig.

3. … für die Vorfreude auf einen neuen Morgen nach einem dunklen Tag. Morgen werde ich nämlich mit meiner Schwester Plätzchen backen, köstliche, schokoladige Weihnachtsplätzchen. Und ich bin dankbar dafür, dass sie zur Zeit in derselben Stadt lebt wie ich und ich sie regelmäßig sehen kann, meine geliebte kleine Schwester. Dankbarkeit statt Sachen. Macht einfach so viel Sinn.

Und wie war euer dritter Tag im Dezember? Wie bekommt euch die Vorweihnachtszeit? Und mein Adventskalender?

signatur

 

15 Kommentare

  1. Liebe Anna Luz, ich finde sehr bewegend, was du schreibst, denn heute Morgen saß ich wie du heute über meinen 3 Dingen, für die ich gestern (also am 2.12.) dankbar sein sollte. Ich habe letztlich nichts geschrieben, weil ich dachte, heute finde ich nichts. Oder es erschien mir irgendwie an den Haaren herbeigezogen. Ich hatte einen ganz gewöhnlichen Arbeitstag, einen ganz gewöhnlichen Tag mit den Kindern (u.a. beim Friseur) und einen ganz gewöhnlichen Abend daheim, an dem ich sehr viel weniger „geschafft“ hatte als vorgenommen.
    Aber vielleicht ist das die Kunst, dankbar zu sein auch für die gewöhnlichen Tage, an denen nichts außergewöhnliches passiert, an dem man neben dem Kindern auf dem Friseurstuhl sitzt und denkt, „Mädchen, du könntest auch mal wieder, siehst ganz schön zottelig aus“. An dem man prokrastiniert, an dem die Kinder zanken (oh yeah), an dem man sich selber fast ein bisschen doof findet. Und (auch da eine kleine Ähnlichkeit), an dem man sich eigentlich bloß nach Mama sehnt. Es ist nämlich auch ganz schön traurig, wenn man seine Mama noch hat, das Verhältnis nur leider zu wünschen übrig lässt)
    Aber nach dem Lesen deines heutigen Posts denke ich, okay, ich versuche es mal, dankbar für das gewöhnliche zu sein. Hier also meine Liste für gestern:
    1. Dankbar dafür, einen Job zu haben! Auch wenn er mitunter stressig ist: Ich habe einen JOB! Und es geht noch weiter: Ich bin unabhängig und ich ernähre mich und die Kinder (in der Zeit, in der sie bei mir sind, selbst.
    2. Dankbar für, ja genau, gesunde Kinder. Die sich einen Ast abfreuen, wenn die Friseurin ihnen Bauernzöpfe flechtet. Die wegen eines Missverständnisses mit der Schulbetreuung 45 Minuten vor dem Schultor sitzen und auf mich warten und Tränen in den Augen haben, als ich sie endlich abhole. Die übers Essen nörgeln, von heute auf morgen („Mittel-„)Vegetarier werden und das auch durchziehen (so die Zehnjährige).
    3. Dankbar für die Möglichkeit! mich weiterbilden zu können. Wie vielen Menschen ist das verwehrt???

    Heute ist es etwas einfacher, weniger generell.
    1. Für das süße kleine Adventskalender-Teelicht, das ich von meiner Schwester heute per Post bekam.
    2. Für das „Mama, ich komme mit, wenn du Brot kaufen gehst“ meiner großen Tochter.
    3. Für das lustige Erlebnis „Karaoke auf dem iPad“ (http://www.smule.com/AstridCramer).

    Das ist doch was, oder nicht?
    Dir wünsche ich morgen einen schöneren Tag als heute! Und denk dran. Ohne Yin kein Yang. Oder umgekehrt. Oder so. 😉

  2. Lajulitschka sagt

    Hallo.
    Im Nachhall war Tag 3 sehr bescheiden.
    Ich bin dankbar für:
    Die Aussicht, den ganzen morgigen Tag mit dem Mann verbringen zu können.
    Wir haben beide frei genommen.

    Für ein gutes versöhnliches Gespräch mit einer Arbeitskollegin. ( gestern hatten wir uns übereinander geärgert)

    Über eine Verabredung für Samstag mit der einzigen Uni-Freundin zu der ich noch Kontakt habe.

    Für ein sehr vertrauensvolles Telefonat mit einer anderen Arbeitskollegin

    Und ich mochte mich heute sehr gern im Spiegel ansehen.

    Danke für den Blick auf die Kleinigkeiten, die sooo wichtig sind

  3. Yvonne Leisten sagt

    Liebste Anna,
    Zu Tränen gerührt sitze ich nach einem langen Tag im Bett und falle fast um vor Müdigkeit, dein Blog aber verlangt eine Antwort:
    Ja, dein Kalender ist so wichtig, Deine Ehrlichkeit und Offenheit so berührend und ich gebe mir die Innenkehr, die mir so fehlt, vor der ich zeitweise auch Angst habe.
    Denn, ja, es sind gefüllte Tage voller Tun, Disziplin, Ideen und auch so tollen Sohn-Dingen. Mich selber schiebe ich oft weg, weil die Zeit nicht da ist. Und dann kommt es von hinten, mit Wucht, oder leise, ein Geruch, ein Augenblick, ein Blog und ich bin dran an der Lücke, der scheinbar unüberwindbaren Kluft zu mir selbst. Das sind dann auch solche Momente, die so dünn von der Haut, so reich an Kontakt und Gefühl sind.
    Dafür bin ich jetzt sehr dankbar, Anna, dass Du mich heute ran gebracht hast an den Kern!
    ❤️ Yvonne

  4. Steffi sagt

    Ich will auch noch dankbar sein Anna 🙂 mein heutiger Tag war um Welten besser als gestern! Ich bin dankbar für den Anruf einer Arbeitskollegin, die eigentlich viel mehr eine beste Freundin ist, aber heute als Arbeitskollegin agierte und sich dafür einsetzte, dass ich zur diesjährigen Weihnachtsfeier eingeladen werde, in der Personalabteilung bin ich evtl innerhalb 3 Jahren Elternzeit dieses Jahr durchgerutscht 🙁 ich bin dankbar, dass uns heute der Patenonkel des Babies besuchen kam und mit dem Gatten das Babyschwimmen übernahm und sogar die Zwillinge mitnahm 🙂 ich bin dankbar für einen wundervollen Zwillingsstammtisch heute Abend inklusive Kruschtwichteln 🙂 es war total lustig 🙂 Danke

  5. Ach Liebste, so Tage gibt es, die müssen wir hinter uns bringen und hoffen, dass der nächste Tag heller wird! Ich drück dich mal und bin dankbar für deinen Kalender, der die Sicht zumindest ein Mal am Tag auf’s Wesentliche oder auf die kleinen Dinge lenkt. Danke dafür!

    Am 3. Dezember:

    1. Nachdem ich von zwei Freundinnen gehört hab, dass ihre Omas im Krankenhaus liegen, bin ich dankbar, dass meine Oma ihre Schmerzen hinter sich hat und ich sie nur schön und strahlend und lustig in Erinnerung behalten kann.
    2. Nachdem in unserem Ort ein 43jähriger Vater Samstagnacht in die Mauer am Friedhof gerast ist und es nicht überlebt hat, bin ich dankbar, dass mein Mann ein sehr vorsichtiger Autofahrer ist, der lieber mal 40 in der 50er Zone fährt „könnte ja glatt sein“.
    3. Bin ich dankbar, dass es den zwei Schwangeren in meiner Familie und im Freundeskreis gut geht und es wohl keine Komplikationen geben wird. Daumen sind gedrückt.

    So, ich muss mal arbeiten…..wofür ich irgendwie auch dankbar bin…..

  6. Tanja sagt

    Ich bin dankbar für
    1. unseren Staat, der meinem Mann und mir momentan gemeinsame Elternezit beschert (auch wenn das nicht immer einfach ist:-)) und somit so manchen Zusammenstoß zwischen mir (akuter Schlafmangel wegen bauchwehgeplagtem Baby) und Sohn (akute Trotzphase) abpuffert, verhindert, übernimmt.
    2. meine so toll zu uns passende Hebamme, die mich in meinem Plädoyer für ein auf 2,70m Breite erweitertes Bett unterstützt hat und wir nun genießen, dass die nächtlichen Zuwanderer uns nicht so viel Platz wegnehmen.
    3. die Idee nächste Woche ein paarTage an die Nordsee zu fahren:-)

  7. Hallo liebe BerlinMitteMom,
    wow beim lesen hier bekomme ich eine Gänsehaut! Eine wunderbare Idee. Ich denke dadurch, dass man sich jeden Tag positive Dinge bewusst macht, für die man dankbar ist, bekommt man eine höhere Sicht auf die Dinge! Der Horizont wird erweitert, die kleinen Dinge gewinnen an Intensität! Da fällt einem mal wieder auf wie gut man es eigentlich hat!
    Viele Grüße, Astrid

  8. Liebe Anna,

    heute bin ich dankbar für meine große wunderbare, wilde Tochter, denn mein Schatz hat heute Geburtstag und ist nun stolze 9 Jahre alt.
    Dankbar und gerührt bin ich zu sehen, wie stolz sie auf ihr ‚fortgeschrittenes‘ Alter ist, wie unglaublich energiegeladen sie ihr Leben führt. Aber auch wehmütig, weil sie mir -zwangsweise- immer weiter entwächst.
    Gerade habe ich den Kuchen-Kurier-Dienst in der Schule hinter mich gebracht, da schämte sie sich schon ein bisschen für ihre gluckige, verknutschte Mami. Auch das alljährlich selbst genähte Geburtstags-Shirt entblößte sie nur zögerlich vor ihren Kameraden… obwohl es einfach Bombe aussieht 😉
    Aber ich weiß, es muss genau so sein, vor den anderen, weil Mütter einfach peinlich sein müssen und dankbar bin ich, weil zuhause, da ist sie dann wieder meine kleine Große, kuschelig und verspielt, ohne ‚Ey, Alter‘ und alles, was an coolen Gesten und Sprüchen zu vorpubertierenden Kids dazugehört. Heute ist ein schöner Tag, Danke!

    Deine Esther

    PS: Dankbar bin ich im übrigen auch, dass ich heute nicht kochen muss, wir gehen nämlich ins Restaurant 😉

  9. Das ist das Schoene an diesem Kalender, dass man darueber nachdenkt, wofuer man an ganz gewoehnlichen Tagen dankbar sein kann..

    Gestern war ich dankbar fuer:

    1. Das Strahlen meiner kleinen Tochter beim Oeffnen ihres Adventskalenders
    2. Das Strampeln meiner Bauchmaus tagsueber
    3. Den sehr leckeren Fruchtsmoothie in der Mittagspause und das nette Gespraech mit der Verkaeuferin am Tresen

    Liebe Gruesse,
    Katrin

  10. Am 03.12. war ein guter Tag, ich könnte unzählig viele Dinge auf die Liste setzen, für die ich dankbar war…

    1. für den wunderbaren Sonnenschein, es war so gar kein Winterdezemberwetter. Ich habe es sooooooo genossen zu Arbeit zu fahren.
    2. dafür, dass ich eine super zuverlässige, super ordentliche, super liebe Haushaltshilfe gefunden habe, die einmal die Woche groß Reine macht, und heute war sie wieder da. Als ich nach der Arbeit nach Hause kam blitzte und blinkte es – für 5 Minuten bis die Kids durchgefegt sind, aber immerhin: 5 Minuten lang war es echt schön sauber 😉
    3. für meine Yogaeinzelstunde die ich mir gegönnt habe, und die mich soviel weiter gebracht hat. Ich bin sehr perfektionistisch, nun hat dieser einen Namen und immer wenn er um die Ecke kommt, dann wird er beobachtet, begrüsst (und vermutlich muss ich dann lachen) – denn man kann nicht immer perfekt sein. Fehler machen ist gut und menschlich…
    4. und da sind wir bei 4, der muss noch drauf. Ich habe – natürlich ausversehen – ein Spielzeug von meiner Tochter kaputt gemacht. Es war in meiner jackentasche und ihm ist der Schwanz abgebrochen, als ich die Autotür zu gemacht habe. Am Liebsten hätte ich es gar nicht gesagt, da sie sowieso so motzig und übellaunig nach der Schule war, doch als ich es ihr gebeichtet habe, da hat sie mich in den Arm genommen und mir verziehen.

  11. Hach Mensch, danke hierfür…Warum verlangt einem einfaches Dankbar sein manchmal soviel Ernergie ab? Obwohl das ja eigentlich ein Denkfehler ist, denn generell fordert nur Motzen, ohne etwas an Energie wieder zu geben, Dankbar-sein fordert zunächst ein wenig und gibt dann aber doppelt und dreifach zurück (und das kann man an deinem Eintrag hier sehen, absolut…erst schwermütig und AAARRRGGGHHH und dann aber besinnend und erleichter fast. Danke Danke Danke dafür!

  12. Sabine sagt

    Dein Post, liebe Anna, und auch die Kommentare rühren mich heute irgendwie zu Tränen. Danke dafür. Bei mir wirkt der Kalender schon, ich „ertappe“ mich im Laufe des Tages dabei, mir die schönen Dinge bewusst zu machen und zu merken, die sonst vielleicht durchrauschen würden.

    Gestern war ich dankbar für einen Liebesbrief,Moden mein Freund mir in unserer (holprigen) Anfangszeit geschrieben, aber nie gegeben hat. Gestern hab ich ihn zufällig beim Schrank aufräumen gefunden und war sehr sehr gerührt. Und bin es noch immer.

    Dann war ich dankbar für meine gute Freundin, die mein kränkelndes Schulkind mit nach Hause genommen hat und mit Kakao und einer Decke auf ihrem Sofa platziert hat bis ich mit den Kleinen kam.

    Und ich war dankbar, dass das Baby nun wohl doch keine Bindehautentzündung bekommt. ns ein Glück!

  13. Sabine sagt

    Blöde Autokorrektur! … Liebesbrief, den mein Freund…. Sollte das natürlich heißen. Sorry!

  14. Pingback: Wochenende in Bildern | Geborgen Wachsen

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