Ich lese meinen Kindern jeden Abend vor. Soweit die Theorie. Nein, wirklich: unsere drei Kinder bekommen jeden Abend vorgelesen, aber ich möchte an dieser Stelle nicht verschweigen, dass das nicht allein durch mich stattfindet, sondern dass der Vater der Kinder (der wunderbarste Vater!) dazu fast immer seinen Teil beiträgt. Alleine drei Kindern hintereinander vorzulesen, grenzt nämlich an Selbstverleugnung. Erst recht, wenn der Stimmungsstatus sich in der Regel um diese Uhrzeit zwischen Wahnsinn, Verzweiflung und völliger Erschöpfung gleichmäßig aufteilt. Und ich spreche nicht nur von der Stimmung der Kinder!

Wie dem auch sei, bei uns wird vorgelesen. Schon immer. Und alle drei Kinder sind sehr buch-affin. Oder sagt man schon bibliophil? Sie stapeln alle drei gerne Bücher an ihren Betten, auf dem Boden und den Nachttischchen oder auf den Wandborden über ihren Betten. Wenn wir irgendwo hin gehen, eingeladen sind, einen Ausflug machen oder etwa verreisen, dann führen alle drei Kinder ihre überlebenswichtigen Bücher immer mit sich. Und das sind nicht wenige. Die Bibliothek schwankt dabei altersgemäß zwischen Miffy, Ducktale-Comics, Grüffelo, dem Kleinen Drachen Kokosnuss, Harry Potter, Märchenbüchern, Bibi-Blocksberg-Pixis, Tim&Struppi und Shakespeare in für Kinder aufbereiteter Form. Dementsprechend bewegen sich die Kinder auch ständig mehr oder weniger in ihren Buchwelten und inspirieren sich dabei gegenseitig. So kommt es, dass meine Kleinste mit ihren drei Jahren öfter mal spielt, sie sei Hermine Granger (ohne jemals etwas von den dazughörigen Geschichten gehört zu haben), der Bub sich bei Bibi&Tina bestens auskennt und die Große immer noch Pippi Langstrumpf frequentiert, indem sie sie nämlich ab und zu den Kleineren vorliest. Wenn die drei am Wochenende zusammen übernachten, dann wird nicht nur der abendliche Film fürs sogenannte „Kinderkino“ schon am Frühstückstisch besprochen, sondern auch die Auswahl der zu lesenden (und vorzulesenden) Bücher wird geplant. Irgendwann liegen dann alle drei mit Taschenlampen in den Betten und es wird „gelesen“ – bei den beiden Kleinen ist es ja mehr ein Bücher-anschauen, als ein Lesen.

Ich bin also ständig auf der Suche nach neuen Büchern. Die Kleinste nimmt in der Regel einfach das, wo die Größeren schon „rausgewachsen“ sind, aber gerade für die Große brauche ich regelmäßig neues Lesefutter und der Bub hat auch einen deutlich anderen Büchergeschmack als seine große Schwester. Also streife ich oft durch Kinder- und Jugendbuchabteilungen, durchforste die Lieblingslisten auf amazon und durchsuche überhaupt das Netz nach neuen Büchern oder zumindest solchen, die ich noch nicht kenne. Als ich ein kleines Mädchen war, gehörte es zu meinen liebsten Dingen, wenn meine Mutter mich mit in ihre (und meine) Lieblingsbuchhandlung nahm, die Buchhandlung Reuffel in meiner Heimatstadt. Dort gab es eine wunderbare Kinderbuchabteilung mit einer Lesehöhle, in der ich am liebsten stundenlang gehockt und neue Bücher entdeckt hätte. Dieses Gefühl ist irgendwie nie weggegangen, und für mich ist noch immer jeder Geburtstag, an dem ich nicht ein, am liebsten zwei Bücher auspacken kann, die ich mir nicht gewünscht und die ich trotzdem bekommen habe, irgendwie nicht hundertprozentig gelungen. In besagter Buchhandlung habe ich dann später während meines Studiums selbst lange gearbeitet und mit Freuden festgestellt, dass die Kinderbuchabteilung nach wie vor sorgfältig geführt und wunderbar bestückt wurde. Ich habe hier in Berlin noch keinen Bücherort gefunden, der ebenso vielfältig gewesen wäre oder so gemütlich. Und ich vermisse diesen Ort, an den ich meine Kinder gerne bringen würde, so wie ich als Kind dort war, damit sie dort in neuen Bücherwelten versinken und sich wegträumen, weglesen könnten.

Also suche ich nach neuen Geschichten, nach neuen Orten, wo ich Geschichten für meine Kinder finden kann. Und nachdem ich heute morgen beim Frühstück meinen Dreien Balladen vorgelesen habe, tagsüber dem Bub ein Märchen und heute Abend der Großen ein Kapitel Septimus Heap (und der Vater der Kinder gleichzeitig der Kleinen „Eins, zwei, drei, Tier“), habe ich beschlossen, wenigstens im Netz selbst so einen Ort zu schaffen: ich werde hier eine Kategorie über Bücher einrichten, Kinderbücher, Jugendbücher, Bilderbücher, Märchenbücher, alte Bücher, neue Bücher. Und es wird jeden Samstag ein Buch der Woche geben, eine Lieblingsempfehlung eines Lieblingsbuches.

Berlinmittemom macht eine virtuelle Lesehöhle auf für Kinder und ihre Mütter, die selbst mal kleine Mädchen waren und mit Taschenlampen unter der Decke gelesen haben, bis die Licht-aus-Zeit lange, lange überschritten war. Starting next saturday!

3 Kommentare

  1. Oh, wie toll! Wir wollen unserem Würmchen auch ganz viel vorlesen, das sehen mein Liebster und ich ganz so wie ihr! Wir lesen uns auch immer mal wieder gegenseitig vor, das ist einfach schön. Vielen Dank schon heute für die virtuelle Lesehöhle!

  2. ja mir hat die Stadtbücherei auch sehr gefallen – auch für mich – man liest freier, nimmt mal Bücher, bei denen man nicht sicher ist ob sie gefallen – und entdeckt auf diesem Wege manche Schätze. Meine Kinder fühlten sich in der Bücherhalle auch immer sehr wohl und willkommen.

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