das wilde leben
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es gibt keine grenzen in kinderköpfen ::: maischberger und der homophobie-talk

Also gestern. Sah ich Maischberger. Und ohne den beständigen Austausch darüber mit meinem Mann und nebenher mit meiner Twitter-Timeline, hätte ich es wahrscheinlich nicht ausgehalten. Denn es ging um Homosexualität. Und um Kinder. Und um den heiligen Zorn von zwei vorsintflutlichen Homophoben, die dort ungehindert vom Leder zogen, dass es eine Freude war. Nicht.

Kurz zu den Hintergründen: es geht um die Debatte um den neuen Bildungsplan der Rot-Grünen Regierung in Baden -Württemberg, in dem die Aufklärung über sexuelle Vielfalt einen Platz gefunden hat und der beinhaltet, dass in Schulen künftig auch darüber gesprochen werden soll, dass es noch mehr gibt, als Heterosexualität. Das hat die Gerechten auf den Plan gerufen und sie eine Petition anschieben lassen, in der sie sich vor der sexuellen Umerziehung ihrer Kinder verwahren. Heiliger Bimbam! Das war also das Set-Up gestern abend: Maischberger und der Homophobie-Talk.

Ich habe mir im Nachgang darüber Gedanken gemacht, was mich eigentlich an dieser TV-Diskussion am meisten aufgeregt  hat und habe mal wieder meine „Brille“ aufgesetzt, durch die ich hier in meinem Blog am häufigsten schaue: wie betrifft diese Debatte unsere Kinder? Wie kann es sein, dass sich eine ganze Herde von vermeintlichen Beschützer*innen des ominösen Kindswohles aufbauen zu einer homophoben, bigotten, lamentierenden Masse und dann auch noch in so einer Sendung ihre lautesten Vertreter*innen in eine Art Kreuzzug schicken, dessen Ziel es ist, Vielfalt zu verdammen? Und dazu Kinder als Argument vorzuschieben, deren Unschuld es zu schützen gilt?

Kinder sind unschuldig denn es gibt keine Grenzen in Kinderköpfen

Tatsächlich sind Kinder unschuldig, im Sinne von unwissend. Und tatsächlich ist es so, dass sie zunächst nichts über Homosexualität wissen, wie sie über gar keine Art der Sexualität irgend etwas wissen. Oder über den Tod. Über die Weltreligionen. Oder über die Photosynthese. Die Wahrheit ist: Kinder werden nicht als Rassisten, Homophobe oder Antisemiten geboren, auch nicht als Christen, Buddhisten oder Moslems. Sie kommen auf die Welt und sind nur sie selbst, mit allen Möglichkeiten, die ein Menschenleben so bietet. Und alles, was danach ihre Sicht auf die Welt formt, macht sie nach und nach erst zu jemandem mit einer Überzeugung, einer Meinung und auch mit speziellen Ängsten.

Ich habe so oft erlebt, wie Kinder in ihren Köpfen Kategorien schaffen für das, was sie um sich herum sehen, erleben und lernen. Sie nehmen beständig neue Eindrücke auf und ihre Welt ist offen, riesig, weit – mit Platz für alles und jeden, der darin vorkommt. In ihrer Vorstellung geht alles: sie können werden, was sie wollen, lieben, wen sie wollen, zum Mond fliegen oder ein Delphin werden. Es gibt keine Grenzen in Kinderköpfen. Die pflanzen wir erst hinein.

Die Unschuld von Kindern besteht nicht darin, dass sie unwissend sind, sondern darin, dass sie völlig offen gegenüber allem sind. Diese Unschuld gilt es tatsächlich zu bewahren, nur ist meiner Meinung nach der Weg, das zu tun eben genau der, ihnen zu zeigen, dass es tatsächlich ALLES gibt in dieser Welt, sie die Vielfalt sehen zu lassen und dann ihre Fragen zu beantworten. Die Kategorien, die sie brauchen, um sich selbst als Individuum in dieser Welt zu begreifen und zu verstehen, was ihr eigener Weg sein kann, bilden sie dann schon. Kinder können das.

Natürlich gibt es viel, das sie nicht verstehen und viele Fragen, die sie stellen werden. Das ist etwas Gutes! Die Antworten helfen nämlich, die Welt zu begreifen. Wenn es zu den Fragen aber gar nicht erst kommt, dann werden die Möglichkeiten in den Kinderköpfen immer kleiner und ihre Welt schrumpft zusammen auf den Mikrokosmos, in dem sie leben. Das finde ich fatal.

Die kindliche Unschuld bewahren heißt für mich, ihr die Chance geben, sich in Unvoreingenommenheit und Offenheit zu manifestieren, damit ein Kind die Welt tatsächlich als diesen wunderbaren Ort der Vielfalt wahrnehmen kann, der sie ist. Nicht als ein Dorf in Baden-Württemberg, in dem es nur Christen, nur Vater-Mutter-Kind, nur Weiße, nur Heterosexuelle gibt. Oder geben darf.

Fragen, Ängste und der Blick über den Tellerrand

Gestern sprachen Birgit Kelle und der unsägliche Hartmut Steeb darüber, warum es ihrer Meinung nach geradezu gottlos sei, den Kindern schon in der Grundschule etwas über sexuelle Vielfalt zu erzählen und enthüllten dabei, wes Geistes Kind sie sind. Da sprach ein Mann, der seine eigene kleine Welt als protestantisch geprägter zehnfacher Vater und Ehemann als den Maßstab für den Rest unserer Gesellschaft formulierte und dabei mit jedem Satz enthüllte, wie eng seine Welt tatsächlich ist. Er ließ sich sogar dazu hinreißen, davon zu sprechen, was „natürlich“ sei und was nicht und wich der wiederholten Frage aus, ob seiner Meinung nach Homosexualität „aberzogen“ werden könne (allein die Frage übrigens schon ein Unding). Klar wurde jedenfalls: der lernt es in seinem Leben nicht mehr. In seinem Kopf ist kein Platz für Vielfalt, die darf dann auch auf dem Lehrplan der Kinder nicht vorkommen.

Und dann Frau Kelle, die sich ja schon in der #aufschrei-Debatte mit unerhörten Aussagen aus der Ecke des Victim-Blamings hervorgetan hatte. Bereits ihr Artikel „Dann mach doch die Bluse zu!“ sucht seinesgleichen und ist eine Verhöhnung all derer, die alltäglichen Sexismus erleben. Jetzt hat sie sich auf die Fahnen geschrieben, die Unschuld der Kinder zu schützen und berief sich gestern in der Debatte mehrfach darauf, dass die unbefleckten Seelen der Kinder viel zu früh mit dieser Art Themen belastet würden. Dabei schien sie vor allem Angst zu haben, es könne in der Schule konkret über Sexpraktiken unter Homosexuellen gesprochen werden oder überhaupt von Sex die Rede sein: „Da steht 26 Mal das Wort Sex in dem Bildungsplan!“ Unerhört! Lasst uns die Polizei rufen, weil das Wort Sex 26 Mal geschrieben steht! Aber zurück zur Sache.

Ich weiß nicht wie es mit Frau Kelles Kindern bestellt ist, aber kein Kind, das ich kenne, hat im Alter von sechs Jahren schon eine Meinung über Homosexuelle oder über Sexualität überhaupt. Frau Kelle argumentiert entsprechend, in der Lebenswelt ihrer Kinder käme Homosexualität nicht vor, deshalb solle das bitte auch so bleiben. Really, Birgit Kelle? Ich kann kaum fassen, dass eine Mutter sich so etwas für ihre Kinder wünscht! Als würde das schiere Wissen darüber, dass es mehr gibt als nur die eigene kleine Lebenswelt die Seelen und Gehirne der Kinder verpesten. Womit überhaupt?

Mein Sohn liebt seinen besten Freund. Und er liebt seine Freundin. Dieses Dreiergespann aus Bub und Herzfreund und liebster Freundin existiert seit sie drei sind und zusammen in der Kita waren und noch immer sind die drei sehr eng verbunden. Jüngst fragte der Bub mich, ob er denn seinen Freund heiraten könne, wenn er mal groß sei. Und wenn er schon mal dabei sei, die Freundin gleich mit. Er habe sie nämlich beide gleich doll lieb.

Was ist jetzt die richtige Antwort auf diese Frage, Frau Kelle? Dass ich ihm sage, dass das nicht vorgesehen ist? Dass unsere Gesellschaft eine ist, in der es eine Norm für Liebe gibt, die er zu erfüllen hat? Dass nur eine monogame heterosexuelle Beziehung sanktioniert ist und das einzige, das zählt? Dass ich ihn, so wie Herr Steeb nahe legt, darin ermutigen soll, eine Beziehung zu einer Frau zu suchen und eine Familie zu gründen? Einem Sechsjährigen, der mich fragt, ob er seine beiden liebsten Freunde weiter lieben darf, wenn er groß ist?

Natürlich prägen meine Antworten meine Kinder. Die Fragen, die sie mir stellen, muss ich zu allererst mir selbst beantworten. Und genau das ist es, wovor meiner Meinung nach sowohl Kelle als auch Steeb und all die anderen zurück schrecken, die ernsthaft in Panik verfallen, weil ihren Kindern gesagt werden soll, dass es noch etwas anderes gibt, als den Vater-Mutter-Kind-Mikrokosmos, in dem sie selbst fest stecken. Dass sie in die Not kommen, ihren Kindern zu erklären, was Homosexualität ist (iiih, da ist ja das Wort Sex drin! Polizei!). Oder Transsexualität. Oder Intersexualität. Oder Bisexualität. Dass sie möglicherweise den Blick heben und ihn über den Tellerrand hinaus bewegen müssen.  Ja, das ist herausfordernd und es ist dennoch verdammt noch mal unsere Aufgabe als Eltern und auch als Gesellschaft, den Kindern darauf vernünftige Antworten zu geben. Keine, die von irrationalen Ängsten und dem Zurückschrecken vor dem Fremden geprägt sind. Keine, die darauf zielen, dass unsere Kinder die Menschen werden, die wir gerne möchten, dass sie werden. Sondern solche, die sie ermutigen, dass sie sein dürfen, was es ihnen bestimmt ist zu sein, weil sie Personen sind mit einem inneren Plan, den wir nicht zu bestimmen haben. Wir können sie nicht beschreiben, wie ein leeres Blatt Papier und hoffen, dass sie dann so werden, wie wir es wollen. Wir müssen sie als die nehmen, die sie sind und ihnen jeden möglichen Weg zeigen und im Zweifel auch gangbar machen.

Ich habe meinem Sohn übrigens gesagt, dass er lieben darf, wen er will, heute wie morgen. Ich habe ihm gesagt, dass es viele Gefühle von Liebe gibt und dass die Liebe zwischen erwachsenen Menschen sich unterscheidet von den Liebesgefühlen, die er schon kennt. Ich habe ihm gesagt, dass er heiraten darf, wen er möchte oder auch niemanden, wenn er das später doch nicht will. Und dass es immer richtig ist, jemanden zu lieben, egal, wer es ist. Ich musste meinen Kindern schon viele solche Fragen beantworten und ich stehe erst am Anfang damit. Aber eine wichtige Botschaft gebe ich ihnen immer mit: Liebe ist eine Himmelsmacht und wen sie trifft, der darf sich glücklich schätzen, ganz gleich, auf wen seine Gefühle sich richten.

Es gibt so viele Menschen, die anders sind als ich und deren Lebensrealität, die meine nicht mal berührt. Aber ich bin doch nicht das Zentrum der Welt oder das Maß der Dinge! Und ganz sicher sind es nicht die Teilnehmer*innen der Talkrunde von gestern. Es steht niemandem von uns zu, andere derart in ihrer Identität zu verhöhnen, zu verletzen und sie reglementieren zu wollen. Das ist erbärmlich und unwürdig und übrigens unseren Kindern ein miserables Beispiel – um deren Seelenheil ging es ja angeblich gestern.

Ich hoffe jedenfalls für die Kinder von Birgit Kelle und Hartmut Steeb, dass sie ihre kindliche Unschuld behalten, was all diese Dinge angeht und dass sie es schaffen, über die Grenzen in den Köpfen ihrer Eltern hinweg die Welt zu sehen, wie sie ist: nicht schwarz und weiß sondern bunt, grenzenlos, voller Leben, vielfältig und wild.

signatur

 

P.S.: Ach ja, da waren auch noch Hera Lind, die überhaupt nicht verstand, was das Problem sein soll, weil Feminismus sich ja auch erledigt hat und sie außerdem schon immer schwule Au-Pairs hatte und das ganz entzückend fand; Jens Spahn, der sichtlich mit der Position zwischen den Stühlen kämpfte: als Schwuler in der CDU ist das kein Spaß. Und Olivia Jones, die scheinbar immer noch hoffte, das Ganze sei „Comedy“ und von der es mir ein Rätsel ist, wieso sie nicht ausgeflippt ist. Uff.

 

31 Kommentare

  1. Puh, was bin ich froh, dass ich die Sendung nicht gesehen habe. Bei deiner Schilderung sträubten sich sämtlich Haare. Was für furchtbare Menschen. Tja. In welcher Wirklichkeit leben die eigentlich?

    Ich sehe es und erkläre es auch so wie du: meine Kinder dürfen lieben, wen sie möchten. Wie gut! Und nein, ich kläre sie (9 und 7 Jahre alt) nicht im Detail über Sexualpraktiken auf, das kommt noch. Aber sie wissen, dass Menschen Menschen lieben. Vor drei Jahren waren beide auf der Hochzeit von zwei Männern und fanden das ganz normal. Das ist es ja auch. In der Welt meiner Kinder gibt es alleinerziehende Eltern, Patchwork-Familien, Frauenpaare, Männerpaare, kinderlose Paare und Singles.

    Danke für deinen Artikel – und vor allem auch für das P.S. – wo haben die denn Hera Lind gefunden, wusste gar nicht, dass es die noch gibt 😉

    Alles Liebe, Silke

  2. Ein wirklich wunderbar formulierter Post zum Thema! Ich habe die Sendung ein Glück auch nicht gesehen, sonst wäre mein Puls wahrscheinlich auch wieder ins unermessliche gestiegen. Neben dem von Dir Gesagten, regt mich diese diffuse Angst homophober Menschen auf, Homosexualität könnte die Existenz von Familien einschränken. Oder die Ehe homosexueller Partner könnte das „Gut von Ehe und Familie“ bedrohen. Als würde irgendwer, irgendwem, irgendetwas wegnehmen. Dabei ist doch genau das Gegenteil der Fall. Die Öffnung der Gesellschaft und die Möglichkeiten, bringen doch neue Familien hervor. Ich freue mich im Bekanntenkreis zwei Beispiele zu kennen, die die Möglichkeit haben, heutzutage Kinder zusammen großziehen zu können. Vor wenigen Jahren wäre das ja noch nahezu undenkbar gewesen. Und genau dahin sollte doch der Weg gehen. Es wird MEHR wundervolle Familien geben und dabei ist es doch gleich, wer die Eltern sind.
    Und selbst wenn das Thema nicht auf einem Lehrplan stehen wird. Letztlich gehe ich davon aus und hoffe ich, dass die inzwischen deutlich jüngere Lehrergeneration der Thematik in seiner Gesamtheit sowieso offener gegenübersteht. Ich habe selbst noch keine Schulkinder, doch Freunde die Lehrer sind. Und das gibt mir Hoffnung.

  3. Danke für diesen Blog-Artikel. Da sind viele der Gedanken drin, die ich gestern während der Sendung hatte, die mir heute noch durch den Kopf gehen, weil ich das Thema nicht mehr aus dem Kopf kriege, und die ich nachher auch noch selbst verbloggen werde – wenn auch wahrscheinlich nicht in so schönen Worten verpackt! 🙂

  4. Liebe Anna, vielen Dank für diesen Text. Das hast Du sehr treffend und wunderbar zusammen gefasst und ich teile alles, was Du dazu gesagt hast. Die Sendung gestern zu sehen war eine Qual! Um nicht komplett auszuflippen, haben mein Mann und ich uns in Sarkasmus und Zynismus geflüchtet und uns streckenweise kaputt gelacht.(Lecken! Sex! Olivia Jones, eine sie oder er?) In Wahrheit war es einfach nur tragisch und traurig. Warum nur sind viele Gruppen der Gesellschaft in diesen Themen wie sexuelle Vielfalt, Sexismus, Feminismus etc. so unendlich viel weiter als jede Talkshow das vermag? Es ist unsäglich wie sehr 1950 das Fernsehen (und ein Großteil der Printmedien) ist!
    Liebe Grüße!

  5. Mein Lieblingssatz: „In ihrer Vorstellung geht alles: sie können werden, was sie wollen, lieben, wen sie wollen, zum Mond fliegen oder ein Delphin werden. Es gibt keine Grenzen in Kinderköpfen. Die pflanzen wir erst hinein.“ Wirklich ganz toll geschrieben und ich finde es ist eine Schande, dass gleichgeschlechtliche Liebe immer noch ein Tabuthema ist. Ich hatte gestern das Kontrastprogramm und habe auf Sat1 „All you need is love“ gesehen, in dem es um ein Homosexuelles Paar geht, dass gerne heiraten möchte (im tiefsten Bayern), und mit den Schwierigkeiten, mit denen es zu kämpfen hat. Meine Mädels wollen im Moment Kinder haben (aber ohne heiraten… die Kleine) und mit ihrer Freundin Alina auf einem Bauernhof leben (ohne Kinder… die Große) – warum auch nicht, solange sie glücklich sind. Wie du so schön sagtest: Es gibt keine Grenzen in Kinderköpfen.

  6. Stefanie sagt

    Hallo
    Ich habe die Sendung leider nicht gesehen, aber ich stehe neben mir und schaue in mein entgleistes Gesicht. Ja gibt es solche Hinterweltler wirklich noch?
    Ich bin Jahrgang 81 und im Osten groß geworden und meine Eltern haben mich frei erzogen. Für mich ist es normal dass es schwule Pärchen gibt, lesbische Pärchen, Dreiecksbeziehungen oder noch verwobenere Beziehungen.
    Ich hab gar nicht das Wort „normal“ gelesen. Das wird so oft in diesem Zusammenhang genutzt. Wer ist denn bitte schon normal? Zehn Kinder? *hust

    Danke für deine Zusammenfassung.
    LG Steffi

  7. Rainer Fröger sagt

    Danke für dieses herausragende Statement. Nichts ist schlimmer für den eigene Kosmos, als die Scheren die wir in unseren Köpfen pflege. Die Grenzen zu sprengen ist die größte Herausforderung, der wir uns stellen müssen. Nochmals vielen Dank für so viel Weltoffenheit. Danke. Danke. Danke.

  8. Markus sagt

    Großartig geschrieben, vielen Dank für den hervorragenden Text! Warum sehen nicht alle Menschen so klar?

  9. Ich habe nur deine Tweets mitbekommen, aber nachdem ich hier das alles nachgelesen habe bin ich sehr froh drum. Ich hätte vor Wut vermutlich in ein oder zwei Sofakissen gebissen. Himmel! Wo leben wir eigentlich? Wieso kann man nicht leben und leben lassen? Ich werde es nie verstehen!

  10. Torsten sagt

    Ein Beitrag, der ganz viel Aufmerksamkeit verdient! 🙂

    Nicht die „Ehe“ ist es, die eine Gesellschaft zusammenhält, sondern unsere Fähigkeit, sich für andere zu interessieren, sie Wert zu schätzen und uns mit ihnen auseinander zu setzen, unsere Bereitschaft miteinander zu reden, dem anderen zuzuhören und zu versuchen, den anderen zu verstehen. Zu all diesen Dingen sind Herr Steeb und Frau Kelle offensichtlich nicht fähig. Deshalb können sie andersfühlende auch nicht akzeptieren sondern müssen sich, ganz nach Herrenmenschenart auf die sogenannte Toleranz zurückziehen, die sie anderen gnädigerweise gewähren (und jederzeit entziehen können, sobald die tolerierten ihnen „zu bunt“ werden).

    Es muss für unsere Gesellschaft wieder unmissverständlich klar werden, dass jeder Mensch, egal welcher Minderheit er angehört, das *Recht* hat, so akzeptiert zu werden, wie er ist bzw. wie er sein möchte. Und jede Minderheit und auch jeder Zusammenschluss von Minderheiten, die ein Interesse daran hat, eine andere Minderheit zu diskriminieren, hat für diesen Wunsch *gute Gründe* und *fundierte Argumente* vorzubringen, die einer kritischen Prüfung Stand halten. Kann nichts dergleichen vorgebracht zu werden, hat die Gesellschaft die Diskriminierung, Ächtung oder Geringschätzung gefälligst zu unterlassen. Wer diese Diskriminierung dann trotzdem z.B. auf „eigene Faust“ durchsetzen will, muss damit leben, selbst für sein menschenfeindliches Verhalten sanktioniert zu werden.

    Nichts anderes kann für eine freiheitliche, demokratische und rechtstaatliche Gesellschaft akzeptabel sein.

  11. Mandy sagt

    Ein ganz fantastischer Beitrag, der mir voll aus dem Herzen spricht. Vielen Dank! Ich frage mich gerade, was Frau Kelle und Herr Steeb zu Deinem Beitrag sagen würden.

  12. Cornelia sagt

    Diese konservative Protestbewegung offenbart, dass es im schwäbischen Bildungssystem ganz offensichtlich große Wissensdefizite gibt. (Nur werden diese Wissensgebiete bei Pisa-Studien nicht abgefragt.) Den Schülern in in BW ist wirklich zu wünschen, dass sie durch den neuen Bildungsplan mehr lernen können als ihre Eltern.

    • Liebe Simone, danke dir für deinen Zuspruch, darüber freue ich mich sehr. Ich hoffe allerdings, dass du mit „veröffentlichen“ nicht den kompletten Text meinst, das wäre mir nicht recht. Übers Zitieren und verlinken hierher würde ich mich aber sehr freuen. Liebe Grüße, Anna

  13. Liebe Anna,

    herzlichen Dank für Deine klaren, warmen Worte.

    Ich saß vorm TV und habe mit mir gekämpft.

    Abschalten, durchhalten ?

    Ich konnte nicht fassen, was und vor allem wie und mit welchen Argumenten da diskutiert wurde.
    Diese Beschränktheit in den Köpfen machte mich wahnsinnig und ich wollte alle schütteln und wachrütteln und mit diskutieren.

    Ich wunderte mich über Frau Kelles Aussage, das Homosexualität und das Wort schwul im Leben ihres 7jährigen Sohnes noch nicht vorgekommen sei. Als Berlinerin ist mir das gänzlich unverständlich. In unserem Freundes- und Bekanntenkreis befinden sich Schwule und Lesben, genau so selbstverständlich wie die Grundschulklasse meines Sohnes aus mehreren Nationalitäten besteht.

    Auch ich habe mich gewundert, dass Olivia Jones nicht ausgeflippt ist oder die Sendung verlassen hat. Die homophoben Aussagen auf der einen Seite und auf der anderen Seite, die ewig verklärt lächelnde Hera Lind, bei der ich mich immer fragte in welchem Chakra sie gerade unterwegs ist und ob sie die Fragestellung überhaupt verstanden hat. Homosexualität irgendwie als niedlich in eine Ecke zu stellen, finde ich nämlich ebenso diskreminierend.

    Du hast so wundervolle, klare Worte gefunden ! Vielen Dank.

    LG

    Maren

  14. Neresi sagt

    Also, ich bin auch durchs schwäbische Bildungssystem gegangen und habe nie Eindrücke mitgenommen, die den Ansichten Kelles oder Steebs entsprechen würden. Auch waren in meinem Abiturjahrgang eine Transsexuelle sowie 3 Männer, die sich später als schwul outeten, einer davon ist nun Lehrer (und entsetzt über die derzeitige Debatte). Alles mitten in Ba-Wü.
    Ansonsten stimme ich dem Artikel begeistert zu. Warum werden Menschen wie Kelle überhaupt eingeladen? Warum dürfen sie ihre Stimme so prominent erheben? Furchtbar! Am Rande der ganzen Diskussion (über die Buchrezensionen zu „Dann mach doch die Bluse zu!“ bei Amazon, die übrigens viel zu positiv sind) habe ich nun auch noch erfahren, dass der Autor von „Käpt’n Blaubär“ auch zu diesen homophoben, bigotten Anti-Genderisten-Kreisen gehört. Das ist alles ziemlich, ziemlich schrecklich.

  15. Ich bin auch froh die Sendung nicht gesehen zu haben. Manchmal scheint es ein Vorteil sein keinen TV zu besitzen. Ich kann nicht verstehen, dass es heute noch möglich ist solchen Leuten eine solche Bühne zu bauen.

    Liebe Grüße
    Nina

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  18. Was ich meinen beiden Töchtern mit auf den Weg gebe in dieser Richtung? Menschen lieben Menschen. Menschen, bei denen man sich glücklich fühlt, die einem das Gefühl vermitteln, angekommen zu sein. Man verliebt sich nicht in einen Mann oder eine Frau. Man verliebt sich in jemanden, der es schafft, zu Hause für einen zu sein. DAS ist es, was zählt. Und das ist es, was meine Kinder in ihren Herzen tragen sollen. Es gibt keine Hautfarben oder Geschlechter, es gibt nur Menschen. Das ist das Wichtigste.

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