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mama, ist oma jetzt ein engel? ::: mit kindern über den tod sprechen

Gestern war der Todestag meiner Mutter.

Gestern vor zwei Jahren war der Tag, von dem wir alle schon einige Zeit wussten, dass er kommen würde. Nach langer Krankheit, zum Teil mit ausführlichen Phasen körperlichen Wohlbefindens und zum Schluss sehr zugespitzt, starb sie. Der Tod ist an diesem Tag Teil unseres Lebens geworden.

Ich war nicht bei ihr, als sie starb. In den Wochen zuvor war ich zwischen Palliativstation am Rhein und Darß hin- und her gefahren, um sowohl bei ihr als auch bei meinen Kindern sein zu können. Schließlich war es so, dass mich der Anruf meines Bruders erreichte, als ich gerade beim Kofferpacken war, um wieder zu ihr zu fahren. Sie war gestorben.

Lichter für Oma

Lichter für Oma

Wir wussten seit langem, dass sie nicht wieder gesund werden würde, aber ihre Therapien schlugen immer wieder an, teilweise für lange Strecken, und so war der Tod, als er denn kann, trotz allen Wissens irgendwie unerwartet. Und ich, die ich mich am liebsten verkrochen und mich ganz meiner Trauer hingegeben hätte, musste mit meinen Kindern darüber sprechen. Ihre Fragen beantworten, seien sie auch noch so heftig, sie trösten, obwohl mir selbst nach Trost gewesen wäre, ihnen Dinge erklären, die ich selbst kaum begreifen konnte. Die Gespräche über den Tod, das Sterben, den Abschied und die Gefühle von Unsicherheit, Trauer und Angst sind seitdem in unserer Familie nie wieder verstummt.

Deshalb ist jetzt genau der richtige Moment, um darüber zu schreiben, wie wir mit unseren Kindern über Tod und Sterben sprachen und noch sprechen. Nicht nur ist der Tod ein ständiger Begleiter allen Lebens und allein deshalb schon ein wichtiges Thema. Es ist außerdem etwas, das früher oder später jede Familie betrifft und immer wieder für Unsicherheiten sorgt: Was kann ich den Kindern zumuten? Wie viel „Wahrheit“ vertragen sie? Was ist überhaupt die Wahrheit über den Tod? Spreche ich mit ihnen über „den Himmel“ oder suche ich andere Erklärungen dafür, wohin die Person gegangen ist, die jetzt so deutlich spürbar fehlt? Wie gehe ich mit der Trauer der Kinder um? Gibt es Tabus? Dürfen meine Kinder mich weinen sehen? Undsoweiterundsofort.

Ich kenne diese Fragen alle, ich habe sie mir selbst gestellt und bei einigen lange gebraucht, sie für mich und meine Kinder zu beantworten. Heute teile ich hier meine persönlichen Erfahrungen im Umgang mit Tod und Sterben mit meinen Kindern mittendrin, ihre dringenden Fragen, meine Do’s und Don’ts und die Dinge, die uns geholfen haben.

 

Die Phase des Sterbens

1. Mama, bist du traurig? Als meine Mutter in die finale Phase ihrer Krankheit eintrat, etwa 12 Wochen vor ihrem Tod, waren alle vorherigen Strategien, mit ihrer Krankheit umzugehen, hinfällig. Es ging nicht weiter mit dem Versuch, alles fröhlich auszukosten und die Zeit mit ihr zu feiern, solange es schön war. Es war nicht mehr schön, es ging ihr schlechter und schlechter. Wir mussten uns damit konfrontieren, dass wir nur noch wenig Zeit haben würden. Mich machte das unendlich traurig, und natürlich merkten die Kinder das. Vor allem mein Herzensmädchen, mein kleiner Seismograph, fing an, mich zu umkreisen in dem Versuch, meine Stimmung zu lesen. Ich beschloss, offen zu sagen, wie es mir ging: ja, ich bin traurig, aber das ist okay. Traurig sein ist kein schlimmes Gefühl, Trauer kennt jeder Mensch. Und wenn wir sehen, dass es unseren Liebsten schlecht geht, macht uns das traurig.

2. Ich mag die Oma nicht küssen! Das kleinste meiner Kinder, mein damals 2jähriges Goldkind, begann beim letzten gemeinsamen Besuch im Haus meiner Mutter, auf Distanz zu ihr zu gehen. Die äußerlich veränderte Oma, aufgeschwemmt vom Cortison, war es nicht allein: dass sie im Bett lag, nicht wie sonst mit ihr spielte, dass sie nicht zum Essen nach unten kam oder wie üblich mit ihr Lieder sang, war ihr unheimlich. Sie spürte die Veränderung, konnte sie nicht lesen und zog sich zurück. Die beiden anderen versuchten, sie mit in Omas Bett zu nehmen, wo sie lagen, Bücher lasen, redeten, mit der Oma kuschelten, aber sie wollte nicht und fing an zu weinen. Ich ließ sie, auch wenn es mir das Herz brach. Es schien mir richtig, ihre Gefühle zu achten: sie hatte auch Angst, fühlte sich unsicher und spürte die Trauer und die Unsicherheit der Erwachsenen. Und all das ließ sie zurück schrecken und die sichere Distanz suchen. Sie war ruhiger und entspannter, wenn sie von der Tür aus zum Bett winken und dann wieder spielen gehen konnte.

3. Stirbt die Oma jetzt? Seit Jahren wussten die Kinder, dass ihre geliebte Oma krank ist. Dass sie oft komische Medizin nehmen musste von der sie sogar einmal blaues Pipi bekam, dass ihr die Haare ausfielen und wieder nachwuchsen, dass sie oft müde und schwach war. Dazwischen gab es aber immer wieder die langen guten Phasen, doch damit war es jetzt vorbei. Das registrierten sie ganz genau und fingen an, zu fragen. Wir waren gerade 24 Stunden lang von unserem Besuch bei ihr zurück, da erreichte mich der Anruf, dass sie im Krankenhaus sei und wohl die Nacht nicht überleben würde. Ich machte mich daran, auf schnellstem Wege die 650km zu ihr zurück zu legen – und beantwortete den Kindern diese Frage: ja, die Oma stirbt. Ich weiß nicht, ob jetzt oder heute nacht oder morgen oder nächsten Woche. Aber es wird passieren und es wird bald sein. Deshalb fahre ich jetzt zu ihr, damit ich bei ihr sein kann und sie keine Angst haben muss.

4. Was passiert, wenn Oma stirbt? Die Kinder haben, jedes auf seine Art und entsprechend ihrem damaligen Alter, immer wieder gefragt, was genau beim Sterben passiert. Es war nicht so leicht, eine Antwort zu geben, die der Wahrheit entsprach und dennoch nicht zu schockierend war. Ich habe mich darauf beschränkt, ihnen zu sagen, dass das Herz aufhört zu schlagen, dass die Oma dann nicht mehr atmet und dass sie dann tot ist. Daraufhin wurde immer wieder ausführlich der Herzschlag aller Anwesenden kontrolliert und sie waren beruhigt, wenn sie feststellten, dass ihre eigenen Herzen und die ihrer Eltern sicher und regelmäßig in der jeweiligen Brust schlugen.

5. Ist Omas Krankheit ansteckend? Sterbe ich auch, wenn ich krank bin? Ich konnte nicht, wie es so oft geraten wird, in meinen Erklärungen für die Kinder den Tod von der Krankheit trennen. Die Kinder sahen und erlebten seit Jahren, dass ihre Oma nicht gesund war und sie waren schlau und aufmerksam genug, den Zusammenhang zwischen Arztbesuchen, Tränenausbrüchen, Krankenhausaufenthalten und dem Sterben herzustellen. Jeder wäre das gewesen. Also versuchte ich es auch hier mit der möglichst genauen Wahrheit: „Nein, Omas Krankheit ist nicht ansteckend. Es ist eine ganz besondere Krankheit, die sonst niemand hat, den wir kennen. Omas Krankheit kann man nicht heilen, aber deinen Schnupfen, dein Bauchweh, deinen verstauchten Finger kann man heilen. Daran stirbt man nicht – du stirbst nicht.“ Es war vor allem wichtig, ihnen zu sagen, dass niemand sonst in ihrer Umgebung von dieser Krankheit bedroht war, denn das befürchteten sie natürlich.

6. Ich will nicht, dass du eine Oma wirst – dann stirbst du auch! Es dauerte nicht lange, bis die Kinder den Bogen schlugen: wenn einer stirbt, sterben dann noch mehr? Wann? Wie viele? Etwa wir alle? Das löste Ängste, Spekulationen und Fantasien aus. Wieder mussten wir so ehrlich wie möglich sein, ohne ihren Ängsten Futter zu geben: „Ja, eines Tages sterben wir alle. Das dauert aber noch ganz, ganz lange. Und nicht alle Omas sterben, wenn sie Omas sind. Wir kennen viel mehr lebendige Omas, als tote.“ Wir stellten dann gemeinsam fest, wen wir alles kannten, der zwar alt aber quicklebendig war. Sie schlussfolgerten, dass ihre Oma eine traurige Ausnahme sein müsste, was zunächst mal beruhigend war. Es war für uns richtig, den Tod nicht zu beschönigen oder zu verniedlichen: es ist sterben, nicht „einschlafen“. Es ist sterben, nicht „gehen“. Klare Begrifflichkeiten halfen uns, klarer zu sehen – auch die Ängste und Befürchtungen, mit denen wir umgehen mussten/müssen.

Tod und Abschied

1. Ist Oma jetzt ein Engel? Oder ein Stern? Wo ist sie? Alle Vorbereitung half uns nichts: als am 05. August 2011 meine Mutter starb, traf es uns bis in die Tiefen unserer Herzen hinein. Wir setzten uns ins Auto und fuhren an den Rhein. Unterwegs sprachen wir miteinander und all diese Fragen tauchten auf. Die Kinder malten ihre inneren Bilder bald sehr frei und fantasievoll und ich ließ sie. Ich hörte ihnen zu, ich fragte manchmal nach, wenn sie mir ihre Vorstellungen schilderten und ließ mich ganz darauf ein. Warum sollten sie nicht glauben, ihre geliebte Oma sei nun ein Engel und immer in ihrer Nähe? Oder ein heller Stern am Himmel, den sie immer sehen können? Sie schufen sich ihre eigenen Bilder davon und ließen mich teilhaben. Das war für uns alle sehr tröstlich uns schön. Im Nachhinein bin ich dankbar, dass diese Ideen einfach so kamen und ihren Platz fanden. Alles andere, ein künstliches Konzept, das ich ihnen vorerzählt hätte, wäre unnatürlich gewesen.

2. Wir wollen uns verabschieden!  Ich hatte in den vorhergegangenen Wochen mit mir gerungen, ob ich die Kinder mit ins Krankenhaus nehmen sollte, damit sie sich verabschieden könnten und hatte mich dagegen entschieden, hauptsächlich wegen meiner Mutter. Ich hatte das Gefühl, es sei nicht richtig, ihr das Herz mit einem letzten Besuch schwer zu machen. Ich weiß bis heute nicht, ob das richtig war. Jetzt war sie tot, wir waren am Rhein angekommen und ich wollte mich verabschieden. Wieder stellte sich die Frage: nehme ich die Kinder mit zum Bestatter, damit sie sich von ihrer Oma verabschieden können oder traumatisiere ich sie mit dem Anblick der leblosen Oma im Sarg? Meine große Tochter ließ mir keine Wahl: sie bestand auf ihrem Abschied und war fest entschlossen. Die Kleinen wollte ich nicht mitnehmen, aber der Lieblingsbub war inzwischen komplett ausgeflippt, er konnte überhaupt nicht verstehen, was passiert war, weigerte sich zu essen, wenn die Oma ihn nicht füttern könne, leugnete, dass sie tot sei und war außer Rand und Band. Wir entschieden spontan, dass er sehen müsse, was es bedeutete, damit er es  begreifen und verarbeiten könnte. Also nahmen wir alle drei mit, mit der eingeplanten Notbremse: wenn es nicht ginge, würde mein Mann mit ihnen sofort gehen. Meine Schwiegereltern waren das Backup im Hintergrund. Es war sehr emotional und wahnsinnig traurig für uns alle, aber auch wichtig und fast erleichternd. Die Kinder gingen so natürlich mit der Situation um, das hat auf uns alle abgefärbt. Sie streichelten meine Mutter, sie redeten mit ihr und miteinander, sie weinten, sie stellten ihre dringenden Fragen, sie legten Bilder, Blumen und Briefe in den Sarg und ließen alle Gefühle kommen. Hinterher gab es natürlich viel Redebedarf darüber, warum die Oma so kalt gewesen sei und wieso wir sie nie wiedersehen können, aber sie konnten besser verstehen, was das mit dem Totsein zu bedeuten hatte. Es war richtig, sie das erleben zu lassen.

3. Friedhof, Kirche, ja oder nein? Der Tag der Beerdigung kam. Ich entschied, alle Kinder mit zum Trauergottesdienst zu nehmen und dann die beiden Kleinen mit meinem Schwiegervater und ihrer geliebten Kinderfrau, die mir in der Stunde der Not aus Berlin nachreiste (Nane, das werde ich dir nie im Leben vergessen: du hast mich in diesen Tagen an so vielen Stellen buchstäblich gerettet! Und die Kinder auch. Die pure Liebe!), schon nach Hause zu schicken. Zu unsicher war ich mir darüber, wie es mir und meinen Geschwistern gehen würde: ich wollte die Kinder nicht mit dieser geballten Verzweiflung konfrontieren und ich wollte mich nicht um sie kümmern müssen. Die Große ging Arm in Arm mit ihrem Papa und war dort in Sicherheit. Tatsächlich war das buchstäbliche beerdigen das Grauen. Ich war froh, dass die Kleinen das nicht miterleben mussten und machte mir auch Sorgen um meine Große. Aber sie war so selbstbewusst in dem was sie wollte, auch nachdem ich ihr meine Einwände vorgetragen hatte, dass ich es Unrecht fand, ihr rein zu reden oder ihr vorzuschreiben, wie ihr Abschied von ihrer Oma zu sein hätte. Für sie war es richtig so, für die beiden Kleinen war es richtig anders. Als wir gleich nach der Beerdigung dann alle wieder zusammen waren, fragten die Kleinen und die Große erzählte. Das Reden darüber, das Zulassen und Beantworten aller Fragen war wiederum das Richtige für uns alle.

Rituale, Erinnerungen und Alltag

1. Nach der Beerdigung kommt das Grab. Ich nahm alle Kinder am nächsten Tag mit zum Friedhof, ohne Rummel, nur wir als Familie, wiederum flankiert von der Sicherheit gebenden Kinderfrau. Ich zeigte ihnen das Grab, sie wollten wissen, was auf dem Holzkreuz stand und sie brachten Blumen mit. Jetzt waren die Reaktionen sehr unterschiedlich: die Kleinste wollte die Blumen wieder mitnehmen, sie sah überhaupt nicht ein, sie dort zu lassen, wo gar keine Oma zu sehen war, denn sie wollte sie der Oma schenken. Es war ein Segen, dass ich nicht alleine mit den Kindern war. So konnte die Kleinste an anderer vertrauter Hand schon mal ein paar Schritte weggehen, die Gießkannen begutachten, Steine aufsammeln, sich allmählich entfernen. Den Bub traf es jetzt richtig, er regte sich auf und weinte: das war das Grab? Da war die Oma drin? So wie er sie Tage vorher im Sarg gesehen hatte? Er fragte immer wieder, wie das sein könne, warum man das so machen würde und ob die Oma ihren Kopf dabei hätte – ein Frage die mich schockierte, bis ich sie völlig verstand: in seiner Vorstellung war die Seele seiner Oma in ihrem Kopf und „guckte zu den Augen raus“. Wir hatten aber seit Tagen davon gesprochen, dass die Seele nun bei Gott sei, ein Engel, ein Stern, im Himmel, was auch immer. Also stellte er sich eine seelenlose Oma, eine kopflose Oma im Sarg vor. Ich hatte einige Mühe, ihm zu erklären, dass die Oma genau so intakt dort liege, wie er sie zuletzt gesehen hätte. Was es mit der Seele auf sich hat und wo die hingeht, darüber sprechen wir heute noch. Gut war, dass das Herzensmädchen den Teil schon hinter sich hatte. Sie hatte das Grab schon gesehen, den Sarg, wie er hinab gelassen wurde. Jetzt tröstete sie mit mir ihren Bruder und übers Erklären und Trösten kamen auch ihre eigenen Sichtweisen, Ängste, Überlegungen ans Licht. Heilsam!

2. Loslassen und in Kontakt bleiben. Bevor wir einige Tage später wieder nach Berlin fuhren, wollte ich mit den Kindern etwas tun, eine Zeremonie, ein Ritual, etwas, das ihre eigene Trauer und ihren Wunsch nach Kontakt mit der Oma ausdrücken könnte. Mit Hilfe meines Bruders besorgte ich Helium und Ballons, und bevor wir abfuhren, trafen wir uns mit der erweiterten Kernfamilie auf dem Friedhof. Gemeinsam ließen wir die Ballons steigen, jeder mit seinem eigenen stillen oder ausgesprochenen Wunsch für meine Mutter. Lange blickten wir den Ballons am Sommerhimmel nach und jedes der Kinder drückte auf seine Weise aus, was es empfand: sie konnten etwas „nach oben schicken“, eine Verbindung zur Oma im Himmel herstellen, einen Gruß senden, ihre Liebe und ihre Trauer ausdrücken. Das haben wir am ersten Todestag wiederholt und werden es bestimmt wieder tun.

3. Bilder und Geschichten zum Behalten. Der Bestatter, ein ganz wunderbarer Mensch, schenkte meinen Kindern Erinnerungsalben. Eigentlich ist das so etwas wie die Chronik der Beziehung zwischen trauerndem Kind und der Person, die gestorben ist. Hier können die Kinder eintragen, wer sie sind, wer die tote Person ist/war, was sie an ihr mochten und was nicht, was sie verbunden hat. Es ist Platz für Zeichnungen, Fotos, Todesanzeige und Erinnerungen. Außerdem wird ganz viel Information über die Person gesammelt, die nun nicht mehr selbst gefragt werden kann: was war die Lieblingsfarbe? Wohin reiste sie am liebsten? Was hat das Kind am liebsten mit der Person gemacht? Die Große fing gleich an, das Album zu bestücken und holt es auch heute immer mal wieder heraus, um Dinge nach zu tragen. Die Kleinen schauen sich lieber Bilder an. Ich habe für jedes Kind Fotos gerahmt und ihnen kleine Steckalben mit den schönsten Bildern von ihnen mit der Oma gemacht. Die wurden und werden rege angeschaut.

4. Erinnerungen zum Anfassen. Das Haus meiner Mutter wurde aufgelöst und vermietet. Das war für die Kinder ein weiterer Schlag: sie können nicht mehr an den Ort zurückkehren, der ihr Leben lang „Omas Häuschen“ und „Omas Garten“ gewesen ist, als fester Bestandteil dieser Welt. Ich habe sie auch hier dabei behalten, sie sehen lassen, wie das Haus sich allmählich leerte, mit ihnen dem Garten adieu gesagt und sie vor allem Dinge auswählen lassen, die für sie eine Bedeutung hatten. Der Bub wählte sein Omakissen, auf dem er immer sitzen durfte, damit er über den Tisch gucken konnte. Außerdem den Montessori-Schleifenrahmen, ein Frotteepferd, auf das er nun aufpassen wollte sowie eins von Omas Tüchern. Die Große nahm sich Bettwäsche, die sie an die Oma erinnerte, eins ihrer Nachthemden, einen bunten Blumenschal und ein Märchenbuch. Für die Kleinste wählte ich aus. All diese Dinge sind die Schätze der Kinder geworden und geblieben – behaftet mit schönen Erinnerungen.

5. Trauer, Wut und das schlechte Gewissen. Die Kinder trauerten verschieden. Die Große tobte, weinte, wütete, es gab Ups und Downs, aber es dauerte. Der Bub zog sich zurück: er saß in seinem Zimmer und spielte ruhige Spiele allein, während er immer wieder in einer Art Zeichensprache zum Fenster hinaus redete – mit der Oma. Die Kleinste war am unbefangensten und auch am spontansten. Wenn irgend etwas eine Erinnerung an die Oma auslöste, wurde sie sofort ausgesprochen, manchmal war das wie ein kleiner Schock für mich, löste aber immer Gespräche über meine Mutter aus, Anekdoten, Geschichten, die uns alle freuten. Auch sie sah die Oma, winkte ihr plötzlich zu oder traf sich mit ihr im Garten. Dann ebbte die akute Phase ab und mehr Alltag kehrte ein. Plötzlich fühlte die Große sich schlecht, wenn sie Spaß hatte – durfte sie das? Obwohl sie doch eigentlich so traurig war? Ihr Dilemma ließ sie emotional immer wieder in tiefste Tiefen abstürzen, und es kostete uns Mühe und Kraft, bei ihr zu bleiben. Wir sagten ihr immer wieder, dass ALLE Gefühle gut sind. Dass es gut ist, wenn sie wieder fröhlicher wird und dass niemand ihr deshalb böse sein würde – schon gar nicht die Oma. Aber auch das dauerte. Ich weiß nicht, ob Zeit die Wunden heilt, aber es wird besser. Wir entwickelten Strategien, wir erkannten Anzeichen besser, wir wurden sensibler füreinander. Das machte es insgesamt Schritt für Schritt leichter. Ich habe in dieser Phase übrigens auch eine Trauergruppe für Kinder hier in Berlin kontaktiert. Das Telefonat machte mich gleich schon wieder sicherer.

Unsere Situation war natürlich individuell. Jeder Tod ist anders, jedes Sterben ist anders und wie wir damit umgehen, hängt natürlich davon ab, wie nahe uns die Person stand, die gestorben ist. Im Fall meiner Kinder war es eine sehr geliebte, sehr nahe Oma. Wäre es ein Geschwisterkind gewesen, ein Elternteil, wäre das sicherlich wieder etwas ganz anderes. Ich möchte hier keine Regeln formulieren oder sagen, was richtig oder falsch ist im Umgang mit dem Tod. Ich teile hier nur meine persönlichen Erfahrungen und hoffe, dass sie vielleicht auch für andere in ähnlichen Situationen taugen.

Mein persönliches Fazit ist: es gibt keine Tabus. Es gibt kein Richtig oder Falsch. Wichtig ist, aufeinander zu achten, den Kindern das Gefühl zu geben, dass all ihre Fragen, all ihre Gefühle in Ordnung sind, wie sie sind. Wir sind verschieden, wir Menschen. Unsere Kinder sind es auch. Wenn ihre Art zu trauern sich völlig von der eigenen Trauer unterscheidet, ist das eine große Herausforderung, aber völlig in Ordnung.

Was mir noch wichtig ist: jedes Elternteil, das seine Kinder nach einem großen Verlust durch eine Trauerphase gehen sieht, muss auch immer gut auf sich selbst und die eigenen Gefühle achten. In so einer Situation ist es extrem wichtig, sich selbst nicht zu vergessen – das geht nach hinten los und wird auch für die Kinder nicht funktionieren. Ich hatte Hilfe, eine liebe Familie, Unterstützung von Freund*innen und lieben Menschen um mich herum. Hätte ich das nicht gehabt, hätte ich mich an eine Beratungsstelle gewandt, denn ohne die liebevolle Hilfe und auch mal die Frage: „Wie geht es DIR denn?“, hätte mich die seelische Belastung leicht zu Boden gedrückt. So konnte ich gut für meine Kinder da sein.

Mir geht es heute gut. Ich vermisse meine Mutter, die Gespräche mit ihr, mein „altes Zuhause“, ihren Garten, ihr Lachen, ihre skeptischen Blicke. Aber es geht mir gut. Und den Kindern auch. Gestern abend waren wir in der Kirche und haben Kerzen angezündet und ein bisschen im Stillen gesessen. Der Bub sprang danach fröhlich auf die Straße und sagte: „Mama, du weißt ja, dass du erst dann alleine bist, wenn deine Mama nicht mehr in deinem Herzen bei dir ist. Und das passiert ja nie!“ Er hat so recht.

Wie geht es euch damit? Wer hat das schon erlebt oder erlebt es gerade? Wie geht ihr damit um? Und wie eure Kinder? Ich freue mich, wenn ihr ein bisschen was davon mit mir teilen mögt.

Einstweilen passt auf euch auf!

signatur

16 Kommentare

  1. Ein wunderbarer Text, vielen Dank dafür. Ich fand es für mich wichtig, in dieser Phase die Kinder um mich zu haben (mein Mann starb vor 8 Jahren an einem Gehirntumor). Ich weiß nicht, ob ich sonst noch da wäre.
    Viele liebe Grüße, vielen Dank!
    Ich werde Deinen Text auf meinem Blog verlinken.

  2. du hast so schöne worte gefunden und du hast so einen klugen sohn! er spricht mir absolut aus der seele. meine kinder mussten bis jetzt gott sei dank keinen solchen verlust verkraften, aber ich selbst habe meinen vater verloren, als ich 13 jahre alt war und noch vor der geburt unseres ersten kindes starb die schwester meines mannes. beide nach langer krankheit. diese beiden verluste sind immer wieder ein gesprächsthema bei uns und wir versuchen ebenso wie ihr, nichts zu verheimlichen und zu beschönigen, und trotzdem das wissen weiter zu geben, dass der tod zum leben dazu gehört. trauer, freude, – all das ist ein teil von uns und jedes für sich gut, weil es hilft, das leben besser zu bewältigen.
    danke für deinen beitrag! lg kathrin

  3. Liebe Anna, ich musste sehr weinen. Auch meine Mutter starb nach langer Krankheit vor vier Jahren. Auch ich war nicht dabei. Ich komme nicht darüber hinweg und werde es wohl auch nie. Unseren Sohn haben wir damals die Oma auch sehen lassen. Er hat sehr lange geweint und dann hat er aufgehört. Wir haben auch ein Steckalbum mit Bildern von Ihr das auch sehr oft angeschaut wird. Auf die Idee dass mein Sohn sich was von der Oma aussuchen darf bin ich gar nicht gekommen. Eigentlich sehr schade. Ich selbst habe viel mitgenommen v.a. Kleidung. Wenn ich an ihr rieche, rieche ich meine Mama. Am manchen Tagen ist das mehr als ich ertragen kann. Ich bin traurig über den Verlust und dass Sie nicht mehr mitbekommen hat dass ich ein zweites Mal schwanger wurde. Ich fühle mit Dir. Alles Liebe Dani

  4. Liebe Anna, ein sehr schöner Post! Für Kleinmädchen ist der Tod allgegenwärtig, denn sie spricht viel über ihre Schwester, obwohl sie sie nie kennen gelernt hat. Sie hat mit zwei Jahren ca., habe es damals gebloggt, gefragt wo Helene wohnt und für mich war die einfachste Erklärung immer „im Himmel“. Und für sie ist es heute ganz natürlich, dass Helene da oben im Himmel wohnt und dass wir leider nicht fliegen können und sie nicht besuchen können…

    Ich war immer sehr stolz und zufrieden damit, wie ich ihr die Situation vermitteln konnte. Nur einmal, da ist es mir nicht gut gelungen. Sie fragte oft warum Helene im Himmel ist und ich antwortete „weil sie sehr krank war“. Als wir eines abends darüber diskutierten, dass wir ihre Haare föhnen müssten (es war Winter), sagte ich „Kleinmädchen, wir müssen deine Haare föhnen, sonst wirst du krank“. Daraufhin fragte sie etwas verunsichert „muss ich dann auch sterben?“

    Das ging mir sehr nah. Kannst du dir sicher denken.

    Ich weiß nicht wie es sein wird, wenn sie/wir einen Menschen verlieren, den wir im Alltag nah bei uns haben… das wird sicherlich auch wieder sehr schwer, aber natürlich auch anders….

    Liebe Grüße
    Marisa

  5. Liebe Anna!
    Ich bin tief bewegt und beeindruckt – sowohl von eurer Geschichte, eurem Umgang mit den Kindern und ihren Fragen, von deinem Mut und deiner Sensiblität, als auch von deinem Artikel. So schön geschrieben! Ich finde es unglaublich toll, dass du dir immer wieder die Zeit nimmst, so ausführlich und feinfühlig zu schreiben!
    Meine Kinder sind mit dem Tod letztes Silvester in Berührung gekommen, da ist ihre Uroma gestorben. Auch wenn das kein Vergleich ist zu eurer/deiner Trauer (eine neunzigjährige Oma/Uroma zu verabschieden, fühlt sich doch irgendwie leichter an…), haben sie ihren Tod hautnah miterlebt und Fragen gestellt und ich musste mich auf die Suche nach altersgerechten und wahren Antworten machen. Ich habe kurz darüber geschrieben. Wenn du magst, kannst du ja mal reinschauen: http://www.heiterwerden.de/?p=5051
    Ich habe übrigens vor Jahren ein sehr schönes Kinderbuch entdeckt. Es erklärt den Tod und was danach kommt auf christlicher Grundlage. Ich weiß ja nicht, ob ihr was damit anfangen könnt, aber die Geschichte hat ein so schönes und kinderverständliches Bild, wie das mit der Seele nach dem Tod ist.
    Pelle und die Geschichte mit Mia.
    http://www.amazon.de/Pelle-die-Geschichte-mit-Mia/dp/3765566551/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1375818940&sr=8-1&keywords=pelle+und+die+geschichte+mit+mia
    Ich wünsche euch viel Kraft und schicke dir liebe Grüße!
    Steffi

  6. Stefanie sagt

    Danke für deine Worte zu diesem Thema. Ich bin erstaunt wie unterschiedlich deine Kinder damit umgehen und umgingen.
    Ich musste auch ehrlich gesagt kurz lachen über die „kopflose“ Oma.
    Mich hat es als Kind auch beschäftigt ob ich fröhlich sein darf, obwohl ich eigentlich betrübt war und traurig, weil jemand gestorben war. Meine Eltern haben leider nicht gesagt, dass es okay ist. Das Thema wurde eher unter den Teppich gekehrt. Deshalb nochmal danke für die offenen Worte und den Umgang mit dem Thema sterben und Tod. Ich möchte mir daran ein Beispiel nehmen und falls es soweit sein sollte möchte auch ich möglichst offen damit umgehen.
    LG Stefanie

  7. Liebe Anna,

    du hast das ganz wunderbar geschrieben, man merkt, wie sehr du deine Mutter liebst und wie intensiv ihr als Familie euch mit dem Thema „Tod und Sterben“ auseinander gesetzt habt. Ich hab vor 3 Wochen, als meine Tante ziemlich unerwartet gestorben ist, auch über das Thema nachgedacht, obwohl Lotta mit ihren 8 1/2 Monaten jetzt ja noch zu klein ist, um das zu verstehen, aber mit einer alten Oma und zwei noch älteren Ur-Omas wird sie irgendwann damit konfrontiert werden.
    Mein Freund und ich haben ja beruflich oft mit dem Tod zu tun, aber dem eigenen, kleinen Kind zu erklären, was das ist, stelle ich mir wirklich schwer vor. Ganz großartig finde ich auch, dass du schreibst, dass es nunmal „sterben“ ist und nicht „gehen“ oder „einschlafen“.

    Liebe Grüße von Johanna

  8. Steffi sagt

    Vielen Dank für diesen Post zu diesen recht schwierigen Thema. Ich selbst gehe mit meiner Tochter auch ganz offen mit dem Thema um. Sie war 1,5 Jahre als ihr Papa nach viermonatiger Krankheit gestorben ist. Jetzt wird sie bald 3. Sie weiss, dass ihr Papa sehr krank war und dass er so starke Schmerzen hatte, dass ihm die Ärzte nicht mehr helfen konnten. Deswegen ist er jetzt beim lieben Gott im Himmel und dort geht es ihm gut und er hat keine Schmerzen mehr. Abends schicken wir einen Gute-Nacht-Kuss in den Himmel und bei den Mahlzeiten brennt die „Papa-Kerze“.
    So schwer das für mich ist, so „normal“ ist es für sie, weil sie eben noch so klein war. Ich merke aber auch, dass sich ihre Fragen ihrem Alter und ihrem momentanen Verstehen anpasssen. So meint sie manchmal, dass der Papa ja auch mal eben vom Himmel wieder runterklettern könnte. Sie ist dann auch kurz traurig, wenn ich erkläre, dass das leider nicht geht, aber genauso schnell ist sie wieder fröhlich und das ist gut so.
    Ich bin gespannt, wie sie im Kindergarten und später in der Schule damit umgehen wird, denn sie findet es total faszinierend, dass andere Kinder einen Vater haben, der auch wirklich da ist.
    Ich selbst habe eine tolle Trauerbegleiterin, die auch in Kindertrauer ausgebildet ist. Auch von dort bekomme ich immer wieder die Bestätigung, dass der offene Umgang mit Kindern das beste ist.
    Als ihr Uropa im Frühjahr verstarb, durfte sie auch mit zur Beerdigung und hat sich alles mit kindlicher Neugier angeschaut. Das war auch wichtig für sie, hatte sie doch den Uropa wochenlang im Bett liegen sehen und war auch dabei, als er vom Bestattungsunternehmen abgeholt worden ist. Und das „begraben“ hat die Sache für sie dann rund gemacht.
    Ein schönes Buch für wirklich noch kleine Kinder ist übrigens
    „Was ist das? fragt der Frosch“
    es erklärt in kurzen Sätzen was der Tod ist, aber auch wie schön das Leben sein kann.
    Lg, Steffi

  9. achje, mir fehlen die worte, stattdessen kullern die tränen..
    ein wirklich „schöner“ artikel voller liebe, gefühl und verständnis.

    seid alle ganz fest gedrückt!

  10. Ti Na W sagt

    Liebe Anna,

    wir haben letztes Jahr im August einen Trauerfall erlebt – die Tante meines Mannes, für die wir eine Einliegerwohnung bauen wollten und die überraschend nach einer Routine-OP verstarb. Mein Mann und ich entschieden uns, die Kinder mit ins Krankenhaus zu nehmen, die Große (4) ging auch mit ins Zimmer und sah die Tante im Sterbebett liegen. Es war dunkel, das Zimmer lag über der Stadt, eine Kerze brannte und die Situation erinnerte mich irgendwie an Geburt. Für meine Große war das völlig in Ordnung, die Kleine (2) war draußen beim Opa. Auf der Beerdigung hatten wir beide dabei, aber es war auch nicht „dramatisch“ in dem Sinne, dass alle von tiefster Trauer überwältigt waren. Die Tante war 75 und plötzlich und für uns zu früh gegangen, dennoch hatte sie sich frei entschieden zu gehen, es war, als hätte der Himmelpapa sie gefragt, ob sie mit ihm gehen wolle und ich kann es ihr nicht verübeln, dass sie zugesagt hat. Auf Fragen reagierte und reagiere ich ähnlich wie du. Probleme hatte ich auch mit der Seele und der Frage, was ist in dem Sarg, wo ich doch erklärt habe, dass die Irmi nun beim Himmelpapa sei. Das war schwierig. Die Grabpflege ist ein normaler Prozess innerhalb unserer Familie. Und auch wenn es in dieser Situation merkwürdig klingt: ich habe es als sehr bereichernd empfunden, meine Große in diesem Abschiedsprozess zu begleiten und ihr dabei zuschauen zu dürfen. Kinder sind noch so nah zwischen Geburt und Tod und alles ist völlig natürlich. Wenn man diesen dabei ihre Freiheit lassen kann, dann glaube ich, dass das sehr gesund für alle ist. Umso trauriger finde ich, dass wir für unsere Vorgehensweise massivst angegriffen wurden. Aber ich weiss, dass ich alles richtig gemacht habe.

    Anna, ich wünsche euch weiterhin alles alles Gute und weiterhin viel Kraft.
    Liebe Grüße
    Tina

  11. Pingback: mit kindern über den tod sprechen ::: ein nachtrag mit buchtipp

  12. stephi sagt

    Ich hab grade echt ein bisschen Tränen in den Augen nachdem ich mir alles durchgelesen habe. Zwar habe ich selbst noch nie die Erfahrung so mitmachen müssen, aber die Art, wie du an deinen bzw euren Gefühlen teilhaben lässt ist wirklich berührend. Ich finde es gut, dass du das Thema so offen behandelt hast und die Kinder so dabei unterstützt hast, wie es für sie jeweils am besten war. Ich habe wirklich großen Respekt und wünsche euch noch alles Gute!

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  15. Hallo, 

    vielen Dank für diesen Text. 

    Als ich ein Kind war, ist meine Zwillingsschwester gestorben. Auf meinem Blog (meineschwestertotundichhier.wordpress.com) schreibe ich darüber.  Ich kann mich gut wiederfinden in den Reaktionen deiner Kinder, in ihren  Fragen und Antworten, und finde es schön, dass du sie in dieser Zeit so gut begleiten konntest.

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