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Gewitter im Kopf ::: Kopfschmerzen bei Kindern und Jugendlichen

WERBUNG | Der Tag beginnt nicht gut für mein großes Mädchen. Ich möchte sie für die Schule wecken und sehe gleich was Sache ist, als ich das Licht in ihrem Zimmer anknipse. Sie hält die Hand vor die Augen, das Licht tut ihr weh und ihr Gesicht ist schmerzverzerrt. Es ist einer dieser Tage, der mit Kopfschmerzen beginnt.

Tatsächlich sind Kopfschmerzen in meiner Familie weit verbreitet, schließlich bin auch ich Migränepatientin, ebenso wie meine Mutter es war – und ihre Mutter vor ihr. Mein Herzensmädchen steht also in einer langen Reihe von traditionell kopfschmerzgeplagten Frauen und ist offenbar leider nicht die Ausnahme der Familienregel. Ich würde nicht jeden Kopfschmerz gleich als Migräne bezeichnen, schließlich braucht es für die richtigen Diagnosen auch richtige Ärzte, keine Hobby-Medizinerinnen, aber wenn man von sich selbst bestimmte Symptome wie beispielsweise Licht- und Geräuschempfindlichkeit gut kennt, erkennt man sie auch leichter wieder.

Ich erinnere mich gut an meine erste Migräneattacke im Alter von ungefähr fünfzehn Jahren: sie begann mit einer Sehstörung, die ich nicht zuordnen konnte, gefolgt von furchtbaren Kopfschmerzen und Übelkeit. Ich musste mich übergeben und lag stundenlang im abgedunkelten Zimmer, wo ich regungslos wartete, bis es vorbei war. Danach fühlte sich mein Kopf an, als sei ein Gewitter durchgezogen. Im Laufe meines Lebens habe ich seitdem viele verschiedene Phasen und Qualitäten von Migräne und Kopfschmerzen durchlaufen und habe eine ganze Zeit gebraucht, um die Faktoren zu identifizieren, die zu den Migräneanfällen oder Kopfschmerzepisoden führen.

Meine persönliche Erfahrung damit kommt heutzutage meiner großen Tochter zugute, und ich bemühe mich, die individuellen Faktoren, die bei ihr zu Kopfschmerzattacken führen, in den Griff zu kriegen und wenn es geht sogar auszuschalten.

Wie bei mir hängen die Kopfschmerzphasen auch bei ihr mit hormonellen Phasen in ihrem Zyklus zusammen, aber auch zu wenig Schlaf und andere Faktoren spielen eine große Rolle. Und dann ist da der Stress. Ihrer ist ein anderer als meiner, aber auch Druck in der Schule oder in der Peergroup macht Stress und kann Kopfschmerzen begünstigen.

Die Auslöser erkennen wir inzwischen recht eindeutig, so dass wir mit ein paar einfachen Maßnahmen und Anpassungen im Lebensstil dafür sorgen können, sie auszuschalten oder zu minimieren.

Unsere 5 vorbeugenden Maßnahmen gegen Kopfschmerzepisoden

Genügend Schlaf

Teenager neigen zu nächtlichen Telefon-, Bingewatching-, Social Media oder Lesearien, was regelmäßig dazu führt, dass sie nicht genug Schlaf bekommen und morgens bleich wie die Vampire aus ihren Zimmern taumeln, wenn man sie zur Schule weckt. Bei allem Verständnis für diese selbstbestimmte Art, die Nächte zu verbringen: zu wenig Schlaf ist ein verlässlicher Faktor bei Kopfschmerzepisoden und Migräneattacken. In unsrem Fall ziehe ich tatsächlich regelmäßig die Geräte ein, damit das Kind zur Ruhe kommt.

Ausreichend Bewegung

Ein Körper, der sich viel und regelmäßig bewegt, wird gut durchblutet und mit Sauerstoff versorgt, das allein vermindert schon das Kopfschmerzrisiko. Aber die regelmäßige Bewegung sorgt außerdem dafür, das Muskeln sich nicht verkürzen und verhärten, wenn die Kinder viel über ihre Bücher (oder Smartphones…) gebeugt sitzen. Verspannungen im Halswirbelbereich sind ebenfalls ein großer Faktor für die Entstehung von Kopfschmerzen bei Kindern und Jugendlichen, aber dem kann schon mit ausgedehnten Spaziergängen entgegengewirkt werden.

Fitnessboxen | Berlinmittemom.com

Samstags absolvieren wir gemeinsam unsere Einheit Familiensport und einmal in der Woche geht sie zusätzlich zum Fechten, während ich zwei Mal mein Personal Training mache. Mein kleiner Luxus, den ich uns ein paar Mal im Jahr gönne: wir lassen uns von einer Shiatsu-Therapeutin anschauen und „ausrichten“. Es fühlt sich jedes Mal an, als würden unsere Körper gerade gerückt und man könnte wieder tief durchatmen. Der Kopf wird ganz leicht und ich fühle förmlich, wie mein Körper Stress loslassen kann und sich entspannt.

Ernährung: wenig Zucker, viel Flüssigkeit

Zucker ist ein absoluter Trigger für Kopfschmerzen bei mir, das gilt für Süßspeisen genauso wie für weißmehlhaltige Lebensmittel und Alkohol. Alkohol spielt für meine Tochter noch keine Rolle und natürlich verbiete ich ihr nicht komplett, Süßigkeiten zu essen. Aber es macht sich auch bei ihr als auslösender Faktor bemerkbar und so versuchen wir, darauf zu achten, dass sie während stressiger Zeiten mit wenig Schlaf nicht auch noch zu viele Süßigkeiten isst, auch wenn das gerade dann verführerisch erscheint. Dazu kommt, dass ich bei all meinen Kindern darauf achte, dass sie genügend trinken: Wasser, Kräutertee und Schorle. Auch ein ausgewogener Flüssigkeitshaushalt sorgt für gute Durchblutung und minimiert die Gefahr von Kopfschmerzattacken. Für die Lust auf Süßes helfen wir uns mit selbstgemachten Smoothies in allen Farben – die lieben hier alle.

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Stress erkennen, Stress minimieren, Stress abbauen

Schon Kinder und Teenies haben Stress. Es geht um die Schule, Examen und Zeugnisse, um Ärger mit Lehrern oder um Beef mit Kids aus der Klasse. Aber auch Leistungsdruck im Sport macht Stress, Konkurrenzkampf ganz allgemein. Gerade in einem Alter, in dem sie sich so stark verändern, stehen Teenager oft stark unter Druck: ein auslösender Faktor für Kopfschmerzen, so sicher wie das Amen in der Kirche. Also gilt es, den Stress zu minimieren oder ihn abzubauen, sobald er entsteht.

Kinder brauchen einen Ausgleich zur Schule. Sie brauchen auch Freunde außerhalb der Klasse und sie brauchen Freiräume, in denen sie sich nicht ständig messen müssen oder auf dem Prüfstein stehen, selbst wenn die Dramatik der einzelnen Situationen objektiv gesehen gar nicht so massiv ist, wie es sich subjektiv für die Kids anfühlt. Wir als Eltern können dafür sorgen, dass unsere Kinder die Freiräume haben und behalten, in denen sie sie selbst sein können, egal, was in der Schule ist. Das kann entspannte Zeit mit vertrauten Menschen sein oder aber ein Hobby, bei dem sie sich ausdrücken und entfalten können.

Zusätzlich machen mitunter Meditationsübungen Sinn. Aber auch positive Selbstbestätigung und kleine Mantras können Stress minimieren. Mein Lieblingsspruch, der uns beide immer ein bisschen erdet, wenn wir drohen, im Stress unterzugehen ist: „Ich bin richtig, wie ich bin. Es ist nur ein schlechter Tag/Moment/Phase – und es geht vorbei.“ Am besten probiert man gemeinsam mit den Kindern aus, was für sie am besten passt.

Streicheleinheiten für die Seele

Druck von außen und ein unvernünftiger Lebenswandel können also auslösende Faktoren für Kopfschmerzattacken sein. Aber wir Menschen sind nun mal komplexer gemacht: wir sind nicht nur störanfällige Körper, wir sind fühlende und denkende Wesen. Wenn wir Kinder sind, Babys gar, bekommen wir in der Regel alle Zuwendung, die wir brauchen, wir werden getragen und in den Schlaf gewiegt, wir schlafen dicht bei unseren Eltern und verbringen die meiste Zeit mit ihnen. Je älter wir werden, umso unabhängiger werden wir, zuerst als Kinder, dann als Teenager, dann als Erwachsene. Aber Liebe und Zuwendung, die Nähe von vertrauten Menschen, bei denen wir uns fallen lassen können, brauchen wir noch genauso sehr, wie die Babys, als die wir starten, auch wenn wir jetzt natürlich ansonsten für uns selbst sorgen können.

Mutter & Tochter Berlinmittemom | berlinmittemom.com

Teenager brauchen Nähe und Stabilität vielleicht mehr als in den Kinderjahren zuvor und ich bin mir sehr sicher, dass Zuwendung und echtes Interesse an dem, was unsere Teenies so denken, fühlen und tun, als Präventivmaßnahme für stressbedingte Kopfschmerzen funktionieren. Denn Nähe und zugewandte Fürsorge durch einen vertrauten Menschen, bei dem wir uns sicher fühlen, sorgt bei uns allen für Entspannung.

Also lasst uns mit unseren Teenies reden und wenn sie nicht reden wollen, lasst uns einfach zusammen sein. Etwas Schönes tun, wie gemeinsam kochen und essen oder etwas Kleines unternehmen. Es muss gar nichts Großes sein. Interessieren wir uns für das, was in ihrer Welt vorgeht und bleiben wir in ihrer Nähe. Das kann überhaupt niemals schaden, egal, ob wir damit wirklich Kopfschmerzen verhindern können, oder nicht.

Kopfschmerzen sind auch bei Kindern und Teenagern im Alltag nicht immer vermeidbar und wenn sie gehäuft auftreten oder in unkontrollierbaren Attacken und Schüben auftreten, sollte man natürlich immer einen Arzt aufsuchen und das Kind vorstellen. Wann Kopfschmerzen „nur“ Kopfschmerzen und wann sie Migräne sind, ab wann man zum Arzt gehen sollte und was man ansonsten als Eltern vorbeugend tun kann, wenn die Kinder und Teenies unter Kopfschmerzen leiden, dazu gibt es auf der Seite der Initiative Schmerzlos einiges an Informationen.

Wie bei uns gibt es aber im Alltag wirklich einiges, das man tun kann, um die auslösenden Faktoren zu entschärfen und so die Attacken abzufangen oder sogar zu vermeiden. Für mich als Mutter war es wichtig, zu lernen, auch bei den vermeintlich schon so „großen“ Kindern genau hinzuschauen, die Bedürfnisse wie bei den Kleinen wahr- und ernst zu nehmen und nicht einfach nur die Symptome zu behandeln. Auch große Kinder reagieren empfindlich auf ihr Umfeld, in unserem Fall auch mit Kopfschmerzen.

Unterm Strich kommen das Herzensmädchen und ich beide fast ganz ohne Schmerzmittel aus, wenn wir uns an unsere eigenen fünf Regeln halten. Gerade bei Migräne ist es essentiell wichtig, die Faktoren zu kennen, um die Attacken abzufangen bzw. gar nicht erst entstehen zu lassen. Ich glaube, bei meinem großen Mädchen setzen wir da an einem guten Punkt an, weil sie noch so jung ist und die Episoden recht selten auftreten.

Kennt ihr auch solche Kopfschmerzepisoden bei euren Kindern? Und seid ihr euch bewusst darüber, was die Auslöser sein können? Was sind eure Erfahrungen damit?

 

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1 Kommentare

  1. Annie sagt

    Hallo Anna,
    ich danke dir für diese tolle, lebensnahe Zusammenfassung. Wir achten hier vor allem auch auf die Zähne unserer zehnjährigen Zwillinge. Noch treten die Kopfschmerzen selten auf, doch oft ist ein Zusammenhang mit dem Durchbruch eines neuen Zahns, dem planmäßigen Verstellen der Zahnklammer o.ä. feststellbar – das lässt sich zwar nicht ändern, trägt aber doch zum Verständnis bei. Und ohne gute kieferorthopädische Behandlung geht es bei uns gar nicht: mir sind in meiner Jugend die Zähne auch gerichtet worden, nur leider wurde dabei nicht richtig auf den Aufbiss geachtet, so dass Ober- und Unterkiefer nicht ganz zusammenpassen – die Folge sind eine mittlerweile dauerhaft geschädigte Kieferbandscheibe und ständige Verspannungen in der Kiefer-Gesichts-Muskulatur, die ohne regelmäßige Physiotherapie und albern anmutende Entspannungsübungen vorm heimischen Spiegel zu bösen Migräneattacken führen. Ich bin sehr dankbar, dass wir dieses Jahr darin endlich die Hauptursache für meine Migräne gefunden haben, so dass ich dank obengenannter Behandlung mittlerweile 80% weniger Anfälle habe bzw. die übrigen 20% deutlich weniger heftig ausfallen. Und vielleicht liest ja jemand diesen Kommentar, bei dem es beim Thema Zähne auch „klingelt“…
    Liebe Grüße
    Annie

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