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die gute mutter ::: mütterinterview mit patricia

Die gute Mutter, Mütterinterview, Patricia Cammarata, dasnuf

Endlich wieder ein Mütterinterview! Endlich wieder Die Gute Mutter! Und heute freue ich mich besonders darüber, weil ich euch eine liebe Kollegin vorstellen darf: Patricia

Die studierte Psychologin und Mutter von zwei eigenen und einem Bonus-Kind arbeitet als IT-Projektleiterin und bloggt seit fast elf Jahren unter dasnuf.de. Patricia lebt mit ihren Kindern alleine und bezeichnet sich als "getrennt erziehend". Sie und ihr Mann sind sich über ihre Trennung hinaus einig, dass sie die Verantwortung für ihre Kinder weiterhin teilen möchten. Die gemeinsame Entscheidung für diese Kinder hat für beide nach wie vor Gültigkeit, auch wenn dieser Weg manchmal anstrengend ist – "Das ist für immer." Ihre Kinder geben ihr Liebe und Struktur, einen Rhythmus. Patricia nennt es ihren "Taktgeber für alles", und ich finde das nicht nur ein sehr schönes Bild für das, was sie meint. Es ist auch ein stimmiges Bild, wenn man Patricia kennt (oder zu kennen glaubt). Auch in ihrem Job ist es stimmig: ihre Arbeit ist das Gegengewicht zum Alltagsleben mit ihren Kindern. Und umgekehrt. Die großen Haltgeber und Fixpunkte in Patricias Leben sind folgerichtig ihre Kinder, ihre Freunde und ihre Arbeit.

Als ich 2012 anfing zu bloggen und in diesem Zuge auch eine Entdeckungstour durch die Blogs von anderen Eltern machte, fand ich viel Belangloses, viele One-Hit-Wonder und viele kleine und vielversprechende Blogs. Und dann gab es ein paar helle Sterne am Himmel der Elternblogosphäre, die schon lange dort standen, vielleicht eine Hand voll. Einer von ihnen war dasnuf. Ich fing an, mich durch dieses Blog zu lesen und wurde mit jedem Artikel neugieriger auf die Person dahinter, die so kluge, witzige, wahre und wichtige Texte schrieb: Patricia Cammarata.

Als ich sie dann das erste Mal "in echt" traf (ich glaube, unser erster virtueller Kontakt fand über Twitter statt und nach einer gar nicht so langen Weile des gegenseitgen Folgens, lockte ich sie zu einem Treffen im Reallife und köderte sie mit Auberginenpasta), war ich wahrscheinlich sowas wie ein dasnuf-Fangirl, denn ich hatte mich in so gut wie jedes ihrer verbloggten Worte verliebt und erwartete jeden neuen Blogpost voller Vorfreude. Zum Glück hat sich mein Fangirlstatus seitdem erledigt, nicht weil ich nicht nach wie vor ihre Texte lieben würde, sondern eher, weil er ansonsten sicher ein Hindernis beim Kennenlernen gewesen wäre. Was geblieben ist, ist meine große Bewunderung ihrer Klugheit, ihrer Besonnenheit und ihres Humors, alles Dinge die sie als Mensch ausmachen und die auch aus ihren Texten sprechen.

Ich mag Patricia als Mutter ihrer Kinder, ich mag ihre Bloggerpersönlichkeit und ich mag die Frau, die sie ist. Und deshalb freue ich mich auch ganz besonders, dass sie mir meine Fragen beantwortet hat und ich sie euch heute als Die Gute Mutter vorstellen darf. Berlinmittemom proudly presents: Patricia Cammarata im Die Gute Mutter-Interview!

1. Du bist Mutter seit 8 Jahren und hast 3 Kinder. Wenn du an die erste Zeit nach der Geburt/an die ersten Wochen mit deinen Kindern denkst: an was für Gefühle erinnerst du dich? Was hat an Gefühlen überwogen?

Ich hatte großes Glück mit meiner Gesamtsituation und war so unbeschwert und entspannt, dass mein Gedanke immer war: Wenn das dieses Babyhaben ist, dann will ich zehn. Ich hatte nämlich schon 2 Jahre vor meinem eigenen Kind ein Bonus-Kind. Das hat der Mann in die Beziehung gebracht. Das Bonus-Kind (Kind 1.0) war da aber schon 2,5 Jahre alt und aus dem Gröbsten raus. Hat alleine gegessen, war windelfrei, konnte schon sprechen und war auch sonst sehr pflegeleicht. Ich konnte mich also schon in Sachen Leben mit Kind ausprobieren bevor ich eigene Kinder hatte. Die Umstellung war dann nicht mehr so groß. Ich hab mich nicht in meinen Freiheiten eingeschränkt gefühlt und auch sonst musste ich nicht viel umstellen als das eigene Baby kam. Außerdem war Kind 2.0 wahnwitzig unkompliziert. Es hat gegessen und geschlafen und ab und an gelächelt.

2. Gab es in deinem Umfeld Menschen, von denen du dich unterstützt gefühlt hast? Oder gab es welche, von denen du dir Unterstützung gewünscht hättest, die du aber nicht bekommen hast? (weil die betreffende Person nicht entsprechend reagiert hat oder nicht vor Ort war oder nicht erkannt hat, was du brauchtest etc.) Welche Rolle hat dein Partner/deine Partnerin in dieser Phase übernommen? Wie hast du das empfunden?

Ich habe eine liebe Freundin, die mich sehr viel unterstützt hat und es heute noch tut. Ich habe schwesterliche Gefühle für sie und weiß gar nicht wie ich ihr das alles jemals wieder geben soll. Die Schwangerschaft war sehr anstrengend weil ich Hyperemesis gravidarium (http://de.wikipedia.org/wiki/Hyperemesis_gravidarum) hatte. Ich war insgesamt vier Mal im Krankenhaus und sie war immer für mich da, hat mich mit kleinen und großen Dingen versorgt und immer dafür gesorgt, dass ich mir um nichts Sorgen machen musste. Das hat mir wirklich sehr gut getan. Mein Partner stand beruflich sehr unter Stress und konnte die ersten Wochen nach der Geburt nicht frei nehmen. Er hat halbtags gearbeitet und getan was er im Rahmen seiner Möglichkeiten tun konnte.

3. Erinnerst du dich an eine Situation mit deinem Kind, in der du sicher empfunden hast: ich bin die Mutter, ich bin die Expertin, ich entscheide – vielleicht sogar die erste Situation mit diesem Gefühl?

Das war tatsächlich erst beim 2. Kind. Da fühlte ich mich sicher und hatte auch gleich das Gefühl, dass ich verstehe, was das Kind braucht und was nicht. Ich erinnere mich, dass sie mir in der Nacht der Geburt das schlafende Baby im Krankenhaus abnehmen wollten, damit ich schlafen kann. Das fand ich völlig absurd. Ich habe also gesagt, dass ich mit meinem Baby bleiben möchte und auch sonst keine weitere Hilfe brauche. Nicht beim Wickeln und auch nicht beim Stillen. Ich wurde ab da dann auch alleine gelassen, was ich sehr angenehm fand.

4. Hast du in der Zeit, seit du Mutter bist, Ratgeber gelesen, die sich mit Kindererziehung im weitesten Sinn beschäftigen, egal in welcher Form? Wie hast du dich bei/nach der Lektüre gefühlt, was das Muttersein für dein Kind anging?

Ich glaube, ich habe alle gängigen und ungängigen Ratgeber gelesen, die es so gibt. Mir hilft das sehr. Ich möchte Dinge verstehen. Wissen, ob es physiologische Gründe gibt, ob es evolutionsbedingte Gründe gibt, ob es entwicklungspsychologische Faktoren gibt etc. Ich suche mir dann raus, was mir zusagt, was mir logisch erscheint und was in mein Weltbild passt. Das ist sehr praktisch und beruhigt mich. Ich kann da sehr selbstwertdienlich selektiv sein. Deswegen habe ich mich die ersten Jahre als Mutter so gut wie nie unsicher gefühlt. Die Zweifel kamen erst in den Jahren, in denen die Kinder auf das Schulalter zugehen oder älter sind. In den Jahren, in denen man sich argumentativ auseinander setzen kann und plötzlich nicht mehr nur das gilt, was ich denke.

5. Wie wichtig sind dir die Meinungen anderer Menschen darüber, wie du mit deinem Kind/deinen Kindern umgehst und was die Grundlagen deiner Erziehung sind?

Ich sag mal mittelwichtig. Oft habe ich gehört: „Jetzt renn doch nicht immer gleich, weil das Kind schreit.“ oder „Du stillst doch jetzt nicht schon wieder?“ oder „Gewöhn’ das Kind doch endlich mal an den Laufstall!“. Typische Bedenken und Ratschläge eben. Die waren mir aber immer egal – auch wenn damit verbunden ist, dass ich mein Kind verziehe und deswegen keine gute Mutter bin. Ich hab immer wieder gemerkt, dass es total vom Umfeld abhängt, ob ich eine vermeintlich gute Mutter bin oder nicht. In meiner Wahrnehmung verhalte ich mich ziemlich ähnlich – fühle mich aber je nach Peergroup wie ein strenges Fräulein Rottenmeier oder eine dauerbekiffte laissez-faire Hippie-Mutter (http://dasnuf.de/kinder-kinder/mal-so-mal-so/). Ich kann generell empfehlen mehrere Kinder zu bekommen. Persönlich habe ich den Unterschied doch sehr deutlich gemerkt. Bei jedem Thema. Wenn ich beim 1. Kind noch unsicher war, ob es OK ist, wenn ich unter einem großen Tuch mein vier Monate alten Säugling stille, war es mir beim nächsten Kind lediglich ein Anliegen meine Brüste gelegentlich wieder einzupacken, z.B. weil der Paketbote sich sonst erschreckt.

6. Wie wichtig sind gesellschaftliche Normen für dein Selbstverständnis als Mutter?

Sie sind mir nicht bewusst wichtig aber natürlich beeinflussen sie mich. Ich bin mir z.B. ziemlich sicher, dass ich, wäre ich nicht in Berlin, wo das sehr üblich ist, nicht nach 12 Monaten wieder arbeiten gegangen wäre. Ich spüre die Normen auch dann, wenn ich etwas tue, das die meisten nicht tun, z.B. die Kinder jahrelang in meinem Bett schlafen lassen. Dann begegnen mir die Normen in Form interessierter Nachfragen: „Ist das normal? Wie willst du denn die Kinder jemals wieder aus deinem Bett bekommen?“.

7. Wenn du definieren müsstest, was Mutterschaft für dich bedeutet, was sind dann die drei wichtigsten Punkte für dich?

Liebe, Gelassenheit und äh Liebe. Ohne Quatsch. Was Liebe ist, hab ich erst durch das Kinderhaben verstanden. Ich hatte keine besonders schöne Kindheit und meine Fähigkeit Gefühle zu entwickeln, ist bescheiden. Mit dem Muttersein ist etwas in mir gewachsen, das mich umgehauen hat. Es gab eine völlige Verschiebung und vom Geliebt werden wollen zum Jemanden lieben, bedingungslos, einfach weil er/sie existiert. Das war mir völlig fremd. Das ist ein überwältigendes Gefühl, dafür bin ich sehr dankbar und dieses Geschenk werde ich nie vergessen. Es ist immer Liebe da. Auch nach einer schlaflosen Nacht, auch nachdem ich vollgekotzt wurde, auch wenn mir ein Kleinkind versehentlich fast den Kiefer bricht indem es von unten an meinen Kopf springt. Egal wie angestrengt ich bin, wie gestresst, wie erschöpft, ich muss nur innehalten und dann finde ich da noch ein bisschen Liebe und das ist ein wundervolles Gefühl, das mit dem Muttersein in mein Leben getreten ist. Genauso ist es mit der Gelassenheit. Kinder haben erdet so. Macht mich ruhig, setzt Prioritäten. Das muss ich mir manchmal aktiv sagen. Mir manchmal einen Moment ins Gedächtnis rufen, in dem ich mich zum Beispiel um eines meiner Kinder gesorgt habe, an seinem Krankenbett gewacht habe, in der Notaufnahme gewartet habe – da wird mir dann klar, wie sehr der ganze Alltagsstress unwichtig ist.

8. Was ist deiner Meinung nach deine größte Stärke als Mutter? Was deine größte Schwäche?

Meine größte Stärke ist die Kraft, die ich aus dem Muttersein schöpfe. Das Wissen, dass ich im Fall der Fälle mich wie ein Schaufelradbagger beharrlich durch Probleme und Sorgen fressen kann, um meine Kinder zu schützen und sie zu unterstützen. Meine größte Schwäche ist meine Ungeduld. Die würde ich gerne zügeln. Aber leider gelingt mir das sehr selten. Ich muss mich immer wieder selbst ermahnen. Immer wieder bewusst differenzieren. Was ist jetzt wirklich nötig? Müssen wir wirklich zu einer bestimmten Uhrzeit irgendwo sein? Muss eine bestimmte Sache wirklich so und nicht anders gemacht sein?

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9. Wenn du drei Dinge nennen müsstest, die dich in deiner Kindheit und Jugend besonders geprägt haben, was wäre das?

Das klingt wahrscheinlich so traurig wie es ist, aber mir fällt dazu nur „Kälte“ ein.

10. Wie bist du aufgewachsen? Wie war das Familienleben in deiner Kindheit und Jugend?

Ich bin die ersten Jahre als Einzelkind aufgewachsen, weil meine Schwester viel jünger ist als ich. Einzelkindsein war bei mir aber nicht mit Privilegien verbunden. Ich musste immer funktionieren und irgendwie vorzeigbar sein. Das hat soweit auch geklappt, nur glücklich war ich damit nicht. Es fällt mir schwer, darüber zu sprechen.

11. Wie steht die Mutter, die du heute bist, im Zusammenhang mit der Mutter deiner eigenen Kindheit? Bist du ihr ähnlich oder bist du ganz anders? Ich hoffe, ich bin ganz anders.

12. Gibt es etwas an dir als Mutter, das du nicht magst, weil es dich an deine eigenen Eltern erinnert? Gibt es etwas, das du in dir wieder erkennst und das du magst, weil es dich an deine eigenen Eltern erinnert?

Die Ungeduld erinnert mich an meine Mutter und manchmal auch das Gefühl, das ich habe, wenn ich an meine Grenzen komme. Dann erkenne ich plötzlich meine eigene Mutter. Das ist sehr schmerzhaft und versöhnt mich gleichzeitig, weil ich dann verstehe, wie schwer sie es hatte.

13. Was sind die wichtigsten Dinge, die du deinen Kindern mitgeben willst?

Unerschütterliches Urvertrauen. Das wäre schön. Mein größter Wunsch ist es, dass meine Kinder wissen, dass ich immer da sein werde. Unabhängig von allem.

14. Wenn du deine Kinder fragst, was sie an dir mögen, was würden sie antworten?

Kind 3.0 würde sagen: „Dass sie mir ihre Phantasie vererbt hat. Sie hat jetzt fast keine mehr, das ist schade, weil ich hab die jetzt.“

Kind 2.0 würde sagen: „Dass sie die meisten Dinge richtig macht, zumindest wenn sie macht, was ich sage.“

Kind 1.0 würde sagen: „Dass sie so lustig ist!“

15. Deine Kinder sprechen über dich und erzählen ihren Freund*innen von dir: was für eine Art Mutter beschreiben sie?

Vermutlich würden sie irgendwie erwähnen, dass ich viel beschäftigt bin, dass ich den ganzen Tag was mit Computer mache und dass ich sie viel alleine machen lasse (was sie aber gut finden – Meine Kinder sind die, die scharfe Messer benutzen und alleine durch den Kiez streifen. )

16. Was ist deine Lieblingsbeschäftigung mit deinen Kindern? Gibt es Rituale, die ihr teilt und die eine Bedeutung für euch haben?

Ich bin keine Spielmutter. Ich unternehme gerne was mit den Kindern. Gehe spazieren, auf Entdeckungstour durch Hinterhöfe, schaue mir Dinge mit ihnen an oder lasse mir Dinge erklären, sammle Insekten, erzähle Geschichten.

Wichtig ist mir unser Abendritual. Wir sitzen dann alle zusammen im Bett und ich lese vor. Vorher ziehen wir unsere Socken aus und schreien „SOCKEN AG!“. Danach singe ich, wir kuscheln und die Kinder erzählen mir vom Tag. 

Das sind unsere alltäglichen Rituale.

Wichtig sind mir auch die Geburtstage und Weihnachten. Partyhütchen werden z.B. getragen bis ich 100 bin und ich werde darauf bestehen, dass meine Kinder ebenfalls Partyhütchen tragen.

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17. Dein Lieblingskompliment, das deine Kinder dir mal gemacht haben?

Ich habe Kind 1.0 mal gefragt, ob es mich geschminkt oder ungeschminkt schöner findet. Darauf hat es geantwortet: „Du siehst genau gleich aus nur bunter.“ Das hat mir sehr gefallen. Kind 3.0 hat mal gesagt: „Du bist schön wie Godzilla.“ und Kind 2.0 ermuntert mich eher als dass es Komplimente macht: „Ich finds gut, dass du dich schön findest, Mama. Mein Geschmack ist das nicht, aber du sagst ja selbst: Geschmack ist unterschiedlich.“

18. Deine Liebeserklärung an deine Kinder?

Siehe Frage 7. Ohne Kinder keine Liebe in meinem Leben

19. Ist es dir wichtig, was andere Mütter (auch beispielsweise innerhalb deiner Familie) über dich denken?

Nein, in der Zwischenzeit nicht mehr.

20. Vergleichst du dich mit anderen Müttern? Wenn ja: eher um dich abzugrenzen oder um dich zu bestätigen?

Ja und beides. Abgrenzen wenn ich etwas sehe, das ich nicht gut finde. Dann frage ich mich, wie ich das eigentlich mache und stelle fest, dass mir das ggf. besser gefällt.

Und bestätigen eher solidarisieren: wenn ich andere Mütter in stressigen Situationen sehe, dann versuche ich sie zu unterstützen und sie aufzumuntern. Manchmal mit einem verständnisvollem Lächeln, manchmal indem ich aktiv Hilfe anbiete.

21. Gibt es Mütter oder Müttergruppen in deinem Umfeld (analog und virtuell), denen du dich zugehörig fühlst? Wie wichtig ist dieses Gefühl für dein Muttersein?

Nur sehr wenige. Für mein Muttersein bedeutet das Ruhe und Bestätigung. Wenn ich bei diesen Müttern bin und deren Kinder sehe und feststelle: die sind wie meine! Die sitzen auch nicht still, zappeln und reden zu laut. Super! Da bin ich zuhause.

22. Was wünschst du dir von anderen Müttern?

Dass sie nicht aburteilen und die Unterschiede wahrnehmen, im Muttersein, im Charakter der Kinder und den Lebensbedingungen und sich dann eher die Gemeinsamkeiten und Schnittpunkte als Anknüpfpunkt nehmen.

23. Der Moment deiner größten Verunsicherung als Mutter?

Es war für mich sehr, sehr schwer mich von meinem Mann zu trennen. Keine Mutter (und kein Vater) will das den Kindern antun. Es ist eine schwere Entscheidung, von der man bezogen auf die Kinder auch erst viele Jahre später wissen wird, ob sie richtig war.

24. Der Moment deiner größten Selbstversicherung als Mutter?

Das sind kleine Momente. Wenn ein Kind Sorgen hat, sich unsicher fühlt und man irgendwie helfen kann und es dann die eigene Hand greift oder einen mit dicken Tränen im Gesicht anblickt, man aber die Zuversicht in den Augen sehen kann. Da fühle ich mich dann stark und gut.

Liebe Patricia, ich danke dir von Herzen für das schöne Gespräch. Da du immer sehr sorgfältig und bewusst mit persönlichen Texten umgehst, weiß ich diese Offenheit umso mehr zu schätzen. Sie ist ein Geschenk an mich und meine Leser*innen und ich bin sicher, du hast sowohl Müttern als auch Nicht-Müttern etwas mitgegeben. Tausend Dank dafür!

Die Mütter-Interviewreihe Die Gute Mutter geht weiter. Gerade habe ich eine Reihe spannender und ganz unterschiedlicher Mütter interviewt und sichte die Antworten. Ich freue mich schon darauf, diese ganz verschiedenen Lebensentwürfe von Frauen mit Kindern hier vorzustellen und fühle mich wie immer geehrt, wenn Mütter ihre Sicht aufs Muttersein mit mir teilen. Seid ihr noch dabei?

signatur

 

 

8 Kommentare

  1. Danke für die tollen Fragen und die tollen Antworten! Es ist so unglaublich beruhigend zu wissen, dass es anderen Müttern genauso geht wie mir 🙂

    LG
    Karo

  2. lena sagt

    vielen dank für diese serie!

    besonders nachhaltig "wirken" bei mir verena und sandra. danke an alle!

  3. Kinder zu kriegen löst eine Woge von Gefühlen aus. Nicht nur die der eigenen. Plötzlich hat jeder Anspruch und Teilnahme an deinem Verhalten oder ‚Nicht-Verhalten‘. Vertraute, eng geglaubte Beziehungen zerbrechen oder erleben einen Wandel. Die Erwartung und die Wahrnehmung mit Kindern in der Gesellschaft ändert sich schlagartig. Man gerät ungewollt in den Mittelpunkt. Ungesagte Worte dafür umso aussagekräftigere Blicke werden einem geschenkt. Von Frauen. Oder anders formuliert, die tun am meisten weh. Diejenigen, die es doch am besten wissen müssten. Aber nein. Ein Konkurrenzkampf und das präsentieren der eigenen Überlegenheit behält die Oberhand. Dann lese ich solch schöne Beiträge in den verschiedensten Blogs. Und. Es gibt sie doch. Die normale, schöne, verständnis- und rücksichtsvolle Welt. Ich wünschte mir all diese Mütter und Frauen in der nächsten Schlange vor der Kasse im Supermarkt. Oder auf dem Spielplatz auf dem Markt, in der Bahn oder ganz einfach auf der Strasse.

  4. Jacqueline sagt

    Seit meinem Mama-Dasein (1 Tochter im Alter von 19 Monaten) habe ich (41 J.) viele unterschiedliche Gefühle durchlebt, die ich davor in dieser Form nicht kannte. Neben der grenzenlosen Liebe zu meinem Kind (und Mann) ist das stärkste Gefühl die Verbundenheit zu einigen anderen Müttern… so auch hier. Besonders Frage/Antwort Nr. 6, das Beeinflussen durch gesellschaftliche Normen finde ich sehr interessant. Ich lebe im Norden Bayerns, einer eher konservativen, ländlichen Gegend, in der das Kinderkrippenmodell erst vor 2 Jahren eingeführt wurde und in der es nicht üblich ist, nach 12 Monaten wieder arbeiten zu gehen. Also genau gegensätzlich zu Berlin. Auch ich habe den beruflichen Einstieg nach 12 Monaten gewagt und habe dafür manches mal neben verdutzten Blicken auch leicht verständnislose Fragen geerntet . Unweigerlich fragte ich mich, ob ich dadurch keine gute Mama sei.

    Ebenso beim Thema „Kind schläft im elterlichen Bett“. Es scheint ein Tabu-Thema in der modernen westlichen Welt zu sein, weil es der „Norm“ nicht entspricht. Ich bekam selbst vom Kinderarzt gesagt, dass es nicht gut sei wenn unsere Tochter bei uns schliefe. Aber genau das war eine meiner besten Entscheidungen als Mama.. und sie tut es heute noch und es geht allen prima damit.

    Liebe Patricia, danke für diese ehrlichen und ungeschminkten Antworten und danke liebe Anna für diese wunderbaren Fragen. Ich fühle mich unglaublich verbunden. Alles Liebe! Jacqueline

  5. Was für ein schönes Interview. Ich bin nämlich auch ein ‚Nuf-Fanboy‘. Und nur weil es sozial wenig akzeptiert ist, werfe ich mich nicht jedesmal, wenn ich Patricia treffe, als Ausdruck meiner Bewunderung vor sie in den Staub.

  6. Jasmin sagt

    Danke für das tolle Interview, ich lese so gerne bei Patricia! Ganz große Blog-Liebe.

  7. Pingback: Anderswo, eine Sammlung der letzten Wochen | Das Nuf Advanced

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