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Tote Mädchen lügen nicht ::: Was Eltern über die Serie wissen müssen

Es ist wie der Blick in einen Alptraum, wie ihn nur Eltern von Teenagern träumen können. Verzweifelt versucht man aufzuwachen, aber es will und will nicht gelingen, und was beginnt wie eine zufällige Serie kleiner Begebenheiten, die jede für sich genommen eher harmlos wirken, spitzt sich unheilvoll zu und endet, wie das ängstliche Herz es von Anfang an weiß: in der Katastrophe.

13 Reasons why – Tote Mädchen lügen nicht

Die Rede ist von der Netflix-Serie „Tote Mädchen lügen nicht“, die ich vor einiger Zeit angeschaut habe. Allein. Denn ich wollte mir erstmal ein Bild davon machen, was da seit Monaten so eine Riesenwelle macht auf Netflix, aber auch im Netz und bei Jugendschützern weltweit, bevor ich mein großes Mädchen die Serie sehen lassen würde. Denn das will sie unbedingt. „Tote Mädchen lügen nicht“ ist seit der Veröffentlichung auf Netflix im April quasi Pflichtprogramm bei Teenies.

Netflix-Serien für Teenager

Und ich kann nur sagen: es sollte auch tatsächlich Pflichtprogramm sein –  aber vor allem für Eltern, Lehrer und alle Erwachsenen, die mit Teenagern eng zu tun haben, sich um sie sorgen und für deren Erziehung und die körperliche sowie seelisch-psychische Unversehrtheit zuständig sind.

Denn was hier gezeigt wird (und zwar in einer wirklich hohen dramaturgischen Qualität), ist ein tiefer Einblick in das Seelenleben von Teenagern heutzutage. Und in ihr Leben, ihren Alltag – alle Dinge, mit denen sie zu kämpfen haben und die ihr Leben schwer machen. Schwerer als das Leben von Erwachsenen, schwerer als das Leben von Siebenjährigen, schwerer als das Leben von Kindergartenkindern. Weil mit 15 plötzlich alles komplizierter ist als zuvor.

Kurz zum Inhalt: „Tote Mädchen lügen nicht“ oder im Original „13 reasons why“ beginnt eigentlich mit dem Ende – dem Selbstmord eines sechzehnjährigen Mädchens, Hannah Baker. Ihre Familie ist am Boden zerstört und ihre Freunde (oder was man dafür hält) bemühen sich, nachzuvollziehen, wie es dazu kommen konnte. Aber Hannah hat etwas hinterlassen: 13 besprochene Tonbandkassetten, auf jeder enthüllt sie einen Grund, der mit zu ihrem Selbstmord geführt hat – 13 reasons why.

Teenager sind anstrengend? Ihr Leben ist es auch

Wenn ich die Thematik von „Tote Mädchen lügen nicht“ zu einem Schwerpunktthema zusammenfassen sollte, würde ich sagen, es geht um die Diskrepanz zwischen Innen und Außen. Darum, dass Jugendliche sich in diesem Alter anders wahrnehmen, als sie von anderen wahrgenommen werden. Dass sie sich viel verletzlicher fühlen, als in den Jahren zuvor und dass sie sich gleichzeitig oft scheuen, Gefühle zu zeigen oder gar sich so zu zeigen, wie sie wirklich sind. Was auch daran liegt, dass sie in dieser Phase schlicht nicht w i s s e n, wer sie wirklich sind. Es geht darum, dass alles, was ihnen widerfährt, sie dramatisch prägt. Auf eine neue Weise vielleicht sogar noch nachhaltiger als in den frühen Jahren.

Siebenjährige sind auch verletzlich und zerbrechlich, keine Frage. Aber ich muss mit allem Nachdruck sagen, als jemand, der täglich von Teenagern umgeben ist und mit dem Blick auf alle Familiengeschichten von Eltern von Teenagern im Freundeskreis, der Nachbarschaft, der Schule: es ist niemals zuvor so dramatisch, wie in diesen Jahren der Pubertät.

Es ist eine Zeit, in der ihre ganze Welt auf dem Kopf steht, alle Regeln außer Kraft gesetzt zu sein scheinen und nichts mehr so ist, wie zuvor. Es gibt plötzlich keine einfachen Antworten mehr und auch der schützende Schoß der Familie ist nicht mehr ausreichend, um all den Trost zu spenden, den das Verzweifeln an der Welt nötig macht. Und ich meine das kein bisschen ironisch.

Wir lesen viel über das Leben mit Teenagern, wie anstrengend es für die Eltern ist, wie die Kinder sich verändern, nicht mehr kommunizieren wie früher, alle Regeln brechen, dummes irrationales Zeug anstellen und sich benehmen wie Außerirdische. Hahaha, wie lustig das alles ist, wie ganze Bücher darüber geschrieben werden, dass Pubertist*innen so putzig bekloppt sind und sich nicht waschen mögen und rumschreien ohne Grund und lächerlichen Trends nachlaufen. Und jahahaaa, da können alle Eltern von Teenagern mitreden, weil ja, so ist das.

Ist das so? Ich  muss sagen, dass mich diese Art von Umgang damit nicht erst jetzt aufregt. Denn natürlich ist das Stoff für witzige Bücher, geschrieben im Stil von Kolumnen und ironisch gebrochenen Selbstbeobachtungen und ja, ich fühle aus Erfahrung mit allen Eltern, die vor den plötzlich verschlossenen Zimmertüren ihrer Kinder stehen und nicht mehr wissen, wie sie sie erreichen sollen. Aber:

Die, für die diese Phase am anstrengendsten ist, sind doch unsere Teenies selbst. Niemals mehr in ihrem Leben erfährt das Gehirn so eine heftige Umstrukturierung, wie in der Phase der Pubertät. Und niemals zuvor haben unsere Kinder erfahren, dass sie Emotionen so ausgeliefert sind, wie jetzt, wo die Hormonproduktion ihr übriges dazu tut.

Mobbing: viele kleine Nadelstiche mit dramatischem Effekt

Aber zurück zu „Tote Mädchen lügen nicht“. Wer die Serie ohne eigene Teenagererfahrungen von heute sieht, mag denken, es sei ein amerikanisch überzogenes Highschool-Drama, aufgebauscht und übertrieben. Schön wär’s. Ich kann nur sagen: genau so ist es. So ist das Leben an einer weiterführenden Schule heutzutage, genauso passieren all die Dinge, angefangen von Cybermobbing, über Fat- und Slut Shaming und fragwürdige, erste sexuelle Erfahrungen, die von unschön bis gewaltvoll reichen bis hin zu Drogenmissbrauch. Das ist die Realität.

In der Netflix-Serie wird die Geschichte von Hannah auf 13 Tonbändern erzählt, wir sehen sie selbst, und hören ihre Stimme, wie sie ihre Erlebnisse nacherzählt und interpretiert, wie sie berichtet, was all die vermeintlich kleinen Ereignisse mit ihr gemacht haben. Und am Anfang denkt man noch, naja, Teenager sind halt doch auch ein bisschen empfindlich, soooo schlimm war doch dieses eine isolierte Erlebnis gar nicht. Aber spätestens bei Kassette Nr. 3 beginnt man zu ahnen, dass es so einfach nicht ist, sondern dass die Summe der vielen kleinen Gemeinheiten, die Hannah erfährt, die Enttäuschungen und das immer wieder missbrauchte Vertrauen, jeder verbale Schlag, den sie einsteckt, wenn sie sich wieder und wieder zu öffnen versucht, die vielen kleinen Nadelstiche sind, die sie letztlich dazu treiben, sich das Leben zu nehmen.

Ich spoilere jetzt einfach mal, weil ich weiß, dass hier viele mitlesen, die kein Netflix benutzen oder keine Kinder im entsprechenden Alter haben und daher meinen, es beträfe sie nicht: es betrifft uns alle. Jeden Menschen, der seine Kinder in die Welt hinaus schickt, in Schulen und Sportvereine, in Theatergruppen, Jugendgruppen oder zu den verflixten Pfadfindern. Es passiert überall. Kinder werden ausgegrenzt und für ihre Eigenarten lächerlich gemacht, sie werden bloßgestellt und verletzt und alles, was sie von Eltern und Lehrer*innen zu hören bekommen, ist die Antwort, die Hannah Baker in „Tote Mädchen lügen nicht“ zum Rasiermesser greifen lässt: „Nimm es nicht so schwer. Es war sicher nicht so gemeint. Bleib cool. Zeig nicht, wie verletzt du bist. Geh denen aus dem Weg. Weine nicht, das macht dich angreifbarer. Der/die ist auch Teil der Schulgemeinschaft/des Teams/der Gruppe, da können wir nichts machen.“ Undsoweiter.

Was wir als Eltern lernen, wenn wir diese Serie anschauen ist dasselbe, was Hannah Baker lernt: niemand hilft den Kindern in dieser Not. Niemand nimmt ihre Pein richtig ernst. Niemand sagt laut „Stop!“ und stellt sich gegen die, die aus einer mächtigeren Position heraus andere niedermachen. Stattdessen werden die Kommentare der Täter*innen verharmlost, die giftige Atmosphäre wird unter „so reden Jugendliche halt heutzutage miteinander“ verbucht und dem Kind, das leidet, wird nahegelegt, sich nicht so anzustellen. Das ist fatal, in der Serie genau wie im echten Leben.

„Die Art von einsam über die ich rede ist, wenn man sich fühlt als hätte man nichts mehr übrig. Nichts und niemanden. Als würde man ertrinken und niemand wirft dir eine Leine zu.“ (Jay Asher, Tote Mädchen lügen nicht)

In „Tote Mädchen lügen nicht“ führt es zum Selbstmord von Hannah Baker, im echten Leben ist es zumindest eine Situation, die nachgewiesenermaßen bei Teenagern zu Depressionen und Angststörungen führen kann. Daher ist dies nicht nur ein Review der Serie, sondern vor allem ein Appell an Eltern und Lehrer*innen, Trainer*innen und Jugendgruppenbetreuer*innen: schaut hin, hört genau zu und stellt euch auf.

Schaut hin! Und macht einen Unterschied

Was können wir gegen Mobbing im Teenageralter tun? Wir können tatsächlich unsere Kinder nur bedingt vor solchen Erfahrungen schützen. Wieso ein Kind in bestimmen Zusammenhängen zum Opfer wird, erschließt sich oft nicht und es lässt sich auf keinen Fall irgendwie im Vorfeld verhindern. Was natürlich hilft ist, wenn wir die Kinder stärken, ihre Beziehungen zu uns Eltern, aber auch stabile Freundschaften unterstützen, sie ermutigen, uns für sie interessieren und präsent bleiben. Aber das ist kein verlässlicher Schutz davor, zur Zielscheibe zu werden.

Daher gibt es für uns Eltern vor allem eins zu tun: wir müssen unseren Kindern zuhören. Wir müssen sie ernst nehmen und immer wieder versuchen, hinter ihre Fassade zu schauen, die sie auch aufbauen, um uns zu schützen.

In „Tote Mädchen lügen nicht“ ging es mir mitunter wie bei Plots in Horrorfilmen. Man w e i ß, dass das, was der Protagonist gerade tut, falsch ist und alles verschlimmern wird, aber man kann nichts tun, sondern sieht die Charaktere in ihr Verderben stolpern. Nur ist es hier vor allem Hanna Bakers Verderben. Sie öffnet sich den Eltern nicht wirklich, aber die Eltern sind auch stets mit sich selbst beschäftigt. Man schaut sich das an und hat Mitleid mit ihnen, denn sie sind gute Eltern, sie lieben ihre Tochter und wollen für sie da sein, aber sie interpretieren so viel falsch, fragen nicht nach und geben sich zu schnell zufrieden mit Hannahs Plattitüde: „Es ist alles gut, ich bin okay.“ Bei den Eltern der anderen Teenager in der Serie verhält es sich übrigens nicht anders. Und mit den Lehrer*innen auch nicht. Alle Erwachsenen in dieser Serie missinterpretieren, was sie sehen und ziehen daraus entsprechend die falschen Schlüsse.

Als Mutter vor dem Fernseher möchte man die Hannah-Eltern schütteln und sagen, schnell, schaut hin, hört ihr zu, hinterfragt das um Himmels Willen und seid die, die den Unterschied machen!

Wir dürfen nicht, auf keinen Fall, resignieren. Wir dürfen unsere Kinder niemals loslassen und denken, dass bestimmte Verhaltensweisen eben altersbedingt sind. Unsere Kinder werden eben nicht zu Aliens, weil sie in die Pubertät kommen, sie sind noch immer unsere Kinder und brauchen unsere Liebe und unsere Fürsorge. Wir kennen sie, das ändert sich nicht und das dürfen wir nie vergessen. Das ist unser Schlüssel zu ihren Herzen und Seelen und das ist auch die Grundvoraussetzung für gegenseitiges Vertrauen. Und letztlich ist es vielleicht das, was sie davor bewahrt, in die Dunkelheit zu stürzen, wenn sie mit den Anfechtungen dieser Lebensphase zu kämpfen habe.

Akzeptiert nicht die Erklärung: „So reden Teenager halt heutzutage miteinander.“ Sagt euren Kindern nicht, es wäre schon alles nicht so schlimm. Verharmlost nicht, was sie erleben. Fragt sie nach Plattformen wie Tellonym (in meinen Augen die reinste Hater-Plattform, ein Alptraum!) oder nach Hetz- und Lästergruppen auf What’sApp, schaut euch die Instagramprofile ihrer Freund*innen an und hinterfragt, was da gezeigt wird. Es findet sehr viel sehr offen statt, und selbst wenn wir das nicht sehen w o l l e n, weil es uns zu schrecklich oder absurd oder unwahrscheinlich vorkommt – wir müssen hinschauen. Und zuhören. Und wir müssen uns dazu klar äußern und aufstellen: „Nein, das ist nicht okay. Nein, so redet man nicht miteinander. Nein, das musst du dir nicht gefallen lassen. Ich glaube dir, ich stehe hinter dir.“

„Tote Mädchen lügen nicht“ ist eine fast unerträglich anzuschauende und dabei sehr wichtige Serie zugleich. Viel wird darüber gesprochen, ab welchem Alter Netflix die Serie freigeben sollte und z.B. in Neuseeland ist sie erst ab 18 freigegeben. Ich würde die Serie tatsächlich persönlich einem jungen Kind oder Teenager nicht ohne weiteres freigeben. Mindestens muss man ausführlich darüber sprechen und die Serie bzw. die Inhalte begleiten. Noch besser wäre es wohl, die Serie gemeinsam anzuschauen (nachdem die Eltern sie alleine geschaut haben und wissen, was da gezeigt wird) und sie nachzubereiten.

Für Schulen finde ich „Tote Mädchen lügen nicht“ tatsächlich sehr empfehlenswert, sowohl für Lehrer*innen, als auch möglicherweise für ganze Klassen, um die Thematik anzugehen und zu zeigen: so schlimm ist es wirklich bzw. kann es werden. Das macht es mit anderen Menschen, wenn ich mich auf diese Art und Weise verhalte. Das sind die Auswirkungen von Mobbing, Ausgrenzung, Verurteilungen und Vorurteilen. Neben dem großen Themenkomplex Mobbing ist übrigens sexuelle Gewalt ein großes Thema in „13 reasons why“. Darüber könnte man glatt einen gesonderten Artikel schreiben, denn auch hier ist das Dargestellte erschreckend realistisch. Letztlich geht es mir aber darum, was unsere Rolle als Erwachsene in diesem Bild ist. Und ich identifiziere mich definitiv nicht mit dieser passiven Leidenshaltung der Eltern und Lehrer*innen aus der Netflix-Serie. So einfach ist das nicht.

Wir sind verantwortlich dafür, was für junge Erwachsene unsere Kinder und Teenager mal werden und wie sie miteinander umgehen, was sie im Miteinander als die „Norm“ empfinden und ob sie damit umgehen können, wenn andere anders sind als sie selbst. Wir versuchen, sie als sehr junge Kinder und Grundschüler zu Toleranz, Offenheit und Respekt anzuleiten – wir dürfen damit nicht aufhören, wenn sie zu Teenagern werden. Unser Job ist noch nicht getan.

„Niemand von uns weiß genau, wie viel Einfluss wir auf das Leben der anderen haben. In der Regel gibt es keine konkreten Hinweise und so machen wir einfach weiter, ohne unser Verhalten zu überdenken.“ (Jay Asher, Tote Mädchen lügen nicht)

Passt auf euch auf.

Einen weiteren sehr klugen Artikel über „Tote Mädchen lügen nicht“ findet ihr hier: Mehr fühlen als man sagen kann bei Zebrabutter.

13 Kommentare

  1. Liebe Anna, vielen Dank für diesen leidenschaftlichen, wahren und treffenden Artikel! Ich schaue die Serie gerade und kann Dir nur beipflichten. Meine Kinder sind noch zu klein und ahnen nichts von Serien wie dieser, aber unbedingt sollte das Schauen dieser Serie bei jüngeren Teenagern begleitet werden. Euch viel Kraft bei allem, was damit zu tun hat.

  2. Huhu,

    meine Tochter war ein paar Monate in einer Klinik, weil sie gemobbt wurde und es ihr sehr schlecht ging. Inzwischen geht es ihr wieder gut. Aber dieses Thema wurde in der Schule leider trotz allem totgeschwiegen. Ich hätte mir eigentlich gewünscht, dass die Klassenlehrerin zum Thema vllt. ein Projekttag macht oder so etwas. Kam leider nicht zustande. Meine Tochter ist nicht die einzige in der Klasse, die es getroffen hatte.

    Wichtiges Thema, deswegen hatte ich auch die Serie geguckt und fand sie sehr toll.

    LG Ilka

  3. guten morgen anna,
    wir haben hier mit der großen schon situationen erlebt, bei denen sie zugeschaut hat, wie es verbal eskaliert. ich habe whatsapp nachrichten gelesen, da fiel mir nichts zu ein. die kinder sind von gewalt und hass umgeben, egal ob sie da mitmachen oder nur zugucken, es ist präsent. du hast da vollkommen recht. mir macht es dann immer angst, weil sie wahrscheinlich nur einen bruchteil von dem erzählt, was wirklich passiert und ich nur hoffen kann, das sie kein teil davon ist. da sie nicht bei uns wohnt ist es immer ganz schwierig zu erahnen. deshalb mache ich es mir immer zur aufgabe da ein bisschen aufklärungsarbeit zu leisten und glaube, für sie persönlich ist das ganz gut. ich werde mir heute abend mal die serie anschauen. viell. ist das was für die gemeinsamen herbstferien. xoxo

  4. Katharina sagt

    Danke!
    Danke für das Vorstellen (und Spoilern) der Serie, aber auch für das Teilen deiner Erfahrungen aus dem Leben mit Teenagern und die wichtigen Hilfestellungen.

    Wir wachsen gerade erst in den Alltag rund um die weiterführende Schule hinein. Der neue Weg, die langen Tage, viel Unterrichtsstoff – all das wäre schon genug zum Verarbeiten. Nun kommen aber diese ganzen zwischenmenschlichen Dinge dazwischen von erste Schwärmereien/ Revier abstecken/ neue Klassengemeinschaft bilden usw.
    Da läuft es im vergleich zu den von dir und in der Serie aufgegriffenen Sachen noch milde ab. Aber auch hier stehe ich manchmal kopfschüttelnd vor dem Verhalten der Kinder untereinander. Vor allem, wenn sich ehemals beste Freunde auf einmal mit der Faust ins Gesicht schlagen, erste kleine Intrigen spinnen usw.

    Die Kinder sollen es selber lösen, aber alles, was sie zuhause oder in der Schule in Programmen gelernt haben, funktioniert auf einmal nicht mehr gut.
    Die Eltern ins Boot holen? Was können sie tun? Zuhause auf ihr Kind einwirken, aber vor Ort in der Schule kommt es dann doch immer wieder zu den gleichen Zwischenfällen.
    Die Klassenlehrer haben schon gemahnt, dass witzig gemeinte Spielchen nur mit gegenseitigem Einverständnis durchgeführt werden dürfen. Aber lustiger ist es doch, den zu triezen, der eben NICHT mitspielen mag.

    Wie gesagt, aktuell noch Kinderkrams, dabei sind sie ja nicht mehr 2 und in der Krabbelgruppe, sondern >10 und in der Schule.

    Dein Beitrag hat mir nun nicht wirklich Mut gemacht für die nächsten Jahre im Hinblick auf „sie werden älter und verständiger“, aber ich weiß, dass dranbleiben, dem Kind RICHTIG zuhören, Zeit haben, da sein und sich ggf. doch einmischen vielleicht zumindest das Schlimmste abwehren können.

  5. Frl.Meli sagt

    Liebe Anna,
    ich weiß noch gar nicht wo mein Kommentar letztendlich hinführt.
    Ich habe relativ am Anfang als die Serie rauskam versucht sie zu gucken und musste relativ schnell abbrechen.
    Da sie mich sehr an meine eigenen Jugend erinnert.
    Mittlerweile bin ich 31. Aber wenn andere von der tollen Schulzeit im Rückblick erzählen kann ich immer nur denken „Ich bin froh es überlebt zu haben“.
    Meine Eltern waren genau wie die Eltern/ Erwachsenen in der Serie. Alles ist nicht so schlimm, ich soll es mir nicht zu Herzen nehmen etc.
    Ich wurde jahrelang aufs schlimmste gemobbt. Damals fing das gerade an das fast jeder ein Handy hatte. Und zu verbalen Sachen, gemalten Tafelbildern oder im Unterricht zugeschobenen Zettelchen kamen dann neu SMS hinzu.
    Ich habe jahrelang still gelitten. Die Versuche mit meinen Eltern zu reden sind nie auf fruchtbaren Boden gestoßen. Sie haben es schlichtweg nicht verstanden, da sie beide aus ihrer Schulzeit Mobbing nicht als Opfer erlebt haben.
    Ich habe tatsächlich auch mal mit dem Gedanken gespielt meinem Leben ein Ende zu setzten. Habe dann aber über das Schreiben eines (und dann mehrerer) Abschiedsbriefe herausgefunden das Schreiben ein gutes Ventil ist. Auch wenn tatsächlich niemand zuhört hat in dem Moment das Buch zugehört.
    Eine ganze Weile später hat meine Mama beim „Neuigkeiten in meinem Zimmer suchen (da ich ja „nie was erzähle“)“ dieses Buch gefunden. Die Reaktion war aber kein wir müssen reden oder ähnlich. Sondern nur Standpauken, Kontrollen, mehr Pflichten und Regeln. Erst als ich mit dem Abitur durch war und in meiner Ausbildungsgruppe angekommen bin und gemerkt habe das zwischenmenschliche Aktionen nicht nur auf Hass aufgebaut sind konnte ich endlich ankommen und leben.
    Ich mag mir gar nicht vorstellen wie es als heutiger Teenager ist, wo durch die sozialen Netzwerke noch mehr anonymisiert Mobbing und Hass auf einen einprasselt.
    Ich finde deinen es sehr gut das du mit deinem Artikel Eltern oder andere Erwachsene die mit Teenagern zu tun haben, ansprichst. Sie sensibilisieren willst und vor allem auch ermutigst ihre Teenager zu begleiten in solch einer Phase und vor allem auch darauf hinweist das diese gut gemeinten Phrasen in Summe nicht dazu führen, das sich der Teenie öffnet.
    Danke dafür

  6. Johanna sagt

    Hallo Anna, danke für diesen tollen Artikel. Wenn du magst, würde ich mich freuen, wenn du einmal in einem Artikel näher darauf eingehen willst, wie du mit diesen zwischenmenschlichen Themen der großen Töchter umgehst. Meine Tochter ist erst zehn, aber ich bin schon baff, wenn ich höre, was manche Mädchencliquen so zu ihr sagen, welche Gehässigkeit das ist, in der vierten Klasse erst. Ich wurde selbst gemobbt, war damit komplett alleine und hatte Todessehnsucht und Minderwertigkeitsgefühle – ein Abgrund, der bis heute lauert. Letztere scheine ich weitergegeben zu haben und ich möchte auf keinen Fall, dass sich meine Geschichte bei meiner Tochter wiederholt, aber ich suche nach Anregungen, wie ich helfen kann, was meine Rolle dabei ist, wo die Grenze zwischen Einmischung und Hilfe ist, wo ich alles nur schlimmer machen würde usw. Manchmal resigniere ich und habe das Gefühl, die Welt ist gespalten in jene, die sich einfach sicher fühlen, alles zu tun, und jene, die sich mit ihrer tiefen Unsicherheit und der daraus resultierenden Verletzlichkeit abfinden müssen…
    LG, Johanna

  7. Julia sagt

    Liebe Anna,
    ohje, wenn ich sowas lese, kriege ich wirklich etwas Angst. Meine Kinder sind erst 5 und 3 Jahre alt, und wie wird das so sein in 10 Jahren? Ich mache mir gerade sehr viele Gedanken über die Grundschule, auf die sie gehen sollten im Idealfall und besonders über eine Montessori-Schule. Sicher ist man nirgendwo gegen Mobbing gefeit, aber dennoch würde ich hoffen, dass es vielleicht etwas anders ist dort…
    Wie auch immer, die Serie werde ich mir sicher auch mal ansehen, obwohl diese Themen auch vieles in mir hochbringen…ich wurde von meiner „besten“ Freundin gemobbt und hatte auch oft das Gefühl, nie dazuzugehören, zu den „Coolen“.
    Klar kommt man da auch wieder raus, aber ich würde mir sehr für meine Kinder wünschen, dass sie sowas gar nicht erst erleben müssen…
    Und ich würde mich auch freuen, über weitere Artikel von Dir zu dem Thema, wie man Teenies stärkt…
    Nachdenkliche, liebe Grüße, Julia

  8. Die Michi sagt

    Liebe Anna! Danke für diesen eindringlichen Beitrag! Ich habe eine 11 jährige (und drei Kleinkinder), das Thema Pubertät schleicht sich bei uns langsam ein. Von daher kamen deine Worte gerade zur richtigen Zeit. Ich habe das Gefühl, dass du da einen ganz sensiblen Punkt in mir ( in uns allen?) getroffen hast, denn es hat mich wirklich aufgewühlt, weil ich mich erinnert habe, wie das bei mir war. Ich habe es verdrängt, anders käme ich nicht damit klar. Und vielleicht wäre ich genauso unsensibel und beschwichtigend, wie die Eltern in der Serie oder meine Eltern es waren. Aber durch deine Worte ist mir klar geworden, dass das der größte Fehler ist. Danke, fürs wachrütteln! Bitte schreibe noch mehr zu dem Thema und wie du damit umgehst!

  9. Blau sagt

    Hallo Anna, vielen Dank für diesen Artikel! Du hast absolut recht und ich habe den Artikel direkt weiter empfohlen. Nur in dem Punkt, dass Schulklassen die Serie begleitet angucken sollten möchte ich anfügen, dass es Kindern schaden kann, wenn sie zuvor selbst sexuelle Gewalt erfahren haben und dann damit in der Schule konfrontiert werden, vor allem ohne zusätzliches Programm, Ausbildung der Lehrenden, Hilfsangebote usw. Da wäre ich also sehr vorsichtig, gerade wegen der grafischen Darstelluneng in der Serie.
    Alles Gute und weiter so!

  10. Liebe Anna, ein sehr guter Artikel, der genau die Gedanken beschreibt, die ich mir bereits seit längerem mache. Meine Mädels sind noch sehr klein aber ich bekomme aus meinem Umfeld mit wie schwer ihr Leben ab Schularten wird. Und das fängt teilweise schon in der Grundschule an. Ich wäre generell für mehr Aufklärung, insbesondere in den Schulen. Es sollte ein Fach über den richtigen Umgang mit sozialen Medien geben was auch auf die Gefahren hinweist, die mit der Nutzung einhergehen. Es ist heute viel zu einfach Menschen fertig zu machen, die nicht der „Norm“ entsprechen oder anders sind. Bilder und Kommentare landen überall im Netz. Es ist ein Selbstläufer. Daher müssen wir unseren Kindern unbedingt den richtigen Umgang zeigen. Mir macht das was ich teilweise höre wirklich ein bißchen Angst. Super, dass Du das Thema so konkret und offen angesprochen hast.

    Gruß Sonja

    • Liebe Sonja,
      das Thema ist mir ein Herzensanliegen, denn ich muss sagen, dass ich das auch total unterschätzt habe, als meine Kinder noch klein waren. Inzwischen bin ich sehr hellhörig geworden und bin schon lange auf dem Standpunkt, frühzeitig den Mund aufzumachen, wenn mir die Dynamik in der Klasse/Sportgruppe/Freundeskreis seltsam erscheint. Ich spreche das auch bei Kindern an, die hier zu Besuch sind oder Nachbarskinder. Zu meinen ständigen Parolen gehört hier seit Jahren: „Stop. So sprechen wir nicht miteinander. Es gibt hier keine Kraftausdrücke und niemand wird ausgeschlossen.“ Das sind so die Minianfänge, mit denen man meiner Meinung nach schon bei den Kleinen einen Unterschied machen kann. Viel zu oft habe ich Eltern gesehen, die auf dem Standpunkt beharren, dass die Kinder das schon alles untereinander regeln oder sie ab einem gewissen Alter komplett unkommentiert sich selbst überlassen. Ich halte das für falsch. Ich sehe so viele Eltern, die ihre Kinder wirklich loslassen, so als würden sie sich abwenden, die ab einem gewissen Punkt nicht mehr gut hinschauen, die nicht wahrnehmen, wenn die Kinder Schwierigkeiten kriegen und die nicht entsprechend reagieren, wenn echte Probleme auftauchen… Ich möchte nicht alle „Schuld“ den Eltern zuschustern, darum geht es nicht. Aber ich denke, die Hauptverantwortung liegt bei uns Eltern. Wir müssen dran bleiben und hinschauen, das ist das mindeste. Liebe Grüße, Anna

  11. Esther sagt

    Hallo liebe Anna,
    habe den Artikel von einer guten Bekannten bekommen und ihn gerade gelesen und ich könnte heulen…..
    Endlich jemand, der so denkt wie ich und eine Handvoll Mütter, die seit nun mehr 3 Jahren an unserer Schule genau dafür/dagegen ankämpfen und den Kampf noch immer nicht aufgeben wollen….
    Wobei es manchmal vergebens scheint!
    Unsere „Täter“ werden geschützt, die „Opfer“ verhöhnt, nebst uns Müttern, die es nicht mehr mit ansehen können!
    Bei uns an der Schule, in der Klasse meiner 14jährigen Tochter, einem katholischen Gymnasium, reichen die Missetaten von Mobbing über sexuelle Nötigung, sonstige Nötigung, sexuelle verbale Attacken bis hin zum Stinkefinger! Der Rektor sowie die Lehrer, ganz geschweige von den Tätermüttern, alle zusammen machen nichts, finden, man solle nicht aus jeder Mücke einen Elefanten machen….Ich/ wir werden ausgelacht und man droht mir mit Anzeige, wegen falscher Behauptung!
    Meine Tochter hält momentan noch durch……wobei es schon Phasen gab, da hatte ich echt Angst! Doch möchte meine Tochter noch nicht aufgeben, da sie noch den anderen Opfern helfen möchte, damit diese nicht ganz alleine da stehen!
    Sobald ich das Signal bekomme, verlassen auch wir enttäuscht die Schule!
    6 Kinder haben die Klasse bzw. die Schule bereits verlassen, doch aufgewacht ist noch keiner von den Verantwortlichen!
    Ist das nicht traurig? Was machen solche Familie, dass sie geschützt werden?
    Ja, eigentlich muß man Mitleid mit ihnen haben, da ich denke, dass es an dem Druck liegt, den sie zuhause aufbauen, da sie es selbst nicht so weit gebracht haben, wie sie vielleicht gerne gehabt hätten…..Nun geben sie diesen Druck weiter an ihre Kinder und die an den nächst besten Schwächeren! Aber auch das möchte ich nicht akzeptieren!
    Es gibt sicherlich viele Gründe, warum diese Kinder so handeln, aber muß man das deshalb alles hinnehmen?
    Ein klares Nein von den Veranwortlichen würde denke ich schon mal fürs 1. reichen!
    Doch weit gefehlt…..die lächerlichen Maßnahmen werden belächelt oder schlichtweg ignoriert und munter weiter gemacht!
    Aber diese Eltern sind denke ich mit sich selbst überfordert und die Lehrer mit diesen Eltern! Doch ich kämpfe weiter! Egal wie…. Ja, wir müssen zuhören, bei unseren Kindern sein und aufpassen, dass sie diese Zeit einigermaßen unbeschadet überstehen, irgendwie!
    Leider haben diese Verwundungen dieser Kinder in der Klasse meiner Tochter bereits so großen Schaden angerichtet, die Spätfolgen sind noch nicht absehbar!

    Danke für diese klaren Worte, für diesen genialen Text!
    Dies wäre eigentlich eine gute Pflichtlektüre für unsere Lehrer, übrigens der Schulpsychologe selbst und unseren Rektor!
    Dieser Text hat mich bestärkt weiter zu kämpfen, dafür vielen Dank!
    Herzliche Grüße, Esther

    • Liebe Esther, was du beschreibst, hört sich schlimm an. Ich kann dir nur aus Erfahrung raten, dich und deine Tochter mit professioneller Hilfe zu stärken, sei es anwaltlicher Rat oder psychologische Unterstützung. Es gibt wunderbare Kinder- und Jugendpsychiater, die sehr erfahren sind in dem Bereich. Und dass Opfer von Mobbing (allein, dass das Wort „Opfer“ seit Jahren als Schimpfwort verwendet wird, sagt schon sehr viel aus…) mit Langzeitfolgen dieser Demütigungen und der Ängste leben müssen, ist schließlich keine Erfindung, sondern wissenschaftlich erwiesen.
      Was die Schule angeht: ich würde mich, wenn da nichts zum Schutz der Kinder unternommen wird, an den Schulrat wenden. Die sind wohl verrückt geworden, wo gibt es denn sowas, dass sich ein ganzes Kollegium inklusive Rektor mit den Eltern der Täterkinder solidarisieren und die anderen einfach drangibt? Sechs Kinder haben eine Klasse verlassen?! Das ist doch mehr als auffällig.
      Ich drücke euch die Daumen und hoffe, ihr findet einen guten Weg. Und zum Schutz deiner Tochter: sie sollte nicht nur kämpfen müssen, sie sollte auch eine unbeschwerte Zeit genießen dürfen – es ist ihre Kindheit, ihre Teeniezeit! Ich finde, es muss auch der Moment kommen, wo man aus Selbstschutz das Feld verlässt. Nur ein Gedanke auf den Weg für euch.
      Ich wünsche euch alles, alles Liebe, Anna

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