Ich habe eben meine Kinder ins Bett gebracht. Zuerst die Kleinste, die erstaunlicherweise noch am fittesten und daher auch am leichtesten „abzulegen“ war. Eine kleine Geschichte, das Gute-Nacht-Lämpchen an, alles sehr harmonisch und schön. Ich liebe es, dieses kleine müde Gesichtchen zu küssen, wenn ich sie zudecke. Sie riecht wie ein süßer Miniaturkuchen, unbeschreiblich lecker. Dann habe ich der Großen ihre Nintendo DS wegorganisiert und ihr gesagt, ich käme gleich wieder, während der Vater der Kinder dem Bub vorgelesen hat. (Übrigens „Der kleine Ritter Trenk“, ein wahnsinnig tolles Buch nicht nur für Jungs.)Sobald er fertig war haben wir getauscht, er zum großen Mädchen zum Lesen, ich zum Bub zum Gute-Nacht-Sagen.

Und wie jeden Abend kriegt er mich. Es ist unfassbar, wie entzückend so ein kleines Kerlchen sein kann. Mit Schokoaugen blitzt er mich an, macht eine Schnute, damit ich ihn küssen soll und verlangt allerlei Kitzel- und Schmusespiele von mir: ich soll in seine Füße beißen, ich soll in die Knie kneifen, ich soll in sein Ohr prusten, ich soll den Rücken krabbeln undsoweiter. Diese Liste ließe sich endlos fortsetzen. Natürlich wollen die Mädchen auch solche Kuschelprogramme am Abend und ich absolviere neben der Leserei auch diese, sich individuell unterscheidenden Rituale bei jedem Kind. Aber der Bub ist ein Spezialfall. Nicht nur ist er in diesen Situationen der am ausdauernd Verschmusteste, ich bin auch auf eine Weise am hilflosesten ausgeliefert und frage mich, wieso.

Als ich mit ihm schwanger war und schon ein Mädchen hatte, habe ich mich sehr gefreut, dass es nun ein Junge werden sollte. Allerdings war ich beim ersten Kind insgeheim erleichtert, ich fühlte mich auf ein Mädchen irgendwie besser vorbereitet und es ist auch durchaus heute noch so, dass die Mädchen mir in vielen Sachen einfach näher sind, weil ich ja schließlich selbst mal ein Mädchen war. Ich verstehe die Befindlichkeiten meiner Großen sicher am besten, war ich doch selbst immer die große Schwester von zwei Jüngeren in genau der gleichen Konstellation wie jetzt bei meinen Kindern. Schon immer und auch jetzt noch bin ich sicherlich auf eine Weise die typische Mädchenmutter, die gerne ihren Töchtern schöne Klamotten anzieht und die Zöpfe flicht und die auch mit Mädcheninteressen selbstverständlich mehr anfangen kann als mit Bolzen, Starwars und halsbrecherischem Skateboardfahren, bis alle Knochen gebrochen sind.

Aber dann kam der Bub. Und als er da war, wurde er von Stunde zu Stunde süßer, so kommt es mir vor. Er war von Geburt an wahnsinnig unkompliziert, schläft noch heute am zuverlässigsten ein und durch (kein Vergleich zu seinen Nachteulen von Schwestern!) und fasziniert mich mit seinen mir eigentlich so fremden Jungsideen, Jungsinteressen, seinem Jungsverhalten. Ich hätte nie im Leben gedacht, dass ich eine aggressiv geröhrte Fassung von Jingle Bells an Heiligabend so umwerfend finden könnte. Trotz seiner regelmäßigen Testosteronkoller, die ihn ab und zu packen, festhalten und schütteln (dann kann man ihn wirklich nur in sein Zimmer bringen, die Tür ganz leise schließen und warten, bis es vorbei ist) ist er der fröhlichste kleine Kerl der Welt, freundlich, gutgelaunt, liebenswert. Ich teile inzwischen seine Begeisterung für so zweifelhafte Helden wie Anakin Skywalker, Spiderman oder „Obi wan Knobi“. Die sind auch nicht schlechter als Cinderella und Lillifee, so viel ist klar. Und ich kaufe ihm bereitwillig „Fußballschuhe“ und FC Bayern München Devotionalien. Er ist ziemlich leicht zu beglücken.

Meine Mädchen sind meine Mädchen. Und ich BIN eine leidenschaftliche Mädchenmutter, die verliebt ist in jede blonde Locke vom Kleinchen und hingerissen der Großen bei ihren Vorträgen über Planetenkonstellationen lauscht. Sie sind alle drei so besonders, jeder auf seine Art und sie machen mich fertig mit ihrer jeweiligen Süßigkeit. Es erstaunt mich nur immer wieder, wie ein kleines Männlein, dem ich, wenn ich ganz ehrlich bin, eigentlich schon qua Geschlecht nicht zugetraut hätte, mich so vollkommen zu erobern, mich immer wieder so bestricken kann. Erstaunlich.

Ist das die berühmte ödipale Mutter-Sohn-Beziehung? Oder erinnert er mich an seinen Vater und das ist die Spezialität? Liegt es daran, dass er der einzige Junge ist und sich deshalb schon unterscheidet? Wenn ich es mir recht überlege, ist es ja ohnehin so, dass ich zu jedem meiner Kinder eine einzigartige Beziehung habe; auch bei den Mädchen gibt es Alleinstellungsmerkmale, die die Liebe zu diesem einen Kind unverwechselbar machen. Zum Glück!

Wahrscheinlich ist es einfach nur so, dass mich immer wieder überrascht, wie ich, die Mädchenmutter per se, als Mutter dieses kleinen Kerls bin. Dass ich mich im Ernst für die Spielergebnisse vom FCB interessiere. Dass ich im Ernst zu seinem fünften Geburtstag, der nächste Woche sein wird, eine Darth-Vader-Backform besorgt habe, um ihn mit einem Starwars-Kuchen zu überraschen. Dass ich im Ernst fiese Mutantenkämpfer von Papo für ihn erstehe und seine Ritterburg mit ekligen Drachen bestücke, die gegen seine „Mannen“ kämpfen müssen. Dass ich es im Ernst als großes Kompliment empfinde, wenn er mir zuruft: „Mama, du bist mal wieder ein echt cooler Typ!“ Ich. Die Frau mit dem pinken Kinderwagen fürs jüngste Kind. Die den Kuchen fürs Minimädchen auf Wunsch rosa glasiert und mit Glitzerperlchen verziert. Fliederfarbene Fotoalben. Passende Haarspängchen und Käthe-Kruse-Puppenkleidung. Applizierte Bambi-U-Heft-Hülle. Ich! Noch Fragen?

Ich bin halt ein cooler Typ, wenn es um meinen Sohn geht. Aber eigentlich auch nur so lange, bis er mir seine süße Schnute entgegenstreckt, mir sein Ärmchen um den Hals schlingt und sagt: „Jetzt prusten Mama, ja?“ Und dann bin ich verloren. Geschmolzen. Hin und weg. Und natürlich pruste ich. Was sonst.

7 Kommentare

  1. Zum Dahinschmelzen! Jetzt freue ich mich noch mehr auf unseren Sohn! Im Laufe der Schwangerschaft bin ich zweimal mit der Frage „Mädchenmama oder Jungsmama (-oma)“ konfrontiert worden: Eine Freundin meinte sehr spontan: „Ein Junge – das passt viel besser zu dir“ und meine Cousine (mehr als 20 Jahre älter und schon Oma) erzählte mir, wie erstaunt sie über sich selbst als Mutter zweier Töchter sei, dass sie anscheinend eine richtig gute Jungsoma sei – was immer das heißt.

    Ich habe nach deinem Eintrag noch mal nachgedacht und ich glaube, ich weiß jetzt, worauf ich am meisten hoffe: dass der kleine Mann – so wie du es auch schreibst – seinem Vater ähnelt und ich einen kleinen Eindruck davon bekommen darf, wie mein Liebster als kleiner Junge war. Tja, und ansonsten bin ich vielleicht wirklich eine Jungsmama: In diesem Haushalt ist nur einer Mitglied eines Fußballvereins – und das ist nicht mein Schatz – und die sechs Star-Wars-Filme liegen immer griffbereit neben dem DVD-Player.

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