Alle Artikel mit dem Schlagwort: Verlust

Flowers for Inge, #2flowergirls, Leukämie, Inga Lorig, Glomerylane

abschied von einem blumenmädchen ::: #flowersforinga

Diese Woche ist viel los hier. Die Kinder sind immer noch nicht alle wieder fit, der Mann ist beruflich weg und die Themen stapeln sich. Dennoch möchte ich heute einen Post einschieben, der anders ist, als meine sonstigen Themen und der mir meinen Redaktionsplan unverhofft auseinander schiebt, denn manche Dinge im Leben sind unverhofft und unerwartet und selbst wenn sie erwartet werden, brauchen sie Platz, sobald sie da sind. In diesem Fall ist es der Tod, der sich den Raum nimmt, der die Zeit kurz anhält und alle Lebenden daran erinnert, dass er immer da und unausweichlich ist – Redaktionsplan hin oder her. In der Blogosphäre wird es unter dem Stichwort #flowersforinga Blumen regnen dieser Tage, denn eine von vielen gelesene, von vielen geliebten, von vielen bewunderte Bloggerin ist gestorben. Inga von glomerylane hat ihre Krankheit, mit der sie seit einem guten Jahr leben musste, nicht überwinden können. Inga war eine von den #2flowergirls und obwohl ich sie nicht persönlich sondern nur virtuell kannte, überzeugen mich die Geschichten und Beschreibungen all derer, die sie gut kannten …

tag 15 ::: ein geburtstag, ein gedenktag und rosa azaleen

Heute ist der 15. Dezember und ich wünsche mir ein rosa Azaleenbäumchen. Heute ist der 70. Geburtstag meiner Mutter, den sie so gerne noch gefeiert hätte. Und seit ich denken kann, war einer der jährlichen Geburtstagswünsche meiner Mutter ein rosa Azaleenbäumchen. Nicht weiß, nicht rot, nicht pink: zartrosa sollte es sein. Wie hat sie sich gefreut, wenn liebe Menschen mit Azaleen kamen und sie beschenkten! Und wie hat sie hinterher, wenn wir wieder unter uns waren, gejammert, wenn die Farbe nicht richtig war. Letzte Woche war meine Schwester hier, wir buken Plätzchen nach Rezepten aus dem handgeschriebenen Kochbuch unserer Mama und sprachen über sie, über den anstehenden Geburtstag, über Geburtstags- und Weihnachtsrituale unserer Kindheit und über die zartrosa Azaleen. Ich wüsste gerne mal, wieso meine Mutter ausgerechnet jeden Dezember so ein Azaleenbäumchen haben wollte. Ich kann sie nicht mehr fragen. Haben sie ihr einfach nur gut gefallen? Gab es dahinter eine Bedeutung, die ich nicht erkannte? Steckte eine Geschichte dahinter oder eine Erinnerung? Das wird sie mir nicht mehr erzählen können und das macht mich …

mit kindern über den tod sprechen ::: ein nachtrag mit buchtipp

Mein Artikel dazu, wie wir mit unseren Kindern über den Tod sprechen könnten, war zwar sehr persönlich, hat aber natürlich einiges außer Acht gelassen, was mir alles noch dazu durch den Kopf ging. Welche Bücher zum Thema haben uns geholfen zum Beispiel. Wie sind die Kinder nach außen damit umgegangen? Welche Reaktionen von anderen waren hilfreich und welche waren schwierig? Und: wie haben die Kinder untereinander darüber gesprochen? Dieser letzte Aspekt hat neben aller Schwere auch so viel Erstaunliches, mitunter Drolliges, weil all die Begriffe, vor denen wir Erwachsene manchmal zurück schrecken, für Kinder zunächst mal unbelastet sind: Tod, Sterben, Grab, aber auch die ganz großen quasi philosophisch-religiösen Vokabeln: Himmel, Gott, Seele, Ewigkeit. Alles große Fragen des Seins – und die Kinder können sie für sich mitunter so leicht zusammen fassen, ja, sogar beantworten! Manchmal ist das alles nämlich viel eindeutiger, als wir Erwachsene uns das so vorstellen. Ich habe oft gelauscht und gestaunt darüber, wie sie sich selbst und gegenseitig erklären, wohin diejenigen gegangen sind, die jetzt tot sind. Gerade ist das Thema wieder …

mama, ist oma jetzt ein engel? ::: mit kindern über den tod sprechen

Gestern war der Todestag meiner Mutter. Gestern vor zwei Jahren war der Tag, von dem wir alle schon einige Zeit wussten, dass er kommen würde. Nach langer Krankheit, zum Teil mit ausführlichen Phasen körperlichen Wohlbefindens und zum Schluss sehr zugespitzt, starb sie. Der Tod ist an diesem Tag Teil unseres Lebens geworden. Ich war nicht bei ihr, als sie starb. In den Wochen zuvor war ich zwischen Palliativstation am Rhein und Darß hin- und her gefahren, um sowohl bei ihr als auch bei meinen Kindern sein zu können. Schließlich war es so, dass mich der Anruf meines Bruders erreichte, als ich gerade beim Kofferpacken war, um wieder zu ihr zu fahren. Sie war gestorben. Wir wussten seit langem, dass sie nicht wieder gesund werden würde, aber ihre Therapien schlugen immer wieder an, teilweise für lange Strecken, und so war der Tod, als er denn kann, trotz allen Wissens irgendwie unerwartet. Und ich, die ich mich am liebsten verkrochen und mich ganz meiner Trauer hingegeben hätte, musste mit meinen Kindern darüber sprechen. Ihre Fragen beantworten, seien …

Minikranz mit Geburtstagskerzen in der Dose

forty, finally ::: über lebensfreude, verlust und einen geburtstagswunsch

Mein Geburtstag ist vorbei, ich bin 40 und es ist wundervoll. Der Tag begann mit drei aufgeregten kleinen Menschen, die, bewaffnet mit selbstgemalten Bildern und je einer blauen Hortensie in mein Bett krochen und mir „Happy Birthday“ sangen, ging über in ein spätes Frühstück im Garten und unzählige Glückwünsche, geleitete mich als nächstes in die Arme meines Vaters und seiner lieben Frau, die extra nach Berlin gekommen waren, um mit mir zu feiern, brachte mir dann meine Schwester mit einem Arm voller Blumen und meinem Lieblingskuchen, die mich in meinem Garten überraschte und mündete schließlich in einem kleinen Fest mit all denen meiner Liebsten, die nicht verreist waren oder zu weit weg wohnen, um mit mir anzustoßen. Den letzten Schluck Weißwein trank ich mitten in der Nacht mit meinem Mann auf dem Dach, als alle längst gegangen waren. Es war vier Uhr morgens, ich war angefüllt mit Glück und Liebe bis oben hin und ich war 40. Aber an Geburtstagen soll man sich ja etwas wünschen, selbst wenn man sich wunschlos glücklich fühlt. Und da …

Geburtshaus Charlottenburg

muttertag ::: way down on memory lane

Muttertag ist ja so ’ne Sache. Als ich klein war, wurden dazu noch Gedichte und Lieder in der Schule gelernt, was Herzförmiges gebastelt und Blumen organisiert. Tatsächlich standen mein Bruder und ich für unsere Verhältnisse früh auf und schlichen in ein nahes Wäldchen, wo man Wiesenblumen pflücken konnte. Die Muttertagssträuße meiner Kindheit bestanden also weitgehend aus Schafgarbe, Wiesenschaumkraut, Hahnenfuß und, je nach Temperaturen, frühem Klatschmohn. Wir machten Frühstück und taten heimlich, schmückten den Tisch und verschenkten die üblichen Gutscheine für „Müll wegbringen“, Rasenmähen oder Treppe kehren. (Nicht, dass wir all das nicht ohnehin hätten tun müssen, aber geschenkte Dienstleistung ist ja aus Kindersicht immer was ganz anderes als erfüllte Verpflichtung. ) Manchmal sangen wir was Selbstausgedachtes, mein Bruder war ein großer Komponist und Dichter in Kindertagen, und ich erinnere mich daran, dass ich immer das Gefühl hatte, meine Mutter sei ehrlich glücklich und dankbar an diesen Morgenden. Meinen ersten Muttertag verbrachte ich 2003 in einer halb eingerichteten, sonnendurchfluteten Wohnung im Friedrichshain, zwischen bis zur Decke aufgestapelten Umzugskartons auf der ausrangierten Praxiscouch meiner Schwiegermutter – bis …

the descendants: keine filmkritik

Seit ich das erste Mal von diesem Film gehört habe, wollte ich ihn sehen. Nicht nur wegen George Clooney, den ich zugegebenermaßen sehr gerne sehe. Auch nicht, weil er auf Hawaii spielt, meinem Traum-Reiseziel seit Jahren, das ich irgendwann unbedingt besuchen will. Nein, in erster Linie hat mich die Geschichte interessiert oder, um es genauer zu sagen: sie hat mich berührt. Heute war ein stürmischer Samstag voll mit Menschen und Geschäftigkeiten, von der Beseitigung der Partyreste vom gestrigen Geburtstag des Lieblingsmannes über ein Treffen mit der Kitagruppe der Kleinsten im Kindercafé Zuckerschnute bis hin zum Straßengrillen mit den nicht mehr ganz so neuen Nachbarn, die endlich ihren Einstand geben wollten – es war turbulent und wild und alles ziemlich schön. Aber irgendwann ist doch noch Ruhe eingekehrt, die Kleinen haben sich zum Schlafen in ein Bett gelegt und sich eingekuschelt und die Große hat sich mit ihrer Freundin nach oben verzogen, um sich zum gefühlt 100. Mal „Harry Potter und der Gefangene von Askaban“ anzusehen. Und da haben der Lieblingsmann und ich uns entschieden, endlich …

„sommerhimmel und rosen bleiben uns“

Meine Rosen blühen, alle. Wie verrückt. Vor unserem Haus schlägt die Rosenhecke aus, dass es eine Pracht ist und alle Hochstämmchen in ihren Töpfen blühen aufs Schönste. Eigentlich ist es die pure Freude zu sehen, wie alles blüht und den Sommer ankündigt (außer dem Sommer selbst: siehe Regen und Temperaturen!), aber dieses Jahr mischen sich in die Freude immer wieder die Erinnerungen an den letzten Sommer und an „heute vor einem Jahr“… Es ist: „heute vor einem Jahr kam die neue Diagnose“ und „heute vor einem Jahr waren wir alle dort und alles war noch normal“ und „heute vor einem Jahr brauchte sie schon einen Stock zum Gehen“ und „heute vor einem Jahr wusste sie schon, dass sie bald sterben würde“. Nur ich wusste es noch nicht. Anna Luz de León on Google+