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sprich mit deinem vater! ::: wenn mama sich vor’m legoland drückt

Sprich mit deinem Vater, Legoland, Indoorspielplatz, Lärmhölle

Das Legoland macht mich fertig. Das Legoland ist meine Nemesis. Ich hasse es aus tiefster Seele und kenne in Berlin fast keinen abscheulicheren Ort, außer vielleicht dem U-Bahnhof Alexanderplatz an einem späten Freitagabend. Denn in Wirklichkeit ist das Legoland kein „DiscoveryPark“ oder ein Paradies für Neugierige und Entdecker*innen, nein, es ist eine verkleidete Elternhölle vollgestopft mit hysterischen Kindern und mit einem Lärmpegel wie auf ner Baustelle. Das Legoland disst mich!

Aber mal im Ernst: es gibt solche Orte in den Köpfen meiner Kinder, da fangen ihre Seelen an zu jubilieren und sie können nicht genug davon kriegen – das Legoland ist nur eins davon. Da wären noch diverse Indoor-Spielplätze, überfüllte Hallenbäder, die eingezäunten Rutschen in diversen Schnellrestaurants, auf denen wir noch nie, nie, nie waren (aus Gründen!) und über die meine Kinder ständig fantasieren, es seien sicherlich die besten Rutschen ever. Ever. Ever. Seufz.

Es gibt einfach Dinge, für die bin ich nicht zuständig. Legoland ist so’n Ding. Ich will ja gerne meinen Kindern ihre Herzenswünsche erfüllen und überwinde meine Höhenangst, um mit ihnen in meiner Heimatstadt mit der Seilbahn über den Rhein zu fahren (danke, Papa & Viola, dass ihr in dieser schweren Stunde bei mir wart!), aber bei Indoorspielplätzen & Co setzt es aus. Wenn dann ein bettelndes Ablegerchen vor mir steht und flehend die Augen verdreht, es möchte bitte, biiitteeee mal wieder zum Indoorspielplatz, am liebsten mit 5 Freundinnen, dann rettet mich nur der folgende Satz: „Sprich mit deinem Vater!“

Zum Glück gibt’s den Berlinmittedad. Über den wollten hier ja so einige meiner Leserinnen immer schon mal mehr wissen. Bitte schön, hier kommt sein Auftritt.

Sprich mit deinem Vater, Legoland, Indoorspielplatz, Lärmhölle

Der Berlinmittedad ist nämlich diesbezüglich so eine Art Supervater. Nicht nur ist er wirklich nicht so ohne weiteres abzuschrecken von diversen Lieblingsaktivitäten unserer Kinder, bei denen ich mich innerlich schon mit Bettdecke überm Kopf winselnd zusammenkrümme, nein, er hat auch eine unglaubliche Lärmpegel-Toleranz. Das zeigt sich schon morgens, wenn der normale Frühstückswahnsinn seinen Gang nimmt: der Bub kann sich nicht entscheiden zwischen Müsli und Stulle, laut jammernd selbst verständlich, das Goldkind lamentiert seit 10 Minuten durchgängig auf der schlimmsten Quengelfrequenz, dass es eine Zumutung sei, dass es schon wieder Jeans anziehen müsste, wo doch draußen die Sonne scheine und die liebste Freundin ganz „sischa wieda ein Klaaidschen“ anhaben darf, „das sisch so schööön dreeeht, Mama!“, während das Herzensmädchen ungerührt Papas iPad aufklappt und schallend laut eine unsägliche Playlist auf Spotify abspielt, die mir wieder meinen ganzen musikalischen Ruf versaut bei jedem, der meinem Account folgt (ja, es ist nämlich MEIN Spotify-Account, just for the record!). Währenddessen kocht der Berlinmittedad ungerührt Tee, hilft dem Bub bei seiner Frühstücksentscheidung, lobt mit ruhiger Stimme die coolen Jeans vom Goldkind und dreht dem Herzensmädchen den Ton leiser. Ich dagegen bin diejenige, die dann schon mal anfängt zu brüllen. Das ist übrigens auch der wirkliche Grund für die ausstaffierten Brotdosen meiner Kinder: es ist eine Zen-Übung, Leute! Damit ich nicht ausflippe und meine Kinder anschreie. Ich beschäftige mich Ommm-mäßig mit herzchenförmigen Stüllchen und der Berlinmittedad senkt mit engelsgleicher Geduld den Pegel der Kinder und rettet damit das Minimum an Normalität. Und das ist nur unser montags-bis-freitags-Frühstückschaos. Stellt euch bitte einfach vor, was ein Indoorspielplatz mit mir machen würde, wenn schon der Alltagslärmpegel vor acht Uhr mich an meine Grenzen bringen kann! Schaum vorm Mund!

Ehrlich. Ich kann sowas nicht. Also sage ich den Kindern: „Sprecht mit eurem Vater!“ Und das tun sie. Tatsächlich ist der Berlinmittedad derjenige, der zuständig ist für alle Ausflüge aus der Kategorie Höllenmaschine: Legoland, Indoorspielplatz, Hallenbad (Hallenbad! Laut UND heiß!), Rummelplatz aka Weihnachtsmarkt am Alexa und er muss auch bei anderen Unternehmungen die Dinge übernehmen, bei denen ich lieber winkend am Rand stehe wie Autoscooterfahrten, Achterbahngesause, Kletteraktionen und überhaupt alles, wo man weit nach oben muss und eventuell, freiwillig oder unfreiwillig, in übertriebener Geschwindigkeit wieder runter. Aber er schreckt vor nix zurück. Manchmal sieht er sogar fast aus, als hätte er selbst Spaß dabei.

Meine Kinder haben sich daran gewöhnt. Ich bin keine Mama für Überschläge auf dem Trampolin in einer zur Lärmhölle umfunktionierten Tennishalle am Rande von Weißensee. Nein. Und ich schätze auch keine überfüllten Eislaufflächen mit Flackerlicht und DJ-Bobo-Beschallung. Ich bin die, mit der man ins (Kinder-)Museum geht, in den Zoo und auf den Kinderbauernhof. Die Mama für Ausflüge der gediegeneren Art. Fahrradtouren durch den Wald? Ja! Ausritte am Strand? Juhu! Schwimmen im Meer und in Seen? Yes, Ma’am.  Und ansonsten kann ich gerne mit an der Erde liegen und mit Kreide die Straße verschönern, bei strömendem Regen in Decken gewickelt Eisessen, auf dem Balkon Posten beziehen und Blitze beobachten bei Gewitter, zur langen Lesenacht alle Matratzen ins Wohnzimmer schleifen und eine Familienübernachtung anzetteln… Ja, ja, alles ja.

Aber ich bin zu alt für so’n Scheiß, ehrlich. Ich hätt’s gern nicht so laut. Nicht so hoch. Und nicht ganz so übersteuert. Ich verstehe, dass euch das Spaß macht, Kinder. Aber es hilft nix: no Legoland for me. Sprecht mit eurem Vater!

Und jetzt sagt mir bitte, dass ich nicht die einzige bin, der es so geht. Delegiert ihr sowas auch an andere Menschen? Väter? Großeltern? Willige Patentanten? Oder bin ich die einzige Langweiler-Muddi, die auf diesem Erdenrund wandelt und ihre Kinder ständig vertröstet?

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12 Kommentare

  1. Hallo Anna,

    noch ist es bei uns nicht wirklich so weit, da sich der Kleine derzeit noch mit wenig aufregenden Dingen (Garten, Altpapierkiste) zufrieden gibt. Aber ich denke, wenn es dann um die wirkliche Action geht, werden wir uns gut aufteilen: Ich klettere, springe, rutsche und tobe, bin aber auch für Museum und Zoo zuständig. Der weltbeste Papa übernimmt das Schaukeln und das Auffangen an der Rutsche und darf jederzeit und immer und am besten ohne mich mit dem Kleinen ins Schwimmbad. Lärmempfindlicher ist definitiv er, dafür aber bei anderen Sachen (z. B. Einschlafproblemen) geduldiger.

    Macht der Berlinmittedad tatsächlich Überschläge auf dem Trampolin? Kann ich mir gerade gar nicht vorstellen …

    Liebe Grüße aus der Heimat an euch alle!
    Katja

  2. Hallo Anna,

    ich bin zwar keine Muddi (nur Wochenend-Stiefmuddi), aber ich kann Dich sehr gut verstehen. Ich bin die, die mit dem Kleinen über den Spielplatz pest oder sonst jeglichen Blödsinn macht, solange es einen gewissen Lärmpegel nicht überschreitet. Auf Achterbahnen kriegt man mich auch eher nicht (nur die ganz einfachen) und aus dem Wasserrutschenalter bin auch raus. Aber mein Freund ist da ganz großartig und hat (meistens) ganz viel Geduld. Nur beim Essen, da hat er gerne seine Ruhe, aber da können Lenny und ich dann wunderbar quatschen und er verdreht die Augen ;-).

    LG Stephi

  3. Manu sagt

    Never meine Liebe, Du bist ganz sicher nicht die Einzige und ne Langweiler-Mum bist Du schon gar nicht. Ich bin auf Deiner Seite und mir geht’s wie DIr. Habe wieder herzlich lachen können über Deine Art Deinen Alltag darzustellen und finde mich wieder. Zum Glück geht unser wöchentliches Frühstück wesentlich ruhiger ab, wie mir scheint. Aber so Dinge wie Legoland und alles was hoch ist mag ich genau so wenig.

    Liebe Grüße
    Manu

  4. Hahaha! Das hast du aber schön zusammen gefasst! Ich bin da wie du – gerne alles zusammen packen für ein spontanes Frühstück auf der Wiese, eine Radtour am Rhein, Muscheln sammeln und ein meermobile basteln, planschen im Meer. Aber bitte kein spassbad, kein klettergarten. Ich bilde die Bodenstation. Und kein indoorspielplatz. Dafür opfern sich Oma und Opa, Freunde oder ich habe Glück und sie gehen mal mit der ogata… Nicht mit mir…
    Macht aber nix 😉
    Liebe Grüße,
    Anja

  5. Hallo 😉
    Ich bin Erzieherin in Berlin(fast Mitte) Schöneberg. Und ich weiß ganz genau was du meist. Das Legoland ist einfach der einigste Horror. Es ist viel zu voll und viel zu laut und und und… Auch angesprochene Indoorspielplätze sind vorallem bei unseren Schülerladen Kindern groß im Kurs. Wenn das Wort „Bambooland“ fällt kullern regelrecht Freuden-Tränen bei den süßen. Ich hasse es! Aber auch wir haben ein paar sehr geduldige Herren-Erzieher die unserer Schülergruppe Bambooland und Legoland ermöglichen. Dafür gehts mit mir zum Eis essen und stundenlangen Picknicken in den Park und auch das lieben die Kids. Es macht mich immer glücklich wenn ich sehe das es eben nicht immer nur Indoorspielplatz, Computer und Action sein muss sondern ein einfacher Park mit Bäumen und ein paar Decken mit Obst und Würstchen die Kinder am ende genau so glücklich macht. Deswegen sollen sie doch ruhig auch Legoland und Bambooland bekommen aber bitte nicht mit mir 😉
    Ich kann dich verstehen!

  6. Claudia sagt

    Nee da biste nicht die einzige *gg* Wobei ich bei uns die Lärmresistente bin. Ich mag auch den Indoorspielplatz in Potsdam, Dinoworld, sehr gern und ich ertrage sogar enen IKEA.Besuch am verkaufsoffenen Sonntag sehr entspannt. (Das einzige was mich da immer nervt ist mein unentspannter Gatte)
    Dafür hat mein Mann mehr Geduld beim schläfern.
    Aber das Legoland IST die Hölle!! Vor allem ist es ganz gewiss kein Entdeckerdingsbums, sondern einfach nur ein überteuerter und immer viel zu voller…ich möchte das nicht mal indoorspielplatz nennen. Es ist ein Bunker, vollgestopft mit vielen kleinen Stationen an denen meistens wegen dem ganzen Trubel gar kein entspanntes oder gar konzentriertes bauen oder entdecken möglich ist. Das Essen ist kacke und ebenfalls völlig überteuert und man muss eeeeewig dafür anstehen.
    Die komischen Bahn da war noch ganz annehmbar. Den Rest kannste vergessen.

    Eure Frühstücksroutine kommt mir übrigens auch bekannt vor. Nach dem ersten Kaffee schaffe ich das meist zu ertragen, ggf. brülle ich aber auch mal rum, meist heult es dann leider lautstark zurück…ein Teufelskreis 🙁

  7. Tanja sagt

    Ich hasse Indoorspielplätze, Sea Life (allein dieses Lautsprecher-Meeresrauschen) und Legoland, gehe aber liebend gern ins Schwimmbad, Eisstadion und den Kletterpark (da bricht wohl der Sportler in mir durch), ansonsten aber ähnlich wie du: schlag ich Aktivitäten vor, sind das Radtouren, Wanderungen, Zoos, Wildparks, Bauernhöfe und Ponyreiten.

  8. ich bin so bei dir! bei meinem ersten indoorspielplatz besuch habe ich fast herpes bekommen, so hat sich jede faser in mir dagegen gesträubt. weil ich leider auch nur unerheblich größer bin als die kids, für die das ist, muss ich leider auch mitmachen. IN + AUF + DURCH das klettergerüst. und wehe wenn nicht. sonst komme mir vor wie der stiefmutterarsch der da keine lust hat. ich will da aber einfach nicht sein und wenn, dann nur mit nasenklammer und lesend im gastrobereich. schwimmbad muss auch nicht sein. das muss nicht mal ohne kinder sein. jaaaaaa ich muss mir noch das fell anwachsen lassen einfach auch mal nein zu sagen und von mir aus bin ich dann auch die böse stiefmudder. mir wurscht. müssen wir alle durch. tiere gucken find ich auch doof. gut das es am samstag mit 4 kindern in den zoo geht. hahaaaa – schmunzel – dank dir komm ich mir doch nicht mehr so böse vor. man darf also kinderspielplätze hassen! haaa. mir gehts schon viel besser mit all den leidensgenossen hier!

  9. Anna sagt

    Mein Junge ist zwar aus dem Gröbsten raus, aber dennoch bin ich ein bißchen entsetzt, wenn ich das hier alles lese. Ich habe meinen Jungen als Menschen behandelt, nicht anders als meine Eltern, meine Vorgesetzten oder meine Mitarbeiter. Jeder Mensch ist einzigartig und für mich ein kleines Wunder.
    Erziehungsmaßnahmen kenne ich nicht, Geschrei auch nicht, schon gar nicht beim Frühstück. Bei uns gab es feste Regeln für seine jeweilige Entwicklungsstufe, darin konnte sich mein Sohn frei bewegen.
    Und was die Freizeit anging am Wochenende, konnte jeder mal einen Wunsch äussern, das haben wir dann gemacht, reihum. Oder wir haben die Wünsche auf Zettel geschrieben und einen gezogen. Das haben wir gemacht. Und es war immer schön, weil wir zusammen waren, das hat für uns gezählt. Gerne haben wir auch andere Kinder mitgenommen. Und wir waren bei der Bulettenbraterei und haben zusammen Fernsehen geguckt, waren angeln, baden, haben Camping gemacht, Fahrradtouren, auch ab und an Theater und Museum.
    Ich kann ja mein Kind nur für die Gesellschaft fit machen, aber die Gesellschaft nicht ändern.
    Burger isst er immer noch gerne, aber in der Edelbraterei oder selbstgemacht, gerne mal mit Eltern und Freundin. Pommes liebt er, aus dem eigenen Ofen. Wir haben nichts ausgelassen, damit er sich selbst ein Urteil bilden kann, nichts verboten.
    Wirklich, nichts ist so interessant wie Verbotenes oder das, was von den Eltern nicht akzeptiert wird. Ein Kind ist eine Wundertüte. Für mich war es ein Geschenk zu sehen, wie sich mein Kind entwickelt und wie er seinem Leben nachgeht ohne Vorschriften oder ständige Meinungen, wie es besser geht. Ich habe meine Erfahrungen gemacht und er macht seine ohne durch meine Lebenserfahrungen eingeschränkt zu werden.
    Eure Kinder können keine Toleranz lernen, wenn ihr sie nicht vorlebt.
    Sorry, ist nun ein halber Roan geworden, das wollte ich nicht. Es lag mir aber auf dem Herzen.

    • Liebe Anna, es hört sich an, als hätte dein Sohn eine schöne Kindheit erlebt und eine gute Bindung an seine Eltern. Das ist wunderbar. Ich verstehe nur nicht ganz, wie du aufgrund der Kommentare oder meines Artikels hier darauf kommst, das wäre bei den anderen hier nicht so. Niemand hat hier Intoleranz gezeigt oder Verbote gepredigt, davon gesprochen, dass er seine Kinder von wichtigen Erfahrungen fern hält oder verhindert, dass das Kind sich eigene Urteile bilden kann. Es ging lediglich um die eigenen Belastungsgrenzen und einen humorvollen Umgang damit. Hast du da vielleicht irgend was falsch verstanden? Liebe Grüße, Anna

  10. Heide sagt

    Hallo Anna, ich finde deine Art des Schreibens toll, bin mitten drin im Geschehen und kann mich toll mit eurer Familiensituation identifizieren! Bei uns ist es das selbe, mein Mann regelt alles mit Ruhe, hat einen riesigen tolleranzpegel und ist der Fels, ich bin sofort genervt und werde lauter! Ich mag keine grossen menschenansammlungen und schon gar nicht in diesen stehen und dem Kind dabei zusehen, wie es überlegt, welches Karussell zuerst bestiegen wird, dafür ist mein Mann zuständig. Wäre ich allein erziehende würde ich mir für solche Aktivitäten einen Babysitter suchen  

    Es geht also auch anderen wie mir das tut gut! 

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