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embrace the change ::: geburt und tod gehören zusammen – und mitten ins leben

Umgang mit Geburt und Tod, make room for happiness

Diese Woche habe ich mal wieder fremd-gebloggt. Bei Stadt Land Mama erschien mein Artikel in der Blogger*innen-Serie „Wir lieben Elternsein!“, in der es um die positiven Aspekte von Elternschaft gehen sollte. Ich habe mich mit Glücksentwürfen und Muttergefühlen beschäftigt. Und während ich das tat, kamen mir noch ganz andere Gedanken rund um das Thema (Mutter)gefühle, die ich heute teilen möchte.

Ich kann nie wieder werden, wie vorher!

Als meine große Tochter, mein Herzensmädchen zur Welt kam, war ich nicht auf die Gefühle gefasst, die mich überrollten. Ich hatte ein Menschenkind geboren,  eine vollkommene kleine Person, ausgestattet mit allem, was sie zum Leben brauchte. Ich war überwältigt! Aber die Gefühle waren nicht nur Glücksgefühle. Ich erinnere mich so gut an dieses leise, fremde Empfinden, das Bewusstsein, dass sich etwas in mir unwiderruflich verändert hatte und die Angst, nicht mehr zurück zu finden, zu dem Menschen, der ich vorher gewesen war. Da war plötzlich diese Unsicherheit in mir, die bange Frage: „Wann fühle ich mich wieder wie vorher? Wann bin ich wieder ich selbst?“ Die Antwort war schnell klar: ich bin immerzu ich selbst, aber ich kann nicht einfach wieder werden wie zuvor. Mutter zu werden hatte nicht nur meine Persönlichkeit um einen Aspekt erweitert, der vorher nicht da war, nein, die Verwandlung war umfassender weil nicht umkehrbar. Hinter dieses Erlebnis konnte ich nicht zurück, niemand kann das. Ein Kind wird geboren – im selben Augenblick aber wird auch eine Mutter geboren. Das lässt sich nicht wieder umkehren, ganz gleich, was mit diesen beiden, Mutter und Kind geschieht.

Ich spürte die Unwiderruflichkeit dieser Erfahrung mit voller Wucht, ohne dass ich das hätte in Worte fassen können, aber es war die erste existentielle Veränderung in meinem Leben bis zu diesem Zeitpunkt. Und das beeindruckte mich stark, machte mich glücklich, machte mir Respekt, machte mir auch Angst. Dazu kamen natürlich noch die hormonellen Spezialitäten nach einer Geburt, die das Gefühlsleben ordentlich auf den Kopf stellen, so dass ich länger als erwartet brauchte, um mich neu zu sortieren – Tochter, Schwester, Ehefrau, Freundin undsoweiter, das alles kannte ich an mir schon als Aspekte meiner Person. Jetzt war ich also außerdem: Mutter. Zum Glück war ich sehr schnell sehr innig mit dem neuen kleinen Menschenkind verbunden, das da zu mir gekommen war. Aber die Tragweite der Veränderungen erkannte ich eigentlich erst im Laufe der kommenden Monate. Die Geburten meiner beiden jüngeren Kinder warfen mich nicht so aus der Bahn. Klar, ich war ja schon Mutter – da lief schon seit vier bzw. 6 Jahren ein Kind herum, das mich Mama nannte. Das konnte mich nicht mehr schrecken.

Das Natürlichste auf der Welt?

Aber ich schaute anders auf diese Erlebnisse wie Schwangerschaft und Geburt, auch bei anderen Frauen in meinem nahen und weiteren Umfeld. Ich wusste jetzt dank meiner persönlichen Erfahrung, was das bedeutet und war oftmals entsetzt und erschrocken darüber, wie wenig Bedeutung diesen Erlebnissen von der Umwelt beigemessen wird. Es wird so viel davon gesprochen und geschrieben, dass Schwangerschaft und Geburt „das Natürlichste auf der Welt“ seien, und mit diesem Argument wird dann alles nieder getrampelt, was in irgend einer Weise scheinbar nicht nach Plan läuft. Dabei hat das eine mit dem anderen nichts zu tun: ja, Schwangerschaft und Geburt sind etwas ganz Natürliches, denn das ist unsere Art, uns fortzupflanzen. Das ist aber nichts als die rein biologische Ebene. Auf einer anderen Ebene passiert mit den Frauen, die zu Müttern werden, noch sehr viel mehr. Sie gehen durch eine existentielle Veränderung in ihrem Leben und sofern sie nicht schon die zweite Schwangerschaft bzw. Geburt erleben, haben sie noch keine Vorstellung davon, was das tatsächlich bedeutet: Mutter zu sein eines Kindes bis ans Ende des eigenen Lebens, ganz gleich, was mit dem Kind geschieht, ob es gesund, krank, lebendig oder tot ist – es ist dein Kind.

Die Erwartung an werdende und frischgebackene Mütter ist unterm Strich eigentlich immer die gleiche: die Frauen sollen sich freuen, sie sollen glücklich und dankbar sein, es damit aber bloß nicht übertreiben. Sie sollen sich nicht so anstellen, sie sollen die Geburt gefälligst nicht zu so einer Riesennummer machen und sich beim Stillen bitte nicht so wichtig nehmen – auch das ist schließlich das Natürlichste der Welt. Gleichzeitig gibt es eine große Ignoranz gegenüber all den Dinge, die rund um Schwangerschaft, Geburt, Wochenbett und Stillzeit nicht glatt laufen und da ist die Auswahl riesig. Angefangen bei nicht planmäßig verlaufenden Geburten und daraus resultierende Geburtstraumata über Schwierigkeiten beim Stillen oder postpartale Depression – darüber will lieber niemand etwas hören. Höchstens, das eine frischgebackene Mutter sagt: „Ach ja, die Geburt war furchtbar, aber der Babyduft und diese große Liebe zu meinem Säugling wiegen das alles wieder auf!“ Und damit soll das Thema bitte erledigt sein. Ist es aber nun mal sehr oft nicht, weil das Leben sich selten an Schema F hält. Aber die Botschaft aus dem Umfeld ist klar: back to normal bitte, Mütter. So schnell und wenig Aufsehen erregend wie möglich. Dass in Wirklichkeit etwas Unerhörtes, etwas Umwerfendes (im Positiven wie Negativen), etwas Einzigartiges geschehen ist und back to normal sich plötzlich gar nicht mehr so einfach anfühlt, davon spricht niemand.

Umgang mit Geburt und Tod, make room for happiness

Und was passiert, wenn ein Kind nicht gesund ist? Oder während der Geburt oder kurz danach stirbt? Was ist dann? Geburt und Tod in einem Augenblick? Wie wird damit umgegangen? Das ist ein großes Tabuthema, vielleicht DAS Tabuthema überhaupt, und es schmerzt mich immer wieder, wenn ich feststelle, wie wenig Raum in unserer Gesellschaft denjenigen Eltern gegeben wird, die ein Kind verlieren. Auch hier wollen alle am liebsten kurz nach dem Kondolieren schon nichts mehr von Schmerz und Trauer hören oder gar davon, dass die verwaisten Eltern nicht wissen, wie sie ihr Leben weiterleben, wie den Faden wieder aufnehmen sollen.

Geburt und Tod, zwei vom gleichen Schlag

Denn wenn ein geliebter Mensch stirbt, dann ist ebenfalls nichts mehr wie zuvor. Ich maße mir nicht an, zu wissen, wie es ist ein Kind zu verlieren und ich bete täglich, dass ich das auch nie erfahren muss. Meine Erfahrung mit Verlust und der Endgültigkeit dieser Gefühle bezieht sich auf das Sterben und den Tod meiner Mutter vor zwei Jahren. Tatsächlich reichen sich Geburt und Tod an genau der Stelle die Hand, wenn es um den Effekt geht, den beide Ereignisse auf das Leben der Menschen haben, die eine neuen Menschen im Leben empfangen oder einen geliebten Menschen gehen lassen müssen: man kann dahinter nicht zurück.

Ich erinnere mich gut an dieses Gefühl nach dem Tod meiner Mutter. Wir hatten sie jahrelang in ihrer Krankheit begleitet und wochenlang beim Sterben auf dieser wunderbaren Palliativstation, und dann war der Tag gekommen. Sie starb. Zuerst fühlte sich das abstrakt an. Wir hatten noch so viel zu tun, das direkt mit ihr zusammenhing! Wir formulierten die Todesanzeige, so schön wie wir konnten. Wir suchten Gedichte aus für die Anzeigen in der Tageszeitung, wir bestellten ein Meer aus ihren Lieblingsblumen für die Beerdigung und wählten mit der Hilfe eines befreundeten Musikers himmlische Musik für die Trauerfeier. Als die Kirche am Tag der Beerdigung sich mit über 250 Menschen füllte und danach der Garten meiner Mutter zu einer letzten „Party“ in ihrem Sinn, fühlte sich alles an, als sei sie noch da. Aber mit  jedem Tag nach der Beerdigung wurde es klarer: sie war weg. Alles, was ihr gehört hatte, wurde bedeutungslos, alle Dinge waren nur noch Dinge, das Haus vereinsamte, der Garten verwilderte.

Make room for sadness, Geburt und Tod, Kind steht am Grab

Die Wahrheit darüber, was geschehen war, sickerte immer mehr ins Bewusstsein, und was sich am Todestag fremd und vage angefühlt hatte, wurde immer kälter, klarer – unwiderruflich. Und so absurd es sich anfühlte, die widerstreitenden Gefühle erinnerten mich an das, was ich nach der Geburt meines ersten Kindes gefühlt hatte und ich erkannte es wieder: die Gewissheit, dass diese Erfahrung des Verlustes und der Trauer mich für immer verändern würden. Das Wiedererkennen machte es mir übrigens leichter, diese Veränderung anzunehmen.

Die Reaktionen im Umfeld, der Umgang mit Geburt und Tod, die Erwartungshaltungen an die Betroffenen gleichen sich ebenfalls. In unserer Gesellschaft geht es immer wieder vorrangig darum, dass Menschen funktionieren sollen. Auch wenn solche existentiellen Ereignisse die gleichmäßigen Abläufe eines Lebens förmlich bombardieren, wird nach relativ kurzer Zeit erwartet, dass derjenige wieder „in der Spur“ ist. Es wird gratuliert und kondoliert und dann ist es bitte auch wieder gut, ja? Ist es das nicht, wird das gleich pathologisiert. „Übermäßige“ Trauer gilt als krankhaft und behandlungswürdig ebenso wie übermäßige Verstimmung nach einer Geburt – nur wer bestimmt, was da richtig ist? Wer legt das Maß fest? Wer die Zeit, die ein Mensch braucht, um solche Einschnitte ins eigene Leben, seien sie positiv oder negativ, zu verarbeiten?

Platz für Trauer, Platz für Glück

Ich habe für mich festgestellt, dass es ok ist, sich zu verändern durch solche radikalen Einschnitte im Leben. Es ist ok für mich, nicht mehr dieselbe zu sein, wie davor, vor dem Erlebnis von Geburt und Tod. Eigentlich wäre es ja fast absurd, zu denken, man könne unberührt davon bleiben, wenn so etwas Großes geschieht. Ich habe mich damit befasst, was es für mich bedeutet, und ich hatte in beiden Situationen ein liebevolles und verständnisvolles Umfeld. Aber selbst das hatte seine Grenzen. Ich kann gut damit leben, dass ich mich verändert habe und weiter verändern werde, ebenso wie meine Rolle(n) in meinem Leben. Ich altere, ich fühle mich nicht länger unverwundbar, ich verändere mich körperlich wie psychisch und seelisch. Das ist in Ordnung, so ist das Leben.

Embrace the change, Geburt und Tod, Sterbebegleitung

Aber mir wird immer wieder bewusst, wie wenig Raum in unserer Gesellschaft und unserer Kultur ist für diese Phasen im Leben eines Menschen. Wieso ist es so schwer für uns, diese Erlebnisse bei anderen Menschen zu sehen und zu würdigen, statt sie zu ignorieren? Der Platz für Geburt und Tod  sollte mitten im Leben sein, die Veränderungen sollten begleitet und gefeiert werden und für jeden Menschen, der das erlebt sollte Verständnis, Respekt und Liebe da sein. Stattdessen geht es meist um genormte Prozesse, deren Dauer festgelegt ist und um minimale Rituale, an der selten mehr als nur der engste Kreis der betroffenen Personen teilnehmen: Beerdigungen, Gratulationskarten nach der Geburt, Kondolenzpost, ein Blumengruß. Als wären die Erfahrungen von Leben und Sterben – nicht so wichtig. Dabei sind sie die entscheidenden Erlebnisse, die alles auf den Kopf stellen können. Dafür müssen sich nicht einmal traumatisch sein, sondern einfach nur den ganz normalen Verlauf der Dinge markieren: Geburt und Tod. Leben und Sterben. Das Natürlichste auf der Welt. Oder?

signatur

{Tatsächlich gleichen sich die Ereignisse noch in viel mehr als nur diesem einen Aspekt. Ich persönlich glaube beispielsweise, dass Geburtshäuser und Hospize sich viel ähnlicher sind oder sein sollten, als man gemeinhin annimmt: der respektvolle Umgang mit den betroffenen Personen, die Leben schenken bzw. geboren werden oder sich aus ihrem Leben verabschieden müssen, sowie die Wahrung der Selbstbestimmung der Betroffenen, ihrer Autonomie, spielen dabei wohl die größte Rolle. Aber das ist wieder Stoff für einen eigenen Blogartikel.}

37 Kommentare

  1. Tja, auch wenn es das Natürlichste der Welt ist, gerade der Tod ist für mich ganz unheimlich, beschäftigt mich mehr als es sollte und nimmt viel Raum ein. Aber du hast Recht, das sind so wichtige Ereignisse, es ist erschreckend wie wenig Raum dem gegeben wird. Vielleicht weil Andere damit nicht umgehen können, die Worte fehlen oder sich selbst ein Kind wünschen und das Glück nur schwer ertragen. Dann muss man den Mut finden, anderweitig Gespräche zu suchen. Mir half der Blog oder ein gutes Gespräch mit einem Therapeuten.
    Schön geschrieben!

    • Natürlich ist das unheimlich, das geht doch jedem so. Aber ich glaube tatsächlich, dass es für alle leichter wäre, damit umzugehen, wenn es gesellschaftlich nicht so tabuisiert wäre. Darüber spricht „man“ nicht, das ist bedrückend und schwer, das will niemand hören. Hilft aber nix, ist ja dennoch da. Es wäre doch schön, wenn es normaler wäre, natürlicher. Dann müsste keiner sich komisch fühlen, zu sagen: „Das tut mir weh, das macht mir Angst, das macht mich traurig.“ Oder? Ich drück dich!

  2. Ich habe zwar noch kein Kind, aber ich habe meine Mutter verloren als ich 21 war und nichts hat mich in diesem Leben mehr berührt und verändert als dieses Erlebnis. Diese Unwiederruflichkeit. Es geht einfach weiter, die Welt dreht sich weiter und ich renne weiter durch meinen Alltag und lebe mein Leben. Dieses Gefühl der Hilflosigkeit solchen einschneidenden Ereignisse gegenüber macht mir heute noch manchmal Angst. Ich weiß zwar manche Dinge mehr zu schätzen als vorher, aber ich bin auch ängstlicher geworden. Es kann so schnell gehen und dann ist nichts wie es war. Hach, jetzt habe ich ein Tränchen verdrückt. :/ Danke für den schönen Artikel!
    Liebe Grüße
    Clara

    • Ach, liebe Clara, das kenne ich so gut. Gerade diese Angst auch bezogen auf Krankheiten und das Funktionieren des eigenen Körpers, über das man vor einer solchen Erfahrung ja gar nicht bewusst nachdenkt bzw. das anzweifelt ist mir so vertraut. Aber es ist doch immer gut, wenn wir uns dessen so bewusst sind. Auch Ängste und Trauer gehören mitten ins Leben, finde ich. Ich kann mir vorstellen, dass der Verlust so früh in deinem Leben ganz schön heftig war und immer noch ist. Ich war 38 und fühlte mich alles andere als bereit dazu, meine Mutter gehen zu lassen. Fragt aber ja keiner, es kommt einfach wie es kommt. Wichtig ist doch das Gefühl, dass wir nicht alleine sind, auch wenn wir die eine Person für immer vermissen werden. Mir hilft es tatsächlich darüber zu schreiben, wie ich es hier immer wieder tue. Und einmal habe ich sogar einen Brief an meine Mutter geschrieben, den ich manchmal lesen, wenn es zu schwer wird oder ich sie so vermisse. Es sind ja oft die kleinen Dinge, die so fehlen: die Stimme zu hören, mal schnell anrufen zu können, gemeinsame Familienrituale und Traditionen zu erleben. Mich tröstet übrigens auch, all das mit meinen Kindern tun zu können, was sie mit mir getan hat und die Dinge weiter zu geben, in denen ich immer meine eigene Mutter spüre, wenn ich sie tue. Vielleicht hast du ja eines Tages selbst Kinder und wirst das erleben? Das ist etwas ganz Schönes! Ich drück dich und hoffe, wir sehen uns bald mal wieder. Ganz liebe Grüße!

  3. Eine Bekannte von mir hat schon zwei Kinder verloren – eins mit 6 Monaten an einer genetischen Krankheit, das andere als Spätabtreibung aus demselben Grund. Ich bete zwar nicht, aber es ist auch für mich das Schlimmste, was ich mir vorstellen kann, ein Kind zu verlieren. Diese Frau geht so unglaublich tapfer damit um, und trotzdem denke ich oft, es muss unfassbar schwer sein, darüber fast immer zu schweigen (denn auβer mir weiβ kaum jemand davon), aus Angst, dass die Menschen überfordert sind mit so viel Unglück und Leid.

    Und was du über Geburten und die Mama-Werdung schreibst, kann ich auch sehr gut nachvollziehen. Weil es nämlich bei mir die ersten beiden Male über alle Maβen grauenhaft war und ich in keinster Weise darauf vorbereitet gewesen bin. Und dann soll frau auch noch glücklich sein. Pah!

    Viele liebe Grüβe. Christine

    • Biographien können so hart sein! Ich könnte manchmal darüber verzweifeln, wie manche Menschen so viel Leid in einem kleinen Leben anhäufen können. Unfassbar. Ich weiß nicht, wie ich das aushalten könnte und ja, das ist eins meiner sich wiederholenden Gebete, dass irgend jemand bitte seine schützende Hand über meine Kinder halten möge, dort, wo meine nicht mehr ausreicht. Heiliger Bimbam!

  4. Für mich ist in diesem Zusammenhang – die Erschütterung, die Geburt und Tod auslösen und was beide verbindet – noch etwas anderes ganz wichtig. Es gehört zu Deinem Punkt der Selbstdefinition: Beim Tod eines Eltern- oder Großelternteils und bei der Geburt eines (ersten eigenen) Kindes rutscht man in der Generationenfolge nach oben. Als meine letzte Großmutter starb, waren meine Eltern auf einmal die älteste Generation. Und in der Nacht nach dem Tod meiner Großmutter habe ich zum ersten Mal bei meiner Mutter gewacht, die ihre Mutter verloren hatte. Ein kleiner Vorgeschmack auf das Verkehren der Rollen irgendwann. Mit der Geburt meines ersten Kindes sind nicht mehr wir die „Kindergeneration“, und meine Eltern sind endgültig in die Großelterngeneration aufgerutscht. (Wegen langer Generationsabstände gibt es bei uns leider nur eine mittlere Generation und keine Urgroßeltern / -enkel.)

    • Du hast vollkommen recht, das ist ein wichtiger Aspekt, der natürlich in beiden existentiellen Lebenssituationen die Perspektive auf die eigene Vergänglichkeit verändert: ich bin nicht mehr in erster Linie die Tochter, ich bin plötzlich selbst die Mutter. Das rückt mich in eine andere Position im Generationsgefüge und tatsächlich eine Runde näher an den Tod. Auch wenn das anhand des eigenen Alterungsprozesses, den ja der Blick in den Spiegel permanent bestätigt, eigentlich immer klar sein sollte – eine Geburt oder das Sterben der älteren Generation bringt es noch mal sehr krass auf den Punkt.
      2011 starb in meiner Familie die komplette Urgroßelterngeneration sowie meine Mutter, die bereits die Großelterngeneration markierte. Das war ganz schön harter Tobak für uns alle. Auf der anderen Seite macht es mir auch immer wieder klar, welchen Wert das Leben wirklich hat und zeigt mir, dass ich die richtigen Prioritäten für mich setze.

  5. Liebe Anna, das ist ein Text, der mich sehr bewegt. Meine Kinder sind 2006 im Geburtshaus bzw. 2009 zuhause geboren und meine Eltern sind 2011 und 2013 gestorben.Und mir ist es genauso ergangen, wie Du geschrieben hast. Ich werde nie mehr sein wie vorher. Nie mehr kinderlos und nie mehr eine Tochter.
    Nachdem mein Vater sehr unwürdig auf der Intensivstation gestorben war, habe ich bei meiner Mutter darauf gedrungen, das es anders wird. Sie durfte auf einer Palliativstation gehen und ja, das war ähnlich wie im Geburtshaus. Würdevoll bis zum letztem Atemzug.
    Sowohl die Geburten als auch die Todesfälle haben jedes Mal unser Familiensystem völlig durcheinander gewirbelt. Beziehungen sind völlig neu belebt wurden oder sind ganz und gar abgebrochen. Ganz spannendes Thema.

    Danke für Deinen Text
    liebe Grüße
    Nicole

    • Liebe Nicole, Intensivstationen sind höllisch, zumindest können sie das sein. Ich hatte vor dem Tod meiner Mutter nie Berührung mit Palliativmedizin, Hospiz oder Palliativstation, aber ich bin seit dieser Erfahrung so überzeugt davon, dass das die einzig wahre Art ist, zu sterben (wenn es nicht zu Hause sein kann), dass meine Familie und ich die Palliativstation, auf der meine Mutter lag und wo sie sterben durfte, mit Spenden unterstützt haben und das auch wieder tun werden. Ein würdiger Abschied von diesem Erdenleben ist so wichtig, wie eine würdige Geburt; es geht um Respekt vor der Situation, vor dem Menschen, um den es geht und vor all den großen Dingen, die eine Rolle spielen: Angst, Liebe, Kontrollverlust, Wut, Schmerz… Wie können wir Menschen nur denken, diese Vorgänge, Leben und Sterben, ließen sich schematisieren, sich organisieren und dann immer auf dieselbe Weise durchführen mit einer Art 0815-Patentrezept? So ist es nicht, so funktioniert es nicht.
      Ich glaube, über die Parallelen von Geburtshaus und Hospiz bzw würdiger Geburt und würdigem Tod muss ich noch mal schreiben. Ich danke dir für deine Geschichte.
      Liebe Grüße!

  6. Andrea sagt

    Hallo Anna,
    deine Gedanke zum Thema Geburt und Tod sind mir sehr unter die Haut gegangen! Ich habe bereits 3 Kinder und bin jetzt in der 23. SSW! Leider gibt es Komplikationen und ich muss im Krankenhaus mit strenger Bettruhe liegen und um den Kleinen bangen! Das Lesen deines Blogs lenkt mich etwas ab und tut mir gut! Danke dafür!!!!

    • Liebe Andrea, ich wünsche dir für den Rest deiner Schwangerschaft alles Liebe, viel Geduld und Kraft und eine gute Unterstützung um dich herum. Und es freut mich sehr, wenn mein Blog dich ein bisschen ablenken kann – ich gebe mir Mühe, dass das weiterhin so bleibt. Sonst schau doch mal meine Blogroll durch, da sind noch einige Perlen dabei, die dir vielleicht die Liegezeit versüßen können. Alles Liebe für dich, deine Kinder und dein Baby!

  7. SaraLee sagt

    Danke für diesen wunderbar ehrlichen Text, in dem ich mich direkt wiedergefunden habe. Die Veränderung, die ich nach der Geburt meiner Großen in mir gespürt habe, war völlig unerwartet und hat mich erst einmal überwältigt. Dazu kam, dass ich nur Tage später meine Großmutter verloren habe, die mir sehr nahe war. Geburt und Tod ganz dicht zusammen. Ich habe Jahre gebraucht, um mich einigermaßen wiederzufinden, zumal ich auch meine berufliche Perspektive verloren hatte. Bis auf eine Person hat sich in dieser Zeit sehr schnell mein gesamter Freundeskreis von mir verabschiedet. Du hast sehr recht mit der Erkenntnis, dass erwartet wird, dass man bitte ganz schnell wieder funktioniert. Zum Glück haben wir uns trotz dieser schlimmen Zeit für zwei weitere Kinder entschieden, dere Geburten ich ganz anders erleben durfte.

    • Liebe Sara, gut, zu lesen, dass für dich alles wieder im Lot ist und du auf deinem Weg dein Glück (wieder) gefunden hast. Danke dir für deine Geschichte, ganz liebe Grüße!

  8. Liebe Anna,

    wunderbar geschrieben, absolut zutreffend, herzberührend! In anderen Gesellschaften werden Geburt und Tod teilweise anders gewürdigt (ich kann hier aus eigener Erfahrung für Amerika und Südafrika sprechen, wo ich länger als nur eine „Besuchsdauer“ gelebt habe). Ich gebe Dir aber Recht, gerade wir hier erwarten bei diesen einschneidenden Erlebnissen schnell, dass die Betroffenen zur Normalität zurückkehren. Warum eigentlich? Können wir es nicht ertragen, dass Menschen für eine Weile aus der Bahn geworfen werden, sich neu sortieren, sich unwiederbringlich verändern? Ich glaube, die Menschen, die die Geduld haben, einen solchen Prozess ohne Erwartungsdruck zu begleiten, sind wahre Freunde. Warum ist der Tod in unserer Gesellschaft noch so ein Tabu? (Die Geburt in Teilen ehrlich gesagt auch…)?
    Sehr sehr interssantes Thema, danke für den Denkanstoß.
    LG Emi

    • Liebe Emi, ich kann mir schon vorstellen bzw weiß aus eigener Erfahrung, dass es manchmal schwer ist, andere auf ihren Wegen zu begleiten, zumal wenn die Wege schwer sind. Aber so zu tun, als wären diese Situationen, die Herausforderungen, die Veränderungen nicht da, funktioniert auch nicht. Wir können doch nicht ewig mit Scheuklappen durch die Gegend rennen wie die Kälber und denken, all das, Leben und Sterben, beträfe nur die anderen? Ja, in anderen Kulturen haben diese existentiellen Erlebnisse einen selbstverständlicheren Platz in der Gesellschaft. Ich finde, da gehören sie auch hin. Liebe Grüße!

  9. Als mein erstes KIND auf die Welt kam , verließ uns meine MUTTER 3 Tage später. Ich war ohne Eltern und gleichzeitig Mama geworden. Tot und Geburt gehören zusammen. Du hast heute mit deinem Artikel meinen Herz berührt.. Lg anne

    • Liebe Anne, danke dir für deine Geschichte. Ich stelle immer wieder fest, wie oft das so ist. Anfang und Ende reichen sich die Hände. Darauf läuft es letztlich immer wieder hinaus. Ganz liebe Grüße an dich!

  10. schöner Text + Gedanken, danke dafür. Warum es schwer ist? Ich glaube, weil der Tod eines Menschen uns immer auch unsere eigene Vergänglichkeit vor Augen führt und die unserer Liebsten. Und nicht alleine der Tod macht vielen Angst (mir auch, oft), sondern gerade das, was doch häufig davor kommt: das womöglich lange Leiden, der Kontrollverlust, das absolute Angewiesen sein auf andere. Das hat keinen Platz, weil Unabhängigkeit, Individualität & Funktionieren die goldenen Kälber unserer Gesellschaft sind, auch wenn es letztendlich Wunschgedanken sind und wir alle nur deshalb überleben können, weil andere für uns sorgen.

    • Lieben Dank für deinen Kommentar. Ich glaube, dass du recht hast: wir stellen das Streben nach einer Art Persönlichkeitsideal über alles andere; wir vergessen, in welchem größeren Zusammenhang unser individuelles Leben steht und dass wir alle diesem einen Kreislauf unterworfen sind. Das ist allenfalls eine Geschichte, über die wir lesen, die anderen passiert oder über die wir manchmal erschüttert den Kopf schütteln. Aber jeder Mensch schiebt es von sich, so lange, bis es ihn wirklich selbst betrifft. Ich glaube, eine Art unrealistischer Unsterblichkeitsfantasie gehört zu einem gewissen Lebensalter dazu, aber irgendwann müssten wir alle mit diesem Zwangsjugendlichkeitsding mal aufhören und sehen, worum es wirklich geht im Leben: Liebe, Fürsorge, das Zulassen auch von Schwäche und Bedürftigkeit, sich zuständig fühlen für andere und das sich hineingeben in die Erkenntnis, selbst jemanden zu brauchen. Übrigens denke ich, dass all diese Menschen, die ihre bewusste Entscheidung gegen Kinder/Familie zugunsten einer individuellen Freiheit genau diesen Schritt vermeiden wollen. Dabei ist dieser Freiheitsbegriff so abstrakt…

  11. Ina Kluding sagt

    Hallo Anna,
    schöner Text und so war. Auch ich habe beides erlebt (mein Vater starb als ich21 war und ich habe 2 Kinder) und es hat jedesmal mein Leben grundlegend verändert
    Darüber hinaus war mein erster Sohn eine extreme Frühgeburt (24.SSW) und ich bangte lange um sein Leben. Die Kommentare, die ich von manchen Leuten zu hören bekam (z.b. sollte man sowas überhaupt am Leben halten) erschütterten mich sehr. Da ist oft soviel Arroganz und Unwissenheit vor allem beicMenschen die so etwas noch
    nicht erlebt haben. Mein Sohn hat es glücklicherweise gut überstanden und ist jetzt ein völlig gesunder und normal entwickelter Dreijäriger.
    Grüße Ina

    • Liebe Ina, deine Geschichte ist erschütternd und dennoch ist sie so alltäglich im Sinne von: das passiert häufig, vielen Menschen, irgendwann allen. Es ist heftig, das so zu erfahren, wie du es erlebt hast und dennoch hat es mich in ähnlichen Situationen irgendwie getröstet zu wissen, dass das eben das Leben ist. Dass das genau so dazu gehört und dass es früher oder später allen Menschen so geht. Ich habe mich also nicht allen gefühlt damit, selbst wenn ich oft empfunden habe, dass mich niemand in der konkreten Situation verstehen konnte. Das hat sich inzwischen oft geändert.
      Danke für deine Geschichte! Ich wünsche dir und deiner Familie alles Liebe, Anna

  12. Kathrin sagt

    Liebe Anna, ich lese deinen Blog schon eine Weile mit, bin gerade das dritte Mal Mama geworden und frage mich täglich, wie das alles gehen soll. Deine Worte zu Geburt und Tod haben mich besonders berührt, danke.

  13. Pingback: geburt und selbstbestimmung ::: meine stimme für meine hebamme

  14. pauline sagt

    Obwohl der Post schon lange her ist, möchte ich gerne einen Kommentar hinterlassen… Ich habe während meiner vor ein paar Wochen beendeten ersten Schwangerschaft viel über die Verschiebung der Generationenfolge nachgedacht, mir ist sehr bewusst geworden, dass mein Opa, zu dem ich ein sehr enges Verhältnis habe, nicht mehr lange leben wird und auch bei meinen Eltern schon lang „die Hälfte rum ist“. Nun ist unser Sohn in der 40. Schwangerschaftswoche in meinem Bauch gestorben. Unsere Familien und ich bleiben fassungslos zurück. Keine Erklärung, es war immer alles gut – plötzlicher Kindstod im Mutterleib. Tod vor der Geburt, für manche Mitmenschen hat mein Sohn „doch noch gar nicht wirklich existiert“. Dass ich mein Kind nicht beschützen konnte, nicht mal in meinem Bauch, ist die essentiellste Erfahrung, die ich je in meinem Leben gemacht habe.
    Ich danke dir, Anna, daher für den Gedanken, dass die Gefühle/Erfahrungen/Lebensveränderung nach Geburt und Tod sich so ähnlich sind. Das hilft ein bisschen, da ich es gerade doppelt erlebe.

    • Oh Pauline, das tut mir so unendlich leid, ich habe gar keine Worte… Danke für deinen Kommentar. Es bedeutet sehr viel, dass du deine Geschichte hier so teilst. Die Erfahrung, die du gerade machen musst ist so brutal und grausam, dass ich es mir kaum vorstellen kann, deshalb möchte ich auch gar nicht sagen „ich kann mir denken, wie es dir geht“ – das kann ich nämlich nicht. Ich wünsche dir einfach nur ganz viel Kraft und Liebe um dich her. Menschen, die deine Erlebnisse ernst nehmen und deinen Gefühlen Platz einräumen. Und auch wenn es sich jetzt vielleicht komisch anhört: ich wünsche dir, dass du dennoch das Gefühl behältst und es aussprechen kannst: eine Mutter zu sein, denn das bist du. Auch ohne dein Kind in deinem Arm. Ich wünsche dir und deiner Familie alles Liebe – vielleicht lesen wir uns mal wieder hier und du lässt mich wissen, wie es dir geht. Das würde mich freuen. Liebe Grüße, Anna

  15. Teresa sagt

    Liebe Anna,
    vielen Dank für diesen Artikel. Er fasst genau das inn Worte, was ich nach der Geburt meines (lang ersehnten) Kindes gefühlt habe. Dieses Gefühl „es wird nie mehr so, wie es mal war“ und „ich bin jetzt Mutter, egal was mit uns passiert“ hat mich auch geschüttelt und alles auf den Kopf gestellt. Mein Umfeld konnte das überhaupt nicht verstehen und hat immer nur betont, dass es doch so eine „große Freude“sei. Natürlich, aber eben nicht nur. Daraufhin habe ich mich nur noch schuldig gefühlt und mich geschämt und alles auf die Hormone geschoben. Bis ich über Umwege auf deinen Blog und diesen Artikel gestoßen bin. Zu lesen, dass das auch anderen so ging und seine Berechtigung hat bzw in unserer Gesellschaft haben sollte hat mir sehr gut getan. Vielen Dank dafür. Ich kommentiere normal nie Artikel, sondern lese still mit, aber das war mir ein Anliegen, dafür Danke zu sagen. Deine humorvolle, intelligente und tiefsinnige Art zu schreiben kombiniert mit einer großen Portion Humor gefällt mir sehr gut und ich habe schon so viele Artikel von dir verschlungen und sogar meinem Mann vorgelesen. Ich wünsche dir und deiner wunderbaren Familie weiterhin alles Gute.

    • Liebe Teresa,
      es freut mich sehr, dass du hier gerne liest und dass manche Artikel dir sogar ein bisschen hilfreich sind – das ist wahrscheinlich das schönste Feedback, dass ich bekommen kann. Danke dafür!

      Ich würde dir gerne einen Vorschlag machen, kann dich aber natürlich nicht anmailen. Magst du mir mal eine Email schreiben unter berlinmittemom@googlemail.com? Ich würde mich sehr freuen. Ganz liebe Grüße und alles Liebe für dich und deine Familie, Anna

  16. Danke für den Text. Mein erster Sohn überlebte die Geburt nicht. Es gab Komplikationen. Meine Hausgeburt endete mit Notverlegung und Notfallkaiserschnitt. Zu spät.
    Die Reaktionen oder auch Unsicherheit der Mitmenschen und der beteiligten Hebammen war ungünstig für die Traumaverarbeitung. Es war nie wieder wie vorher.
    Ich habe mich aber noch einmal getraut und einen zweiten Sohn bekommen. Der wird jetzt 1 Jahr. Mit dem Wissen, das es weder selbstverständlich ist, ein gesundes Kind auszutragen, noch dieses pralle Leben zu begleiten, bin ich sehr dankbar für diese andere positive Erfahrung.
    Die einzige Sicherheit im Leben ist der Tod. Heute ein Grund für mich jeden Tag bewusst zu leben und mit anderen Menschen zu teilen. Grüße Inke

  17. Leni sagt

    Danke für diesenText! Du hast es hervorragend geschafft, in Worte zu fassen, was ich nur diffus gefühlt habe nach der (ganz 'normalen') Geburt meines ersten Kindes. Ich bin sehr gerne Mutter, aber es stimmt, die Option zurück existiert nicht mehr (auch wenn ich sie gar nicht nutzen wollte), das hat mich anfangs ganz schön straucheln lassen, doch mittlerweile bin jeden Tag mehr neugierig auf mich als veränderten und doch noch gleichen Menschen… mit dem Tod habe ich noch nicht so viel Erfahrung (außer dass ich seit dem ersten Herzschlag am SS-Ultraschall schlagartig wusste bzw. begriff, dass ich dieses kleine Wesen in mir immer beschützen und mir bis zu meinem Lebensende Sorgen um es machen würde, so wie es auch schon Generationen vor uns gemacht haben), aber dieser Blickwinkel hier klingt wie eine gute Hilfe.

    Bin schon neugierig auf viele weitere Blogbeiträge!

  18. julia sagt

    Hi Anna. Mein acht Tage alter Sohn liegt auf mir, und ich versuche seit Tagen für mich zu formulieren, warum ich mich so entfremdet und entfernt fühle und von Euphorie zu tiefster Traurigkeit vor- und zurück taumele. Auch ich empfinde eine starke Parallele zwischen Geburt und Tod, habe Panik, nie wieder "die alte" zu werden; so wie nach dem Tod meines Vaters vor neun Jahren. Du hast es geschafft, im Text all das auf den Punkt zu bringen – danke!!! Ich hatte in den letzten Tagen einige Male das Gefühl, verrückt zu werden, und es hilft mir, zu sehen, das ich nicht die einzige bin, der es so geht, bzw. die sich solche Gedanken macht. Liebe Grüsse, Julia

    • Liebe Julia, ich glaube, viel mehr Mütter fühlen das, was du beschreibst, nur ist das nicht „vorgesehen“ und deshalb sprechen so wenige darüber. Ich denke aber, wir fühlen alle in dieser Situation, dass das, was wir erleben, existentiell ist. Dass wir etwas erleben, hinter das wir nicht zurück können und dass uns das womöglich für immer verändert. Lass mich dir sagen, dass das okay ist. Du wirst dich wieder ausbalancieren, ganz bestimmt. Und ja, vielleicht wirst du nicht „die Alte“, aber immer noch du selbst, ganz sicher du selbst – nur eben erweitert um neue Aspekte. Ich wünsche dir alles alles Liebe für den Start ins Leben mit deinem Sohn. Dich erwarten wundervolle Dinge, die du gemeinsam mit ihm erleben wirst. Bald wird es sich vollkommen normal anfühlen, dass dein Leben sich verändert hat. Gib dir selbst die Zeit, das in Ruhe zu erfahren und anzunehmen. Liebe Grüße, Anna

  19. Pingback: die grundmelodie der trauer ::: über besuche am grab und rituale

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