Die Eltern der meisten Teenager im Besitz eines Smartphones kennen die Sogwirkung diverser Sozialer Netzwerke, aber was wissen wir wirklich über die Dienste und Apps, die unsere Kinder nutzen? Tellonym ist eine solche App und nach meiner Erfahrung wissen die meisten Eltern nichts bis sehr wenig über den Dienst, dabei nutzen wiederum die meisten Teenager, die sich in Social Media Netzwerken bewegen, gerade Tellonym sehr ausführlich. Grund genug, um genauer zu betrachten, um was es sich dabei handelt: was ist Tellonym genau? Ist Tellonym wirklich anonym? Und wie nutzen unsere Kinder die App eigentlich?

Digital Parenting: Was Eltern über Tellonym wissen sollten | berlinmittemom.com

Was ist Tellonym?

Tell it anonym

Zunächst ist Tellonym lediglich eine Plattform, die ihren Nutzer*innen die Möglichkeit gibt, Nachrichten auf den Seiten anderer Nutzer*innen zu hinterlassen, allerdings mit einer Besonderheit: das Ganze geschieht tatsächlich vollkommen anonym. Wer sich anmeldet, bekommt einen personalisierten Link zu seinem Profil, den er wiederum anderen mitteilt, damit sie dann auf dieser Seite Nachrichten hinterlassen, Fragen stellen oder Botschaften verschiedenster Art posten können – mit der Garantie, dass sie dabei vollkommen anonym agieren können. Es gibt für die User*innen keine Möglichkeit, die Identität der anderen Nutzer*innen festzustellen.

Die Botschaften und Nachrichten, sogenannte „Tells“, erscheinen dann auf der persönlichen Seite des Nutzers oder der Nutzerin, für die sie hinterlassen werden. Sie werden allerdings nur dann sichtbar, wenn der oder diejenige die Kommentare beantwortet und damit quasi freischaltet. Um jemandem einen Kommentar zu hinterlassen oder eine Frage zu stellen, muss man übrigens nicht selbst bei Tellonym angemeldet sein, sondern kann, wie der Anbieter ja auch verspricht, komplett anonym Botschaften auf den Seiten der User*innen hinterlassen. Dazu muss man nur über den personalisierten Link zu deren/dessen Tellonym-Profil verfügen.

Sicherheit? Wer sich anmelden kann und wie

Um sich bei Tellonym anzumelden, muss man so gut wie keine Hindernisse überwinden. Es wird eine Telefonnummer oder Emailadresse abgefragt sowie die irgendwie schon rhetorische Frage nach dem Alter gestellt. Wer sie mit „ich bin über 16“ beantwortet, kann sich sofort registrieren. Ob hier wahrheitsgemäß geantwortet wird, überprüft der Anbieter nicht.

Tellonym: Was Eltern über die App wissen sollten | berlinmittemom.com

Hatespeech und Cybermobbing: Teenageralltag bei Tellonym

Was die Macher bei der Beschreibung von Tellonym als eine Möglichkeit bezeichnen, ungefiltertes Feedback zu hinterlassen und herauszufinden, was „andere wirklich über dich denken“, ist aus meiner Sicht und persönlichen Erfahrung eine Einladung an alle, die schon immer mal ungestraft anderen ihren Hass und ihre Verachtung vor die Füße spucken wollten.

Anonyme Tells: ein Paradies für Trolle

Wir kennen das Phänomen aus sozialen Netzwerken wie Twitter und Facebook schon lange: Menschen, die sich hinter Fakebildern und Fantasienamen verstecken, posten Hasskommentare, Drohungen und Diffamierungen, weil sie sich in dieser Art der Anonymität sicher fühlen. Wer sein Gesicht nicht zeigen und seine Identität nicht offenlegen muss, kann sich schon mal mehr trauen, als jemand mit offenem Visier. Der Unterschied ist hier nur: die Anonymität muss nicht durch ein Fakeprofil aktiv hergestellt werden, sie ist Teil des Konzepts von Tellonym. Daher kann man auch nicht mit dem Melden irgendwelcher Nutzer ohne Weiteres auf eine Klärung durch den Betreiber hoffen: anonym ist anonym.

Wichtig zu wissen: wenn Kommentare den Straftatbestand der Beleidigung oder Drohung erfüllen, kann man dennoch etwas unternehmen. Einer Anzeige gegen Unbekannt kann nachgegangen werden und gegenüber Ermittlern muss Tellonym die Identität bzw IP-Adresse der entsprechenden User offenlegen.

Hatespeech: Gift für die Seele

Was ich dort aber immer wieder sehe ist eine beängstigende Hemmungslosigkeit, mit der auf Tellonym jegliche Achtung vor der seelischen  Unversehrtheit anderer mit Füßen getreten wird. Ich sehe Kommentare, die so voller Verachtung und Hass sind, dass man sich unwillkürlich fragt, was in den Köpfen von Menschen vorgeht, die so mit anderen sprechen. Hier gibt es überhaupt keine Filter mehr, keine Beißhemmung, keine Gnade.

Und wir dürfen uns als Eltern da keiner Illusion hingeben. Natürlich gibt es auch die anonymen Komplimente, mit denen es vielleicht 2016 mal anfing bei Tellonym und das ist auch schön so (wobei die Frage erlaubt sein muss, warum man Komplimente überhaupt anonym machen sollte….). Doch der Alltag unserer Teenagerkinder auf Tellonym sieht anders aus. Gerade die Mädchen sehen sich täglich mit mehr als deutlichen verbalen sexuellen Attacken konfrontiert und können sich außerdem ansonsten in regelmäßigen Abständen durchlesen, was sie für eine „dumme Hure“ oder „erbärmliche Missgeburt“ seien, dass sie „sterben gehen“ sollen und man ihnen wünsche, sie mögen „am nächsten Schw**z ersticken“. Dabei denken wir immer daran: wir reden hier von der anonymen Kommunikation zwischen minderjährigen Kindern. Vierzehnjährigen beispielsweise. Let that sink in.

Wie Teenager Tellonym nutzen

Dennoch nutzen Hunderttausende von Teenagern die App, stellen sich gegenseitig Fragen, hinterlassen Kommentare und setzen sich täglich auch diesem Bombardement an Hass, verbaler Gewalt und sexuellen Angriffen aus. Selbst wenn sie die negativen Kommentare nicht auf ihren Profilen veröffentlichen, erreichen sie sie zunächst dennoch und der schädliche Effekt kommt voll zum Tragen. Man nennt das gemeinhin Cybermobbing.

Tellonym lässt sich außerdem mit anderen bei Teenies beliebten Social Media Netzwerken verbinden wie beispielsweise Snapchat oder Instagram. Aber selbst wenn die Kinder ihre Konten nicht verknüpfen, sind doch genau die genannten Apps die Orte, wo sie häufit ihren personalisierten Link zu ihrer Tellonym-Seite hinterlegen: im Instagramprofil beispielsweise. Von hier aus kann also jeder Insta-Follower dann in das Tellonymprofil klicken und dort Nachrichten hinterlassen.

Die negativen Kommentare, die nicht freigeschaltet werden, werden dann oft gescreenshottet und in der Instastory veröffentlicht, dann natürlich mit einer besonders coolen oder besonders heftigen Antwort, so dass derjenige, der gemein kommentiert hat, dann wiederum auf diesem Weg bloßgestellt wird. Bei manchen ist das wie ein Sport: je cooler ich auf Hater antworte, desto besser stehe ich vor den Followern oder „Freunden“ da.

Einschätzung und Tipps zum Umgang

Nach meiner Einschätzung ist das Potential für negative Effekte durch Tellonym immens. Gerade junge Teenager oder Kinder sollten die App nicht einfach herunterladen und unbegleitet nutzen dürfen – die Wirkung von Hatespeech und Cybermobbing auf das Selbstwertgefühl ist längst erwiesen und nicht zu unterschätzen. Zu recht standen Dienste wie Askfm in der öffentlichen Kritik, weil sich ein Mädchen nach anhaltendem Mobbing auf der Plattform schließlich das Leben genommen hat.

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Kinder und Teenager, die sich hier einer anonymen „Bewertung“ aussetzen, machen sich damit automatisch auch zur Zielscheibe für Spott, Hatespeech und sexuelle Angriffe. Was es mit ihren sich gerade neu entwickelnden Persönlichkeiten macht, wenn sie sich eine harte Schale zulegen müssen, um so etwas abzuschmettern, kann ich mir nur ausmalen.

Vor allem die Mädchen werden hier auf eine brutale Art und Weise mit sexuellen Angriffen konfrontiert, die mit Sicherheit ihre Spuren hinterlassen, auch wenn sie „nur“ verbal passieren. Keine Vierzehnjährige sollte sich fragen lassen müssen, ob sie sich mit „Bl*ow*jobs auskennt“ oder ob man mal ihre Ti**en anfassen könne.

Dennoch nützt ein komplettes Verbot der App für die eigenen Kinder sicher nicht viel, denn sie können sie sich ohne Weiteres auch heimlich herunterladen oder von einem Computer aus in der Desktopversion nutzen.

Tipps zum Umgang mit Tellonym

  • Kommunikation: Meiner Meinung nach die einzig wirkungsvolle Methode, um ein Kind zu begleiten, ganz egal, um was es geht. Sprechen wir mit unseren Kindern darüber, wo sie sich aufhalten im Internet, was sie dort erleben und wie sie das Erlebte bewerten. Wir müssen sie verstehen und begreifen, was sie mit wem wo tun, um zu diesen Orten und Erlebnissen quasi zugelassen zu sein. Wir sind mehr und mehr die  Zuschauer, vergessen wir das nicht. Wenn wir teilhaben wollen, müssen wir anwesend sein.
  • Anerkennung: Damit meine ich nicht, dass wir kritiklos akzeptieren sollen, was unsere Kinder im Internet tun oder welche Apps und Dienste sie nutzen, schon gar nicht, wenn es um so ein kritisches Thema geht wie Cybermobbing. Aber wir müssen anerkennen, was ihnen wichtig ist. Und wenn Tellonym der Ort ist, an dem alle wichtigen Freundinnen und Freunde sich aufhalten, müssen wir zunächst mal akkzeptieren, dass auch unser Kind sich dort aufhalten möchte. „Ich verstehe, dass du da auch sein möchtest“ – reicht schon mal als Anerkennung. Das funktioniert in jedem Fall besser als die absolute Wertung durch uns als Eltern.
  • Hinterfragen: Ganz oft brauchen unsere Kinder gar nicht unsere Bewertung von außen oder den elterlichen Stempel auf irgendetwas, der etwas als „gut“ oder schlecht“ labelt. Sie haben ein eigenes Sensorium für Richtig und Falsch und wenden das auch an. Wenn wir sie fragen: „Wie findest du das denn?“ öffnen wir viel mehr die Tür zu einem echten Gespräch über etwas, als wenn wir von vorne herein sagen: „Also ich finde das nicht gut.“
  • Begleiten: Lassen wir uns von unseren Kindern mitnehmen und zeigen, was dort passiert. Um über etwas zu urteilen, brauchen wir erstmal das Wissen darüber. Unsere Kinder brauchen unsere Begleitung und Führung mit Sicherheit auch, vor allem, wenn es um Werte, um das Miteinander und den Umgang mit anderen Menschen geht. Aber lassen wir sie vorangehen, wenn sie uns erklären, wie eine solche App funktioniert. Und versuchen wir auch zu verstehen, was die Faszination ist
  • Stärken: Ganz schnell werden wir dann an den Punkt kommen, wo wir begreifen, dass es um den simplen Wunsch geht, sich zu erkennen und dafür gemocht, gesehen, anerkannt, respektiert zu werden. Tellonym als App erweckt die Illusion, hier könne man sich objektiv bewerten lassen und damit für sich selbst zu irgend einer Erkenntnis über sich selbst gelangen. Wir müssen (wie in allen anderen Bereichen auch) unsere Kinder darin bestärken, dass sie gut und richtig so sind, wie sie sind. Dass sie keine Bewergungssysteme brauchen, in denen sie gar nicht wirklich g e s e h e n werden. Dass kein anonymes Urteil über sie irgend etwas Echtes aussagt. Und dass Mobbing Mobbing ist, mit allen Auswirkungen, auch wenn es innerhalb einer App und nicht in der Sporthalle der Schule geschieht.
  • Reglementieren: Ich bin grundsätzlich immer sehr dafür, die Kinder selbst zu Erkenntnissen kommen und sie viele Dinge ausprobieren zu lassen, anstatt zu viel für sie zu entscheiden. Eigene Erfahrung hat einen ganz anderen Wert für die Entwicklung eigener Werte als nur das Übernehmen vorformulierter Systeme. Aber es gibt auch Fälle, da halte ich persönlich das Risiko für zu groß und der Umgang mit Tellonym ist für mich ganz klar ein solcher Fall. Kinder unter 16 haben alleine hier nichts verloren und brauchen meiner Meinung nach klare Regeln und Grenzen. Wie man die App wenigstens minimal sicherer machen kann, wird hier bei Klicksafe sehr gut erklärt. Ich würde darüber hinaus nur die Nutzung auf dem Desktop zulassen und jegliche Verknüpfung zu anderen Social Media Apps unterbinden. Wenn der Dienst nicht mobil genutzt wird, ist zumindest die Gefahr minimiert, dass eventuelle verbale Attacken nicht per Handy überallhin mitgenommen werden können. Ein Zeitlimit für die Nutzung ist ebenfalls sinnvoll, das geht beispielsweise sehr gut mit (kostenpflichtigen) Apps wie ScreenTime.

Digital Parenting: Medienerziehung in der Familie | berlinmittemom.com

Was wir als Eltern tun können

Fakt ist, wir können unsere Kinder nicht vor allem beschützen oder sie von allem fern halten, was wir für schädlich halten, schon gar nicht unsere größerwerdenden Kinder und Teens. Schließlich gehört es zu ihrem Werden dazu, sich mehr und mehr von uns zu entfernen, eigene Erfahrungen zu machen ohne uns, Menschen zu finden, die ihnen wichtiger sind als wir und sich eigene Räume zu erschließen, die wir weder verstehen noch betreten noch, möglicherweise, gut finden können. Damit müssen wir leben, das ist unsere Aufgabe.

Aber es ist auch unsere Aufgabe, immer und immer wieder, aus unseren Kindern starke Menschen zu machen, die einem verlässlichen moralischen Kompass folgen. Die genau unterscheiden können zwischen Richtig und Falsch. Die die Privatsphäre und die seelische und körperliche Unversehrtheit anderer Menschen ebenso hoch schätzen, wie ihre eigene. Die sich in ein Wertesystem einfügen, in dem sie verankert sind und das ihnen Sicherheit und Bewegungsfreiheit zugleich gibt. Und schließlich: es ist unsere Aufgabe, unsere Kinder ein Leben lang so zu stärken und zu begleiten, dass sie auch in den angreifbareren Phasen ihres Lebens in der Lage sind, für die eigenen Werte, das eigene Richtig und Falsch, den eigenen Kompass, gerade zu stehen. Kinder, die sich selbst so viel wert sind, dass sie die Bewertungssysteme einer Tellonym-App nicht brauchen und die vielleicht, wenn die erste Neugier befriedigt ist, selbst zu dem Schluss kommen, dass das kein Ort ist, zu dem sie beitragen und wo sie sich aufhalten möchten.

Wie macht ihr das mit euren Teenagern und Preteens und der Nutzung von Social Media Apps? Über die grundsätzliche Regelung digitaler Medien hier im Hause Berlinmittemom und über unsere Instagram-Regelna für Teenager habe ich ja schon mehrfach geschrieben, sogar ein Plädoyer für die Nutzung digitaler Medien gab es mal. Aber interessieren euch noch mal besondere Apps und Soziale Netzwerke? Dann würde ich dazu noch mal ein bisschen weiterschreiben.

Passt auf euch auf!

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16 Kommentare

  1. Sehr gut geschrieben und sehr erschreckend finde ich. Noch ist mein Sohn klein, aber die spätere Nutzung der digitalen Medien macht mir jetzt schon Angst. Da hilft nur up to date bleiben und die Apps kennen, so wie du es auch sagst. Und das Kind stärken..aber es ist eine schwere Zeit, diese vielfältigen Möglichkeiten von Mobbing unter Kindern gab es so früher nicht. Gerade als Teenager ist man doch sehr angreifbar, ein gutes Selbstbewusstsein ist im Aufbau und muss im Gegenteil gestärkt werden und nicht geschwächt durch hemmungslose Kritik. Ich verstehe den fehlenden Anstand im Netz sowieso nicht und bin immer aus Neue schockiert. Toller Artikel, mehr davon!

  2. Danke Anna, deine Artikel sind so wertvoll! Meine Kinder sind auch noch klein und mich gruselt es, wohin dich Social Media noch entwickeln wird… Bin froh, mit dir zu lernen!

  3. Liebe Anna,

    ich bin dir sehr dankbar, dass du uns – deine Leser*innen – über solch ein Teufelszeug informierst. Hoffentlich gerät das nicht ins Blickfeld meiner Kinder…
    Iris

  4. Liebe Anna,
    super Artikel! Schreib gerne mehr in die Richtung! Ich weiß aber nicht mal worüber, denn das Thema kommt erst auf uns zu (Sohn 4. und Tochter 1. Klasse). Ich kannte Tellonym nicht und bin froh, von Dir darauf aufmerksam gemacht worden zu sein.
    Unsere Kinder fragen noch nicht nach eigenen Handys usw, aber spätestens in 3 Jahren wird das wohl kommen. Deswegen ist Deine Sicht als Mutter von leicht älteren Kindern so wertvoll, danke :-)
    LG, Nora

    • Danke dir, liebe Nora. Ich hoffe, ich kann ein bisschen dazu beitragen, dass andere Eltern besser informiert sind. Und Kinder besser geschützt! Liebe Grüße

  5. Ich kann mich den anderen Kommentatorinnen nur anschließen. Vielen Dank für deine klugen Artikel zum Thema Umgang mit sozialen Netzwerken- gerne mehr davon!

  6. Super Artikel! Ein sehr wichtiges Thema! Bin immer wieder überrascht über was für Abgründe man als Eltern bescheid wissen muss. Danke also für den hilfreichen und gründlich recherchierten Text!

  7. Danke für diesen guten Artikel.
    Unsere Tochter geht in die 6. Klasse (Gymnasium) und es ist erschreckend wie grausam Kinder im „Schutz“ der sozialen Netzwerke agieren. Und das weil sie gut in der Schule ist, groß, sportlich und beliebt bei den Jungs ist….
    Das Problem ist, die Lehrer haben keinen Zugriff auf die Smartphones der Kinder und die Eltern schauen nicht drauf weil sie grundsätzlich davon überzeugt sind dass ihr Kind da auf keinen Fall etwas damit zu tun hat….
    Wir sind gespannt wie es weiter geht – im Moment macht es eher wenig Spaß

    • Es ist echt schwer, finde ich. Man kommt kaum ran an die anderen Kinder und deren Eltern, zumal diese Haltung echt sehr verbreitet ist: „Also MEIN Kind macht sowas nicht! Der ist ja gar nicht auf Instagram!“ Und tatsächlich ist das Kind online überall, nur die Eltern haben keinen Schimmer davon. Und schon gar nicht kriegen sie dann mit, was die lieben Kleinen da so machen… Ich kenne das nur zu gut. Und ich bin da bei uns an der Schule immer wieder am Start und trete allen auf die Füße, weil das Thema einfach NULL Aufmerksamkeit hat in den Schulen. Es sei denn man hat mal Glück und ein bestimmeter Lehrer/Lehrerin kümmert sich in der speziellen Klasse darum. Dabei gehört das Thema unbedingt regelmäßig aufs Tapet! Ich drück euch die Daumen, dass sich das für eure Tochter auflöst. Mein Tipp wäre: stärkt sie und unterstützt sie darin, sich in anderen Gruppen gut und stabil zu vernetzen. Die guten wichtigen Freundinnen müssen nicht in derselben Klasse sein, sie können im Sportverein, in der Nachbarschaft, in der Parallelklasse etc. sein. Diese Verbindungen sollte man stärken und sie als Gegengewicht zu denjenigen sehen, die einem übel wollen. Denen sollte man nicht nachlaufen oder versuchen, ihnen zu gefallen. Das geht nur alles nach hinten los. Schwer, gerade in dem Alter. Alles Liebe für euch!

  8. Liebe Anna, das hast Du mal wieder wunderbar und sehr treffend erklärt! Ich unterschreibe alles.
    Wir können und dürfen nicht alles verbieten, was wir für Schrott halten- aber wir können reden, erklären,
    schützen, stärken, helfen und versuchen zu überzeugen. Und vor allem müssen wir Eltern uns informieren.
    Ich kenne all zu viele Eltern, die keinen blassen Schimmer von dem haben, was ihre Kinder mit dem
    Handy alles so sehen, machen, schicken, posten und schreiben.
    Liebe Grüße Bine

  9. Vielen Dank für die Aufklärung und ja, bitte mehr davon. Als Teil der Generation, die noch die komplette Teenagerzeit handyfrei verbracht hat, graut mir manchmal vor der Zeit in der meine Töchter starten werden sich in den oft nicht ganz so sozialen Medien zu bewegen… deshalb bin ich da sehr dankbar für Deine klugen und differenzierten Erklärungen und Bewertungen!

  10. Das ist ein toller Artikel! Vielen Dank!
    In der Schule erlebt man von pädagogischer Seite halt auch, dass man beim Thema Mediennutzung und soziale Medien in den privaten Bereich der Familie eindringt. Es gibt leider keinen Konsens zu einer Haltung, wie du sie beschreibst. Auch als Lehrerin ist es sehr schwer manchen Eltern klarzumachen, dass Mobbing in Chatgruppen a) passiert und b) etwas anderes ist, als verbale Auseinandersetzungen auf dem Schulhof, sie c) verantwortlich sind für ihre minderjährigen Kinder. Es ist schwer, da mit dem sozialen Lernen in der Schule gegenzuwirken, wenn im häuslichen Bereich diese Aufmerksamkeit, wie du sie empfiehlst, fehlt. Besondersüberrascht, hat mich die Haltung einer Familie, sie würde sich die Äußerungen ihres Kindes (13 Jahre alt) im Chat („ich wünschte, du wärst tot“) nicht angucken, weil es doch seine Privatangelegenheit sei.
    Dann 5. Klässler, die wochentags nachts um 3:25h im Klassenchat posten („Unser Kind hat WhatsApp?“) und 2. Klässler, die im Erzählkreis ihr Smartphone vorstellen und das Papa 50 Euro ins Fortkommen bei Fortnite investiert hat.
    Die Welt ist rund, die Welt ist bunt. Man muss sich schon darum bemühen, auf der Spur zu bleiben.

  11. Pingback: 7 wichtige Handyregeln für Kinder und Jugendliche

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