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ein song und seine folgen ::: wie ich meinen kindern zweifelhaftes wissen vermittle

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Das Leben mit Kindern ist ein Vabanquespiel, oder wie das heißt. Man weiß nie, was passiert, wenn man ihre Köpfchen mit Dingen füttert. Mit Musik. Mit Geschichten. Mit Anekdoten aus ihrer Kindheit. Mit neuen Eindrücken. Aber vor allem – mit Wissen. Die Kenntnis von den Dingen ist eine heikle Sache, wenn es darum geht, wie Kinder diese Kenntnis verarbeiten. Was sie daraus machen. In aller Unschuld meistens. Und manchmal eben auch alles andere als unschuldig.

So ist es zum Beispiel schon hart an der Grenze, wenn die kleine Tochter ihren noch recht neuen Freundinnen im Beisein der Eltern erzählt: "Meine Eltern hatten ungefähr 1000 Mal Sex! Und das ist nur mein Bruder Schuld, weil der nicht kommen wollte und da mussten sie das so oft üben, bis es endlich klappte. Bei mir nicht, ich kam direkt, da brauchten sie das nur einmal zu machen!" Aber immerhin lässt sich in diesem Zusammenhang ziemlich einfach herleiten, was tatsächlich hinter dieser Aussage steckt und dass es sich vielmehr um einen zeitweise unerfüllbar erscheinenden Kinderwunsch ging und nicht etwa um eine therapiewürdige Sexsucht, die uns beide fest im Griff hat. Zumal ich daneben stand und das korrigierend ergänzen konnte. 1000 Mal Sex. Alles der Bruder Schuld. Na, bitte.

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Aber ich bin ja nicht jedes Mal dabei. Und dann kommt es halt vor, dass ein noch frischer und unschuldiger Babysiter, der zum ersten oder zweiten Mal die lieben Kinderlein hütet, während die sexsüchtigen Eltern ausgehen, ziemlich verwirrt rüberkommt und berichtet, die Kinder hätten lautstark und ausgiebig irgend ein "seltsames Lied" gesungen, in dem eine Kuh und ein Schwein auf dem Berg stehen und sich gegenseitig ins A…loch hinein schauen. Dazu muss ich sagen, dass dieses Lied von der Kuh auf dem Berg nicht aus meinem Liedgut stammt, sondern aus anderen Quellen in der Familie in die Hirne meiner Kinder hineingepflanzt wurde. Aber das nachhaltig! Und offenbar holen sie diese schöne "Erbe" immer genau dann gerne aus der Schatzkiste ihrer Performancestückchen, wenn es gilt, noch relativ neue Menschen in ihrem Leben mal so richtig zu beeindrucken. Klappt, kann ich nur sagen.

Es ist doch so: wir wissen nie, wirklich NIE, was das Wissen über die Dinge in den Köpfen unserer Kinder für Formen annimmt oder in welche Kategorie ihres Weltbildes sie neue Kenntnisse und Erfahrungen hineinsortieren. Warum beispielsweise die Geschichte über den unbotmäßig häufigen Sex ihrer Eltern, den armen Wesen, die das tausend Mal durchspielen mussten, weil der doofe Bruder einfach nicht an Land kam, genau dann rausgeholt wird, wenn andere fremde Erwachsene in der Tür stehen. Oder was die fäkale Hymne von Kuh und Schwein und dem Ausblick in die jeweiligen A…löcher für eine Faszination ausübt, so dass sie immer, wirklich j e d e s Mal, wenn die Kinder sich an sie erinnern, schallend laut geschmettert werden muss. Beim Spaziergang im Park. Auf dem Weg vom Kino nach Hause. Am gut gefüllten Strand auf dem Trampolin, inmitten einer fröhlichen Kinderschar. Man weiß es nicht.

Nun, oft genug bin ich es selber Schuld. Neulich habe ich beispielsweise den Fehler gemacht, den Kindern von diesem alten Blödsinnslied von Klaus & Klaus zu erzählen. Ihr wisst schon. Der Eiermann. Sie haben sich scheckig gelacht, als ich es ihnen vorsang und haben es fortan erstens selbst dauernd geschmettert und es zweitens ständig von Spotify abgespielt und das Haus damit beschallt. Morgens zum Aufstehen um 6:30. Beim nach Hause Kommen aus der Schule. Beim Zähneputzen. Beim Umziehen. In der Badewanne. Beim Spülmaschine Ausräumen. Ich war mitunter versucht, mit dem Kopf an die Wand zu hauen, weil es ständig aus irgend einer Ecke "Klingelingeling!" machte.

Aber ich hatte nichts gelernt. Jedenfalls nicht genug. Denn als ich dieser Tage beim Autofahren meinen eigenen Ohrwurm laut heraussang und die Wirkung auf die mitfahrenden Kinder nicht bedachte, hatte ich gleich die neugierigen Köpfchen wieder am Start, in denen alles, alles abgespeichert wird. Es war ein Lied von "Fettes Brot". Es kommen Brüste darin vor. Und ich habe es laut gesungen und wahrheitsgemäß die Nachfragen der Kinder beantwortet. Mit wahrheitsgetreuen Quellenangaben für die Nachlese dieses neuen aufregenden Liedes. Ich hätte es besser wissen müssen! Ich hätte es überhaupt wissen müssen! Denn natürlich sind meine Kinder des Googlens mächtig und sie bedienen unser Spotify-Familienaccount im Schlaf. Natürlich finden sie die Quelle für diese Art Lieder, die sie brennend interessieren und die sie hoch amüsant finden. Denn natürlich ist alles, worin "Brüste" vorkommen genau der Stoff, aus dem ihre liebsten albernen, kicherigen, Beavis-und-Butthead-würdigen Performances sind.

Und so kriegte ich gestern Abend die Quittung: ich wähnte die Minions beim Zähneputzen und kam gerade die Treppe hoch, um sie ins Bett zu stecken und gute Nacht zu sagen. Aber statt zweier Zahnputzkinderchen am Waschbecken, fand ich zwei halbnackte kleine Menschen, nur in ihren Schlafanzughosen, wie sie, wild mit dem Kopf schüttelnd, auf des Goldkinds Bett hüpften, aus der Box wummerte der dank meiner korrekten Quellenangabe bei Spotify gefundene Song und die beiden gröhlten wie die Wahnsinnigen: "Bettina! Pack deine Brüste ein! Bettina, zieh dir bitte etwas an!" Die große Schwester kollerte derweil fast ohnmächtig vor Lachen an der Erde und feurerte die beiden auch noch an.

Für mich gab es nur eine mögliche Reaktion: mitsingen! Nach zwei Minuten Headgebange und Gejohle entfernte ich aber dann die Quelle für die große Partyfreude der Minions und verfrachtete die Durchknallis in ihre Betten. Unter Gekicher und Gegluckse.

Ich habe mir dann zum wiederholten Male geschworen, mich selbst mehr zu zensieren. Ich muss ja nicht wirklich a l l e s laut raussingen, was mir gerade durch den Kopf geht und auch nicht jede kompromittierende Anekdote aus der Jugendzeit ihrer Eltern (oder Großeltern, Onkel und Tanten…) weitergeben. Ich weiß ja, dieses Wissen um die Dinge, die Kenntnis von solchen Anekdötchen und Liedern und peinlichen Kleinigkeiten verselbständigt sich in den Köpfen meiner Kinder, entfernt sich komplett aus dem Einflussbereich meiner Kontrolle und bekommt ein Eigenleben. Und dann singen sie, sie quatschen und erzählen und alles natürlich immer hoch publikumswirksam. Für einen lauten Lacher sind die beiden immer gut, darauf kann ich mich verlassen. Diese Schwatztuten und Quatschköppe!

Aber immer, wenn ich mir vorgenommen habe, selbst diskreter zu sein mit den Dingen, die ich mit meinen Kindern teile, höre ich, wie wieder ein Lied aus meinem Mund kommt oder ein Witz mit Kacka drin. Irgendwie sowas. Und dann wird mir klar: von irgendwem haben sie das wohl, diese albernen Minions, die ich meine Kinder nenne. Ich weck sie dann wohl morgen früh mal mit "Fettes Brot". Oder gibt's andere schöne Vorschläge?

24 Kommentare

  1. Jacqueline sagt

    Liebe Anna, hab Dank für euren so zuckersüßen Einblick… ich kann es nicht anders nennen. Ich hab eben herzlich lachen müssen über eure süßen Minions und kann sie mir bildlich vorstellen. Unsere Tochter (3) fängt auch so langsam an all die Party- und Ballermannlieder dank Fasching mitzuträllern und verwechselt so manches Wort. Ich kann dir versichern es gibt schlimmere Lieder als die von dir genannten. Google einfach mal "Jan Pillemann Otze" von Mickie Krause. 🙂 Der Kindergarten durch die gröberen Kinder macht es möglich:)

    Um dem ganzen nicht noch mehr Aufmerksamkeit zu schenken, was die Stimmung bei den Kleinen ja noch mehr anheizt, kann sich diesen Momenten eigentlich nur ergeben und einfach mitsingen! 😉 

    Ich wünsche euch einen schönen Tag! 

    Liebe Grüsse Jacqueline 

    ps: ich hab deine Stimme letztens in den Instastories gehört und ich hab mich sehr gefreut. Das kannst du bitte öfters machen 🙂

  2. Liebe Anna,

    vielen Dank für diese beruhigende Darstellung

    Bei uns wird gerne mal "Kleine Maus" geschmettert. Zuckersüß wenn der 3-jährige 20 x hintereinander "Bier, Bier, Bier" grölt…

    lg aus Köln 

    Diana

  3. Och… das kann mein dreijähriger auch schon. Wenn er in der Bahn sitzt und mich lautstark fragt: "MAMA??? HAST DU AUCH EINE SEIDE, DURCH DIE DAS BABY DANN RAUSKOMMT????" Mitreisende spitzten interessiert die Ohren. Schöner war nur, als er in "Woher die kleinen Kinder kommen" blätterte, eine Klappe aufmachte (darunter ein Bild von Eltern während des Sex) und uns dann grinsend fragte, ob das denn auch so ausgesehen habe, als wir das Baby gemacht hätten. Was willste da sagen 😀 Hab ihm dann wahrheitsgemäß erklärt, dass es ganz verschieden aussehen kann, wenn Erwachsene miteinander schlafen und freue mich schon auf den nächsten Elternabend im Kindergarten :-p

  4. Ich hab vor dem Schlafen gehen ganz abwesend ein Lied aus einem Repertoire eingefúhrt, dass sonst 0 meinen Liedergeschmack wiederspiegelt. Ich hoffe es hinterlässt keine bleibenden Schäden: "zieh dich auch kleine Maus, mach dich nackig!" Meine Tochter ist 4 und ich hoffe es kommt nie and Tageslicht!

  5. Katja sagt

    Oh, das kommt mir so bekannt vor! Wir lieben alle Dota Kehr und entsprechend oft läuft es bei uns. Die Lieblingszeilen des Großen: "Der Kopf ist ein Gefängnis" und "Das find ich so deprimierend" – das sorgt bei unbedarften Zuhörern immer wieder für irritierte und besorgte Gesichter …

  6. Mein Süsser brüllt ständig "Bologna" der österreichischen Gruppe Wanda.

    Die Tante hat in Bologna Amore gemacht und der Sänger möchte jetzt seiner Cousine…..

    Das führt insbesondere bei meiner freikirchlich-evangelisch angehauchten Familienseite zu grösserem Erklärungsbedarf.

    *seufz*

  7. mein Fehler war die Playstation. ich wollte nämlich nicht mit den Kindern fernsehen, aus pädagogischen  Gründen (ich Genie) und dachte mir: he, wir können SingStar spielen! da kann ich singen und die Kinder fernsehen win:win!

    die Jungs waren begeistert von den Mikrophonen und wir klebten vor der Kiste und als endlich alle Updates durch waren scrollten wir die Lieder durch und blieben bei den "Doofen" hängen. Du erinnerst Dich? und der Anfang des Refrains "nimm mich jetzt auch wenn ich stinke" ist noch nicht mal das Schlimmste, denn: "an der nächsten Lampe steht auch schon die nächste Schlampe für mich frei…"

    dieser Song ist Zucker für die Kinder. und er prägt sich ein. auch, wenn Mama versucht, lauter zwei Mal Lampe zu singen als Schlampe. keine Chance. 

    und dann denk Dir die nächste Heimfahrt vom Kinderwagen mit dem Lastenrad. beide Kinder sitzen vergnügt vorne drin und kriegen Lust zu singen. gerade der Kleine hat es echt raus, möglichst schnell zum Punkt zu kommen.

    ich war regelrecht erleichter, als ich sie endlich auf Annett Louisan umgepolt hatte. jetzt sitzen sie vorne im Rad und grölen "das wäre alles nicht passiert ohne Prosecco"!

     

    (<<ohne Witz: ich denk mir sows nicht aus)

     

    *winkt*

    Minusch

     

  8. Hihi, den "Fehler" haben wir auch gemacht. Bei uns lief zur allgemeinen Gaudi "Ich hab Polizei" von POL1Z1STENS0HN a.k.a. Jan Böhmermann. Und welche Zeile hat der 4-jährige sich allzu gern gemerkt? "F… Dich, böser Junge!", und schmettert das jetzt jedem bösen Jungen (oder Mädchen) bei jeder passenden oder unpassenden Gelegenheit entgegen, weil er natürlich gemerkt hat, was er damit auslösen kann.

    Also, falls jemand in der Hood demnächst so tituliert wird, schon jetzt ein großes Sorry! Und wenn jemand böse wird: Ich hab', ich hab', ich hab', ich hab', ich hab' Polizei!

     

  9. Miriam sagt

    Haha! Der Eiermann – ich lieieiebe ihn samt des dazugehörigen, peinlichen Videos auf youtube. Mein Freund findet das total peinlich und fängt eine Kitzelattacke an, wenn das Lied erklingt.

  10. Das erinnert mich an eine Situation hier (wo zum Glück kein weiteres Publikum davdj war und der Lausbub (9) plötzlich mehrmals vor sich hin trällerte. "Am liebsten macht sie alles mit dem Mund"!

    Der Herzensmann schaute mich entsetzt an. Ich wusste natürlich direkt, wo diese Zeile her kam. War ich es doch gewesen, die dem Lausbub DIE PRINZEN auf seinen iPod gespielt hatte. In Gedanken dabei an Lieder wie "der Mann im Mond", "Alles nur geklaut" und ähnliche, war mir dieses wohl entfallen gewesen und natürlich sind es immer solche Zeilen, die dann irgendwann zu Tage treten. Bleibt nur zu hoffen, dass dies nicht bei seiner Mutter geschieht und dort dann offenbart wird, dass er das Lied von der Freundin vom Papa kennt. Was würde sie dann wohl von mir denken?? 

  11. Lotte sagt

    Haha!

    Tja, selber schuld, wenn man seinen Kindern nichts von Blümchen und Bienchen erzählt, sondern frei und ehrlich erklärt, wie "es" WIRKLICH funktioniert! 😉

    Mein Sohn (6) hat letztens am Empfangstresen einer völlig überfüllten HNO- Praxis, herzhaft an meinen Hintern gefasst und "Oh Mama! Ich schüttel deinen Speck!" gegrölt.

    Danke. Kind! Danke! Peter Fox! Und danke an zwei große Brüder!

  12. Zur Story… ich war eine Zeit lang alleinerziehend. Als die Freunde des Kindes alle Geschwisterchen bekamen, wurde das bei uns also auch Thema. 

    Einige Tage später fragte mich die Tagesmutter: "Du bist schwanger? Wann ist es denn soweit?" (Ich rechne ihr hoch an, das nicht ein "Von wem denn, in aller Herrgottsnamen!" hinterher kam).

    Hintergrund: natürlich wollre ich damals nicht ausschließen, das es Geschister geben könnte und sagte "irgendwann bekommst du auch einen Bruder oder Schwester". Dauerte nur noch etwas, bis der Mann dazu auftauchte und dann nochmal vier Jahre, bis der Wunsch des Kindes sich erfüllte 🙂

     

    zum Wecken: wir empfehlen "jede Zelle deines Körpers" – aber vorher aller Fernbedienungen und abschaltmechanismen weit weg legen. schneller bekomme ich die Kinder  nicht aus dem Bett.

    vorsicht bei "guten morgen Sonnenschein!" – neulich nachts  nahm ich zum ersten Mal den ganzen Text in mich auf… und fand dann auch noch das passende Video dazu.

     

    in diesem sinne: viele heitere stunden!

  13. Niki sagt

    Ich lach mich scheckig. Da können wir uns ja auf Sachen gefaßt machen – in drei Sprachen.

  14. Jen sagt

    Du machst es genau richtig und sieht den Spaß daran! Vernünftig und etwas langweilig  werden die Kinder schon von ganz allein mit der Zeit. 

    Ich habe übrigens mit 4 oder 5 Jahren eine ganze Busladung Erwachsener mit einem Lied unterhalten. Ein Lied.  Von Norddeutschland nach Tirol. Und ich denke nicht, dass ich den Text fehlerfrei konnte…  *träller* Küss die Hand,  schöne Frau, ihre Augen sind so blau, tirili…  Irgendwie so. 

     

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