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mama, kommt dann jetzt die zahnfee? ::: über kinderglaube und elternpein

Zahnfee, Über Kinderglaube und Elternpein

Kennt wer die Zahnfee? Ich kenne sie erst seit gestern, denn der Bub verliert Zahn um Zahn. Dabei offenbarte er mir gestern seinen festen Glauben an die Zahnfee, eine Figur, die bisher in unserem Leben überhaupt noch nie in Erscheinung trat. Damit brachte er mich außerdem blitzschnell in Not, denn die Zahnfee bringt ja bekanntlich was. Aber von vorne.

Eigentlich bin ich, was den Zahnwechsel bei Kindern angeht, voll der Profi. Ich habe schließlich schon ein Herzensmädchen durch die Phase des Milchgebissverlustes begleitet und dabei diverse Stadien mit durchlitten, die ich hier mal auflisten möchte. Ich bin sicher, alle Eltern, die den Zahnwechsel ihrer Kinder mitgemacht haben, erkennen sie wieder. Oder?

1. Die Zähne wackeln, oh mein Gott!

Es ist ja nicht so, als würden die Zähne einfach ausfallen, nein. Es geht die mitunter laaaange Wackelphase voran, in der die Eltern ständig den aktuellen Stand des Wackelns überprüfen müssen. Es wird getestet, wie weit die Zähne sich bewegen lassen und überhaupt ist das Ganze ein permanentes Thema, so wie eine Hintergrundmusik mit immer derselben Melodie.

12 von 12, Zahnlücke, Zahnfee

2. Ich kann nichts mehr essen! Ich kann NIE WIEDER was essen!

Je nach theatralischer Veranlagung meiner Kinder wurde diese Phase unterschiedlich dramatisch ausgelebt. Von unschönen Sitten wie dem seitlichen tief-in-den-Mund-Hineinschieben von Nahrung quasi an den funktionslosen Schneidezähnen vorbei bis hin zum Heulen vor dem gefüllten Teller, weil das ja alles nicht machbar sei, hatten wir hier alles. Der helle Wahnsinn.

3. Guck mal, was ich mit den Zähnen kann!

In der Phase, in der die Zähne wirklich nur noch an einem Fädchen hingen, fing vor allem das Herzensmädchen seinerzeit an, damit in ihrem Mund herum zu spielen. Eigentlich permanent. Die Zähne standen in alle Richtungen und wurden mit der Zunge hin und her bewegt. Am liebsten natürlich, wenn ein Erwachsener, entsprechend beeindruckt, zuschaute. Ich kann berichten, es war unschön!

Der Bub hat sich da mehr zurück gehalten. Dafür hatte er des öfteren unerklärliche Schmerzen in den Wackelzähnen, die ebenfalls gebührend bewundert sein wollten. Ich musste dann auch immer mit der Fingerspitze gegen den Wackelzahn tippen und überprüfen, was da wie weh tut. „Vorsischtisch, Mama!“ Is klar.

4. Sie sind raus, lass uns feiern!

Schließlich fallen sie aus, einer nach dem anderen, unwiderruflich. Ich musste erleichtert feststellen, dass die kindliche Faszination für diesen Vorgang Zahn um Zahn weiter abnimmt, so dass nicht jedes Mal gleich eine Telefonlawine durch die komplette Familie gestartet werden musste. In Zeiten von What’s App helfen hier allerdings auch Bildnachrichten. Aber es ist natürlich ein Ereignis, das muss man anerkennen. Die Zähne werden herum gezeigt, die Zahnlücke wird befühlt, permanent steckt eine Zungenspitze dort, wo grade noch ein Zahn war. Ans Zähneputzen ist eigentlich für Wochen nicht zu denken, das versteht sich von selbst, denn erstens wird das unnötig (ist ja nur noch ne Lücke da), zweitens tut es „sauweh, Mama, ehrlich!“ und drittens hat man dafür keine Zeit, weil man im Spiegel die Lücke anschauen muss. Party!

12 von 12, Zahnfee, erster Wackelzahn ist raus

5. Behalten oder die Zahnfee rufen?

Spätestens hier sind wir wieder beim gestrigen Abend angekommen, denn sind die Zähne mal ausgefallen, stellt sich die Frage: was tun damit? Das Herzensmädchen hatte das damals für sich pragmatisch gelöst: „Ich hebe die Zähne alle auf, Mama. Wer weiß, ob ich als Oma mal ein Gebiss brauche. Dann kann ich ja gleich meine eigenen nehmen und dann ist es gut, wenn ich sie noch habe.“ Ähhm, nja. Bei diesem Kind war jedenfalls die Zahnfee nie ein Thema und ich war darüber auch ganz froh.

Der Bub allerdings überraschte mich gestern Abend damit, nachdem er bei einer wilden Begegnung mit dem Knie seiner Schwester beide wackelnden oberen Schneidezähne mit einem Mal eingebüßt hatte, dass er diese jetzt unters Kopfkissen legen möchte, damit die Zahnfee sie holen kommt. Aaah, sagte ich, die Zahnfee! Woher kennst du die denn? Er erzählte mir, dass die bei all seinen Kumpels aufgetaucht sei und die unglaublichsten Dinge gebracht hätte. Von Starwars Lego war da die Rede und von Fußballsammelkarten und den dazugehörigen Alben. Ich staunte. Und ich musste in mich gehen und meinen spontanen Protestwunsch unterdrücken, denn der feste Kinderglaube an etwas ist ja immer erst mal was Schönes. Ich konnte es also nicht über mich bringen, seine Begeisterung zu dämpfen mit einem schnöden „Es gibt gar keine Zahnfee!“. Begeistert schrieb er einen Brief an die Zahnfee, versteckte die Zähne und ging ins Bett.

Zum Glück fiel mir noch ein, ihm zu sagen, dass die Zahnfee nicht käme, wenn er nicht schliefe. Geflüster unter den Geschwistern. Goldkind daraufhin: „Und wenn ich nicht schlafe? Kommt sie dann? Sind ja gar nicht meine Zähne!“ Ich versicherte ihnen, dass hier niemand käme, solange irgendwelche Kinder wach seien. Es dauerte dennoch ein bisschen, bis sie schliefen. Immerhin konnte ich in der Zwischenzeit auf der Facebookseite von Berlinmittemom diesbezüglich eine kleine Umfrage starten, die mir tatsächlich weiterhalf.

Zahnfee, Wackelzahn, der Zahn ist raus

Ich schrieb einen Antwortbrief von der Zahnfee und kramte aus meinen Beständen ein (ziemlich schönes) Buch hervor, das eigentlich für einen anderen Anlass gedacht war: Allerhand vom Franz. Es kam wunderbar an, die Zahnlücke wurde heute früh überall herum gezeigt und es wird auch sehr effektvoll gelispelt. Besonders süß war das beim Vorlesen des Antwortbriefes von der „Tßßahnfee“. Tihihi.

Aber jetzt hab ich se am Hals, die olle Zahnfee. Die kann ja nicht wieder verschwinden. Kommt die jetzt bei jedem Zahn? Wie macht ihr das bei euren Kindern?

signatur

10 Kommentare

  1. Hahaha! ich kann nieeeee wieder was essen kenne ich hier auch. Aber nur vom Sohn. Und dass sehr lange recht theatralisch getestet werden kann, wie wackelig der Zahn denn schon ist, ist hier genauso. Die Zähne zieht übrigens bei uns die Grosse (13). Ich kann das nicht, bei aller Liebe. Obwohl ich sonst nicht zimperlich bin. Wackelzähne bringen mich der Ohnmacht nahe.

  2. wie schon gestern gesagt kommt sie bei uns (aus der Not heraus) 4 mal, aber auch nur weil wir bei K2 nach dem dritten Zahn festgestellt haben das er jetzt ALLE Zähne vergolden will.

  3. der große hat bisher nie ein großes theater drum gemacht – es sei denn, der zahnarzt mußte den milchzahn ziehen, was bisher 2x vorkam. das find ich dann aber auch verständlich, denn das war beide male schmerzhaft, da die zähne recht fest saßen.
    die zahnfee kommt bei uns bei jedem rausgefallenem zahn und bringt eine kleinigkeit(!) mit (sammelkarten, neue malstifte oder so)

  4. Pingback: mama, kommt dann jetzt die zahnfee? ::: über kinderglaube und elternpein | CookingPlanet

  5. Sonja sagt

    Bei uns kommt die Zahnfee nicht mehr weil beim 2. Zahn voll über das Geschenk abgelästert wurde und das war mir und damit der Zahnfee einfach zu bunt! Beste Grüße und vielen Dank für die schönen posts
    Sonja

  6. Silvie sagt

    Hahaha, davon sind wir hier zum Glück eine Weile verschont. Die Zähne müssen erstmal rauskommen. 🙂

    Was ich mich jetzt aber frage: was sagt denn deine große Tochter dazu? Legt sie nun nachträglich ihre Zähne noch unters Kissen? Oder kann sie ganz cool damit umgehen, dass sie damals nichts bekommen hat?

  7. Klar, kommt bei uns die Zahnfee, die kam sogar schon als ich noch Kind war 😉 Aber nur bei den Schneidezähnen, würdeja sonst doch arg teuer werden.

  8. Wie witzig!! Auch bei uns ist die Zahnfee momentan ungemein aktuell und Pinas erster Zahn wackelt schon dermaßen bedrohlich, dass ich bereits panisch nach irgendeiner Kleinigkeit Ausschau halte, die besagte Fee ihr bringen kann. Derzeit wünscht sie sich (und das seit Wochen!) hartnäckig einen Kuscheltierwaschbären. Wahrscheinlich bringt den die Fee. Die gab es bei mir übrigens nicht! (Genauso wenig wie die Schnullerfee.) Ich habe Pina schon gesagt, dass sie aber nur für den ersten Zahn was bringt. Bislang hat meine Große das so akzeptiert – ich hoffe das bleibt so!
    In jedem Fall ist es eine spannende Zeit. Und während Pina die ersten wieder verliert, schieben sich bei Lulu die letzten Millimeter Zahn, die noch fehlen, an die Oberfläche. Der reinste Zahnwahn. 😉
    Liebe Grüße! Friederike

  9. Anna sagt

    Lustig, mein Sechsjähriger sieht gerade exakt aus wie deiner! 🙂 musste die Zahnfee auch erst kennen lernen. Die kommt bei uns nur beim ersten Zahn, das wurde auch gleich akzeptiert. Es gab eine Zahndose und eine Kleinigkeit. Die Dose wird nun jeden Tag fleißig herum gezeigt…

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