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von gott zusammengebröselt – familienplanung à la lieblingsbub

Heute haben mich meine Kinder mal wieder eiskalt erwischt. Das schaffen sie immer dann besonders gut, wenn sie mit Themen um die Ecke kommen, von denen ich nicht mal geahnt habe, dass sie sie auf dem Radar haben.

Auf der Heimfahrt von der Schule/Kita sprachen wir im Auto von allerhand Schulsachen: das große Herzensmädchen (auf dem Beifahrersitz) hatte sich über eine Klassenkameradin geärgert, der Bub wollte mit mir besprechen, ob er seinem Kumpel Valentin morgen zum Geburtstag den StarWars Todesstern von Lego schenken soll oder doch lieber ein Malbuch (dazu muss man einfach gar nix sagen, das ist unfassbar: der To-des-stern! Unter Fünfjährigen! Aber es ist so, sie sind alle infiziert, starwarsverseucht, dabei kennen sie nicht mal die Geschichte. Das nenn ich mal cleveres Merchandising!) und das kleinste Goldmädchen sang munter englisch-deutsch gemischte Liedchen aus dem heutigen Musikunterricht vor sich hin. In eigenen Versionen.
Also alles wie immer. Und plötzlich, aus dem Hinterhalt und ohne Vorwarnung kommt der Lieblingsbub:

Lieblingsbub: „Mama, weißt du was?“
Ich: „Hmmm?“
Lieblingsbub: „Ich wünsch mir noch ein Baby. Einen Bruder! Ich hab schon zwei Schwestern und keinen einzigen Bruder, findest du das nicht auch ein bisschen ungerecht?“
(Und als hätten sie nur auf das Stichwort gewartet, fallen die beiden Mädchen mit ein…)
Goldmädchen: „Ja, ein Baby wünsch ich mir auch! Aber eine kleine Schwester, natürlich!“
Herzensmädchen: „Ohh, ein Baby, das wäre aber schön! Mama, was meinst du, ich bin schließlich schon 9, eigentlich fast 10, ich könnte dir soooo viel helfen! Viel besser als damals beim Mari oder bei der Rosanna!“
Ich (nachdem ich tief Luft geholt habe): „Also Kinder, das kann ich zwar verstehen und ich finde Kinder wunderbar, ich finde euch wunderbar – aber ein viertes Kind… Das schaff ich nicht!“
Bub: „Aber ich schaff das ganz sicher! Oh, bitte bitte, Mama! Der Papa würde sich bestimmt auch freuen, den könnten wir doch damit überraschen!“
Jetzt muss ich wirklich lachen und das Herzensmädchen kichert mit und fängt dann an, zu erklären:
„Also, überraschen kannst du den Papa nicht damit. Der macht doch das Baby mit der Mama!“
So, raus isses. Jetzt bin ich gespannt auf die Reaktionen der Kleinen. Aber die sind ganz cool.
Goldmädchen, lapidar: „Na gut, dann überraschen wir ihn halt nicht mit der kleinen Schwester, auch ok. Aber können wir bitte ein Baby haben, Mama? Ja?“
Lieblingsbub: „Was macht denn der Papa, wenn der ein Baby macht? Wo macht der das denn? Zerbröselt der das Baby dann, so wie Gott Adam aus Matschbröseln gebröselt hat? Habt ihr uns auch so gemacht, Mama? So zusammengebröselt?“
Goldmädchen (ungläubig kichernd): „Matsche? Mari, du bist ja verrückt, das geht doch gar nicht! Wir sind doch nicht aus Matschbröseln sondern aus… aus… aus einem Körper!“
Herzensmädchen: „Also, ihr Kleinen, das ist so: ein Baby wächst aus Zutaten von der Mama und dem Papa. Die Zutaten tut man zusammen, wie bei einem Kuchen und daraus wächst das Baby in Mamas Bauch. Und wenn es fertig gewachsen ist, nach neun Monaten, dann kommt es raus.“ (Eifriges Nicken auf der Rückbank) „Und wisst ihr auch, wie es da reinkommt?“
Jetzt wird’s mir doch zu heikel, obwohl ich auch neugierig gewesen wäre, wie sie das denn nun den beiden anderen erklärt hätte. Aber eine kindgerechte Sexualaufklärung einer 9jährigen zu überlassen, ist mir dann doch zu abenteuerlich. Ich greife ein:
„Stop, jetzt mal eins nach dem anderen. Also erstens Marius, es ist so, wie Gretchen sagt, wir haben euch nicht aus Matsch zusammengebröselt, so wie Gott es mit Adam gemacht hat sondern ihr seid in meinem Bauch gewachsen, als kleine Menschen aus Fleisch und Blut, also quasi aus „Körper“, wie du gesagt hast, Rosanna. Und zweitens, wir können nicht einfach so ein Baby haben, das ist eine große Sache und es braucht seine Zeit. Und drittens, Kinder, der Papa und ich, wir möchten nicht noch ein viertes Kind haben, wir sind sehr froh mit euch Dreien und würden alles gerne so lassen, wie es ist….“
Herzensmädchen (denkt wohl, sie muss mir beispringen): „Ja, du bist ja auch echt schon ein bisschen alt, um noch ein Baby zu kriegen, oder Mama? Und wir hätten ja auch gar kein Zimmer mehr frei, wo sollte das Baby denn wohnen?“ (Alt! Na, schönen Dank auch. Wenn ich bis heute dachte, ich fühle mich nicht viel älter als zu den Zeiten, als ich noch eine Ein-Kind-Mama war, dann ist es damit jetzt vorbei.)
Erschlagen von so viel sachlichen Argumenten schweigt es auf der Rückbank. Ein bisschen tut es mir leid, den Enthusiasmus der zwei Kleinen so ausgeknockt zu haben, und ich will mich gerade umdrehen und ihnen etwas Tröstendes sagen, da höre ich sie flüstern, hin und her. Und dann, der Bub:
„Mama, wir haben beschlossen, dass das kein Problem ist. Wir finden, du bist überhaupt nicht alt. Du bist eine schöne kleine Mama. Und ein Zimmer brauchen wir nicht, ich lade das Baby in mein Zimmer ein, da kann es gerne wohnen. So ein Bruder, echt mal, das ist doch kein Problem für mich!“
Goldmächen: „Nein, es wird aber ein Mädchen, eine kleine Schwester und sie wohnt bei mir, das kann sie gerne machen, bei mir wohnen, wirklich, Mama! Ich teile!“
Bub: „Bruder! Bei mir!“
Goldie: „Schwester! Bei mir!“
… undsoweiterundsofort…

Ich fühle mich leicht erschöpft, als ich das Auto in der Einfahrt parke und die siegessicheren Kinder auslade. Stimmt, früher, als ich noch eine Ein-Kind-Mama war, da habe ich mir immer vier Kinder gewünscht. Vier. 4! Ich bin wahrscheinlich doch viel, viel älter geworden, als ich dachte seit den letzten zwei Kindern. Gefühlte Jahrzehnte, vielleicht sogar mehr. Definitiv viel zu alt, um noch mal ein Kind zu kriegen.
Und um das zu beweisen, meckere ich ein bisschen mit den Kindern, als sie mit sandigen Schuhen in die Bude trampeln und sage, ich hätte keine Lust, mit ihnen zu spielen. Es nützt alles nichts. Beim Gute-Nacht-Sagen schlingt der Bub seine Ärmchen um meinen Hals und flüstert zuckersüß: „Gell, Mama, über den kleinen Bruder reden wir nochmal. Du schöne, liebe, kleine Mama!“

Ich geh jetzt schnell ins Bett. Vielleicht denken sie morgen, es sei alles nur ein Traum. Sonst muss ich doch noch mal die Matschbröseltheorie bemühen und gebe ihnen einen Eimer Modderpampe. Dann können sie sich ihren kleinen Bruder/Schwester selbst zusammenbröseln.

10 Kommentare

  1. Hihi, sehr schön! Solche Poeten deine Zauberkinder.
    Und stell dich nicht so an. Eins geht noch. Helfen doch alle mit 🙂 Ich bin gespannt, was daraus wird.
    Eine Freundin von mir bekam mit Abstand von 7 Jahren noch ein ungeplantes Kind. Die große Schwester sagte, na endlich, sie habe über ein Jahr dafür gebetet.

  2. Jahahaaa, und wie die helfen. Ich seh das ja bei den armen Meerschweinchen, die hier wohnen: ohne mich würden die verhungern, verdursten oder in ihrem Dreck ersticken. Und ich wollte die nicht mal haben. Wie das immer so ist. Aber ich find’s ja auch schön, dass die drei Geschwister-Haben offensichtlich so gut finden, dass sie mehr davon wollen. Daran kann ich mich als Kind auch erinnern – obwohl wir auch zu dritt waren, hätte ich mehr auch gut gefunden. Aber eigentlich ist das Thema hier durch. Jedenfalls bei den Eltern-to-be. Ich hätte auch immer so ein bisschen Angst, das Schicksal heraus zu fordern: haste schon drei gesunde Kinder, alles ist gut gegangen und kriegst den Hals nicht voll, willst unbedingt noch Nummer 4? Ich weiß nicht… Was auch immer sich da tun wird, ich werde darüber schreiben! 🙂

  3. Wir haben uns auch kringelig gelacht. Sehr schön, vor allem über die Überraschung für den Papa :-).

  4. Recht hamse, deine Herzgoldkinder. So viel Geduld wie ihr habt, so viel Glück, so viel Liebe, so viel Wärme und Herzlichkeit, die ihr ausstrahlt… das reicht doch fürn ganzes Dorf. Wie toll das sein muss für die „Großen“, groß zu sein und wichtige Sachen machen für Mama&Baby, Mama Milch&Kekse bringen, Baby tragen, Baby trösten. So tolle Kinder wie deine Anna, da sollte es viel viel mehr von geben. 🙂

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