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Bei euch ist es immer so harmonisch! ::: Streit in der Familie oder ein Ausflug nach Mordor

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Gestern Abend flogen die Türen im Hause Berlinmittemom. Und es flogen außerdem noch Schuhe vom Balkon in den Garten. Und Fäuste zwischen den Geschwistern. Hättet ihr nicht gedacht? Ist aber so. Es gibt auch hier Chaos und Streit in der Familie. Natürlich! Es gibt Gebrüll und Tränen und manchmal auch böse Worte. Und soll ich euch was sagen? Das ist ganz normal.

Ich schreibe meinen Blog seit über 5 Jahren und ich habe dazu schon sehr unterschiedliches Feedback bekommen, eine „Kritik“ aber wiederholt sich immer: „Bei euch wirkt alles immer so harmonisch! Das kann doch nicht echt sein?!“ Natürlich ist hier mitnichten alles immer harmonisch, aber meistens halte ich es wie meine Freundin Carola von Frische Brise: ich zeige lieber die schönen Seiten und bin außerdem eine lebensverliebte Optimistin, die die Dinge grundsätzlich erst mal positiv sieht. #teamglashalbvoll und so.

Aber vielleicht ist das gar nicht immer gut? Vielleicht ist es wichtig, auch von unserem Stress und dem regelmäßigen Streit in der Familie hier zu schreiben? Wieder öfter den Blick auch mal auf die anstrengenden, die vielleicht etwas schwereren Aspekte des Familienlebens zu richten und diese mit euch zu teilen? Vielleicht ist das genauso wichtig wie der positive Blick auf den Alltag mit Kindern: zu sagen, ja, wir streiten. Wir schreien uns an und hier fliegen auch mal die Türen. Weil das ganz normal ist. Aber zurück zu gestern Abend.

Alltagszündstoff: immer ich!

Der Tag war lang gewesen. Ich hatte den Nachmittag damit verbracht, diverse Anfragen vor und zurück zu beantworten, am Telefon und auch per Mail. Zwischendurch hatte hier ständig einer an der Tür geklingelt, ich hatte Wäsche gewaschen, aufgehängt und abgenommen, und die Einkäufe für den Rest der Woche mussten auch noch gemacht werden – der Kühlschrank war vom Wochenende noch immer so gut wie leer. Irgendwann zwischendurch war die Große aus der Schule gekommen und ich hatte die zwei Kleinen vom Tanzen und vom Fußball abgeholt. Dann waren wir alle… abgeschlafft.

Ich hatte keine Lust, Abendessen zu machen. Schon wieder ich. Wer sonst? Ich hatte keine Lust, Berge von Wäsche zu falten, die noch aus dem Trockner quoll. Ich hatte noch zu arbeiten, aber für das, was ich gerne fertig gestellt hätte, brauchte ich Ruhe. Ich hasse nichts mehr, als wenn ich gute Ideen habe und sie nicht sofort umsetzen kann, weil gerade nicht die Zeit/Ruhe/Muße dafür da ist! Ich hatte keine Lust, das chaotische Wohnzimmer aufzuräumen, in dem die Kinder ihren Kram explosionsartig verteilt hatten. Wieso immer ich?! Und die Kinder waren müde. Nicht kooperativ. Auch sie hatten keine Lust zu irgendwas, außer dazu, sich zu zanken.

Schuhberge und Sommerchaos | Berlinmittemom.com

Es schaukelte sich langsam hoch. Während ich schließlich widerstrebend mein Laptop zugeklappt hatte und dabei war, in der Küche klar Schiff zu machen, die restlichen Einkäufe in die Vorratsschränke zu räumen und das Abendessen zu planen, geriet ich unversehens in die Ermahnungs- und Meckerschleife.

Ich bin doch nicht eure verdammte Gebetsmühle!

Wie fast jeden Abend hatten die Kinder nicht von selbst daran gedacht, ihre Snackboxen und Trinkflaschen aus den Schultaschen zu räumen, zu leeren und auszuspülen, etwas, das laut Absprache zu ihren Aufgaben gehört.

Wie fast jeden Abend hatten sie alle ihre Schuhe vor der Tür zu einem Berg aufgehäuft, statt sie in ihre Schränke zu räumen, und es waren nicht nur die Schuhe von einem Tag, sondern es lagen dort (wie fast immer) von jedem mindestens zwei Paar Schuhe oder Flipflops oder Crocs oder Sportschuhe.

Wie fast jeden Abend hatten sie ihre Jacken und Schultaschen im Flur einfach fallen lassen und sich nicht weiter drum gekümmert, statt die Jacken an den Haken zu hängen und die Rucksäcke auf die Bank zu stellen, wie es eigentlich abgesprochen ist.

Stattdessen hatten sie begonnen, sich zu zanken. Dabei ging es wie fast immer um nichts. Wer hat wen zuerst angerempelt? War es Absicht oder nicht? War sich entschuldigt worden oder nicht? Wer hat wessen Fidget Spinner absichtlich angefasst oder gar zum drehen gebracht? Illegalerweise? Wer hat sich bei wem noch nicht entschuldigt dafür, dass er die Autotür zugemacht hat, obwohl der andere noch drin saß? Wer hat absichtlich beim Händewaschen so mit dem Wasser gespritzt, dass der andere nass werden musste, der gerade in aller Ruhe auf dem Klo sitzen wollte? Undsoweiterundsofort.

Und wie fast jeden Abend fing ich an, die Kinder zu bitten, sie zu ermahnen, sie zu erinnern. Einmal. Dreimal. Fünfmal. Räumt eure Schuhe weg. Bringt eure Snackboxen in die Küche und packt sie in den Geschirrspüler. Hängt eure Jacken auf. Hört auf zu zanken. Bitte schreit nicht so. Nein, niemand wird geschubst, auch nicht als Vergeltung für zugeschlagene Autotüren. Nein, auch nicht als Revanche fürs Anrempeln. Räumt doch endlich die Schuhe da weg, gleich fällt jemand drüber. Seid leiser. Bitte! Und hört auf, euch zu zanken! Hört! Auf! ZU! ZANKEN! Ich war eine Gebetsmühle. Eine mit verdammt schlechter Laune. Mir platzte die Hutschnur, in dem Moment, als ich den Müll rausstellen wollte, dabei über drei Schultaschen und drei Jacken, zwei Sporttaschen und einen Beutel mit Malkitteln steigen musste, nur um dann über sechs Paar Schuhe zu stolpern. Mordor!

Streit in der Familie? Normal!

Mordor ist der Zustand, in dem ich mir vorstelle, dass mein Kopf zum rotglühenden Kern vom Schicksalsberg aus Herr der Ringe wird und droht, zu explodieren. „Hier ist gleich Mordor!“, ist dann auch eine meiner öfter zitierten Warnungen an meine Familie, dass ich kurz davor bin, zu eskalieren.

Gestern war das dann unrühmlicherweise der Moment, in dem alle Schuhe, die mich zu Fall gebracht hatten, hintereinander die Gartentreppe runter flogen. „Och Mann, Mama! Muss das jetzt sein?!“ Die Kinder maulten, taperten hinterher, sammelten ihre Schuhe ein und verstauten sie jeder in seinem Schrank. Immerhin. Aber Mordor glühte noch. Und weil sich ungute Stimmungen ja leider multiplizieren, färbte die Mordormania ab auf die Kinder. Mit dem Effekt, dass sie munter weiter zankten.

Es wurde noch mehr gemeckert. Dann auch mal geschrien. Kurzzeitig habe ich sowas wie einen Sekundenblackout erlitten, aber meine Kinder sagten, ich hätte gebrüllt: „Der nächste, der mich an-MAMA-t, kann was erleben!“ Ich schäme mich. Das steht fest. Aber darum geht es mir nicht. Ich will mich hier nicht als schlechte Mama aufspielen, die auch mal ihre Kinder anbrüllt, denn das wissen wir Mütter alle, wenn wir ehrlich zu uns sind: die Mordormutter könnten wir alle sein.

Es geht mir vielmehr darum, was dann geschah: nachdem alle Schuhe im Schrank verstaut, alle Jacken aufgehängt und alle Snackboxen geleert und im Geschirrspüler verschwunden waren, nachdem die Kinder sich nicht nur versöhnt, sondern sich zu einem einzigen starken und loyalen Geschwisterkörper zusammengeklebt hatten, der der Mordormutter standhalten kann, nachdem ich grummelnd und immer noch vor mich hin glühend Essen gemacht und Becher mit Tee für die Kinder gefüllt hatte, saßen wir am Tisch. Die Kinder hatten auf dem Balkon gedeckt und das Essen aufgetragen.

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Und dann redeten wir. Wir redeten und lachten, wir lachten über uns selbst und über den doofen Streit, wir lachten über den Begriff „Mordormutter“ und der Bub erzählte die Geschichte, wie er mal über mich in einer solchen Situation sagte, ich sei im „Beast-Mode“. Die Kinder aßen und kicherten und als wir alles abgeräumt und Zähne geputzt und den Geschirrspüler angemacht und die Küche aufgeräumt hatten, lagen alle zusammen in einem Bett und wir besprachen, was passiert war.

„Wir haben gestritten, das war doof.“ „Du warst Mordor, das war auch doof.“ „Ich mag nicht, wenn wir streiten.“ Ich auch nicht.“ „Warum haben wir überhaupt angefangen, zu streiten?“ „Ich war so sauer, weil du mich geschubst hast!“ „Ich war wegen was anderem sauer. Und ich hatte Hunger!“ „Ich war sauer, weil ihr überhaupt nicht gehört habt, was ich zu euch sagte!“ „Aber ich hab euch lieb.“ „Ich hab euch auch lieb, ihr seid meine Familie!“ „Streit in der Familie ist normal, schließlich vertragen wir uns immer wieder.“ „Wir haben uns auch lieb, wenn wir streiten, deshalb ist streiten nicht so schlimm.“ „Ich streite lieber mit euch, als mit anderen Leuten.“ „Zum Glück bist du jetzt satt!“  „Du fluchst so schön schlimm, Mama…“ Und wieder wird gekichert.

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Was will ich damit sagen? Wir sind nur Menschen. Wir werden wütend, wir verletzen uns gegenseitig, wir werden ungerecht. Alle Liebe der Welt kann das nicht verhindern. Aber wir reden miteinander. Wir lieben einander und es ist uns nicht egal, was mit den anderen passiert. Selbst wenn wir kurz Mordor sind, finden wir immer den Weg zueinander, weil wir ihn finden wollen. Wir lassen unsere Sonne nicht über unserem Zorn untergehen. Oder wenn, geht sie gleich wieder auf. Wir sind eine Familie. Wir sind fünf Menschen, die einander lieben und einander fürchterlich auf die Ketten gehen können. Wir sind… ganz normal.

Das ist meine Antwort auf die Frage, ob es hier immer harmonisch zugeht. Natürlich nicht! Wir sind wir, mit allen Höhen und Tiefen. Wir sind miteinander verschworen und meistens lieben wir uns gegenseitig mehr als alles andere. Aber manchmal… ist halt Mordor!

Wie ist das bei euch?

22 Kommentare

  1. Heidi sagt

    Liebe Anna!
    Ja, es tut irgendwie schon gut, zu lesen, dass es bei euch ganz normal zugeht.

    Nichtsdestotrotz schätze ich auch oft deinen liebevollen, stolzen Blick auf deine Kinder.
    Besonders wenn ich selbst mal wieder zu viel gemeckert habe, rückt mir so ein wertschätzender Artikel von dir in den Blick, was wirklich zählt: hier sind meine Kinder mit all ihren tollen Eigenschaften, die ich so liebe. Das hilft mir, am nächsten Tag wieder mit einer positiven Grundhaltung ihnen gegenüber anzufangen.

    Danke dafür!
    Heidi

  2. Ach Anna, Du schaffst es immer die genau richtigen Worte zu finden für das, was in uns Mamas so vorgeht. Es ist gut zu wissen, dass auch bei Euch – scheinbar perfekt nach außen – eben nicht immer nur eitel Sonnenschein ist. Das macht Euch noch viel sympathischer und vor allem nahbarer. Und trotz des Meckerns – das wir alle manchmal kennen – will man diese kleinen Unordnungsverursacher unter keinen Umständen missen. Lieber Chaos und Leben im Haus als Ordnung und Stille!

    Vielen Dank für den Einblick in einen ganz normalen Moment!
    Liebe Grüße, Anna

  3. Ina sagt

    Liebe Anna,
    auch wenn ich deinen Blog für seine positive, herzerwärmende Ausstrahlung und die durch und durch sympathische Berlinmittefamilie liebe, es tut tatsächlich gut auch mal von solchen Tagen zu lesen! Natürlich ist es klar, dass auch bei euch nicht nur die Sonne scheint und alles fein ist. Doch es unterschwellig zu wissen ist das Eine. Real davon zu lesen und es zu sehen (herrlich übrigens der Schuhberg, wie bei uns, halleluja) ist das Andere. Es rundet das Bild ab und lässt es noch mehr menscheln auf deinem Blog. Danke für diesen Einblick!
    Liebe Grüße Ina

  4. Verena sagt

    Ich finds toll auch mal das „halb leere Glas“ zu zeigen. Das ist viel authentischer und ich denke viele können sich dann noch mehr mit Deinem tollen Blog identifizieren!
    Ein toller Bericht aus dem wahren prallen Familienleben:-)

  5. Liebe Anna,
    ich musste gerade ein bisschen lächeln. „Mordor“ – ich wäre niemals auf Idee gekommen, unser Chaos, welches Zuhause manchmal herscht, in einen so guten Begriff zu packen. Das werde ich mir unbedingt merken. 🙂
    Es ist, wie immer, gut zu hören, dass es bei allen Familien manchmal kracht, Reibungen gibt und das es eben nicht immer nur alles Sonnenschein, Pusteblumen und harmonisches Miteinander gibt.
    Wobei ich durchaus glaube, dass du eine Mutter mit viiiiiiel Geduld und ganz viel Ruhe bist. Ich hab neulich deinen Artikel gelesen „Warum darf man bei uns alles?“ (der Titel war so oder so ähnlich?). Bei dem dachte ich auch schon… „Wie gerne hätte ich nur soooo viel Geduld“.
    Vielen Dank für deine Texte, ich les dich immer wieder sehr gerne.
    Bis Bald
    Carola

  6. Stephie Richter sagt

    Liebe Anna,
    ich finde deinen Artikel wunderbar geschrieben und musste schon schmunzeln, bei uns heißt es Darth Mama, der große Sohn liebt StarWars.

    Aber ich finde auch, dass es schade ist, dass Du für das Beschreiben der schönen Seiten Eures Lebens kritisiert wirst. Mir gefällt der optimistische Blick auf das Leben und der liebevolle auf Deine Familie so gut, weil es sich beim Lesen so authentisch anfühlt. Als könnte ich dich beim Tippen Lächeln sehen. Du entscheidest, was Du mit uns teilen willst und das ist gut so!

    Stephie

  7. Sabine sagt

    DANKEEEE für diesen unglaublich herzlichen ehrlichen Artikel.
    Er kam gerade zur richtigen Zeit!
    Jetzt liegt die Mordormama auf der Couch-schmunzelt, klopft sich selbst ein bißchen auf die Schulter und geht die Kinder küssen.

    „Wenn mich noch einer an-mama-t“ -herrlich

  8. Michi sagt

    Liebe Anna,
    Dein Bericht über euer Mordor hat mich gleichzeitig beruhigt und beunruhigt. Bei euch gibt’s auch Chaos und Lärm, Streit und eine genervte Mama. Wie bei uns. Ich finde es gut, dass du das auch Mal schreibst. Es ist doch überall das selbe. Die Kinder hören nicht und die Mama ist genervt vom Chaos. Super beschrieben, lol! Was mich aber beunruhigt: bei dir räumen die Kinder dann TATSÄCHLICH ihren Krempel weg und helfen beim her und wegräumen vom Abendessen…und sie vertragen sich und ihr REDET auch noch darüber! Wahnsinn! Euer Mordor ist bei uns der ganz alltägliche Dauerzustand. Aufräumen und aufhören zu streiten geht nur, wenn ich meine letzten Kraftreserven im Brüllkomando raushole…und selbst dann ist nichts gewiss..irgendwas mach ich wohl falsch. Hilfe, ich lebe in Mordor!

  9. … bei uns ist dann“zapperlot und zapperlat“-MOOD
    Danke Anna! für’s Ehrlich sein und daran erinnern, dass die Erde manchmal wackeln darf aber nie der Boden unter unseren Füßen weggezogen wird – mögen die Kinder und wir!!! auch noch so straucheln …
    Denn mit einer Kindheit voll Liebe kann man für ‚ein ganzes‘ Leben Haushalten – oder wie war das noch… !?
    Rita

  10. Nicole sagt

    Vielen Dank für den Artikel. Ich bin wieder ganz beruhigt, denn ich dachte schon bei uns läuft etwas falsch. Aber nein, es ist wie in allen Familien 🙂

  11. Ich musste so grinsen, als ich den Text las, weil ich gerade vor paar Tagen, irgendwo, war es auf FB, auf Insta, keine Ahnung (Stillhirn eben) an einer Diskussion teilnahm, ob man denn diese Friede-Freude-Eierkuchen-Blogs mag oder nicht (kann man, muss man aber nicht, man muss sich aber auch nicht drüber ärgern, denn man muss ja nicht lesen…). So. Warst Du da evtl. auch dabei oder was das ’ne andere Diskussion? Wie auch immer, ich schrieb, dass ich gerne ehrlich bin und nicht gerne nur Bullerbü-Romantik lese und sehe weil ich mich sonst für eine (noch) schlechtere Mutter halte. Und drum passt Dein Text jetzt gerade super rein so und ich bin froh, dass Du über Mordor berichtest und ich hab‘ die beschriebenen Bilder mit den verstreuten Schuhen und Taschen und den nicht verstauten Znünidosen exakt genau so hier… 😉 Muss ich vielleicht auch mal zeigen, im Sinne von „mehr Realität…“ Danke dafür! 🙂
    Und: nichts gegen das halb volle Glas, aber ich ernte viel mehr Zuspruch wenn ich ehrlich schreibe, wie Kacke ein Tag war, weil sich einfach viel mehr damit identifizieren können (weil’s uns halt allen manchmal so geht, ne…)

  12. Carina sagt

    Spannend, wie du es schaffst, selbst in einem Artikel, der zeigen soll, dass es bei euch nicht immer harmonisch zugeht, am Ende wieder Harmonie und „Bullerbü“ (habe den Artikel von Frau Frische Brise auch gelesen) reinzubringen. Und ich finde, Bullerbü passt hier echt gut: Denn auch in den Lindgren-Geschichten oder anderen, klassischen Kinderbüchern, schimpfen die Mamas und gibt es Streit und am Ende sitzen alle gemeinsam am Tisch oder liegen im Bett und haben sich wieder lieb. Da habe ich mich schon immer gefragt, und frage ich mich jetzt auch bei deiner Schilderung: Ist das realistisch??
    Die Situationen, die du hier beschreibst, sind in unserem 6-Personen-Haushalt (2E, 4K) an der Tagesordnung. Hier wird jeden Tag gestritten und gezankt, geschubst, gehauen, und Sachen rumfliegen lassen (von den Kindern) und – je nach Tageszeit und -form – werde ich dann auch laut. Nur liegt hier hinterher keiner gemeinsam im Bett, kuschelt und redet darüber, was wieso so passiert ist, wie es ist. Soll ich meinen Kindern dadurch zeigen, dass sie immer so weitermachen können, weil wir uns hinterher doch alle wieder lieb haben? Natürlich habe ich sie lieb, das wissen sie auch, das sage ich ihnen auch. Aber sehr viel lieber kuschel ich am Abend mit ihnen gemeinsam, wenn wir zusammen einen schönen Tag hatten, ohne Gestreite und Geschimpfe. Die gibt es auch (ab und an). Abende, wie der von dir beschriebene, enden hier eher so: kein (gemeinsames) Abendessen, kein Fernsehen oder was auch immer vielleicht geplant oder gewünscht wird, ein ganz reduziertes, zusammengestrichenes Abendprogramm, keine Geschichte, frühe Schlafenszeit oder, bei den älteren Kindern, Auszeit in ihrem Zimmer. So haben wir alle den Abend und die Nacht, um runterzufahren und den nächsten Tag mit guter Laune neu zu starten und zu hoffen, dass es auch einmal ohne Streit geht. An solchen Abenden will ich meine Kinder dann tatsächlich auch einfach mal nur unter meinen Füßen weg haben.

    • So machen wir es eben doch alle verschieden, nicht wahr? Zu meinen persönlichen Erziehungswerten gehört es, dass wir uns nicht „böse“ schlafen legen. Selbst wenn uns durch Streit eine Mahlzeit verhagelt ist (das kommt natürlich auch mal vor), will ich, dass wir die Dinge beilegen, bevor wir schlafen gehen. Ich versuche, meinen Kindern dadurch auch das sich Versöhnen beizubringen. Sich zu entschuldigen, Frieden zu schließen, jemandem die Hand zu reichen, mit dem man vorher gestritten hat. Und natürlich geht es auch darum, das eigene Verhalten kritisch anzuschauen: was ist schief gelaufen und warum möglicherweise? Und was können wir, was kann der einzelne verändern, damit es beim nächsten Mal nicht wieder passiert. Das schließt mich und den Vater der Kinder mit ein. Wir halten das für wichtig. Und natürlich auch für richtig, sonst würden wir es ja nicht tun.
      Dabei geht es natürlich NICHT darum, ihnen zu vermitteln, dass sie immer so weitermachen können. Aber sie sollen immer wissen, dass ihnen verziehen wird, wenn sie Mist machen. Dass keiner von uns dem anderen nachhaltig böse ist. Dass wir einander nichts nachtragen, sondern dass wir immer wissen: es gibt nichts, wirklich nichts, das einer von uns tun könnte, damit die anderen ihn nicht mehr in ihre Mitte lassen würden. Für mich ist das auch ein bisschen die Botschaft, dass sie mit allem zu uns kommen können, egal, wie schlimm es ist. Egal, was ihnen passiert oder was sie anstellen – hier ist der safe place und hier ist beim Einschlafen spätestens alles „wieder gut“.
      Ist das Bullerbü? Vielleicht? Ist das realistisch? Auf jeden Fall. Jedenfalls hier bei uns.

      Aber jede Familie muss ihren Weg finden, mit Streit und Auseinandersetzungen umzugehen. Das hier ist nur unserer.

      • MonikaZH sagt

        Meine Erfahrung (als Patchworkfamilie mit eigenen, geleasten, geborgten und geerbten Kindern und Jugendlichen, sprich: eigene, vom ersten oder zweiten Partner eingebrachten Kindern/Jugendlichen und Freunden/innen der Jugendlichen die bei uns wohn(t)en) ist: Konsequenz in der Einhaltung der Absprachen (Schultaschen/Schuhe/Zeugs wegräumen, Aufgaben im Haushalt (Müll rausbringen,…)) ist essentiell. Und Abends nicht „böse“ schlafen gehen hilft sehr, bringt einem aber manchmal kurze Nächte, vor allem in der Pubertät, wenn alle sich erst mal beruhigen müssen und dann stundenlange Diskussionen stattfinden. Aber der Grundstein den man damit in der Kindheit legt trägt auch durch die manchmal echt schwierigen Zeiten der Pubertät wo die Jugend auch mal wirklich Mist baut.

        Ich mag sehr dass in Deinem Blog sehr viele schöne Seiten des Familienlebens gezeigt werden, dass so eine positive Grundhaltung herrscht, aber eben auch: wir streiten auch mal und manchmal ist Mordor 🙂

    • Frauke sagt

      Carina, ich kann Anna nur rechtgeben in ihrer Kommentierung Deines Kommentars. Bei Dir hört sich viel nach Bestrafen an. Und das es nicht funktioniert, siehst Du ja selbst daran, dass es anscheinend der Normalzustand ist. Ohne Buch ins Bett, kein gemeinsames Abendessen etc. wegen ein bisschen Streit und Weigerung aufzuräumen? Es muss ja eine furchtbare Atmosphäre bei Euch sein. Natürlich ist nicht alles Friede-Freude-Eierkuchen, in keiner Familie, aber das,was Du beschreibt, klingt weder für Dich noch für den Rest der Familie lebenswert. Und Auszeiten halte ich für etwas, das den Gegenteiligen Effekt erzeugt. Das löst gar nichts, isoliert nur und macht alle Seiten traurig. Sich hinterher zu vertragen und zu kuscheln heißt doch nicht, dass niemand aus den Streitereien gelernt hat. Es zeigt, dass man das „ich habe dich lieb, egal was ist“ auch lebt, und nicht nur sagt.

  13. Mordor kennen meine Mädels zwar nicht, aber sonst läuft es hier schon mal des öfteren genau so ab. Entweder sie verdünnisieren sich dann in ihre Zimmer, wenn ich loslege, oder sie fangen emsig an, mir zu helfen 😉 Aber zum Glück sind hier auch alle Gewitter schnell wieder vorbei und das ist doch das Wichtigste, oder? Streitkultur muss auch gelernt werden, finde ich. Besser mal laut rausbrüllen als in sich hineinfressen.
    Liebste Grüße, Du liebe Mordor-Mutter!
    Yvette

  14. Hallo Anna,

    als ich gerade den Text gelesen habe, dachte ich: „War sie etwa bei uns?!“. Das Thema Brotdosen, Schuhe, Ranzen habe ich hier auch fast täglich. Schön zu lesen, dass es anderen auch so geht.

    Liebe Grüße
    Tabea (AnMoMi Blog)

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