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die gute mutter ::: mütter-interview mit meron

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Eine lange Pause gab es jetzt bei den Mütter-Interviews aus der Reihe Die Gute Mutter. Umso mehr freue ich mich, dass ich heute hier Meron vorstellen darf, die mir ein Interview gegeben hat und mit der ich eine kurze, aber nicht minder intensive Zeit verbringen durfte.

Ich habe Meron zuerst virtuell kennengelernt, denn ich bin ihr auf Instagram begegnet. Dort teilt sie mit der für sie wie ich inzwischen weiß typischen Warmherzigkeit Einblicke aus ihrem Alltag mit ihren mittlerweile drei Kindern, zwei Töchtern und einem Babysohn. Und ihre Haltung, der Blick auf ihre Kinder und die Worte, die sie findet, um ihr Leben mit diesen Dreien zu beschreiben, haben mich von Anfang an sehr berührt. Ich folgte ihr eine Weile (und sie mir), dann schrieb ich ihr und wir kamen in Kontakt. Schließlich fragte ich sie für diese Reihe an, auch weil sie als selbst adoptiertes Kind eine besondere Geschichte mitbringt: eine multikulturelle Herkunft zwischen verschiedenen Sprachen, Traditionen und Kulturen. Und nachdem wir uns getroffen und ausführlich kennengelernt hatten (was wunderschön und ein bisschen so wie Spontanverlieben war), beantwortete sie mir meine Interviewfragen.

1. Du bist Mutter von drei Kindern. Wenn du an die erste Zeit nach der Geburt denkst: an was für Gefühle erinnerst du dich? Was hat an Gefühlen überwogen?

Vor 10 Jahren hat meine Tochter Zoé mich zu einer Mama gemacht. Heute habe ich drei Kinder (10, 4 und drei Monate). Für die ersten Wochen nach den jeweiligen Geburten fallen mir spontan Wörter wie Stolz, Babyduft, Müdigkeit, Liebe, Erleichterung, Müdigkeit, Brüste, Windeln, Müdigkeit und Schokolade ein. Und Eis.

2. Gab es in deinem Umfeld Menschen, von denen du dich unterstützt gefühlt hast? Oder gab es welche, von denen du dir Unterstützung gewünscht hättest, die du aber nicht bekommen hast?  Welche Rolle hat dein Mann in dieser Phase übernommen? Wie hast du das empfunden?

Als unser erstes Kind geboren wurde war ich zwanzig und mein Mann (damals waren wir noch nicht verheiratet) dreiundzwanzig. Auch wenn das Kinderkriegen früher geschah als wir es geplant hatten, wusste ich, dass unsere Kinder einen großartigen Papa bekommen würden. Seine Liebe und Präsenz für jedes seiner Kinder scheint unendlich. Meine Eltern werden sich sicherlich für mich, auch wenn sie mich das haben nie spüren lassen, ein wenig mehr Zeit für andere Dinge gewünscht haben, bevor das erste Enkelkind unterwegs ist. Umso mehr hat mich ihre Unterstützung und ihre Freude über unsere Tochter berührt. Gefehlt hat mir damals der Austausch mit meinen Freundinnen. Wir waren lange mit dem Thema Kinder, Erziehung und Elternsein allein in unserem Freundeskreis. Das hat sich nun, zehn Jahre weiter, geändert. Die Freundschaften bestehen nachwievor, und ist es einfach großartig so ein fundamentales Thema gemeinsam zu erleben. Endlich hört sich jemand interessiert die Kacka-Geschichten meiner Kinder an und weiß wovon ich spreche!

4. Hast du in der Zeit, seit du Mutter bist, Ratgeber gelesen, die sich mit Kindererziehung im weitesten Sinn beschäftigen, egal in welcher Form? Wie hast du dich bei/nach der Lektüre gefühlt, was das Muttersein für dein Kind anging?

Ich lese in der Zeitung oder einer Zeitschrift ab und zu gerne Artikel über Kindererziehung oder Themen rund ums Elternsein. Oft ist es ganz interessant und man denkt automatisch über das eigene Handeln und Tun nach. Ratgeber haben wir uns bis jetzt noch nie gekauft. Vielleicht sollten wir das mal überdenken. Denn bald haben wir einen Teenager im Haus.

5./6. Wie wichtig sind dir die Meinungen anderer Menschen darüber, wie du mit deinem Kind/deinen Kindern umgehst und was die Grundlagen deiner Erziehung sind? Wie wichtig sind gesellschaftliche Normen für dein Selbstverständnis als Mutter?

Fakt ist doch, dass es immer Menschen um einen herum geben wird die die Dinge anders machen als man selbst. Und ich habe das Gefühl, dass kein anderes Thema schärfer und häufiger beäugt, kritisiert und kommentiert wird als Kindererziehung. Ich glaube, dass bei all dem, das Vertrauen in sich selbst und der Glaube an das was man tut das Wesentlichste ist. Ich finde, dass ich als Mama nicht auf der Welt bin um perfekt zu sein. Solange ich meinen Kindern mit Herz, Verstand und Respekt begegne ist alles ok. Auch, wenn Tick Trick und Track es anders machen und ihr eigenes Lebensmodell als das einzig Richtige erachten.

7. Wenn du definieren müsstest, was Mutterschaft für dich bedeutet, was sind dann die drei wichtigsten Punkte für dich?

Meine Definition von Mutterschaft ist Liebe, Liebe und nochmal Liebe. Und ein kleines bisschen Wahnsinn. Ein Leben lang.

8. Was ist deiner Meinung nach deine größte Stärke als Mutter? Was deine größte Schwäche?

Oh, ich habe einige Schwächen! Da ist zum einen meine Vergesslichkeit. Ich habe aufgehört zu zählen, dass wievielte Schul-Infoblatt aus ich verbummelt habe. Und ganz furchtbar ist auch mein schlechtes Zeitmanagement. Ich mache grundsätzlich alles auf den letzten Drücker. Und trotzdem bekomme ich irgendwie alles gut hin, aber ich bin mir sicher, dass diese Stresshormone für keinen von uns gut sind. Auf der anderen Seite bin ich sehr dankbar für meine Gelassenheit als Mama. Ich empfinde es als sehr angenehm all die Dinge, mit denen man als Eltern konfrontiert wird, nicht zu ernst zu nehmen und sich selbst nicht so wichtig.

9. Wenn du etwas nennen müsstest, die dich in deiner Kindheit und Jugend besonders geprägt haben, was wäre das?

Ich freue mich darüber, dass es mir besonders leicht fällt unseren Kindern ein gemütliches und heimeliges Zuhause zu errichten. Genauso wie meine Mutter es für uns vier immer getan hat.

10. Wie bist du aufgewachsen? Wie war das Familienleben in deiner Kindheit und Jugend?

Meine Eltern adoptierten mich als ich 5 Jahre alt war aus Äthiopien nach Norddeutschland. Ich habe noch drei Geschwister, die ebenfalls von unseren Eltern adoptiert wurden. Wir zogen in meiner Kindheit und Jungend 4 Mal um. Den vielen Kontakt und die Treffen mit all unseren lieben Verwandten und guten Freunden meiner Eltern habe ich sehr schön in Erinnerung.

11. Wie steht die Mutter, die du heute bist, im Zusammenhang mit der Mutter deiner eigenen Kindheit? Bist du ihr ähnlich oder bist du ganz anders?

Rückblickend würde ich mir sehr wünschen, meine Mutter hätte mehr bewusst Zeit mit mir verbracht und dass sie das Mamasein spürbar mehr genossen hätte. Ihr kühler Umgang und das fehlende Verständnis in vielen Situationen war nicht immer einfach. Diese Dinge mache ich als Mama anders. Ich verstehe heute wieso und warum vieles so war wie es war. Nachvollziehen kann ich es nicht, aber verstehen tue ich es. Es war ein langer Prozess für mich als Erwachsene Tochter. Der auch noch nicht abgeschlossen ist.

12. Gibt es etwas an dir als Mutter, das du nicht magst, weil es dich an deine eigenen Eltern erinnert? Gibt es etwas, das du in dir wieder erkennst und das du magst, weil es dich an deine eigenen Eltern erinnert?

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass eigentlich erst mit dem ersten Kind und den darauf folgenden Jahren die Erkenntnis kommt, was die eigenen Eltern damals alles geleistet haben und was man für eine Art Eltern hatte. Dementsprechend kommt die Anerkennung und die Dankbarkeit, aber auch die Reflektion der Dinge, die in der eigenen Kindheit nicht so schön waren. Darin die Balance zu finden, zwischen dem was man genau so machen möchte und dem was man den eigenen Eltern auf keinen Fall gleich tun will, ist gar nicht leicht. Es ist ein Prozess und manchmal auch ein Teufelskreis der zu durchbrechen gilt. Heute weiß ich, dass es nicht immer einfach ist, da jeder irgendwie immer das Produkt seiner Erziehung ist, aber es ist möglich. Ich finde Selbstreflektion enorm wichtig und dazu gehört auch sich als Eltern immer mal wieder zu hinterfragen.

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13. Was sind die wichtigsten Dinge, die du deinem Kind/deinen Kindern mitgeben willst?

Unsere Kinder wachsen mit viel Freiraum für ihre eigene Meinung und unendlich viel Liebe auf. Sie wissen jedoch, dass einige Dinge für meinen Mann und mich nicht diskutabel sind. Es gibt Regeln an die wir uns alle halten müssen, so dass es für ein jeden in unserer kleinen Familie schön ist. Freundlichkeit, Hilfsbereitschaft, Achtsamkeit, Aufrichtigkeit und Humor sind für mich wichtiger als akademische Titel. Ich wünsche meinen Kindern, dass sie ihr Elternhaus eines Tages als glückliche, mutige, herzliche und offene Menschen verlassen. Und vielleicht nicht erst mit dreißig ausziehen. Dann habe ich mein Ziel als Mama erreicht.

14. Wenn du deine Kinder fragst, was sie an dir mögen, was würden sie antworten?

Mit als erstes würden sie sicherlich sagen, dass sie so oft Pfannkuchen als Nachspeise essen dürfen. Ja, ich bin mir sicher. Es sind die Süßigkeiten.

15. Deine Kinder sprechen über dich und erzählen ihren Freund*innen von dir: was für eine Art Mutter beschreiben sie?

Das weiß ich nicht. Aber gibt es eine Mama, die dabei nicht gerne mal Mäuschen wäre?! Obwohl, wenn ich so darüber nachdenke, lieber nur bei den kleinen, nicht bei den pupertierenden Kindern. Vielleicht eine Mama die viel kuschelt, knutscht, manchmal zu viel flucht, wichtige Zettel verlegt und heimlich versucht Schokolade zu essen und doch fast immer von ihren Kindern dabei erwischt wird. Aber sicher bin ich mir nicht. Ich kann da nur vermuten.

16. Was ist deine Lieblingsbeschäftigung mit deinen Kindern? Gibt es Rituale, die ihr teilt und die eine Bedeutung für euch haben?

Ich bin keine auf-dem-Teppich-liegende- und-mit-den-Kindern-spielende Mama. Ich lese, bastle, male und backe mit den Mädels. Und das mache ich wirklich gern und oft. Am letzten Tag vor den Ferien gemeinsam ein riesiges Eis essen ist eines unserer Rituale. Und an jedem Weihnachten gemeinsam, im Schlafanzug, mit Decke und vielen leckeren Sachen Märchen anschauen. Ansonsten sind wir mit unseren Kindern die meiste Zeit draußen und unternehmen alles Mögliche. Und besonders wichtig sind mir meine Einzeldates mit unseren Mädchen.

17. Dein Lieblingskompliment, das deine Kinder dir mal gemacht haben?

Unsere Große Tochter trägt ihr Herz auf der Zunge. Egal ob es sich um uns, ihre Freunde, andere Personen oder eine Situation handelt, sie sagt immer freiheraus was ihr besonders gut gefällt oder was sie denkt. Dabei sind schon herzerwärmende Komplemente  herausgekommen. Am meisten berührt mich dabei ihre Art, wenn sie ein Kompliment ausspricht, – sie freut sich richtig darüber. Das weiß ich sehr zu schätzen! Und unsere Mittlere macht mir auch Komplimente und sagt dann sowas wie 'oh Mama, mit dir kuschel ich so gern, du bist so schön weich' – ähm, ja, dass lass ich mal so als Kompliment stehen.. 

18. Deine Liebeserklärung an deine Kinder?

Auch, wenn sie mich oft tierisch nerven, ich bin ihr aller größter Fan. Das war ich von Anfang an und werde es sein bis ich nicht mehr bin. In guten wie in schlechten Tagen. Mein Herz läuft wirklich über vor Liebe, wenn ich an jedes unserer Kinder denke.

19. (bis 24.) Ist es dir wichtig was andere Mütter über dich denken? Vergleichst du dich mit anderen Müttern? Gibt es Müttergruppen, denen du dich zugehörig fühlst? Und wie wichtig ist dieses Gefühl für dein Muttersein? Was wünschst du dir von anderen Müttern?

Wir sind doch nicht auf einmal komplett andere Menschen, nur weil wir Kinder haben. Man ist immer noch derselbe Mensch. Nur dass man lauter Entscheidungen für einen Minimenschen treffen muss. Und ständig komisches Zeug in der Handtasche mit sich rum schleppt. Naja, und vielleicht häufiger Augenringe hat. Ok, die schlechte Nachricht ist, dass die Liste, der Dinge die man mit dem Mamawerden gratis dazu bekommt, nicht mit den Augenringen endet. Die gute Nachricht ist, dass diese Liste bei fast allen gleich ist. Und allein das ist doch schon Grund genug, dass Mütter sich viel mehr entspannen könnten. Wir alle sitzen im selben Boot. Wir alle geben unser Bestes (außer den traurigen Ausnahmen, die es leider gibt und immer geben wird). Wir alle könnten unterschiedlicher nicht sein. Und deshalb handhaben wir unser Leben auch unterschiedlich. Ich finde das Wertesystem in den Köpfen vieler Frauen ist pure Energie Verschwendung. Und viel schlimmer – es sorgt doch nur für noch mehr Augenringe. Die größte Selbstversicherung als Mama ist doch nicht, dass es nebenan schlimmer läuft oder besser. Es ist unser Bauchgefühl das uns verrät ob wir richtig oder falsch liegen. Und es sind unsere Kinder, deren Gefühle und Gedanken, die uns versichern, was wir Mamas doch für wertvolle und großartige Menschen sind.

Liebste Meron, ich danke dir von Herzen für dieses schöne Interview, für deine wunderbaren Antworten und für die Einblicke in deine Auffassung von Mama-Sein, die du mit uns allen hier teilst. Du bist in so vielen Dingen immer wieder eine Inspiration für mich – auch dafür danke ich dir. 

Bis zum nächsten Mama-Interview in der Reihe Die Gute Mutter vergeht nicht wieder so viel Zeit. Promise.

signatur

 

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