berlinmittekids, leben mit kindern
Kommentare 48

mobbing, angst und ohnmacht ::: 10 ideen, mein kind zu stärken

Wenn die Kinder klein sind, sind sie fast immer und permanent mit zumindest einem Elternteil zusammen. Wir sehen sie, wir kennen sie in- und auswendig, ihre Stärken und Schwächen und ihre Ängste. Je älter sie werden, umso mehr Zeit verbringen sie ohne uns und dafür mit anderen, zunächst fremden Menschen: anderen Kindern, Erzieher*innen und Lehrer*innen, denen wir sie anvertrauen. Kita und Schule werden die neuen Lebensräume der Kinder – ohne uns.

Und irgendwann kommen die ersten Beschwerden: es wird sich gezankt, erstmal nur das. Es wird gedroht, man werde nicht zum Geburtstag einladen. Oder die Freundschaft wird gekündigt. Auch wenn das nur für 24 Stunden hält, erst mal ist es schmerzlich und sitzt tief. Mit dem Herzensmädchen, im Moment ein cooler Preteen, habe ich verschiedene Phasen dieser täglichen Schwierigkeiten durchlaufen, von Kita-Gezänk unter 5-Jährigen über ernsthafteren Auseinandersetzungen zwischen 7-Jährigen bis hin zu ernsthaftem Mobbing durch ein spezielles Kind als sie in der dritten Klasse war.

Es war schwierig für mich, zu akzeptieren, dass ich „außen vor“ war: ich konnte nicht bei ihr sein und ihr helfen oder ihr beistehen. So sehr ich mich dazwischen werfen wollte, vor allem im letzten Jahr, als sie beinahe täglich so unter Beschuss war, ich konnte nicht. Ich musste sie jeden Morgen zur Schule schicken und dem erneut aussetzen und durfte nicht dazwischen springen, das andere Kind zurecht stutzen, auch nur meine Meinung offen sagen, so wie ich es gerne getan hätte, weil es alles nur schlimmer gemacht hätte – für sie.

Also haben wir uns durchgekämpft, Tag für Tag. Und so oft sie auch zu Hause weinte und mutlos war (und es mir und dem Mann jedes Mal das Herz brach), wir haben uns immer neue Dinge einfallen lassen, um sie aufzubauen und gestärkt in einen neuen und möglicherweise schwierigen Tag schicken zu können.

Unsere Ideen habe ich zusammen geschrieben und will sie heute hier teilen, weil ich WEIß, dass diese (auch wiederkehrenden) Situationen, die großen wie die kleinen, Alltag sind für viele Kinder: sie erleben unschöne Dinge mit anderen Kindern, Lehrer*innen, Erzieher*innen und fühlen sich klein, schwach und hilflos. Und oft trägt die ständige Auseinandersetzung dazu bei, dass sie sich tatsächlich so fühlen, wie es ihnen von ihrem Gegenüber suggeriert wird: minderwertig. Ein Mensch, mit dem man so umspringen kann.

Hier unsere Ideen und Versuche, unser Mädchen durch die schwere Zeit zu bringen:

1. Du bist nie allein, wir stehen immer hinter dir! Sie hatte Angst vor den Situationen, in denen sie sich mit dem andern (verbal ziemlich aggressiven) Kind konfrontieren musste, weil dieses sie nicht von der Angel ließ, beispielsweise auf dem Schulhof. Sie war allein, verlassen, wollte sich am liebsten in meine Arme flüchten. Aber ich konnte ja nicht bei ihr sein. Bei einem Gespräch zu diesen Ängsten standen wir zufällig vor dem Spiegel und ich kämmte ihr die Haare: ich habe die Hände auf ihre Schultern gelegt und gesagt, sie solle immer daran denken, dass ich so hinter ihr stünde. Und hinter mir noch ihr Vater. Der Bub, der dabei war, sagte dann, er wäre auch immer da und säße noch auf Papas Schultern. Und das Goldkind auf meinen! Eine riesengroße Familienmacht, unsichtbar, aber immer da! Das funktioniert natürlich nicht, wenn die Auseinandersetzungen körperlicher Art sind – das waren sie zum Glück in unserem Fall nicht.

2. Du bist auch groß und laut! Das andere Kind war immer ziemlich explosiv und laut, es schrie schnell herum und drohte auch gerne mit Schlägen oder Tritten, wozu es aber nie kam. Dennoch hat das Imponiergehabe unsere Tochter Angst gemacht und sie war sich nicht sicher, dass es nicht doch mal auch in körperlicher Gewalt eskalieren könnte. Sie fühlte sich unterlegen, weil dieses Aggressionspotential sie einschüchterte und sie sich selbst ein solches Auftreten nicht zutraute. „Was soll ich denn machen, wenn sie so rumschreit und so nah an mich ran kommt? Sie ist so laut und so groß!“ Daraufhin haben wir uns die tatsächliche Körpergröße des betreffenden Kindes noch einmal genau angeschaut und festgestellt, dass es sogar kleiner war, als das Herzensmädchen. Dann haben wir ausprobiert, wie LAUT sie selbst sein kann und festgestellt: wenn es sein muss, ist sie ziemlich laut! Und groß sowieso. Es hat ihr geholfen, sich selbst und das andere Kind objektiver zu betrachten.

3. Du kannst viel aushalten – was nicht sein muss, nehmen wir dir ab. Es war schrecklich, dass wir ihr nicht all diese Situationen ersparen konnten, aber wir haben darauf geachtet, unnötige Konfrontationen zu vermeiden. Ich habe sie in der kritischen Phase jeden Tag pünktlich abgeholt oder dafür gesorgt, dass sie abgeholt wurde, das heißt, der Heimweg war abgesichert und es gab auch keine potentiellen Zusammenstöße im Hort, weil sie dort gar nicht erst hin ging. Morgens haben wir sie oft gebracht, statt sie mit dem Schulbus zu schicken wie sonst. Das hat ihr ein bisschen mehr Sicherheit gegeben und ihr außerdem gezeigt, dass wir tatsächlich bei ihr sind, wo wir nur können. Und zusätzlich hat es mir die Möglichkeit gegeben, die ganze Situation im Auge zu behalten (- und ab und zu ein paar nicht sehr selbstbeherrschte giftige Blicke Richtung mobbendes Kind zu schicken. Nichts, worauf ich stolz bin.).

4. Die Probleme bleiben vor der Tür – zu Hause ist dein sicherer Raum. Mitunter drohte die Situation uns zu überfluten: beim Abholen in der Schule sprudelten schon die neuesten Gemeinheiten aus dem Herzensmädchen und machten mir das Herz schwer, zu Hause kam das Thema immer wieder auf und vergiftete die Gespräche über Schule und Kita immer mehr. Unser aller Leben war mit betroffen und es gab scheinbar keine Pausen mehr von diesem Mobbing-Stress. Irgendwann gab mir eine Freundin diesen Tipp, den wir dann erfolgreich anwendeten: wir limitierten die Zeit, in der wir das mobbende Kind mit in unseren Familienalltag nahmen. Wir legten fest, dass die Fahrt nach Hause (je nach Verkehr ca 10-15 Minuten) dafür verwendet werden konnte, all die gemeinen Neuigkeiten los zu werden und zu besprechen, was vorgefallen war. Vor der Haustür aber war Schluss damit. Die Untaten des Kindes, nennen wir es der Einfachheit halber mal Mobbing-Else, und auch sie selbst sollten nicht mit ins sichere Heim kommen, also ließen wir sie im Auto. Ganz wörtlich. Das Herzensmädchen knallte dann jedes Mal genussvoll die Autotüre ins Schloss und rief: „Da bleibst du drin, Else!“ Es half uns, mehr Abstand dazu zu bekommen und ihr bzw. den Geschehnissen nicht solche Macht über uns alle zu geben.

5.  Du kannst besser sein als das: zeig es! Das hört sich komisch und überheblich an, half aber tatsächlich. Denn das Herzensmädchen beobachtete ja sehr genau, wie die Mobbing-Else sich verhielt, nicht nur ihr gegenüber. Sie erzählte mir alles und kommentierte sehr klug: „Mama, die macht immer irgendwelchen Mist und hinterher heult sie und sagt es tut ihr leid. Aber dann macht sie genau das gleiche wieder.“ Oder: „Sie sagt /macht die gemeinsten Sachen, aber wenn es um sie selbst geht, dann ist sie total empfindlich und flippt aus. Und keiner sagt was, weil alle Angst haben, dass sie dann wieder irgend was macht.“ Sie wollte nicht „weichen“, hatte aber ebenfalls Angst vor der Unberechenbarkeit von Else. Was ihr half war, dass wir immer wieder besprachen, dass Else mit ihrem Benehmen ja nicht wirklich weit kam. Die anderen hatten Angst, manchmal Mitleid, aber richtig gerne hatte sie keiner. Also versuchten wir, im Herzensmädchen das richtige Verhalten zu betonen: „Sei nicht aggressiv, sei nicht nachtragend, sei nicht unversöhnlich, flipp nicht aus. Entscheide dich, dich richtig zu verhalten. Else kann all das nicht, aber du kannst es.“ Und sie konnte es.

6. Hab keine Angst, aber bleib weg von ihr. Das Schwierigste im ganzen Prozess: sie wollte die Konfrontationen mit Mobbing-Else nicht, aber sie fühlte sich von ihr verdrängt, ferngehalten von ihren Freundinnen. Und sie hatte das Gefühl, Else mache ihr ihren alten Platz in der Klasse streitig. Irgendwie war das auch so. Aber ständig dabei zu bleiben, in die Konfrontation mit ihr zu gehen und sich auf jede Provokation einzulassen, machte alles nur noch schlimmer. Also versuchten wir, ihre Fähigkeit zu stärken, gelassen zu bleiben und „drüber zu stehen“. Nicht so leicht mit 8, 9 Jahren (Für manche Erwachsene noch ein Problem, wenn man genau hinschaut!), aber das Motto war: „Let it go.“ Tatsächlich hat sie immer und immer wieder geübt, Mobbing-Else und ihre Provokationen zu ignorieren. Irgendwann hat sie festgestellt, dass das tatsächlich deren Aufmerksamkeit und Lust auf Konfrontationen mit ihr hatte schrumpfen lassen. Und aus einer aufgesetzten Coolness war beim Herzensmädchen eine Art echte Überlegenheit geworden.

7. Dampf ablassen zu Hause, cool bleiben in der Schule. Gott, hat diese Mobbing-Else genervt! Wie doof sie war, wie bescheuert und gemein! Und was sie wieder für Lügengeschichten erzählt hatte! Der Vorrat an widerlichen, schrecklichen und blöden Else-Geschichten war über Monate ungebrochen und sie wollten alle raus. Leider ging das in der Schule nicht, denn sehr schnell war klar, dass Mobbing-Else nur darauf wartete, dass das Herzensmädchen ihr Anlass bot, auf ihr herum zu hacken. Also wohin mit dem Ärger? Im Zusammenhang mit Punkt 9 meiner Ideenliste und dem Plan, die coole Überlegenheits-Attitüde in der Schule durch zu ziehen, gab es also eine Else-Schimpf-und-Mecker-Zeit zu Hause. Zusätzlich zu den 10-15 Minuten Zeit im Auto, in der wir die ärgsten Neuigkeiten besprachen. Wenn was wirklich Schlimmes raus musste, dann durfte das im geschützten Rahmen sein. Ohne Schimpfwort-Zensur und mit ganz viel Lautstärke! Das war befreiend!

8. Keiner mag dich? Wirklich? Am Tiefpunkt der ganzen Geschichte, die sich mehr oder weniger durch das ganze dritte Schuljahr zog, war mein Herzensmädchen überzeugt, keiner würde sie mögen. Es war schrecklich für mich zu sehen, wie sehr ihr Selbstbewusstsein am Boden war durch zunächst ein einzelnes Kind, das ihr ständig suggerierte, sie sei „scheiße“ und sie „hasse“ sie,  sie sei ein „Problem“ und „Schuld an allem“, was in Mobbing-Elses Leben nicht glatt lief. Ein weiteres Thema war, dass die anderen Mädchen in der Klasse nicht Position bezogen. Einerseits aus Angst, Mobbing-Elses Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, andererseits weil sie einfach auch noch klein waren und offensichtlich nicht wussten, was das Richtige gewesen wäre. Mein Kind fühlte sich jedenfalls allein und ungeliebt. Also machten wir eine Liste. Auf die eine Seite schrieb sie, wer sie ihrer Meinung nach nicht mochte. Sie kam, mit Mobbing-Else, auf 4 Personen. Auf die andere Seite schrieb sie, wer sie sehr wohl mochte oder sogar liebte. Ich ließ sie mit dieser Aufgabe allein und wurde irgendwann von ihrem Begeisterungsschrei angelockt: „Mama, ich bin schon bei 30 und mir fallen noch mehr ein…!“ The Power of Love!

9. Durchhalten, Stolz zeigen: was sind deine guten Eigenschaften? Ähnlich wie die Liebes-Liste aus Punkt 8 funktionierte dieser Punkt. Wir konnten ihr nichts ersparen, sie wusste, sie muss da durch, irgendwie. Also versuchten wir, ihr immer wieder aufzuzeigen und mit ihr zu besprechen, weshalb sie das eigentlich ganz gut durchhalten konnte. Wir betonten ihre Stärken: du bist schlau, du bist stark, du bist gut, du bist liebevoll! Und wir sagten ihr immer wieder, über was sie alles verfügt: du wirst geliebt und hast Menschen, die du liebst, du hast deine Familie und deine Freunde, du hast einen festen Boden, auf dem du stehen kannst. Das half, weil sie zusehends entdeckte, dass Mobbing-Else all das nicht hatte. Sie beobachtete, dass Else nicht liebevoll begrüßt wurde beim Abholen, dass sie kein Lieblingsbrot mit bekam in die Schule, dass sie keine kleinen Geschwister hatte, die freudestrahlend an ihr hochsprangen in der Pause. Sie selbst aber schon. Sie entwickelte ein richtiges Gefühl für ihre eigenen Stärken, ihre guten Eigenschaften und ihr sicheres Umfeld. Und sie sah immer deutlicher, dass genau das vielleicht die Gründe dafür waren, dass Mobbing-Else sie immer so attackierte. Das verwandelte Angst und Unsicherheit stückchenweise in Mitleid und neu gewonnene Selbstsicherheit.

10. Das ist normal, du schaffst das! Was wir immer wieder durchkauten waren die Geschichten aus unseren eigenen Schulzeiten. Was wir alles erlebt haben, welche Schwierigkeiten wir überwinden mussten. Mit diversen Ausprägungen von Mobbing-Elses und -Elsberts. Die gleichen Gespräche führte sie mit ihren diversen Großeltern, meinem Bruder und meiner Schwester, ihrer Patentante undsoweiter. Alle berichteten geduldig immer wieder, was sie gemacht haben, wie schrecklich sie es gefunden haben und wie es dann irgendwann überstanden war. Die Botschaft: es geht jedem im Leben mal so, das ist zwar nicht schön, aber auch nichts Außergewöhnliches. Es war uns wichtig, ihr zu vermitteln, dass sie „normal“ ist, dass diese Situation zwar schrecklich, aber dennoch alltäglich ist und dass sie es, wie alle anderen auch, mit unserer Hilfe schaffen wird, das durch zu stehen und hinter sich zu lassen. Unsere Geschichten mit ihr zu teilen hat ihr geholfen, ihr eigenes Erleben ein bisschen zu relativieren und außerdem zu sehen, dass es vorbei geht und nicht für immer so unerträglich bleibt.

Inzwischen ist die Mobbing-Else nicht mehr in ihrer Klasse, aber die Problematik, dass mein Herzensmädchen auf jemanden trifft, der sie nicht mag oder sie sogar attackiert, ist damit natürlich nicht verschwunden. Ich sehe aber, dass sie durch dieses relativ harte Schuljahr in der stetigen Auseinandersetzung mit diesem einen Kind gute Strategien entwickelt hat, damit klar zu kommen und solche Konfrontationen besser durch zu stehen. Sie bleibt gelassener, schützt sich besser und kann früher die Zeichen erkennen, wann sie vielleicht besser einen Schritt Abstand nimmt.

Vielleicht sollte ich sogar ein bisschen dankbar sein, dass Mobbing-Else in der dritten Klasse aufgetaucht ist? Aber ich bin ganz ehrlich: trotz allem „learning“ hätte ich auf diese Erfahrung gerne verzichtet. Aber auch als Mamas müssen wir wohl lernen, dass nicht immer die Sonne auf unsere Kinder scheint. Ich hoffe immer, diese ganze Geschichte hat auch mich für alles gestärkt, was noch kommt.

Wie geht es euch mit euren Kindern? Hat jemand so etwas oder Ähnliches schon einmal erlebt? Was waren/sind eure Ideen dazu und wie stärkt ihr euren Kindern in solchen Situationen den Rücken?

Ich bin gespannt auf eure Geschichten und hoffe, alle Kinder schlafen heute nacht ruhig und sicher, ohne Angst vor dem neuen (Schul-)Tag.

signatur

 

48 Kommentare

  1. Was für ein wunderbarer Post, Anna! So ehrlich, tiefgründig, voller Liebe und intensiven Gedanken.
    Vielen Dank dafür! Bei uns ist das noch nicht relevant. Doch ich kann förmlich spüren, wie es mir das Herz zerreisst, wenn ich deine Geschichten lese und mir vorstellen, das Kleinmädchen hätte diese Probleme mit der Mobbing-Else.
    Und mir wird ganz anders, wenn ich daran denke wie schnell die Einflüsse zunehmen werden, die ich selbst nicht mehr kontrollieren kann. Jetzt wünsche ich mir oft mehr Zeit für mich. Bald werde ich mir die wohlgehütete Zeit vielleicht manchmal zurück wünschen, in der wir gerade leben mit dem kleinen Fräulein.
    Wir können uns nur wünschen, unsere Kinder stark zu machen für das Leben und deine Tips an dieser Stelle sind unglaublich wertvoll.
    Liebe Grüße

    • Danke dir! Ja, so sehe ich das auch: die Elternaufgabe ist, sie zu stärken, nachhaltig, damit sie ihren Weg gehen können. Sie werden immer wieder auf Menschen treffen, die sie nicht mögen oder ihnen das Leben schwer machen. Wenn es ein anderes Kind ist, ist es vielleicht sogar noch verhältnismäßig einfach – wenn es ein Lehrer oder eine Lehrerin ist, sieht die Sache schon anders aus.
      Die Herausforderung ist ja, ihnen die Basis zu schaffen, von der aus sie los gehen können, auch wenn der Weg nicht immer breit und sonnig ist. Und für uns Eltern ist es dann die große Prüfung: vertraue ich dem, was ich bisher meinem Kind vermittelt habe? Vertraue ich meinem Kind und seiner inneren Stärke, das durch zu stehen?
      Du hast recht, es zerreißt einem das Herz, und ich war mehr als einmal am Ende meiner seelischen Belastbarkeit und habe auch geweint, wenn mein Kind das nicht sah. Aber ebenso wie sie musste ich das aushalten und ihr immer wieder sagen, dass ich ihr zutraue, das zu schaffen, dass ich WEIß, dass es vorbei geht und dass ich an ihrer Seite bin. Meine eigene Wut auf das andere Kind und über die eigene Hilflosigkeit durfte dabei nicht zu groß werden, sonst hätte ich meinem Kind wieder ein Stück Sicherheit genommen.

      Schwierige Zeiten waren das. Aber eben weil wir, weil mein Kind sie so gut überstanden hat, sind wir alle ein Stückchen daran gewachsen. Und besser gewappnet für das nächste Ding, das uns erwartet!
      Liebe Grüße!

  2. Da hast Du ein sehr gutes Thema angesprochen. Ich glaube kaum etwas kann das Selbstbewusstsein eines Kindes so schwer und nachhaltig schädigen wie Mobbing. Daher finde ich ist die vielleicht wichtigste Botschaft für das Kind: das was die anderen machen ist nicht richtig! Dies muss dem Kind klar sein, damit sein Selbstwertgefühl nicht kaputt geht. Aber das ist so verdammt schwer. Ich würde beim Thema Mobbing immer einschreiten und zusätzlich zu den vielen guten Tipps, die Du gegeben hast, um das Kind selbst zu stärken, auch die Erzieher in der Kita oder der Schule informieren und die Eltern der mobbenden Kinder und darauf beharren, dass die aktiv was dagegen unternehmen.

    • Bei deinem Kommentar fällt mir noch mal auf, dass ich mich bei meinen 10 Punkten lediglich auf das bezogen habe, was wir hier zu Hause grundsätzlich tun konnten und getan haben, um unser Kind zu stärken. Ich habe völlig außen vor gelassen, was wir parallel in der Schule etc. noch unternommen haben, weil es mir vor allem auf den andern Aspekt ankam.
      Ja, wir haben regelmäßig mit der Mutter von Mobbing-Else gesprochen, ohne wesentlichen Erfolg: sie wusste, was lief, hat aber darauf mit so einer Mischung aus Hilflosigkeit und Desinteresse reagiert. Sie war beruflich sehr eingespannt, viel unterwegs und stand außerdem auf dem Standpunkt, dass das ja alles früher viel schlimmer gewesen sei, in ihrer Internatszeit. Irgendwann war mir klar, mit DEM Maßstab im Kopf kann ich auf die Frau nicht zählen. Eigentlich war sie ganz nett, aber wirklich etwas unternommen hat sie wohl nicht.
      Es gab natürlich auch Gespräche mit der Klassenlehrerin und dem Counselor an der Schule. Unsere Tochter hat auch solche Mediations-Termine zusammen mit der Mobbing-Else beim Counseling gehabt und es gab Termine, zu denen die Eltern von Mobbing-Else einbestellt wurden. All das greift aber immer nur für den Moment. Solange nicht etwas Grundsätzliches an den Strukturen zwischen den Kindern geändert wird, wird sich die Situation nicht ändern.
      Auch das etwas, das wir unserer Tochter immer sagten: du wirst SIE nicht ändern, du kannst nur dein eigenes Verhalten ändern. Eine harte Lektion für uns alle, dass Schule nicht (mehr) wie Kita ist, auf allen Seiten.
      Es ist ein großer Irrtum in Elternköpfen, wenn wir denken, wir könnten die Umgebung unseren Kindern anpassen. Leider ist das nicht so. Unsere Kinder müssen lernen, sich an die Umgebung(en) anzupassen, wie schmerzlich auch immer das punktuell sein kann. Und das einzige, was wir dabei tun können ist, sie nachhaltig zu stärken und zu versuchen, sie zu aufrechten, selbstbewussten kleinen Menschen werden zu lassen, damit sie in solchen Situationen die Kraft finden, das durch zu stehen.

  3. Vielen Dank dafür, wir gehen grade auch durch eine solche Zeit, die uns alle viel Kraft kostet.
    VlG Tina

  4. Melanie sagt

    Liebe Anna
    Du sprichst mir aus der Seele!
    Leider ist meine kleine Tochter auf „Opfer“ von solch einen Mädchen!
    Sie hat sich so auf die Schule gefreut und dann sowas in der 1. Klasse!
    Mir tut es so weh und ich würde so gern meiner Kleinen zur Seite stehen!
    Ich bin jedesmal erschüttert über so viel Hass und Boshaftigkeiten!
    Wir geben Ihr auch immer das Gefühl, das wir hinter ihr stehen und versuchen, sie jeden Tag aufs Neue zu stärken!
    Wünsch Dir einen schönen Tag und Danke für Deinen Beitrag

    • Was meiner Tochter geholfen hat, war der objektivere Blick auf sich und das andere Kind: ist sie selbst wirklich so hilflos, ungeliebt und schwach, wie sie sich fühlt? Ist das andere Kind wirklich so groß und mächtig und wartet nur auf die nächste Gelegenheit? Ich glaube, das wird immer schlimmer, je länger es dauert, wenn man es nicht schafft, für das eigene Kind die Rolle zu hinterfragen. Ich bin nicht dafür, Kinder dazu aufzurufen, sich mit selber Münze zu wehren, aber man sollte schon ihre eigenen Stärken betonen: du bist auch groß und laut, du hast auch Freunde, du bist nicht allein, du kannst auch laut „Nein!“ schreien, du musst dich nicht schubsen lassen undsoweiter. Eine Mischung aus Stolz und Gleichwertigkeit mit einem Schuss Überlegenheitsgefühl („Du kannst dich besser verhalten, als die Mobbing-Else, du weißt, was richtig und falsch ist…“) hat bei uns den Unterschied gemacht.
      Es hat nicht dazu geführt, dass die Else von heute auf morgen aufgehört hat. Aber das Interesse erlahmte recht bald, als unsere Tochter nicht mehr so darauf ansprang. Nicht mehr weinte, sich nicht mehr verkroch, sondern stehen blieb und signalisierte: du interessierst mich nicht, ich steh über dem, was du machst, du machst mir keine Angst.
      Ich denke, das ist der einzige Weg für uns Eltern, die Kinder zu stützen, zumal wenn von den anderen Eltern keine Unterstützung kommt. Was leider ja oft so ist…

      Liebe Grüße und alles Gute für eure Kleine. Stärkt sie, bleibt bei ihr, macht sie stolz und groß, dann steht sie das durch und wird hinterher nicht mehr so leicht das „Opfer“ für Mobbing!

      Alles Liebe, Anna

  5. ich hab jetzt dein post echt aufgesogen und hoffe, im fall der fälle, auf die punkte zurückgreifen zu können. in der klasse meiner ältesten ist auch ein mädchen das lügt, freundinnen ausspannt und provoziert wo sie nur kann. wir haben auch viele gespräche geführt und ich hab ihr viel erzählt über das thema. aber es war nicht so heftig wie bei euch, das tut mir ja in der seele weh, dennoch war dieses mädchen immer wieder thema, das gemeinste was sie getan hat, war das SÜheft meiner großen komplett mit der weißen seite des tintenkillers zu bearbeiten, sodass sie mit der füllfeder nicht schreiben konnte, da war aber glücklicherweise jemand dabei, der das gesehen hat und es hat ordentlich wirbel gegeben. als ich einmal das gespräch mit der mutter gesucht habe, war mir schlagartig klar, warum das kind so ist, wie es ist.. aber naja, das hilft jetzt dann MEINEM kind auch nicht weiter. seit gut einem halben jahr ist aber soweit alles ok und es ist nur noch ein monat schule, danach ist für alle schulwechsel und sie gehen nicht in die gleiche schule weiter. was ich ihr aber schon gesagt habe ist, dass es im leben leider immer wieder solche menschen geben wird und ich muss gestehen, dass wenn ich so über cybermobbing etc lese, wird mir angst und bang. wenn sich sogar schon 12jährige umbringen, weil sie keinen anderen ausweg mehr sehen, wohin führt das alles? gänzlich verbieten kann man vieles auch nicht und wir sind da eh total spät mit handy und co. sie ist jetzt 10 und hat keines, ich wüsste nicht wofür?! wir bringen sie und holen sie ab und in der schule finde ich das ganze handygetue soundso sowas von bescheuert und ich finde, es gehört verboten.
    so, nun aber genug, ich finde es wunderbar, dass eure tochter so einen rückhalt hatte/hat und sich so bei euch fallen lassen konnte, das ist (leider) nicht selbstverständlich für viele kinder! bitte lass sie lieb grüßen und danke dir, dass du das thema hier angesprochen hast!
    glg aus wien,
    andrea

  6. Das ist wirklich traurig das unsere Gesellschaft auf andere so wenig Rücksicht nimmt.
    Es liegt ja oft schon an den Eltern das muss man einfach dazu sagen das manche Kinder so sind. Ich wünsche euch weiterhin viel kraft deine Maus kann sich glücklich schätzen so eine starke Mama zu haben :0) toller ausdruckstarker Post Danke für deine ehrlichen Worte.
    Alles liebe die Räuberbande

  7. Toll zusammengeschrieben, wirklich schöne Tipps dabei – Danke Anna!

    Ich kenne bei der Prinzessin beide Seiten. Zum Einen war sie (allerdings ohne Daheim zu berichten) ein Weilchen das gemobbte Kind, nachdem sich das gelegt hatte, hat sie ein anderes Kind (eine ihrer besten Freundinnen) ganz arg unterdrückt. Als ich das erfahren habe, brach erstmal eine Welt zusammen…
    Später kam dann eben auch das „selbst gemobbt werden“ heraus, wodurch sich einiges erklärte… Dennoch fand ich es sehr schwierig, damit umzugehen. Auf der einen Seite das (ohnehin kaum vorhandene) Selbstbewusstsein stärken, auf der anderen Seite aber eben auch ganz klare Grenzen setzen und klar machen, dass es SO nicht weitergeht… Und da musste ich dann auch meine Mama-Stellung „missbrauchen“ (in Form eines strikten Verbots)…
    Ich hab dazu auch noch einen Artikel auf Halde und feile daran herum – nicht leicht etwas zu schreiben, wenn der Inhalt „das eigene Arschlochkind“ ist. 🙁

    Liebe Grüße
    die Alltagsheldin

    • Hallo Alltagsheldin,

      toll ausgedrückt. Ich weiss auch gerade nicht, ob mein Sohn Opfer oder Täter ist. Eine ganze Gruppe Jungs in der Schule möchte nicht mehr mit ihm spielen, er kommt jeden Tag heulend aus der Schule und sagt von sich selbst, er sei gemein. Leider möchte er auch nicht auf andere Gruppen zugehen, sondern hält an diesen bestimmten Jungs fest. Jetzt weiss ich nicht, ob diese Jungs nicht mehr mit ihm spielen wollen, weil er so sensibel und gleichzeitig aufbrausend ist und sie nervt/ärgert oder ob sie ihn einfach mobben.
      Hach schwer. Tut gut zu lesen, dass alle Mums irgendein Problem haben.
      Tausend Dank auch an Anna für diesen tollen Artikel.So wunderbare Tipps !
      Waren schon bei einer Psychologin, aber das hat auch nichts gebracht. Dazu kommt, dass wir in Frankreich leben, hier ist sowieso nochmal alles anders-seufz.
      Viele Grüsse

  8. Frollein Stine sagt

    Oha! Ein schwieriges Thema. Ich kann deine Hilflosigkeit gut verstehen…
    Mich würde noch interessieren, welche Rolle die Lehrer eingenommen haben.
    Alles Liebe

    • Ja, das habe ich nicht so ausführlich behandelt, weil das der Bereich ist, auf den man leider so wenig Einfluss hat. Ich glaube, da wird noch ein zweiter Post fällig! 😉 Die Lehrerin hat schon reagiert in unserem Fall: es gab Gespräche mit den anderen Eltern, auch Gespräche mit den Kindern gemeinsam und ein paar gemeinsame Termine beim Counselor in der Schule (so eine Art abgespeckter Schulpsychologe/Vertrauenslehrer oder so). Was nicht passierte, war das aktive sich-vors-Kind-stellen, was sich unsere Tochter so gewünscht hätte. Aber ich denke, viel lief auch und vor allem auf dem Schulhof, der Schultoilette etc., wo die Lehrer nicht dabei sind. In der Klasse war das sicherlich meist recht unauffällig.
      Ich musste lernen, dass das, was Lehrer*innen bereit und in der Lage sind zu tun, sich ja niemals nur auf das „Opferkind“ bezieht, sondern immer auf den Gesamtzusammenhang der Klasse. Macht ja auch Sinn. Es wurde niemals die Mobbing-Else „gebrandmarkt“ oder bloß gestellt, auch wenn ich mir das deutlicher gewünscht hätte, dass mal jemand sagt: „So geht es nicht, so gehen wir nicht miteinander um.“ Falls das passiert ist, dann habe ich es jedenfalls nie erfahren.
      Ich denke schon, dass da reagiert wurde. Die Art und Weise war allerdings sehr auf Deeskalation auch zwischen den Elternpaaren ausgelegt und natürlich nicht so sehr als pädagogische Maßnahme gegenüber dem mobbenden Kind.

      Liebe Grüße!

  9. Toller Artikel, auch wenn wir bisher noch nicht betroffen waren, mache ich mir trotzdem Gedanken über solche Dinge, die mit Sicherheit kommen. Deine Tipps sind inspirierend und vor allem sehr liebevoll, danke dafür!
    Liebe Grüsse
    Nathalie

  10. anonym sagt

    vielen dank für diesen tollen post! er spricht mir aus dem herzen, wohl auch, weil ich selber (allerdings in der oberschule) über lange zeit gemobbt wurde.
    leider hatte ich nicht solche eltern und auch keine lehrer die so hinter mir standen.
    eure tochter hat viel glück!
    ich war damals ganz unten, mit selbstmordversuch und ritzen…das ganze programm.
    erst nach der oberschule ging es mir besser und ich habe durch gute freunde mich selbst lieben gelernt.
    vielen dank daher für deine tipps. sollte meinen kindern derartiges passieren, weiß ich jetzt, was ich tun kann.
    lg

  11. Liebe Anna, ich habe (zum Glück) keine eigene Geschichte parat, aber ich will dir einfach sagen, wie gut es mir tut, wie fein du mit deinem Schatzkind umgegangen bist und was sie alles gelernt hat. #hach

    Was ich meiner Tochter gestern gesagt habe, als sie von einem Mädchen sprach, das sich ihr gegenüber blöd verhält, war: „Wer wärest du, wenn du den Gedanken, dass die doof ist, nicht haben könntest?“ „Ich wäre gelassen“, sagte sie. Ich: „Genau.“
    Ich bin nämlich inspiriert von Byron Katies „The Work“, und die klappt auch mit Kindern gut. Der wichtigste Grundsatz ist dabei: Ich kann mit der Wirklichkeit nicht streiten. Katzen miauen, Hunde bellen, Mobbing-Elses mobben.
    Ich kann dir das Buch sehr empfehlen, nicht nur für dein Kind, sondern auch für dich. Es heißt „Lieben was ist.“

    Ganz liebe Grüße
    Michaela

  12. Meine Kinder sind noch ein paar Jahre von ihrer Schulzeit entfernt, aber ich werde deine Worte bis dahin genau im Kopf haben. So, so wunderbar und großartig – und ehrlich.

    Ich habe in meiner Schulzeit, allerdings erst in den letzten Jahren, auch unter Mobbing gelitten und mir geht das noch bis heute Nahe und macht mir manche Dinge schwer. Meine Eltern haben auch mit ihrem ganzen Herzen versucht, mich zu stärken und zu schützen .. aber, wie du schon sagtest, es geht eben nur in einem gewissen Rahmen.

    Ich bin allerdings auch der Meinung, Lehrer unbedingt regulierend eingreifen. Gerade bei Grundschulkindern. Einmal Schaden angerichtet, verfolgt er die Seele ein Leben lang.

    Danke für deinen Artikel!!

  13. Liebe Anna,
    oh, von der Problematik kann ich auch ein Lied singen. Toll, was Du da alles aufgelistet hast! Mich hat damals schockiert, wie ein einziges (neues) Kind die gesamte Klassendynamik durcheinanderbringen kann. Dieses Mädchen hat es tatsächlich geschafft, alle Freundinnen unserer Tochter auf ihrer Seite zu ziehen. Bei uns stand diesem Problem ein hilfloser Lehrer (ohne Verständnis für Mädchen) und eine überlastete Direktorin gegenüber und Eltern, die ihre „Mobbing-Else“ vergötterten und einfach nicht einsehen wollten, was für ein Biest sie da haben. Nach vielen Versuchen unsererseits, haben wir aufgegeben und unsere Tochter aus der Schusslinie genommen: Wir haben sie an einer anderen Schule angemeldet haben.
    Was für eine Erleichterung!
    LG Imke

    • Liebe Imke,
      ja, das war bei uns ganz ähnlich: die Zusammensetzung der Klasse änderte sich und schon kippte die ganze Dynamik und war scheinbar nicht mehr zu kontrollieren. Bei uns wurde das Ganze ja endgültig damit aufgelöst, dass die Mobbing-Else die Schule verließ (aus anderen Gründen). In der Situation konnte man dann auf einmal sehen, wie ALLE aufatmeten, auch die anderen Mädchen, die vorher nie so recht Position beziehen wollten: offensichtlich hatten alle mehr unter der Else gelitten, als sie vorher zugegeben hatten. Das fand ich erschreckend, denn wir waren offensichtlich nicht die einzigen Eltern, die ein heulendes Kind zu Hause sitzen hatten, das nicht mehr in die Schule gehen wollte – aber niemand sprach offen darüber. Auch die Kinder untereinander nicht.
      Ich frage mich, ob das auch am Alter der Kinder lag (3. Klasse). Mir scheint, schon ein, zwei Jahre später sind die Kinder weiter, sprechen die Dinge anders aus und auch an und kommunizieren ganz anders. Ich hoffe, das passiert uns nicht wieder – und deiner Großen auch nicht!
      Ganz liebe Grüße, Anna

  14. Liebe Anna,

    wieder so ein berührender Beitrag. Erst letztens ging ich spazieren, an einer Stelle, an der ich gelitten habe und dachte daran, wie schrecklich es für mich sein wird, dies an meinem Kind auszuhalten. Und das man das ja nicht im Griff habe und man als Mama nur hoffen kann, seinem Kind genug Kraft mitgegeben zu haben, dass es damit umgehen kann. Toll, was ihr als Eltern für euer Mädchen getan habt, sowas hätte ich mir damals auch gewünscht.

    Im übrigen glaube ich, dass dein Beitrag nicht nur Kindern helfen kann, sondern ganz normalen erwachsenen Mobbingopfern.

    Lieben Gruß, Tina

  15. Vielen Dank für diesen großartigen Post! Ganz wundervolle Eltern hat Deine Tochter 🙂

    Vielen Dank auch für diese wertvollen Tipps, ich befürchte, dass sie mir irgendwann noch sehr nützlich sein werden.

    Liebe Grüße
    Katharina

  16. Von Herzen Dank für diesen tiefen, inspirierenden, ermutigenden Text! Wie für mich gemacht in diesen Tagen. Wir erleben hier gerade Ähnliches – nicht so stark, nicht über so lange Ueot, und doch so schlimm. Einige Zeit war ich der Tochter vielleicht überhaupt kein Halt, habe eher mitgeweint, und fühlte mich klein und unfähig. Allmählich wächst in uns wieder der Mut – in mir, und in ihr. Deine Worte, Deine Ideen haben mich – hm, wie sage ich das jetzt – den Kopf heben lassen, haben mich geradeaus schauen lassen: Was wir haben, was wir uns sind – und nicht, was wir eben – in dieser blöden schulischen Situation – nicht haben. Den Fokus anders setzen, den Blick auf die stärkenden Dinge richten … die Tochter ist mir darin oft Lehrerin, und Dein Text hat mir die Augen geöffnet.
    Liebe, dankbare Grüße, Uta

    • Liebe Uta, danke dir für deinen lieben Kommentar. Es ist schön, dass mein Artikel dir und deiner Tochter ein bisschen helfen konnte – das war ja genau das, was ich erreichen wollte. Ich glaube nämlich, dass es so vielen so geht, Eltern UND Kindern und dass diese Hilflosigkeit und das Gefühl, damit alleine zu sein, das Ganze nur noch schlimmer und unerträglicher machen. Wenn die Dinge, die uns passiert sind, anderen auch passieren, dann helfen vielleicht die Dinge, die uns geholfen waren, auch anderen. Irgendwie so. Ich wünsche dir und deiner Tochter alles alles Liebe auf eurem Weg. Ohren hoch! 🙂

  17. Pingback: Heute zu Gast | Anna Luz von Berlinmittemom « Engelenchen

  18. Pingback: pre-teen meines herzens ::: brief an meine tochter

  19. Hallo Anna, danke für diese Worte und Tipps. Ich glaubte fast, du beschreibst unsere eigene Situation.
    Bei uns ist es aber noch schlimmer, da weder die Lehrer und Erzieher etwas tun oder auch bloss mit den Eltern mal sprechen wollen von unserer mobbenden Else. Seitdem meine Kleine diese Schule mit Nachmittagsbetreuung besucht schon gibt es da speziell eine kleine verzogene Göre, die sich für eine Prinzessin hält und irgendwie es angesehen hat auf meine und so ziemlich ALLES mies macht. Jüngst versteigt sie sich sogar in Beleidigungen gegen meine eigene Person als Mutter und erzählt der Kleinen,dass ihre Mutter ( also ich ) häßlich und dumm wäre.
    Reaktion der Erzieher war ein kurzes Dududu auf dem Schulhof und dass die auch gezielt Klassenkameraden ( obwohl die nicht mal ins selbiger Klasse ist ) aufbringt gegen meine Tochter, sei dort normal .. ja , kein Witz, wurde mir so gesagt, Das würden auch andere Kinder machen .
    Letztes Jahr war es so schlimm, dass wir sie umschulen lassen wollten aber es war kein Platz frei woanders und sie musste die erste Klasse wiederholen. Das Mädchen und andere Mobber aus ihrer ehemaligen Klasse trifft sie an der Schule ja aber dauernd weiter.
    Reaktion der Schule / Schulleitung : Mobbing gibt es bei uns nicht. Basta.
    Und wie ich lese, ist das keine Einzelfallreaktion, sondern typisch bei sowas.
    Wegen meiner Anliegen und Beschwerden bin ich dort auch schon wohl so eine Persona non Grata und werde nicht ernst genommen.
    Und hier im ländlichen Umkreis hackt einer Krähe der anderen nie ein Auge aus, die allgemeine pädagogisch- amtliche Inzucht über pribate Beziehungen ist sehr ausgeprägt.

  20. Nina sagt

    Hallo Anna, bin ganz zufällig auf deine Seite gestoßen. Habe mir deinen mobbing bericht durchgelesen und fast geweint! Finde es sehr schön, wie ihr euer kind gestärkt habt! ! VielenDank. ..lg nina

  21. Teresa sagt

    Liebe Anna,
    eure Art mit der Situation umzugehen und eher Herzensmädchen zu stärken hat mich schwer beeindruckt. Als ich in der 3. Klasse war, gab es auch eine Mobbing-Else, die leider auch vor körperlicher Gewalt nicht zurück geschreckt hat. Damals sprach man noch nicht von „mobbing“, wie heute. Ich hatte das Gefühl damit ganz allein zu sein, ja, sogar irgendwie selbst schuld daran zu sein, dass mir sowas passiert war. Alle, Eltern, Lehrer, waren mit der Situation überfordert. Wir Kinder sollten uns „mal allein aussprechen“, ich sollte mir „ein dickeres Fell“ zulegen. Die Folgen waren, dass ich immer öfter aus angst die Schule schwänzte und meine Noten in den Keller gingen. Das ganze ging über mehrere Jahre, mit kurzen Unterbrechungen, da ich notenbedingt nicht auf die weiterführende Schule konnte bzw erst zwei jahre später, als meine Noten wieder sehr gut wurden. In der weiterführenden Schule gab es dann noch mal eine Zeit voller Angst. Doch ich war stärker geworden und irgendwann prallte es an mir ab bzw fand die mobbing-Else neue Opfer und ließ mich in ruhe.
    Leider ist es keine Geschichte mit happy end. Nun gut, ich machte mein Abitur trotz diesem schlechten Start aber lange Zeit hatte ich Probleme Freundschaften zu schließen, die über ein oberflächliches Geplänkel hinaua gingen und fühlte mich oft schrecklich einsam.
    Mobbing zerstört nicht nur auf lange Sicht das Selbstbewusstsein, sondern auch das Vertrauen in Andere. Geschichten wie die von deiner Tochter gehen mir deshalb sehr nahe. Als ich dann von euren Tipps gelesen habe, hat mich das, wie gesagt, beeindruckt. So etwas hätte ich mir in meiner damaligen Situation von Herzen gewünscht. Ich glaube ubd hoffe, dass euer Herzensmädchen die zeit durch eure Intervention unbeschadet überstehen konnte. Sollte mein kleiner Sohn jemals in eine ähnliche Lage kommen, worum ich bete, dass es nie passiert, werde ich hoffentlich genauso liebevoll und unterstützend sein, wie ihr. Und die mobbing-else bzw elbert dadurch ausser Gefecht setze. Ich wünsche dir und deiner Familie weiterhin alles Liebe und Gute.

  22. AndiS sagt

    Liebe Anna,
    dein Beitrag ist der beste und hilfreichste, den ich im Netz zum Thema Ausgrenzung je entdeckt habe. Bei dem Thema wird auf allen Ebenen ja eigentlich nur rationalisiert und pathologisiert (vor allem die Opfer und die Eltern der Opfer), statt dass auch gerade in den Institutionen wirklich mutig und tatkräftig einfach nur sensibel hingeschaut und geholfen wird.
    Wir stecken seit der Einschulung meiner Tochter vor einem halben Jahr in der psychopathischen Spirale (du weißt genau, wovon ich spreche) ohne Aussicht auf schulinterne Hilfe. Uns bleibt wahrscheinlich nur der Schulwechsel. Bevor ich dir mehr schreibe, schaust du hier noch regelmäßig rein? Ich brauche nämlich unbedingt deine warmherzige Rückmeldung, bevor ich weitere vielleicht unbeantwortete Energien loswerden. Du weißt, was ich meine :o).
    Liebe Grüße,
    Andi

    • Hallo Andi, na klar schaue ich hier immer wieder rein. Immer her mit deinen Kommentaren und/oder Fragen – vielleicht fällt mir ja was zu eurer Situation ein.
      Allerdings kann ich berichten, dass ich viele Fälle kenne, in denen tatsächlich der Schulwechsel die Wende gebracht hat. So hart das als Maßnahme klingen mag, manchmal ist es für das betroffene Kind der einzige (Aus-)Weg. Ich hoffe, ihr findet die Stärke, das Richtige zu tun für euer Kind. Was das ist, könnt nur ihr als Eltern wirklich herausfinden und entscheiden. Liebe Grüße, Anna

      • AndiS sagt

        Liebe Anna,
        drei Minuten später eine Antwort. Du bist spitze! Danke! Zum Vergleich:
        Habe zwei Wochen auf ein Beratungsangebot im hiesigen Schulamt bei einem Mobbingexperten gewartet mit dem Ausgang, an meiner eigenen Einstellung zu arbeiten (Abbau eines zu negativen Blicks – klar, man selbst ist auch noch Schuld an der Verstärkung der Situation … teilweise stimmt das ja auch, aber wenn schließlich kein anderer handelt) mein Kind zu stärken, und gemeinsam mit ihr nach Lösungen zu suchen. Fazit: Sehen Sie zu, dass ihr Kind sich mit ihrer Hilfe an das System anzupassen lernt, denn das System, die Lehrerhandlungen können Sie nicht ändern bzw. erzwingen. Ich solle mein Kontrollbedürfnis ablegen und auf die Selbstwirksamkeitskräfte meiner Tochter vertrauen.
        … Und der Lehrer würde doch schließlich handeln, indem er eine Schulpsychologin zur Berratung hinzuzieht. Das ist unser letzter Stand.
        Ich weiß nicht, wo ich anfangen soll, dir den Verlauf des letztens halben Jahres zu schildern, den wir erst einmal nur beobachtet haben und uns von Ferien zu Ferien gerettet haben. Vor den letzten Weihnachtesferien reichte es meinem Mann und mir. Vor den Ferien eskaliert die Situation eigentlich immer, weil alle eigentlich fertig sind. Die Täter wegen ihres Missachtetwerdens oder eigener Angst vor Ausgrenzung wenn sie nicht mitmachen und die Herzenskinder eben, weil sie wieder maximal geschwächt sind und sich noch schlechter abgrenzen können.

        Die Ausgangslage meiner Tochter. Wir leben in einer Großstadt. Unsere Tochter ist leider ungewollt geschwisterlos hat aber eine enge Familien- bzw. Cousinenbande (die ausgesprochen hilft). Sie war im KiGa ein absolut von allen anerkanntes Kind, das von den Erziehern im letzten Entwicklungsbericht als maximal sozial kompetent, liebevoll, sensibel beschrieben worden ist.
        Der KiGa hatte ein geschlossenes Konzept (bewusst gewählt). Viele soziale feste Kontakte stammen (zum Glück!,) aus der Zeit.
        Leider sind die wenigen Schulkinder auf unterschiedlichen Grundschulen gelandet, sodass meine Tochter in der Grundschule im Jahrgang keinen, nur flüchtige Nachbarschaftskontakte kennt (die sich ja wegen der Arbeitswut der Bevölkerung nicht mal auf dem naheliegender Spielplatz am Wochenende verfestigen konnten – da muss ja eingekauft oder sämtliche in der Woche oder sonst wann im Leben verpassten Events nachgeholt werden).

        Dann geht sie auch nicht in den Hort. Keine institutionelle Betreuung nach der Schule und kein sozialer Rückhalt in der Schule durch Vorbekanntschaften oder Geschwister sind die Ausgangslage für ihre „nun schwache Position“. Der Erste Punkt verstärkt den zweiten natürlich. Trotzdem weiß ich, dass ihre Situation durch einen Horteintritt (was mir die ganzen Mütter, die diese Betreuungsform so favorisieren raten) nicht wirklich verbessert werden würde. Im Gegenteil, der Stress würde wahrscheinlich auch am Nachmittag weiter gehen. Und nur hier liegen m.E. die Ressourcen, um das überhaupt zu verkraften.

        In der Klasse meiner Tochter gehen nur sie, ein zweites Mädchen und ein Junge nicht in den (gleichen) Hort. Es gibt also schon institutionsimanente Außenseiterpositionen. An dieser Schule sind die ausgegrenzten Kinder übrigens meistens diejenigen, die nicht in den Hort gehen (wie ich von den wenigen Müttern weiß, die sich für ihre Hausfrauen-Mutter-Rolle auch noch rechtfertigen müssen und sich dann auch noch anhören müssen, dass ihre Überbehütung Schuld an der Ausgrenzung wäre).

        (Jetzt kommt bestimmt von einigen Lesern der Gedanke, ach, noch so’n Hausmütterchen, deren Gedanken sich Tag und Nacht um ihr Einzelkind drehen. Ich bin selbst Klassenlehrerin in TZ (was quasi nicht mehr geht – ich arbeite eben – wenn ich nicht Konferenzen, Steuerruppen, .. habe, deren Anzahl kaum einer mehr überschauen kann – nachts an meinen Vorbereitungen, Protokollen, Korrekturen, Elternbriefen, …., muss mir aber oft genug anhören – ach, Lehrerin müsste man sein, die kann es sich leisten, ihr Kind nicht in den Hort zu schicken. Viele meiner Kollegen tun dies auch (mit geradezu sklavischer Inbrunst – als wäre Mutterpräsenz was schädliches), aber ich sehe die Entwicklung der außerschulischen Betreuung (gerade die Themen: offene Konzepte in KiGä, Abbau von Hortbetreuung hin zur Ganztagsschule ohne päd. ausgebildete Betreuer gerade in Hinblick auf den Abbau von BEZIEHUNGEN …) äußerst kritisch!! Und die Verhaltensweisen der „missachteten“ Kinder zeigen indirekt durch ihre Gewalt ihr Leid, das sie wieder anderen zufügen.
        Es ist eine lange andere Geschichte, aber nur kurz: ich habe selbst mit Mobbing unter den Mädchen in meiner Klasse schockierende Erfahrungen sammeln müssen (mit der Gewalt der Jungen – weil offen – kann man viel leichter umgehen und intervenieren). Die Sicht der Täter „alles nur Spaß“ und wie sie ein Mädchen gnadenlos subtil fertig machen. Das kostet den Lehrer maximale Beobachtungskompetenz, Konfliktlösekompetenz, Feingefühl, Intuition und viel Mut selbst vor der wegschauenden Masse Stellung zu beziehen – also eine gefestigte Persönlichkeit – (dafür danke ich meinen Eltern noch heute – ob man die in unserer Zeit noch schafft zu entwickeln, wage ich manchmal zu bezweifeln). Und außerdem erfordert es, um etwas bewirken zu können eine gute Beziehung zu den Schülern durch einen hohen eigenen Status, den man sich vor allem durch Führungskraft, Gerechtigkeitsinn, Wertevermittlung und Konsequenz hart verdienen muss. Zusätzlich kostet es viel Unterrichtszeit. Und deswegen schauend ich die meisten meiner Kollegen bei dem Thema weg. Nur leider liegt hier der einzige richtige Interventionsansatz auf Klassenebene. Der einzige, der die Macht hat etwas zu ändern, ist der Anführer der Gruppe, wenn er es denn ist (… viele haben nicht mehr die Kraft zu führen, weil sie vom Staat und den Eltern entmachtet werden) und hinschaut. Durch diese Unfähigkeit wird die Anarchie, das Chaos verstärkt und Gewalt bleibt unentdeckt.
        Deswegen kann ich die Sicht des unerfahrenen Grundschullehrers nur zu gut nachvollziehen. Meine Wut, dass er die Situation meines in der Klasse sehr unauffälligen Kindes (- sie „funktioniert einwandtfrei nach außen, hält sich als fast einzige an Regeln wie er mir sagte“ und ist mit Abstand „sein“ kleinstes Problem) als übertrieben sieht, ist grenzenlos. Dass meine Tochter ihre Wut nicht rauslässt (nur zu Hause) liegt an einer bewundernswerten Beherrschtheit, die ich nicht mal habe. Viele Kinder lassen sie raus, woraufhin sie dann in die Beratung müssen. So schizoid ist die Gesellschaft. Jetzt hat er eine Schulpsychologin akquiriert, die ihm wahrscheinlich nach einem Besuch bestätigt, dass sie auch nichts sehe und die Mutter und das Kind einfach überempfindlich seien. Und damit wird die Sache für ihn legitimiert erledigt sein. Aber wir werden sehen, wie die Entwicklung weiterläuft und Alternativen bedenken …).

        Das zweite Mädchen spielt eine zentrale Rolle. Es ist die Tochter einer von früher Bekannten (Nachbarin), die ich mir sogar in die Klasse gewünscht habe (vor allem auch in Hinblick gemeinsamer Schulweg). Auf sie habe ich eigentlich kontaktmäßig gesetzt (denkste!). Das Mädchen kennt in der Klasse aber zwei Mädchen und mehrere Jungen aus dem KiGa und hat eine ältere Schwester an der Schule, die sie jederzeit in der Pause aufsuchen kann. Sie hat also eine viel stärkere Rückendeckung (wie passend die Vergleiche zu Kriegszuständen sind, oder findest du nicht? ;o).
        Aus Angst selbst ins Abseits zu geraten, ist sie nun aber nach einem halben Jahr diejenige, die an Position drei von 5 überdurchschnittlich engagiert mitmischt beim Ausgrenzen meiner Tochter vor allem in den Pausen, auf dem Schulweg und v.a. wenn der Lehrer wegschaut (z.B. nicht mitspielen lassen, mal ja, mal nein, absolutes Kontakt- bzw. Kommunikationsverbot, man spricht nicht mit ihr, verbreitet Lügen, dass sie gesagt hätte, die eine oder andere nicht zu mögen usw. . …… die Liste ist, wie du weißt unerschöpflich lang). Mittlerweile manifestiert sich die Rolle (die man aus der Lit. kennt) meiner Tochter: man solidarisiert sich, vergemeinschaftet sich gegen eine als gemeinsames Gruppenmerkmal.
        Zusätzlich zu dieser Gruppe gibt es noch zwei Mädchen in der Klasse, die allerdings Cousinen sind und die sich (wie man Tochter es nennt) „zum Glück haben“, ein Mädchen, die ihren Zwillingsbruder in der Klasse hat und viele auf dem Hof aus dem Hort kennt und ein Mädchen, die selbst oft fehlt, etwas (gemein gesagt „autistisch“ wirkt – ist sie nicht und auf dem Schulhof fast apathisch herumschlendert). Sie sucht bis jetzt wenig Anschluss, bekommt vieles (noch) nicht mit und ist auch im Hort. Über sie wird wohl auch geredet, aber sie scheint durch ihr Desinteresse einfach nur allein und daher uninteressant zu sein. Ob sie sich dabei wohl fühlt wage ich zu bezweifeln. Mit den Eltern fand bisher trotz meiner Bitte um Rückruf kein Gespräch statt (der ältere Vater laß auf der ersten Klassenfeier an Weihnachten ein Buch in der Klassenraumecke statt sich zu unterhalten – obwohl auch noch mehrere andere Väter anwesend waren). Das nur, um einige Elternprofile mal zu zeigen. Also über dieses einzige potentiell passende Mädchen sagt meine Tochter, dass sie nicht spielen könne und auch nicht richtig Kontakt aufnehme.

        So sind die Konstellationen, Hintergründe. Vom Lehrer ist wie es bis jetzt scheint, nichts zu erwarten und das ist wohl der einzige Anker, der die Situation bessern könnte. Ich sehe selbst, wie die gleichen Kinder am NaMi lammzahm sind und vormittags wie mutierte Persönlichkeiten agieren. Die Eltern der Ausgrenzerin sind gar nicht verkehrt, sehen aber natürlich aus ihrer Sicht keinen Handlungsbedarf. Man kann doch schließlich keinen zu Freundschaften zwingen. Überhaupt zwingen Kinder eigentlich zu gar nichts mehr. Da gibt es Narkosen oder riesige Weihnachtsgeschenke nach einem Zahnarztbesuch oder einer Impfung, da wird das gleiche Geschenk einfach so gekauft, weil Sohnemann oder Töchterschdn es nicht ertragen, diese Sache selbst nicht zu haben, aber verschenken zu sollen. Da wird dem Lehrer, weil das Kind nach völliger Klassenraumverschmutzung Ordnungsdienst (übrigens in der „Lehrerpause“) machen soll mit dem Anwalt gedroht …… Aber das nur nebenbei.

        Es ist ein Gruppenphänomen in institutionellem Kontext und deswegen kann nur dort gehandelt werden. Aber dafür hat keiner Zeit und Kraft.
        Ich ziehe im nächsten halben Jahr alle Register (Zusammnarbeit Elternbeirat, Gespräche mit Eltern …). Unsere Tochter hält mit häufigem Bauchweh, Kopfschmerzen, schlechten Träumen (vor allem Sonntagabends) und schon vielen Selbstzweifeln tatkräftig durch.
        Ein Schulwechsel hätte zur Folge, dass sie falls möglich ein-zwei KiGa-Freunde treffen würde (vielleicht in der gleichen Klasse – aber die Mögl. werden begrenzt sein und sind noch nicht erfragt worden) und dass sie evtl. eine tatkräftigere, mutigere Klassenlehrerin hätte (vielleicht aber auch nicht).
        Wie siehst du die Lage? Noch Ansatzpunkte?

        In jedem Fall habe ich schon ein paar deiner tollen Tipps umgesetzt. Die Hexen haben wir gestern nach Ventilbeschimpfungen und eigenen Starkmachsprüchen alleine im Auto eingeschlossen und draußen vor der Tür gelassen. Das Lächeln meiner Kleinen ist jetzt noch in meiner Erinnerung.

        Ich danke dir sehr für deine Tipps.
        Freue mich von dir zu hören.
        Andi

      • Liebe Andi,

        das klingt alles ziemlich verfahren und natürlich schwierig, vor allem für deine Tochter, die dieser Situation täglich ausgesetzt ist.

        Die Frage ist ja einerseits, was ihr als Eltern für Möglichkeiten habt und andererseits, was in der jetzigen Situation für eure Tochter nicht aufzulösen ist und sie deshalb aushalten muss.

        Ich bin ja nun leider auch keine Expertin in diesen Dingen, sondern nur eine Mutter, die ihre persönlichen Erfahrungen aufgeschrieben hat – insofern ist mein Repertoire an Maßnahmen auf genau diese Erfahrung beschränkt, zumindest wenn es darum geht, was ich schon selbst ausprobiert habe.

        Meine Ideen zu deiner Schilderung der Situation kann ich natürlich dennoch mit dir teilen. So wie ich das verstehe, was du beschreibst, glaube ich, dass du in der Schule selbst wohl wenig mehr ausrichten kannst, als du es schon getan hast. So schmerzlich es ist, aber der Aktionsradius von Eltern ist leider auch in solchen Situationen beschränkt. Ich kenne das nur zu gut, und ich bin ein großer Fan unserer Schule bzw. auch der Abläufe in solchen Situationen. Dennoch griff das in unserem konkreten Fall zu kurz und hat nicht wirklich geholfen.
        Insofern würde ich in einer solchen Situation überlegen, ob es hilfreich sein könnte, jemand Externes zu konsultieren. Jemanden, der nichts mit der Schule zu tun hat, der nicht aus der Nachbarschaft oder dem Bekanntenkreis kommt und der nur das Kind anhört/anschaut. Wenn du sie dort lässt (und das ist ja zumindest eine Option), wäre es möglicherweise für sie und für euch als Eltern eine Hilfe, wenn jemand sich das Ganze mal von außen anschaut und euch Input gibt.
        Ich habe mich zum Beispiel in der heftigen Trauerphase meiner Tochter nach dem Tod meiner Mutter an einem gewissen Punkt an eine Kinderpsychiaterin gewandt, die mir von einer Freundin empfohlen wurde, weil ich einfach das Gefühl hatte, dass ich meinem Kind in seiner grenzenlosen Trauer nicht mehr helfen konnte und selbst zu dicht dran war mit meinen eigenen Gefühlen. Und unsere Erfahrung war durchweg positiv. Ich würde mir jederzeit wieder diese Art von Hilfe holen, wenn es nötig wäre und würde es auch jedem empfehlen.
        Dafür gibt es ja noch diverse Zwischenschritte, bevor man zu einem Kinderpsychologen o.ä. geht: Erziehungsberatungsstellen etc. können da auch gute Hilfestellung geben. Und könnte man sich nicht vielleicht auch noch mal um Rat an die KiGa-Erzieherinnen wenden, die das Kind schließlich gut kennen? Ich könnte mir vorstellen, dass es hilft, einen objektiven Blick auf die ganze Situation zu bekommen. Und dass es im Idealfall eurer Tochter hilft, sich auszusprechen und möglicherweise Strategien zu erlernen, wie sie mit einer solchen Situation für sich zurecht kommt.
        Es ist doch so: wir können niemals ändern, was die anderen tun, was sie denken und fühlen und letztlich auch nicht ihr Verhalten. Wir können immer nur unser eigenes Verhalten etc. verändern, um mit Dingen besser klar zu kommen. Damit will ich nicht sagen, sie soll alles schlucken und sich fügen. Aber Strategien zu finden, wie sie die Situation besser aushalten kann, wenn sie sich auch bei allen Bemühungen nicht ändern lässt, könnte ihr helfen und sie stärken.

        Eine andere Option wäre tatsächlich ein Schulwechsel. Manchmal ist das in solchen Mobbing-Situationen wirklich der letzte Ausweg – und ich habe das nicht allzu selten schon erlebt/gehört. So blöd das im ersten Moment klingt, vielleicht ist es durchaus das Richtige für eure Tochter. Aber auch vor einem solchen Schritt würde eine ausführliche Beratung evtl auch außerhalb des Schulkontextes helfen, zu einer guten Entscheidung zu kommen.
        Es tut mir leid, dass ihr da gerade durch müsst. Sei dir sicher, dass ihr mit dieser schlimmen Erfahrung nicht alleine seid. Kennst du diese Seite? Vielleicht ist da noch der ein oder andere hilfreiche Tipp dabei?
        http://www.mobbing-in-der-schule.info/

        Bei allem halte ich einen Aspekt für ganz zentral: sie ist nicht alleine – sie hat euch! Und das ist trotz aller beschränkten Möglichkeiten von Eltern in so einer Situation sehr, sehr viel. Bleibt bei ihr, hört ihr zu, schenkt ihren Geschichten Glauben und nehmt das ernst, was sie mit euch teilt. Das wird für sie schon einen großen Unterschied machen.
        Und lasst euch nicht beirren in dem, was ihr an Maßnahmen für richtig haltet. Ihr seid die Expert*innen für euer Kind, nicht die Bekannten, die anderen Eltern, die Nachbarn etc. Ich halte es für gut, sich Meinungen anzuhören und Input von anderen zu holen. Aber ich halte es für genau so wichtig, sich letztlich auf sein Bauchgefühl für das eigene Kind zu verlassen.

        Ich drück euch die Daumen, dass ihr gut durch diese schwere Phase kommt und zu einer guten Entscheidung für euer Kind kommt!
        Alles Liebe, Anna

  23. Hallo,

    wunderbar geschrieben und ich wünschte wir wären schon so weit so stark zu sein.
    Wir sind grad mittendrin in dieser Situation und es ist einfach nur noch unerträglich für mich mein Kind in die Schule schicken zu „müssen“
    Ich hoffe ich kann Deine Tipps anwenden und meiner 7-jährigen den nötigen Halt geben

    Liebe Grüße
    Dani

    • Liebe Dani, ich drücke euch die Daumen für die schwierige Zeit und wünsche euch und vor allem deiner Tochter alles alles Liebe. Es ist so schwer, das mit zu erleben als Mutter, ich weiß das. Umso wichtiger, selbst Stärke zu zeigen und das Kind zu stärken. Ich denk an euch! Liebe Grüße, Anna

      • AndiS sagt

        Liebe Anna,

        Du schriebst im Februar, dass bei Euch Eure Schule Maßnahmen gegen die Ausgrenzung einleitete bzw. aktiv wurde, was aber nichts half. Schreibst Du mir bitte kurz, was getan wurde (Klassen-, Schulebene) und warum aus Deiner Sicht die Maßnahmen keinen Erfolg brachten?

        Wie würdest Du/die anderen den Charakter ihres Kindes beschreiben: (zurückhaltend, friedlich, eher ängstlich, nachdenklich, sensibel). So wirkt meine Tochter nämlich, obwohl sie innerlich viel stärker als viele eher aufbrausende, scheinbar mutige, verletzende Kinder ist.
        Es interessiert mich, ob es die Sensibleren sind, die in unserer Gesellschaft hauptsächlich unter Beschuss stehen.
        Natürlich sensibilisiert alle diese kaputtmachenden Situationen auch hochgradig ….

        Es ist schlimm, wohin die Gesellschaft sich entwickelt. Psychiostress auf allen Ebenen und zwar von Kindesbeinen an (stressbedingte Hirnschäden). Ein Pilot, der sich und andere tötet, ist eine Auswirkung davon. Aber die Diskussion dreht sich nur darum, Kranke frühzeitig auszusortieren, nicht darum, was diese Menschen eigentlich psychisch kaputt gemacht hat …..
        Armes, reiches Land ohne Beziehung und Zusammenhalt.

        Lg,
        Andi

  24. Liebe Anna! Auch wenn dein Beitrag schon einige Zeit her ist, scheint es mir, als wenn er immer noch sehr aktuell ist, wenn ich mir die ganze Beiträge durchlese.

    Leider stecken wir auch schon seit der ersten Klasse in dieser schrecklichen Situation. Mittlerweile haben wir einen Schulwechsel hinter uns und haben damit noch mehr in den Misttopf gegriffen. So kann es leider auch gehen. Gerade heute habe ich wieder diesen Punkt gehabt, dass ich einfach nicht mehr weiter wusste und da habe ich durch Zufall diesen Beitrag entdeckt.

    Ich möchte dir vom ganzen Herzen für deine Tips danken. Sie haben mir sehr geholfen, denn nichts ist wichtiger dem Kind zu vermitteln, dass es eben nicht daran schuld ist und wie du schon geschrieben hast „normal“ ist. Ich habe wirklich einen herzensguten Jungen, der so eine fiese und gemeine Behandlung (wer hat das schon?) verdient hat und du hast mir wieder Klarheit verschafft, nicht zu verzweifeln und weiterhin ihm zu zeigen, dass ich immer hinter ihm stehe und ihn auf diesen beschwerlichen Weg begleiten werde. Übringes habe ich den Tip mit dem Spiegel gleich umgesetzt und meinen Süßen sofort zu Tränen gerührt. Da sieht man gleich wieder was für ein weiches Herz dieser tolle Junge doch hat. Da musste ich gleich meine eigenen Tränen runterschlucken um ihm zu zeigen, dass wir stärke sind. Und das sind wir!!!! Tschaka!

    Also vielen lieben Dank und ich hoffe sehr, dass deine Tochter nie wieder so eine harte Zeit durchmachen muss!

    Viele liebe Grüße von Jenny

  25. Melanie sagt

    Unsere 15jährige Tochter leidet i der 10. Klasse jetzt auch ganz heftig, nur in umgedrehter Form.
    Sie wird von allen ignoriert, keiner spricht mit ihr…von einen Tag auf den anderen und keiner ist bereit ihr zu sagen, warum.
    Die gehen jetzt in die Prüfungen für den Schulabschluss, sie bräuchte ihre ganze Energie zum Lernen.
    Am Dienstag findet die erste Prüfung, eine Präsentation statt – und die Klassenkameradin verweigert ihr die Zusammenarbeit.
    Kommentar vom Leher: „Die ist doch abgegeben, wo ist das Problem?“
    Der Kollege fordert, wir müssen das Kind allein lassen, sie muss selbst lernen da raus zu kommen.
    Und außerdem sind in zwei Monaten die Prüfungen durch, da ist das eh egal.
    Unser Sonnenschein leidet wochenlang an Halsschmerzen, ohne dass körperlich etwas zu finden ist…sie isst kaum, schläft sehr schlecht, weint viel und hat Angst.

    Wie kann ein Lehrer ernsthaft fordern, dass man das Kind die letzten vier Schulmonate einfach im Stich läßt?

  26. andrea sagt

    Liebe Anne,
    vielen Dank für deine Tips und deine wirklich an’s Herz gehende Beschreibung aber auch Herangehensweise mit diesem Thema umzugehen.
    Ich suchte nach Strategien unserer „Mobbingelse“ in die Schranken zu weisen. Gefunden habe ich ein 10 Punkte Stärkungsplan für mein Löwenmädchen.
    Danke dafür. Und danke für die Tränen die nun endlich da sind …
    Nun können wir kämpfen.

    Liebe Grüße
    Andrea

  27. marie-ann sagt

    Hallo Anna Luz,

    ich fand deinen Beitrag sehr hilfreich. Wir befinden uns seit einigen Jahren in einer ähnlichen Situation. Meine Tochter hat den Psycho-Terror des Klassenkammeradin – wir haben sie Lord Voldemord (nach Filmreihevon Harry Potter) mittlerweile gut im Griff und ws gibt immer weniger Situation in denen sie den bösen Blicken von Lord Voldemord ausgesetzt wird. Dennoch ist das bereits viel zu lang andauernde Psychoterror noch nicht vorbei. Gerade letzte Woche weinte mein Mädchen, dass sie sich nicht vorstellen könnte gemeinsam mit LV die Oberstufe zu besuchen und habe Angst, dass Lord Voldemord sie überall hin im Leben begleiten/verfolgen wird. Mein Mädchen.ist nach wie vor sehr eingeschüchtert und an diesem Punkte suche ich nachhilfreichen Beiträgen/Erfahrungen, wie ich hierbei mein Mädchen noch stärken könnte.

    Vielen Dank und beste Grüße

    Marie-ann

  28. Eulenspiegel sagt

    Auch wenn dieses Posting schon älter ist, ist es ein wunderbarer Text! Wir erleben mit unserer Tochter seit einiger Zeit auch ähnlich doofe Momente des Ausgegrenztwerdens. Es tut oft so weh und ist schade zu sehen, wie das Kind, das man mag, von anderen abgelehnt oder geärgert wird. Deine Tipps und Gedanken tun einfach gut und bestärken mich im immer-wieder-neu-zuhören und helfen mir bestimmt, die Launen meiner Tochter wieder etwas besser zu ertragen, weil sie die Folge von einigem sind, was sie erlebt oder fühlt. Danke!

  29. Liebe Anna, 

    jetzt ist dein Post schon mehr als drei Jahre alt und hat rein gar nichts an Aktualität verloren!! Wir stehen leider schon in der ersten Klasse vor diesem Problem und versuchen es in den Griff zu bekommen. Mich schockt, wie wenig Schulen und Lehrer auf diese anscheinend doch überall präsente Problematik vorbereitet sind und wie wenig gegen Mobbing selbst dann vorgegangen wird, wenn alle davon wissen. Ich versuche mein Kind seit einem ganzen Jahr schon zu stärken und ihm zu zeigen, dass es nicht der laute, aggressive Körper ist, der zählt, und vor dem er Angst haben muss, sondern dass er mit seinem sensiblen Wesen, seinen Werten und seinen Ideen von Gerechtigkeit und Miteinander dagegen halten kann. Bestimmt helfen deine Tipps uns auch noch weiter. Vielen DANK für deinen tollen Artikel!!!!!!! 

  30. Nadine sagt

    Liebe Anna,

    habe auch deinen Post erst jetzt gelesen. Bei uns fängt es auch schon in der ersten Klasse an. Es ist erschreckend wie manche Kinder sich verhalten und noch erschreckender, dass die meisten Eltern solcher Kinder einfach darüber weg sehen und sagen die anderen sollen sich doch wehren. Verkehrte Welt irgendwie, schade.
    Toller Artikel :-))

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.