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Mut statt Angst ::: Interview mit der Juramama zum Thema „Entsorgte Mütter“

Mut statt Angst | Berlinmittemom.com

Im Juni gab es bei NIDO einen Artikel mit dem Schlagwort „Entsorgte Mütter„, der mir das Herz schwer gemacht hat – und den ich auf meiner Facebookseite geteilt habe. Viele Fragen kamen auf, viele verunsicherte Mütter fragten nach den rechtlichen Grundlagen für die Dinge, die im darüber Artikel zu lesen sind, wie eine Mutter von dem Vater ihrer Kinder systematisch abgedrängt, bedroht und von den Kindern entfremdet wird.

Es geht um die vielleicht größte Angst einer Mutter: ihre Kinder zu verlieren.  Ihre Existenz bedroht zu sehen, nicht nur in ihrer Rolle als Mutter ihrer Kinder, sondern ganz grundsätzlich. Im Artikel berichtet eine Mutter auf eindringliche Weise von einer solchen Erfahrung und auf meiner Facebookseite wurde mitgelitten.

Aber mir stellte sich bald die Frage: wie realistisch ist ein solches Szenario eigentlich? Müssen Mütter in gewaltvollen Beziehungen Angst haben, dass ihnen so etwas passiert, wenn sie sich von den Vätern ihrer Kinder trennen?

Ich habe mir zum Beantworten dieser und vieler anderer Fragen meine liebe Kollegin Nina Straßner aka die Juramama eingeladen, die sich als Juristin mit genau solchen Fragen auskennt. Mich haben ihre Antworten nicht nur beruhigt, sie haben mich auch daran erinnert, wie wichtig es ist, sich immer von Profis beraten zu lassen, wenn man unsicher ist.

Meine Fragen (sowie viele der Fragen, die mir per Mail oder direkt im FB-Messenger zu dem Artikel gestellt wurden) und Ninas Antworten lest ihr heute hier, und ich hoffe, sie setzen ein Gegengewicht zu dem Artikel in der Nido.

Entsorgte Mütter: Einzelschicksal oder realistisches Szenario?

Liebe Nina, ich habe dich neulich zu besagtem Thread auf FB herbeigerufen, als ich gemerkt habe, dass durch den NIDO-Artikel bei vielen meiner Leserinnen große Emotionen und Ängste ausgelöst wurden. Ich bekam Emails und Nachrichten mit Fragen, die ich nicht beantworten konnte – ich bin keine Juristin. Du aber schon!

Deshalb bin ich froh, dass du uns deine professionelle Sicht auf den geschilderten Sachverhalt hier noch mal auseinandersetzt.

Du hast mir gesagt, dass Du dem Artikel sehr kritisch gegenüberstehst, während viele in den Kommentarspalten den Tränen nahe sind. Lässt Dich die Geschichte denn kalt?

Ganz und gar nicht, im Gegenteil. Deswegen bin ich so fassungslos über den Artikel. Er ist schädlich. Als Anwältin gehört es zu den Kernaufgaben des Berufes, meine Mandant*innen mit ihren individuellen Problemen ernst zu nehmen. In Rechtsgebieten wie dem Familienrecht oder dem Arbeitsrecht spielen Emotionen und vor allem eigene Wahrnehmungen eine ganz große Rolle. Der Anwalt filtert aus den individuellen Schilderungen die juristisch entscheidenden Informationen heraus. Das merken die Mandanten oft gar nicht. Wenn ich Artikel zu diesen Themen lese ist es vermutlich ein Reflex, dass ich herausfiltere: was ist dran an den juristischen Darstellungen (neben der nachvollziehbaren Emotion)?

Was stört Dich an dem Artikel?

Die juristischen Darstellungen sind hier so dermaßen unzulässig verkürzt und so verdreht dargestellt, wohl zu Gunsten von Dramatik, dass der Artikel Angst schürt, wo keine sein sollte. Gleichzeitig lässt er die Stellen aus, wo wirklich jede(r) vorsichtig sein sollte. Aufgrund der Wortwahl und der Art des Journalismus suggeriert der Artikel außerdem, dass ein solches Ergebnis einer Mutter „passieren“ kann, wenn sie „mal die Fassung verliert“.Und das auch noch „schnell“.  Am Ende steht: „Erschreckend wie schnell eine Mutter ihre Kinder verlieren kann“. Hier fasst die Autorin ein Konglomerat höchst individueller Ereignisse einfach mal zu einer Generalaussage zusammen. Das ist aus meiner Sicht Klickbaiting auf Kosten von Müttern, die berechtigt oder unberechtigt, Angst vor negativen Konsequenzen einer Trennung haben.

In dem Artikel ist die Rede von gesperrten Konten, ungerechtfertigten Unterhaltsforderungen und daraus resultierenden Schulden, von Obdachlosigkeit und materieller Not. Die zitierte Mutter kann keinen Anwalt bezahlen und wird als hilf- und wehrlos dargestellt. Wie realistisch ist so ein Szenario in Deutschland? Kann diese Situation wirklich so entstehen, wie sie hier geschildert wird?

So wie hier geschildert? Nein. Und ich werfe das der Journalistin auch vor. Wir befinden uns hier auf RTL2 Niveau und es passiert auf Deiner FB-Seite gerade genau das, was nicht passieren sollte, wenn man Frauen und ihre Probleme in Beziehungen wirklich ernst nimmt. Hunderte Mütter geraten in Sorge:

„ So kann das laufen? Ach Du scheiße. Ich bin ja auch irgendwie so wie „Carola“, oder eigentlich sogar noch schlechter dran! Mein Mann hat auch mehr Geld als ich und ich betreue zu Hause die Kinder. Ich trenne mich doch lieber nicht. Jetzt hab’ ich Angst.“

 Ich möchte aus professioneller Sicht ganz klar sagen: niemandem muss das passieren, was Carola passiert ist. Solche heftigen Schicksale, ob nun wahr oder nicht, „passieren“ nicht einfach und kommen über eine Mutter wie die sieben Plagen der Johannesapokalyse über die Ägypter. Der Artikel malt Horror-Szenarien auf, hinterlässt das Gefühl der Allgemeingültigkeit, hinterfragt nicht kritisch und löst die aufgeworfenen Szenarien nicht wieder auf. Er fängt mit einem einzigen selbstkritischen Satz an („hätte ich mal früher…“) und arbeitet dann aber nur noch mit Reizwörtern wie „Er machte sie obdachlos“, „er trieb sie in die Schuldenfalle“, „sein Anwalt riet ihm mich fertigzumachen“ und lässt dazu noch ganz bewusst Lücken in der Story, wo wirkliche Information hingehört.  Er bleibt auf diese Weise extrem subjektiv und arbeitet gleichzeitig mit hochkomplexen juristischen Vorgängen. Ich weiß gar nicht wo ich anfangen soll! Allein am Schluss: zu behaupten man habe „Gerichtsakten eingesehen“, suggeriert den Leser*innen, man habe als Journalistin vom Familiengericht die Gelegenheit bekommen, mal eben eine fremde Familiensache in gerichtlichen Archiven nachlesen zu können. Das ist höchst (!) unwahrscheinlich. Wohl eher handelt es sich um Unterlagen die „Carola“ zu Hause hat. Das ist was ganz Anderes und dann schreibt man das bitte auch so hin. Man stelle sich mal vor man müsste sich jetzt auch noch vor Journalistenfreunden des Ex fürchten, der dann die intimsten Details von einem selbst und den Kindern durchforsten darf. Laufende Familiensachen werden sogar nicht-öffentlich verhandelt: eine krasse (und sinnvolle) Ausnahme vom Öffentlichkeitsgrundsatz der Gerichtsbarkeit.

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Machtinstrumente: Anwalt, Umgangsrecht und Kontosperrung

Was ist mit den Anwälten? Hier hat der Anwalt ihrem Mann geraten, sie fertig zu machen. Er riet ihm, die Mutter seiner Kinder für einen zukünftigen Sorgerechtsstreit „doch mal aus der Fassung zu bringen“. Ein Anwalt für den der Ex das Geld hatte und sie konnte sich damals keinen Anwalt leisten. Das sind doch von Anfang an ungleiche Chancen?

Ehrlich gesagt sollte man hier schon aufhören zu lesen. Das alles liest sich wie in das Skript zu einer Barbara Salesch Folge. Genauso wenig wie in echten Gerichtssälen jemals ein aufgebrachter Zeuge hineinstürmt oder aufsteht und dann „auch mal was sagen darf“ und dankbaren Richtern die entscheidenden Tipps gibt, gibt es Szenarien wie diese in der Realität. Ich spreche hier ganz sicher für die gesamte Anwaltschaft und erst Recht für Anwälte, die viel Familienrecht machen: kein deutscher Anwalt außerhalb von dämlichen Vorabendserien steckt mit seinem Mandanten „unter einer Decke“ oder heckt mit ihm gar rechtswidrige, vage Pläne aus (hier sogar mit Gewaltanwendung!) um einen eventuellen Sorgerechtsstreit „vorzubereiten“ und eine zweifache Mutter aufgrund einer außerehelichen Affäre mit dem Kinderarzt aus dem gemeinsamen Hause zu mobben. Anwälte stacheln ihre Mandanten nicht auf. Sie fordern sie nicht zu kriminellem Verhalten auf oder denken sich Pläne aus, wie man dessen Ehefrau „aus der Fassung bringen könnte“. Wir befinden uns hier auf „Ärzte impfen nur weil sie von der Pharmalobby gekauft sind“ – Niveau. Nochmal: das gibt es nicht. Journalistisch halte ich diese Darstellung für unverantwortlich.

Die Schilderung der Situation, in der der Mann seiner Frau körperlich Gewalt antut, bis sie sich wehren muss und sie dann für ihre Gegenwehr zur Gewalttäterin in der Ehe abstempelt oder abstempeln lässt, treibt einem als Leserin die Haare zu Berge. In der Folge wird die Mutter mit sofortiger Wirkung und innerhalb von Minuten aus dem Haus entfernt und ist damit „entsorgt“. Die Rückkehr ist ihr, laut Artikel, nie mehr gestattet. Ist es wirklich so einfach, jemanden ohne weiteres und derartig nachhaltig von seinen Kindern und aus seinem Umfeld zu entfernen?

Ja, mir stehen echt die Haare zu Berge! Auf keinen Fall passiert das nämlich auf die dargestellte Art und Weise. Für ein Gewaltschutzverfahren und erst Recht mit einem solchen Ergebnis braucht es richterliche Anordnungen, Zeugenvernehmungen,  Gutachter, Gerichtstermine, Psychologen, Jugendämter. Es gehen viele Schriftsätze hin- und her. Aber in aller Kürze: keine Mutter muss sich vor dem hier geschilderten „innerhalb von 30 Minuten war ich alles los für immer“- Szenario fürchten. Hier ist so viel falsch, zusammengewürfelt, unvollständig, verdreht, das kann ich gar nicht aufdröseln, ohne 5 Seiten Text zu brauchen.

Was ist mit dem Konto? Ohne ein Konto ist doch fast jeder handlungsunfähig?

Noch so ein Ding. „Er hat mein Konto sperren lassen“ suggeriert, dass sowas möglich ist. Kein Ehemann in Deutschland kann bei der Bank anrufen und ein fremdes Konto sperren lassen. Auch nicht innerhalb von Gewaltschutzverfahren. Auch kein Anwalt kann das mal eben erledigen und nein: auch kein „teurer Anwalt“. Und auch keine „mächtige Familie am Ort“. Hier muss es ebenfalls Beschlüsse geben und die kommen nicht auf einmal dahergeflogen, ohne dass man davon etwas merkt oder vorher etwas dagegen tun kann. Hier wird man geladen und aufgefordert sich zu äußern. Belehrt. IMMER. Es gibt Kontosperrungen, aber nicht aus dem Nichts. Wenn, dann sind mindestens Staatsanwälte beteiligt und das nennt man dann „Arrest“ in Strafverfahren wenn es um Geld und Schulden geht. All das ist hier nicht passiert. Ich will damit sagen: ein Minimum an Eigeninitiative reicht schon um aus der geschilderten Spirale von „Carola“ raus zu sein.

Sie mag das letztendlich sogar erlebt haben und materielle Not ist oftmals eine ganz schwierige und realistische Lage, aber der Artikel suggeriert, dass juristische Vorgänge wie spontane Kontensperrungen eine Frage von Geld, Macht oder findiger Anwälte sein könnten. Vielleicht hatte sie „nur“ eine Kontovollmacht für sein Konto und sie hatte gar kein eigenes Konto? Dann hat er die Vollmacht widerrufen und sie kommt tatsächlich nicht mehr an die gemeinsame Kohle ran. Oder er hat das gemeinsame Konto geplündert. Das ist doch schlimm genug und kommt oft genug vor! Es sollte Frauen warnen, aber dann schreibt man das doch bitte so hin als seriöser Journalist. Und nicht „er sperrte mein Konto“.  Aufklärung sollte hier aber wohl gar nicht erreicht werden, sondern Empörung. Angst. Und natürlich… Klicks.

Sie schreibt, sie habe sich keinen Anwalt leisten können. Ist das hier nicht der Knackpunkt? Anwälte sind teuer und als Laie schafft man das nicht alleine, da durchzublicken. Das kennen viele! Wer hier alleingelassen ist, weiß doch gar nicht was er tun soll?

Das wird hier tatsächlich als Knackpunkt aufgebaut und offenbart die Lückenhaftigkeit des Artikels. Wer in diesem Land anwaltlichen Rat braucht und kein Geld hat, bekommt Beratungshilfe. Und wer in einem Verfahren vor dem Familiengericht nicht genug Geld für einen Anwalt hat, bekommt in Deutschland Prozesskostenhilfe. Das ist Standard und wird sehr häufig in Anspruch genommen, gerade in Familiensachen. Keine Mutter ohne Einkommen muss Sorge haben, dass sie von einer Armada „teurer Anwälte“ plattgemacht werden kann und einsam und anwaltlos den Mühlen von Justizia ausgeliefert wird, die zudem darauf aus ist, sie in den Ruin und ins soziale Aus zu treiben. Da sind auch noch Richter, das wollen wir mal nicht vergessen. Den Richtern sind „teure Anwälte“ mal komplett Banane. Anwälte werden außerdem alle nach einer festen Gebührenordnung bezahlt. Carola bekommt also den „teuren Anwalt“ ganz genauso, nur zahlt ihr den der Staat, wenn sie selbst nicht genug eigene Mittel hat. Anwälte machen zwar durchaus im Einzelfall Gebührenvereinbarungen, werden also manchmal„teurer“, haben dadurch aber auch keine Zauberkräfte, die bewirken, dass der Richter zu ihren Gunsten entscheidet.

Der Verlust von Sorgerecht und derartige Kontaktsperren, das weiß jeder Familienrechtler, sind ein ganz dickes Ding und das wird nicht ausgelöst weil man mal „die Fassung verloren“ und in einer Notwehrsituation dem eigenen Mann in die Hand gebissen hat. Auch Gewaltschutzverfahren werden dadurch nicht ausgelöst und schon gar nicht muss man als Mutter zweier minderjähriger Kinder unter dem Druck von zwei Notfall-Polizisten innerhalb von 30 Minuten die Kreditkarten abgeben und Schlüssel und Dokumente und zwei minderjährige Kinder im eigenen Haus zurücklassen und darf nie wieder rein. Das ist absurd.

Mut statt Angst: Präsenz & Beratung statt Kontaktverbot & Isolation

Ein Schlagwort des Artikels ist „entsorgte Mütter“. Die Mutter berichtet vom Kontaktverbot, von der absoluten Funkstille und der scheinbar uneingeschränkten Macht des Vaters in der Situation. Er hat das alleinige Sorgerecht, sie hat nicht mal ein Umgangsrecht. Wie kann so etwas entstehen? Was können betroffene Eltern tun, wenn es um das Umgangs- und Sorgerecht geht?

Es gibt viele schlimme Familiengeschichten da draußen und die vorliegende ist sicherlich eine davon. Aber die sind höchst individuell und keinesfalls auf der Basis zu betrachten „wie schnell man als Mutter die Kinder verlieren kann“. Man frage mal alleinerziehende Mütter, wie das so lief wenn sie das alleinige Sorgerecht haben wollen oder gar ein absolutes Umgangsverbot (wie hier!) zu einem gewaltaffinen Vater. Die wissen, wie schwer das ist. Um diese Rechte wird erbittert gekämpft und die Familiengerichte sind einiges gewöhnt. Da gibt es keine irreversiblen Schnellschüsse, wie hier geschildert.

Ich mache es mal, dem Artikel entsprechend provokant auf: Wer ein Umgangsrecht mit den eigenen Kindern oder das Aufenthaltsrecht für die Kinder möchte, sollte nach einer Eskalation zu Hause nicht 300km entfernt in die „Anonymität“ ziehen und nicht erreichbar sein. Aber selbst wenn man das tut, würde es nicht zu einem jahrelangen Kontaktverbot der bisherigen Betreuungsperson führen. Wenn Anonymität im Einzelfall aber wichtig ist, weil man vor einem gewalttätigen Mann Angst haben muss, dann sollte man zum Beispiel die Hilfe der Sozialarbeiter im Obdachlosenheim oder im Frauenhaus annehmen. Man sollte dem Rat vom Sozialarbeiter vor Ort folgen und mal zum Anwalt gehen: Die haben sogar immer Notruf-Anwälte vor Ort und die bekommt man bezahlt, wenn man kein Geld hat. Man sollte auch (zum Beispiel) keine „Versäumnisurteile“ kassieren, wie „Carola“. Versäumnisurteile basieren, wie der Name schon sagt, auf einem Versäumnis. Es ergeht nur, wenn man vor Gericht nicht auftaucht oder eben untertaucht in der „Anonymität“ oder keine zustellbare Adresse hat und sich nicht äußert. Man sieht: hier muss sehr viel schiefgegangen sein. Das ist individuell tragisch für Carola, aber ihre Geschichte ist so lückenhaft dass es keinen Grund gibt zu denken, man verliere in Deutschland „schnell seine Kinder“.

Alle Mütter können wohl nachvollziehen, was für ein Horror es sein muss, so von seinen Kindern getrennt zu werden. Der Text löst Angst und Entsetzen aus und sorgt möglicherweise dafür, dass Frauen, die von Gewalt in der Ehe betroffen sind, sich aus Angst vor solchen Konsequenzen nicht wehren oder in ihren Beziehungen verharren, weil sie glauben, dass eine Trennung alles noch verschlimmern würde. Was rätst du aus Sicht der Juristin solchen Frauen?

Ja, das ist der Horror und mir wird allein bei der Vorstellung übel. Das ist ja mein Vorwurf an den Text: Klickbaiting auf Kosten von Frauen, die sich nun sorgen, dass sie ebenfalls so unter die Räder kommen könnten, wenn sie sich gegen den als übermächtig empfundene Partner wehren. Wenn man journalistisch berichtet, dann bitte mit dem gebotenen Augenmaß und mit Hinweis auf ein Einzelschicksal. Man erweist sonst allen Betroffenen einen Bärendienst.

Mein Rat ist: Information ist die halbe Miete. Soziale Kontakte halten ist wichtig. Die Frauen sollten sich frühzeitig informieren, wo Stolpersteine lauern können, wie Kontovollmachten bei fremden Konten oder kein eigenes Konto zu haben. Wenn (und falls) dann der Kampf losgeht: unbedingt anwaltlich beraten und vertreten lassen. Darauf schiebt es Carola ja selbst merkwürdigerweise durchgehend. Nur wird behauptet, es habe am fehlenden Geld gelegen und das ist, wie dargelegt, in Deutschland kein Grund, auf anwaltliche Hilfe zu verzichten.

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Kennst Du solche Schicksale und diese Ängste?

Ja klar! Und Artikel wie diese schüren sie. Daher kommt eine unbegründete Angst von Mandantinnen, dass ihre Konten gesperrt werden könnten, sie ein „Gewaltschutzverfahren“ am Hals haben, wenn sie sich bei häuslicher Gewalt wehren, dass Polizisten sie aus dem Haus eskortieren, dass sie „von Anwälten“ oder vom „Gericht“ und Gerichtsvollziehern so finanziell ruiniert werden können, dass sie im Obdachlosenheim landen. Dass sie Unterhalt zahlen müssen und dafür auf eine Wohnung (Miete) und Lebensmittel“ verzichten müssen. Dass es einfach mal eben „fiktiven“ Unterhalt geben könnte, den auch noch irgendein „teurer“ Anwalt mal eben so festlegen könnte und dazu noch für eine Mutter, die kinderbedingt Jahre aus dem Beruf raus war und vom Jobcenter lebt. Alles so zusammenhanglose, hingeworfene Jura-Fetzen die, wenn sie so dargestellt werden, Panikmache sind. Entsprechend bewegungsunfähig sitzen die Mütter dann bei den Anwälten und denken, ihr Leben ist jetzt vorbei, die Kinder quasi schon weg und sie tragen dann schon mal ihren Schlafsack unter die Brücke.

Du schriebst in unserem kleinen Chat zum FB-Post den kraftvollen Satz: „Lass uns Mut machen, nicht Angst.“ Wie würdest du als Anwältin und Mutter anderen Müttern in solchen Situationen Mut machen? Was können sie ihrer Angst entgegensetzen, damit sie nicht gelähmt in gewaltvollen Beziehungen verharren?

Viele Frauen sind nach einem Beratungsgespräch (für das sie Beratungshilfe bekommen können) total erleichtert, weil die Situation zwar noch immer ziemlich grau, aber nicht so tiefschwarz ist, wie sie dachten. Kein Fall ist wie der andere und ich möchte jeder Mutter da draußen versichern, dass ganz schön viele schräge Sachen zusammenkommen müssen, damit man „Carola“ wird. Ich möchte keinesfalls sagen, dass mir hier das Mitleid fehlt. Diese Frau muss unendlich leiden. Aber der Artikel ist und bleibt ein Einzelschicksal mit vielen Unbekannten und (bewusst?) missverständlichen Formulierungen so sollte man ihn auch verstehen. Das wäre mir wichtig.

Nehmt anwaltliche Hilfe und soziale Angebote in Anspruch. Informiert euch frühzeitig und seid präsent. Taucht nicht unter! Eigene soziale Kontakte halten so gut es geht. Ich weiß wie schwer das ist, aber wir leben Gott sei Dank in einem Land, dass viel Hilfe bieten kann. Diese Hilfe reicht sicherlich nicht immer, das mag sein. Es gibt auch immer mal Fehlurteile und Missstände und nicht immer ist ein Gerichtsurteil oder eine Behörde „gerecht“. Aber diese Geschichte ist weit entfernt von einem Szenario, in das man unverschuldet hineingeraten kann. „Wie schnell man Kinder verlieren kann“ ist ein Satz, den ich so nicht stehen lassen will. Nicht bei Vätern und auch nicht bei Müttern.

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Danke, liebe Nina, für deine ermutigenden und aufklärenden Worte. Es ist doch gut, eine Juramam zu kennen! Wer noch mehr juristische Aufklärung und dazu noch gut geschriebene Unterhaltung möchte, dem lege ich Ninas Buch ans Herz: Keine Kinder sind auch keine Lösung.

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Ich hoffe, euch hat das Interview mit Nina genauso viel schlauer gemacht, wie mich. Ich fühle mich jedenfalls gut aufgeklärt. Und ich hoffe, die NIDO-Redaktion liest dieses Interview ebenfalls…!

 

19 Kommentare

  1. Vielen, vielen Dank für diesen Beitrag.

    Ich habe den Artikel auch gelesen und war schockiert, dass es solche Schicksale gibt. In Frage gestellt habe ich es vor allem deshalb nicht, weil ich die Nido bisher als recht seriöses Elternmagazin mit guten Artikeln empfunden habe. Daher würde mich eine Stellungnahme der Nido bzw. der Autorin hierzu wirklich sehr interessieren. Habt ihr die vielleicht mal angefragt? Oder würdet ihr sie auf diesen Beitrag aufmerksam machen?

    Ich habe gerade keine Lust mehr, diese Zeitschrift zu kaufen. Aber ihre Haltung würde mich interessieren.

  2. Ich habe nur das Interview mit der Anwältin gelesen und bin relativ entsetzt. Zwar mag es sein, dass der berichtete Fall nicht gut recherchiert ist und die Mama auf die ein oder andere Weise auch eine Eigenschuld an ihrem Schicksal trägt, aber: die Anwältin behauptet sinngemäß, „Rechtsanwälte stecken nicht mit dem Mandanten unter einer Decke“ Natürlich tun sie, das. Dafür werden Rechtsanwälte teuer bezahlt. Sie schreiben nicht nur Schreiben ans Gericht, sie geben auch Tips zur Strategie ab, wie Mandanten sich verhalten sollen, um Prozesse zu gewinne. Der Väteraufbruch hat große Listen von Anwälten, die sehr im Sinne ihrer Mandanten arbeiten. Die Rechtsanwältin behauptet weiterhin sinngemäß: „jeder kann in Deutschland einen Prozess führen. Es gibt Beratungsscheine und Prozesskostenhilfe“. Nun muss man aber wissen, dass viele gute Anwälte gar keine Mandanten mit Prozesskostenhilfe annehmen. Und weiter muss man wissen, dass die Anwälte, die diese Fälle anmelden, nicht gerade unendlich viel Zeit in die Fälle reinstecken. Die Anwälte werden für diese Arbeit für arme Mandanten nämlich sehr mickerig entlohnt. Von daher gilt eben doch: wer das Geld hat, hat mehr Rechtsvorteile auf seiner Seite. Auch ist es so, dass sich das Familienrecht, bzw. die Familiengerichtsbarkeit in den letzten Jahren so sehr gewandelt hat, dass es völlig unsicher ist, ob die Mutter nach der Trennung weiter intensiven Kontakt zu ihren Kindern haben darf. Vor diesem Hintergrund ist es sehr wohl erlaubt, zu überlegen, ob es sinnvoll ist, in einer schwierigen Beziehung zum Partner der Kinder zu verharren, um so zumindest das eigene Verhältnis zu den Kindern erhalten zu können. Immer mehr Mütter werden entsorgt. Immer mehr Frauen melden sich in Facebook-Selbsthilfegruppen an. Das alles ist keine Fata Morgana. Das alles ist Realität. Diese Realität möchte die interviewte Rechtsanwältin hier einfach ausblenden. Ich finde es moralisch höchst bedenklich, Mütter in einer Sicherheitsblase zu wiegen. Bettina Landmesser http://www.netzwerk-muetterinitiativen.de

  3. Danke liebe Anna, danke liebe Nina. Euren Beitrag verstehe ich als echten, guten Journalismus. Ich denke, dass sich Menschen zu viele Sorgen machen, weil sie unaufgeklärt sind. Mir geht es ja in Sachen Recht und Ordnung ähnlich. Medien, Zeitschriften und Seiten im Netz profitieren davon und machen aus Angst Geld. Das betrifft oft Mütter, die hier im Netz vieles lesen, weil es mit entsprechenden Überschriften versehen ist. Bildzeitungsniveau auf Kosten von Unwissenden, die sich nachher furchtbar ängstigen und am besten noch die ganze Nachbarschaft anstecken. Das Internet wird ein besserer Platz, wenn es Aufklärung wie eure gibt. Oberklasse, danke! Eure Laura

  4. Pingback: Freitagslieblinge: Wohnen, wo andere Urlaub machen | motzmama

  5. Ich hatte bei dem besagten Artikel ein ganz schlechtes Gefühl, konnte es aber schwer / nicht begründen.
    Nun verstehe ich mein Gefühl besser und bin auch froh, dass mein Gefühl „richtig lag“.

  6. Dani sagt

    Vielen Dank für den tollen Artikel, der klarstellt und aufklärt und eben nicht, wie in dem Kommentar von Bettina beschrieben, eine Sicherheitsböase beschreibt, sondern unbegründete Ängste nimmt. Und zu dem Kommentar: natürlich schreiben Anwälte im Interesse ihres Mandanten. Was sollen sie auch sonst tun. Kein Anwalt, der noch ganz dicht ist, wird aber zu Gewalt aufstacheln. Und wie beeeits im Interview beschrieben wird er auch nicht mickrig bezahlt sondern völlig normal nach der Gebührenordnung (nachzulesen in selbiger). Und Beratungshilfe muss er zunächst nach der Anwaltsordnung sogar leisten! Auch ich denke, dass das Verbreiten halbgarer Horrorszenarien einfach nicht förderlich ist!

  7. Als ich das Interview gelesen hatte, wusste ich sofort dass diese Anwältin mit Familienrecht nichts am Hut hat. Ich Google sie daraufhin und was sehen ich, Anwältin für Arbeitsrecht. Sorry aber die Dame weiß überhaupt nicht wie es in Familienrecht zugeht. In keine Rechtsgebiet wird mehr gelogen und Rechtsbeugung begangen wie im Familienrecht. Zudem muss auch klar sein das die „Justizia“ So Wie der Soziale Bereich kaputt gespart werden. Gutachter sind laut Studien zu 85% mangelhaft. Jugendämter haben längst an Qualität verloren und haben auch gar nicht die Zeit in die Familien richtig rein zu gehen, geschweige an Fortbildungen zum Thema Gewalt ect Teil zunehmen. Geschweige das Jugendamtsmitarbeiter im allgemeinen Sozialen Dienst mit einem Bachelor Abschluss ohne Berufserfahrung gar evtl eigener Erfahrung mit Kinder dort schon ein macht Instrument in die Hände gelegt bekommen, mit dene sie nicht mal umzugehen wissen. Ja es gibt Beratungshilfe und Prozesskosten… aber, wenn man diesen Schein dem Anwalt übergibt ist es nicht so leicht den Anwalt zu wechseln im Falle, wenn er nicht gut ist. Und ja es stimmt tatsächlich, sämtliche Jugendamtsmitarbeiter, Verfahrensbeistände, Umgangspfleger und Richter kennen sich teils auf Gericht so gut, dass sie die Fälle vorab schon so klären und Entscheidungen treffen können bzw den Richter beeinflussen können dass der Fall nicht wie Gewünscht oder wie es hätte ausfallen sollen, ausfällt. Um einen Artikel in dieser Materie als Journalistin zu veröffentlichen übe ich große Kritik an Ihnen. Bevor sie solche Artikel Preis geben sollten sie viel mehr recherchieren, mehrere Anwälte befragen, aber fachbezogen und nicht jemand der Arbeitsrecht macht. Zudem mehrere Betroffene befragen ect… Ich kann Ihnen eine ganze Liste an Anwälten geben die genau diese Schiksale wie von „Carola“ Tag ein Tag aus durch kämpfen und bestätigen können. Tut mir leid, aber ihre Jura Freundin hat kein blassen Schimmer wie es hinter den Türen abgeht. Sehr enttäuschend. Natürlich sollten Mütter keine Angst vor all dem haben, aber sie haben ein Recht darauf zu erfahren wie es wirklich hinter den Kulissen abgeht und sollten sich darauf hingehend vorbereiten. MfG

    • Claudia Haase sagt

      Danke für diesen Kommentar. Ich habe das Familienunrecht 17 Jahre ertragen müssen. Ich halte diesen Artikel gefährlich für alle Mütter die von Gewalt betroffen sind und sich trennen möchten, da er sugeriert, alles prima, euch wird geholfen. Und das ist ein großer Irrtum.

  8. Nadine sagt

    Sicherlich war der Artikel überzogen und eventuell einseitig dargestellt! Dennoch gibt es ähnliche Schicksale, wenn auch nicht viele. Man macht sich einfach kein Bild davon wie perfide manche Männer zusammen mit Anwälten vorgehen um solche Ergebnisse zu erzielen! Eine Frau mittellos zu machen, ist die einfachste Übung! Nämlich dann, wenn sie kein eigenes Konto mehr besessen hat innerhalb der Ehe! Das war auch in dem Artikel so dargestellt! Sicher hat die Betroffene einige Versäumnisse begangen im Kampf um ihre Kinder, aber häufig sind diese Frauen schon aus virrangefangener Zeit so zermürbt, dass diese mit ein bischen Nachhilfe leicht zu triggern sind! Es werden Falken aufgestellt die sorgsam geplant werden! Warum ich das schreibe? Ich habe anderthalb Hahre meine Freundin durch die Hölle begleitet weil ihre Eltern ihr ihre Tichter weg genommen haben! In diesem Zuge habe ich mich sehr viel mit solchen Fälken beschäftigt, man glaubt überhaupt nicht, was sich da für Abgründe auftun, wie Familienmitglieder manipuliert werden, was Anwälte sich rausnehmen und wie Jugendämter arbeiten! Auch wenn mein Fall anders gelagert war, die Grundfesten sind sich ähnlich! Gottseidank hatte sie eine gute Anwältin und hat in letzter Instanz ihre Tochter zurückbekommen, aber zu schreiben, dass das alles fast unmöglich ist, finde ich grob fahrlässig! Zwar ist es laut Gesetzeslage vermutlich so aber recht haben und recht bekommen sind bekanntermaßen zwei verschiedene Schuhe!nur weil solche Dinge fast unvorstellbar sind, dass sie so geschehen, geschehen sie dennoch und Gekd spült dabei eine sehr, sehr große Rolle! Es ist Naiv zu glauben, dass dem nicht so wäre!

  9. Nadine sagt

    Huch, so viele Fehler! Es wurde mit dem Handy geschrieben! Ich hoffe man versteht es dennoch!

  10. auch eine Juramama sagt

    Zugegeben, der Ursprungsartikel ist in manchen Stellen verdammt dünn und es bleiben da viele Fragen offen. Die aber vielleicht aus Schutz für die betroffene Mutter nicht weiter ausgebreitet werden.

    Vielleicht wurde das negative Gutachten über die Mutter das ihr die vom Vater angehängte Diagnose der „Verrücktheit“ dann tatsächlich bescheinigte und das zu dem Kontaktverbot führte, weggelassen.
    Zum ihrem Schutz, sie steht ja wieder im Berufsleben und hat Kontakt zur Tochter.

    Dass 70% aller Gutachten fehlerhaft ausfallen und dass es gerade Mode ist Müttern die sich aus Gewaltbeziehungen trennen „Münchhausen by Proxy“ und „Bindungsintoleranz“ – aufgrund der erlebten Gewalt anzuhängen, ist ja mitlerweile hinlänglich bekannt.

    Wieso es die Mutter 300km weit entfernt von ihren Kindern verschlägt bleibt auch im dunklen.

    Etwas was man als Mutter – wenn man den Kontakt in so einer schwierigen Lage nicht verlieren möchte – tunlichst vermeiden sollte.
    Allerdings auch nicht völlig ungewöhnlich: Eine Mutter will sich trennen. Sie bekommt nur weiter entfernt vom ehelichen Wohnort einen Job, z.b. als Lehrerin. Sie ist verpflichtet zu arbeiten, spätestens ab dem 3. Lebensjahr des Kindes oder ab dem WM.
    Die Kinder drüfen aber nicht aus ihrem gewohnten LEbensumfeld ohne Zustimmung des anderen sorgeberechtigten Elternteiles herausgenommen werden.
    Daher darf sie ihrem Job hinterherziehen. Aber nur ohne ihre Kinder. Diese müssen in ihrem gewohnte Umfeld – dann beim Vater verbleiben, ausser sie hat vorher das ABR alleine erstritten. ABR, das Aufenthaltsbestimmungsrecht. Allerdings: in diesem Normalfall sprechen die Gründe dafür, das ABR dem Elternteil alleine zu geben, der im gewohnten LEbensumfeld der Kindern bleibt. Ausser in Gewaltfällen. Aber hier – das ist auch ausreichend bekannt – ist die Beweisführung unglaublich schwierig. Vor allem herrscht gerade die Meinung, dass die meisten Gewaltbehauptungen aus reiner Bindungsintoleranz frei erfunden wären….

    Der ABR weg und Kinder mitnehmen: sehr schwierig bis unmöglich.

    Also bleibt hier nur: Dableiben, notfalls auf den Job verzichten und lieber fianzielle Einbußen in kauf nehmen. Sich ruinieren lassen beruflich. Dies ist leider Fakt.

    Der zweite Artikel ist hier genauso pauschal und ungenau.

    Genauso was die Aussage angeht: „Er ließ mein Konto sperren“. Klar kann kein Ehemann das Konto der Ehefrau sperren lassen. Hier hat der Artikel natürlich recht. Nur wie sieht das in der Praxis aus? Dies ist eine LAienaussage. Nehmen wir mal an, die Frau ist beruflich ausgestiegen, wie im Artikel geschildert, hat sich alleine um Haushalt und Kinder gekümmert.
    Das ist wohl unbestritten.
    Beruflich ausgestiegen.

    Woher sollte sie also ein ihr gehöriges Konto mit einem ihr gehörigen Gehalt her haben? Wer überweist einer Mutter, die beruflich ausgestiegen ist und die Care Arbeit zu Hause komplett alleine macht ein Gehalt?
    Niemand.
    Daher kann man hier davon ausgehen, dass die Frau hier Laienhaft von einem Konto des MAnnes spricht, auf das er ihr – netterweise – eine Vollmacht erteilt hatte, damit sie z.b. für den Haushaltskühlschrank einkaufen konnte.

    So eine Vollmacht kann der Mann dann juristischerweise komplett korrekt sofort wieder zurücknehmen.
    Und damit steht die Frau ohne Geld da. Unterhalt? Kinder über 3? fehlanzeige.
    Also arbeit. Nur wo? ewig lange ausgestiegen. Vielleicht 300km weit entfernt mit viel Glück?

    vermutlich. Aber dann ohne Kinder.
    Oder erstmal Sozialhilfe.

    Leider trifft den zweiten Artikel genau der gleiche Vorwurf wie der kritisierte Artikel, dass Dinge weggelassen wurden oder viel zu pauschal gesehen werden.

    Oder z.b. die Sache mit dem Anwalt: Klar, jedem steht ein Anwalt auf PKH Basis zu, sollte er z.b. kein Vermögen als Altersvorsorge angespart haben. Dieses ist zuerst zu verbrauchen. Klar. Also steht die Frau dann bevor sie PKH beantragen kann ohne Altersvorsorge da. Ist Fakt, passiert tagtäglich.

    Die Schreiberin aus dem Arbeitsrecht sollte sich einmal auf den Weg machen und versuchen einen Familienrechtsanwalt zu finden, der überhaupt noch Fälle auf PKH Basis annimmt. Im Familienrecht verdient man als Anwalt eh nicht so viel. Von reinen PKH Fällen kann ein Anwalt gar nicht existieren. Das sollte die SChreiberin wissen.
    Dann noch ein Horror – Fall auf PKH Basis? in dem der gegnersche Anwalt stundenlange montiviert Arbeit hineinsteckt, weil er ein teurer Anwalt ist, der nach STUNDENLOHN bezahlt wird? für den sich jede Abreitsstunde rechnet? Gegen einen Anwalt der nur eine ganz geringe PKH Pauschale erhält?

    Dass hier ein ungleichgewicht vorliegt und dass viele PKH Anwälte nur genau so viel arbeiten können, wie die PKH abdeckt, was nur der 0, 8 15 Scheidungsfall ist, aber nicht der Fall mit den Münchhausen und Gewaltvorkommnissen sollte einem Arbeitsrechtsanwalt vielleicht auch noch gerade bekannt sein.
    Da kommt der Verdacht auf, dass was nicht sein soll, nicht sein darf, und man ja nichts über seinen BErufsstand und die bedauerlichen Misstände in seine Gedanken lassen möchte.

    Der Urpsrungsartikel ist leider wirklich sehr lückenhaft. Aber 300km weit wegziehen kann eine Frau heute wirklich nur oft ohne ihre Kinder. Und finanziell sieht es für den Berufsaussteiger auch sehr düster aus. Auch im WM. Bis zur vermögenslosigkeit muss nämlich jedes Verfahren und jedes teure Gutachten selbst gezahlt werden. PKH erhält man erst, wenn man finanziell ruiniert ist. und auch diese muss man dann wieder zurückzahlen, wenn man wieder verdient. Logischerweise, man kann ja das der Allgemeinheit nicht alles Aufhalsen.

  11. auch eine Juramama sagt

    Fazit: Angst ist tatsächlich ein ganz schlechter Ratgeber in solchen Fällen.
    Informationen sind ganz wichtig.

    Nicht 300km weit wegziehen.

    Nicht blauäugig sein, in beide Richtungen nicht.

    Nicht blauäugig vor Panik. Aber keinesfalls wie dieser Artikel hier suggeriert glauben es wäre alles in Ordnung und alles easy, wenn man nicht so wie Carola enden will.

  12. auch eine Juramama sagt

    Jetzt könnte man glauben, klar, der Fehler war, dass sie beruflich ausgestiegen ist. Das sieht im ersten Moment so aus. Doch in solch ungleichen Ehen ist es nicht einfach, als Frau weiter beruflich aktiv zu bleiben, denn: die Kinder kann man als verantwortungsbewußte Mutter schlecht sich selbst überlassen. Einem vielverdienenden Karrierebewussten Ehemann klar zu machen, dass er mindestens die Hälfte der Elternzeit übernehmen muss, das ist nahezu unmöglich, bzw. führt dann sofort zur Trennung.
    Ohne eigenes Konto mit Geld drauf (ich kenne einige Fälle, wo nur ein bares Taschengeld ausgeteilt wird ist alles schwierig bis unmöglich.

    Seit es das geteilte Sorgerecht gibt, muss bei jeder Krippenanmeldung oder Kindergartenanmeldung der Ehemann oder getrennte Elternteil mit unterschreiben.

    Was nun, wenn der vielverdienende Karriereehemann findet, dass das Kind nicht in die Krippe soll? Da bleibt dann auch nur die sofortige Trennung. Und dann der Sorgerechtstreit.

    Auch für eine Ganztagsschulanmeldung muss man einen Sorgerechtstreit gewinnen, wenn sich der nicht alltagsbetreuende Elternteil hier seine Unterschrift nicht freiwillig gibt. Und ohne teilweise Ganztagesbetreeung ist auch der berufliche Widereinstieg nicht wirklich möglich…. Ein Teufelskreis, wie man sieht, wenn man genauer hinsieht.

  13. Johanna sagt

    Danke für das Interview. Zusammen mit den Einwürfen der Kommentarspalte ergibt sich für mich der Schluss, dass es in schwierigen Situationen ganz generell darauf ankommt, aktiv zu sein und nicht in eine passive Opferrolle zu rutschen bzw. sich aus so einer herauszuschaufeln, etwas, das man sowieso nie früh genug anfangen kann. Für mich ist das ein ganz großes Thema in den letzten Monaten, zu bemerken, wie sehr ich und viele Frauen und in anderen Kontexten auch Männer aus solchen Opferrollen heraus handeln, und das anzugehen… Ich habe tatsächlich erst mit dreissig die Erfahrung gemacht, dass es wirklich hilft, offen, verletzbar und interessiert auf die Gegenseite zuzugehen, von den eigenen Schwierigkeiten zu berichten ohne einen Vorwurf in den Raum zu stellen. Tatsächlich kam dann die Entdeckung, dass man auf der anderen Seite genau so ein Mensch ist wie ich, auch eigene Probleme hat und an einer Lösung ohne Schuldigensuche interessiert ist, und dass sich so etwas bewegt. Das konnte ich dann sukzessive auf alle Lebensbereiche übertragen, wenigstens was meinen Blickwinkel angeht für den Anfang. Für mich war das wirklich eine Revolution und Befreiung, denn bis dahin war ich in jedem Kontext (politisch, gesellschaftlich und privat)! in dem düsteren Weltbild gefangen, in dem es nur böse Täter und ohnmächtige Opfer gibt. Die Anspielung auf das Impfthema war auch genau sowas, Treffer versenkt ;). Ich glaube, das hat etwas mit dem großen, in der Kindheit angelegten Thema Selbstwirksamkeit zu tun. In Bezug auf Ehe, Familie und Beziehung möchte ich mich heute lieber an den Paaren orientieren, die es gut hinbekommen, auch über eine Trennung hinweg, und an mutmachender, informativer und nicht verurteilender, nicht schwarzweißer Literatur, wie Dein Blog ‚eine‘ darstellt ;).

  14. Klara sagt

    Eine meiner besten Freundinnen ist/war eine engagiert Mutter und hat aufgrund der Rechtsverdrehungen der Anwältin des Kv ihre beiden Kinder verloren – völlig zu unrecht. Das Jugendamt hat zwar auch eine große Rolle gespielt, aber durch ihre Geschichte kommt sie immer mehr in Kontakt mit Müttern, denen es genauso geht.

  15. auch eine Juramama sagt

    „dass es wirklich hilft, offen, verletzbar und interessiert auf die Gegenseite zuzugehen, von den eigenen Schwierigkeiten zu berichten ohne einen Vorwurf in den Raum zu stellen. Tatsächlich kam dann die Entdeckung, dass man auf der anderen Seite genau so ein Mensch ist wie ich, auch eigene Probleme hat und an einer Lösung ohne Schuldigensuche interessiert ist“

    Das funktioniert bei einer normalen Trennung mit zwei psychisch gesunden Menschen. In einer Beziehung wo massive Gewalt, Morddrohungen usw. vorliegen wirst du keinen Menschen auf der anderen Seite finden, der „an einer Lösung ohne Schuldigensuche interessiert ist“.

    Hier sieht man wieder wie wichtig es ist zwischen normalen Trennungsfällen und Trennungen aufgrund von Gewalt zu unterscheiden!

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