Alle Artikel mit dem Schlagwort: trauer

Am Grab | Berlinmittemom.com

die grundmelodie der trauer ::: über besuche am grab und rituale

Letzte Woche war ich mit den Kindern am Grab meiner Mutter. Wir machen das jedes Mal, wenn wir in der alten Heimat sind und jedes Mal berührt es mich. Das Grab ist der Ort geworden, an den ich konkret gehen kann, dort kann ich Blumen einpflanzen oder aufstellen, Kerzen anzünden und eine liebevolle Geste da lassen. Ich habe wenigstens für den Moment das Gefühl, ich könnte noch etwas für meine Mama tun, auch wenn es nur ein kleines Ritual der Widmung und der Trauer ist. Aber ich gehe gern ans Grab, und vielleicht hat das mit meiner katholischen Sozialisation zu tun, denn ich erinnere mich an die Gänge "auf's Grab" zu allen möglichen Anlässen im Kirchenjahr als etwas durch und durch Positives. Ich liebte meine Großeltern und die Schwestern, den Bruder und die vielen Cousinen meiner Mutter und natürlich meinen eigenen Cousinen und den einen Cousin, und all diese lieben Menschen trafen sich dann und standen am Grab beispielsweise der Urgroßeltern. Und es wurde geredet, gelacht, Kerzen angezündet, Blumen arrangiert, manchmal wurde gesungen und in meiner …

Trauer, Umgang mit Trauer, Verlust, Tod, Trauerphasen

ein meer voll ungeweinter tränen ::: über trauer und verwandte gefühle

Trauer. Wie verläuft sie? Wie fühlt sie sich an? Was macht sie mit uns? Wie trauert man "richtig" und was hilft Trauernden eigentlich wirklich? Seit die Trauer zu meinem Leben gehört, befasse ich mich hier immer wieder mit den verschiedenen Aspekten von Verlust und der damit verbundenen Trauer – und im Moment kommen so viele Erinnerungen, denn gerade ist der Vater einer lieben Freundin von mir gestorben. Ähnlich wie damals bei meiner Mutter war das seit einiger Zeit absehbar und auch sonst gab es einige Parallelen, so dass die Bilder von damals wieder ganz nah sind. Also versuche ich heute mal wieder, mich dem Thema Verlust und Trauer schreibend zu nähern. Ich denke darüber nach, wie sie sich anfühlt, wenn sie neu in unser Leben tritt. Wie sie sich zusammensetzt und dass es das kaum je gibt: pure Trauer. Darüber, wie sie sich anfühlt, wenn sie einen ganz konkret trifft. Von den Verdrängungsmechanismen und dem Schockzutand, von der vodergründigen Geschäftigkeit und den nächtlichen Zusammenbrüchen. Und davon, wie die Trauer in die Seele einsickert und sich dort einnistet, ganz allmählich und mit einer langsamen …

Liebe Mama, Brief an meine tote Mutter, Krebs, Verlust, Tod, Trauer, mit Kindern über den Tod sprechen

liebe mama… ::: über die unbescheidenheit der sehnsucht

Liebe Mama, heute ist kein besonderer Tag, kein Geburtstag, nicht dein Todestag, niemand hat etwas über dich gesagt oder nach dir gefragt. Es ist ein Tag wie jeder andere und das heißt, ich denke an dich. Wie immer. Das habe ich vorher nicht gewusst, so wie ich so vieles vorher nicht wusste, aber es ist tatsächlich so – du bist immer in meinen Gedanken. Ich sage das den Kindern oft, wenn wir über dich sprechen. Überhaupt: über den Tod und was mit den Menschen passiert, die sterben und nicht mehr bei uns sind. Ich sage, dass du in unseren Gedanken und in unseren Erinnerungen bist, in unseren Herzen, für immer. Dass alles, was du für uns warst, in uns ist und weiterlebt. Und du damit auch. Dass das jetzt deine Art ist, da zu sein. Nicht mehr physisch, nur noch in unserer Erinnerung. Aber da. Wir reden oft darüber, denn die Kinder denken auch an dich. Sie vermissen dich und dann fragen sie nach dir. Unser Gespräch nimmt jedes Mal diese Richtung. Aber die Wahrheit ist, liebe …

Kindertrauer, Umgang mit dem Tod, Trauerarbeit, mit Kindern über den Tod sprechen

und was ist, wenn ich oma vergesse? ::: über kindertrauer, erinnerungen und anker

Es gibt Dinge, die gehen nicht mehr weg, wenn man sie einmal erlebt hat. Sie graben sich in unsere Herzen ein und hinterlassen Spuren in unseren Seelen, die uns verändern, unwiderruflich. Wenn ein kleiner Mensch in unsere Mitte geboren wird, ist das so ein Augenblick, aber auch wenn jemand stirbt. Ich weiß das nicht erst seit dem Tod meiner Mutter, aber ihr Tod ist es, der mir immer wieder vor Augen führt, wie nachhaltig das in uns allen wirkt. Mein kleinstes Mädchen, mein Goldkind, war erst zwei Jahre alt, als sie sich von dieser Oma verabschieden musste. Aber obwohl sie so klein war, hat es sie geprägt, das habe ich gerade erst wieder festgestellt. Eine kleine Geschichte über Kindertrauer und Anker der Erinnerung gegen das Vergessen… Schluchzen aus dem Kinderzimmer, dann leises Weinen, gleich nebenan. Ich bin in unserem Schlafzimmer dabei, Wäsche zusammen zu legen (meine liebsten Abendbeschäftigung. Nicht!), als ich höre, dass nebenan das Goldkind anfängt zu weinen. Sowas ist eigentlich gar nicht ihre Art, jedenfalls nicht diese Art von Weinen, dieses leise, tieftraurige, allein …

Todestag

über erinnerungen und nahe gefühle ::: frühstück am todestag

Manchmal liegen die wichtigen Dinge im Leben und in unserer Gefühlswelt so dicht beieinander, dass der Übergang von purem Glück und Sorglosigkeit zu Trauer und Tränen ganz fließend ist und scheinbar von selbst passiert. Tatsächlich ist es so, dass die beiden Seiten zusammen gehören: Glück und Leid, Freude und Trauer. Ich habe das oft in meinem Leben erfahren und heute ist ein Tag, an dem alles ganz dicht unter der Oberfläche ist, all diese Gefühle, zum Greifen nah. Und statt sie zu vermeiden, statt einen Bogen um diese anstrengenden Empfindungen zu machen, die so viel Energie kosten, lasse ich sie heute aufsteigen und schaue sie mir an, mit Lächeln und mit Tränen, denn heute ist der vierte Todestag meiner Mutter und ich bin am selben Ort wie damals, es ist ein warmer Sommertag wie damals und ein Gewitter ist spürbar auf dem Weg. Ich bin auf dem Darss. Seit vielen Jahren fahren wir hier hin und ich frage mich mittlerweile, ob meine Liebe zu diesem Ort, das Gefühl der Verbundenseins hier auch deshalb so stark ist, weil ich …

Vermissen, Brief, Umgang mit Tod und Trauer

ihr glücklichen augen, was je ihr gesehen… ::: brief übers vermissen

Heute schreibe ich einen Brief an dich, die mich mein Leben lang begleitet hat und die ich seit drei Jahren vermissen muss. Der 05. August ist dein Todestag und ich denke zur Zeit noch häufiger an dich als sonst. Es ist ein Sommer voller wunderbarer Erlebnisse und Ereignisse, die noch auf uns warten, und alles könnte einfach nur schön sein – aber du fehlst. Du fehlst immer. Ich war schon so oft hier. Seit Jahren ist der Darß ein Sehnsuchtsort und Lieblingsreiseziel und wie in den vergangenen Jahren, habe ich auch dieses Mal dieses freie, windig-wilde Darß-Gefühl, zu dem ich so gern zurückkehre. Auf dem Fahrrad durch Wald und Wind zu fahren und laut zu singen. Zu sehen, wie meine Kinder sich auf die Rücken ihrer Pferde oder die Sättel ihrer Räder schwingen und sich mit den Spuren reinen Glücks im Gesicht dem jeweiligen Tag überlassen. Nichts füllt mein Herz mit größerer Freude, als diesen Ort mit meinen Liebsten zu teilen. Ich weiß, ich bin dankbar. Ich bin es an jedem Abend und an jedem Morgen, und hier bin …

Umgang mit Geburt und Tod, make room for happiness

embrace the change ::: geburt und tod gehören zusammen – und mitten ins leben

Diese Woche habe ich mal wieder fremd-gebloggt. Bei Stadt Land Mama erschien mein Artikel in der Blogger*innen-Serie „Wir lieben Elternsein!“, in der es um die positiven Aspekte von Elternschaft gehen sollte. Ich habe mich mit Glücksentwürfen und Muttergefühlen beschäftigt. Und während ich das tat, kamen mir noch ganz andere Gedanken rund um das Thema (Mutter)gefühle, die ich heute teilen möchte. Ich kann nie wieder werden, wie vorher! Als meine große Tochter, mein Herzensmädchen zur Welt kam, war ich nicht auf die Gefühle gefasst, die mich überrollten. Ich hatte ein Menschenkind geboren,  eine vollkommene kleine Person, ausgestattet mit allem, was sie zum Leben brauchte. Ich war überwältigt! Aber die Gefühle waren nicht nur Glücksgefühle. Ich erinnere mich so gut an dieses leise, fremde Empfinden, das Bewusstsein, dass sich etwas in mir unwiderruflich verändert hatte und die Angst, nicht mehr zurück zu finden, zu dem Menschen, der ich vorher gewesen war. Da war plötzlich diese Unsicherheit in mir, die bange Frage: „Wann fühle ich mich wieder wie vorher? Wann bin ich wieder ich selbst?“ Die Antwort war schnell klar: …

tag 15 ::: ein geburtstag, ein gedenktag und rosa azaleen

Heute ist der 15. Dezember und ich wünsche mir ein rosa Azaleenbäumchen. Heute ist der 70. Geburtstag meiner Mutter, den sie so gerne noch gefeiert hätte. Und seit ich denken kann, war einer der jährlichen Geburtstagswünsche meiner Mutter ein rosa Azaleenbäumchen. Nicht weiß, nicht rot, nicht pink: zartrosa sollte es sein. Wie hat sie sich gefreut, wenn liebe Menschen mit Azaleen kamen und sie beschenkten! Und wie hat sie hinterher, wenn wir wieder unter uns waren, gejammert, wenn die Farbe nicht richtig war. Letzte Woche war meine Schwester hier, wir buken Plätzchen nach Rezepten aus dem handgeschriebenen Kochbuch unserer Mama und sprachen über sie, über den anstehenden Geburtstag, über Geburtstags- und Weihnachtsrituale unserer Kindheit und über die zartrosa Azaleen. Ich wüsste gerne mal, wieso meine Mutter ausgerechnet jeden Dezember so ein Azaleenbäumchen haben wollte. Ich kann sie nicht mehr fragen. Haben sie ihr einfach nur gut gefallen? Gab es dahinter eine Bedeutung, die ich nicht erkannte? Steckte eine Geschichte dahinter oder eine Erinnerung? Das wird sie mir nicht mehr erzählen können und das macht mich …