das wilde leben
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übers teilen ::: warum nicht immer alles gleich sein muss

Minions, Despicable me, Zipups, Familienkino, Geschwister

Das Leben ist ungerecht. Kinder wissen das sehr gut. Meine jedenfalls stimmen regelmäßig bei passender und unpassender Gelegenheit das vielstimmige Geschrei an, es sei alles „sooo unfair!“ und immer bekämen die Geschwister mehr, dürften mehr, hätten das schönere Tischset/Sitzplatz/blabla und würden sowieso immer bevorteilt. Wir kennen das.

Und obwohl ich mir wirklich immer Mühe gebe, sehr SEHR gerecht zu sein zu meinen Kindern, bin ich sicher, dass mir das nicht immer gelingt. Weil es nämlich unmöglich ist, immer alle Streitereien zu verfolgen und ein Auge auf jede Situation zu haben, in der die Kinder über vermeintliche Ungerechtigkeiten streiten. Und weil ich das auch gar nicht möchte. Ich liebe sie gleich, ich möchte gleich viel Gutes, Schönes und Wunderbares für jedes von ihnen, ich gebe mir Mühe, ihre Bedürfnisse im Auge zu haben und so gut ich kann fair zu sein – und alles, was ansonsten ihrer Meinung nach ungerecht ist und unfair, damit müssen sie klar kommen.

Ich bin aber außerdem der Ansicht, dass nicht immer alles gleich sein muss. Jedes meiner Kinder ist einzigartig, jeder Mensch ist einzigartig und damit gelten für jeden auch unterschiedliche Bedingungen. Ist es vielleicht fair, dass mein Herzensmädchen vier Jahre lang den Einzelkindstatus genießen konnte und die beiden Kleineren das nie erfahren haben? Oder ist es fair, dass die zwei Minions im Alter so dicht und deshalb eine verschworene Einheit sind, während das Herzensmädchen mit dem größeren Altersabstand zu ihnen keinen so engen Verbündeten hat? Nein, streng genommen ist es das nicht – aber es ist so und ich kann rein gar nichts daran machen. Und ich würde es auch nicht, selbst wenn ich es könnte, denn jeder dieser Aspekte hat auch etwas Schönes, etwas Gutes in sich.

Oft gibt es auch im Alltag viele kleine Situationen, in denen die Kinder damit umgehen müssen, dass es in ihren Augen nicht immer fair zugeht oder dass ihre Geschwister scheinbar besser da stehen oder mehr bekommen. Heute kriegte zum Beispiel der Lieblingsbub Post: ein Pakt von einer seiner Patentanten, meiner Freundin aus Kindheitstagen, die ihm einen selbst gemachten Adventskalender schickte. Der Bub war natürlich außer sich vor Freude – und die Mädchen machten lange Gesichter. Nun ist es nicht so, dass sie nicht ebenfalls liebevolle Paten und Patinnen hätten, die an ihnen interessiert wären, nur sind das ausnahmslos Menschen mit eigenen (vielen!) Kindern, die alle Hände voll zu tun haben mit den Adventskalendern für ihre eigenen Kinder, im Gegensatz zu meiner kinderlosen Freundin. Da hat das Kerlchen einfach mal saumäßiges Glück und das ist auch völlig ok so.

Dankbarkeit statt Sachen, Adventskalender, Teilen mit Kindern, Erziehung

Als ich das enttäuschte Goldkind sah, war ich in Versuchung, ihr irgend einen Ersatz anzubieten, damit sie nicht so traurig sein müsste, weil ihr Bruder einen extra Adventskalender hat und sie nicht. Aber ich finde das falsch. Was ist denn, wenn der Patenonkel vom Goldkind von einem Urlaub aus Bayern zurück kommt und dem Goldkind ein Dirndl mitgebracht hat – und den anderen Kindern nichts, weil es nun mal nicht seine Patenkinder sind? Oder wenn die Patentante vom Herzensmädchen ihr Patenkind mit ins Theater nimmt, weil sie Lust dazu hat und das Herzensmädchen eben schon groß genug für Programm X ist und die anderen nicht? Dann ist es eben so und jedes Kind hat einmal die Situation, ein einzigartiges Privileg zu genießen, ohne seine Geschwister. Ich finde das richtig und wichtig und völlig in Ordnung so.

Es muss nicht immer alles gleich sein für die Kinder. Das geht gar nicht, das ist nicht zu leisten. Und ich will auch nicht so tun, als ob das ginge. Ich spreche mit den Kindern und erzähle ihnen, warum es ok ist, dass eins ihrer Geschwister auch mal irgendwann von irgend was „mehr“ hat als sie selbst. Und tatsächlich ist es so, je älter sie werden, umso besser verstehen sie es und können die Dinge auch ins Verhältnis setzen. Heute, als der Bub seine Päckchen auspackte, gleich fünf auf einen Schlag, weil das Paket erst heute hier war, war er dann völlig berauscht von seinem plötzlich Süßigkeitenreichtum und überwältigt von seinen Privilegien für den Moment – da hat das Kerlchen doch tatsächlich alle seine Süßigkeiten durch drei geteilt und seine Schwestern damit beschenkt. Gut, er hat zuerst dafür gesorgt, dass die Colafläschchen und die Minismarties auf seinem Häufchen lagen, aber das fand ich mehr recht als billig.

Ich habe heute gesehen, dass die Kinder bereits dabei sind zu lernen, wie sie kompensieren können, wenn es sich mal wirklich unfair anfühlt. Und ich habe gesehen, dass sie auch lernen, sich gegenseitig Dinge zu gönnen, selbst wenn es sich im ersten Moment schwierig anfühlen mag. Das hat mich heute wirklich froh gemacht. Die Kinder haben dann ihre Süßigkeiten zum Nachtisch gegessen, sich in ihre gemütlichen Einteiler geworfen und wir haben alle zusammen Despicable me 2 angeschaut. Minions schauen Minions sozusagen.

Minions, Despicable me, Zipups, Familienkino, Geschwister

Das wäre dann auch schon Punkt eins auf meiner Dankbarkeit-statt-Sachen-Liste für heute: zu sehen, was solche kleinen Lebenslektionen mit meinen Kindern machen. Außerdem bin ich dankbar für diese liebe Freundin aus Kindertagen, eine der Patinnen von meinem Lieblingsbub, die sich die Mühe macht, ihm liebevoll vierundzwanzig Päckchen zu packen und ihm so das Erlebnis zu bescheren, dass er für sie etwas Besonderes ist – nur er, nicht alle drei meiner Kinder, ihr Patensohn. Und als Drittes bin ich heute dankbar für ein bisschen Exklusivzeit mit dem Berlinmittedad im Homeoffice heute – selbst, wenn wir die meiste Zeit nebeneinander her gearbeitet haben.

Das war’s von mir mit #dankbarkeitstattsachen. Wie war euer fünfter Tag in der Adventschallenge?

signatur

6 Kommentare

  1. Meine Schwestern haben von ihren Paten immer mehr geschenkt bekommen als ich und nicht selten war ich als Kind traurig, dass sie die tollen Sachen hatten und nicht ich. Doch heute sehe ich es anders, denn im Gegensatz zu meinen Schwestern, durfte ich viel Zeit mit meinen Schwestern verbringen und wir verstehen uns auch heute noch sehr gut. Während die anderen von ihren Paten leider selten bis nie etwas hören.

    Es kann nie immer gleich für alle sein und ich finde es auch gut so, alles hat auch einen Vorteil und jede Situation ist etwas besonderes 🙂

    Meine Dankbarkeitsmomente der letzten beiden Tage <3

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  2. Ja, schon wieder. 🙂

    Und aus der Sicht derjenigen, die immer arg aufs Geld gucken müssen: Wenn eins der Kinder etwas außer der Reihe bekommt, dann kann ich das unmöglich jedes Mal kompensieren, das ginge einfach zu sehr ins Geld. Meine mosern ja schon, wenn mal einer gute Winterschuhe bekommt und ein anderes Kind auch gerne welche hätte. Da ist dann auch nix mit Teilen, aber sie verstehen schon, dass ich nicht nach dem Gießkannenprinzip einkaufen kann. Sondern dann bei den Schuhen zuschlage, wenn ich welche für ein Kind sehe, das gerade dringend welche braucht, und das erkläre ich dann.

    Kinder wissen sehr gut, dass es nicht immer ganz gerecht zugehen kann, das denke ich auch. Denn sie wollen ja auch manchmal selbst bevorzugt sein, ich erinnere mich noch, was für ein tolles Gefühl das in der Kindheit war. Solche Highlights würden sonst komplett wegfallen… 😉

    Viele Grüße!

  3. Fun Fact aus der Psychologie: Kleinkinder sehen Dinge noch als Erweiterung ihres Selbst (Attribution) und können den Verlust daher nicht leicht verkraften. Teilen lernt man dann so ab 5 langsam. Manche Erwachsene können es noch immer nicht…

    Danke für diesen Text! Meine Eltern hatten früher kaum Geld und es gab nicht immer etwas für beide Kinder, sondern so wie es gepasst hat. Klar, war das damals manchmal frustig als wir noch sehr klein waren. Das gab sich aber recht schnell.
    Noch heute würde ich es meinem Bruder ohne mit der Wimper zu zucken gönnen, wenn meine Eltern ihm einfach mal so 10 000 € geben würden und mir nicht. Umgekehrt genauso.
    Und weißt Du, warum? Weil wir um Liebe, Anerkennung und Gesehenwerden, um das Gefühl, das unsere Eltern alles für uns tun würden nie kämpfen mussten.
    Und ich denke, das Glück haben Deine Kinder auch. Bleib also so entspannt und genieße!

    Liebe Grüße
    Julia

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