Ich habe neulich ein neues Wort gelernt. Ich bin mir nicht sicher, ob ich es passend finde, in jedem Fall beschreibt es aber sehr gut, was es meint: Famefucker. Famefucker sind Leute, die sich auf Affären und/oder One-Night-Stands mit Promis oder prominahen Menschen einlassen aus einem einzigen Grund: weil sie Promis sind. Oder in der Nähe davon. Und mir war gar nicht klar, dass ich tatsächlich einige Famefucker kenne! Männer, die mit abgehalfterten Seriendarstellerinnen abstürzen und die Babysitter und Personal Trainerinnen von Heike Makatsch und Mariella Ahrens anbaggern und Frauen, die mit den Anwälten, Managern und anderen Mitgliedern aus den jeweiligen Entouragen von Til Schweiger und Mathias Schweighöfer schlafen. Unverständlich aus meiner Sicht, aber gut: jeder, wie er kann.

Aber  dieses Prinzip lässt sich auch sehr leicht auf sexfreie Bereiche übertragen, wo es dann eher ums Anbiedern, sich-in-der-Nähe-Rumtreiben und ähnliche Taktiken geht. Insofern ist die Famefucker-Dichte in meinem Umfeld wesentlich höher, als mir klar war. Hier sind es die ambitionierten Mitte-Eltern, Mütter zumeist, die ihre Kinder bewusst in dieselben Musikschulen schicken wie die Boss Hoss-Mitglieder ihre Kids oder in bestimmte Pekip-Kurse gehen, weil sich herumgesprochen hat, dass vielleicht Jasmin Tabatabai dort sein könnte.

Meine liebste Bonner Freundin kriegt regelmäßig die Promi-Krise, wenn ich ihr im Nebensatz berichte, wessen Kinder an unsere Schule gehen und wer auf welcher Geburtstagsparty war. Inzwischen macht mir das natürlich Spaß, sie mit solchen Geschichten zu versorgen, weil sie dann immer so schön ausflippt! Sie hat definitiv kein Famefucker-Potential, denn sie fällt in Gegenwart von halbwegs prominenten Menschen in eine Art vorsprachlichen Zustand zurück, der es ihr kaum erlaubt, klare Sätze zu formulieren, jedenfalls zunächst. Und ich habe auch keins, denn mir ist es in der Regel ziemlich Stulle, wer da neben mir auf dem Schulfest am Weinstand steht oder mit mir vor der Schwimmhalle wartet, solange er nett ist. Ich habe den Eindruck, dass es den meisten bekannten Gesichtern hier in Mitte sehr recht ist, wenn sie nicht erst erkannt und dann belagert werden. Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel und es gibt immer die Eitlen, die es genießen, wenn andere Menschen ihnen die Bühne geben, die sie wollen. Und die die Famefucker gerne in ihr Leben lassen.

Meine Kinder sind da direkter und auch unkomplizierter. Dass der Papa von Freundin Chloe ein bekannter TV-Schauspieler ist, ist Nebensache. Doch dass er lustig jonglieren kann und außerdem gern ein Kamel imitiert, spielt schon eine größere Rolle. Und mein Sohn hat neulich den Vater seiner Freundin im TV nicht mal erkannt. Als ich ihn darauf hinwies, guckte er nur, grinste und sagte: „Mama, das ist ja verrückt, der sieht dem ja total ähnlich!“ Dass das tatsächlich derselbe Mensch war, der ihn morgens immer mit Highfive begrüßt und auf der Straße mit den Jungs kickt, das hat er nicht verstanden. Und es wäre ihm auch egal.

Wie dem auch sei. Dass ich neulich auf dem Weg zum Einkaufen fast Peter Fox vom Rad geholt habe (aus Versehen natürlich!) war definitiv kein Famefucker-Move von mir. Und ich werde auch meinen Kindern weiterhin sicherlich nicht vermitteln, dass sie „besser“ wären, wären sie mit den Kindern von irgendwelchen Promis befreundet. Und wenn es zufällig doch so kommt: sind diese Kinder hoffentlich so nett wie meine und scheren sich nicht drum, wer wie bekannt ist. Oder auch nicht.

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23.08.2012: Okay. Ich habe gesagt, ich bin kein Famefucker. Also habe ich den letzten Absatz noch geändert und die Namen von bekannten „Mitte-Gesichtern“ wieder rausgenommen. Kein Famefucker, kein namedropping. So much for that. Dankeschön, sehr freundlich. Und danke für den (second-hand-)Hinweis, Michael!

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