Familien Bucket List? Was wird das wohl sein? Gemeinsame Reisen zu schönen Orten? Außergewöhnliche Erlebnisse, die man lange im Vorfeld planen muss? Dinge, für die man eine gewisse Summe ausgeben bzw investieren muss? Selbst wenn solche Wünsche vielleicht mal die Ideenliste unserer Familie gefüllt hätten – Corona hat das verändert.

Wenn Wünsche sich ändern

Hier geht es nur noch um die Pandemie! Stimmt das? Oder ist es nicht vielmehr so, dass sehr viele Themen durch Corona eine andere Schärfe oder sogar Tiefe bekommen? Für mich fühlt sich das so an, auch wenn die Coronapandemie seit Beginn  hier auf dem Blog zu Veränderungen und immer wieder zu längeren Pausen geführt hat. Aber manchmal machen auch die wichtigen Dinge uns ein bisschen stummer als sonst. Sie wachsen und formen sich in unseren Köpfen und Herzen, bevor wir sie in Worte fassen und mitteilen können.

Corona hat uns verändert. Nicht nur in unserem täglichen Leben und in vielen Aspekten des Alltags, die wir zuvor niemals hinterfragt hätten. Die Stichworte Homeoffice, Distance Learning oder Social Distancing illustrieren das beispielhaft. Doch da ist noch mehr. Vieles von dem, was uns selbstverständlich vorgekommen ist, ist es nun nicht mehr. Unsere Wahrnehmung hat sich verändert, unser Verständnis von Normalität, aber auch unsere Wünsche.

Wir hatten gar nicht vor, eine Familien Bucket List zu erstellen. Aber es ist quasi nebenbei passiert, während wir darüber sprachen, was uns eigentlich fehlt oder was wir uns vorstellen, wie unser Leben sein wird – nach Corona. Die Liste ist also kein Projekt, sie ist noch nicht mal absichtlich entstanden. Aber in unseren Gesprächen über „früher“ und die Zeit, wenn „Corona vorbei sein wird“, haben wir festgestellt, dass unsere Sicht auf die Dinge sich verändert hat. Dass das, was wir glaubten zu vermissen, nicht unbedingt dazu führt, dass wir uns genau das zurückwünschen. Dass es nicht darum geht, zu etwas zurückzukehren, das wir mal für selbstverständlich gehalten haben. Sondern dass diese Zeit der Pandemie vielmehr genau das in unseren Köpfen und Herzen neu sortiert hat: unsere Vorstellung davon, was wir gemeinsam erleben möchten – die Dinge, die uns wirklich etwas bedeuten.

Familien Bucket List in der Pandemie

Reisen und Entdecken wie „früher“?

Wir sind schon viel rumgekommen. Der Mann, auch beruflich bedingt, sicher am meisten, aber auch wir als Familie. Vor den Kindern haben wir Rucksackreisen unternommen, gemeinsam waren wir zB einige Wochen in Sri Lanka unterwegs; bevor wir ein Paar wurden, habe ich solche Reisen mit Freundinnen unternommen und habe Thailand und auch diverse Inseln in Indonesien bereist.

Unsere Zeit in Neuseeland | berlinmittemomm.com

Und auch mit den Kindern hat diese Reise- und Entdeckerlust nicht abgenommen. Wir waren zB im Jahr der Geburt vom Lieblingsbub mit den Kids für mehrere Wochen in den USA unterwegs, erst an der Ostküste, dann an der Westküste, sind viel innerhalb von Europa gereist (Frankreich, Spanien, England, Portugal…) und haben dort einige Städte gemeinsam intensiver kennengelernt. Tatsächlich haben wir zusammen schon fünf von sieben Kontinenten besucht, auch wenn Asien eigentlich nicht zählt, weil wir da als Familie nur für knapp 24h in Taipeh waren, auf dem Weg nach NZ. Zu unseren Highlights gehören aber natürlich unsere Neuseelandreise, die Reise nach Costa Rica und El Salvador und unser Besuch in Israel vor nunmehr schon 8 Jahren.

Selbstverständlich fehlt uns das – es wäre gelogen, wenn ich sagen würde, die Sehnsucht danach, neue Orte gemeinsam zu entdecken, wäre nicht da. Und es wäre Unsiinn, zu leugnen, wie sehr wir uns an bestimmte Orte zurücksehnen. Dass ich beispielsweise meine Familie in El Salvador wieder besuchen kann, wünsche ich mir sehr. Das Herzensmädchen denkt sehnsüchtig an die Kiwi-Familie in NZ. Und auch der Wunsch danach, an die geliebte Algarve zurück zu dürfen, ist nicht gerade… leise.

Praia Cordoama | berlinmittemom.com

Aber nach einem Jahr Pandemie geht es auf unserer Familien Bucket Liste darum längst nicht mehr.

Große Wünsche werden leise, kleine Wünsche werden groß

Wir sind aufeinander zurückgeworfen, so geht es uns allen in dieser Pandemie. Statt jede*r 8-12 Stunden des Werktages mit den eigenen Aufgaben zu verbringen wie Schule und Jobs, statt diese Zeit mit den Menschen zu verbringen, die uns in diesen Bereichen zufällig zugewürfelt werden wie Kolleg*innen, Lehrer*innen und Klassenkamerad*innen, sind wir seit über einem Jahr so etwas wie eine Insel. Wir fünf, hier in unserer Familienblase.

Familien Bucket Liste | berlinmittemom.com

Hier arbeiten wir nebeneinander her, die Kinder in ihren Onlineklassen oder unabhängig, der Mann meistens in Videokonferenzen, ich ziemlich einsam in den Randzeiten drumherum. Wir essen gemeinsam, mindestens zwei, oft drei Mahlzeiten am Tag, statt wie sonst maximal eine. Wir sind einander die Kumpels für die freie Zeit und die Freundinnen für die albernen oder die schweren Momente. Und wir flüstern nachts miteinander, wenn wir nicht schlafen können und durchs Haus schweifen. Dann teilen wir unsere Gedanken und Ängste und Hoffnungen. Und unsere Wünsche.

Es ist uns nicht mehr so wichtig, ob wir die fehlenden Orte von unserer Reisewunschliste irgendwann gemeinsam besuchen werden oder nicht. Wichtig ist, dass wir so verbunden sind wie nie zuvor. Dass wir alle spüren, wie bedeutsam diese Phase auch für uns als Familie ist. Das, was ich immer schon gesagt habe, erfüllt sich gerade an uns allen: wir sind das Team, die Gang, die Squad, das, worauf es wirklich ankommt. Alles andere ist variabel, wir sind es nicht. Und dass wir zusammen sind, dass wir all das gemeinsam erleben und verarbeiten können, ist das Wichtigste.

Was uns wirklich fehlt, was wir uns wirklich wünschen, sind echte Begegnungen mit denen, die wir lieben. Intensives Zusammensein mit der Familie und mit unseren Freund*innen. Gemeinsam verbrachte Zeit. Mit diesem Bewusstsein ist unsere Familien Bucket List eine ganz andere geworden.

Wir tauschen unsere Wünsche ein

Früher standen auf meiner persönlichen Löffelliste viele Orte, die ich unbedingt bereisen möchte. Meine Bucket List wäre angeführt worden von Hawaii. Nicht, dass ich dort nicht immer noch hin möchte, das wäre schon schön. Aber es spielt keine auch nur annähernd vergleichbare Rolle mehr. Diese Reise ist auf meiner Prioliste irgendwo nach hinten gerutscht. Hawaii hat Rang 1 eingebüßt – und so geht es uns allen, jedem einzelnen mit seinem persönlichen „Hawaii“.

Unsere Liste, auf der ich gesammelte Wunschorte und -aktivitäten zusammengestellt habe, hat sich verschoben.

  • Wir tauschen Hawaii…  gegen ein Familientreffen mit allen Großeltern, unseren Geschwistern und deren Partner*innen sowie allen Neffen und Nichten bzw kleinen Cousins und Cousinen.
  • Wir tauschen Sardinien… gegen ein Wochenende im Rheinland mit der Wahlfamilie aka die (mit) längsten Freunde unseres Herzens.
  • Wir tauschen Kapstadt… gegen ein Abendpicknick am Strand mit unseren liebsten Prerowfreunden.
  • Wir tauschen Thailand… gegen einen unbeschwerten Tag am See mit Sonnenbrand, Arschbombe vom Steg und Schlangestehen für ein Softeis.
  • Wir tauschen den Flug im Heißluftballon… gegen eine Grillparty in unserem Garten mit allen Berliner Freund*innen.
  • Wir tauschen Wakeboarden… gegen ein Fest zur Konfirmation mit allen, die zu uns gehören und die wir deshalb dabei haben wollen.
  • Wir tauschen den Tandemsprung… gegen den Moment, wenn wir alle bei der Zeugnisvergabe zum Schulabschluss dabei sind.
  • Wir tauschen die Besteigung des Kili… gegen jedes sorglose unbeschwerte Zusammensein mit unseren Lieblingsmenschen, bei dem wir uns innig umarmen können, gemeinsam laut lachen, so lange zusammensitzen, wie wir wollen, ohne Einschränkung unsere Verbundenheit genießen.

Das ist es, was wir uns wünschen. Das sind die Dinge auf unserer Familien Bucket List.

Abbaden, Prerow | berlinmittemom.com

Wir müssen nicht irgendwohin reisen und fremde Länder kennenlernen, wenn wir dafür Zeit und Begegnung mit unseren Liebsten haben. Wenn wir unsere kleine Familien“Insel“ um die, die wir lieben, bereichern können. Wenn wir all das wieder hätten und uns in der sorglosen Umarmung derer fallen lassen könnten, die wir schon so lange vermissen.

Was uns jetzt hilft? Fest daran zu glauben, nein: zu w i s s e n, dass wir das wieder erleben werden. Wir werden wieder zusammen sein. Wir werden uns wieder umarmen. Und wir sagen uns jeden Tag: es dauert nicht mehr lang.

Passt auf euch und aufeinander auf.

3 Kommentare

  1. Alexandra Lichterbeck Antworten

    Oh liebe Anna, wie du mir aus der Seele schreibst!
    Genauso sieht es hier auch aus.
    Ich tausche auch gerne meine Wünsche „vor Corona“ gegen die sozialen Sehnsüchte die in den letzten Monaten entstanden sind.
    Danke, für das Teilen deiner Gedanken.
    Herzlichste Grüße
    Alex

  2. ….jetzt wo ich es bei dir lese, liebe anna, merke ich erst wie sehr ich genau das vermisse….ich denke ich habe es weggedrückt, weil es zu sehrr schmerzt und mir den verlus so stark verdeutlicht….und ich hoffe, hoffe, hoffe, dass es in nicht allzu ferner zukunft wieder sein wird…
    herzlichst
    annette

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