In Frankreich geht man auf den Markt. Das ist etwas, das ich als Kind schon geliebt habe: auf den Markt gehen, wo all die  wunderschönen, glänzenden Obstsorten ausgebreitet liegen und duften, wo sich das bunte Gemüse stapelt und so verführerisch ausieht, dass man sofort Ratatouille, Grillgemüse, eine Soupe au Pistou oder einen Teller Crudités mit einem Dip daraus machen möchte. Tische voll mit dem köstlichsten Käse (Käse! Ich liebe Käse, schon immer!), Rohmilchkäse, Ziegenkäse, weiche aromatische Bries, Käsestücke in Weinblätter gewickelt, in Asche gewälzt, mit Rosmarinnadeln und Pfefferkörnern und Thymian ummantelt, ein Paradies!Markt in Amboise | berlinmittemom.com

Der frische Fisch auf Eis, die Gambas und Crevetten, die Muscheln und Schnecken, geerntete Algen in flachen Schalen dazwischen, Stände mit Olivenöl und Lavendelhonig, zehn verschiedene Sorten Brot gleich am Stand nebenan, Brioche und Pain au Chocolat, Tartes und Eclairs.

Und dann die Orte, an denen quasi Feinkost verkauft wird. Keine Currywurst auf die Hand oder eine Falafel, auch kein selbstgemachter Burger mit Bio Coleslaw, nein, Stände mit richtigem fertigem Essen, das so gut ist, dass es von den Menschen hier gekauft wird und zu Hause zum Mittagessen auf den Tisch gestellt. Terrinen, Tabouléh, Cassoulet, fertig gegrillte Hühner mit Oliven, Zwiebeln und Tomaten, Salate aus Bulgur und Couscous in allen möglichen Varianten, Quiches und Tartes Flambées, gefüllte Blätterteigpasteten und und und…

In meiner Kindheit hatten wir eine kleine Tradition mit unserem Vater, der in den Herbstferien oft mit uns Kindern in die Provence und an die Côte d’Azur fuhr, wenn dort kaum mehr Touristen waren. Unsere Mutter hatte keine vorlesungsfreie Zeit, bei ihr hatte dann meist gerade das neue Semester begonnen und sie war voll mit ihren neuen Student*innen und dem neuen Semesterplan befasst. Also nahm unser Vater sich frei und fuhr mit uns los. Einige Male waren wir zusammen im vergleichsweise menschenleeren St. Tropez und kauften dort jedes Mal auf dem Markt ein fertig gegrilltes Huhn. Das Gericht hieß einfach “poulet tropézienne” und es war ein ganzes Huhn mit Oliven, Zwiebeln, Paprika, Tomaten.. (soweit ich mich erinnern kann), das noch warm in einen verschließbaren, beschichteten Papierbeutel gelegt und uns mitgegeben wurde. Dazu kauften wir eine Stange Baguette und ein bisschen Käse auf dem Markt und veranstalteten mit diesen Köstlichkeiten ein Picknick. Einmal erwischte uns ein Platzregen, als wir gerade mit unseren frisch eingekauften Köstlichkeiten nach einem Picknickplatz suchen wollten. Da fuhren wir mit dem Auto raus aus dem Ort und ein Stück an der Küste entlang, bis wir einen Platz fanden, von wo wir trotz Regen aufs Meer schauen konnten. Und dann wurde das Picknick im Auto veranstaltet, während der Regen um uns her weiter fiel.

Lange Rede, gar kein Sinn – auch hier muss ich auf Märkte gehen. In Amboise haben wir schon auf einem Markt in all den oben beschriebenen Anblicken geschwelgt, hier waren wir jetzt einmal in den Halles des 5 Cantons in Anglet und haben zumindest die Reste des Marktes in den Hallen in Biarritz gesehen. Markthallen haben ihren ganz eigenen Charme, hier gibt es neben den üblichen Verkaufsständen mit Köstlichkeiten auch noch kleine Restaurants oder Bistros, wo man etwas essen und trinken kann. Gerade in Anglet waren die Hallen gut besucht, es brummte geradezu vor Geschäftigkeit und die Menschen ließen sich überall nieder, um Moules-Frites und Hummus mit geröstetem Brot und Salate und kleine Spieße mit Gemüse und Fisch zu essen.

Markt in Amboise | berlinmittemom.com

Einen Kunsthandwerksmarkt haben wir auch zufällig entdeckt, auf dem lokale Künstler*innen und Anbieter*innen ihre Produkte verkauften: Siebdrucke und Linoldrucke, Schmuck und Taschen, Kleidung und Espadrilles, Kinderkleidung und Dekogegenstände…  Wenn ich jetzt noch einen Markt finde, wie ich ihn früher in Pont L’Abbé in der Bretagne immer besucht habe und wo wir neben den frischen Lebensmitteln noch meterweise der schönsten Stoffe gekauft haben, um daraus Tischdecken und Kissenbezüge zu nähen, wo es Korbflechter*innen gab, die die schönsten Taschen, Körbe und Lampenschirme flochten, Keramik und Lederwaren… dann hätte ich meine schönsten Markterinnerungen aus Frankreich vollständig wiederbelebt.

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