Bei 38° in Biarritz angekommen, geht es an den zwei Folgetagen gleich weiter mit der Hitze. Wir schauen auf die Wettervorhersage und erwarten sehnsüchtig den Moment, in dem die Temperatur wieder sinken wird, wir machen nachts Durchzug, so gut wir können, wir bleiben im Schatten, wir kühlen den Hund mit Kühlpacks ab, wir werfen Eiswürfel in alles, was wir trinken, auch in den Kaffee, wir schwitzen. Und wir bewegen uns so wenig wie es geht.

Wir verbringen also tatsächlich die ersten beiden Tage hier mit Rumsitzen bzw. -liegen. Bis zu 40° tagsüber am Montag und bis weit in die Nächte hinein noch über 30° zwingen uns, uns so ruhig wie möglich zu verhalten. Zum Glück hat auch dieses Haus einen Pool, auch wenn der natürlich den ganzen Tag in der prallen Sonne liegt, aber der dennoch für Abkühlung sorgt. Luxus!

Es passiert nicht viel. Ich schreibe auf Instagram über das Bikinitragen jenseits der 40 und darüber, wie die Bodyissues, die uns Frauen anerzogen wurden, mir selbiges seit über 25 Jahren versaut haben.  Und eigentlich hätte ich dazu noch mehr zu sagen, zu schreiben, vor allem, weil so viele von euch mir darauf so eindringlich geantwortet haben. Aber ich habe null Energie. Ich sitze morgens draußen und trinke Kaffee auf Eis, mittags sitze ich draußen und trinke Cola Zero auf Eis, nachmittags ist es wieder Kaffee und zwischendrin literweise stilles Wasser. Auf Eis. Und dabei lese  ich den ganzen Tag mein Buch, das dritte auf dieser Reise, das mich vollständig in seinen Bann zieht.

Für eine Buchvorstellung mit richtiger Rezension habe ich auch nicht genug Energie, auch wenn ein angefangener Buchpost noch hier in den Entwürfen schlummert. Aber weil so viele gefragt haben, teile ich hier mal meine Reiselektüre als Liste. Da ich die wenigsten davon bisher gelesen habe, kann ich auch für die meisten (noch) keine Empfehlung aussprechen, insofern scheint mir eine Liste zunächst okay zu sein. Ready?

Meine Leseliste für diesen Sommer

Gerade lese ich Ein wenig Leben (Amazon Partnerlink) von Hanya Yanagihara und bin total gefesselt. Es ist die Lebensgeschichte von vier Freunden und gleichzeitig ist es die Biographie einer Freundschaft. Im Mittelpunkt stehen vier Freunde, deren Lebenswege von Collegetagen an, als sie Mitbewohner werden, begleitet und verfolgt werden. Ich bin noch nicht ganz bei der Hälfte angekommen, aber mich fesseln die Lebensgeschichten der vier Freunde, von denen vor allem einer der Dreh- und Angelpunkt zu sein scheint. Er ist derjenige mit diversen (krassen) Kindheitstraumata, die sich auf heftige Weise auf sein Erwachsenenleben auswirken. Und auf seine Freundschaften zu anderen. Wundervoll geschrieben, toll übersetzt, literarisch anspruchsvoll. Große Empfehlung bisher.

Davor habe ich Becks letzter Sommer (Amazon Partnerlink) von Benedict Wells gelesen. Ich habe schon so einiges von ihm gelesen (und gemocht), dieses hier stand schon länger auf meinem Zettel. Irgendwie kam ich allerdings schwerer rein, als bei anderen Wells Büchern, vielleicht, weil mir die Figur des mittelalten Lehrers auf der Suche (oder der Flucht?) irgendwie nicht nicht nahekam. War aber ein flüssiges Leseerlebnis, solide geschrieben, interessante Figuren, gut erzählt.

Als erstes las ich Milde Gaben (Amazon Partnerlink) von Donna Leon, der 31. Fall von Inspektor Brunetti und ein Venedig-Krimi. Ich muss sagen… puh. Ich habe diese Reihe so viele Jahre so geliebt, die Figuren, die Gedankengänge, das Lokalkolorit, die Ideen, die Abgründe, dass ich aus alter Anhänglichkeit die neuen Bände immer wieder gekauft habe. Leider ist es jetzt zum wiederholten Male so, dass ich eigentlich nur noch weiterlese, weil ich befürchte, ich könnte sonst den einen guten Moment in dieser Geschichte verpassen – aber er kommt nicht. Unfassbar langweilig und die Zeit nicht wert. Leider.

Noch auf meiner Liste bzw. in meinem Gepäck oder auf meinem Kindle (Amazon Partnerlink):

Außer dem neuen Gamache-Krimi ist keins der Bücher eins, auf das ich mich ungeduldig freue, und nachdem mich gerade Ein wenig Leben so begeistert, habe ich Angst, dass die anderen so seicht vor sich hin plätschern und mich nicht vom Hocker reißen werden. Aber das ist mein Lesevorrat für diesen Sommer in Listenform.

Welche Titel davon kennt ihr oder habt sie schon gelesen? Was lest ihr diesen Sommer?

2 Kommentare

  1. Ich lese nicht so wirklich gerne Krimis, auch nicht im Urlaub. In diesem Sommer lese ich mich durch die (wenige) ukrainische Literatur in deutscher Übersetzung, aktuell “Kult” von Ljubko Deresh, das ist schon älter, aber ich finde es sehr schön. Das lese ich vorm Schlafen.

    Tagsüber lese ich “Wagner. Putins Geheimarmee” von Marat Gabidullin – aus Gründen. Das ist ein Spiegel
    Bestseller und liest sich so weg. Sehr einfache Sprache. Ich finde es spannend. Und nein, es ist kein Roman, sondern ein Sachbuch.

    Und davor habe ich ein noch sehr viel älteres Buch gelesen, was richtig toll war (und mich in ein schwarzes Leseloch gestürzt hat, als ich es ausgelesen hatte): “Der geschenkte Gaul”, die Biografie der Schauspielerin Hildegard Knef. Ein ganz wunderbares Berlin-Buch mit Krieg und sehr viel Nachkriegszeit und sehr viel persönlicher Bilanz. Das kann ich als Sommerlektüre sehr empfehlen. Auch als Winterlektüre übrigens. Hat mir eine Freundin empfohlen und ich empfehle es gerne weiter.

    Aber ich fürchte, die gibt es alle nicht für irgendwelche Lesegeräte. Ich lese lieber Bücher aus Papier. Mehr als 2 dieser Art würde ich auch im Urlaub nicht schaffen, deshalb hab ich diese “die muss man alle schleppen”-Probleme auch nie.

  2. Danke für die Empfehlung. “Ein wenig Leben” ist mir auf Instagram schon häufiger über den Weg gelaufen, das nehme ich dann mal auf die Leseliste auf.
    Ich habe bisher im Urlaub “Ein Baum wächst in Brooklyn” fertig gelesen. Ein Klassiker aus den 1940er Jahren aus den USA, die Lebensgeschichte eines Mädchens das in sehr armen Verhältnissen in Brooklyn groß wird. Das Buch ist autobiografisch und ich fand es ganz beeindruckend, dass sie es trotz aller Hindernisse geschafft hat gefeierte Autorin zu werden.
    Jetzt bin ich grade bei “Im Wasser sind wir schwerelos”, das gefällt mir sehr gut. Eine Geschichte um zwei junge Männer im Polen der frühen 1980er Jahre, die eine Beziehung anfangen. Wunderschön geschrieben, absolute Leseempfehlung!
    Zwischendurch hab ich noch ein Buch aus der Reihe “Die Frauen vom Karlsplatz” von Anne Stern gelesen. Das ist eher leichte Lektüre, aber schöner Berlin-Bezug. Die Bücher drehen sich um Berliner Frauen verschiedener Generationen, jedes Buch eine andere Zeit, vom späten 19. Jahrhundert bis Mitte des 20. Auch eine gute Urlaubslektüre, finde ich.
    Ich habe die letzten Jahre im Urlaub an der Nordsee auch immer gerne Krimis mit Lokalbezug gelesen, aber da fehlen mir grade die Ideen, bzw. hab ich schon alles weg gelesen was ich mag. Es gibt eine Krimireihe von Christiane Franke, die kann ich sehr empfehlen. Nicht besonders blutig, aber die Dynamik zwischen den Ermittlerinnen (ein Team aus zwei Frauen, schon das finde ich bemerkenswert) mag ich sehr.

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