das wilde leben
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Sand auf der Couch ::: Warum ist hier immer alles erlaubt?

Es ist Montag und das ist schön. Warum ich das sage? Weil ich wieder ein Wochenende voller Sand auf der Couch und diverser anderer Geduldsproben für meine mütterliche Langmut hinter mir habe, an dem ich mich fragten, wie so eigentlich ausgerechnet hier immer alles erlaubt ist. Wie das so war bei uns am Wochenende…? Lest selbst!

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Samstag Nachmittag, 17:20, ich sitze auf dem Balkon, die Sonne scheint, eigentlich ist alles schön. Und ich bin genervt bis zum Anschlag! Ich bin so genervt, dass ich ungerecht werde und meckerig und komplett sinnlos in meinen Aussagen gegenüber den Kindern oder dem Mann zum Beispiel, aber ich bin so genervt von all den Schuhbergen, den Sandhaufen, den dreckigen Joghurtbechern, die hier stehen gelassen werden, dem Geräuschpegel, dass ich platzen könnte!

Es ist Samstag und die Kinder bewegen sich wie immer an den Wochenenden frei fluktuierend durch die Zeit und die diversen Räume, innen wie außen. Und das ist schön, sie sind happy, sie singen und tirilieren geradezu, ja, sehr schöne glückliche Kinder sind das. Und auf eine Art macht mich das auch glücklich (schön nicht so sehr), aber auf eine andere Art möchte ich so dringend, dass Montag wäre, dass dieses freie Fluktuieren aufhören möchte und ich meine Ruhe hätte und hier säße, auf diesem Balkon, die Sonne scheint und niemand, wirklich NIEMAND wollte etwas von mir!

Aber so ist es nicht.

Es ist vielmehr so, dass gefühlt im Sekundentakt ein Kind vor mir steht und ein Ansinnen hat. Das reicht von „Dürfen wir ein Eis?“ über „Kann Klein-I hier schlafen?“, „Dürfen wir heute Abend hier einen Film gucken?“, „Wir haben Hunger!“ und „Draußen ist ne Sauerei auf dem Balkon!“ und „Jemand blutet!“ und „Da ist leider jetzt Sand auf dem Teppich, der kommt von meinem Kopf, aber ich kann jetzt Handstand!“ und „Uns ist kalt vom Gartenschlauchwasser, Klein-I und mir – wir gehen jetzt in die Badewanne!“ bis zu „Wir gehen jetzt ins Kino – gibst du uns Geld für Popcorn!“ oder „Lies bitte mein Essay für Spanisch!“ oder „Wir schlafen heute auf dem Dach, L und ich!“ ….. und alles für sich genommen ist harmlos und normal oder sogar schön. Aber alles zusammen macht mich sowas von rasend!

Schuhberge und Sommerchaos | Berlinmittemom.com

Wieso ist hier eigentlich immer alles erlaubt? Wieso bin ich nicht eine von den Müttern, die sagt, nein, das gibt es hier nicht. Kein Sand auf dem Teppich, keine drei Extrakinder, die Hunger haben, bluten, ein Eis brauchen und ein Pflaster, die mit Übernachtungstäschchen vor der Tür stehen und eine Tüte Chips im Gepäck haben für den Abendfilm. Nein, die Schuhe bleiben draußen und nein, hier schläft überhaupt niemand auf dem Dach und das Kack-Spanisch-Essay, das liest heut mal jemand anders. Und nein, ich habe gar nicht gekocht und eingekauft habe ich auch nicht. Die nassen Handtücher von der Gartenschlauchaktion, die hänge ich kein bisschen auf und ich meckere auch nicht so lange, bis ihr sie aufhängt, die gibt! Es! Hier! Nicht! Und nein, ich mache keinen Riesentopp Bolo, damit es für alle Überraschungsgäste auch noch reicht und nein, ich habe die ganzen Lieblingsshorts und die Extrabettwäsche und die dreckigen Socken aus der Sporttasche nicht gewaschen. Nein. Kein Film. Kein Geld für Popcorn im Kino. Keine Backaktion mit drei Minimenschen in meiner Küche. Kein Sand auf dem Kopf und kein Sand auf dem Sofa. Kein leergefressener Kühlschrank am Sonntagabend, kein Gezänk um den besten Sitzplatz auf der Couch für den Samstagsfilm. Und kein unter Wasser gesetztes Badezimmer nach einer gemeinsamen Badeaktion von kleinen Weiberchen. Nein, nein und nochmals nein!

Warum muss immer alles HIER stattfinden? Warum ist hier jedes Wochenende der meiste Sand und das meiste Wasser, die meisten dreckigen Füße und Teller und der meiste Krach? Wieso, verdammt noch mal, ist hier immer alles erlaubt?!

Tatsächlich ist meine Genervtheitslevel im Augenblick so hoch, dass ich gerade schon zwei bis drei Anfragen der oben genannten Art pampig abgeschmettert habe. Ich bin in Nein-Laune. Ich bin am Limit. Mir sind die Pflaster ausgegangen und die Geduld. Und gerade sind zwei kleine Mädchen ganz leise in meinem Rücken vorbeigeschlichen, flüsternd und mit schrägen Blicken zu mir. Der Bub winkt mir auch nur von weitem und kickt in sicherer Entfernung mit einem Kumpel einen Ball hin und her. Ich kann also zufrieden sein, denn meine Nein-Laune ist also offensichtlich.

Da höre ich es. Kleine Stimmen in der Küche, gut zu vernehmen durch das gekippte Fenster.

„Lecker! Wie gut, dass deine Mama die Melone klein geschnitten hat.“

„Mmhh.“ *schmatzgeräusche*

„Warum ist bei euch immer alles erlaubt?“

„Naja, alles nicht…“

„Aber viel! Wir dürfen fast überall spielen, wir können alle möglichen Sachen mit in den Garten nehmen, wir dürfen zusammen baden und übernachten und Picknick machen und lange aufbleiben. Wir verkleiden uns und spielen in allen Zimmern und draußen auch und manchmal macht deine Mama einfach so Zimtschnecken für uns, wenn wir Hunger haben…“

„Das ist, weil meine Mama es mag, wenn was los ist. Die hat gerne Besuch.“

„Mmhhh.“ *fingerableckgeräusch*

„Und weil sie uns liebhat. Also nicht nur ihre eigenen Kinder, sondern uns a l l e. Na gut, nicht alle vielleicht, aber alle unsere Freunde schon. Und sie mag es, wenn wir glücklich sind.“

„Mmhh.“ *geschirrgeklapper*

„Komm, wir machen einen Pool für die Schleichelfen aus der großen Schüssel!“

…..

Wochenende in Bildern, Spielen, Familienleben, Leben mit Kindern, Sommer in der Stadt

Das ist es also. Ich bin selber schuld, dass hier immer alles erlaubt ist. Ich bin ja die Mutter hier und habe das alles selbst angezettelt mit meinen lockeren Wochenenderegeln für die Schulkinder. Und es stimm, ich habe die Kinder tatsächlich lieb: Klein-I und den Fußballkumpel, L auf dem Dach und die Spaghettivernichter, die, die den Kühlschrank leer fressen und die, die mit ihren Fidget Spinnern und Beyblades über mich hereinbrechen. Die mit der Wasserschlacht und die, die zum Picknicken im Garten ihre Lieblingskissen anschleifen und hier deponieren: „Für’s nächste Mal!“ Und ja, ich bin gerne die Mama, die Pflaster aufklebt und bei der man zum Filmgucken was zum Knabbern kriegt, die die Betten für die Gastkinder frisch bezieht und ein Hörspiel zum Einschlafen auflegt, wenn eins doch Heimweh kriegt.

Und mir wird noch ein weiterer, ganz wichtiger Grund klar, warum das so ist: meine eigene Kindheit war genauso. Immer konnten wir spontan Kinder zum Essen mitbringen, zum Übernachten, auch für mehr als eine Nacht. Bei uns saßen immer viele Menschen am Tisch und lagerten auf der Couch, wenn es spät wurde. Es war laut und lustig und auch in meiner Kindheit knirschte der Sand unter unseren Füßen, wenn wir im Sommer in Horden von draußen reinkamen, um all das zu bekommen, dass meine Kinder und ihre Freundinnen auch bei mir begehren – Eis, eine Wasserschlacht, ein Bett, ein Pflaster, Spaghetti Bolo, eine Umarmung. Und genauso wenig, wie meine Kinder jetzt, begriffen wir, dass meine Eltern, vor allem meine Mutter, dabei selbst am liebsten manchmal laut gebrüllt hätten: „Wieso zur Hölle ist hier eigentlich immer alles erlaubt?!“

I got it from my mom!

Jetzt bin ich ein wenig milder gestimmt. Immer noch genervt, aber auch ein bisschen versöhnter. Und ich rette mich mit Björk und meinen Noise-Cancelling-Kopfhörern und lasse die Kinder selbst ihre Spaghetti kochen, denn die Bolo ist natürlich fertig. Und wenn der Herzensteenie und L aus dem Kino kommen, können sie auf dem Dach abhängen, während die Kleinen unten einen Film gucken, Erdnüsse essen und aus ihren Hosenaufschlägen und Rocktaschen den Sand auf meine Couch rieseln lassen. Ich habe gesehen, dass der Mann einen Weißwein kalt gestellt hat und ganz vielleicht verziehen wir uns damit an unseren geheimen Lieblingsort im Haus und knutschen.

Denn zum Glück ist hier immer alles erlaubt!

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So ging es mir am Samstag, als das Haus mal wieder überquoll und ich zu nichts kam. Kennt ihr das Gefühl?

31 Kommentare

  1. Yvi Langmann sagt

    Du schreibst mir aus der Seele, vom Anfang bis zum Schluss! Es gibt immer wieder so Momente, in denen einem der Alltag, der ganz normale Wahnsinn (ich habe 3 Mädels im Alter von 6, 4, 2 Jahren) einfach zuviel wird und die Erschlagenheit und Wut überhand nimmt. Und dann sehe mich meine Mädchen an und sehe wie sie einfach da sind, so wie sie eben sind und versuche diese Ballast die ich grad mit mir rum schleppe einfach runterfallen zu lassen, und lasse den Sand am Fussboden und den mit Joghurt verschmierten Küchentisch auch einfach sein, so wie sie sind.

    Ich lese deine Texte einfach gern, jeden Montag als Fixpunkt während meinem Frühstückskaffee, sie spiegeln mein Mamasein wunderbar wieder und ich finde mich selbst immer wieder darin, vielen Dank!

  2. DANKE, Anna! Genau dieses Gefühl hat mich gestern eingeholt. Pfingstferien. Seit Donnerstag immer noch Plus-Kinder im Haus – und gestern Nachmittag war ich dann auch genervt! Was ich mir aber definitiv merken muss: Das Finale mit Weißwein im Kühlschrank und der Knutschecke mit dem Mann! Liebe Grüße, Katja 

  3. sunshine sagt

    Soooo sooo gut!

    Hier ist es ganz genauso!

    Und meistens liebe ich es von ganzem Herzen 

    Und manchmal bin ich maximal genervt davon

    Danke dafür, dass du diese Gefühle mal wieder so wundervoll in Worte gefasst hast! 

    Auf glückliche Kindheiten und darauf, dass wir den Trubel zwar irgendwann furchtbar vermissen werden, aber nie denken müssen "ach hätten wir mal"…

  4. Genau so war`s bei uns, im Dorf die Villa Kunterbunt –

    wegen Erschöpfungsdings zwei mal in klasse Kunsttherapiekur- absolut herrlich –

    Deine Beschreibungen zum Nachweinen schön!

  5. Unglaublich, ich musste fast heulen. So ist es hier auch immer und ich liege gerade im Durcheinander auf der Couch und genieße die Ruhe. Aber ich weiß, dass ich in einer Stunde mich auch wieder auf meine Kinder und ihr "Mamaaa!" im Minutentakt wieder freuen werde. Jetzt brauche ich aber noch ein wenig Pause

    LG 

    Natalia 

  6. Dagmar sagt

    Liebe Anna!

    Das klingt toll! Ich lese Deinen Blog schon länger mit und finde Deine Art zu schreiben einfach herrlich. Und ich bewundere Dich… wie Du das alles gewuppt kriegst! Haushalt, Kinder, Arbeit, Besuch, Garten, und und und.

    Ich bin (leider) eine der Mamas die nicht alles erlaubt. Weil ich es einfach nicht schaffe und ich Dreck und Unordnung nicht leiden kann. Klar lässt sich das mit 2 kleinen Jungs nicht vermeiden und natürlich dürfen sie sich dreckig machen (und sie lieben es im Kindergarten "Tiefbau" im Matsch zu machen!)… aber andererseits versuche ich dann eben auch gewisse Dinge zu vermeiden, z.B. mit Straßenschuhen oder dreckigen Füßen in die Wohnung.

    Als ich vor 2 Jahren mal für kurze Zeit eine Putzfee hatte war ich da wesentlich entspannter. Aber inzwischen bin ich ja Diejenige die alles putzt, manchmal sogar noch nachts.

    Ich wünschte aber manchmal ich könnte lockerer sein. So wie Du.

    Deine Kinder sind echt gesegnet mit einer Mama wie Dir!

    A liebes Grüßle aus der schwäbischen Provinz!

    Dagmar

     

  7. Inga sagt

    Liebe Anna,

    bei deinem Wochenende in Bildern habe ich gerade wieder gedacht: Die hat die Bude immer voll mit einer Bande von Kindern und macht so viel für die und alles ist so harmonisch, wie macht sie das bloß? Bin ich vielleicht einfach nicht gelassen genug? Daher kam dieser Artikel genau richtig: Denn jetzt weiß ich, dass ich supergerne mit den Kindern schon wieder Muffins backe, sie eine Kinderparty planen lasse, ihre Freunde gerne ständig bei uns habe, die wahlweise das Dachgeschoss eimerweise unter Wasser setzen (wir spielen Meer!) oder das Wohnzimmer in ein Chaos verwandeln (das muss alles so bleiben, wir legen eine Spur!) und trotzdem davon genervt sein darf.

    Jetzt bin ich mir wieder sicher, dass ich meine schlecht gelaunten "Die haben den Spaß und ich die Arbeit"-Momente gerne in Kauf nehme, wenn ich dafür sehe, wie glücklich sie in ihrem Spiel aufgehen und wie gerne die anderen Kinder hier bei uns sind.

    Es ist immer wieder schön, von dir und deiner Familie zu lesen! An dieser Stelle ein großes, herziges Danke!

    Liebe Grüße, Inga

  8. Eva sagt

    Kann man das Locker-Sein lernen? Das meine ich ernst. Ich bin leider meist nicht besonders entspannt, sondern im Gegenteil, oft ziemlich genervt von meinen Kindern, ihrem Lärm, ihrem Dreck, ihrem Chaos. Das tut mir oft sehr Leid, für die Kinder und für uns als Familie, denn ich wäre natürlich lieber eine fröhliche, entspannte Mama. Ich vermute, das Ganze hat etwas damit zu tun, dass meine eigenen Bedürfnisse oft zu kurz kommen und ich bin da schon besser darin geworden, auf mich selbst aufzupassen. Aber wie kann ich diese Gelassenheit gegenüber den Kindern und ihrem Kind-Sein lernen?

    • Katharina sagt

      Mir geht es auch besser seit ich Freiräume für mich schaffe. Neulich war es ganz schlimm. Da sind wir tagsüber in einer fremden Stadt gefahren. Das tat einfach gut. War zwar auch stressig mit einem Kleinkind, aber nicht so wie der normale Alltag. Ich konnte die Trockene Wäsche, die wartet darauf angehängt zu werden, das schmutzige Geschirr in der Spülmaschine, das nicht gesaugte Wohnzimmer, nicht sehen und konnte so entspannen.

      Ich beneide so "nach außen" entspannte Mütter. Meine 3 Tage Woche auf der Arbeit reicht mir. So habe ich immerhin 2 Tage an denen ich Haushalt und etwas Erholung bekomme.

       

      Ich hoffe du findest einen Weg für dich.

       

    • Tine sagt

      Hallo Eva,
      Auch ich bin manchmal schwer genervt gewesen vom Chaos meiner Jungs! Dann habe ich mir vorgenommen, entspannter zu sein, weil irgendwann klar war: wenn man 5x am Tag den Kindern hinterhersaugt, die gleichen Spielsachen immer wieder einsammelt, gleich den Lappen holt – und in der Zeit das nächste Unglück passiert- kann ich meine beiden gar nicht genießen, sondern dämme nur noch Chaos ein…
      Seit ein paar Wochen lege ich mir nach und nach eine „sch…egal“-Haltung zu, und es funktioniert!!!! Zumindest fast immer;) ich räume jetzt am Ende des Tages einmal so richtig auf- wenn die Kids im Bett sind und genieße den Alltag-dann spielen sie halt mit alles Sofakissen auf dem Fußboden, der voller Sand liegt- ich trinke ganz in Ruhe meinen Kaffee und freue mich, dass sie soviel Spaß haben…
      Also ja, ich denke, man kann lernen entspannter zu sein:)

  9. lina sagt

    Hi, ich finde Du kommst zu kurz. Vielleicht einen Tag in der Woche, wo ihr keinen Kinderbesuch empfangt? 

    Lieben Gruß 

    lina

  10. Heute noch hatte ich darüber nachgedacht, wie sehr mir sowas alles fehlt. Wie gern ich noch mal das Haus voll hätte mit lachenden Kindern, mit Übernachtungsgästen, mit Geschichtenzuhörern, Mitessern, noch mehr Menschen, denen ich ein bisschen Liebe geben darf…. ich weiß, früher war ich auch manchmal am Anschlag. War auch oft mal viel! Manchmal, wenn jedes Kind einen Gast oder gar Gäste hatte, waren wir 8 bis 10. 5 davon schliefen vielleicht auf dem als "Bude" umgebauten Balkon, der Rest machte einen Filmabend. Ich vermisse es so, dass ich manchmal weinen könnte. Echt.

  11. tini sagt

    Mal wieder so ein ehrlicher und herzlicher Text. Danke…es macht immer wieder Spaß das zu Lesen, weil man innerlich denkt: JAAAA, ganz genau so ist es. Endlich jemand, der das WAHRE LEBEN schreibt.

    Ich kenne dieses chaotischen Leben so gut, weil sich hier auch so vieles abspielt. Und so sehr wie es auch manchmal nervt und man die Räuberbande verflucht, die gerade mit Gummistiefel durch den frisch gewischten Flur läuft, weil sie "nur mal schnell was holen" wollten, so sehr liebt man es doch irgendwie auch. Also nicht die damit verbundene Arbeit, nicht die Nudelportionen, die immer größer werden, nicht die Chipskrümel ÜBERALL im Haus…aber dieses Gefühl, dass alle gern ZUHAUSE sind, ist doch einfach unersetzlich.

    Auch in meiner Kindheit war es so, dass bei uns die Bude immer voll war. Ich selbst war ein Kind, welches ungern außer Haus geschlafen hat, aber gern Leute einlud. Ich habe mich speziell dafür nie bei meinen Eltern bedankt, weil es für mich damals selbstverständlich war, dass immer fremde Kids im Haus rumschwirrten. Dass sie das eventuell auch eingeschränkt hat in ihrem Leben, habe ich nie in Frage gestellt. Aber auch im Nachhinein weiß ich, dass sie es geliebt haben, in dieser Form und BIS INS ERWACHSENENALTER an unserem Leben teilzuhaben. Und genau das ist es, was ich heute so liebe. Die Kids sind HIER, hier bei mir, bei uns – und das nicht, weil wir alles erlauben (auch Du hast Deinen Kindern gute Manieren und Regeln beigebracht), sondern weil sie sich hier geborgen und wohl fühlen – nicht nur die eigenen Kinder. Sie rennen durch's Haus, holen sich Getränke, quatschen, wie ihnen der Schnabel gewachsen ist…so sollte Kindheit sein. Unbeschwert, glücklich, sorgenfrei! Und auch, wenn wir Mama's manchmal an unseren Grenzen stoßen, was in dieser schnelllebigen Welt alles andere als erstaunlich ist, ist es das, was wir aus tiefstem Herzen wollen: Unsere Kinder glücklich machen, Spuren hinterlassen, Erinnerungen in ihre Köpfe brennen… Genau das tut ihr damit. Seid stolz auf Euch und zweifelt weniger an Euch selbst (auch wenn ihr zu Unrecht gemeckert habt – das gehört dazu und die Kids werden es überleben). Genießt es Mama zu sein…es ist wohl das schönste Gefühl, das man je erfahren kann!

    LG Tini

  12. <3

    Meine Kindheit war auch so – und genau das versuche ich weiter zu geben. Ja – manchmal echt nervig – aber am Ende irgendwie einfach auch wunderschön! 

  13. Marie sagt

    Hallo Anna,

    danke für den schönen Artikel.

    Ich wollte immer ein offenes Heim haben – das habe ich definitiv geschafft.
    Wir haben die größte Wohnung in der Straße (100 qm, kein Palast für 4 Personen), und mein älterer Junge ist Autist, ich bin also eigentlich dankbar, wenn er Freunde hat und die dürfen dann auch gerne kommen. Und auf dem Sofa hüpfen dürfen auch alle, weil ich Mütter, die Sofahüpfen verbieten, mal pauschal spießig finde, weil Sofa hüpfen für mich der Inbegriff einer schönen Kindheit ist (und nebenher die Jungs dabei endlich mal über Schule und Gefühle reden).

    Aber diese Wochenenden – die bringen mich um. Besser gesagt, sie töten meine Geduld und meine Nerven. Daher ist es schön, dass ich nicht alleine bin mit diesen Gefühlen. Danke!

    Marie

  14. Katharina sagt

    So ein toller Artikel. Habe sogar Tränen in den Augen. Meine Tochter ist erst 2,5 Jahre. Sie fängt langsam an Freundschaften zu schließen. Und freut sich wenn wir bestimmte Kinder besuchen oder sie zu Besuch kommen. Leider bleibt sie vorerst noch ein Einzelkind. Leider nur weil ich eine schwere lebensgefährliche Schwangerschaftsvergiftung hatte. Ich liebe Kinder. Wir wollten immer mindestens 2. 

    Du bist für mich ein Vorbild. Ja man darf fluchen und ja man darf sich auch Mal wünschen, dass das Kind nicht Zuhause ist. Die Unterhaltung von den Kids ist wirklich süß. Und entschädigt ja für ALLES. 

     

  15. Du schreibst mir echt aus der Seele. Hier ist es genauso. Jeder kommt immer zu uns, hier gibt es immer genug zu essen und naschen. Der Fernseher ist permanent besetzt und die Couch sowieso. Eltern geben ihre Kinder gerne bei uns ab, weil "ich ja weiß, dass sie bei euch gut aufgehoben und versorgt sind und ihr einen guten Einfluss auf sie habt" und ich kann nie NEIN sagen, sehr zum Leidwesen meines Mannes. Und egal, wie sehr ich es mir vornehme, mich zu ändern, ist es beim nächsten Mal wieder dasselbe! 

    Grüsse aus dem schönen Taubertal 

    Chrissy (thebravewanderer auf IG)

  16. Ja ist wirklich schön geschrieben und mir fehlt manchmal das Chaos seit mein Sohn ausgezogen ist und nicht mehr 5-6 Teenager rumlungern, dafür hab ich jetzt ein Cafe und einen Haufen netter Gäste auch mit Kindern, so dass die Bude wieder jeden Tag voll ist. Manchmal tun die Füße weh, aber ich fühle wieder voll das Leben, so wie früher, das ist schön 🙂

  17. Anni B. sagt

    Hallo Berlinmittemom! Ich hab mich ja schon immer gewundert, wie Du das machst. Bei uns ist es auch sandig, krümelig, kuschelig und schön. Aber Dauerbeduch von anderen Kindern oder auch Erwachsenen oder auch Familienmitgliedern ertrage ich nicht. Genausowenig wie Besuch, der nicht weiß wann es Zeit ist zu gehen oder Eltern, die nicht wissen wann mal gut ist und einfach ihre Kinder untern Arm klemmen und mit nach Hause nehmen. So gerne ich Besuch habe, Gastgeberin bin, meinen Kindern das ermöglichen und vorleben möchte; so gerne bin ich auch allein mit meiner Familie (Mann und Kinder). Ganz alleine für mich bin ich sowieso nicht mal auf dem Klo. Aber dauerhaft zu viele „fremde“ Menschen um mich rum, mag ich nicht haben in meinem Zuhause. Tut mir nicht gut.
    So sind wir alle verschieden….
    LG von Anni.

  18. Genauso war meine Kindheit auch, immer waren Leute da, dann wurden die drei Schnitzel eben durch fünf geteilt und Wasser in die Suppe gekippt. Wir waren immer draussen und drinnen und zwischen den Häusern.
    Ich wäre gern so eine Mama, aber durch viele Umstände, Krankheiten und andere Widrigkeiten ist das nur bedingt möglich gerade. Ich wünsche mir das für die Zukunft. Bis dahin gibt es an meinen guten Tagen mal einen Hauch coole Ja-Sager-Mama die Cola, Eis und Pizza erlaubt, oft viel mehr Freiheiten als die Freunde haben (als Auszeit für mich und um die Selbstständigkeit zu fördern) und viel „absichtlich drüber weg sehen“ um Streit zu vermeiden.
    Aus sicherer Quelle weiß ich, dass ich zumindest cooler bin als die Mutter der Besten meiner Tochter. Die finde sogar ich total ätzend!

  19. Regine Franck sagt

    Am Samstag, am Sonntag, am Montag, am Dienstag, am Mittwoch, am Donnerstag, am Freitag, am Samstag …
    Wo kriege ich jetzt den Mann mit dem Weisswein her (naja, nicht gerade um 08:42 Uhr morgens, aber so ganz grundsätzlich?)
    solidarisch
    r.

  20. Eva sagt

    Hallo Anna,

    danke für den tollen Text!

    Wie schön, dass es Dir genauso geht wie mir:-)
    Du motivierst mich so weiter zu machen, denn für die Kinder ist es doch toll sich so ausleben zu können und ihrer Fantasie freien Lauf zu lassen! (Obwohl man natürlich manchmal auch ein paar klitzekleine Grenzen setzen muss:-))

    Ich lasse meine beiden Mädchen (6J und 16Monate) immer alles ausprobieren und das endet manchmal im totalen Chaos. (Z.B. Eiermatsch auf dem Fußboden beim Ostereier auspusten lernen, farbige Fußspuren auf dem Fußboden, weil Fingerfarbe auf dem Boden gelandet ist und die Kinder aus Versehen durchgelaufen sind:-)) Die Freundinnen meiner großen Tochter kommen total gern zu uns, weil man hier alles ausprobieren darf.
    Manchmal komme ich mir allerdings vor wie eine Idiotin, wenn die Kinder abgeholt werden und hier das absolute Tohuwabohu herrscht und es so aussieht, als wenn ich hier gar nichts im Griff habe.
    Dein Artikel bestätigt mir aber, dass mein Kurs für mich richtig ist und ich es auch gar nicht anders möchte. Ist es nicht schön auch mal locker lassen zu können und Chaos zuzulassen!? Bisher haben wir es immer noch geschafft irgendwann wieder aufzuräumen. 🙂

    Danke und viele liebe Grüße
    Eva

  21. Sandra sagt

    Liebe Anna,
    Seit langem mal wieder ein Text, Bei dem mir die Tränen kamen. Weil er so ehrlich ist und mir das alles so. Erkannt vorkommt und hier auch immer so war und ist. Der Text könnte zu 100% ( nur nicht so gut geschrieben) von mir stammen…. 😉 Auch hier standen manchmal 15 Kinder (!) im Garten und immer war bei mir Wasserschlacht ,ein Zelt im Garten – all das. Du kennst es ja. Währenddessen sah ich die anderen Eltern mit einem Glas Wein entspannt auf ihren Terrassen sitzen, froh , dass der Klamauk bei uns stattfand… manchmal hat mich das echt wütend gemacht . Dann aber kam mal eine Mama und meinte ob ihr Sohn wieder mit meiner Tochter spielen kann. Mit dem Zusatz : eigentlich will er zu dir, weil du immer so tolle Sachen machst … naja , das ging natürlich runter und ich fühlte mich wie die Supermutter . Aber klar, also von ich auch selber schuld … ich kenne das- schwanken zwischen “ ich mach das gerne weil ich das als Kind auch so hatte “ und “ warum vwrdammt, eigentlich immer bei uns?!“… heute sind meine Kinder fast 16 und fast 19 und haben mir unlängst gesagt , wie dankbar sie sind, dass sie das alles durften… und dann bin ich froh , dass es ich das alles so gemacht habe ! Aber ich verrate dir was: meine zwei Kleinen sind knapp 2 und 3. Und es geht alles wieder von vorne los. Danke für deinen ehrlichen Text !!! Alles Liebe

  22. Heike sagt

    Liebe Anna!
    Ich mag deinen Blog total gern und ich glaube, ihr seid eine tolle Familie – und du eine tolle Mama! Mein Sohn ist erst knapp zwei, aber beim lesen deiner Texte denke ich ganz oft: so möchte ich das später auch mal machen! Alle rein in die Bude!
    Und so lange abends ein kalter Weißwein ihm Kühlschrank steht – was soll da schiefgehen? 😉
    Danke für deine Mühe und das Herzblut, das du in deinem Blog steckst! Du bereitest mir (und offensichtlich vielen anderen hier) damit eine große Freude! Vergiss bitte nur nicht, dir auch ganz oft etwas Gutes zu tun, du hast es so verdient!

    Alles Liebe, Heike

  23. Andrea sagt

    Liebe Anna,
    ich finde Du solltest mehr an Dich denken. Es geht immer nur um die Kinder und Du stellst Dich zu sehr hinten an.
    Sicher hat es auch was damit zu tun, dass Du keinen geregelten 5-Tage-Job hast und Dir Deine Zeit relativ einteilen kannst. Müsstest Du jeden Tag pünktlich ins Büro und hättest nur Nachmittags/Abends Zeit für Haushalt und Kids, würde es garantiert anders laufen und die Hütte wäre nicht ständig voll.
    Aber das würde Dir wohl fehlen und das ist ja auch Inhalt deines Blogs. Also enjoy! 😀

    LG Andrea

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