Alle Artikel in: herz & seele

Brief an eine Mutter | Berlinmittemom.com

Bereust du, dass ich da bin? ::: Regretting Motherhood aus Sicht des Kindes

Dieser Artikel ist überfällig, schon lange. Nicht nur, weil mich das Thema damals sehr bewegt hat: Regretting Motherhood. Nicht nur, weil ich eine der Mütter bin, die immer wieder verbale Dresche dafür kriegt, dass sie in dieser (Mutter)Rolle grundglücklich ist, trotz aller Herausforderungen, Abgründe, der riesigen Aufgabe, die auch mich mitunter erdücken kann – wie uns alle. Nicht, weil es hier um mich ginge. Darum nicht.  Sondern weil es in dieser ganzen (wichtigen) Diskussion über #regrettingmotherhood eine Gruppe Menschen gibt, denen keiner zuhört, die keine Stimme und kaum eine Lobby haben: es sind die Kinder der Mütter, die ihre Mutterschaft nachhaltig bereuen. Und nein, ich meine nicht die Mütter, die manchmal ausbrechen wollen, die sich nach Ruhe und ungestörtem Nachtschlaf sehnen, die sich nach Pausen sehnen, nach Entlastung und nach Unterstützung. Die meine ich nicht. Es geht um die Mütter, die niemals, ihr ganzes Leben lang nicht mit ihrer Mutterrolle klar kommen und darum, wie sie damit umgehen. Denn so sehr ich auch verstehe, dass es wichtig für sie ist, das äußern zu dürfen, sich ausdrücken zu dürfen, …

Am Grab | Berlinmittemom.com

die grundmelodie der trauer ::: über besuche am grab und rituale

Letzte Woche war ich mit den Kindern am Grab meiner Mutter. Wir machen das jedes Mal, wenn wir in der alten Heimat sind und jedes Mal berührt es mich. Das Grab ist der Ort geworden, an den ich konkret gehen kann, dort kann ich Blumen einpflanzen oder aufstellen, Kerzen anzünden und eine liebevolle Geste da lassen. Ich habe wenigstens für den Moment das Gefühl, ich könnte noch etwas für meine Mama tun, auch wenn es nur ein kleines Ritual der Widmung und der Trauer ist. Aber ich gehe gern ans Grab, und vielleicht hat das mit meiner katholischen Sozialisation zu tun, denn ich erinnere mich an die Gänge "auf's Grab" zu allen möglichen Anlässen im Kirchenjahr als etwas durch und durch Positives. Ich liebte meine Großeltern und die Schwestern, den Bruder und die vielen Cousinen meiner Mutter und natürlich meinen eigenen Cousinen und den einen Cousin, und all diese lieben Menschen trafen sich dann und standen am Grab beispielsweise der Urgroßeltern. Und es wurde geredet, gelacht, Kerzen angezündet, Blumen arrangiert, manchmal wurde gesungen und in meiner …

Flatlay Kraft der Erinnerung | Berlinmittemom.com

anker der liebe ::: über vergänglichkeit und die kraft der erinnerung

Neulich saß ich mit einer Runde lieber Freundinnen beim Frühstück und wir quatschten über unsere Leben und Kinder und Jobs und einfach alles. Und ich weiß nicht mehr wie, aber irgendwann erzählte ich eine Anekdote aus dem Leben meiner Uroma, der Großmutter meiner Mutter, die zu den sagenumwobensten Figuren meiner Familiengeschichte gehört und von der mir schon als Kind erzählt wurde. Zitate von ihr haben sich bis heute in meiner Familie gehalten und wenn ich meine Geschwister, Tanten oder Cousinen treffe, fallen auch bei ihnen die Zitate und Sprüche, die von dieser Uroma Trudi stammen. Genau wie ich als Kind, lieben auch meine Kinder die lustigen und außergewöhnlichen Geschichten über ihre Vorfahrin und hören kichernd und fasziniert zu. Obwohl sie sie nie kannten und ich sie nie kannte, ist sie unvergessen und lebt in den Geschichten in der Familie fort. Bilder gibt es von ihr nur wenige, aber das liegt natürlich an der Zeit, in der sie geboren wurde und gelebt hat und in der Fotos ohnehin eine Seltenheit waren. Aber durch die sagenhaften Geschichten …

Kinder am Strand auf Sylt

meine privilegierten kinder ::: über privilegien und verantwortung

Meine Kinder sind mein Ein und Alles. Sie sind meine erste Priorität, ob ich wache oder schlafe. Sie sind in meinem Herzen auf Platz Eins. Ihr Wohlergehen ist mein erster Gedanke, ihre körperliche und seelische Unversehrtheit meine Verantwortung, ihr behütetes Aufwachsen das, wofür ich arbeite, jeden Tag. Ihr Vater und ich tun alles dafür, dass sie gut groß werden und alle Chancen und Möglichkeiten haben. Wir sind ihre Eltern. Wir beschützen sie, wenn es sein muss, wir fordern sie heraus, wenn sie es brauchen, wir lassen sie los, wenn es Zeit ist, wir halten sie in unseren Armen, immer, wenn sie es möchten. Wir sind die Basis und das Nest. Wir bereiten den Boden, auf dem sie sicher stehen und gehen. Wir lieben sie bedingungslos, egal, was sie tun und genauso, wie sie sind. So verstehen wir unser Elternsein. Und ich bin sicher, dieses Gefühl für unsere Kinder teilen wir mit allen Eltern auf dieser Welt. Aber nicht alle Familien haben dieselben Bedingungen. Nicht alle Eltern können diese Wünsche, Gefühle und Gedanken, ihr persönliches Verständnis von …

Gedenktag für alle verstorbenen Kinder, verwaiste Eltern, Trauer, Abschied, Loslassen, Sternenkinder, Nils, Melanie Garanin, Leukämie, Kaiserinnenreich, kleine Kaiserin, Verlust

es werde licht ::: gedenktag für alle verstorbenen kinder

Es gibt Dinge, die dürfte es gar nicht geben, aber dennoch gibt es sie. Solche von der unangenehmen Art, solche von der kaum erträglichen Art und dann diese, von denen man nicht mal ahnen könnte, wie sie zu ertragen seien: der Tod des eigenen Kindes. Nicht, dass der Tod ansich nicht schon immer unfassbar schwer zu ertragen ist, aber das ist die Königsklasse des Unerträglichen. Unsäglichen. Höllischen. Ich habe nicht mal ein einziges Wort, das beschreiben würde, wie sich das anfühlen muss. Aber es gibt viele Eltern, die das Gefühl kennen. Die ihre Kinder begraben mussten, sich verabschieden, sie loslassen. Und die irgendwie weiterleben. Wie sie das machen, ist allen anderen völlig unklar, und soweit ich das verstehe, gibt es eben keinen Masterplan, an den man sich halten könnte und der einen mit einer Art Karte durch dieses neue Leben führen könnte – ohne Kind. Oder mit einem weniger als zuvor. Es ist schier – unvorstellbar. Als ich 13 war, so alt wie mein Herzensmädchen jetzt, starb eine enge Freundin an einem Gehirntumor, kurz nach …

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wo die wilden kerle wohnen ::: brief an eine mutter IV

Liebe kleine Mama, eben saßen wir zusammen und sahen deinem Baby beim Spielen zu, wie so oft in den letzten zehn Tagen. Mir gehen so viele Dinge durch den Kopf, wenn ich euch zusammen sehe und mir wurde klar, es wird wieder Zeit für einen neuen Brief an dich, einen Brief an eine Mutter, wie ich schon einige geschrieben habe – inspiriert durch dich und dein Kind. Dein Baby ist kein Baby mehr, so viel ist uns beiden klar, auch wenn wir es immer noch "Baby" nennen. Es ist ein Kind. Ein Kleinstkind von 17 Monaten, ein wunderbarer, leidenschaftlicher Wirbelwind, der durch das Haus fegt und alles und alle mitreißt. Es ist dein Sohn, der jetzt läuft, am Tisch mit isst, erste Worte spricht und sich überhaupt sehr vielfältig ausdrückt.  Ich beobachte fasziniert, wie er sich wieder verändert hat, seit ich euch im Juli zuletzt gesehen hatte und stelle fest, dass ich fast vergessen hatte, wie es ist, ein so kleines Menschenkind im Haus zu haben. Jemanden, dessen kleiner Geist noch nichts weiß von Regeln oder …

Gänseblümchen pflücken, Leben mit Kindern, Dankbarkeit, Menschsein, Helfen, Obdachlose, die Welt retten, make the world a better place,

der kaffee auf der parkbank ::: eine geschichte vom menschsein

Es ist Montag früh. Ich stehe in meiner Küche und mache Kaffee für den Mann und mich und mische Saft und Wasser für die Kinder. Im Toaster bräunen drei Scheiben Vollkorntoast und eins nach dem anderen torkeln die müden Schulkinder die Treppe herunter und lassen sich auf ihre Plätze am Tresen fallen, wo sie immer frühstücken. Das Radio dudelt, der Kaffee duftet und ich lasse meinen Blick aus dem Fenster auf die kleine Grünfläche vor dem Haus schweifen – da sehe ich sie. Auf der Parkbank, nur zwanzig Meter von meinem Küchenfenster entfernt, liegt eine Frau. Sie hat sich in eine große rotkarierte Wolldecke eingewickelt und schläft, den Kopf auf ihrer Tasche. Ihre Sandalen stehen fein säuberlich unter der Bank und unter ihren Füßen hat sie eine weitere Tasche eingerollt. "Da liegt jemand", kommentiert der Mann ganz richtig, als er Milch in die Kaffeebecher gießt und mir einen reicht. Die Kinder werden munter und gehen an die Balkontür, die ebenfalls auf die Grünfläche zeigt. "Ja, da liegt jemand. Eine Frau!" "Warum liegt die da, Mama? Ist …

Hand in Hand, Mütter sterben, Krebs, Kinder, aufwachsen ohne Mutter, Elternsein, Leben mit Kindern, Miriam Pielhau, Brustkrebs, Waise

hand in hand ::: wenn mütter sterben

Heute ist mein Geburtstag. Der Tag war fabelhaft. Er begann mit meinen süßen Kindern, die sich in meinem Bett auf mich stürzten und mir mit den zauberhaftesten Briefen und Gebasteltem gratulierten. Dann hatte ich wahnsinnig viel Zeit für mich – was für ein Geschenk. Und dann, als ich mich gerade verboten gut gelaunt auf den Weg in die Schule machte, um meine Kinder abzuholen, las ich es auf diversen Newsseiten: Miriam Pielhau ist gestorben. Gestern. An Krebs. 41 Jahre alt. 4jährige Tochter. Und das Gedankenkarussel beginnt sich zu drehen. Miri Pielhau war eine Frau mit wahnsinniger Strahlkraft. Ich liebte ihre Stimme, als sie noch in den 90er Jahren für den WDR als Radiomoderatorin auf meinem Lieblingssender 1Live zu hören war, ich liebte sie, wenn sie witzig und eloquent diverse Events moderierte und als ich sie vor vier Jahren auf dem Geburtstag einer gemeinsamen Freundin kennenlernte, sah ich, dass diese Frau all das war, was ich aus der Ferne gespürt hatte: liebevoll, lebensweise, zugewandt, humorvoll, verliebt ins Leben und so energiegeladen, dass es schien, es summte …