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hell’s kitchen en route ::: kochen nach anweisung

Kulinaris, Hell's Kitchen en route, Kochen nach Anweisung

Dieser Blogartikel ist eigentlich off-topic. Und außerdem längst überfällig.

Off-Topic, weil es weder um Berlin, noch ums Mama-Sein, noch um Kinder auch nur im Entferntesten geht. Und überfällig, weil das, worum es geht, schon 10 Tage her ist. Aber manche Sachen sind so schön und so etwas Besonderes, dass ich dennoch darüber schreiben möchte.

Hätte mich nicht mein abartiger Hexenschuss in Schach gehalten, mit dem ich mich seit einer Woche beschäftigen muss, hätte ich längst darüber gebloggt. Schon letzte Woche! Aber die Dinge des täglichen Lebens fordern ihren Tribut, wer wüsste das besser als Eltern. Mit Wirbelsäulen ist es also diesbezüglich nicht anders als mit Kindern: sie machen nicht das, was man sich vorstellt, das sie tun sollten. So sitze ich auch jetzt, den Rücken mit bunten Kinesiotapes lustig verziert, auf einem von meiner lieben Nachbarin ausgeborgten pinken Petziball und spüre sie: das Kreuz-Darmbein-Gelenk und die Ileosakralfuge. Kannte ich vorher noch nicht, diese beiden. Aber immerhin sitze ich. Und blogge. Finally!

Ich habe also vorletztes Wochenende gekocht. Nicht alleine sondern im Pulk. Und außerdem, ganz entgegen meiner sonstigen Gewohnheiten, nach Anweisung. Ich habe nämlich zusammen mit Mann, Vater, Viola, Bruder und seiner Freundin einen Kochkurs gemacht. Den Gutschein dafür hatten wir bereits im Sommer unserem Vater zum Geburtstag geschenkt und hatten uns das Novemberwochenende ausgeguckt. Die Kids waren mit meinen Schwiegereltern auf einem Martinszug und wir trafen uns um 15h bei strömendem Regen im Klostergut Besselich zum Kochkurs bei Kulinaris.

Zutaten in Reih und Glied

Ehrlich gesagt hatte ich an den Nachmittag vor allem die Erwartung, ein bisschen Zeit mit meinen Lieben verbringen zu können, ohne dass ständig eins der Kinder die Aufmerksamkeit aller binden würde. Was das Kochen anging, hatte ich mir relativ wenig vorgestellt und war gleich zu Beginn sehr beeindruckt. Das Klostergut Besselich kannte ich nur vom Vorbeifahren, jetzt hatte ich zum ersten Mal einen Eindruck davon, wie schön diese Räume tatsächlich sind. Wir starteten mit einem Glas Sekt (eigentlich hatten sie mich da schon…!), stellten uns vor und die beiden Kulinaris-Jungs Nico Wehe und Henry Gottschling zeigten uns, was wir kochen würden. Ich war gefasst auf Fisch und Schalentiere, denn das war vorher festgelegt worden. Ich traf aber als erstes einen Octopus. Im Ganzen. Mit Augen und Fangarmen und allem Schnipp und Schnapp. Und war gleich skeptisch. Ick steh ja nich so auf Calamari.

Zum Glück hat Nico sich des Tieres gleich angenommen und es in einen Reiskocher gestopft, wo ich es für die nächsten eineinhalb Stunden sicher verwahrt wusste.

Octopus – prä Reiskocher

Danach sah er schon appetitlicher aus und wurde weiter verarbeitet, mit winterlichen Aromen versehen und mit Salat von uns als Vorspeise gegessen. Köstlich.

Octopus – appetitlich und mit Salat

Überhaupt war unser Menü war großartig. Dem Octopus in die Pfanne folgten ein paar von uns fachmännisch vorbereitete Riesengarnelen, dazu machten wir ein Risotto mit der Brühe aus den Karkassen der Garnelen (mein neues Lieblingswort: Karkassen!). Außerdem haben wir Seezungen, Lachsforellen und Doraden filetiert, einen Fischfond gemacht und im Hauptgang einen feinen Fischeintopf mit einem Ingwer-Minz-Dip daraus gezaubert. Und das Dessert: Sünde! Im Kern noch flüssige Schoko-Küchlein mit selbstgemachtem Tonkabohneneis und karamellisierten und flambierten Birnen. To die for.

Lachsforelle filetieren

Garnelen mit Rosmarin, Thymian und Knoblauch

Alles fertig für den Einsatz

Der feinste Fischeintopf (noch ohne Dip)

Schokoküchlein, Tonkabohneneis und flambierte Birnen: Gaumen-Orgasmus!

Ich muss sagen, dass ich wahnsinnig viel gelernt und mich außerdem noch blendend unterhalten habe. Ich war mir vorher schon sicher, dass ich einen schönen Tag bzw. Abend haben würde, schließlich würde ich ihn mit meiner Familie verbringen, die ich nicht ständig um mich habe. Dass wir aber außerdem in der Kochschule die nettesten Profi-Köche des Rheintals kennenlernen würden, uns beim Kochen in allen verfügbaren Dialekten austauschen und uns ziemlich ausführlich schlapp lachen würden, dass wir zusammen essen und recht viel Wein zusammen trinken würden, dass ich Dinge tun würde, an die ich vorher nicht mal im Traum gedacht hätte (Därme aus Garnelen entfernen, Fische filetieren, Birnen anzünden, aus Karkassen was kochen…) – das habe ich vorher nicht wissen können. Wir haben jedenfalls beschlossen, dass wir uns in Zukunft zu Weihnachten nichts mehr schenken, sondern stattdessen einmal im Jahr bei Kulinaris zusammen kochen wollen.

Nico, Henry, seid bereit: wir kommen ganz sicher wieder. Alle. Nächstes Mal können wir ja was anderes in den Reiskocher stecken, ja?

3 Kommentare

  1. Nico wehe sagt

    Hallo meine Liebe,
    Mit Freude und Begeisterung habe ich deinen Report gelesen und habe Tränen in den Augen und gänse auf der haut. vielen Dank für soviel Lob und es freut uns sehr, dass es Dir so gut gefallen hat. Das motiviert uns weiter zu machen. Dann auf ein baldiges Wiedersehen. dein Kulinaris Team auf dem Klostergut Besselich in Urbar bei Koblenz!
    Www. Feinkost- kulinaris.de

    • Lieber Nico, tscha, was wahr ist muss wahr bleiben. Wir hatten wirklich einen außergewöhnlich schönen (und leckeren!) Nachmittag und Abend bei Euch, dann kann man auch mal so richtig aus den Vollen schwärmen. 🙂 Und dass wir wiederkommen ist beschlossen. Das nächste Mal noch mit Schwesterchen und ihrem Freund. Auf dass die komplette Familie über Euch komme! Hihi… Liebe Grüße zurück und bis bald!

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