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sentimental journey ::: geburtstagsbrief ans goldkind

Heute ist der 06. April, und der Tag begann schon vor dem Aufstehen mit Geburtstagsliedern am Bett des kleinsten meiner Kinder: dem Goldkind, meinem kleinen Mädchen, das heute seinen vierten Geburtstag feiert.

Die beiden Großen hatten sie schon seit zwei Tagen gebrieft, sie müsse un-be-dingt liegen bleiben und dürfe nicht aufstehen, außer sie müsse Pipi machen, dann schon. Aber dann müsse sie sich gleich wieder hinlegen und warten, bis die Geburtstagssänger kämen, das sei Geburtstagspflicht. Und dann ginge er aber los, der beste aller Tage im Jahr für sie würde beginnen und SIE sei die Hauptperson, das Geburtstagskind!

Alles ist also seit Tagen voller Vorfreude, es wurden Kuchen gewünscht („Schokolade, Mama, das wünsche ich mir. Mit rosa Herzchen!“ Seufz.) und es wurde geübt, wie es ist, wenn man morgens im Bett liegen bleibt, wenn alle anderen schon so allmählich aufstehen und sich heimlich irgendwo treffen.

Und zwischen all den Vorbereitungen, dem Verpacken von Geschenken in (rosa) Papier, dem Backen von Marmorkuchen und Schokoldadentorte und Zitronenmuffins, der Auswahl von bunten Kerzen und schönen Blumen, werde ich immer wieder davon gerissen in einen Strudel von Erinnerungen an die Geburt dieses kleinen Mädchens und an so viele Ereignisse aus den letzten vier Jahren mit ihr, die mir so kostbar und einzigartig sind, wie ein heimlicher, funkelnder Schatz. In meinem Kopf formuliere ich Gedanken und Erinnerungen und füge sie zu Sätzen, zu einem Text zusammen –  einem Brief an mein kleinstes Kind, mein goldenes kleines Mädchen.

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Mein kleines Mädchen, einziges Goldköpfchen und Blauauge der Familie, mein Goldkind,

du bist mein Überraschungskind. Ja, wir wollten immer drei Kinder, aber mit dir hatten wir zu dem Zeitpunkt, als du dich ankündigtest, nicht gerechnet. Dein großer Bruder war noch ein Minimännlein von 14 Monaten, als ich ungläubig Anzeichen einer Schwangerschaft an mir feststellte und im Sommerurlaub in Lissabon in eine Apotheke ging, um einen Test zu kaufen. Ich war mir sicher, nicht schwanger zu sein. Umso größer war meine Überraschung, als der Test so eindeutig positiv war! Das Testfenster zeigte einen pinken Strich, dein erstes Zeichen an mich, dass du da seist. Ich bekam einen winzigen Schreck und gleich darauf brauch ich in Freudentaumel aus! Ich konnte in meiner Euphorie niemandem verbergen, dass du unterwegs warst, also wussten es gleich alle: dein Papa sowieso, aber auch deine große Schwester, der Rest der Familie und die Freunde in Lissabon. Das Minimännlein aka dein großer Bruder hat bis zu deiner tatsächlichen Geburt 9 Monate später nicht wirklich verstanden, was das bedeutete: wir bekamen ein Baby.

Die Schwangerschaft mit dir war unkompliziert und schön. Aber es stand von Anfang an fest, dass du per geplantem Kaiserschnitt geboren werden würdest. Obwohl mir klar war, dass das aufgrund meiner medizinischen Vorgeschichte und wegen der beiden ungeplanten Kaiserschnittgeburten deiner großen Geschwister das Vernünftigste war, war mir das Wissen um den Tag deiner Geburt schon Wochen vor Erreichen dieses Termins unheimlich. Aber die Sorge um dich und der Wunsch, dich schnell und heil in den Armen halten zu können, waren größer als mein Fremdeln mit dem geplanten Kaiserschnitt, und als ich mit Katja, unserer Hebamme, am 06. April 2009 bei strahlendem Sonnenschein und vor Tau und Tag in die Klinik fuhr, war ich zwar aufgeregt, aber voller Vorfreude auf dich.

Du bist das einzige meiner Kinder, das ich gleich nach der Geburt sehen, hören und spüren konnte, denn bei deiner Geburt musste ich keine Vollnarkose bekommen. Es war so wundervoll, dein kleines Gesicht zu sehen, deinen ersten Schrei zu hören und dich warm an meiner Wange zu spüren, gleich nachdem du geboren worden warst. Ich bin noch heute unendlich dankbar für diesen Moment und werde es immer sein. Ohne es zu wissen, hattest du mir damit bereits zum zweiten Mal in deinem kleinen Leben ein Riesengeschenk gemacht: nachdem ich ungeplant schwanger mit dir geworden war (ich! ungeplant!), erlebte ich jetzt bei vollem Bewusstsein erstmalig die Geburt eines meiner Kinder. Das hat mich nicht nur mit vielem versöhnt, was in den Jahren vor deiner Geburt geschehen war, sondern mich absolut verzaubert. Mein kleines Wunder war geboren: du, mein kleinstes Kind.

Dein erstes Lebensjahr war anstrengend, voller wunderbarer Augenblicke und unser Alltag geprägt von dir, unserem neuestem Familienmitglied. Innerhalb weniger Tage nach deiner Geburt, warst du nicht mehr aus unserem Leben weg zu denken und nicht nur dein Papa und ich liebten dich vom Fleck weg, sondern beide deine Geschwister so wie auch der Rest der großen Sippe, die du deine Familie nennst. Es war so, als wärst du schon immer da gewesen und dein fröhliches, unkompliziertes Wesen erfüllte uns jeden Tag mit Glück und Dankbarkeit.

Du warst bei allem dabei. Interessiert, wach, fröhlich. Kein Lärm, kein Geschwisterchaos, keine Unordnung in deinem kleinen Bereich schienen dich aus der Ruhe zu bringen. Du stilltest in den ersten Lebensmonaten wie von selbst und gingst früh zu fester Nahrung über, wie du es vor allem bei deinem Bruder, der dir im Alter so nah war, genau beobachtetest. Babybreie schätztest du nicht und so war dein Essen früh dasselbe, das ich für deine Geschwister  machte. Bis heute bis du mein Gourmet-Baby und hast die verrücktesten Essvorlieben: schwarze Oliven, jede Sorte Fisch (sogar Sushi), Garnelen und Muscheln, kräftiger Ziegenkäse und herzhaft zubereitete Gemüsesorten. Als einziges meiner Kinder magst du Spargel, Blumenkohl und jede Sorte Hülsenfrucht. Nur mit klassischen Sattmachern hattest du es noch nie: dein selbst gewählter Speiseplan war immer schon „low carb“. Große Ausnahme sind Spaghetti mit Opa-Bolognese und dein Sonntagscroissant mit Honig.

Früh entwickeltest du dein motorisches Talent: so wie du heute tanzt, balancierst, kopfüber an der Reckstange baumelst, radelst und rollerst und überall hochkletterst, konnten wir schon im Alter von 9 Monaten sehen, dass du auch in dieser Hinsicht anders warst, als deine großen Geschwister – du gingst am Lauflernwagen durch den Garten und schobst alles was ging vor dir her. Hauptsache,du kamst voran und zwar auf deinen eigenen zwei Beinen. Mit 11 Monaten liefst du frei und sehr schnell war dein Kinderwagen abgemeldet. Wenn die Großen los preschten, wolltest du hinterher. Viel von deinem motorischen Ehrgeiz und der absoluten Angstfreiheit, mit der du neue Herausforderungen bis heute angehst, hat schon früh positiv auf deinen eher ängstlicheren Bruder abgefärbt. An seinem vierten Geburtstag entertest du, zweijährig, seinen neuen Roller, bevor er sich daran traute und wecktest so seine Lust aufs Rollern erst so richtig.

Ansonsten bist du schon früh das gewesen, was man landläufig ein „typisches Mädchen“ nennen würde. Im einen Moment konntest du noch wild über die Wiese kollern, im nächsten wolltest du dich als Prinzessin verkleiden und von deiner großen Schwester „Piessessinnenhaare“ gemacht bekommen, sprich, komplizierte Flecht- und Glanzfrisuren, Marke Herzensmädchen. Ich führe das vor allem darauf zurück, dass, anders als bei deiner großen Schwester im selben Alter, all die Mädchenutensilien schon im Haus und damit für dich zugänglich waren. Die Faszination, die von den Besitztümern der Großen ausgeht, ist bis heute stark, und die Mädchenheiligtümer deiner großen Schwester wie Barbiepferde, Verkleidekleider und Schleichelfen stehen dabei ganz oben auf deiner Hitliste. Überhaupt ist die Große eigentlich Teil des Heiligenkultes: weil es IHRE Sachen sind, interessieren sie dich. Alles an ihr ist nachahmens- und bewundernswert und du wünschtest dir oft schon, genauso zu sein wie sie, ja, sogar so zu heißen. Ich glaube, du hegst immer noch die Hoffnung, dass du beim „Großewerden“ vielleicht zu einer Art Zweitausgabe deiner Schwester wirst. Zum Glück wird das nicht geschehen, denn jede von euch ist so wunderbar und einzigartig, wie ihr seid.

Mit deinem Bruder verbinden dich eher „echte“ Spiele: ihr erfindet von klein auf ständig neuen Quatschkram, mit dem ihr eure Umwelt wahlweise in den Wahnsinn treibt oder in Entzückenszustände versetzt. Manchmal beides zugleich. Früher war es „Pilz und wilder Schnippel“, ein Spiel, dessen Regeln niemand kannte außer euch und das mich immer sehr ratlos zurück ließ. Aktuell spielt ihr gerne „Mädchen, Junge, Kackwurst“. Öhmm, ja.

Ihr beide teilt so viel an jedem Tag! Ab dem Augenblick, als du dich an der Erde robbend fortbewegen konntest, war er da und schien dich nur zu erwarten. Deinen heftigen Liebesbekundungen ihm gegenüber wie ablecken, anstrahlen, nach ihm grabschen, konnte er sich nicht lange erwehren und gab sich diesem neuen Kapitel in eurer Geschwisterbeziehung vollends hin: er liebte dich zurück, küsste, beutelte, piesackte dich, erfand Spiele nur für dich, band dich in seine kleine Welt ein und eröffnete sich mit dir an der Hand neue Welten. Ihr zwei seid ein Herz und eine Seele, manchmal wie Hund und Katz oder, wie wir gerne sagen, wenn ihr in eurer verschworenen Quatschmach-Phase seid: wie Arsch und Eimer. Man weiß nie, was euch beiden als nächstes einfällt.

Du bist ein schlaues, redegewandtes und sehr sensibles Kind. Auch wenn Dinge passieren, die du nicht vollends verstehst, sind deine Antennen voll auf Empfang und du versuchst im Nachhinein, Situationen mit mir zu besprechen und für dich zu deuten. Dein Erinnerungsvermögen ist enorm. Immer wieder überraschst du mich mit Detailwissen über Ereignisse, die lange zurück liegen und von denen mir gar nicht klar war, dass du sie genauestens mitgeschnitten hast. Du formulierst sehr klar und unmissverständlich. Niemand könnte behaupten, er verstünde nicht, was du sagen möchtest. Waren auch deine sprachlichen Anfänge im Vergleich zu den zwei Großen eher zögerlich und kauderwelschig, ist davon schon seit kurz nach deinem ersten Geburtstag nichts mehr zu merken. Im Gegenteil. Im Augenblick kultivierst du beim Nacherzählen von Erlebnissen die Anwendung einer perfekten Vergangenheitsform, die dich sehr vornehm und ein bisschen altklug klingen lässt: „Mama, der Mari und ich aßen neulich Fischeintopf, aber wir liebten ihn nicht.“ Aktuelles Goldkindsprech.

Dass du blond und blauäugig bist und außerdem jede Menge Locken ha(tte)st, hat niemanden mehr verwundert als mich, sahst du mir doch bei deiner Geburt von allen meinen Kindern am ähnlichsten. Ich sah dich an, studierte dein kleines Gesicht und dachte zufrieden, dass endlich mal eins meiner Kinder gleich von Geburt an aussah wie ich. Das war allerdings der Trugschluss der Familiengeschichte, denn binnen weniger Wochen wurden deine Augen hell und deine Haare zunächst rötlich, dann immer blonder. In dir treffen sich zwei deiner Urgroßmütter, nämlich meine Oma Lieschen und Papas Oma Ursula, die beide blondlockig und blauäugig waren. Klingt unwahrscheinlich und an den Haaren herbei geholt, ist aber so. Das tröstet dich allerdings in letzter Zeit nicht, denn dein Anders-Aussehen beschäftigt dich immer wieder und du seufzt oft laut, du wünschtest, ich, deine Mama, hätte auch blaue Augen und blonde Haare, so wie du. Schön, dass du dir nicht wünschst, du wärst dunkelhaarig – du bist so bezaubernd, genau wie du bist!

Mein kleines, großes Mädchen. Eben saßt du nach dem Mittagessen auf meinem Schoß und ließest dir von mir die Geschichte deiner Geburt erzählen. Immer wieder möchtest du hören, wie wir dich empfangen haben, wie du und ich glücklich in einem Bett lagen und uns kennen lernten, wie dein Papa dich im Tragetuch durch die Gegend trug und die beiden Geschwister alles an dir in Augenschein nahmen, bewunderten und küssten, vom kleinsten Zeh bis zum schwarzen Schopf. Eigentlich ist es bis heute so: wir lieben dich mit jeder Faser unserer Herzen und sind dankbar für jeden Augenblick mit dir.

Ich bin glücklich und stolz, deine Mama zu sein und feiere heute voller Freude mit dir deinen vierten Geburtstag: happy birthday, geliebtes Goldköpfchen.

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