Alle Artikel mit dem Schlagwort: trauer

tag 15 ::: ein geburtstag, ein gedenktag und rosa azaleen

Heute ist der 15. Dezember und ich wünsche mir ein rosa Azaleenbäumchen. Heute ist der 70. Geburtstag meiner Mutter, den sie so gerne noch gefeiert hätte. Und seit ich denken kann, war einer der jährlichen Geburtstagswünsche meiner Mutter ein rosa Azaleenbäumchen. Nicht weiß, nicht rot, nicht pink: zartrosa sollte es sein. Wie hat sie sich gefreut, wenn liebe Menschen mit Azaleen kamen und sie beschenkten! Und wie hat sie hinterher, wenn wir wieder unter uns waren, gejammert, wenn die Farbe nicht richtig war. Letzte Woche war meine Schwester hier, wir buken Plätzchen nach Rezepten aus dem handgeschriebenen Kochbuch unserer Mama und sprachen über sie, über den anstehenden Geburtstag, über Geburtstags- und Weihnachtsrituale unserer Kindheit und über die zartrosa Azaleen. Ich wüsste gerne mal, wieso meine Mutter ausgerechnet jeden Dezember so ein Azaleenbäumchen haben wollte. Ich kann sie nicht mehr fragen. Haben sie ihr einfach nur gut gefallen? Gab es dahinter eine Bedeutung, die ich nicht erkannte? Steckte eine Geschichte dahinter oder eine Erinnerung? Das wird sie mir nicht mehr erzählen können und das macht mich …

Streifzug, Friedhof, Colours, Herbstfarben

streifzug mit goldkind ::: ein friedhof, hagebutten & das leben nach dem tod

Es hat aufgehört zu regnen und der blaugoldene Herbst ist da – endlich ist die Zeit für einen Lieblings-Streifzug zum Herbstschätze-Sammeln wieder da. Nachdem mein Goldkind letzte Woche ja tagelang mit Inhaliergerät und widerlichen Hustenattacken ans Haus gefesselt war (und ich mit!), gönnten wir zwei uns an ihrem ersten fieberfreien und einigermaßen fitten Tag einen ausführlichen Gang über den Friedhof. Ja, Friedhof. Ganz in unserer Nähe ist nämlich einer der schönsten und wildesten Friedhöfe von Ostberlin, den wir vor allem deshalb gerne besuchen, weil er mitten im Trubel der Stadt so abgeschieden ist. Schon mit dem ersten Schritt durchs Tor empfängt uns die Atmosphäre der Stille und Ruhe, die uns erst mal tief Luft holen lässt.     Außerdem ist der Friedhof besonders im Herbst ein wahres Eldorado für meine Kinder und ihre Sammelleidenschaft. Dort gibt es Hagebutten, Kastanienbäume, die sich unter der Last der Früchte nur so biegen und jede Menge anderer Bäume, die das Goldkind von mir vorgestellt haben möchte. Außerdem natürlich die schönsten Herbstblätter in allen Farben! Es ist perfekt für einen …

mit kindern über den tod sprechen ::: ein nachtrag mit buchtipp

Mein Artikel dazu, wie wir mit unseren Kindern über den Tod sprechen könnten, war zwar sehr persönlich, hat aber natürlich einiges außer Acht gelassen, was mir alles noch dazu durch den Kopf ging. Welche Bücher zum Thema haben uns geholfen zum Beispiel. Wie sind die Kinder nach außen damit umgegangen? Welche Reaktionen von anderen waren hilfreich und welche waren schwierig? Und: wie haben die Kinder untereinander darüber gesprochen? Dieser letzte Aspekt hat neben aller Schwere auch so viel Erstaunliches, mitunter Drolliges, weil all die Begriffe, vor denen wir Erwachsene manchmal zurück schrecken, für Kinder zunächst mal unbelastet sind: Tod, Sterben, Grab, aber auch die ganz großen quasi philosophisch-religiösen Vokabeln: Himmel, Gott, Seele, Ewigkeit. Alles große Fragen des Seins – und die Kinder können sie für sich mitunter so leicht zusammen fassen, ja, sogar beantworten! Manchmal ist das alles nämlich viel eindeutiger, als wir Erwachsene uns das so vorstellen. Ich habe oft gelauscht und gestaunt darüber, wie sie sich selbst und gegenseitig erklären, wohin diejenigen gegangen sind, die jetzt tot sind. Gerade ist das Thema wieder …

mama, ist oma jetzt ein engel? ::: mit kindern über den tod sprechen

Gestern war der Todestag meiner Mutter. Gestern vor zwei Jahren war der Tag, von dem wir alle schon einige Zeit wussten, dass er kommen würde. Nach langer Krankheit, zum Teil mit ausführlichen Phasen körperlichen Wohlbefindens und zum Schluss sehr zugespitzt, starb sie. Der Tod ist an diesem Tag Teil unseres Lebens geworden. Ich war nicht bei ihr, als sie starb. In den Wochen zuvor war ich zwischen Palliativstation am Rhein und Darß hin- und her gefahren, um sowohl bei ihr als auch bei meinen Kindern sein zu können. Schließlich war es so, dass mich der Anruf meines Bruders erreichte, als ich gerade beim Kofferpacken war, um wieder zu ihr zu fahren. Sie war gestorben. Wir wussten seit langem, dass sie nicht wieder gesund werden würde, aber ihre Therapien schlugen immer wieder an, teilweise für lange Strecken, und so war der Tod, als er denn kann, trotz allen Wissens irgendwie unerwartet. Und ich, die ich mich am liebsten verkrochen und mich ganz meiner Trauer hingegeben hätte, musste mit meinen Kindern darüber sprechen. Ihre Fragen beantworten, seien …

Minikranz mit Geburtstagskerzen in der Dose

forty, finally ::: über lebensfreude, verlust und einen geburtstagswunsch

Mein Geburtstag ist vorbei, ich bin 40 und es ist wundervoll. Der Tag begann mit drei aufgeregten kleinen Menschen, die, bewaffnet mit selbstgemalten Bildern und je einer blauen Hortensie in mein Bett krochen und mir „Happy Birthday“ sangen, ging über in ein spätes Frühstück im Garten und unzählige Glückwünsche, geleitete mich als nächstes in die Arme meines Vaters und seiner lieben Frau, die extra nach Berlin gekommen waren, um mit mir zu feiern, brachte mir dann meine Schwester mit einem Arm voller Blumen und meinem Lieblingskuchen, die mich in meinem Garten überraschte und mündete schließlich in einem kleinen Fest mit all denen meiner Liebsten, die nicht verreist waren oder zu weit weg wohnen, um mit mir anzustoßen. Den letzten Schluck Weißwein trank ich mitten in der Nacht mit meinem Mann auf dem Dach, als alle längst gegangen waren. Es war vier Uhr morgens, ich war angefüllt mit Glück und Liebe bis oben hin und ich war 40. Aber an Geburtstagen soll man sich ja etwas wünschen, selbst wenn man sich wunschlos glücklich fühlt. Und da …

Geburtshaus Charlottenburg

muttertag ::: way down on memory lane

Muttertag ist ja so ’ne Sache. Als ich klein war, wurden dazu noch Gedichte und Lieder in der Schule gelernt, was Herzförmiges gebastelt und Blumen organisiert. Tatsächlich standen mein Bruder und ich für unsere Verhältnisse früh auf und schlichen in ein nahes Wäldchen, wo man Wiesenblumen pflücken konnte. Die Muttertagssträuße meiner Kindheit bestanden also weitgehend aus Schafgarbe, Wiesenschaumkraut, Hahnenfuß und, je nach Temperaturen, frühem Klatschmohn. Wir machten Frühstück und taten heimlich, schmückten den Tisch und verschenkten die üblichen Gutscheine für „Müll wegbringen“, Rasenmähen oder Treppe kehren. (Nicht, dass wir all das nicht ohnehin hätten tun müssen, aber geschenkte Dienstleistung ist ja aus Kindersicht immer was ganz anderes als erfüllte Verpflichtung. ) Manchmal sangen wir was Selbstausgedachtes, mein Bruder war ein großer Komponist und Dichter in Kindertagen, und ich erinnere mich daran, dass ich immer das Gefühl hatte, meine Mutter sei ehrlich glücklich und dankbar an diesen Morgenden. Meinen ersten Muttertag verbrachte ich 2003 in einer halb eingerichteten, sonnendurchfluteten Wohnung im Friedrichshain, zwischen bis zur Decke aufgestapelten Umzugskartons auf der ausrangierten Praxiscouch meiner Schwiegermutter – bis …

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we’re circles ::: vom lieben, sterben und glücklichsein

Am Samstag war ein wunderbar sonniger Tag. Ich wurde von der Sonne (und meinen Kindern) geweckt, hatte ein spätes Frühstück im Kreise der WildenLieben und für den Abend was Schönes vor: ich war nämlich mit dem Herzensmädchen, der Lieblingsfreundin und dem Patenkind im Grips – Theater. Und vorher bummeln! Es war herrlich und ich war schon am späten Vormittag voller Vorfreude und kramte so in der Küche rum, während alle anderen allmählich nach draußen und in die Sonne verschwanden. Als dann alle beschäftigt waren (fußballspielen, fahrradfahren, buddeln, im Garten rumkramen) und ich mich an die Bolognese machte, kam mein Herzensmädchen und wollte quatschen. Wir redeten und hörten Musik, und ich spielte ihr meine Neuentdeckung vor. Sie versenkte sich in ihr Buch und ich schaute aus dem Küchenfenster. Anna Luz de León on Google+

frühstücksphilosophie mit dem goldkind (jahresrückblick)

Beim Erstellen des schnellen Jahresrückblickes in meinem Facebookprofil, bin ich auf einige von mir dokumentierte Gespräche mit meinen Kids gestoßen. Dieses hier hat mich heute sehr berührt, daher möchte  ich es hier teilen. „mama, ist omas herz gebrochen?“ „wieso denkst du das?“ „na, weil sie doch gestorben ist.“ „nein, es ist nicht gebrochen, es hat aufgehört zu schlagen.“ „und wenn es nicht mehr schlägt, ist man tot?“ „ja, genau. so ist das bei allen menschen. irgendwann hört unser herz auf zu schlagen und wir sterben.“ „aber wenn man tot ist, wacht man nicht mehr auf, oder?“ „stimmt, dann wacht man nicht mehr auf.“ (überlegt, dann freudestrahlend): „aber dann kommt ein prinz und küsst die oma und sie wacht wieder auf und tanzt mit ihm!“♥ was für eine schöne idee. ich habe es nicht übers herz gebracht, ihr zu sagen, dass das nur im märchen geht und nicht in wirklichkeit. das merkt sie noch früh genug. und bis dahin stelle ich mir mit ihr vor, wie die oma mit einem prinzen tanzt. ♥ Diese Woche ist der …