The news is out. Der Lockdown wird bis auf weiteres fortgesetzt, die Schulen und Kitas bleiben geschlossen, und wir werden in unserer Bewegungsfreiheit weitgehend genauso eingeschränkt bleiben, wie wir es in den letzten Wochen waren. Puh.

Aber heute ist nicht der Tag, an dem ich an der Politik herummeckern oder die aktuellen Ratschläge der Wissenschaftler anzweifeln will. Es ist auch nicht der Moment, in dem ich mich hier laut fragen möchte, wie lange das noch dauern soll. Und es ist auch nicht die Stunde, in der ich meinen Ängsten und Sorgen hier freien Lauf lassen will.

Ich möchte heute dankbar sein. Ich möchte mich bewusst darauf besinnen, was für mich ganz persönlich die Situation erträglich macht. Oder wer. Ich möchte klein und demütig sein und mich daran orientieren, wie und warum das Leben in den letzten 4  Wochen Lockdown funktioniert hat, für mich, für diese Familie, für uns hier im Kleinen.

Danke sagen nach  4 Wochen Lockdown

Danke, meine drei wunderbaren Kinder. Danke, dass ihr uns vertraut und unsere persönlichen Entscheidungen mittragt, auch wenn der Verzicht in vielen Dingen euch schwerfällt.

Danke, dass ihr meistens fröhlich seid und an so gut wie jedem Tag etwas Schönes findet, das ihr tun oder mit uns teilen könnt und dadurch jede einzelne Stunde hier für uns alle nicht nur erträglicher, sondern zu etwas Besonderem macht.

Danke, mein Herzensmädchen, für deine Idee zu #backengegenbudenkoller und für den köstlichen Duft und die liebevolle Geschäftigkeit, mit der du unser Haus alle paar Tage neu füllst. Jedes Stück Gebäck, jeder Cookie und jeder Schokokrümel sind ein Lichtstrahl im Quarantänealltag, den du uns schenkst. Und der tanzbare Soundtrack dazu in der Küche…! Priceless.

Danke, mein Sohn, für dein Bedürfnis, wirksam zu sein und mir immer wieder beistehen zu wollen. Dass du so verantwortungsbewusst und verlässlich deinen Putzdienst und diverse Hausarbeiten übernimmst, ist nicht nur eine echte Unterstützung, sondern es nimmt tatsächlich ein bisschen Last von allen Schultern hier, weil es zeigt, dass du was aushältst, dass du deinen Teil tragen willst und es auch kannst.

Danke, mein Goldkind, für deine Sonnigkeit, für jede Zeile selbstgeschriebenes Liedchen und Geklimpere auf deiner Ukulele, für jeden albernen Tanz mit und ohne Trampolin. Du bist mein garantierter Lacher an jedem Tag. Und danke dir, dass du so ruhig ziemlich alle Launen hier im Haus erträgst, ohne selbst allzu oft launisch zu werden.

Danke, mein geliebter Mann, dass du es schaffst, dich hier im trubeligen Fünferhaushalt so „klein“ zu machen. Dass du dein Übergangsoffice in der Abstellkammer eingerichtet hast, ohne zu meckern, damit das Lieblingszimmer weiterhin Musik-, Wäsche-, Yoga-, Meditations-, Podcast- und Arbeitszimmer für den Rest von uns bleiben kann. Dass du positiv bleibst und manchmal für uns alle den Kopf über Wasser hältst.

Ihr alle seid wie der ausgleichende Zaubertrank für mein in diesen Zeiten durchaus mal wackliges Gemüt. Das seid ihr immer, aber in den letzten 4 Wochen Lockdown war das für mich noch mal ganz besonders spürbar.

Und das gibt mir jeden Tag die Gewissheit, dass wir das überstehen werden, gemeinsam. Es macht mich dankbar für alles, was wir haben und teilen können. Unsere Zeit, unsere Liebe, unseren gemeinsamen Raum – und unsere Gefühle, die guten wie die schlechten, unsere Möglichkeiten und unsere Grenzen, unsere Zuversicht genauso wie unsere Ängste, die Fröhlichkeit genau wie die Wut, die Unsicherheiten genauso wie die Ausgelassenheit. Gemeinsam sind wir stärker und geben uns Halt, und dabei hat jeder Einzelne von uns seinen ganz eigene und unersetzliche, einzigartige Part.

Es macht mich dankbar, mir das vor Augen zu führen. Und es macht mich dankbar, dass ich diese Kinder um mich habe, die für mich jeden Tag alles ins Verhältnis setzen.

Danke, Kinder. Ihr seid tapfer und mutig, ihr habt ein unglaubliches Durchhaltevermögen. Ihr seid genügsam und voller Hoffnung jeden Tag. Ihr schenkt mir mit euren ungefilterten Gefühlsäußerungen immer aufs Neue so viel Normalität, so viel so-ist-das-jetzt-aber-ich-bin-wer-ich-bin, so viel Boden, auf dem wir gemeinsam stehen. Ich weiß, ich bin die Mama und ich bin für euch da und fange euch auf, wie ich es immer getan habe, seid ihr da seid. Aber jetzt, wo alles um uns herum „Ausnahme“ ist, seid ihr  ebenso das Gegengewicht, das mich in der Balance hält. Wir sind ein Gefüge von Fünf, das sind wir immer gewesen, aber zur Zeit wird es mir immer wieder sehr bewusst.

The news is out.

Wir werden sehen, wo uns das alles hinführt. Wir werden noch viel Geduld aufbringen müssen, da bin ich sicher, und wir werden erst im Nachhinein wissen, wofür und ob das alles so gut und richtig war. Aber bis dahin – halten wir uns an unserer Liebe fest.

 

 

9 Kommentare

  1. Liebe Anna!
    Wie immer findest du so treffende und schöne Worte. Danke!
    Ich wünsche euch eine gute, lebendige und herzerfrischende Zeit.
    Ganz liebe Grüße aus Freiburg, Steffi

  2. Liebe Anna, ich schreibe nie Kommentare, ich bin so eine heimlich-Leserin.. ;)
    Aber ich lese schon so lange bei dir mit und heute war’s mir einfach ein Bedürfnis dir zu sagen, du bist ein ganz wunderbarer und zauberhafter Mensch!
    Und ich bin mir sicher, du hast ganz viele heimliche Fans wie mich!
    Ich wünsche euch alles Gute!
    Martina

    • Danke dir, liebe Martina, für deine lieben Worte und dein „Outing“ hier. ;-) Ich freu mich von Herzen darüber! Dir und deiner Familie auch alles Liebe!

  3. Danke für diesen Beitrag. Auch ich bin völlig erstaunt, wie gut unsere Kinder die neuen Regeln akzeptieren, wie sie sich im Haushalt einbringen und vor allem darüber, wie sie sich wieder zum gemeinsamen Spielen gefunden haben. Das war „davor“ schon lange nicht mehr der Fall.
    Da geht mir das Herz so richtig auf. Besonders gerührt hat mich heute der Besuch (Distanz über den Gartenzaun) bei unserer ehemaligen Tagesmutter, die leider seit einigen Jahren schwerst erkrankt ist. Beide Kinder haben ihre Tagesmutter und mich durch ihre offene und ehrliche Art so sehr angerührt, dass wir beide mit den Tränen kämpfen mussten.
    Nach zwei Wochen Osterferien geht es nun in die nächste Runde „homeschooling“. Es wird nicht alles rund laufen, aber die vielen guten Dinge der letzten Woche, werden uns diese Wochen hoffentlich auch gut überstehen lassen.
    Alles Gute dir und deiner Familie.
    Liebe Grüße aus dem weit entferntem Südwesten,
    Kathrin

  4. Jeannette Forster Antworten

    Liebe Anna
    Danke für diesen wundervollen Text, es schwingt so viel Liebe zwischen all den Zeilen. Liebe an deinen Mann, die Kinder und liebe an dich selbst.
    Ich wünschte, ich hätte deine Fähigkeit so schreiben zu können.
    Danke, dass du mich als Leserin immer mitnimmst auf deine wundervolle Textreisen. Sei virtuell gedrückt Jeannette

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