Es ist mal wieder so weit: seit langer Zeit hat eins der Kinder wieder mal eine Magen-Darm-Grippe erwischt und beglückte mich den ganzen Tag lang mit allen Begleiterscheinungen. Und wie schon so oft habe ich dann mein ganzes Repertoire an Hausmitteln gegen die Symptome dieser bestgehassten Alltagskrankheit ausgepackt: Übelkeit, Durchfall und Erbrechen.

Ich muss ja sagen, dass ich nichts schlimmer finde, als wenn meine Kinder Magen-Darm-Grippe haben, nicht nur wegen der ekligen Symptome, sondern auch wegen der Hilflosigkeit, die ich dann empfinde. Bei keiner anderen Alltagskrankheit kann man gefühlt so wenig für die kleinen Patienten tun, damit es besser wird, damit es vorbei geht oder damit diese Symptome nachlassen.

Ein paar Dinge gibt es aber doch, Hausmittelchen, keine Apotheke nötig. Und um die geht es heute: was können wir also tun bei Magen-Darm-Grippe? Womit machen wir es unseren Kindern leichter, wenn ihnen übel ist, sie Bauchweh haben und sich übergeben müssen? Hier kommen unsere fünf beliebtesten Hausmittelchen beim Magen-Darm-Infekt:

1. Ingwer-Aufguss gegen Übelkeit, Fenchel-Kümmel-Anis-Tee gegen Magenkrämpfe

Übelkeit und Magenkrämpfe treten bei der Magen-Darm-Grippe nicht unbedingt in Kombination auf, aber das erste Mittel der Wahl ist jeweils – Tee. Wenn eins der Kinder über Übelkeit und Brechreiz klagt, ist der Ingwertee mit frischem Ingwer eine gute Hilfe. Einfach einige Scheibchen frischen, geschälten Ingwer mit 200ml kochendem Wasser überbrühen und 10 Minuten ziehen lassen. Dann den Ingweraufguss langsam und schlückchenweise trinken. Bei einem der berüchtigen Viren wie Noro wird das sicher nicht mehr helfen, aber bei allen anderen Formen von Übelkeit haben wir damit sehr gute Erfahrung gemacht. Als Tropfen oder Kapsen soll Ingwer auch gegen Reiseübelkeit und Schwangerschaftsübelkeit helfen. Das haben wir aber beides noch nicht getestet.

Den zweiten Tee, die Fenchel-Kümmel-Anis-Mischung, setze ich bei klassischen Verdauungsbeschwerden ein wie Blähungen und Völlegefühl, aber auch bei leichtem Durchfall ein. Ich mische die Kräuter immer selber und kaufe sie einzeln in der Apotheke, aber es gibt auch von allen gängigen Teeherstellern fertige Mischungen als Beuteltee. Zum Glück mögen meine Kinder den Geschmack dieser Kräuter und trinken den Tee gerne. Sie empfinden ihn als wohltuend und lindernd, wenn es ihnen nicht gut geht.

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2. Körnerkissen und Uhrzeigermassage bei Bauchweh

Schon als Babys mochten meine Kinder bei Verdauungsbeschwerden eine leichte Bauchmassage und auch heute ist ein Standardsatz: "Mama, kannst du mir den Bauch reiben?", wenn Blähungen, Bauchweh oder Krämpfe sie quälen. Mit einem leichten Öl wie Mandelöl oder sogar einem Fenchelöl (auch die ätherischen Öle im Fenchel haben die verdauungsfördernde Wirkung wie der Tee) massiere ich rund um den Bauchnabel mit leichtem Druck und im Uhrzeigersinn.

Zusätzlich hilft ein warmes Körnerkissen auf dem Bauch, es darf nur nicht zu schwer und nicht zu heiß sein. Wir haben verschiedene und jedes Kind hat seine Vorlieben. Die Große mag das etwas schwerere Kirschkernkissen, der Bub liebt das mit Dinkelspelz gefüllte Kissen, das ein bisschen kleiner und leichter ist, der Kleinen ist es wurscht. Aber alle drei lieben die langanhaltende Wärme, die wohltuend und heilsam ist. Im Gegensatz zu einer Wärmflasche kühlt das Kissen nicht so schnell aus und entzieht dem Körper beim Erkalten keine Wärme. Das macht es perfekt für kranke Bäuchlein, die Wärme brauchen.

3. Fanconi-Lösung zum Ausgleich des Elektrolytverlusts

Zum Ausgleich des Flüssigkeits- und Elektrolytverlustes benötigen die kleinen Patienten zusätzliche Flüssigkeit und Elektrolyte. Fertige Lösungen gibt es natürlich in der Apotheke zu kaufen, ich mache aber unsere immer selber. Die Fanconi-Lösung, benannt nach einem schweizer Kinderarzt, lässt sich leicht aus Zutaten herstellen, die man in der Regel im Haus hat, führt dem kranken kleinen Körper die Dinge wieder zu, die er jetzt so nötig braucht und ist dazu besser geeignet als die so oft zitierte Cola. Das Rezept ist denkbar einfach. Man braucht dafür:

  • 3 EL Traubenzucker in Pulverform
  • 1l verdünnten Schwarztee, bestehend aus 1/3 Wasser und 2/3 schwarzem Tee, der maximal 2 Minuten gezogen hat
  • 300ml Orangensaft, wenn es geht frisch gepresst
  • 1 knapper TL Salz

Der Traubenzucker und das Salz werden in dem Orangesaft (es geht auch mit Apfelsaft, schmeckt aber nicht so gut) aufgelöst, der dann wiederum in einem großen Krug mit der Tee-Wasser-Mischung zusammen geschüttet wird. Am besten vertragen wird die Mischung erstaunlicher Weise kühlschrankkalt. Am Anfang muss die Lösung teelöffelchenweise verabreicht, wenn sie nicht wieder hochkommt, kann zu kleinen Schlückchen übergegangen und so die Flüssigkeitsmenge langsam gesteigert werden.

Diese Lösung hat mein Vater schon früher für meine Geschwister und mich gemacht, wenn wir Magen-Darm-Grippe hatten, jetzt bekommen meine es. Und es ist erstaunlich zu sehen, wie die Lebensgeister wiederkehren, wenn sie mehr und mehr von der Lösung zu sich nehmen.

4. Heidelbeeren, Äpfel und Bananen bei Durchfall

Erstaunlicher Weise ist eine Nulldiät für den Genesungsprozess bei einer Durchfallerkrankung gar nicht so förderlich, auch wenn man das erstmal denken könnte. Deshalb ist die relativ frühe Gewöhnung an gut verträgliche oder sogar symptomlindernde Lebensmittel bei einer Magen-Darm-Grippe sogar gut. Natürlich sollte man kein Kind,, das sich im regelmäßigen Rhythmus übergibt, überreden, etwas zu essen, wenn es keinen Appetit hat. Aber in der Regel kommt der Hunger recht schnell, wenn einmal die Flüssigkeit wieder drin bleibt. Dann eignen sich bestimmte Lebensmittel besonders gut. 

Dass Bananen stopfen, ist kein Geheimnis. Wichtig ist, dass sie zerdrückt wird, dann eignet sie sich, um Stuhl zu verfestigen. Auch der geriebene Apfel hat mich in meiner Kindheit schon bei Durchfallerkrankungen begleitet: beim Apfel ist das Geheimnis, ihn gerieben an der Luft braun werden zu lassen und dem kranken Kind teelöffelweise zu geben. Die darin enthaltenen Pektine binden die Giftstoffe im Darm.

Dass Heidelbeeren in getrockneter Form eins der wirksamsten MIttel gegen Durchfall sind, habe ich erst gelernt, als ich selbst Kinder hatte. Getrocknete Heidelbeeren bekommt man im Reformhaus oder in der Apotheke. Für kleine Kinder eignet sich ein Heidelbeertee. Dafür 2-3 EL getrocknete Heidelbeeren mit 1/4l Wasser zum Kochen bringen und 10 Minuten köcheln lassen. Den Tee können die Kinder schluckweise über den Tag verteilt trinken. Größere Kinder können die Beeren kauen, wenn sie zuvor mit etwas Wasser eingeweicht wurden. Wichtig ist, die trockenen Beeren zu verwenden, nicht die frischen – die wirken abführend.

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5. Schonkost-Lieblinge nach der heißen Phase

Wenn die heiße Phase vorbei ist, der Tee, die Fanconi-Lösung, die durchfallkonformen Obstsorten und vielleicht Salzstangen oder Zwieback wieder drin bleiben, geht es an die Schonkost, denn natürlich kann das rekonvaleszente Kind, hohläugig und hungrig wie ein kleiner Vampir, nicht gleich wieder voll loslegen. Milchprodukte und die meisten frischen Obst- und Gemüsesorten sind tabu, ebenso zu fetthaltiges Essen wie Gebratenes. Was eignet sich also? Was können die kleinen Patienten nach der Magen-Darm-Grippe essen?

Bei uns sind die Klassiker ein frisch gekochter, milchfreier Kartoffel-Möhren-Stampf mit Meersalz und ein bisschen Olivenöl statt Butter. Das wird in der Regel gut vertragen und meine Kinder mögen es auch noch gerne. Außerdem eignen sich leichte Gemüse- und Hühnersuppen, auch mit einer Einlage aus kleinen Suppennudeln. Ebenfalls gerne gegesssen wird hier gedünsteter weißer Fisch mit Salzkartöffelchen oder ein leichtes Hühnerfrikassee mit Reis. Insgesamt achten wir auf wenig Belastendes, wenig Fett, wenig Zucker und nur eine ganz allmähliche Wiedereinführung von Milchprodukten.

An die Schonkost geht es jetzt auch erst mal wieder für mein krankes Goldkind, und ich hoffe, ich kann sie schnell wieder aufpäppeln. Euch wünsche ich, dass ihr alle ganz gesund bleibt und eure Kinder auch!

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5 Kommentare

  1. Das ist eine tolle Zusammenstellung an Hausmitteln. Vor allem die selbst gemachte Fanconi-Lösung kannte ich noch nicht und werde ich bei meinem Söhnchen auf jeden Fall ausprobieren, wenn wieder einmal ein Magen-Darm-Infekt "zu Besuch" ist.

    Mit Tee und Wärme habe ich bisher auch sehr gute Erfahrungen gemacht. Insbesondere Fenchel-Kümmel-Anis-Tee habe ich als Kind schon gern getrunken (auch ohne Magenweh) und mache es bis heute gern. Meine Omili hat ihn mir – so wie du es für deine Kinder machst – auch immer selbst aus den Kräutern zubereitet und keine fertigen Teebeutel verwendet. Manchmal gab es noch einen Löffel Rapshonig hinein, weil mir das so gut schmeckte. 

    Und Bäuchlein streicheln ist ja schon fast eine Medizin. ;-) Es beruhigt, es gibt Wärme und Nähe und ist wunderbar kuschelig. Alles, was ein krankes Kind in dem Moment braucht. 

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  4. Liebe Anna….bei uns sind alle Kinder krank und ich bin auf der Suche nach einem guten Rezept für Kartoffel-Möhrenstampf.

    Wie machst Du dein Gericht?

    Da ich schon viel von Dir nachgekocht habe, wäre ich für ein Rezept total dankbar.

    Die Kleine ( 2)…isst nämlich seit drei Tagen gar nichts.:-(

    • Also, ich koche Salzkartoffeln wie immer, nur gebe ich in dicke Scheiben geschnittene Möhren dazu. Wenn alles gar ist das Wasser abgießen und den Topf mit Möhren und Kartoffeln zurück auf die heiße Platte, dass die restliche Flüssigkeit verdampft. Flamme abstellen. Dann kommt wahlweise Butter (bei MDV würde ich stattdessen Olivenöl nehmen) und Milch dazu und alles wird mit dem Kartoffelstampfer durchgestampft. Die Konsistenz bestimmt man ja dann je nach dem wie viel Milch man zugibt. Gegebenenfalls nachsalzen, fertig. Gute Besserung!

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