leben mit kindern
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professional development day ::: wie fünf kinder dem wahnsinn methode verleihen

Es ist Freitag, eigentlich einer meiner Lieblingstage bisher, weil da selten etwas Außergewöhnliches auf dem Plan steht, oftmals am Vormittag meine liebste Herzensfreundin (deren freier Tag das ist, wie passend!) zum Tee vorbeischlittert und weil abends kein Zeitdruck drin ist im Ins-Bett-gehen-Abendessen-Alarm.

Leider ist der Freitag heute nicht mein Freund, denn es ist Professional Development Day in Schule und Kita. Das bedeutet nicht nur, dass alle meine drei Kinder zu Hause sind, sondern auch, dass meine Große eine Schulfreundin zu Besuch hat und Nachbarskind Lilly schon vor Tau und Tag vor der Tür stand, um zu spielen. Mit eigentlich-egal-wem. Und das traf sich natürlich mit den Wünschen der beiden Kleinen. Soweit so gut.

Nebenbei stattete mir der Gutachter für unseren Dachschaden am Haus (meine Nemesis!) einen Besuch ab und verlangte, durchs Haus aufs (Flach-)Dach gehen zu dürfen, er habe nämlich Höhenangst und könne nicht aufs Gerüst. Außerdem gefühlte 100 Telefonanrufe von Menschen mit diversen Ansinnen. Mitten beim Frühstücken, Schulfreundin an der Tür in Empfang nehmen, Nachbarslilly zum Schuheausziehen anhalten und kleines Mädchen kämmen, legt sich der Lieblingsbub flach an die Erde, jammert, macht sich die Hose auf und verkündet, er habe Bauchweh und fühle sich schlecht. „So als muss ich gleich kotzen, Mama!“ Da der Bub in Magen-Dingen recht sensitiv ist, habe ich mir erstmal nicht viel draus gemacht, es war auch dann nur wieder das zu schnelle Trinken von Orangensaft und Milch (!) direkt hintereinander, aber zunächst erforderte es: Bub aufs Sofa betten, ein warmes Kirschkernkissen auf den Bauch, das „viel zu straffe“ Unterhemd ausziehen, dem Bub Globuli verabreichen und eine Folge Drei ???-Kids anmachen. Meine persönliche Lieblingsbeschallung im Wohnzimmer, wie sich jeder denken kann. Das Minimädchen fing natürlich parallel auch an, es habe Rückenschmerzen und die Beinchen täten weh. Geht ja nicht an, dass der große Bruder alleine leidet bzw. der Einzige ist, der betüdelt wird. Wo kämen wir da hin? Zwischendrin das große Mädchen 10x ermahnt, die Zähne zu putzen und die Zahnspange zu applizieren, sein Bett zu machen und mir die Haarbürste zu bringen, damit ich die zotteligen Ferientagshaare bändigen könne.

Dann, schließlich, plötzlich, unerwartet: Ruhe. Gutachter weg (nachdem er mir bedrückende Neuigkeiten vom Dach überbracht hatte), Bub gesundet und wieder angezogen (Sofa wenngleich verwüstet vom kurzzeitigen Krankenlagerstatus), Herzensmädchen und Schulfreundin im Zimmer verschwunden, Lilly ohne Schuhe nach oben geflitzt und mit dem Minimädchen ein ruhiges Spiel begonnen. Ich atme durch. Ich denke, boah, das ist ja toll, fünf Kinder im Haus und alle sind so selbstgenügsam. Keiner quengelt, keiner hat Durst, Hunger, muss Pipi (oder hat schon Pipi gemacht, an nicht dafür vorgesehenen Orten), zankt oder macht irgendwelche Sauereien. Ich atme tief durch, mache mir einen frischen Kaffee, überlege, was ich für die Bande kochen soll, erledige ein paar wichtige Emails, vertiefe mich in mein 365-Tage-Projekt

Und schlagartig werde ich hellwach: ES.IST.ZU.STILL. Ich habe 5 (in Worten: fünf!) Kinder zwischen 3 und 9 Jahren im Haus. Und es ist mucksmäuschenstill. Was das automatisch bedeutet, weiß jedes Elternteil aus eigener, zum Teil leidvoller Erfahrung.
Ich hole tief Luft, versuche, meine Kräfte und all meine Selbstbeherrschung zu sammeln und gehe nach oben. Ich finde das Herzensmädchen, das, unter tätiger Assistenz ihrer Freundin, illegaler Weise das IPad geentert und Spotify gestartet hat. Sie hören sich Lady Gaga und Adele im Wechsel an, haben sich bis zur Unkenntlichkeit verunstaltetaufgehübscht und „performen“ vor dem Spiegel im Mädchenzimmer. Chaos überall. Soweit so gut. Im Flur bietet sich mir folgendes Bild: Nachbarslilly und Goldmädchen haben aus dem ruhigen Spiel folgendes entwickelt – zwei 100-Teile-Puzzles haben sich zu Ursuppe auf dem Teppich vermischt, aus den Kartons wurde irgend ein Möbelstück für die Playmos gebaut, die Verkleidekiste ist komplett ausgeräumt und der Inhalt überall im ersten Stock verteilt, dazwischen sitzen die beiden und haben aus dem Puppengeschirr ein Restaurant aufgebaut. Freundlich laden sie mich auf Salat und Tee ein.
Bevor ich auf die Einladung reagiere, werfe ich einen Blick ins Jungszimmer. Dort sitzt mein Bub, wieder vollständig genesen und in seinen Lieblings-Königsumhang gehüllt, mitten in einem Haufen wilder Schleichritter und Dinos, daneben aufgetürmt eine aus Decken gebaute Fantasy-Landschaft. Und „repariert“ mit Hilfe seines Schnitzmessers die Bestandteile des Arztkoffers. Wo der ist, kann ich mir nicht mal denken.

Erschöpft verlasse ich das Zimmer, sinke auf einem Haufen räudiger Federboas nieder und muss mich erstmal mit einem Tässchen Knete-Kaffee stärken. Und ner Portion Filzpommes.

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