Unser Roadtrip durch Frankreich liegt bereits einige Wochen zurück, und die 32 Tage unterwegs habe ich natürlich längst nicht alle auf die Weise dokumentiert, wie ich es eigentlich geplant hatte.

Zum Teil lag es am Urlaubsmodus, der mich hat tiefenentspannen und das Nichtstun genießen lassen, zum Teil an der Hitze, die uns und den halben Kontinent fest im Griff hatte. Und tatsächlich hatte ich auf der einwöchigen Rückreise wenig bis kein Wlan bzw. wenig bis keine Zeit, zu schreiben.

Nicht an jedem dieser Tage ist so viel passiert, dass ich es hätte dokumentieren müssen, andere Tage wiederum waren vollgestopft mit Unerfreulichem wie Staus, Streit unter den Mitreisenden oder enttäuschende Unterbringung, mit der wir uns erstmal arrangieren mussten. Aber ein bisschen was erzähle ich – unchronologisch – doch noch und beginne mit unseren zwei Tagen in Toulouse und Montpellier bzw. Palavas-Les-Flots.

Während wir nämlich auf der Hintour via Reims und Montrichard-Val-de-Cher nach Biarritz gefahren waren, wählten wir für den Rückweg die Strecke über Toulouse, Montpellier, Genf und Zürich. Der Abschied von Biarritz fiel uns sehr schwer. Zu schön und leicht waren die Tage dort gewesen, zu sehr hatten wir uns in diese wunderschöne kleine Stadt und ihre steile Küste verliebt. Aber irgendwann musste es ja wieder zurück gehen.

Und während der Sohn bereits freitags von Bordeaux aus zurück nach Berlin fuhr, um noch ein paar Tage Ferienzeit ohne uns und mit Freund*innen zu verbringen, starteten wir einen Tag später mit vollgepacktem Auto Richtung Toulouse.

Ich bin ganz sicher in meinem Leben schon in Toulouse gewesen, aber ich hatte keinerlei Erinnerung daran, und so konnte ich mit demselben unschuldigen Blick wie der Mann und die Töchter durch die “ville rose” spazieren und alles zum ersten Mal sehen und erleben.

Tatsächlich war ich wohl diejenige von uns, die von Toulouse am meisten angetan war. Das Goldkind hatte an unserem Toulousetag doofe Schuhe an und lief sich Blasen während unserer Entdeckungstour durch die Stadt und die Große war ebenfalls nicht unbedingt hingerissen, wenn auch angemessen beeindruckt von den alten Gemäuern und wunderschönen Häusern, die es überall zu sehen gab. Der Mann hatte den Fokus auf dem Organisatorischen und musste außerdem schon seine nächste Arbeitswoche vorbereiten, die zwei Tage später losging, noch während wir unterwegs waren.

Unser Hotel war okay und hundefreundlich, die Zimmer groß und klimatisiert – was ein Glück war, denn wir fuhren in der nächsten Hitzewelle in Biarritz los und verließen die kühlere Atlantikküste zugunsten von aufgeheizten südfranzösischen Städten. Toulouse kochte um die Mittagszeit, als wir gerade ankamen.

Ein bisschen Zeit nahmen wir uns, um anzukommen und runterzukühlen, dann schnappten wir uns den Hund und die Wasserflaschen und liefen los. Ich fand eigentlich alles zauberhaft, die Straßen, die Fassaden, die Brunnen, die Parks und die Wasserspiele, die von vielen Familien mit kleinen Kindern bevölkert waren. Was für eine lebendige Stadt!

Wir besuchten natürlich einige klassische Touristenspots wie die Place du Capitole, die Basilique St Sernin und den Jakobinerkonvent, einen außergewöhnlichen mittelalterlichen Bau mitten in der Stadt. Einen Eindruck von Toulouse bekamen wir aber eher durch das viele Umherstreifen, die spontanen Kaffeepausen in kleinen Lädchen, die Blicke in grüne Hinterhofgärten und auf Dachterrassen und die Stippvisiten in Comicbuchläden und Eiscafés.

Unsere Tour endete am späten Nachmittag am Ufer der Garonne, wo wir unter Bäumen ausruhten, eine ausführliche Trinkpause machten und uns überlegten, wo und was wir zu Abend essen würden. Es war klar, dass das Goldkind mit den Blasen an den Füßen nicht mehr weit kommen würde, also liefen wir zurück zum Hotel, ruhten uns aus und wählten ein Restaurant in der direkten Umgebung. Dort ließen wir den Tag ausklingen, während es spät am Abend endlich kühler wurde und das Glühen in den Straßen allmählich verebbte.

Ich hätte gerne noch mehr Zeit in Toulouse verbracht, stattdessen ging es am nächsten Morgen nach dem Frühstück Richtung Mittelmeer in einen mehr oder weniger zufällig gewählten Ort bei Montpellier, Palavas-Les-Flots.

Was soll ich sagen? Dass wir nach unserer Ankunft “underwhelmed” waren von dem Ort und unserer Unterkunft, wäre die Untertreibung des Jahrhunderts. Es war scheußlich. Nichtmal das schöne Mittelmeer konnte das olle Hotel mit ekligem Teppichboden, papierdünnen Wänden (ich konnte unseren Zimmernachbarn durch die Wand schnarchen hören) und dem winzigen Zimmer wettmachen, in das wir uns zu viert plus Hund quetschten – in zu kleinen Betten, mit kaputter Klimaanlage, bei Temperaturen von 38°.

In der näheren Umgebung gab es n i c h t s, außer diesem Hotel, einem Campingplatz und einer Menge runtergekommener Strandbungalows. Nicht mal einen kleinen Supermarkt haben wir entdeckt. Im Nachhinein haben wir natürlich gesehen, dass es einen kleinen Hafen gibt und auch noch andere Hotels, aber auch dort wird der Ort beherrscht von Bettenburgen direkt am Wasser und zugebauten Stränden.

Die Mädchen und ich sind immerhin einmal kurz ins Mittelmeer getaucht (zusammen mit gefühlt hunderten französischer Campingurlauber*innen), dann war der Nachmittag schon fast rum. Da es nichts weiter gab, aßen wir auch im Restaurant des Hotels, was erstaunlich gut war. Frischer Fisch, ein kalter Rosé, Moules-Frites und Zitronentarte – das rettete uns quasi den Tag. Die Nacht war dann, wie erwartet, wenig erholsam, wenn auch einige unfreiwillig komische Situationen entstanden, über die wir im Nachhinein sehr lachen können. Bei Abfahrt am nächsten Tag waren wir alle regelrecht erleichtert!

Die vor uns liegende Etappe war mit knapp 450km eine der bis dahin längsten, die wir während unseres Roadtrips am Stück gefahren sind: es ging in die Schweiz und zunächst für eine Nacht nach Genf. Dass wir von Genf nicht viel sehen würden, wussten wir da noch nicht.

Ich schreibe auf jeden Fall noch über Genf und Zürich. Und würde euch ein Artikel mit einer Art Fazit über unsere Roadtriperfahrungen mit Dos und Don’ts  interessieren?

 

 

4 Kommentare

  1. Ja , definitiv! Ich hab deinen Reiseberichte schon vermisst und ständig nachgeschaut. Ich mag deine Art zu schreiben so sehr und die Berichte sind so schön “alltäglich”, aber eben auch nicht…;)

  2. Uff jeden (ja zum Fazit-Artikel) – das wäre total interessant! Herzlichen Dank fürs Mitnehmen in eure Urlaubszeit.

  3. Ach, wie schön, dass die Reise durch Frankreich weitergeht! An Toulouse habe ich auch gute Erinnerungen, obwohl ich bei meinem Aufenthalt damals gefühlt fast die ganze Zeit auf der Suche nach einer ordentlichen Toilette war. In der Jugendherberge gab es damals in meiner Jugend eine irre Kombination aus Stehklo und Dusche – das ging für mich gar nicht! Aber was habe ich damals auf der Suche nach brauchbaren Toiletten (waren damals in der Stadt rar gesät) für schöne Ecken entdeckt!

  4. Toulouse sieht wahnsinnig schön aus, das hab ich schon bei Deiner Instastory dazu gedacht. Ich mag diesen Text hier. Und ich glaube, ich mag ihn auch deshalb, weil es hier nicht nur um all die Schönheit geht, sondern eben auch um die anderen Dinge: Blasen an den Füßen, eine enttäuschende Unterkunft, ein Ort, den man nicht mochte. Auch das ist ja Urlaub und so hübsch ich es finde, von einem HIghlight zum anderen “mitgenommen” zu werden, so sehr schätze ich es auch, wenn das ganze ein bisschen realistischer zeigt, dass es eben nicht durchgehend vier Wochen lang toll ist. Natürlich weiß man das irgendwie. Aber ich mag generell gerne, wenn man nicht nur erfährt, dass es toll, toll, toll war, sondern dass dazwischen eben auch Dinge passieren, die einen genervt oder angestrengt haben. Vielleicht, weil ich selber nicht so der Harmonie-Typ bin…
    Ich war nach zwei durchaus schönen Urlaubswochen mit Teenager durchaus auch erschöpft und wundere mich immer auf Social Media, wie gechillt das bei anderen aussieht. Haben die auch “Duschstreiks”, “Essensverweigerung”, “Kein Bock auf Strand”, Wutausbrüche wegen “kein W-lan”, Panik, wenn irgendwas nicht klappt (“wir kommen hier nie wieder weg? Toll! Und jetzt?”)? Oder machen die alles mit, bzw. sind immer gesprächs- und verhandlungsbereit?

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