Die erste Morgenschicht ist geschafft. Um 8:05 genau. Das heißt, die beiden Großen haben gefrühstückt, Zähne geputzt und sich angezogen, sind unter viel Lärmen und wahrscheinlich auch Gezänk aus dem Haus gesprudelt, das Schulkind ist in den Schulbus gestiegen und der Bub ist mit dem Papa los geradelt gen Schule und Kita. Und das Kleine und ich winken, machen die Hautür wieder zu und sind allein. Stille. Herrliche, wenn auch kurze Stille. Dann räume ich hinter den Truppen auf, mache der Minimaus noch einen Kakao und mir selbst einen Latte Macchiato. Falls das Kleine dann nicht irgendwelche Experimente auf der Toilette versucht, habe ich erstmal kurz Ruhe, bevor es weitergeht. Erste Schicht erledigt. Check.

Was dabei aber wirklich schön ist, sind die Gespräche, die ich mit meiner jüngsten Tochter dann führe. Was da für Geschichten kommen, ist unglaublich: Sachen, die sie erlebt hat, Sachen, die sie geträumt hat (was sie offensichtlich nicht wirklich unterscheiden kann) und Sachen, die komplett erfunden sind. Herrlich. Das ist ein wunderbarer Start in meinen Tag, wenn er so beginnt:

Rosanna: „Mama, in meiner Kita, da habe ich zwei Freundinnen, die heißen Lissy und Bissy.“ (Sie geht noch gar nicht in die Kita)

Ich: „Aha, sind das Schwestern oder Freundinnen? Und sind die nett?“

Rosanna: „Ja, das sind Freundinnen und sehr nett. Aber manchmal auch frech. Dann machen die Sachen.“

Ich: „Was denn für Sachen?“

Rosanna: „Die haben schon mal… ähm…. (offensichtlich wird genau JETZT etwas erfunden)… ihr Pipi getrunken!“

Ich: „Wie bitte? Wie kommst du denn auf sowas?“ (Mutters sämtliche Alarmglocken läuten: hat in Wirklichkeit mein Kind Pipi getrunken? Bei welcher Gelegenheit? Und war es ihr eigenes Pipi? Um Himmels Willen!)

Rosanna: „Ja, die haben Pipi in einen Trinkbecher gemacht und in ein Fensterchen gesteckt. Und später haben die es dann getrunken. In echt, Mama.“

Erleichterung und hysterisches Gelächter bei mir. Denn es ist folgendermaßen: wenige Tage vor diesem Gespräch war ich mit ihr zur U7a beim Kinderarzt und sie musste Pipi in einen Becher machen, den wir dann in eine Durchreiche zum Labor gestellt haben. Meine Antwort auf ihre Frage, was mit ihrem Pipi jetzt passiert, war offensichtlich nicht einleuchtend und ihre Fantasie hatte den Rest besorgt. Irgendjemand muss das Pipi getrunken haben, schließlich war es in einem richtigen Becher. Eigentlich völlig logische Schlussfolgerung, wenn man darüber nachdenkt. Ich bin nur froh, dass keins meiner Kinder diese Eigenurintherapie ausprobiert hat, sondern dass es nur die zwei „Kitafreundinnen“ waren. Inzwischen sind dann auch Lissy und Bissy bei uns feste Größen und sind immer diejenigen, die unglaublich dumme oder freche oder böse Sachen machen. Und Rosanna denkt sich die wildesten Geschichten aus, um sie mir zu erzählen und mit mir gemeinsam darüber zu reden wie verrückt ihre beiden ausgedachten Freundinnen sind.

Die Geschichten meiner Kinder sind die besten. Solche könnte ich mir nie ausdenken, sie sind viel zu speziell und echt und je Kind sehr typisch. Ich schreibe sie lediglich auf und freue mich darauf, dass sie dann später selbst mal nachlesen können, was sie als Kleinchen für Schoten gebracht haben. Und ein paar werde ich hier auch aufschreiben. Immer mal wieder. Words of wisdom. And laughter galore.

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