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raus aus dem rapunzelturm, ran an die smartphones ::: medienkompetenz mit kindern

Medienkompetenz von Kindern fördern, raus aus dem digitalen Rapunzelturm, zehn einfache Regeln zum Umgang mit digitalen Medien

Heute geht es um die Medienkompetenz unserer Kinder und was wir dafür tun können. Ich schrieb ja schon einmal darüber, wie ich mich um einen vernünftigen Umgang mit Medien im Leben meiner Kinder bemühe. Heute gehe ich noch einen Schritt weiter.

Dieser Tage sprang mich ein Artikel in der Huffington Post an, in dem jegliche mobilen Endgeräte für alle Kinder unter 12 Jahren verteufelt werden, ja, wo die Verfasserin sogar so weit geht, ein gesetzliches Verbot von Handys, Tablets und mobilen Spielkonsolen zu fordern. Am liebsten würde sie auch stationäre Geräte wie Fernseher und Computer grundsätzlich für Kinder unzugänglich machen.

Sie führt auch jede Menge Argumente auf, zitiert Studien über Fettleibigkeit bei Kindern und macht sich um deren Gehirnentwicklung Sorgen. Sie stellt den Gebrauch jeglicher digitaler Medien durch Kinder und Jugendliche grundsätzlich in den Zusammenhang mit deren Verderben: bestimmte Gehirnregionen werden sich nie entwickeln, sie werden adipös und abgestumpft, sie werden unfähig sein, echte soziale Kontakte aufzubauen und zu pflegen, sie werden an ADHS und Diabetes erkranken und irgendwann werden sie Call of Duty spielen und dann Amok laufen. Alle.

Ich übertreibe bei meiner Interpretation, natürlich. Aber das tut meiner Meinung nach die Autorin dieses Artikels auch. Denn unsere Kinder wachsen längst in eine ganz andere Ära hinein und wir ziehen eine neue Generation Digital Natives groß, die uns sehr wahrscheinlich bei der aktuellen rasanten Entwicklung digitaler Technologien diesbezüglich in kürzester Zeit überholt haben wird. Für uns und unsere Kinder kann sich heutzutage die Frage gar nicht mehr stellen, OB sie in Kontakt mit digitalen Medien kommen, sondern lediglich die Frage, WANN es so weit ist und WIE dieser Kontakt gestaltet wird.

Wir sind uns einig, dass es nicht altersgerecht wäre, ein beispielsweise zweijähriges Kind den ganzen Tag wahllos fernsehen oder es unkontrolliert mit Tablet oder Handy spielen zu lassen. Aber darum geht es in dem zitierten Artikel ja auch gar nicht. Da wird nicht für geregelten Umgang mit digitalen Medien plädiert, sondern es wird ein generelles Verbot gefordert. Bis die Kinder 12 sind. Die Möglichkeit, bis zu diesem Alter ihre Medienkompetenz zu stärken und zu fördern, kommt überhaupt nicht vor.

Wie stellt sich die Autorin denn den Kontakt mit Medien vor? Das Kind wird zwölf Jahre im digitalen Rapunzelturm eingesperrt und bekommt an seinem zwölften Geburtstag dann ein Smartphone in die Hand gedrückt? Viel Spaß im schönen Internt? Das ist so, als würde man Jugendliche mit Beginn der Pubertät einzeln auf einsamen Inseln aussetzen, um Teenagerschwangerschaften zu verhindern und sie mit dreiundzwanzig erst wieder aufeinander loslassen. Ich gebe zu, es klingt verlockend. Aber sie würden niemals eingeübt haben, wie sie verantwortungsvoll miteinander umgehen sollen, was ihre Gefühle bedeuten könnten, wie sie ihr eigenes oder fremdes Begehren bewerten sollen und wer sie überhaupt sind im Kontakt mit anderen. Sie würden dem ersten Deppen anheim fallen, der ihres Weges käme, weil sie nichts darüber wüssten, wie sie das Verhalten von anderen deuten können oder was sie für sich daraus machen. In der Isolation hätten sie nämlich niemals die Chance gehabt, sich in einem einigermaßen sortierten System auszuprobieren, mit vertrauten Erwachsenen und Gleichaltrigen um sie herum, die ihnen Feedback geben und die sie auch mal an der Hand nehmen. Sie würden in etwas hineingeworfen, das ihnen völlig fremd wäre und sie komplett überfordern würde, weil sie nie zuvor die Chance hatten, in kleinen Schritten hinein zu wachsen.

Genauso ist es mit den digitalen Medien. So ist es mit allen Dingen, die sich entwickeln und mit denen wir den Umgang erlernen müssen in unserem Leben. Das gilt für Fernsehen und Internet genauso wie für Zucker und Junkfood. Es gibt diese Dinge nun mal und wir können nur einen maß- und verantwortungsvollen Umgang damit lernen, wen wir diesen Umgang einüben. Deshalb bin ich gegen den digitalen Rapunzelturm und für das Fördern der Medienkompetenz unserer Kinder. Bis sie zwölf sind, sollten sie nicht nur wissen, was es an digitalen Medien und mobilen Endgeräten gibt, sie sollten auch eine Idee davon haben, wie sie verantwortungsvoll damit umgehen und sie für sich nutzen können.

Bis zum zwölften Geburtstag unserer Kinder müssen wir Eltern meiner Meinung nach deshalb…

1. … unsere Kinder in altersgerechten Portionen an digitale Medien heranführen und sie in einem geschützten Rahmen damit experimentieren lassen. Das bedeutet, dass wir uns damit beschäftigen müssen, was in welchem Alter für unsere Kinder geeignet ist und was nicht. Wir müssen Entscheidungen darüber treffen und diese Entscheidungen immer wieder überprüfen. Wir sind in der Pflicht und in der Verantwortung, ihnen Zugang zu gewähren und sie zu begleiten. Dafür müssen wir uns gut informieren und Position beziehen, denn unsere Kinder haben viele Fragen.

2. … unseren Kindern einen verantwortungsvollen Umgang mit Mediennutzung vorleben. Wenn wir unseren Kindern glaubwürdig vermitteln wollen, dass es sich lohnt, in der echten Welt zu leben und die virtuelle Welt von Fernsehen, Internet und Spiel-Konsole nicht zu wichtig und zu vereinnahmend werden zu lassen, müssen wir die Beispiele dafür sein. Dabei helfen klare Regeln im Umgang mit mobilen Endgeräten, an die sich alle halten müssen – auch die Eltern.

3. … unsere Kinder bei ihren Entdeckungstouren begleiten. Wir müssen wissen, was sie spielen, wir müssen mit ihnen ausprobieren, was sie interessiert und ihnen die Fragen beantworten, die aufkommen. Genauso, wie wir mit ihnen im Wald spazieren gehen und ihnen dort die Tier- und Pflanzenwelt zeigen, müssen wir mit ihnen auf die virtuellen Erlebnisreisen gehen. Genauso, wie wir mit ihnen Radfahren üben, bis wir eines Tages den Sattel loslassen können, damit sie alleine und selbständig fahren können, müssen wir ihnen zur Seite stehen, wenn sie sich diese Welt erschließen und ihnen zeigen, wie sie sich sicher darin bewegen können.

4. …. klare und konsequente Regeln aufstellen, die den Kindern einen Rahmen bieten, in dem sie sich sicher bewegen können. Bei uns heißt das beispielsweise: keine Handy/Tablets/Spielkonsolen/TVgeräte in den Kinderzimmern. Alles, was sie herausfinden, spielen oder erleben wollen, müssen sie im Familienwohnzimmer tun. Es gibt feste Bildschirmzeiten je nach Alter des jeweiligen Kindes (wir stellen einen Timer ein, der ein Signal gibt, wenn die Zeit um ist), die in der Regeln nicht überschritten werden. Das Familienleben wie gemeinsame Mahlzeiten, Gespräche, Lese- und Bastelzeit wird niemals der Bildschirmzeit eines Kindes untergeordnet sondern hat immer Priorität. Keine Geräte am Tisch und bei den Mahlzeiten, kein Gerät ist je wichtiger als der Kontakt miteinander. Die Regeln sind einfach und können auch für jüngere Kinder sehr leicht nachvollziehbar erklärt werden. Dabei geht es immer um die Qualität des Zusammenlebens, nicht um Machtausübung aus Prinzip.

Medienkompetenz von Kindern fördern, raus aus dem digitalen Rapunzelturm, zehn einfache Regeln zum Umgang mit digitalen Medien

Herzensmädchen arbeitet an einem Schulprojekt und erstellt online eine Mindmap.

5. …. glaubwürdig ein qualitätvolles „Reallife“ mit unseren Kindern leben. Lesen, spielen, singen, spazierengehen, kochen, basteln, Dinge erleben, einfach Zeit gemeinsam verbringen – das ist das echte, richtige, lebendige Erleben, das wir als Familie miteinander haben. Wenn das schön ist, wird eine virtuelle Welt niemals nachhaltig schöner sein. Kinder haben eine natürliche Neugier und eine ungeheure Lust am Tun – wenn wir die weiter beantworten und mit ihnen ausleben, wird sie das prägen und durch Zeiten tragen, in denen vielleicht der Sog der virtuellen Welt besonders stark ist.

6. …unseren Kindern etwas zutrauen! Unsere Kinder sind schlau und neugierig – und sie sind kritisch. Sie sind keine stumpfen Konsumenten, die beliebig mit digitaler Information gefüttert werden können und alles kritiklos schlucken. Sie hinterfragen die Dinge, sie wollen wissen, wie die Welt sich dreht und sie brauchen es, dass wir sie begleiten, ohne sie dabei zu behindern. Sie brauchen es, dass wir ihnen Leine geben, immer ein bisschen mehr und ihnen zeigen, dass wir ihnen zutrauen, in diese neue Welt hineinzuwachsen.

7. … weiterhin unserer Pflicht nachkommen, für die gesunde und ausgewogene Ernährung unserer Kinder zu sorgen und den Ausgleich zwischen in der Bude hocken und Bewegung an der frischen Luft herzustellen. Wir müssen dafür sorgen, dass unsere Kinder nicht vor irgendwelchen Geräten abstumpfen, denn wenn das passiert, sind nicht die Geräte daran Schuld, sondern diejenigen, die die Verantwortung für das Kind tragen: die Eltern.

8. … die Hobbys und Lieblingssportarten unserer Kinder fördern und begleiten, denn ein Kind, das regelmäßig seinen Lieblingssport oder sonstiges Hobby betreibt und für das das ein wichtiger Faktor in seinem sozialen Leben ist, wird damit nicht plötzlich aufhören und als chipsfressender Zombie stundenlang vor der Wii hängen – es sei denn, ich als Mutter lasse das kommentarlos und tatenlos zu.

9. … auf unser Expert*innenwissen vertrauen und uns als Autoritäten für unsere Kinder begreifen. Wir sind die Expert*innen für unsere Kinder, niemand sonst. Wenn ich der Meinung bin, für mein Kind sind 20 Minuten Fernsehen/Tablet/etc. genug, das Nachbarskind darf aber 90 Minuten schauen oder spielen, dann ist das eben so. Ich kenne mein Kind am besten und muss nur für dieses Kind entscheiden, was richtig und was nicht gut für es ist. Diese Entscheidung sollte ich selbstbewusst treffen und konsequent durchhalten, meinem Kind aber auch den fragenden Nachbarn gegenüber.

10. … das Vertrauensverhältnis zu unseren Kindern im Zentrum unserer Aufmerksamkeit behalten, auch wenn es um möglicherweise beängstigende Themen geht.Wenn ich meinem Kind vertraue und mein Kind vertraut mir, wenn wir einander begleiten und uns in einem Gleichgewicht von Privilegien und festen Regeln befinden, dann wird selbst mit Tiefschlägen oder Fehlentscheidungen nichts so wirklich schief gehen.

Und wer sich und sein Kind über diese einfachen Regeln hinaus sicher ins Internet entlassen möchte, kann sich kindersicherer Browser und Suchmaschinen wie beispielsweise fragfinn.de bedienen. Zum Thema Cybersafety gibt es Sessions für Schulklassen (ich bin der Meinung, das sollte fest im Lehrplan integriert werden) sowie z.B. vom Kinderschutzbund entwickelte Spiele, die sich gezielt mit der Thematik auseinandersetzen. Jakob und die Cyber-Mights ist ein Beispiel dafür. Ich empfehle darüber hinaus die Seite medienbewusst.de, die sich mit allen Aspekten der Medienkompetenz unserer kleinen Digital Natives auseinandersetzt. Der Artikel über Sicherheit im Internet und welche Maßnahmen Eltern und Kindern wirksam helfen, hat mich persönlich besonders überzeugt.

Ich verstehe alle Ängste, die Eltern bezüglich des Umgangs ihrer Kinder mit digitalen Medien haben und ich stehe selbst erst am Anfang mit meiner Haltung dazu. Und auch ich denke, dass wir unsere Kinder beschützen müssen, ja. Aber wir können das nicht tun, indem wir sie in einem analogen Vakuum großziehen, in der Hoffnung, damit Schaden von ihnen abzuwenden. Wir müssen unsere Kinder schützen, indem wir sie aktiv in den verantwortungsbewussten Umgang mit digitalen Medien begleiten und ihnen zeigen, was diese Medien für uns tun können. Wir müssen ihre Kompetenzen stärken, wie in allen anderen Bereichen auch und für sie da sein, wenn sie Fragen oder Probleme haben. Das gilt fürs analoge wie fürs digitale Leben.

Medienkompetenz ist wichtig für unsere Kinder. Sie brauchen sie, sie müssen sie erlernen, sie müssen sie einüben. Und wir müssen sie darin unterstützen, nicht sie behindern. Ich finde, das ist unser Job. Wir sind ihre Eltern – wer außer uns sollte diesen Job wohl machen?

signatur

 

12 Kommentare

  1. Marenka sagt

    Ach Anna, vielen Dank für den Artikel. Hier auch aktuell, mit gerade 3 Jahren. Wir haben keinen Fernseher. Nur einen Laptop. Wir haben unsere Große gern mal „fernsehen“ lassen. Dank Stream sehr gezielt und zeitlich begrenzt. Die Sendung mit dem Elefanten… Es gab uns mal 20 Minuten Freiheit. Das wuchs sich dann innerhalb eines Jahres ganz langsam und unmerklich aus. Wir waren natürlich der Meinung, immernoch eine gute Dosis gefunden zu haben. Mal morgens, mal abends mal während des Mittagsschlafes der Kleinen. Die Kinder wurden 1 Jahr älter und ihr Willen stärker. plötzlich hatten wir ein dauernörgelndes Kind hier: Ich will nicht auf den Spielplatz, ich will nicht malen, ich will nicht Buch angucken, ich will nicht in den Zoo (!!!). Wir konnten nurnoch unter Zwang Spaß haben. War der Spaß vorbei ging es wieder los. Aarrrgghhh!!
    Wir haben letzten Monat einen Schlussstrich gezogen. Fernsehen nur abends nach dem Abendessen. Wenn es vor 7 ist. Danach das Abendprogramm.
    Oh Wunder! Wir haben ein ausgeglichenes Kind wieder, da uns morgens um 7 weckt und den ganzen morgen davon redet auf einen Baum klettern zu wollen, bis wir tatsächlich rausgehen. Sie „nörgelt“ so lange rum, bis wir eeennndlich unsere Schuhe anhaben. Sie hat tausend Ideen, was sie machen möchte, spielt wieder mit ihren Sachen und hängt uns nicht stundenlang am Rockzipfel, weil sie fernsehen gucken will (ja sie ist ausdauernd 🙂 ) Abends fernsehen ist erstaunlicherweise auch nicht mehr so wichtig!
    Deshalb: Klare Regeln!

    Natürlich zielst du nicht nur auf die Quantität sondern auch auf die Qualität ab. Das haben wir zum Glück noch in der Hand. Ich gehe da voll bei dir mit. FragFinn habe ich schon ausprobiert mit einer 8-jährigen und fand es recht einengend. Kommt hier aber auch auf jeden Fall in Frage, wenn es losgeht mit selber machen (man kann ja auch manuell Ausnahmen hinzu fügen)

  2. Ein sehr interessanter Artikel, vor kurzem hatte ich auch diesen Schmähartikel gelesen der gegen die Iphones wetterte 🙂 Ich stimme dir da voll zu; so lange man die Nutzung kontrolliert spricht wirklich nichts dagegen und außerdem ist es auch zeitgemäß…

    Beste Grüße, Janina

  3. Alles ok bis auf den Punkt mit der Wirkung von elektromagnetischen Strahlen auf das kindliche Gehirn. Das wurde für meinen Geschmack einfach zu wenig erforscht, als dass ich Kurzem dem einfach ungefiltert aussetze.
    Ich für meinen Teil halte es schlicht nicht für nötig, Kinder an die Bildschirme zu lassen, bevor sie lesen und schreiben können. Vorher gibt es so viel andere zu lernen und zu tun, da ist das schlicht nicht nötig. Medienkompetenz hin oder her, natürlich, aber die Idee, dass junge Menschen besser Autofahren können würden, wenn man sie schon mit sechs Jahren ans Steuer setzen täte, scheint mir einigermassen absurd.
    Aber das ist meine Sicht der Dinge, ich erhebe keinen Anspruch auf Allgemeingültigkeit.

  4. Heike sagt

    Natürlich ist Medienkompetenz sehr wichtig. Aber diese kann ja auch noch mit 12 Jahren erworben werden. Und es sagt ja niemand, dass man das dann sofort können muss. Lasst den Kindern Zeit zum Spielen. Vor den Bildschirmen sitzen sie noch ihr Leben lang. Wir haben keinen Fernseher. Nach dem Abendessen wird eine halbe Stunde gemeinsam am Laptop ferngesehen. Die Kinder dürfen sich was wünschen. Alter: 4 und 6 Jahre. Mein großer Sohn mit 16 Jahren kann auch ohne Fernseher leben. Er darf sich zwar selbst einen kaufen, aber bis jetzt war das Interesse daran noch nicht so groß, als dass er sich dafür mal Geld verdient hätte.

  5. Medienkompetenz… Ich stimme mit dir darüber ein, dass das auf jeden Fall verdammt wichtig ist, in unserer heutigen Gesellschaft. Und auch in dem Punkt, dass ein Verbot rein gar nichts bringt. Den Artikel habe ich nicht gelesen, aber natürlich ist es übertrieben zu sagen, bis ein Kind 12 ist, dürfe es weder Fernsehen noch Computer, benutzen und nie auch nur irgendein mobiles Gerät (Smartphone, Tablet) in die Finger bekommen.
    Allerdings habe ich nach deinem Post ein wenig den Eindruck, als hautest du in die genau entgegengesetzte Kerbe, ein wenig in das andere Extrem. Auch mit 12 sind Kinder noch nicht zu alt, um Medienkompetenz zu erwerben. Und ich muss Kindergarten- und Grundschulkinder noch nicht an Medien heranführen, muss ihnen kein Tablet und altersgerechte Spiele in die Hand drücken. Interesse daran entwickeln sie von alleine, wenn sie sehen, dass ihre Eltern/ältere Geschwister/Menschen in ihrem Umfeld das nutzen, aber für mich heißt das noch lange nicht, dass sie das dann auch nutzen dürfen müssen. Ich meine, man kann einem Kind auch klarmachen, dass es dafür noch zu jung ist und sowas noch nicht braucht.

    Und dann ist natürlich immer noch die Frage, was man unter Medienkompetenz überhaupt versteht. Du schreibst das ganze aus einer sehr stark von den social media-geprägten Perspektive, für mich, als angehende Medienwissenschaftlerin, ist das noch viel mehr, u.a. die Unterscheidung von „seriösen“ und „unseriösen“ Nachrichten und Nachrichtenquellen und das Wissen um die Beschaffung von Informationen mit Hilfe der verschiedenen Medien.

    Medienkompetenz ist wichtig und natürlich ist es auch Aufgabe der Eltern, diese zu vermitteln. Gerade, was den Social Media-Bereich betrifft, sehe ich da allerdings z.T. auch erhebliche Probleme, denn viele Eltern haben damit doch selbst nichts am Hut. Meine Eltern kennen und verstehen Twitter nicht und haben auch gar kein Interesse daran – können also meinem jüngsten Bruder (fast 11 Jahre) das nicht erklären.
    In unserer medialisierten Welt halte ich es eher für wichtig, dass Medienkompetenz, nicht als eigenes Schulfach, aber fächerübergreifend, in der Schule aufgegriffen wird. Wenn Kinder Rechercheaufgaben bekommen, müssen sie zunächst lernen, wie man überhaupt vernünftig im Internet recherchiert. Wenn sie eine Präsentation oder ein Referat erstellen sollen, müssen sie vorher den Umgang mit Word/Powerpoint/etc. beigebracht bekommen. Bei mir (Abi 2012) hat das gefehlt, ich war allerdings immer recht flink und gut darin, mir sowas selbst anzueignen. Aber da das bei weitem nicht bei allen Schülern der Fall ist, sehe ich da durchaus auch die Schule in der Pflicht.

  6. Toller Artikel! Kann diese Schwarz/Weiß-Denke nicht nachvollziehen. Jede Generation hat ihre Neuheiten, das nennt sich nunmal Fortschritt. Und wir haben eben die Aufgabe, unseren Kindern die Werkzeuge an die Hand zu geben, wie man damit richtig umgehen kann. Ist doch so, bei allem kommt es doch aufs richtige Maß an. Kürzlich gab es in der FAZ einen kritischen Artikel zur WhatsApp-Nutzung, den ich in meinem Blog aufgegriffen habe. Wenn du magst schau doch mal vorbei, würd mich freuen!
    http://lulus-stern.blogspot.de/2014/02/heute-habe-ich-ein-bisschen-zeit.html

    Bye Lulu

  7. Pingback: kinder im netz ::: über elternverantwortung und kinderschutzsoftware

  8. Liebe Anna, ich habe Deinen Artikel gern und aufmerksam gelesen. Ich kann ihn ohne Weiteres so unterschreiben. Insbesondere Dein "Hauptmotiv" gemeinsam mit den Kindern die bunte Medienwelt zu erkunden und sie in diesem Prozess zu belgeiten, gefällt mir sehr gut und unterscheidet sich nicht großartig von allen anderen Herausforderungen beim "Aufwachsen der Kinder" (siehe Ernährung, Straßenverkehr).

    Zu einem Punkt möchte ich gern eine Anmerkung machen: In der community der Lehrer_innen, die sich mit Lernen unter digitalen Bedingungen beschäftigt, entsteht mehr und mehr die Position, dass das Analoge/Reale Leben vom Digitalen Leben nicht mehr zu unterscheiden sei. Streng genommen gäbe es dann auch keine "Höherwertigkeit" des einen gegenüber dem anderen.

    Ich gebe zu, ich "robbe" mich auch erst langsam an diese Position heran. Wenn ich aber mein Treiben auf Twitter & Co betrachte, dann gibt es Phasen des Austausches, die tatsächlich qualitativ wertvoller sind als Diskussionen im realen Leben. Diese Erkenntnis meinen Kindern zu vermitteln und sie auf dem Weg dorthin zu begleiten, ist ein großer Wunsch von mir.

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