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kinderfantasie und kinderängste ::: 5 tipps gegen monster unterm bett

Kinderängste, Einschlafängste, Alpträume, Tips

Kinderängste sind anstrengend. Sie sind unberechenbar und mächtig und begegnen uns in unserem Elternsein in vielen Varianten. Über die Trennungsangst habe ich hier schon geschrieben, heute geht es um Alpträume und die damit verbundene Angst vor dem Einschlafen – aus Angst vor den wiederkehrenden Träumen oder Fantasiegestalten in der sensiblen Einschlafphase.

Letzte Nacht war es das Goldkind. Sie schrie plötzlich wie am Spieß, stand aber nicht auf und kam zu uns ins Bett, wie sie es sonst gerne tut, sondern blieb im Bett hocken und weinte. Der Mann holte sie dann zu uns rüber und sie schluchzte noch ein bisschen in meinem Arm und berichtete mir von ihrem Traum, in dem eine Hexe vorkam, die sich in einen Schuh verwandeln konnte und sonst noch so allerhand Scheußlichkeiten. Diese Nachtgespenster und jede Sorte dieser Kinderängste kennen wir hier in vielen Varianten, vor allem bei den beiden Mädchen.

Was ist aber das Gegenmittel? Wie vertreiben wir Nachtgespenster, Monster unterm Bett oder eine in einen Schuh verwandelte Hexe? Und was macht man, wenn für ein Kind durch wiederkehrende Alpträume das Zubettgehen und Einschlafen angstbesetzt ist? Was sind die einfachen Tricks, die meinem Kind das Einschlafen erleichtern und wie gehe ich mit den berühmten Monstern unterm Bett um?

Hier kommen meine 5 persönlichen Tipps für Eltern und ihre einschlafängstlichen Kinder…

1. Kinderängste sind mächtig – nehmen wir sie ernst!

Kinder haben Fantasie. Je älter sie werden, umso detaillierter werden die Ideen in ihrer Vorstellungswelt – und für unsere Kinder macht es keinen Unterschied, dass diese besondere Welt nicht real ist. Eine Geschichte, eine Idee, eine Fantasiegestalt ist für sie genauso wirklich, wie die tägliche Begegnung mit der netten Nachbarin oder der Weg zum Kindergarten. Wenn wir uns das immer ins Bewusstsein rufen, sobald unsere Kinder uns von Monstern unterm Bett oder sonstigen Schreckgestalten berichten, verstehen wir besser, dass es ihnen nicht hilft, wenn wir sagen: „Es gibt keine Monster.“ Dieser Satz wird sie nicht beruhigen, denn ihre Ängste entspringen ihrer Fantasie, sie sind ebenso bunt und lebendig, wie alle anderen Ideen in ihrer Vorstellungswelt. Wir müssen sie also ernst nehmen. Sätze wie: „Ein Monster unterm Bett zu haben, ist ja wirklich doof. Das hat doch da gar nichts zu suchen!“ zeigen unseren Kindern viel eher, dass wir uns auf die Angst einlassen, die sie uns gegenüber formulieren. Wir gehen mit ihnen in ihre Welt, wir lassen sie dort nicht alleine. Und wir drücken aus, dass wir ihre Gefühle wahrnehmen, für voll nehmen und nicht aus unserer erwachsenen Überlegenheit heraus abtun. Das gibt den Kindern zumindest schon mal ein bisschen Boden. Dass es Monster nicht gibt, wird sie nämlich nicht überzeugen, sondern ihnen stattdessen das Gefühl geben, dass wir sie nicht verstehen und sie mit ihrer Angst ganz alleine sind. Wir brauchen also andere Strategien.

2. Bewaffnen wir uns mit Fantasie!

Wenn wir mit und für unsere Kinder wirksame Strategien gegen die Monster unterm Bett entwickeln wollen, müssen wir uns auf alles einlassen, was mit dieser Monsterangst zusammenhängt. Das bedeutet nicht nur, dass wir die Existenz von Monstern nicht leugnen dürfen, es bedeutet stattdessen, dass wir unsere Fantasie in Gang setzen müssen: es GIBT diese Monster, zumindest in den Köpfen unserer Kinder. Also brauchen wir Ideen, wie wir ihnen begegnen. Unterm Bett nachschauen und verkünden: „Da ist kein Monster!“ bringt nicht so viel, denn es könnte ja ein schlaues Monster sein, das sich unsichtbar machen oder supergut verstecken kann. Wer weiß das schon? Also brauchen wir bessere Verteidigungsmethoden. Bei unserer Hexe ging das ungefähr so: „Eine Hexe, die sich in einen Schuh verwandeln kann? Das ist ja die Höhe! Was machen wir denn da? Was meinst du?“ Das Goldkind kam dann mit allerhand Ideen von Gegenzauber bis Hexenfangnetz, bis uns gemeinsam einfiel, wir müssten vielleicht mal ordentlich brüllen, um sie abzuschrecken. Haben wir gemacht. Damit war erst mal ein bisschen Anspannung raus und wir konnten uns kichernd vorstellen, was die für einen Schreck gekriegt hat, als sie uns hat brüllen hören. Was ich damit sagen will: Kinder brauchen Ideen, die sie in ihre Vorstellungswelt einpassen können: eine Rettungsfantasie als Antwort auf die Kinderängste. Eine Hexe, die selbst Angst vor lautem Gebrüll hat und deshalb wegbleibt, ist außerdem viel plausibler als eine, die es angeblich gar nicht gibt.

Kinderängste, Einschlafängste, 5 Tipps

Die Hexenträume vom Goldkind kamen aber wieder und mit ihnen die Angst vor dem Einschlafen. Wir konnten ja nicht jeden Abend brüllen, also haben wir einen Traumfänger am Bett aufgehängt. Und nur damit wir alle klar sehen: SELBSTVERSTÄNDLICH funktionieren Traumfänger! Außerdem hat uns ein Zauberspruch geholfen, nämlich der, mit dem man das Traumfresserchen herbeirufen kann. Den haben wir eine Zeit lang jeden Abend vor dem Einschlafen aufgesagt – und es hat funktioniert. Das Traumfresserchen ist nämlich ein kleines koboldartiges Kerlchen, das mit Vorliebe die bösen Träume frisst. Die schönen nicht, nur die, die das Kind vom Schlafen abhalten. Das Bilderbuch ist sehr süß und vor allem hilfreich, es bietet nämlich eine konkrete Lösung für Einschlafängste an. Ein Minibuchtipp am Rande!

3. Mama & Papa – Felsen in der Brandung gegen Kinderängste

Solange die Kinder einigermaßen klein sind, ist die Welt so leicht wieder gerade zu rücken! Das sollten wir immer im Kopf haben. In unseren Armen, auf dem Schoß von Mama und Papa ist alles wieder gut. Wir sind die Felsen in der Brandung für unsere Kinder, wir können es mit Hexen, Monstern, Wölfen im Wald und der gruseligsten Grüffelofantasie aufnehmen, denn wir sind die Held*innen, die Alleskönner*innen, die Gebieter*innen über Glück und Unglück im Leben unserer Kinder. Mit einem Wort von uns können alle Kinderängste dahinschmelzen, bis sie nur  noch eine kleine Pfütze sind, in die man getrost mit beiden Füßen hineinspringen kann. Und auch das Gegenteil kann passieren.

Wenn also bei uns die bösen Hexenträume trotz Traumfänger und Traumfresserchen-Zauberspruch mal kommen, dann gibt es nur eine Ansage, die noch helfen kann: „Komm her, mein Herz, ich passe auf dich auf. Wenn die Hexe noch mal kommt, dann kann die aber was erleben, diese olle Mistbiene! Wenn ich mit der fertig bin, traut die sich nie, nie wieder hier hin, das kannst du mir aber glauben!“ Das funktioniert auch präventiv: bei Angst vorm Einschlafen, weil ja der Traum von der Hexe kommen könnte, verspreche ich, dass ich in der Nähe bleibe, mache einen Hexenkontrollgang durchs Zimmer und lege mir zur Not sogar einen dicken Stock als „Waffe“ sichtbar hin, damit ich die Hexe wirksam bedrohen kann, falls sie auftaucht. Damit sieht mein Goldkind, dass ich es ernst nehmen, dass ich mich nicht abschrecken lasse und dass es sich auf mich verlassen kann – auch wenn’s um Hexen geht, die sich in Schuhe verwandeln können. Mama ist allzeit bereit.

Ist das Kind erst mal eingeschlafen, ist der größte Schritt schon mal getan. Wenn es in der Nacht durch Alpträume wach wird, hilft immer noch der Umzug ins schützende Elternbett. Da trauen sich Hexen nämlich auf keinen Fall hin.

4. Komplizen zur Verstärkung im Kinderzimmer

Man kann natürlich nicht 24/7 neben dem Bett bleiben oder vor der Tür Wache halten, damit die Kinder beruhigt einschlafen können, auch wenn ich das in akuten Phasen schon gemacht habe. Aber das waren Ausnahmen. Ein weiteres Hilfsmittel hat mir und meinem ängstlichen Kind geholfen, beruhigter einzuschlafen: neben dem obligatorischen Schlaflicht in der Steckdose, der spaltbreit offenstehenden Tür und dem Licht im Flur habe ich einen Stellvertreter im Kinderzimmer installiert. Diesen Fall hatte ich beim Lieblingsbub, der eine Zeit lang darüber fantasiert hat, dass ein böser Büffel durchs angekippte Fenster reinkommen könnte, um ihn zu erschrecken. Das Fenster wollte er aber dennoch offen haben, weil er es so mag, mit frischer Luft einzuschlafen. Es war also ein Dilemma. Ein Teil unseres Rituals zur Büffelvertreibung und Abschreckung war natürlich meine abendliche Kontrolle: Fenster auf, Blick nach rechts und nach links, alles in Ordnung. Aber das reichte nicht immer. Da musste sein Kumpel der Löwe her, den meine Mutter ihm mal geschenkt hatte und der ohnehin einen festen Platz in seinem Bett hatte. Leon, der Löwe ist eine sehr detailgetreu aussehende Handpuppe von Folkmanis, dem traute der Lieblingsbub Verteidigerqualitäten zu. Also wurde Leon in die Situation mit dem Büffel eingeweiht. Sehr dankbar war, dass er als Handpuppe sehr leicht lebendig zu machen war, aber das geht auch mit jedem anderen Stofftier, einer Puppe oder sogar mit Actionfiguren oder Schleichtieren. Potentiell ist jedes vertraute Objekt ein guter Komplize im Kampf gegen Kinderängste, sprich: gegen Monster unterm Bett, Hexen und auch wildgewordene Büffel. Leon bezog jedenfalls jeden Abend Posten am Fenster mit Blick nach draußen. Der Bub und ich waren sicher: wenn da jetzt der Büffel kommt, dann brüllt Leon den sowas von zusammen (mehrfach bis zur eigenen Heiserkeit vorgeführt), der haut ab, ohne was zu versuchen. Und so war es ganz sicher.

Kinderängste, Einschlafängste, Alpträume, Tips

5.  Was ich gut kenne, macht mir keine Angst: Expertenwissen hilft!

Wir waren mit unseren Geschichten über die Verteidigung gegen Hexen und Büffel schon auf dem richtigen Weg, und auch unser Freund Leon war der Richtige für den Komplizenjob, weil wir ihn so gut kennen und ihm deshalb vertrauen können. Das ist der Schlüssel zu meinem letzten Tipp im Kampf gegen die Einschlafangst bei Alpträumen: werdet Expert*innen für die Fantasiegestalt, vor der euer Kind solche Angst hat.Gemeinsam mit eurem Kind.

In unserem Fall mit der Hexe haben wir angefangen, uns mit Hexen zu befassen. Wir haben die Hexe aus unserer Kiste mit den Kasperlefiguren rausgeholt und befragt. Sie ist ja unsere Freundin und als „böse Hexe“ im Theaterstück ist sie nur eine Schauspielerin. Sie hat uns also alles erzählt über Hexen: was sie mögen und was nicht, wovor sie Angst haben, worüber sie lachen müssen, was sie gerne essen und wo sie kitzelig sind. Wir haben uns viele Hexengeschichten ausgedacht, uns welche erzählt und vorgelesen und uns viele verschiedene Hexenfiguren angesehen: große, kleine, nette, böse, lustige, liebe, dicke und dünne. Je besser wir uns mit Hexen auskannten, umso weniger machte uns die eine aus der Fantasiewelt der Kinderängste vom Goldkind Respekt. Und sie kam auch immer seltener. Wahrscheinlich wusste sie, dass unsere Angst immer kleiner wurde und dass wir gewusst hätten, wie wir ihr begegnen würden, wenn sie wieder auftauchte: wir hätten sie angebrüllt, sie mit dem Besenstiel weggejagt und sie ausgelacht, wenn sie sich in einen stinkigen Stiefel verwandelt hätte. Vielleicht hätte auch Leon der Löwe diesen Stiefel aufgefressen oder wir hätten den Stiefel einfach in den Müll geworfen. Irgendwas wäre uns schon eingefallen. Denn jetzt kannten wir uns aus.
Die Dinge, die wir nicht gut kennen, die für uns unberechenbar erscheinen, machen uns Angst. Das gilt auch für die Fantasiegestalten aus den Kinderängsten, die unterm Bett oder in den Schränken unserer Kinder lauern und sie am Einschlafen hindern. Deshalb kann ein möglicher Trick auf dem Weg zur Überwindung der Angst und zurück zum sicheren Einschlafen der sein, sich mit der Angstgestalt vertraut zu machen. Was wir so gut kennen, dass wir über seine Schwächen und Vorlieben Bescheid wissen, kann uns nicht mehr solche Angst einjagen.

Neben diesen fünf Tipps aus meiner persönlichen Trickkiste im Umgang mit Einschlafängsten und wildgewordenen Kinderfantasien, gibt es sicherlich noch viele andere Methoden, damit umzugehen. Und natürlich gibt es auch profundere Angstsituationen, die Kinder am Einschlafen hindern können, die mit diesen Tipps nicht aufzulösen sind. Mir ging es vor allem um die alltäglichen Kinderängste in einer immer wiederkehrenden Situation, die viele Kinder auf die ein oder andere Art durchmachen.

Im Haues Berlinmittemom galt es neben Hexen und Büffeln auch schon allerhand anderes gefährliches Getier zu vertreiben und ich bin sicher, das werden nicht die letzten Einschlafkiller gewesen sein. Vielleicht muss ich mir bald wieder was Neues einfallen lassen, wenn neue Angstgestalten auftauchen. Aber da verlasse ich mich dann ganz auf meine Fantasie…

Und was für Monster wohnen unter den Betten eurer Kinder? Wie geht ihr mit Kinderängsten und Fantasiegestalten um, die euren Kindern das Einschlafen schwer machen?

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  1. Der kleine Junge hat ein Traumschwert an seinem Bettpfosten hängen. Das ist aus Holz geschnitzt, der Griff ist mit einem breiten Lederband umwickelt und hat einen Fellrand. Dieses Traumschwert ist immer griffbereit und damit kann man prima böse Träume, lästige Monster und nervige Geister verscheuchen! Wenn man dann noch laut brüllt, während man mit dem Schwert herumfuchtelt: „Verschwinde, Du elendes Monster“, dann wagt sich niemand mehr, der Böses im Schilde führt, auch nur in die Nähe!

  2. Meine Schwester und ich hatten immer Angst vor Wölfen. Wenn meine Mutter uns ins Bett brachte, hat sie vorher immer das Fenster in unserem Zimmer ganz weit auf gemacht, um die Wölfe rauszulassen. Wenn wir im Bett lagen und sie nach unten ging, musste sie für uns laut hörbar die Haustür abschließen, damit die Wölfe nicht wieder rein kommen konnten. Ich glaube, das ging jahrelang jeden Abend so 🙂

  3. Wir haben aktuell eine ähnliche und doch ein wenig andere Methode um die nächtliche Angst zu mildern: Mach das Monster zu deinem Freund.

    So lebt unter dem Bett meiner Großen (2 1/2) seit ein paar Wochen das Knutschemonster. Anfangs wachte sie nachts schreiend auf, weil ein Monster auf ihrem Gesicht saß. Ich erzählte ihr dann, dass das wohl das traurige Knutschemonster sein müsse, dass sich so sehr einen Freund zum Küsschen geben wünscht. Und da hat es sich halt heimlich an geschlichen, weil es ihr ein Küsschen geben wollen. Nach ein paar Tagen war das nächtliche Aufwachen vorbei, aber vor dem Einschlafen werfen wir jetzt immer noch ein Küsschen unters Bett und sagen dem Monster, dass wir es gern haben.
    Und weil das Monster ja jetzt lieb ist, passt es zum Dank auf meine Maus auf, während sie schläft. Wie übrigens auch die Uroma, die ja jetzt ein Engel ist und der Mann im Mond.
    Ob diese Strategie allzeit helfen wird weiß ich natürlich nicht, meine Kleine fängt ja mit den Alpträumen gerade erst an, aber ich denke die Richtung ist nicht ganz falsch.

  4. Pingback: book love ::: schlaf wie ein tiger

  5. Brinchen sagt

    Mein Töchterchen hatte seit einiger Zeit jede Nacht besuch von einen Fleischfressenden Schleimmonster das bei uns eingebrochen ist um uns zu fressen. Es dauerte ein paar Tage bis sie erzählen konnte was los war. Auch im Elternbett is sie Std. Aufgewacht und hat um sich getretten. 

    Als sie mir erzählt hat was Los ist hab ich sie gebeten mir das Monster zu malen. Aus dem Bild haben wir dann ein Stoppschild gebastelt. Das hängt jetzt an der Türe und weil es aus schleim is und durch Ritzen kann. Sprühen wir Türen und Fenster mit einen Monsterspray ein.(natur raumspray Zitrone) hab extra ein etikett gebastelt.

    Am nächsten tag sagt sie. Mama du bist echt ne Monter expertin.

    • Was für ne tolle kreative Lösung! Und genau das funktioniert tausendmal besser als die lapidare Antwort: „Es gibt keine Schleimmonster.“ Da hat sie echt Glück mit ihrer Monsterexpertinnenmama!

  6. Pingback: mama, ich hab' bauchweh! ::: verlustängste bei kindern - symptome und tipps

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