Wir sind alle wieder da. Der Sommer ist noch nicht vorbei, aber nachdem in Berlin die Schule wieder angefangen hat und alle aus den Ferien zurückkommen, ist es mal wieder Zeit für einen Corona-Alltagscheck nach den Ferien.

Wie lief es eigentlich bei euch mit…

…dem Verreisen?

Überall wurde ja dazu aufgerufen, die Ferien zu Hause zu verbringen, dennoch waren wir auf dem Darß, wenn auch in unserem eigenen Haus. Und  trotz Corona waren auch tatsächlich alle um uns herum irgendwie verreist, selbst wenn die meisten in meinem Umfeld die großen Flugreisen schon lange storniert hatten und stattdessen irgendwo in Deutschland Urlaub gemacht haben. Oder jedenfalls in Europa, wo sie mit dem Auto hinkommen konnten. Die Varianten waren zahlreich: einige aus unserem Bekannten-/Freundeskreis waren mit dem Camper unterwegs, andere haben Ferienwohnungen und -häuser gebucht, einige wenige sind tatsächlich geflogen und haben an ihren Zielorten Hotels besucht.

Und viele haben es dann am Urlaubsort so gehalten wie wir: wir haben hauptsächlich zu Hause gekocht und gegessen, abgesehen von einigen Fischbrötchen auf die Hand oder mal einer Waffel oder einem Eis im Vorbeigehen. Restaurant- oder Barbesuche haben wir dieses Jahr komplett ausgelassen, ebenso Besuche von Märkten, Museen oder anderen touristischen „Attraktionen“. Aber Menschen haben wir natürlich dennoch getroffen, wenn auch ohne die üblichen Umarmungen zur Begrüßung.

Wir hatten nacheinander Freunde und Familie in unserem Ferienhaus, das inzwischen bereits regulär vermietet wird und natürlich haben wir draußen zusammengesessen und den Grill eingeweiht. Die Kinder haben Wikingerschach und Volleyball gespielt, wir waren gemeinsam am Strand und auch zusammen mit dem Rad unterwegs. Tatsächlich haben wir das Vorhaben, gar keinen nahen Kontakt mit anderen Menschen zu haben, nicht durchgehalten. Ist das schlimm? Wird das furchtbare Folgen haben? Wir wissen es nicht und wir beten, dass es nicht so ist. Bisher ist alles gut gegangen, denn alle diese Kontakte liegen länger als 14 Tage zurück und alle sind weiterhin gesund.

Nordstrand Prerow | berlinmittemom.com

… mit der Abstandsregel (im Urlaub)?

Die selbst auferlegte Abstandsregel einzuhalten, war aber für mich einfach in bestimmten Situationen nicht machbar. Nicht, weil ich nicht mehr daran gedacht hätte oder weil wir uns vom Urlaubsfeeling hätten mitreißen lassen, sondern weil es Momente gibt, in denen es nicht anders geht. Die Freundin, die schluchzend vor mir steht, weil in ihrem Leben etwas aus den Fugen geraten ist, kann ich nicht NICHT umarmen. Die Nichte, die beim Abschied Tränen in den Augen hat, kann ich nicht NICHT umarmen. Die Freundin aus der Ferne, die ich ein Jahr nicht gesehen habe und bei deren Anblick mein Herz einen Freudensprung macht, kann ich nicht NICHT umarmen. Versteht mich nicht falsch, mir ist vollkommen klar, dass das dennoch wahrscheinlich in der jetzigen Situation richtig gewesen wäre, es nicht zu tun und dass das riskantes Verhalten war. Aber es ging nicht anders.

Ich will das damit nicht rechtfertigen, ich will auch auf gar keinen Fall sagen, dass das schon okay war und man sowas ruhig machen kann, weil ja bestimmt nichts weiter passiert. Nein, für mich ist klar, das war ne Wette. Es hätte auch schief gehen können und wir hatten einfach Glück bzw. wir sind alles Menschen, die ansonsten die Abstands- und Hygieneregeln einhalten und sich lange und konsequent isoliert haben.

Es geht mir eher um die Beobachtung, die ich hier an mir selbst mache: mir schoss wirklich kurz der Gedanke durch den Kopf, dass ich vielleicht gerade angesteckt werde oder selbst das Virus übertrage und dass es mir das Wert ist – was natürlich Unsinn war, weil ich in dem Augenblick gar nicht einschätzen konnte, was das bedeuten würde. Ich wusste nur, mein Gegenüber jetzt nicht zu umarmen, ist gegen alles, was mich ausmacht, läuft dem zuwider, wer ich bin und was meine Werte sind und ist damit keine Option. Dabei wurde mir aber wieder schlagartig klar, wie wenig es vermutlich braucht, um sich zu infizieren oder das Virus zu übertragen und wie tief die Abstandsregeln mitunter in unser tägliches Leben eingreifen. Wie weh es tun kann, sie einzuhalten, auch wenn man weiß, dass es richtig ist.

Ich habe meine Geschwister mit Schwägerin und Schwager, meinen Vater und seine Frau sowie Neffchen und Nichtchen seit Anfang Dezember 2019 nicht gesehen und es ist im Moment auch unklar, wann wir uns wiedersehen werden. Und auch wenn wir die große räumliche Distanz eigentlich seit achtzehn Jahren gewöhnt sind, besteht ein großer Unterschied. Denn normalerweise wissen wir, dass wir die Entfernung jederzeit überwinden können, wenn wir wollen – jetzt geht das nicht ohne weiteres, wenn wir auf die Risikogruppe innerhalb der Familie Rücksicht nehmen wollen. Auch das gehört in den Corona-Alltagscheck: wie fühlen wir uns eigentlich bei all dem?

Strandkorbwein am Abend | berlinmittemom.com

… der Rückkehr in den Alltag/die Schule?

Das ist echt ein schwieriges Thema. Ich schwanke zwischen der Überzeugung, dass die Maßnahmen an den meisten Schulen nicht annähernd sicher genug sind für Kinder und Lehrer*innen – das macht mich ängstlich – und der Haltung, dass die Kinder natürlich in die Schule gehen sollen und ich darein vertrauen möchte, dass das schon alles gutgeht. Für mich persönlich ist das eine große Herausforderung, dann auch den Kindern nicht irgend etwas zu vermitteln, was sie zusätzlich verunsichert, denn aus meiner Sicht gibt es da im Moment keine Alternative.

Eine Woche nach Schulbeginn sind allerdings nicht nur in Berlin bereits wieder Schulen (zeitweise) geschlossen und ganze Klassen in Quarantäne, weil natürlich Fälle auftreten. Dieses Virus ist gekommen, um zu bleiben und wir werden noch lange damit umgehen müssen, dass wir potentiell gefährdet sind oder andere gefährden könnten. Wie leichtfertig viele Menschen mit dem Tragen ihres Mund-Nase-Schutzes umgehen und damit willentlich (und oftmals wissentlich) das Ansteckungsgeschehen möglicherweise befeuern, stürzt mich übrigens täglich in ein Gefühlsmischmasch aus Wut, Angst, Unverständnis, Enttäuschung und auch Traurigkeit. Sind wir einander so wenig wert?  Ist es zu viel verlangt, dass wir ein bisschen aufeinander achten? Aufeinander aufpassen? Ich glaube, darüber muss ich noch mal gesondert schreiben…

Maskenpflicht, Corona Pandemie | berlinmittemom.com

Bei der Rückkehr nach Berlin haben wir übrigens tatsächlich sowas wie einen kleinen Kulturschock erlitten. Diese Intensität der Stadt, die vielen Menschen stets und überall, der Geräuschpegel, der Straßenverkehr, die Temperaturen im Moment – all das steht im krassen Gegensatz zu unseren Tagen auf dem Darß, die gefüllt waren mit Zeit in der Natur, Stille, gemeinsamer Zeit mit ausgewählten Menschen und der ständig präsenten Möglichkeit des Rückzugs. Dass wir jetzt dort ein eigenes Haus haben, in das wir jeden Tag zurückkehren können, ist ein super gutes Gefühl, für das ich täglich dankbar bin – ein Gefühl wie ein Anker, der mich hält.

Das wäre es von hier erstmal mit dem aktuellen Corona-Alltagscheck. Ich bleib dran.

Wie lief es bei euch mit Urlaub, Abstand und Maske? Und wie seid ihr zurück in den Alltag gekommen mit Job, Schule und Kita?

Passt auf euch auf!

 

6 Kommentare

  1. Hallo liebe Anna,
    Danke für das Teilen Deiner Impressionen und Gedanken. Auch wir haben auf dem Darß geurlaubt. Ich selbst bin im 9. Monat schwanger und muss leider sagen, dass ich sehr enttäuscht war vom Verhalten der Urlauber vor Ort. Leider wurde gegenseitige Rücksichtnahme dort nicht gerade groß geschrieben. Abstands- und Maskenregeln wurden nur sehr inkonsequent eingehalten. Zuvorkommende Menschen sind mir trotz dickem Babybauch leider nicht begegnet. Eher noch der skeptische Blick, der mir sagen sollte „Was macht die denn hochschwanger hier im Touristen/ „Risikogebiet“. Leider denken die meisten Menschen nur an sich. Vielen ist m.E. auch bis heute nicht klar, warum sie ihre Maske eigentlich tragen (nicht zum Selbstschutz, sondern zum Schutz der anderen).
    Nichtsdestotrotz haben wir die Zeit an der geliebten Ostsee natürlich sehr genossen.

    Viele Grüße, Steffi

  2. Willkommen zurück in Berlin! Wir waren tatsächlich die ganze Zeit hier. Es waren die erholsamsten Ferien seit langem. Wir haben eine kühle Wohnung mit Balkon und Garten und einen Schrebergarten. Wir haben große Radtouren zu Brandenburger Seen gemacht, an denen wir meistens alleine waren. Keine Packerei, keine fremden Betten, kein Stress in der Bahn oder am Flughafen. Freunde haben von Ostseeorten erzählt, an denen es weder Abstand noch Masken, sondern vor allem Gedrängel und Enge gab. Das wollten wir nicht.
    Die Berliner Freibäder kann man vorbuchen und hat dann immer genug Platz – so viel schwimmen war ich schon lange nicht mehr. Und auch dem Garten bekommt es gut, wenn man ihn im Sommer über betreut und das nicht einer Urlaubsvertretung überlässt. Also: wir waren sehr überrascht, WIE gut das ging hier. War ja auch nicht so heiß wie jetzt.

    Ich umarme keine Menschen. Selbst auf den Beerdigungen, auf die wir gehen mussten, haben wir das vermieden. Wir haben keine alten Eltern mehr, was mich aktuell sehr beruhigt. Also nicht, dass sie tot sind, aber dass ich mir keine Sorgen um sie machen muss. Und sie dann nicht mal besuchen kann.

    Und die Schule? Ich wünschte, sie hätte schon wieder zu. Von 0 auf 35 Stunden, kein Abstand, keine Masken, ein riesiger Druck mit „wir müssen jetzt alles bewerten, und ganz schnell Tests und Klassenarbeiten schreiben, weil die Schule ja bald wieder zu hat. Kein hitzefrei aus eben diesem Grund, trotz weit über 30 Grad. Und schon die erste Einladung zum Elternabend im – Überraschung! viel zu kleinen Klassenzimmer. Man möchte weinen. Hier liegt ein riesiger Stapel Arbeitsblätter und ein großer Stapel Schulbücher, die, wie jedes Jahr, so gut wie nie benutzt werden. Wie veraltete, anstrengend und uneffektiv dieses System ist, das angeblich „Bildung“ vermittelt, habe ich erst im letzten halben Jahr wirklich begriffen

  3. Hallo liebe Anna,
    wir waren zuerst bei meiner Schwester und ihrer Familie in Österreich und da will ich ehrlich sein, da hat es mit dem Abstand nicht wirklich geklappt. Das sind Menschen, die uns so nahe stehen und die wir so vermisst hatten. Ansonsten haben wir uns aber dort an alle Regeln gehalten die auch hier gelten. Jedoch gab es, als wir dort waren, in Österreich keine Maskenpflicht, das war uns tatsächlich unangenehm und ein bißchen ungeheuer. Danach waren wir noch eine Woche in der Toskana, in einer Ferienwohnung auf einem Landgut. Wir hätten hier nicht sicherer und isolierter sein können und haben uns sehr gut aufgehoben gefühlt. Heute hat bei uns die Schule wieder begonnen (In deiner alten Heimat, dem Rheinland) und ich verstehe genau deine gemischten Gefühle. Wie lang wird es gut gehen? Aber ich weiß auch wie sehr meine Kinder diese Normalität in der Schule wieder brauchen und hoffe, der Regelunterricht hält lange an. Unsere beiden Schulen (Grundschule und Gymnasium) waren bis zu den Ferien digital wirklich miserabel aufgestellt und ich hoffe inständig, dass die Ferien genutzt wurden, um das zu verbessern. Weil ich auch Realist genug bin zu wissen, dass wir im Laufe des Schuljahres bestimmt wieder, zumindest zeitweise, auf Homeschooling zurück geworfen werden könnten. In den Herbstferien wollen wir eigentlich zu meinen Schwiegereltern in die Bretagne. Wir haben uns seit Dezember nicht mehr gesehen. Aber ich frage mich mittlerweile schon, ob ich das überhaupt verantworten kann, mit 2 Kindern aus dem Regelschulbetrieb heraus zu zwei Risikopatienten von fast 80 Jahren zu verreisen. Und die lange Zugfahrt zu uns ist den beiden wirklich nicht zuzumuten. Zumal das Problem ja das selbe bliebe. Aber kein Wiedersehen ist ja auch keine Option irgendwie. Da bin ich derzeit echt ratlos. Warten wir ab, ob wir, wen es soweit ist, überhaupt nach Frankreich reisen können. Mehr können wir ja eh nicht tun im Moment. Und dann liegt die Entscheidung glaub ich letztlich bei meinen Schwiegereltern. Euch eine schöne Woche!

  4. Du sagst hier laut, was viele Menschen nicht laut aussprechen würden aus Angst, dafür verurteilt zu werden. Das du das tust, finde ich gut. Denn auch, wenn die Schutzmaßnahmen sicherlich ihre Berechtigung haben, so schockt es mich doch weitaus mehr als eine wohldurchdachte Umarmung, dass es mittlerweile so viele Menschen gibt, die meinen, Coronapolizei spielen zu müssen und andere an den Pranger zu stellen, weil sie sich mal nicht regelkonform verhalten haben.

    Die Schule hat wieder angefangen, und unsere Grundschüler haben stundenlang einen feuchten, durchgeschwitzten, durchgesabberten Stofflappen vor dem Mund. Sie müssen die Maske drinnen wie draußen tragen, nur, wenn sie in der Klasse sitzen, darf sie mal abgenommen werden. Für Ganztagsschüler dehnt sich das Ganze noch aus. Besorgte Eltern bringen ihren Kindern das Masketragen bei und geben Wechselmasken mit. Dann funktioniert das Ganze einigermaßen. Es gibt aber auch mehr als genug Kinder, deren Eltern das nicht für notwendig erachten, so dass sich oben genanntes Szenario zeigt. Es wäre schön, wenn das an Schulen thematisiert werden würde.

    Ansonsten warten wir hier ab, wie sich diese Art der Beschulung oder auch die Handhabung im Kindergarten auf die Durchseuchung auswirkt, es gibt ja regelmäßige Tests für das pädagogische Personal, so dass es bald Ergebnisse geben dürfte…. Die zwei Wochen uneingeschränkte Beschulung und Betreuung hier in NRW vor den Ferien scheint jedenfalls keine signifikante Änderung der Ansteckungszahlen zur Folge gehabt zu haben.

    Viele Grüße!

  5. Liebe Anna,

    wir waren auf Mallorca. Ja. In einer Finca bei Petra. Wir haben uns viele dumme Kommentare dazu anhören dürfen und trotzdem muss ich sagen: wir haben diesen Urlaub nicht unverantwortlich gefunden. Und wir haben ihn genossen!

    Wir waren so autark unterwegs, wie man es hier in Deutschland kaum sein kann. Wir haben keine Restaurants besucht, dafür den kleinen Dorfsupermarkt finanziell unterstützt.

    Der Flughafen war so unfassbar leer und das Flugzeug nur halb gefüllt. Die meisten, wirklich die meisten, halten sich penibel an das Maske tragen, im Flugzeug, in den Läden, auch allgemein auf der Strasse.
    Selbst die spanischen Omas und Opas sitzen Abends 22 Uhr mit Maske vor ihren Häusern …

    Keine 2 Wochen vor diesem Urlaub waren wir für ein paar Tage im Spreewald – dort hat man in einem 4 Sterne Hotel keinerlei Hygienekonzept, es gab munter Buffets, die Restaurants alle knacke voll, Töpfermarkt alle dicht an dicht und keinen interessiert das … das hat uns viel mehr erschrocken.
    Das Gefühl, nächstes WE wieder dort zu sein für 3 Tage finde ich mulmiger als meinen Aufenthalt auf Mallorca.

    Wir haben noch 2 Wochen bis zum Schulbeginn. Bisher gibt es wenig Infos, außer das zum Regelunterricht zurückgekehrt werden soll. Das hatten wir allerdings auch schon fast vorher. Hier gingen die Kinder (halbierte Klassen)vor den Ferien jeweils 1 Woche und das zum normalen Unterricht. Die andere Woche waren sie zu Hause.

    Es wird herausfordernd für alle bleiben. Und ich hoffe, dass die allermeisten einfach dran bleiben an den kleinen Dingen, die wir alle gut einbauen können.

  6. Hallo Anna, danke für deine Gedanken und auch für deine Ehrlichkeit. Ich bin beim Thema Umarmung zwiegespalten. Ich umarme meine Freundinnen nicht. Dafür aber meine Eltern. Meine Oma ist vor zwei Monaten gestorben und das war bei uns der Punkt, an dem das nicht anders ging. Wie könnte ich meine Mutter nicht umarmen, wenn sie um ihre Mutter trauert? Wie könnte ich nicht selbst Trost im Arm meines Vaters suchen?
    Ic denke, jetzt wo die Schule wieder startet und gleichzeitig die Zahlen steigen, werden wir das vielleicht wieder verändern müssen und auch schauen, wie es mit dem Kontakt zwischen Großeltern und Enkeln gehen kann – leider. Umso wichtiger, dass wir die Zeit jetzt genutzt haben. Safer wird es nicht.
    Ich gebe dir Recht – Corona wird nicht so schnell verschwinden und wir müssen deshalb immer wieder neu austarieren, was gerade geht.

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