Leandra, Zarah, Ava, Agnes, Lenka, Fanny und Nico – so heißen die Mädchen in der Kitagruppe meines Sohnes. Immer, wenn ein neues Kind dazu kommt und den Reigen wieder ein wenig bunter macht, denke ich darüber nach, was es mit der Namensgebung so alles auf sich hat. Ich bin ja nun mit dem Thema durch und werde wohl kaum noch mal im Leben über den Namen eines neugeborenen Kindes (mit-)bestimmen. Aber in meinem näheren Umfeld ist damit noch längst nicht Schluss, und so werden auch des öfteren Ideen laut diskutiert. Die Tageskinder meiner Nachbarin, Mila und Liz zum Beispiel, sind gerade beide große Schwestern geworden. Liz, bei der Kürze und Knackigkeit ihres eigenen Namens ganz folgerichtig, hat einen Tom bekommen, Mila dagegen eine kleine Schwester namens Greetje. Nun denn. Über Geschmack lässt sich nicht streiten, mir persönlich gefällt davon nichts besonders gut, aber hässlich finde ich auch keinen der Namen. Und es ist ja wohl auch so, dass wenn man die Kinder kennt und mag, die Namen dann auch keine Rolle mehr spielen.

Hier, zwischen Prenzlauer Berg, Friedrichshain und Mitte, wo wir wohnen, findet sich eine interessante Mischung aus Eltern mit skandinavistischer Tendenz, deren Kinder so ähnlich heißen wie Ikea-Möbel (Tonka, Rune, Marte, Nike, Tjorven, Jussi, Lasse), den immer noch alttestamentarisch orientierten Eltern, die ihren Kindern biblische Namen geben wie Gabriel, Jonathan, Sarah, Noah, Aaron, Leah und Magdalena (wieso, frage ich mich immer schon, wieso eigentlich nicht mal Kain oder Abel??) und den alteingesessenen, in meinen Augen völlig fehlgeleiteten pseudo-englisch-amerikanischen Ossi-Kindernamen, die einfach nicht weggehen: Steven (sprich: Stiiivn), Charlene (sprich: Tscharliiiin), Rocco, Doreen (sprich: Doreeeeeen, genauso wie Kathleeeen), Scarlett, Samantha (sprich: Zementa) und auch die vielbemühten Cindy (also Zündi) und Dustin. Das alles regelmäßig unterbrochen von den Evergreens und Klassikern wie Lilly, Tom, Jonas, Louis, Marie, Sophie, Anna, Max(imilian), Alex(ander),Charlotte, Paul, Pauline undsoweiter.

Ich frage mich immer, was die Motive sind, wenn Menschen ihre Kinder nennen. Also meine eigenen Motive kenne ich: wir wollten einen Familienbezug, wir wollten was Klassisches, wir wollten einen Namen, den wir möglichst noch nicht mit einer konkreten Person verbinden und wir wollten keinen von den ganz häufigen Namen, auch wenn sie uns gefielen. Darunter fallen einige aus der Evergreen-Liste oben. Aber wir hatten beispielsweise nicht im Sinn, dass die Namen ausdrücken sollten, der so genannte kleine Mensch wäre eine Personifizierung eines „better me“ der Eltern oder jemand, dem man ein Schicksal vorzeichnet, indem man ihn nach jemand ganz Berühmtem nennt. Marilyn oder Barack oder so.

Aber warum, um alles in der Welt, nennt ein Mensch seinen Sohn Jaden Gil (offensichtlich nach dem Sohn von Anré Agassi und Steffi Graf), kann das aber nicht richtig aussprechen und sagt den Rest seines Lebens also „Schaden Schill“. Warum nur? Oder weshalb heißt ein kleines, rotgesichtiges, sommersprossiges, mopsiges Mädchen „Fee“? Das ist doch grausam.  Und wieso nenne ich mein Kind Anais, wenn ich hinten Kowaltschik heiße und Iphigenie, wenn der Nachname Kasupke ist. Anais wird übrigens immer „Annää“ genannt, kein Mensch sagt denen mal, wie das auf französisch eigentlich heißt. Wahrscheinlich wird das arme Kind da eines Tages das schreckliche Erwachen haben und seine Eltern verfluchen.

Ein bisschen irritiert mich ja die Auswahl, die meine Kinder treffen, wenn sie ihren Puppen Namen geben: meine aktuellen Enkelkinder heißen nämlich Lulu, Emily, Wickie, Lissy, Bissy, Melody und Leesa. Was kommt da auf mich zu? Und wie werde ich reagieren, wenn meine Tochter eines Tages einen Enrico Bürgel anschleppt und mein Sohn eine Cheyenne Müller? Werde ich dann lachen oder weinen? Im Zweifel werde ich einen Blogeintrag absetzen und darauf hoffen, dass sich jemand meldet, dem es damit genauso geht wie mir. Und ich sollte es spätestens dann mit Goethe halten der in seinem Faust schrieb: „Gefühl ist alles, Name ist Schall und Rauch!“ Na, denn.

Wer bis dahin von absurden Kindernamen noch nicht genug hat, dem empfehle ich das Blog chantalismus.tumblr.com – sehr heiter!

3 Kommentare

  1. martina van Middelaar Antworten

    „Schakkeline wech mit de Pommes vomm Beckenrand – mir sinn doch kei Assis.!…“ 🙂

  2. Nike ist die griechische Siegesgöttin und hat nix skandinavisches! Ich hab auch noch nie nen Ikeamöbel mit dem Namen gesehen (aber es stimmt, es gibt eine Designerin die Nike heißt und viel für Ikea entwirft.)

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