Es ist der Freitag einer absoluten Blitzwoche und die Freitagslieblinge stehen an. Manchmal fühl ich mich unendlich alt, wenn ich am Ende einer Woche das Gefühl habe, mir sind die Tage durch die Finger geflossen… kennt ihr das?

 

Meine Lieblingsserie der Woche für die Freitagslieblinge habe ich gestern erst angefangen und bin schon nach einer Folge wieder voll drin. Das kommt nicht unerwartet, denn ich habe schon die erste Staffel geliebt und mich auf die Fortsetzung sehr gefreut. Die Rede ist von POSE, einer Netflixserie, deren Handlung in der queeren Ballroom-Culture der 80er (und in der zweiten Staffel der 90er) in New York angesiedelt ist. Schon die erste Staffel hat mich sehr berührt, weil sie so sichtbar macht, in welcher Situation die Menschen gelebt haben und zum Teil noch leben – vielleicht nicht mehr in New York, aber anderswo auf der Welt. Es geht um existentielle Armut, es geht um Drogensucht und Prostitution aus materieller Not heraus, es geht um die Trennung von den Herkunftsfamilien, die mit ihren Transkindern brechen und um die Suche nach einer alternativen Familie, nach Zugehörigkeit, nach Identität. Die Lebensgeschichten der Protagonist*innen werden im Kontext von gesellschaftlicher Ächtung aller LGBTQ people erzählt, im Angesicht von steigenden Zahlen von HIV-Infektionen und Aidstoten, damals die lebensbedrohliche und noch weitgehend unerforschte Krankheit überhaupt. Und sie werden erzählt im krassen Gegensatz zu einer rein weißen Yuppiewelt im Manhatten der 80er.

Es sind krasse Geschichten und doch handeln sie von Liebe und von Familie, von Verbundenheit und der Stärke einer Community, die als Notgemeinschaft startet und dann doch für die Figuren viel mehr ist, als Blutsverwandtschaft es hätte sein können. Absolute Empfehlung, eine echte Lieblingsserie.

P O S E Netflix | berlinmittemom.com

Mein Lieblingsessen der Woche selbstgemachter Caesar Salad mit vegetarischem Dressingwar unser , den ich auch am Dienstag hier verbloggt habe. Hier ist das ein absoluter Hit und jedes Kind findet irgend eine Kombination, die es mag. Und durch die Selbstbau-Variante werden vegetarische und Flexikinder gleichermaßen glücklich. Und satt!

Vegetarischer Caesar's Salad | berlinmittemom.com

Mein Lieblingsbuch der Woche ist eins, das ich mir noch vorgenommen habe. Diese Woche habe ich nämlich wenig gelesen, irgendwie kam ich nicht dazu. Aber ich habe mir ein Buch gekauft, auf das ich mich freue und das mir so etwas wie Hoffnnung gibt. „Wie Demokratien sterben: Und was wir dagegen tun können“* ist der Titel und das Buch, verfasst von den beiden Politologen Steven Levitzky und Daniel Ziblatt, befasst sich mit den Symptomen von sterbenden Demokratien – und mit den Möglichkeiten, sie dennoch zu retten. Ich bin gespannt. Ich habe übrigens die englische Fassung bestellt, die da heißt „How democraties die“*.

How democracies die | berlinmittemom.com

Von einem Lieblingsmoment der Woche muss ich noch berichten, obwohl ich die Kategorie hier ja eigentlich schon lange nicht mehr hatte: wir waren am Mittwoch auf dem Seeed-Konzert hier in der Berliner Max Schmeling-Halle und es war einfach bombastisch. Nicht nur die Band war großartig und hat einfach ein wundervolles Konzerterlebnis für einige Tausend Menschen in der Halle abgeliefert, für mich war es vor allem ein wunderschöner Abend mit meinen Kindern. Seeed ist seit Jahren hier sowas wie die Familienlieblingsband und gemeinsam auf eins ihrer Konzerte zu gehen stand auf dem gemeinsamen Wunschzettel lange ganz weit oben. Jetzt hat sich der Wunsch fast für uns alle erfüllt und zumindest die Kinder und ich konnten den Abend so richtig genießen. Es war wunderbar zu sehen, wie viel Freude sie hatten, wie sie auch einfach abgegangen sind bei ihren Lieblingsliedern und was das für ein tolles gemeinsames Erlebnis war. Ich war den ganzen Abend über total glücklich. Wie cool es doch ist, so große Kinder zu haben, mit denen sowas schon geht.

Seeed Konzert Max Schmeling Halle | berlinmittemom.com

Meine Inspiration der Woche habe ich für die Freitagslieblinge bei Edition F gefunden. Silvia Follmann schreibt in ihrem Artikel „Mach dich klein, sei still, verschwinde“ darüber, was es für uns Frauen bedeutet, wenn unser Verhalten immer wieder pathologisiert und klischeehaft als „typisch Frau“ kategorisiert wird. Sie schreibt darüber, wie wir von klein auf lernen, uns anzupassen, unterzuordnen und nicht aufzubegehren und was das im späteren Leben für einen Effekt hat. Was es gesellschaftlich gesehen für einen Effekt hat.

„Wenn man sich fragt, was kann ich tun? Für mich, für andere, für eine Sache? Dann beginnt es eigentlich immer damit, bewusst Raum einzufordern und unbequem zu sein als gute Sache zuzulassen. Den Versuch, den gesellschaftlichen Raum weiter zu besetzen, sei es mit unausgeglichenen Geschlechterverhältnissen, mit Meinungen, mit den Interessen weniger, werden jene, die seit jeher daran gewöhnt waren, dass nur sie entscheiden, wer durch die Tür kommt, weiter begehen. Aber der Raum hat genug Platz für alle, die zum Diskurs beitragen können. Gesellschaftliche Räume weiten sich, wenn die Tür für alle aufgemacht wird. (…)“

In dem Artikel wird viel angesprochen, das ich aus meinem Alltag, meinem Leben als Frau (er)kenne. Ich mag mir die ein oder andere Inspiration mitnehmen und nicht nur mir selbst mehr Türen öffnen, sondern auch anderen.

Mein Lerneffekt der Woche ist diesmal ein bisschen düsterer. Oder philosophisch. Wie man es auch nennen will. Diese Woche sind unerwartet einige Menschen gestorben. Nicht in meinem nahen Umfeld, aber im nahen Umfeld von lieben Freundinnen oder guten Bekannten und das hat mir mal wieder diesen Satz in Erinnerung gerufen, dass jeder Tag unser letzter sein könnte und wir ihn entsprechend nutzen sollten.

The Berlinmittemomtribe | berlinmittemom.com

Nein, ich glaube nicht, dass wir jeden Tag so leben könnten, als wäre es unser letzter. Weil das Leben nicht so ist. Das Leben besteht aus Alltag und Durchschnittserlebnissen, die natürlich nichtsdestotrotz sehr schön sein können. Es besteht aus Schnupfen und Laternenbasteln und auch aus Müdigkeit und Genervtsein. All das ist unser Leben und ja, wir sollten es genießen, aber das geht eben nicht jeden Tag gleich gut. Was ich mir stattdessen vornehme: bewusster da sein. Nicht so viele Dinge gleichzeitig machen wollen. Mehr im Moment sein und Dinge loslassen. Denn es könnte wirklich und wahrhaftig heute oder morgen mein letzter Tag auf Erden sein – denn auch das ist das Leben. Es hört einfach irgendwann auf und in den allermeisten Fällen kriegen wir nicht die Chance, uns vorzubereiten oder zu verabschieden. Deshalb die kleinen Dinge: nicht im Zorn zu Bett gehen. Die Kinder lieben und es zeigen, sie verbinden und uns als Familie stattfinden lassen. Als das Team. Nicht ausflippen wegen Nervkram. Lachen, so viel es geht. Und großzügig sein zu mir selbst und den meinen. Das wäre doch schon ganz schön viel, oder nicht?

FRAGEFREITAG…

Ich habe das Gefühl, letzte Woche hat keiner so richtig mitgekriegt, dass die Freitagslieblinge wieder da sind, dass ich wieder da bin und auf dem Blog nach dem Urlaub wieder Dinge passieren. Jedenfalls kamen keine neuen Fragen und ich öffne hiermit noch mal die Kommentarspalte für eure Fragen. Ich hoffe, diesmal lasst ihr mir wieder ein paar inspirierende und interessante Fragen da und ich kann sie nächst Woche beantworten.

Die Freitagslieblinge sind damit komplett und ich freu mich auf eins der letzten Wochenenden vor Weihnachten, an dem ich kein konkretes Programm habe. Und euch wünsch ich auch zwei entspannte freie Tage!

8 Kommentare

  1. Liebe Anna, Du hattest mal geschrieben, dass Du berichten willst was für Aufgaben eure Kinder so haben. Das fänd ich sehr spannend. Da würde ich mir sehr gerne was von euch abgucken. (oder war das schon Thema und ich hab es überlesen???)

    So oder so, vielen Dank für die Einblicke und Inspirationen, die Du mit uns teilst! Herzliche Grüße! Kerstin

  2. Hallo Anna!
    Ich habe Archie nun schon ein paar mal in den Storie gesehen. Stellst du ihn mal vor?

    LG

    Simone

    • Huhu, ich bin auch für eine Vorstellung von Archie ;-)
      Wolltet ihr schon immer ein Haustier und warum ist es ein Kater (Ich liebe ja Katzen und hab dir unseren schwarzen Kater ja schon gezeigt) und wie seid ihr ausgerechnet auf Archie gekommen?
      Wer kümmert sich um ihn und darf er auch raus?
      Hier bleibt das meiste wieder an mit hängen und es nervt…

      Schönes Wochenende, Tanja

  3. Schön wieder von Dir zu lesen liebe Anna….♥️freue mich über jede Zeile von Dir….habt ein gemütliches Wochenende…

    • Ich musste über euer Foto im Spiegel schmunzeln. Wir haben diese Woche auch so eins gemacht, eins der ganz wenigen Bilder, auf dem alle sechs drauf sind. Schick im Schlafanzug und unter dem Spiegel aufgereiht die ganzen Zahnpastatuben :)

      Hast du Tipps für Aufläufe, die sowohl Fleischesser als auch Fleischvermeider glücklich machen?

  4. Ich habe ganz viele Fragen nach diesem Post
    1 Wie kam es zu Archie? Und wie kommen die Meerschweinchen mit ihm klar?
    2 Dass Deine Kinder auf einer internationalen Schule sind, schreibst Du ja fter. Aber seid ihr eigentlich auch bilingual – durch Ausbildung, Auslandsaufenthalte, Familie etc. ?
    3) Wann schaust Du eigentlich diese ganzen Serien? Wenn hier abends alle im Bett sind, bin ich immer total froh, dass es mal ruhig ist. Und am Wochenende hat man ja gefühlt meistens irgendjemanden um sich in der Familie. Machst Du das, wenn die Kinder in der Schule sind? Oder wenn der ganze Kinderbesuch da ist und Du Deine Ruhe willst? Oder beim Kochen?

  5. Liebe Anna,

    ja manchmal rast die Zeit. Und auch ich kenne das Gefühl, schlagartig mehr graue Haare zu haben. Kümmert dich das Alter? Oder ist es mehr diese schnelllebige Zeit?
    Bin übrigens ein absoluter Fan der Freitagslieblinge!

  6. Hallo Anna! Ich habe auch gleich mehrere Fragen. Du hast geschrieben, du erkennst den gesellschaftlichen Umgang mit dem „Frau sein “ aus deinem eigenen Leben wieder.
    1. Hast du dazu ein paar Beispiele oder Geschichten und wie bist du damit umgegangen?
    2. Du hattest auch mal eine Lebensgefährtin. Wie hat die Gesellschaft damals darauf reagiert?
    3.Vermisst du manchmal auch eine Frau an deiner Seite, also beziehungstechnisch?

    Viele liebe Grüße aus dem schönen Regensburg!

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